Am Rande der Sicherheitskonferenz

von Orly Richter -- Es gibt eine Art von Veranstaltung, bei der Begriffe so verladen, festgezurrt und aufgegleist werden, daß ein Abspringen vom Diskurs-Waggon danach fast unmöglich scheint. So eine fand am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz statt.

Das Sym­po­si­um „Russ­lands Hybrid­krieg: Die Auf­lö­sung der Wahr­heit“ ver­sam­mel­te pro­mi­nen­tes­te Kir­chen­ver­tre­ter und Aka­de­mi­ker aus Deutsch­land, den USA und der Ukrai­ne, die ent­lang der Fra­ge nach der Wahr­heit im Krieg Grund­sätz­li­ches wuch­ten sollten.

Wäh­rend die Rech­te an der Auf­lö­sung aller Din­ge und Struk­tu­ren ver­zwei­felt, konn­te man hier genau das Gegen­teil beob­ach­ten: den Umschwung der Wahr­heit in den Fetisch von Objek­ten, Argu­men­ten und Begebenheiten.

Zunächst wur­den bekann­te Lini­en nach­ge­zo­gen: „Trum­pis­mus“ wur­de mit „Puti­nis­mus“ gleich­ge­setzt. Bei­de Staats­ober­häup­ter gel­ten als zwil­lings­haf­te Agen­ten einer post-truth Welt, mör­de­ri­sche bull­shit artists. Ruß­land, so der Tenor, habe sich eine Hyper-Post­mo­der­ne zu eigen gemacht und betrei­be intern die rela­ti­vis­ti­sche Auf­lö­sung der Wahr­heit in unzäh­li­ge Per­spek­ti­ven und Nar­ra­ti­ve. Alle, teils von höchs­ter Stel­le geneh­mig­ten Ver­bre­chen wür­den so sub­til in Fra­ge gestellt; Spin und Lüge herrsch­ten. Spiel­feld dafür sei die digi­ta­le Welt, die des­halb hier­zu­lan­de nach „Regu­lie­rung“ schreie.

Rus­si­sche Des­in­for­ma­ti­on, Troll- und Klick-Far­men schei­nen über­all zu sein. Aus­läu­fer davon im Wes­ten: die „Ver­schwö­rungs­theo­rien” wäh­rend „Coro­na” und zum „Kli­ma”. In die­sem Sin­ne ver­such­te ein abge­half­ter­ter, ehe­ma­li­ger deut­scher Bot­schaf­ter auch den Ein­fluß Ruß­lands auf Deutsch­land über die AfD nach­zu­wei­sen. Zwar muß­te er zuge­ben, daß er sei­ne stei­le The­se nicht quan­ti­ta­tiv bele­gen kön­ne; aber das Nar­ra­tiv stütz­te er allemal.

Kaum über­ra­schend wur­de der Bogen zu Han­nah Are­ndt gespannt: Der Tota­li­ta­ris­mus ver­wischt, schrieb sie, die Linie zwi­schen Wahr­heit und Lüge. Neo­lo­gis­tisch ver­bin­det „Ruschis­mus“ jetzt Ruß­land mit Faschis­mus. Im Ukrai­ne-Krieg wird die­ses Gefü­ge gleich­sam potenziert:

Yurii Nyky­ti­uk, Gene­ral­kon­sul der Ukrai­ne, sprach davon, daß Ruß­land einen „Krieg gegen die Wahr­heit selbst” füh­re. Mak­sym But­ke­wytsch, ein ukrai­ni­scher Akti­vist und Jour­na­list, der schon 1990 in der anti-sowje­ti­schen „Revo­lu­ti­on auf Gra­nit“ aktiv und ab 2022 zwei Jah­re lang in rus­si­scher Kriegs­ge­fan­gen­schaft war, modu­lier­te: Ruß­land kämp­fe gegen den „Begriff einer objek­ti­ven Wahr­heit als solcher”.

Von deutsch-ame­ri­ka­ni­scher Sei­te aus band der Phi­lo­so­phen-Groß­meis­ter Vitto­rio Hös­le die Fäden zusam­men: Brei­te „Kräf­te” woll­ten „die libe­ra­le Demo­kra­tie intern und extern zer­stö­ren“. Hös­le, der eini­ge Zeit in Mos­kau ver­brach­te und der rus­si­schen Spra­che mäch­tig ist, hat­te schon zu Kriegs­be­ginn das Buch Mit dem Rücken zu Ruß­land ver­öf­fent­licht und tritt seit­dem aus trans­at­lan­ti­scher Distanz als vehe­men­ter Ruß­land-Kri­ti­ker auf.

Dem post­mo­dern-tota­li­tä­ren Wahr­heits­ver­lust setz­te man kon­ven­tio­nell die Schlag­wör­ter von Frei­heit, Ver­trau­en und Demo­kra­tie ent­ge­gen. Die basie­ren noch auf dem auf­ge­klär­ten, erkennt­nis­fä­hi­gen Sub­jekt. Aber schon die Post­mo­der­ne, die man nun mit Myria­den von rus­si­schen Bots gegen den Wes­ten in Stel­lung gebracht sieht, hat­te das ero­diert. Das vor­aus­ge­setz­te Sub­jekt ver­schwand denn auch immer wie­der in tra­gi­schen Selbstwidersprüchen.

„Unse­re Demo­kra­tie” möch­te gegen Russ­land als neue alte Impe­ri­al­macht stand­hal­ten, soll­te sich aber erst­mal post­ko­lo­ni­al gesund-dekon­stru­ie­ren (so der Cam­bridge-basier­te Ukrai­ne-His­to­ri­ker Rory Fin­nin). Sie möch­te Frei­heit für alle, aber kei­ne stö­ren­den Mei­nun­gen, die das „Ver­trau­en” in die demo­kra­ti­sche Regie­rung ero­die­ren. Sie möch­te „sozia­le Kohä­si­on gegen die Pola­ri­sie­rung” und „Resi­li­enz” im Kriegs­fall, dämo­ni­siert aber nach Kräf­ten sou­ve­rä­ne (Meta-)Politik.

Kurz­um: Jede For­de­rung ist ein Schritt, über den der ande­re Fuß stol­pert. Das Sub­jekt, ob indi­vi­du­ell oder kol­lek­tiv, schred­dert sich stän­dig selbst.

In die­ses Vaku­um des Sub­jekts dräng­ten nun selbst­be­wußt die Ukrai­ner aufs Podi­um: mit abgrün­di­gen Kriegs­er­fah­run­gen ein­schließ­lich Fol­ter und Kin­des­ent­füh­rung, rou­ti­nier­ter Resi­li­enz, tech­no­lo­gi­scher Agi­li­tät und über Dank­bar­keit ver­mit­tel­te For­de­run­gen nach mehr Kriegs­ge­rät. Die “objek­ti­ven Fak­ten” gal­ten dabei als klar, unverhandelbar.

Ein ukrai­ni­scher Droh­nen-Inge­nieur erschien im Selen­skyj-Stil wie ein Bot­schaf­ter von der Front. Mit geschwol­le­nem Kamm schenk­te er den Tweed-Aka­de­mi­kern ein wenig Zynis­mus ein: er, der Nicht-Reli­giö­se, ermög­li­che rus­si­schen Sol­da­ten eine Ant­wort auf die sehr phi­lo­so­phi­sche Fra­ge, ob es ein Leben nach dem Tod gäbe.

Man erleb­te so eine Form des Über­wäl­ti­gungs-Objek­ti­vis­mus, bei dem die Wahr­heit des Krie­ges sich in der bra­chia­len Prä­senz ukrai­ni­scher Akti­vis­ten ergießt. An ihren teils ent­setz­li­chen Erzäh­lun­gen ist per se nichts „falsch“, aber sie tref­fen eben auf ein post­mo­der­nes deut­sches Sub­jekt. Pos­ter­boy ist seit jeher Jac­ques Der­ri­da: Er beschrieb das „Zei­chen“ als etwas, des­sen Bedeu­tung in einem abstru­sen Raum weg­rutscht, sich stän­dig ent­zieht. Das Sub­jekt ver­schwin­det in einem Flux der „Gram­ma­to­lo­gie“.

Die­se Ein­sei­tig­keit stürzt dia­lek­tisch immer ins Gegen­teil: Eigent­lich ist der Mensch völ­lig gefan­gen bei sich, er ist umge­ben von einer Hyper­prä­senz der Bedeu­tung. All­täg­li­ches Bei­spiel: Was eine „Frau“ ist, wird nach Der­ri­da völ­lig unklar, aber wenn sich ein Mann als Frau dekla­riert, ist die­se Selbst­be­zeich­nung unan­tast­bar, er gilt als „sui­zi­dal“, sprä­che man ihm die­se „Wahr­heit“ ab.

In die­sem Sinn hat das deut­sche Publi­kum der ukrai­ni­schen Real­prä­senz des Krie­ges wenig ent­ge­gen­zu­set­zen. Es fehlt das Selbst­sein, die Distanz zu den Wahr­hei­ten  –  zu sich selbst genau­so wie zur neu­en, maxi­mal objek­ti­ven Lage. Statt­des­sen wer­den der Ver­bün­de­te und sei­ne Fak­ten zum Fetisch. Man zer­fließt rausch­ar­tig in einem Euro­pa, an des­sen Ost­front „Arma­ged­don abge­schreckt“ wird, wie eine ukrai­ni­sche Exper­tin für EU-Bezie­hun­gen formulierte.

Hös­le rief drei­mal pas­sio­niert „Sla­va Ukrai­ne!” Als spä­ter eine „wahr­heits­ba­sier­te, glo­ba­le Ord­nung“ zur Spra­che kam, fiep­te manch einem Orwell im Ohr.

Es war in die­ser geis­ti­gen Lage also kein Zufall, daß die deut­sche Poli­tik auf der Münch­ner Sicher­heits­kon­fe­renz dann erneut an einem zivi­li­sa­to­ri­schen Aus­fahrts­schild vor­bei­ras­te. Der Main­stream ist auf schwär­me­ri­sche, illu­so­ri­sche Expan­si­on und, lang­fris­tig, Kriegs­be­tei­li­gung in der Ukrai­ne aus­ge­rich­tet. Hori­zont dafür ist ein neu­er anti-post­mo­der­ner Objek­ti­vis­mus, der sub­til auch die Schnei­sen nutzt, die sonst die Rech­te bean­sprucht: Ver­ant­wor­tung, Die­nen, ein „Wir“ – nur eben sämt­lich in die Ukrai­ne absorbiert.

Was fehlt, ist das eige­ne Kon­kre­te: Wir sind nicht die Ukrai­ne (oder Ruß­land), offen­sicht­lich. Erst eine sol­che Distanz zum Nächs­ten ermög­licht selb­stän­di­ges Ver­hal­ten, ohne Kriegs­lei­den weg­zu­re­den oder davon gelähmt zu wer­den. Momen­tan ist maxi­mal schnö­der Prag­ma­tis­mus vor­han­den. So infor­mier­te der deut­sche Gene­ral Breu­er (kein Sol­da­ten-Sol­dat, der Petu­ni­en aggres­siv macht, eher der Typ „sorg­fäl­ti­ger Orga­ni­sa­tor“) lei­den­schafts­los über die rea­len Gren­zen deut­scher mili­tä­ri­scher Kapa­zi­tä­ten. Immerhin.

Dem rech­ten Ur-Inter­es­se am Eige­nen wäre wegen die­ser Ver­zer­run­gen auch ein Wahr­heits­be­griff zur Sei­te zu stel­len, der über Post­mo­der­ne-Schel­te hin­aus­geht. Wahr­heit besteht kaum nur in über­wäl­ti­gen­den, schein­bar nicht hin­ter­frag­ba­ren Fak­ten. Zugleich ver­langt die schnuf­fi­ge links­li­be­ra­le Rede von Wahr­heit als Lie­be und Rela­tio­na­li­tät danach, in ihrer gan­zen Här­te aus­buch­sta­biert zu werden.

Tra­di­tio­nell jeden­falls war das christ­li­che Abend­mahl der Ort für die letzt­lich poli­ti­sche Fra­ge nach „Wahr­heit“ und „Wir“. Sub­jekt, Objekt und die tran­szen­den­te Ver­an­ke­rung des Ver­hält­nis­ses von bei­dem ist in die­sem Ritu­al kon­kret, ein regu­lä­res Hap­pe­ning vor Ort. Es strahlt auf das gan­ze Leben aus, indem es real­sym­bo­lisch Raum und Zeit schafft. An der Wahr­heit hat man so teil, wenn auch stück­haft und ver­dun­kelt, sie ist für uns.

Daß die Eucha­ris­tie außer­dem noch diver­se Feti­sche auf­hebt, wird momen­tan lei­der nur von mar­xis­tisch inspi­rier­ter Sei­te gese­hen. Hier liegt also eini­ges brach. Und egal, wie man selbst die Gret­chen­fra­ge beant­wor­tet:  Ent­lang solch abs­trak­ter meta­phy­si­scher und lit­ur­gi­scher Fra­gen zeich­nen sich jetzt schon Dif­fe­ren­zen inner­halb der glo­ba­len Rech­ten ab, z. B. zwi­schen Tech-Bro-Olig­ar­chen und tra­di­tio­na­lis­ti­schen Postliberalen.

Bezeich­nen­der­wei­se hat­te das Münch­ner Wahr­heits-Sym­po­si­um mit einer öku­me­ni­schen Frie­dens­an­dacht begon­nen. Kir­chen, Wis­sen­schaft und Kriegs­par­tei tarier­ten sich dort auf eine Linie ein. Von baß-gesät­tig­ten ortho­do­xen Gesän­gen des „Vol­kes“ umrahmt, hieß es für die Ukrai­ne in der „gro­ßen Litanei“:

Laßt uns auch beten, daß Gott der Herr alle behü­te, die der Pflicht des Schut­zes ihrer Hei­mat nach­ge­hen: Er möge ihren Mut und ihre Ent­schlos­sen­heit stär­ken, sie bewah­ren vor allen Fein­den, den sicht­ba­ren und den unsichtbaren.

Gegen den Strich kann und muß man das­sel­be für uns, für sich erbe­ten und dar­an arbei­ten. Das ent­sprä­che neben­bei der ursprüng­li­chen Bedeu­tung von Lit­ur­gie, leit­our­gía: „Arbeit des Vol­kes“, „Arbeit fürs Volk“.

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Kommentare (55)

Maiordomus

23. Februar 2026 19:04

Das mit dem Abendmahl könnte noch interessieren, so wie man ohne die Differenz bei der Abendmahlsinterpretation von Zwingli und der von Luther den Unterschied zwischen schweizerisch-oberdeutscher und deutsch-preussischer Mentalität in der Tiefe nie begreifen wird.  Nehme an, dass diejenigen, welche die Ukraine von der spirituellen Seite sehen, hoffentlich über die Sicht des Protopopen Awwakum, Erzstarzen altrussischen Glaubens im Bilde sind, nämlich den innerorthodoxen Gegensatz beim Kreuzzeichen mit zwei Fingern ("Wahrer Gott und wahrer Mensch") oder drei Fingern ("im Namen der hl. Dreifaltigkeit").Für Awwakum einst noch wichtiger wie für Putin Natobeitritt der Ukraine Ja oder Nein, überhaupt zentral mentalitätsbildend. Ohne Vorkenntnisse in dieser Richtung wäre die oben beschriebene Tagung wohl fern grosser Zusammenhänge gestanden, was ohnehin wahrscheinlich ist. Bei Kriegsberichterstattern wäre die Präsenz beider Seiten für Wahrheitsfindung unabdingbar.  Mir macht  @"Orly" einen skeptischen Eindruck, ohne dass ich bei ihm Vorhandensein von Spitzenwissen supponiere. Kant, der Königsberg nie verliess, deutete Geschehnisse der Franz. Revolution langfristig objektiver als deren vermeintliche Gestalter an den Originalschauplätzen, wiewohl er durch Burke ergänzt werden muss. Beide waren indes keine "Kriegsberichterstatter".  Das Wort "Wahrheit" sollte bei diesem Bericht ohnehin durch "Perspektive" ersetzt werden.      

Nadja

23. Februar 2026 19:06

Mumbo jumbo!
Wenn Begriffe verladen, festgezurrt und aufgegleist werden, wenn das Abspringen vom Diskurs-Waggon unmöglich scheint, wenn Grundsätzliches entlang einer Frage gewuchtet werden soll, wenn die Wahrheit in einen Fetisch umschwingt… und wenn ein Autor eine unglückliche Liebe zu Anführungszeichen hat… dann sollte das Lektorat tätig werden.

Kositza: Ich selbst bin hier nicht angesprochen, da ich den Text von Richter erst in dieser Minute las.
Bin jetzt aber all die inkriminierten Sprachbilder und auch die Anführungszeichen durchgegangen. Nun, ich hab wahrlich eine Allergie gg schiefe Metaphern wie auch gg Gänsefüßchenschwemme. Nur: Ich finde hier alles bestens plaziert.

Franz Bettinger

23. Februar 2026 19:15

"Dem postmodern-totalitären Wahrheitsverlust setzte die EU die Schlagwörter von Freiheit, Vertrauen und Demokratie entgegen.“ Zum Totlachen! Alle drei Begriffe sind spätestens an den Schallmauern Corona und Post-Corona zerschellt. 

Rheinlaender

23. Februar 2026 20:02

Früher habe ich solche Veranstaltungen häufiger besucht. Man denkt dort nicht, sondern reproduziert auf der Suche nach Bestätigung und Zugehörigkeit einen moralisierenden Konsens, den es in Deutschland scheinbar zu jedem Thema geben muss. An Orwell erinnert mich, wie schnell dieser Konsens umschwenken kann. So hätten die Teilnehmer der oben beschrieben Veranstaltung bis 2022 wahrscheinlich noch jedem "Militarismus" etc. vorgeworfen, der für eine kriegstüchtige Armee eingetreten wäre. Manchmal erlaube ich mir noch den sadistischen Spaß, solche Leute dazu zu bringen, sich zu Themen zu äußern, auf die der gerade geltende Moralkonsens keine eindeutige Antwort hat. Wie sie sich beim Versuch winden, narrative Minenfelder zu durchschreiten, ohne eines der vielen Tabus zu verletzen, kann amüsant sein.

Le Chasseur

23. Februar 2026 20:58

@Nadja
"und wenn ein Autor eine unglückliche Liebe zu Anführungszeichen hat"
Beim Wort "Sicherheitskonferenz" hätte das "Sicherheit" auch noch in Anführungszeichen gesetzt werden müssen. Denn bei dieser Veranstaltung geht es um alles, nur nicht um Sicherheit.

Le Chasseur

23. Februar 2026 21:03

"“Unsere Demokratie” möchte gegen Russland als neue alte Imperialmacht standhalten, sollte sich aber erstmal postkolonial gesund-dekonstruieren (so der Cambridge-basierte Ukraine-Historiker Rory Finnin)."
Als Rubio bei seiner Rede ankündigte, man werde von nun an unverblümt und ganz offen Kolonialismus und Imperialismus betreiben, gab es von Söder, Wadephul und Pistorius stehenden Applaus.

RMH

23. Februar 2026 21:32

Danke für den im Beitrag verl. Artikel "God in Things and People: Commodity Fetishism and the Eucharist" v. W. T. Cavanaugh. Das war interessant zu lesen, zumal darin nicht nur die Materialisierung & die Kommunion sondern auch der Aspekt der Heil-ung der Eucharistie behandelt wurde. Der Bezug /Aufhänger zur Warenwirtschaft wirkte aber irgendwie arg konstruiert. Ansonsten: Kommt immer auch darauf an, mit welchen Erwartungen man so etwas besucht. In der Propaganda-Th. gibt es die Binnenpropaganda, welche die bereits überzeugten eigenen Leute beisammen halten will & die Außenpropaganda, welche u.a. davon ausgeht, dass man Gegner nicht von den eigenen Wahrheiten überzeugen, sondern nur noch zersetzen kann (vom Empfänger daher oft auch als Feindpropaganda bezeichnet). Propaganda verwendet dabei gerne Einzelfakten, es kommt auf die Komposition & Verwendung der "Zutaten" an, Propaganda muss mithin keine klare Lüge sein. Diese Grundannahmen kann man dann einmal gedanklich auf die verschiedenen Lager wechselseitig anwenden. Übrig an "Fakten" bleiben dann vor allem die auf beiden Seiten täglich wachsende Anzahl von Grabhügeln.

Gracchus

23. Februar 2026 21:39

Ich denke, Orly Richter ist eine Frau. Der Name "Orly" klingt weiblich, und auch die Art der Gedankenführung wie der bilderreich sprudelnde Stil erscheinen mir eher weiblich. Wie EK meine ich, Bilder und Text sind wohlkomponiert - v. a. mit den leitmotivischen Abendmahl-Anspielungen, wobei ein katholisches Abendmahlsverständnis zugrunde liegt (wenngleich traditionalistische Katholiken auf die Bezeichnung "Abendmahl" allergisch reagieren). Eucharistische Realpräsenz vs. Derridas Dekonstruktion - da sehe ich George Steiners Real Presence gegen "die Meister der Leere" im Hintergrund. Die Teilhabe an der objektiv-tranzendenten Wahrheit in der Eucharistie verbürgt zu sehen, ist ein anspruchsvoller und starker Gedanke. Es wird auch anschaulich beschrieben, in welch kognitiven Bredouille sich der postmoderne Westen befindet, ohne es zu merken (was die Komik ausmacht). Einem Hösle, gleichfalls Katholik, von dem ich ein Buch über den gleichfalls katholischen Filmregisseur Rohmer habe, hätte ich mehr erwartet. 

Raffael

23. Februar 2026 21:39

Frau Richter rührt hier absichtsvoll und dennoch ihr Argumentationsschiff (aus Höflichkeit?!) noch um das Auge des Orkans herumlavierend an der Zentralfrage des letzten (abendländischen) Menschen überhaupt: Wie hältst Du es mit dem Mensch gewordenen Gott?: Entweder dieser Mensch war Gott, oder er war es nicht. = Entweder, wir sind Kinder Gottes, oder wir sind es nicht. = Entweder die Eucharistie ist eine göttliche Substanz, oder sie ist es nicht. = Entweder dieser gekreuzigte Mensch ist auferstanden, oder er ist es nicht. = Entweder, wir werden selber einmal auferstehen, oder wir werden es nicht. 
Wer darauf antwortet: "Er ist/war es nicht!", der erklärt damit fünfzehn Jahrhunderte unserer Kultur für null und nichtig. Und er stellt sich auf die Seite derer, die das Abendland genau wegen dieser Kultur hassen und vernichten wollen. Diese Ehrlichkeit sollte man haben - bzw. zu dieser Aufrichtigkeit will der Artikel m.M.n. hindrängen. 
Übrigens bin ich überzeugt, die muslimischen Migranten würden uns bei weitem mehr achten, wenn wir als Abendländer uns zu der obigen Gleichungskette positiv stellen würden - auch im öffentlichen Raum. 
Einem Graf, der zum Katholizismus rekonvertiert war, hielt Friedrich Wilhelm I. entgegen: "Ich mag die Leute nicht, die der Religion ihrer Väter untreu werden." Woraufhin der Graf: "Ich auch nicht, Majestät, deshalb bin ich zu der Religion meiner Vorväter zurückgekehrt." - Die Muslime sind gerade dabei, zu der Religion ihrer Vorväter zurückzukehren.

heinrichbrueck

23. Februar 2026 22:10

@ Maiordomus
Hatte Merkel kantianisch gehandelt, als sie die offenen Grenzen nicht schließen konnte? Dann wäre Kant CDU-Wähler gewesen. Wem gehörte Kants Loyalität? 
Also, nach Kant: Die Würde des Mörders ist unantastbar. Todesstrafe ist erlaubt - verantwortlich ist verantwortlich.
Mit Kant retten sie keine EU-Demokratie. Eher bilden sich neue Loyalitäten. 
Kants Sicherheitspolitik: "Zum ewigen Frieden". Man sieht, der Kerl war nie verheiratet. 

Gracchus

23. Februar 2026 22:14

@Raffael, das ist auch meine Lesart - nur psst, die Dezenz von Orly Richter halte ich für sehr geschickt, soll jeder Leser selbst drauf und ins Grübeln kommen.

Kurativ

23. Februar 2026 22:25

Vorwürfe und Unterstellungen treffen zuallererst auf diejenigen zu, welche sie herausposaunen. Der Chinese spioniert uns aus? Ein Blick bei Edward Snowden und so weiter und es wird klar, dass es die US und GB sind. Irgendwie müssen diese Ideen ja in den Kopf reingekommen sein. Und da kann man sich an der eigenen (zu verheimlichenden Realität) bedienen. Nawalny soll mit Froschgift aus Equador ermordet worden sein? Gute Besserung!

gluecklichetage

23. Februar 2026 22:46

Deutscher Staat und Katholische Kirche in bewährter verbindung, igitt igitt (und ein weiterer beitrag, der mich meinen kirchenaustritt bejubeln lässt: dieser laden ist wirklich am ende; spätestens bei der vor zwei jahren erfolgten verkündung der Dt Bischofskonferenz, es gebe kein deutsches Volk, musste man es wissen (hätten sie es wenigstens auf Lateinisch verkündet, das wäre noch irgendwie stilecht gewesen).Warum die organisatoren von der LMU wohl das programm von ihrer webseite gelöscht haben? Wollte eben mal schauen, wer der nicht namentlich genannte "abgehalfterte [...] Botschafter" ist, von dem Sie schreiben, aber fand nur die einladung zum eröffnungsabend (https://cms-cdn.lmu.de/media/50-zentren/mzn-muenchener-zentrum-fuer-nachhaltigkeit/downloads/open-evening-keynote-forum_handout.pdf). Dass auch noch V. Hösle sich dem system andient, ist ein weiterer ekel-faktor, but then: er war ja zuvor schon in der linken kader-schmiede New School of Social Reserach, da passte er am ende hier ganz gut ins programm. Dass er dann noch den Bandera-gruß (und das gleich dreimal) entbietet, oh Mann! - wie tief wird die dt. professorenschaft diesmal sinken? Jedenfalls dank für den lesenswerten bericht.

ofeliaa

23. Februar 2026 22:47

Wir haben die Freiheit uns von fremden Kulturen überrennen und einnehmen zu lassen oder, wenn wir aufbegehren, sozial stigmatisiert zu werden, ja gar komplett entmenschlicht, staatlich unterwandert und aller Rechte beraubt zu werden. 

brueckenbauer

23. Februar 2026 23:49

Ich hätte ja zu gerne gewusst, welche Kirchenvertreter hier anwesend waren. Ob es wirklich christlich ist, die Menschen so weit aus dem Auge zu verlieren und statt dessen einen Krieg um abstrakte höhere Werte (für die Wahrheit und gegen deren Zersetzung) zu proklamieren? Es ist ja nun auch nicht der erste Krieg, der mit einem solchen Anspruch geführt wird. Da ist es nun schon beinahe tröstlich, wenn zum Schluss wenigstens der gute alte "Schutz der Heimat" beschworen wird. Nur fragt sich dann eben, ob die andere Seite nicht auch für den Schutz ihrer Heimat kämpft. Russland (d.h. seinen Zugang zu den Weltmeeren) auf der Krim zu verteidigen, das ist sicher näherliegend als Deutschland am Hindukusch zu verteidigen.

Mitleser2

24. Februar 2026 08:15

Seltsam, ich habe das rein als politischen Beitrag gelesen (Krieg, Russland, Ukraine, Trolls, Desinformation etc.). Und dem Kommentariat geht es fast nur um irgendwelche religiös-kirchlichen Aspekte. Was unterscheidet uns?

RMH

24. Februar 2026 08:28

Es gibt sie doch, die Glücklichen, welche die Wahrheit kennen. Sie tauchen hier in der Debatte auch auf, so wie sie sich regelmäßig mit klaren Bekenntnissen & Erkenntnissen zu Wort melden & können natürlich beurteilen, was richtig, was falsch ist, wen man zu hinterfragen hat & wen nicht, weil sie ihren Quellen offenbar noch vertrauen. Irgendein Blogger/ Youtuber/ Telegram Channeler ist selbstred. immer unabhängiger & objektiver, als die bekanntermaßen gekauften Hauptstrom-Medien. Der Christ sagt sancta simplicitas, der Politiker hingegen, Prima, es gibt sie noch, die Untertanen, auf denen wir unsere (für oppsitionelle: zukünftige) Macht aufbauen können. Gilt mithin für die Opposition ebenso wie für die, die gerade mal das Sagen haben. Alle brauchen Gläubige & die besten Gläubigen sind immer die, welche der Überzeugung sind, dass immer gerade die anderen, die Gegner lügen, betrügen, tricksen, jede Menge Dreck am Stecken haben, Fake-News & Propaganda verbreiten & im eigenen "Lager" kommt so etwas nur als menschl. Ausnahmeschwäche vor. Die Mechanismen funktionieren - und man muss schon selber aus diesen Spiegelkabinetten den Weg finden. Wer suchet, der findet.

RMH

24. Februar 2026 09:39

"Was unterscheidet uns?"
@Mitleser2,
vermutlich sehr wenig und im wesentlichen wahrscheinlich nur, dass manche eben den Beitrag komplett aufnehmend bis zum Ende  - und ggf. sogar unter Lektüre des verlinkten Beitrages - gelesen haben.

Artabanus

24. Februar 2026 12:01

Die meisten Leute machen sich überhaupt nicht klar wie aggressiv und gefährlich der (West-)Ukrainische Nationalismus ist. Man bedenke: die Ukraine hatte ihre Unabhängigkeit schon lange erreicht. Aber anstatt das Land aufzubauen wurden schlicht alte Ressentiments geschürt und seit 2014 massiv verstärkt(man achte vor allem auf die Sprachpolitik), was zu der heutigen Situation geführt hat. Putins Angriff vor 4 Jahren war für die Westukrainischen Nationalisten die Erfüllung ihres Traumes, endlich einen echten Ukrainisch-Russischen Krieg zu erleben. Dass Deutschland sich hier nun ohne jede Notwendigkeit eindeutig auf die Seite der Westukrainischen Nationalisten gestellt hat wird uns allen noch sehr teuer zu stehen kommen. 

Mitleser2

24. Februar 2026 14:06

@Artabanus: Es ist ja nicht nur der Westukrainische Nationalismus. Die Balten und Polen sind ja ähnlich. Bei allem Verständnis für historische Erfahrungen, was da von Sikorski, Applebaum ("Friedenspreis(!)" des deutschen Buchhandels), Kallas, Landsbergis und vielen anderen kommt, ist genauso problematisch. Bis jetzt halt nur rhetorisch, aber Kallas möchte ja gerne Russland zerschlagen sehen. Um zu sehen wie schräg das ist, muss man nicht mal russophil sein.

Caroline Sommerfeld

24. Februar 2026 14:36

Mich erinnert diese Veranstaltung hieran ... 

"In den ersten beiden Jahren der Regentschaft hatten sich die von den vorangegangenen Umwälzungen und Kriegen geschreckten und ermüdeten Christen zu dem neuen Machthaber und seinen friedlichen Reformen teils mit wohlwollender Erwartung, teils mit entschiedener Sympathie und sogar flammender Begeisterung verhalten. Im dritten Jahre jedoch, als der große Magier auftauchte, kam es bei vielen Katholiken, Orthodoxen und Evangelischen zu ernsthaften Befürchtungen und Antipathien. Die Stellen in den Evangelien und apostolischen Texten, die vom Fürsten dieser Zeit und vom Antichrist sprachen, wurden aufmerksam gelesen und lebhaftv kommentiert. Aus einigen Anzeichen erriet der Imperator das sich zusammenziehende Gewitter und beschloß, die Angelegenheit so schnell wie möglich zu klären. Zu Beginn des vierten Jahres seiner Regierung erließ er ein Manifest an alle seine getreuen Christen ohne Unterschied des Bekenntnisses und forderte sie auf, bevollmächtigte Vertreter für ein Weltkonzil zu wählen oder zu bestimmen, das unter seinem Vorsitz stattfinden sollte." (S. 176)

https://antaios.de/buecher-anderer-verlage/karolinger-verlag/einzeltitel/274232/krieg-fortschritt-und-das-ende-der-geschichte

Den Begriff der Wahrheit auszuleeren, neu zu befüllen und allen, die der Wahrheit treu sind, Lüge zu unterstellen, ist weniger Orwell als Satan.

Majestyk

24. Februar 2026 14:55

Das beschriebene Symposium trug wohl den offiziellen Titel Russia's Hybrid War and Dissolution of Truth und war Teil einer Veranstaltungsreihe, die von der LMU, der Katholischen Universität Lwiw und der University of Notre Dame (katholische Privatuniversität in den USA) organisiert wurde. Zu den Trägern der Veranstaltung gehört Renovabis. Ein 1993 gegründetes Hilfswerk der Katholischen Bischofskonferenz für Osteuropa. Finanziert wird das Ganze durch Spenden, kirchliche Haushaltsmittel und Steuergelder. Donatoren werden nicht preisgegeben, gibt aber wohl eine Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung.. Man möchte ja wissen, mit wem man es zu tun hat. Konkret wohl mit katholischen Bildungseinrichtungen und einer Uni des Freistaats Bayern, indirekt geführt also von der CSU und deren große Schwester hängt auch noch drin..
Persönlich finde ich jenes Symposium belanglos, gehört wohl zur Klaviatur der Stimmungsmache. Interessanter finde ich die Verflechtungen, die ein konzertiertes Interesse an Unterstützung der Ukraine und Aufrechterhaltung von Narrativen zeigen. 

Majestyk

24. Februar 2026 15:30

@ Mitleser2:
"Was unterscheidet uns?"
Anders als RMH würde ich sagen, viel. 
Sie und ich denken konkret und lösungsorientiert, weniger metaphysisch. Wir zwei hätten kein Problem, den Steuerzufluß zu den Kirchen auszutrocknen, damit die Verbindung Kirche und Staat zu kappen, erst recht zu ausländischem Militär eines nicht vertaglich verbündeten Staates. Dann haben sich solche Symposien und Osteuropa "Hilfswerke" erledigt. Der Abfluß von deutschem Steuergeld in fremde Länder sowieso, ginge es nach mir auch der Abfluß von dt. Steuergeld zur EU. Hinter der Sorge ums das Seelenheil der Ukrainer dürften wohl eher handfeste wirtschaftliche Interessen stecken. Wenn ich sehe, wer den Krieg nach Trumps Ausstieg mehrheitlich finanziert, kann man erahnen, wessen Krieg das ist. 
Will kaum jemand, aber ein Blick auf politische Kontinuitären wäre zwar häßlich, könnte aber erhellend wirken.
 
 

Gracchus

24. Februar 2026 15:31

Nach meinen "Recherchen" waren die prominenten Kirchenvertreter Kardinal Marx und Bischof Bedford-Strohm.
Mein Eindruck ausserdem: Die Autorin wandelt in den Spuren einer radikalen Orthodoxie, einer ursprünglich aanglikanischen theologischen Bewegung.
@RMH: Ich fand die Bezugnahmen auf den Warenfetisch in dem verlinkten Artikel durchaus erhellend. 

Majestyk

24. Februar 2026 15:39

@ Caroline Sommerfeld:
"Den Begriff der Wahrheit auszuleeren, neu zu befüllen und allen, die der Wahrheit treu sind, Lüge zu unterstellen, ist weniger Orwell als Satan."
Orwell und andere wie Hobbes, Samjatin, Burnham,  Arendt, Griffin beschreiben doch Satan. Samjatin wird sogar konkret und gibt Satan einen Namen "Wir". 

Kommentar Sommerfeld: Orwell wird dauernd auch in rechten und alternativen Kreisen als Gewährsmann hergenommen. Dabei darf man nicht vergessen, daß er im Spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Kommunisten stand, Stalin für einen Verräter der Oktoberrevolution hielt, er genauso wie sein Lehrer in Eton, Aldous Huxley, Mitglied der Fabian Society war und im Zweiten Weltkrieg für die Propagandaabteilung der BBC arbeitete. So ganz eindeutig gegen Satan kann ich das nicht nennen.

MarkusMagnus

24. Februar 2026 16:12

"Dass Deutschland sich hier nun ohne jede Notwendigkeit eindeutig auf die Seite der Westukrainischen Nationalisten gestellt hat wird uns allen noch sehr teuer zu stehen kommen."
@Artabanus
Ja, Putin hat uns Deutschen die Hand gereicht. Alleine die Ehrung der deutschstämmigen Zarenfamilie als Märtyrer kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Leider ist die Sache damals wegen dem "Untergang" der Kursk etwas aus dem Blick geraten. 
Ich glaube Israel hat sie deswegen mit einem "unserer" U-Boote versenkt. Das habe jch schon geglaubt, bevor ich je etwas über die USS Liberty gehört habe.
Eine deutsche Familie, bestialisch und rituell ermordet von jüdischen Tätern (Hohmann Rede!), darf natürlich nicht heilig sein. 
Wo kommen wir denn da hin?
Seine Rede im Bundestag 2001 war auch Klasse, nur einige Wenige hatten entgleiste Gesichtszüge. Schröder war gut mit Vladi. Dann kam Merkel.
Deswegen ist es auch wichtig das die AFD die Kontakte nach Russland aufrecht erhält. 
Wenn Russland und Deutschland dicke sind, ist es gut für Europa (ausser für Polen ;)). Wenn nicht endet es in einer Katastrophe.
Hoffentlich ist der Ball der Vampire bald vorbei.

Majestyk

24. Februar 2026 16:28

Ich las gerade einen Artikel auf Apollo News, der paßt perfekt. Der Artikel versucht seinen Lesern weiszumachen in der Ukraine würde Deutschland, Europa, westliche Freiheit verteidigt. Ich würde ja sagen mittels des Ukrainekrieges wird Deutschland endgültig abgeschafft und EU, plus NATO lösen teilnehmende Staaten als Regierung ab, bzw. die EU wird mittelfristig zum Staat Europa. Aber das ist meine persönliche Betrachtung.
Die Narrativerweiterung verwundert mich nicht. Ich habe dem Begriff alternative Medien nie getraut. Interessant finde ich, wie viel Zustimmung es von angeblich oppositionellen Lesern gibt. 
Ähnlich wie bei Klima, Gender oder Corona geht man beim Ukrainekrieg konzertiert vor. Mittels etablierter und alternativer Medien, bis hin zu Unterhaltungsprodukten die über Streamingdienste oder Sender wie arte ausgestrahlt werden. Siehe TV-Serien auch aus Großbritannien oder Skandinavien, die sich mit russischer Bedrohung beschäftigen. Interessant ist auch die Finanzierung. Ganz subtil dringen Feindbilder in Hirn. 
So ähnlich, stelle ich mir die Stimmungsmache vor den Weltkriegen vor, wo Abermillionen Menschen in Deutschland, Rußland, Großbritannien, Frankreich oder den USA auf den großen Krieg eingeschworen wurden, den eigentlich nur eine handvoll Menschen wollten und der nur jenen Profit brachte, die selber nicht kämpfen mußten. Irgendwie ganz schön traurig zu sehen, daß diese Masche immer noch funktioniert.

Karl

24. Februar 2026 17:55

@Mitleser2 24. Februar 2026 08:15 Seltsam, ich habe das rein als politischen Beitrag gelesen …. Und dem Kommentariat geht es fast nur um irgendwelche religiös-kirchlichen Aspekte. Was unterscheidet uns?
@RMH 24. Februar 2026 09:39 "Was unterscheidet uns?"@Mitleser2,vermutlich sehr wenig und im wesentlichen wahrscheinlich nur, dass manche eben den Beitrag komplett aufnehmend bis zum Ende  …gelesen haben.
@Majestyk 24. Februar 2026 15:30 @ Mitleser2:"Was unterscheidet uns?"Anders als RMH würde ich sagen, viel. …
Ich möchte @Majestyk beipflichten. Und zwar aus neurowissenschaftlicher Sicht. Je mehr Religiosität/Spiritualität in jeder erdenklichen Hinsicht praktiziert wird, umso mehr unterscheiden sich Gehirnstrukturen und –prozesse von Personen, die solcherart Beschäftigung nicht pflegen. Bei intensiv Praktizierenden ist das Gehirn durch wiederholte Nutzung tatsächlich „trainiert“. Religiöse Überzeugungen, Gebete, Meditationen oder mystische Erlebnisse werden durch die Zusammenarbeit mehrerer verteilter Hirnnetzwerke generiert. Durch diese Praxis wiederum entstehen und verändern sich Hirnstrukturen und –prozesse (Neuroplastizität). Man schätzt heute, dass die Neigung zur Religiosität zu ca. 40 % erblich ist. (Zur Übersicht: Carvour HM et al. A review of the neuroscience of religion: an overview of the field, its limitations, and future interventions. Front Neurosci. 2025;19:1587794.) Also es gibt gewisse Unterschiede.

FraAimerich

24. Februar 2026 19:52

@Majestyk/OT  -  Danke für Ihre Klarstellung vom 20.2., es freut mich, mit meinem Einspruch zu Ihnen durchgedrungen zu sein. - Zu entschuldigen gibt es an sich nichts, im Eifer des Gefechts schießen wir alle mal übers Ziel hinaus.
 

RMH

24. Februar 2026 21:03

@Karl, im Forum der Anti-Egalisten wird ihnen wohl keiner widersprechen, dass es unterschiedliche genetische, aber auch konkret neuro-physiol. Veranl. gibt, die die einen religiös empfänglicher & die anderen weniger sein lässt. Beim konkreten Text sehe ich aber nach wie vor diese Unterschiedlichkeit nicht als entscheidend an, da es eher um das rein intellektuelle Erfassen des Inhalts geht. & der Beitrag macht spätestens in den letzten 5 Absätzen nun einmal den Sprung zum Religiösen. Ebenso, wie auch der verlinkte Artikel von Cavanaugh einen marxistisch-material. Erklärungsansatz zur Warenwirtschaft im Kapitalismus, den Marxisten grundsätzlich als wissenschaftlich, also rational & gerade nicht metaphysisch, verstanden wissen wollen in einen Zshang mit einem rel. Kern des Christlichen bringt. Den Punkt machen Sie, @Karl, aber, dass die einen die letzten 5 Absätze offenbar mehr zum Nachdenken bringen als die Absätze davor & umgekehrt, Insgesamt möchte ich anmerken, dass ich vermute, dass der Beitrag mehr wollte, als Verwunderung über dieses Symp. zum Ausdruck zu bringen. & natürlich gibt es eine "Auflösung der Wahrheit", nur ist das eben gerade kein einseitiger, allein rus. induzierter Prozess, sondern ein vielschichtig-wechselseitiger, worauf ich mit meinen vorherigen Beiträgen hinweisen wollte. Ein Freispruch für Rus begründet das dennoch nicht. Keiner ist ohne Schuld.

Gracchus

24. Februar 2026 21:45

@Karl & Co: Ich weiß nicht, was Sie jetzt wieder haben. Wahrscheinlich sind auch die Hirne von Hundezüchtern und Fussbalfans anders. Ich brauche auch keine Hirnforscher, um zu wissen, dass mich Religion und Kunst am meisten interessieren. Aber soll ich jetzt alle Stellen im Text heraussuchen, die einen religiösen Bezug haben - angefangen mit den kirchennahen Veranstaltern? Politik und Religion schließen einander nicht aus. Ich beneide die Autorin nicht um ihre Teilnahme an dieser Veranstaltung - wurde sie am Ende von SiN dazu gezwungen? von EK persönlich? -, aber mir imponiert, wie sie daraus Funken schlägt, nämlich Politik liturgisch zu denken - womöglich gegen Hobbes? Und Schmitt? Darüber kann man sehr gut diskutieren, darüber würde ich gern mehr von der Autorin erfahren. Wen's nicht interessiert, der kann ja fernbleiben. Kein Problem.

Gracchus

24. Februar 2026 21:49

@Majesty: Es ist bekannt, dass Apollo News pro-westlich ist (was nicht dasselbe wie abendländisch ist), so ähnlich wie NIUS.

heinrichbrueck

24. Februar 2026 22:22

Der Sprung in die Eucharistie ist Teilhabe an der Gemeinschaft. Noch keine Sicherheitspolitik als Ewigkeitswert derselben in dieser Welt. Aber als Wahrheitswert, vorausgesetzt, die Prämissen im Beitrag werden akzeptiert, sind sie ernstzunehmen. Zwischen Spiritualität und Tod gibt es keine Alternative, zumal den Europäern eine genetische Disposition angeboren ist, ohne Spiritualität dem Tod ausgesetzt zu sein. 

Majestyk

25. Februar 2026 01:15

@ Caroline Sommerfeld:
"Dabei darf man nicht vergessen, daß er im Spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Kommunisten stand, Stalin für einen Verräter der Oktoberrevolution hielt, (...) . So ganz eindeutig gegen Satan kann ich das nicht nennen."
Das ist schon richtig. Die Spanienkämpfer waren ja wohl auch Woke ihrer Zeit. Aber genau wie z.B. Sie einen Wandel bezüglich politischer Überzeugungen durchlaufen haben, muß man ja auch Orwell eine politische Reifung zugestehen. Und wer ist schon in seinem gesamten Lebenslauf komplett eindeutig? Orwell hat soweit ich weiß, ja nie dem Sozialismus entsagt, am Wert seiner Werke, speziell 1984 ändert das aber doch nichts.  
@ Karl:
Ist es nicht generell so, daß man sein Gehirn bzw. Wahrnehmungen durch Wiederholungen prägt? Vor Jahren las ich mal Artikel, daß z.B. sogar Trauma vererbt werden können, z.B. Enkel sich Verhalten als wäre ihnen selber ein schweres Trauma widerfahren, dabei geschah dies den Großeltern. Quasi vererbte Prägung als Echo der Vergangenheit. Warum also nicht auch religiöse Überzeugungen? Was ist z.B. ein Mantra anderes als eine Form der Selbstkonditionierung?
@ FraAimerich:
Danke. Mir war es wichtig zu meinem Fehler zu stehen und Sie haben einen Anspruch auf Fairness.

Majestyk

25. Februar 2026 01:31

@ RMH:
"Keiner ist ohne Schuld."
Wären wir bei Doppelpaß wären nun 3 Euro fällig. :-)
Ich denke, ich bin des Freispruchs unverdächtig. Zunächst sucht man doch nach eigenen Fehlern, gerade in Zeiten der Selbstoptimierung. In die Situation des Niedergangs wurde Deutschland durch eigene Mißwirtschaft gebracht, um das Wort Selbstsabotage zu vermeiden. Es ist schlichtweg dämlich, jemanden zu sanktionieren von dem ich mich abhängig gemacht habe, während ich im Gegenzug dem anderen nichts vorenthalten kann, was der tatsächlich unbedingt braucht. Doppelte Standards und Realitätsverweigerung die bei solchen Veranstaltungen durchscheinen sind peinlich. Diese Personen wollen Spitzenpersonal sein, verhalten sich aber als wären sie ein Fall für den Sektenbeauftragten. Im letzten Faden überließ man das Schlußwort einem erklärten Linken der ernsthaft behauptet "Nichts desto trotz ist die EU die einzige Kraft, institutionell gesehen, die für ihre Mitgliedsstaaten in Zeiten des global zunehmenden Autoritarismus, elementare Freiheiten sichern kann."
Wie kommt man zu so einer verdrehten Weltsicht? Meine Freiheit wird doch nicht durch Trump, Putin oder Jinping bedroht, sondern durch eben jene EU und natürlich Berlin. Wenn die anderen unsere Schwäche ausnutzen, kann ich das sportlich sehen. Wenn das eigene Führungspersonal die eigenen Länder gegen die Wand fährt und gegen die Interessen der eigenen Völker wirtschaftet, kann ich das nicht.

RWDS

25. Februar 2026 07:53

Man darf nie vergessen, dass die lauteste Kritik aus dem Westen stets Projektion ist und dem Gegner immer das vorgeworfen wird, was man entweder selbst praktiziert, oder gerne praktizieren würde.

Maiordomus

25. Februar 2026 07:58

@Hbrueck. Es war die Rede von Kants u. Burkes Analyse des Gedankengutes der Franz. Revolution. Wie Burke und Schiller (in "Briefe zur ästhetischen Erziehung des Menschengeschlechts") erfasste er, dass der Hintergrund dieser Revolution, welche gemäss Schiller die Revolutionäre moralisch überforderte, "eine Umwälzung der Theorie und des Dogmas" (der polit. Philosophie) sei. Dabei ist, was Sie andeuten, zwischen Gesinnungsethik u. Verantwortung zu unterscheiden. Ihre Ausführungen "Kant als CDU-Wähler" deuten auf Unkenntnis der Textbasis bei Kant, Fichte, Schiller betr. Auseinandersetzung mit der Revolution. Die Denker rechtfertigten nicht damalige Handlungen. Burke wurde 1790 der bis heute strengste Kritiker dieser Revolution, und zwar als Philosoph der Freiheit u. Grundlagendenker über praktische Politik incl. Traditionen. Kant erklärte sich als "traurig" über Handlungen, die Menschern mit (angeblich) "bester Absicht" begehen bei verhängnisvollen Folgen. Bin kein Kantianer, aber Kant-Analphabeten gehören m.E. nicht in ein deutsches Theorie-Organ. Erinnert mich leider an das staatsoffizielle Ethik-Dummchen der Coronazeit, das Herr Weber dieser Tage überführt hat. Auch A. Eichmann in Jerusalem rechtfertigte sich mit Kant ähnlich plump wie Sie es oben unterstellen.   

RMH

25. Februar 2026 08:32

@RWDS, "Man darf nie vergessen, dass die lauteste Kritik aus dem Osten stets Projektion ist und dem Gegner immer das vorgeworfen wird, ...."
Ihr Satz passt auch gespiegelt. & das ist das, worauf ich mit meinen Hinweisen auf Propaganda etc. hinweisen wollte. RUS verwendet eigentlich die alten, UdSSR Propaganda-Themen rauf & runter (alles Nazis, Faschisten, außer uns etc.), nur eben mit technisch erweiterten, aktuellem Medien-Portfolio. Es sind die gl. Methoden, Argumente, Denkfiguren. Das erkennt man als Mensch, der im sog. Westen sozialisiert wurde, sehr schnell. Im Gegenzug erkennen Menschen, die "hinter dem eisernen Vorhang" (Achtung: Propagandafigur!) groß geworden sind, was typisches Gerede & Propaganda aus der anderen "Hemissphäre" (Achtung, erneut ein Propagandbegriff, wer teilt die Sphären ein & wie?) ist. Statt solche, für jeden sehr einfach zu findende Erkenntnisse, als Brücke zu nehmen, verharrt man lieber in seinen bequemen Ressentiments. Warum in der UKR heute, 4 Jahre nach dem Beginn, noch gekämpft wird & verbissener als je zuvor, lässt sich eben gerade nicht mit dem Hinweis auf "Ursachen" & böse Nato/USRAEL, welche die eigentlich nur an Handel & Frieden interessierten Russen derart in ihrem "Vorgarten" provozierten, dass sie nun ja wahrlich nicht anders konnten etc.- Blasen erklären. Ein Ansatzpunkt kann das sein, was der hier geschmähte Orwell (der seine Kritik anhand KONKRETER Sozialismus-Erfahrungen übte) feststellte: Krieg als systemstabilisierender Faktor für alle Seiten.

Maiordomus

25. Februar 2026 10:45

@RMH. Man bekommt bei Ihnen den Eindruck, dass Sie den für Analytik stets wichtigen Abstand zur Sache, ev. auch zur guten Sache, behalten.
@Kants Friedensschrift macht aus heutiger Sicht einen zum Teil nicht durch politische Praxis gestärkten Eindruck, Kant ist zB. nicht mit Clausewitz, noch weniger mit Hobbes und Machiavelli zu verwechseln. Aber. "Der Friede wäre ein für allemal gesichert, wenn das Wort 'Du sollst nicht lügen' Wahrheit werden würde", gab er zu bedenken. Weil nun dies aber nicht Wahrheit wird, selbst ein Merz haushoch überlegener Politiker wie Adenauer gelegentlich log, zumindest drei Arten von Wahrheit unterschied, gibt es keinen idealtypischen Frieden, bestenfalls brauchbare sogar längere Waffenstillstände. Und unter der gegebenen Bedingung ist Kants Friedensschrift natürlich kein praktisches Lehrbuch der Politik, wiewohl es nicht schadet, diesen Text zu bedenken. Kritik an "Kant-Analphabeten" ist nicht so gemeint, als könne man hier nicht mitdiskutieren, nur gehört zum Zitieren v. Denkern dazu, dass man nicht nur Wortfetzen aus dem Netz kennt oder aus schlechtem Unterricht. Bei jedem Zitat eines wirklichen Gelehrten müssten Herkunft und Kontext erarbeitet, zumindest bekannt sein.   

Franz Bettinger

25. Februar 2026 11:15

Es wäre schön, wenn wir auf SiN nicht nur erführen und debattierten, was am Rande so erzählt wurde, sondern zur SiKo selbst das Wesentliche, denn das war erheblich. 

Karl

25. Februar 2026 12:06

Natürlich verändert sich das Gehirn durch genetische Faktoren und individuelle Aufwachsbedingungen. Selbst in diesem Forum ist es offenbar immer wieder nötig, das explizit zu erwähnen. Gegen den Egalitarismus. Diese Diversität zeigt sich naturgemäß im Potenzial von Erleben und Verhalten, und zwar nicht nur bei Londoner Taxifahrern (für die Insider). Diejenigen, deren „religiöses Gehirn“ besonders dominant ausgeprägt zu sein scheint, werfen den anderen vor, den Text nicht so zu lesen, wie sie es für richtig halten. (Das eigentlich Wichtige stehe ja in den letzten fünf Absätzen … @RMH). Demnach wäre also eine Art geistige Gleichschaltung oder Nachhilfeunterricht nötig, um Texte „korrekt“ zu verstehen. Ein durchaus bedenklicher Ansatz. Interessant übrigens zu erfahren, dass @Gracchus „…Religion und Kunst am meisten interessieren“. Wer hätte das gedacht. Meine Schwerpunkte liegen jedenfalls woanders.

Le Chasseur

25. Februar 2026 13:04

@Franz Bettinger
"Es wäre schön, wenn wir auf SiN nicht nur erführen und debattierten, was am Rande so erzählt wurde, sondern zur SiKo selbst das Wesentliche, denn das war erheblich. "
"Übernehmt unsere Positionen oder ihr geht unter, so die einfache Botschaft, auch von Rubio. Dass eine erhebliche Zahl an Teilnehmern der politischen Klasse in Europa das nicht wirklich kapiert oder angesichts ihrer Einfältigkeit keine Alternativen zur US-Option erkennen kann, ist das alte Leid der Europäer, die unter einer teilweise sichtbar unfähigen Entscheidungselite leiden."
https://www.nachdenkseiten.de/?p=146411
"Die Münchner Sicherheitskonferenz 2026 zelebrierte die Vertiefung einer strukturellen Abhängigkeit Europas von den USA, die nun offen als Programm ausgesprochen wird. Das vermeintliche Auseinanderdriften ist in Wirklichkeit eine funktionale Arbeitsteilung innerhalb eines gemeinsamen transatlantischen „Bunkers“. Es ist, mit anderen Worten, eine Sicherheitsarchitektur, die Europa mehr Masse gibt, aber keine Souveränität;"
https://www.nachdenkseiten.de/?p=146435
 

Gracchus

25. Februar 2026 14:25

@Karl: Sie verdrehen den Sachverhalt ein wenig. Ausgangspunkt war die Mitteilung des Mitlesers 2, dass er den Beitrag im Gegensatz zu anderen als rein politisch gelesen habe. Wenn man dann auf die objektiv vorhandenen religiösen Bezüge im Text hinweist, ist das kein Vorwurf an die anderen, "den Text nicht so zu lesen, wie sie es für richtig halten", sondern lediglich eine Erklärung, warum man selber die religiösen Bezüge kommentiert.
"Mein Schwerpunkte liegen jedenfalls woanders." Das ist für mich auch kein Problem. 
 

heinrichbrueck

25. Februar 2026 15:08

@ Maiordomus 1
Sie haben recht, daß man bei Immanuel Kant genau lesen sollte. Gerade deshalb scheint mir die übliche Verteidigung etwas zu glatt. Kant löst die Spannung zwischen Freiheitsbegeisterung und Revolutionsverbot, indem er sie systematisch trennt: moralisch bewundert er den Freiheitsimpuls, rechtlich untersagt er dessen Durchsetzung, geschichtsphilosophisch deutet er das Ganze als Fortschrittszeichen.
Diese Dreiteilung ist zweifellos elegant – aber sie hat ihren Preis. Freiheit wird so zur Idee, deren politische Realisierung stets unter Ordnungsvorbehalt steht. Das wirkt weniger wie Differenzierung als wie eine theoretische Entschärfung realer Konflikte.
Problematisch erscheint mir zudem der kantische Universalismus. Er behauptet Geltung unabhängig von Geschichte und Machtkonstellationen, priorisiert jedoch die Stabilität der Rechtsordnung selbst dann, wenn diese Ordnung systematisch Unrecht produziert. Hier stellt sich die Frage, ob die Rettung der Form nicht über die Substanz der Gerechtigkeit gestellt wird

heinrichbrueck

25. Februar 2026 15:10

@ Maiordomus 2
Das ist kein Vorwurf der „Textunkenntnis“, sondern eine systematische Kritik: Wenn moralische Autonomie absolut gesetzt wird, kollektive Selbstermächtigung jedoch ausgeschlossen bleibt, droht Freiheit formal zu bleiben.
Man kann das als konsequenten Rechtsstaatsgedanken lesen. Man kann es aber auch als eine Theorie verstehen, die Konflikte eher ordnet als löst.
Entscheidend ist nicht, ob Kant „mißverstanden“ wurde, sondern ob seine Architektur politischer Verantwortung in Extremsituationen trägt. Anders formuliert: Eine Theorie, die Ordnung auch im Angesicht systematischen Unrechts absolut setzt, darf sich nicht wundern, wenn sie für falsche Loyalitäten anschlußfähig bleibt.

Majestyk

25. Februar 2026 15:23

@ Le Chasseur:
Europa ist souverän genug, um lieber mit einem konservativ geführten Amerika zu brechen als seine inneren Strukturen zu überdenken. Die transatlantische Achse war stets eindimensional politisch. Man sieht wie verankerte Strukturen Trump blockieren. Das konservative Amerika kann gar nicht anders als sich oppositionell zu diesem Europa zu positionieren. Die EU ist aber auch nicht Europa.
Feiern Ihre Nachdenkseiten immer noch Klimakult und Sabotage an der eigenen Wirtschaft? Huldigt man noch dem Migrantismus? Wettert man noch gegen Rechtspopulisten? Betreibt man immer noch einseitigen Antiamerikanismus und verteidigt sozialistische Diktaturen? Ist man immer noch einseitig prorussisch, antiwestlich und anti-israelisch, solidarisiert sich mit "Palästina"? Betreibt man immer noch Wahlkampf für linke Parteien?
Bei dem, was Sie an Medien konsumieren, wundert mich, nichts. Religiöse Prägung in Hirnstrukturen gilt ja wohl auch für linke Narrative.

Majestyk

25. Februar 2026 15:29

@ Karl:
Ihren Hinweis auf The Knowledge und damit verbundene Erkenntnisse finde ich hochinteressant. Von meiner Seite aus gerne mehr.

Maiordomus

25. Februar 2026 15:30

@Karl. Der legendäre Londoner, auch einheimische Westberliner Taxifahrer war vor 55 Jahren noch für den Publizisten William S. Schlamm eine demoskopische Grösse für common sense. Für mich 1966/67 auch Taxifahrer in Beirut und Jerusalem, kein Vergleich mit Miosga u.a. sonstigen Fernsehquatscherinnen. Unterschätzen Sie indes Kunst u. Literatur nicht, 200 russische u. ukrainische Romane und lit. Tagebücher (Tolstoi aus dem Krimkrieg)  bringen mehr als Berichterstattug von schnell Zugereisten. Und wenn die angeblich rechtskonservative Weltwoche in Musk per Titelblatt den Leonardo da Vinci unserer Zeit sieht, herrscht auch dort Bildungs-Analphabetismus. Letzterer skizzierte nackte Schweizer Söldner, mit denen er sich garantiert unterhalten hat (sie konnten schwimmen).. Leonardos Abstand zu seinen Arbeitgebern war um Lichtjahre höher wie der von minusgenialen Fernsehkomikern. Für den deutsch-franz. Krieg 1870/71, auch den spanischen Bürgerkrieg, ist die damalige Kunst vielfach lehrreicher als was damals einfach so in der Zeitung als jeweilige Tendenzberichterstattung zu lesen war. Allerdings ganz hervorragend, dank innerem Abstand, Theodor Fontane als damaliger Berichterstatter. Gegenüber einer solchen Grösse müssen wohl auch SiN-Mitarbeiter bescheiden werden.      

Franz Bettinger

25. Februar 2026 19:17

@Chasseur: Ich höre Rubio’s Rede mit sehr gemischten Gefühlen. Ich lese bei Erika Steinbach: "In seiner Rede wandte sich Marco Rubio an Europa als Amerikas historischen Partner in der Verteidigung d. westl. Zivilisation.“ Das hätten sich England & die USA einmal früher einfallen lassen sollen, nämlich 1939! Im Gefolge dieses unseligen & unnötigen Krieges verlor der Westen den Osten (Russl., China, Indien …). Ich traue den US-Burschen keinen Schritt über den Weg. Immer dieses Konkurrenz-Denken! Solches hatten China & Russland nie. Haben es auch heute vermutlich nicht. Es ist typisch Der Westen. Als ob man nicht friedlich Handel treiben könnte. In den Weltraum brauchen wir auch nicht zu investieren. Reine Verschwendung! ff 

Franz Bettinger

25. Februar 2026 19:23

ff Ich höre die Phrase von der nötigen "Entschlossenheit, das westl. Erbe – Freiheit, nation. Souveränität, Glaube, Familie und Stolz – zu verteidigen und wieder zu beleben.“ - Wer bedroht es denn? China? Russland?  Mitnichten! Der Tiefe Staat des Westens bedroht diese Werte. "Amerika bleibt Europas Tochter …“ Den Satz hören wir immer dann, wenn die Tochter uns EU-ler um ein saftiges Sonntagsgeld anbettelt. Wenn sie aber Libyen, Syrien, den Irak ... zertrampelt, dann hören wir sie nicht uns vorher um Rat angehen. Gelogen ist auch das Gejammer um fehlende Kinder. In China & in Russland geht die Geburtenrate Gott-sei-Dank zurück wie im Westen. Das Schrumpfen der (Welt-) Bevölkerung ist in Wahrheit ein Segen. In anderen Punkten hat Rubio natürlich recht, aber zuerst gilt es, den eigenen Sauhaufen aufzuräumen, d.h. in aller erster Linie: Remigration! Und natürlich kann das alles nicht gegen Russland +China geschehen, sondern MIT diesen Nationen. Der Feind aller ist der Tiefe Staat & die ihm aus der Hand fressenden Regime (von Merkel bis Merz …). 

Majestyk

25. Februar 2026 22:50

@ Franz Bettinger:
"Solches hatten China & Russland nie."
Natürlich nicht. Die kamen und kommen stets in Frieden. Rußkand hat das Baltikum und Osteuropa auch nur besetzt, um es vor bösen westlichen Einflüßen zu schützen. China hat westliche Technologien auch nur "entliehen" um uns vor schädlicher Industrie zu schützen. 
Wenn Rußland, China, Nordkorea und Iran die Guten sind, dann bin ich für die Bösen.
"Und natürlich kann das alles nicht gegen Russland +China geschehen, sondern MIT diesen Nationen."
Die deutsche Wirtschaft erhält man nur GEGEN China. Und ich wüßte keinen Grund warum Deutschland bei IHREN Wunschpartnern betteln sollte um remigrieren zu dürfen. 
"In den Weltraum brauchen wir auch nicht zu investieren. Reine Verschwendung."
Hat man früher auch von Autos und Flugzeugen gesagt. Manche sind sogar der Meinung, der Mensch wäre besser auf den Bäumen geblieben. Mit Ihrem Denken gibt es keinen Fortschritt. Diese Fortschrittsfeindlichkeit kennt man sonst von grün. Ich brauche auch keine neogrüne AfD.

Maiordomus

26. Februar 2026 06:18

@heinrichbrueck 1. War Ihre erste Wortmeldung betr. Kant noch klar "unterkomplex", wenngleich eher eventualiter formuliert bis hin zu Kant als Merkelianer, wofür ihm nun mal die philosophische Verantwortung ein für allemal nicht unterschoben werden kann. Ihre Präzisierungen bewegen sich nunmehr im Rahmen der intellektuellen Debatte um den "Grenznutzen" z.B. von ideologischen Auffassungen der moralischen Autonomie. Präzis umreissen Sie  die "Spannung zwischen Freiheitsbegreisterung und Revolutionsverbot" beim deutschen Idealismus, übrigens genau die Fragestellung meiner mündlichen Doktorprüfung bei H. Lübbe. Genau um einer Lösung dieses Dilemmas willen, nämlich um Handlungs- und Veränderungsspielraum zu ermöglichen, verfasste Schiller seine "Briefe zur ästhetischen Erziehung des Menschengeschlechtes". In diese Richtung geht auch Pestalozzis Abhandlung "Ja oder Nein" betr. Freiheitsdurchsetzung, vgl. auch Schillers diesbezüglich differenziertes Tell-Drama. Die Bedingung der Möglichkeit einer gelungenen Revolution ist für ihn ein Bildungsniveau, welches die Spannung zwischen Freiheit und Ordnung aushält. Handlungen in der Art des "Röhm-Putsches", der Massenmorde à la Russ. Revolution und Pol Pot und der 10 000fache Guillotinenterror zeigen gemäss Schillers Theorie, dass derlei Revolutionen die Menschheit nicht vorwärts bringen, sondern barbarischen Rückfall bedeuten. Der polit. Revolution muss eine Bildungsrevolution vorausgehen.     

Maiordomus

26. Februar 2026 06:30

HeinrichBrück2. Schiller und Pestalozzi stellten sich der Verlegenheit, dass Revolutionen mit sog. guten Absichten (bei denen freilich das untergründig Böse in der menschlichen Natur nicht einfach ausgeschaltet werden kann) offenbar ein "unempfängliches Geschlecht" treffen, wobei freilich das Problem des Tugend-Terrors, das gute Gewissen beim Töten, siehe Inquisitoren und Verfassungsgerichts-Kandidatinnen, bei Brecht die Einstimmigkeit bei der Hinrichtung des Konterrevolutionärs einschliesslich seiner eigenen Stimme ("die Massnahme"), auch demokratische Einstimmigkeit aller reformierten Schweizer Behörden zur Verbrennung von Miguel de Serveto in Genf 1583. Solche Beschlüsse müssen sogar zwingend einstimmig gefasst werden, es geht um das Gute Gewissen geeicht am sog. Höchsten Wert, bei Calvin Dreifaltigkeit, bei Linken die Befreiung der Menschheit.
Das bleibt aber Kant nicht in die Schuhe zu schieben. Er unterscheidet streng zwischen theoretischer u. praktischer Vernunft, und das individuelle Gewissen, dessen Entscheide für das Subjekt verbindlich sind (z.B. Sophie Scholl), aber nicht unfehlbar (hätte sie nicht besser anderen Widerstand geleistet), dieser Entscheid kann nicht kollektiviert werden.      

Maiordomus

26. Februar 2026 06:48

@Heinrich Brück3. Die praktische Vernunft hat mit der "Gewissenlosigkeit des Handelns" (Goethe) zu tun, ist indes fehlbar, erst nachträglich bzw. hinterher sieht man, ob der Entscheid richtig war. Goethe legt Kant so aus, dass er behauptet: "Nur der Betrachtende hat Gewissen. Der Handelnde hat kein Gewissen." Gemeint, er trifft eine Dezision, das Handeln ist nun mal eine Art Sprung ins Wasser, und der praktische Gewissensentscheid ist streng genommen kein sicheres Wissen. Auch Stauffenberg wusste nur in seinem Gewissen, dass er recht hatte, die Ereignisse erwiesen den Putschversuch als schlecht organisiert, fussballerisch gesprochen "hatte kein Glück und dann kam noch das Pech dazu".
Bei Kant bleibt zu bedenken, dass das Gewissen grundsätzlich nur das mündige Subjekt binden kann. Zu diesem gehört es aber auch, siehe Sokrates, klar Nein zu sagen gegen das ganz sicher als falsch Erkannte, zum Beispiel Mordbefehle. Der Logos befiehlt indes dem Subjekt, sich bei der Erwägung aller Umstände sich für die beste Lösung zu entscheiden, die einer strengen Gewissensnorm standhält. Auf dieser Basis ist Widerstand in einem ungerechten System ganz sicher legitimiert. Aber als praktisches Problem immer umstritten. Sie @Brueck, sprechen das Problem immerhin an.     

Maiordomus

26. Februar 2026 07:01

@Brueck 4. Ihre Überlegungen betr. Freiheit und Ordnung mit Kritik an Kant wäre in Wirklichkeit eine Kritik an Hegel, der auf seine Art Kant in die Praxis umzusetzen gedachte. Hier spielte wohl auch noch das lutherische Untertanendenken mit hinein einschliesslich der Staatsgläubigkeit, die Nietzsche an Hegel kritisierte. Unter den Neukantianern versuchte Bruno Bauch (1877 - 1942) , Prof. in Jena, kantisches Denken an den Nationalsozialismus anzupassen in Richtung "Verantwortung in Extremsituationen", wofür aber dann zumal Carl Schmitt mit "Der Führer schützt das Recht" den Weg in die Sackgasse gewiesen hat. Das Denken von Bruno Bauch würde indes noch eine genauere Untersuchung verdienen. Mein eigener Philosophielehrer am Gymnasium, seinerseits ein Anti-Kantianer, doktorierte über "Die Konkreszenz bei Bruno Bauch", ein interessantes Thema auch über die Zusammenführung von theoretischem und praktischem Denken, an dem Bauch aber gescheitert sein soll. Immerhin wurden ihm, wie schon Hegel, logische und methodische Unsauberkeiten nachgewiesen. Dies würde beim Denker Kant, Deutschlands bedeutendstem Intellektuellen, schwieriger zu bewerkstelligen sein.     

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