Was will die “Ostdeutsche” Allgemeine?

Die Mainstreampresse hat Konkurrenz bekommen: Die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ) ist am Freitag zum ersten Mal erschienen. Sie wurde von den Mitbewerbern eher ungnädig aufgenommen.

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph.

Die Ein­schät­zun­gen schwan­ken zwi­schen Pro­vo­ka­ti­on, Unsinn, Aben­teu­er, Kuschel­blatt für Dun­kel­deut­sche und Ego­trip des Her­aus­ge­bers. Daß ande­re Zei­tun­gen nicht erfreut sind, sich den umkämpf­ten Markt in Zukunft mit einem Neu­an­kömm­ling tei­len zu müs­sen, liegt in der Natur der Sache. Daher sind die Ein­schät­zun­gen der Kon­kur­renz nicht viel wert, man muß selbst reinschauen.

Die gedruck­te Auf­la­ge soll 43.000 Exem­pla­re betra­gen, am hei­mi­schen Bahn­hof war sie am Sonn­abend bereits aus­ver­kauft, bei Kauf­land und am Zei­tungs­ki­osk noch vor­rä­tig. Optisch macht sie einen auf­ge­räum­ten Ein­druck, kla­re Glie­de­rung der Arti­kel und der soge­nann­ten Bücher, die unter ande­rem “Geo­po­li­tik” und “Ost­deutsch­land” beti­telt sind.

Was außer­dem auf­fällt: Der Titel ist in einer schö­nen Frak­tur gehal­ten, die an die Ber­li­ner Zei­tung erin­nert, die Zei­tung, mit der Hol­ger Fried­rich 2019 den Sprung ins Zei­tungs­ge­schäft wag­te. Das lief offen­sicht­lich so gut, daß die Expan­si­on auf den Wochen­zei­tungs­markt mög­lich wurde.

Das Geheim­nis des Erfolgs von Fried­rich liegt sicher in sei­ner nicht nur finan­zi­el­len, son­dern auch geis­ti­gen Unab­hän­gig­keit. Äußer­te sich die­se zu Beginn eher im Hin­blick auf die Bewer­tung der DDR, kamen vor allem im Zuge von Coro­na und Ukrai­ne­krieg wei­te­re The­men hin­zu, bei denen man leicht einen Kon­tra­punkt zum Main­stream set­zen konnte.

Die OAZ ist dem Zuspruch zu ver­dan­ken, den die Ber­li­ner Zei­tung für ihre Bericht­erstat­tung abseits des Main­streams erhal­ten hat.

Was mir per­sön­lich aber gleich miß­fällt, ist der Titel. Ja, vie­le Ossis bezeich­nen sich als Ost­deut­sche, igno­rie­ren damit aber, daß die­ses Ost­deutsch­land ganz woan­ders liegt, in Ost­preu­ßen, in Schle­si­en, in Pom­mern, in Ost­bran­den­burg. Mit der Adap­ti­on des Ost­deut­schen für die ehe­ma­li­ge DDR wird der Ver­lust der Ost­ge­bie­te auch geis­tig besie­gelt. Von den „Namen, die kei­ner mehr nennt“ (Dön­hoff) ist es nicht weit bis zu 1000 Jah­ren Geschich­te öst­lich der Oder, die aus­ge­löscht wer­den. Das mag klein­lich klin­gen, für mich ist es aber eine ech­te Hürde.

Schau­en wir rein: auf dem Cover ein Mega­fon, das offen­sicht­lich dar­auf hin­wei­sen soll, daß die OAZ ein Sprach­rohr für Mei­nungs­frei­heit sei. Denn „Vor­sicht, Frei­heit“ steht da in gro­ßen Let­tern, als Warn­hin­weis für Ent­wöhn­te gewis­ser­ma­ßen. Das Edi­to­ri­al des Chef­re­dak­teurs (Dori­an Baganz, 1993 in Duis­burg gebo­ren, kommt vom Frei­tag) bekun­det, daß die OAZ eine „Reprä­sen­ta­ti­ons­lü­cke“ schlie­ßen und zum gesamt­deut­schen Leit­me­di­um wer­den will.

Über­haupt fin­det sich in der Aus­ga­be eine statt­li­che Anzahl von Selbst­be­kennt­nis­sen. Die Redak­ti­on legt eine ganz­sei­ti­ge Selbst­ver­pflich­tung zu Leit­li­ni­en und Grund­sät­zen ab (die wohl jede ande­re Zei­tung auch unter­schrei­ben wür­de). Die Exis­tenz­not­wen­dig­keit der OAZ wird aus dem Feh­len der „ost­deut­schen“ Per­spek­ti­ve im deut­schen und euro­päi­schen Dis­kurs abge­lei­tet. Schließ­lich recht­fer­ti­gen Hol­ger Fried­rich und Gat­tin ihr neu­es Pro­jekt mit dem stig­ma­ti­sier­ten Osten, der dem Wes­ten eine wich­ti­ge his­to­ri­sche Erfah­rung vor­aus habe und viel tole­ran­ter und erfolg­rei­cher sei, als man­che behaupten.

Der Inhalt der OAZ ist dage­gen eher bie­der. Eisen­ach ist eine tol­le Auto­mo­bil­stadt, Ost­deutsch­land sei das Land der unbe­grenz­ten Mög­lich­kei­ten. Und der säch­si­sche Minis­ter­prä­si­dent darf im Inter­view auf einer Dop­pel­sei­te sei­ne Welt­sicht aus­brei­ten. Die OAZ fragt, ob der „Kurs­wech­sel“ (!) der Bun­des­re­gie­rung bei der Migra­ti­on genü­ge, ver­lo­ren­ge­gan­ge­nes Ver­trau­en zurück­zu­ge­win­nen. Kretschmer:

Wich­tig ist, daß wie­der offen, sach­lich und prag­ma­tisch über Migra­ti­on gespro­chen wird.

Nach­fra­ge OAZ:

Setzt sich Sach­sen in Ber­lin für eine restrik­ti­ve Flücht­lings­po­li­tik ein?

Kret­schmer:

Schon immer.

Also alles bes­tens, im Osten. Und auch die zwei­sei­ti­ge Home­sto­ry über Chrup­al­la ist gut gemeint. Chrup­al­la wird nicht ver­teu­felt, son­dern als Kum­pel­typ mit Hund geschil­dert, der gern Bäcke­rei­en auf­sucht. (Und wel­che Uhren­mar­ke er trägt, wis­sen wir jetzt auch.)

Aber: Der Mann ist Chef einer Par­tei, die im Osten an der abso­lu­ten Mehr­heit kratzt. Da darf es auch mal poli­tisch wer­den. Mer­kel-Foto­graf Andre­as Mühe wird gemein­sam mit dem ehe­ma­li­gen Kapo der Ultras von Dyna­mo Dres­den inter­viewt (weil die mal ein Bild zusam­men gemacht haben, und ver­mut­lich, weil bei­de Ossis sind). Dem Kapo, der heu­te Yoga betreibt, fällt auf die Frage

Das Kli­schee von der Hoo­li­gan-Sze­ne sieht weiß, männ­lich, gewalt­be­reit aus. Ist da nicht doch was dran?

nur ein: Nö, das war sei­ner­zeit „ein ganz bun­ter Hau­fen“. Klar, die Dyna­mo-Ultras waren schon immer für ihre geleb­te diver­si­ty bekannt.

Der Osten der BRD wird weich­ge­spült. Es fällt selbst bei den Arti­keln auf, die sich kri­tisch mit den gegen­wär­ti­gen Ver­hält­nis­sen beschäf­ti­gen, daß da ein ganz star­ker Zug in Rich­tung Mit­te herrscht. Tho­mas Fas­ben­der, der frü­her für die Jun­ge Frei­heit schrieb, schil­dert zwar den Zustand der Demo­kra­tie rich­tig als durch Mei­nungs­ver­bo­te und Gän­ge­lei­en der Mehr­heit durch eine Min­der­heit geprägt, biegt dann aber noch recht­zei­tig ab:

Wenn es den eta­blier­ten Par­tei­en und Poli­ti­kern nicht gelingt, den öffent­lich-recht­li­chen Mei­nungs­kor­ri­dor für einen wirk­li­chen Dis­kurs zu öff­nen, wenn sie es nicht schaf­fen, als Men­schen und nicht als Phra­sen vor das eige­ne Volk zu tre­ten, und wenn sie die ver­stumm­te Mit­te nicht mobi­li­sie­ren, tra­gen die Rän­der den Sieg davon. Das kön­nen nur die Rän­der wollen.

Blöd nur, daß zumin­dest der eine Rand mitt­ler­wei­le in die Mit­te hin­ein­reicht. Immer­hin gibt es ein zwei­sei­ti­ges Inter­view mit Jac­ques Baud, dem auf EU-Ebe­ne das pas­sier­te, was hier­zu­lan­de Zivil­ge­sell­schaft und Ver­fas­sungs­schutz über­neh­men: Er wur­de ohne Ankla­ge oder Gerichts­ver­fah­ren zur Per­so­na non gra­ta erklärt.

Hin­zu kommt: Die hei­li­gen Kühe „Ein­wan­de­rung ist wich­tig“ und „mit der Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung sind wir noch lan­ge nicht fer­tig“ blei­ben auch bei der OAZ hei­li­ge Kühe. Es wird mehr Ein­wan­de­rung gefor­dert und dazu die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung des Ostens geprie­sen, und es gibt zwei Buch­be­spre­chun­gen in der Aus­ga­be, die sich bei­de mit Roma­nen befas­sen, in denen irgend­ein SS-Unmensch eine Rol­le spielt.

Damit aber auch alle mer­ken, daß man in Sachen Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung  auf der rich­ti­gen Sei­te steht, darf Lau­ra Laabs im Inter­view unwi­der­spro­chen die Befrei­ung durch die Sowjet­uni­on loben, und Jens Wend­land, frü­her Pro­gramm­di­rek­tor bei den Öffent­lich-Recht­li­chen, der in einem Lebens­born-Heim gebo­ren wur­de und lan­ge den fal­schen SS-Offi­zier für sei­nen Vater hielt, ant­wor­tet auf die Fra­ge, ob die „soge­nann­te Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung“ geglückt sei:

Das kann ich mit einem kla­ren Nein beant­wor­ten […]. Die alten Pro­ble­me, auch die anti­se­mi­ti­schen Hal­tun­gen, haben wir ein­fach mit fortgeschleppt.

Wie steht’s mit der „ost­deut­schen Per­spek­ti­ve“, der man in der OAZ eine Stim­me geben woll­te? Die kommt zu kurz. Man könn­te sogar der Mei­nung sein, daß es sie gar nicht gibt, es sei denn, es geht dar­um, wie pri­ma alles in der DDR war. Da kommt mit Chris­ti­an Baron jemand ins Spiel, der uns wis­sen läßt, war­um er „kein Wes­si mehr sein will“. Der hat sich aus pre­kä­ren Ver­hält­nis­sen empor­ge­kämpft und ist den­noch der Mei­nung, daß es in der BRD wesent­lich unge­rech­ter zugeht als damals in der DDR. Und:

Daß vie­le Ossis heu­te mei­nen, die Wahl einer rechts­extre­men Par­tei wür­de ihr Leben ver­bes­sern, ist tragisch.

Viel­leicht ist es aber viel eher so, daß die Ossis es leid sind, daß sie durch die Poli­tik der ande­ren Par­tei­en dar­an gehin­dert wer­den, ein selbst­be­stimm­tes Leben zu füh­ren. Hol­ger Fried­rich hat durch sein Enga­ge­ment von die­ser Hal­tung Zeug­nis abge­legt, den­noch ist auch er der Mei­nung, daß der Ossi ein ganz beson­de­res Tier­chen im deut­schen Zoo sei.

Nun haben es nicht alle Ossis zum IT-Mil­lio­när gebracht, aber ob sie des­we­gen wie eine Min­der­heit betreut und gepäp­pelt wer­den müs­sen, ist bald 36 Jah­re nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung zumin­dest frag­lich. Ande­rer­seits: War­um soll­ten die Für­spre­cher der Ossis vom all­ge­mei­nen Zug zur Iden­ti­täts­po­li­tik nicht auch pro­fi­tie­ren können?

Unterm Strich bleibt der unter­neh­me­ri­sche Mut, die OAZ aus der Tau­fe geho­ben zu haben, zu loben. Sie wird sich aller­dings nur als gesamt­deut­sches Leit­me­di­um eta­blie­ren kön­nen, wenn sie auch den Tod­sün­den des Wes­tens ent­sagt, dem Schuld­kult und dem Selbsthaß.

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph.

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Kommentare (19)

RMH

22. Februar 2026 12:08

"Was mir persönlich aber gleich mißfällt, ist der Titel. Ja, viele Ossis bezeichnen sich als Ostdeutsche, ignorieren damit aber, daß dieses Ostdeutschland ganz woanders liegt, in Ostpreußen, in Schlesien, in Pommern, in Ostbrandenburg. Mit der Adaption des Ostdeutschen für die ehemalige DDR wird der Verlust der Ostgebiete auch geistig besiegelt. Von den „Namen, die keiner mehr nennt“ (Dönhoff) ist es nicht weit bis zu 1000 Jahren Geschichte östlich der Oder, die ausgelöscht werden. Das mag kleinlich klingen, für mich ist es aber eine echte Hürde."
Wort! & Amen! Soll der Herr Friedrich sein Einhegungsblättchen doch bitte in Polen herausbringen, verbunden mit dem Statement:
"Daß viele Polen heute meinen, die Wahl einer rechtsextremen Partei würde ihr Leben verbessern, ist tragisch."
PS: Ob das neue Blatt wirklich so ganz unternehmerisch mit privaten Kapital finanziert ist, da würde ich einmal ganz höflich Fragezeichen dahinter setzen.

Franz Bettinger

22. Februar 2026 12:38

„Mit der Vergangenheitsbewältigung sind wir noch lange nicht fertig“, meint OAZ pflichtschuldig. Schnee-Matsch  von vorgestern, auf dem keiner mehr rodeln will. In den Vordergrund gehört die Bewältigung der Gegenwart: das fortgesetzte Merkel-Corona-Regime, Migrationsverbrechen, Kriegshetze der extremen Mitte, Aushöhlung der Meinungsfreiheit, Entrechtung des Individuums, autoritärer Staat … 

Boreas

22. Februar 2026 13:21

Die Tatsache, das sich etliche meiner Freunde und Bekannten, die alle in der gleichen Traditionskompanie marschieren, mit der "OA" vor dem Kopf in diversen sozialen Medien präsentieren, zeigt, das Friedich in eine Lücke der Mediengruppenlandschaft stößt. Ob das Blatt das Potential hat, mehr als Triggermaterial für die  "Unseredemokratie"TM-Resterampe zu sein, muss es in zukünftigen Ausgaben beweisen. Auch ich bin über die Namensgebung unglücklich, weise ich doch immer wieder darauf hin, daß der Landstrich, der mehrheitlich der Schwefelpartei seine Stimme gibt, Mitteldeutschland genannt wird. Bei seiner finanziellen und inhaltlichen Unabhängigkeit hätte der Herausgeber ruhig mal einen raushauen können, z.B. mit "Mitteldeutscher Beobachter". Dann hätte sich der Mainstream schön in Anprangerungstiraden ergehen können. Wir werden sehen, wohin die Reise geht.

gluecklichetage

22. Februar 2026 13:42

Man darf gespannt sein, was aus dem blatt wird. besonders versprechend klingt das alles nicht, aber warten wir ab. Eine anmerkung zur beobachtung: "Der Titel ist in einer schönen Fraktur gehalten." Dem vermag ich mich nicht anzuschließen, nicht weil ich keine Fraktur mag (ganz im gegenteil), sondern weil sie hier (wie auch andernorts so oft) nicht den typographischen regeln gemäß verwendet wird. Statt des sog. "langen s" https://de.wikipedia.org/wiki/Langes_s steht "rundes s" (auch "auslaut-" und "schluss-s"); statt richtig "Oſtdeutsche Allgemeine" eben "Ostdeutsche..." (hier das bild: https://berliner-zeitung-msp-prod.imgix.net/2026/02/22/4383ed89-b95a-4fe2-8d12-207ba6205205.jpg?w=1880&auto=format&sharp=15&fit=crop&auto=compress. Da sollte man doch besser gleich eine schöne Antiqua nehmen - oder, um den Stalin-induzierten polnischen landraub nicht zu beschönigen, "Mitteldeutsche Allgemeine" sich nennen. 

das kapital

22. Februar 2026 14:55

Dem Blatt ist doch erstmal viel Glück zu wünschen, weil es gegen das westdeutsche Meinungskartell der Selbstzerstörung wirkt. Das heutige Ostdeutschland braucht eine authentische Stimme nicht nur im Politischen sondern auch im Bereich des Journalismus. Merz und von der Leyen müssen erzogen werden. Und ihnen muss abgewöhnt werden, den Osten und die Bürger insgesamt zu schurigeln und zur Perversion der Macht zu erziehen. Wenn das gelingt, ist viel gewonnen. Es gibt genug Mitteldeutsche, die gesamtdeutsch was zu sagen haben. Ich fang da mal an mit Uwe Tellkamp. Wenn der ein schmieriger Sozi wäre, wäre er längst so erfolgreich wie Günther Grass. Seine internationale Karriere hat er sich selbst zerstört durch echte bürgerliche Haltung statt wokem Bullshit. Auch eine Susanne Dagen und Antje Hermenau sind Vertreter einer verständigen Bürgerlichkeit mit ostdeutschem Hintergrund. Diese Kräfte brauchen und verdienen mehr Gehör. Die OAZ kann das bieten. 2 Seiten für Baud, Herz, was willst Du mehr. /// Das historische Deutschland umfasst Allenstein, Königsberg in Ostpreußen, Königsberg in der Neumark, Danzig, Breslau und Stettin. Das alles aber ist jetzt polnisch. Nur das kulturelle Erbe lässt sich bewahren, das physische nicht.

Laurenz

22. Februar 2026 15:12

@EL ... Im Osten nichts Neues. Wo sich der Osten Deutschlands befindet, sollte man nicht so eng sehen. Das ändert sich eben hin & wieder mal. Daß der Osten Polens sich in 10 Jahren noch dort befindet, wo er jetzt ist (östlich der Weichsel), wage ich stark zu bezweifeln. & das ohne unser Zutun. Die von Ihnen geschilderte geopolitische Ausrichtung der OAZ scheint im letzten Jahrtausend hängen geblieben zu sein. Ende letzter Woche gab es den Artikel von Rabbi Cooper auf der Achse. https://www.achgut.com/artikel/ein_rabbi_in_muenchen_drei_tage_zwischen_vergangenheit_und_zukunft Mein kritischer Kommentar ging nicht durch. Es ist nicht wirklich durchschaubar, wann bei der Achse Kritik am Pro-Semitismus akzeptiert wird oder nicht. Die Zeiten, wo sich Anti-Semitismus rein auf Rassismus bezog, sind, zumindest intelligenten Zeitgenossen, nicht mehr zu verkaufen. Trotzdem scheut sich Rabbi Cooper mit dem Zentralrat aufzuräumen, der den Import von Anti-Semiten aus dem Orient & den linksextremen Deutschen Anti-Semitismus fördert. Auch die innenpolitischen Einschätzungen der OAZ scheinen doch arg veraltet. Dieter Dehm, hingegen, hat genau erkannt, wie die politische Einordnung in Deutschland zu sehen ist. https://www.youtube.com/shorts/i_tz5nf1SrI?feature=share

Umlautkombinat

22. Februar 2026 16:19

Mich juckt der Titel nicht so sehr, obwohl fast alle meine Grosseltern und auch die meiner Frau deutlichen echten Ostbezug haben (und auch die Eltern z.T. noch dort geboren wurden). Riesengebirge, Kaschubenland, weiteres jetzt polnisches Gebiet. 
 
Hier wird aber gerade das Kernland und das ohne Krieg moeglicherweise irreversibel ausgehoehlt (in gewisser Weise sogar wirksamer, da sogar das Unrechtsempfinden darueber selbst, an der Wurzel getoetet werden soll. Was auch bei einer nicht kleinen Klientel schon gelungen ist).
 
Das hat Prioritaet. Und da es eben nie einen informellen Mitti gab, aber jede Menge Ossi verbal verbraucht wurde, setzt der Name aus Sicht der integrativen Addressierung einer relevanten deutschen Bevoelkerungsgruppe erstmal praktikabel an.

Majestyk

22. Februar 2026 16:40

@ RMH: 
"Ob das neue Blatt wirklich so ganz unternehmerisch mit privaten Kapital finanziert ist, da würde ich einmal ganz höflich Fragezeichen dahinter setzen"
Scheint zumindest so. Gf Holger Friedrich dürfte am Verkauf von SPM Technologies an SAP gut verdient haben. Geschätzter Kaufpreis laut KI 15 - 25 Mio. €. Inhaber hatte SPM zwei. Bernd Kraus wechselte nach dem Verkauf zu Siemens (SBS). Friedrich verblieb zunächst bei SAP in höherer Funktion, wechselte dann zu McKinley, gründete noch andere Firmen, kaufte 2019 die Berliner Zeitung. Dort wurde Friedrichs Tätigkeit als IM Bernstein publik. Im vergangenen Jahr wiederbelebte Friedrich die Weltbühne. Hrsg. waren zunächst Thomas Fasbender (arbeitete u.a. für RT und Behzad Karim Khani. Khani bezeichnet sich selbst als Antifaschisten, kann in Interviews Deutschland nichts Positives abgewinnen. Von ihm stammt das durch Reitschuster bekannt gewordene Zitat "In zwanzig Jahren gibt es mehr Menschen in Deutschland, die Karim Khani richtig aussprechen können als Fleischhauer, und mir gefällt das. (…) In spätestens zehn Jahren sind wir Migranten hier mindestens die Königsmacher. Mindestens! (…) Jetzt stirbt das weiße Deutschland aus und wir übernehmen den Laden." Fasbender hat nun andere Aufgaben bei der Berliner Zeitung. Sein Nachfolger ist Per Leo, Mitverfasser von "Mit Rechten reden". Alles leicht überprüfbar. Für mehr reicht der Platz nicht.. Der Begriff Ostdeutschland wurde korrekt erfaßt. Mache sich jeder seinen Reim. 

Artabanus

22. Februar 2026 16:45

Der Name OAZ ist offensichtlich an die WAZ, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, angelehnt. Das ehemalige Mitteldeutschland ist nun tatsächlich Ostdeutschland. Der Deutsche Staat ist auf Schrumpfung ausgelegt. Preußen war 1870 von der Fläche fast genau so groß wie die heutige BRD, die man auch als Restdeutschland bezeichnen könnte.

Majestyk

22. Februar 2026 17:05

"Vielleicht ist es aber viel eher so, daß die Ossis es leid sind, daß sie durch die Politik der anderen Parteien daran gehindert werden, ein selbstbestimmtes Leben zu führen."
Laut Wahlprognosen liegt die AfD in Bayern und Rheinland-Pfalz bei 18 %, in Hessen und Baden-Württemberg gar bei 20 %, selbst NRW kommt auf 15 %. In Brandenburg und Sachsen sind es um die 35 %, in Thüringen und Sachsen-Anhalt gar fast 40 %. In Bayern gibt es 10,1 Mio. Wahlberechtigte, in BW 8,3, Hessen 4,7, Rheinland-Pfalz 3,2. NRW kommt gar auf 13,8. Zum Vergleich Brandenburg 2,1, Thüringen 1,9, Sachsen Sachsen-Anhalt 2, Sachsen kommt auf 3,4.Fast 40 Prozent in Thüringen oder SA bedeuten 800.000 Wähler. 20 % in BW bedeuten 1.660.000 Wähler und die 15 & in NRW bringen 2,07 Mio. Wähler. 
So viel dazu, daß nur Ossis die politische Situation im Land leid sind. Womöglich definieren sich Bayern, Rheinländer, Saarländer oder Schwaben eher als ebensolche, denn als Westdeutsche. Und womöglich gibt es außer mir noch andere "Westdeutsche", die es 35 Jahre nach der Wende leid sind als Wessis betrachtet zu werden, denen auch die Ostorientierung der AfD nicht gefällt, die Ostblock T-Shirts nicht cool finden und DDR-Ostalgie vorsichtig ausgedrückt als seltsam betrachten, vor allem bei Leuten, die angeblich selbstbestimmt leben wollen. Könnte ja sein, daß nicht nur ich Probleme mit einer bestimmten Art von DDR-Prägung habe, von Anti-A bis Anti-Z.

RMH

22. Februar 2026 17:24

"Das ehemalige Mitteldeutschland ist nun tatsächlich Ostdeutschland."
Was halt rein geographisch schon mal nicht vollständig stimmt. Wenn ich in die neuen Länder fahre, fahre ich nach NORDEN & nicht nach OSTEN. Thüringen, Sachsen-Anhalt, ist aus bayerisch-fränkischer Sicht der Norden. Wenn man von Rostock & Potsdam eine grobe Linie nach Süden zieht, durchstreift man zwar kurz Böhmen, aber landet wieder in Bayern. Eigentlich könnten sich, in Bundesländern der Gesamt-BRD gedacht, nur die Sachsen & weite Teile Berlins das Label "Ost" auch geogr. komplett anheften. Da wird den Alt-Bundesländlern regelm. vorgeworfen, total brainwashed zu sein, aber das Ostdtl. auch von Thüringern oder Magdeburgern bejaht wird, zeigt die gesamtdeutsche-Bildungskatstrophe der letzten 75 Jahre eindeutig. Im Übrigen bleibt Ostdeutschland trotz der Zugehörigkeit zum aktuellen Polen immer noch Ostdeutschland, so wie Böhmen Böhmen bleibt, auch wenn es heute der größte Teil von Tschechien ist. 

RMH

22. Februar 2026 17:24

@Majestyk, will ihnen gar nicht groß widersprechen, es gilt aber zu bedenken, dass man zwar so was aus dem Boden stampfen kann, aber laufende Kosten darf man erstmal reinwirtschaften & spätestens da zeichnet sich der "moderne" Manager dadurch aus, dass er Förderungen/Subventionen abgreift, wo es was abzugreifen gibt. Warten wir also mal ab, wie sich der Laden entwickelt. Wer zahlt schafft an - schauen wir mal.

Majestyk

22. Februar 2026 17:25

@ Artabanus:
Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung hat ihren Sitz in Essen und ist im Wesentlichen eine Zeitung fürs Ruhrgebiet, eben nicht für Westdeutschland in den Grenzen bis 1990. Es gibt eine Mitteldeutsche Zeitung, eine Sächsische Zeitung oder eine Thüringer Allgemeine. Ostdeutsche Allgemeine Zeitung orientiert sich eindeutig nicht an landsmannschaftlichen oder regionalen Gegebenheiten, sondern ist eher eine Art Sezessionsbegriff.

Ein gebuertiger Hesse

22. Februar 2026 17:48

Die Latte des Anpruchs ist nicht zu tief gelegt bei denen. Was gut ist in der Sache der Belange der Ostdeutschen. Aber wird es um die Sache gehen? Wenn das Blatt ein intellektuell aufgehübschter Berliner Kurier wird, wird es zu wenig sein.

Valjean72

22. Februar 2026 17:51

Ich vernahm vor ein paar Wochen von dieser Zeitungsneugründung und der gewählte Name stiess mir sogleich bitter auf.
 
Wenn dann noch die heiligen Kühe der späten Bundesrepublik "Einwanderung ist wichtig" und "Vergangenheitsbewältigung" in dieser Zeitung gehegt und gepflegt werden, dann weiss ich, dass es sich bei diesem neuen Printmedium nicht um eine originär patriotisch-deutsche Stimme am Medienmarkt handelt und es somit zu vernachlässigen ist.

Marcus AC Severus

22. Februar 2026 18:02

Dem Blatt ist Glück zu wünschen. 
Bezogen auf den Namen sollte man sich erstmal grundsätzlich fragen, innerhalb der Nation anhand von Debatten und ähnlichem, wie man den Ostgebieten gedenken will und was man bezogen auf die Zukunft damit machen will. Man sollte hier nicht so kopflos wie die Polen agieren und jegliche Fässer die Richtung Revanchismus gehen könnten (Auch nur emotional) erst gar nicht aufmachen. Europa ist wie die AfD. Der Kontinent hat kaum äußere Gegner (Sofern er Zusammenhält) die ihm ernsthaft schaden könnten und kann sich nur selbst zerstören, wie leider vielfach bereits geschehen. Wenn es hier wieder auf geistige Kleinstaaterei hinausläuft wird Europa keine friedliche Zukunft haben. 

Martha

22. Februar 2026 18:17

Habe mich auch zuerst am Titel gestoßen: Mitteldeutschland ist nicht Ostdeutschland. Ansonsten leider keine Alternative zu den MSM. Da müßte noch viel passieren. 

MarkusMagnus

22. Februar 2026 20:07

@ Artabanus und RMH
Sehe ich auch so. Der Name Mitteldeutsche Allgemeine ist sehr reizvoll.
Vor Allem könnte man - wenn Kritik der Dummlinken - aufkommt, auf den MDR der BRD verweisen. 
MFG
 
 

Ellen Kositza

22. Februar 2026 20:32

Lehnert sagt ja selbst, daß es vlt. "kleinlich" sei, sich über "ostdeutsch" aufzuregen. Ja! Ich, als Abkömmling von Schlesiern und Kaschuben, habe längst zu den Akten genommen, daß das zeitgenössische "ostdeutsch" mittlerweile eine echte (selbstbewußte) Marke ist, die "die ganze Geschichte" einfach mal beiseite schiebt - vielleicht auf Wiedervorlage irgendwann.

"Ostdeutsch" ist einfach eine Ansage.

Anders als Lehnert feiere ich die "Ostdeutsche Allgemeine" und halte sie für einen echten genialen Coup.

Nur finde ich sie in Teilen handwerklich wirklich schlecht. Es gibt darin etliche Texte, die Schülerzeitungsniveau haben. Man könnte es sehr leicht verbessern.