Buchhandlungspreis: erbärmlich unabhängig

Drei Buchhandlungen sind von der Nominierungsliste für den Deutschen Buchhandlungspreis 2026 gestrichen worden – und ein wuchtiger „Ruck“ (Roman Herzog) geht durch Kultur-Deutschland.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Der (ohne­hin und qua­si von Beginn an ange­zähl­te) Kul­tur­staats­mi­nis­ter Wolf­ram Wei­mer hat die drei Läden kur­zer­hand von der Lis­te genom­men: „Gol­den Shop“ in Bre­men, die Buch­hand­lung „Rote Stra­ße“ in Göt­tin­gen und „Zur schwan­ken­den Welt­ku­gel“ in Ber­lin. Alle drei sind lin­ke Insti­tu­tio­nen, die sich selbst als eman­zi­pa­to­risch und kri­tisch verstehen.

Durch das „Haber-Ver­fah­ren“ sei offen­bar gewor­den, daß über die betref­fen­den Buch­hand­lun­gen „ver­fas­sungs­schutz­re­le­van­te“ Erkennt­nis­se vorlägen.

Haber – was? Irgend­was mit Ammo­ni­ak? Nein, die Bon­ner Staats­se­kre­tä­rin Emi­ly Haber (damals: Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Inne­ren)  hat­te im Jahr 2017 ein seit 2004 bestehen­des inter­nes Ver­wal­tungs­ver­fah­ren der Bun­des­re­gie­rung aktua­li­siert und forciert.

Es erlaubt Bun­des­mi­nis­te­ri­en und Behör­den, vor der Ver­ga­be von staat­li­chen För­der­mit­teln, Prei­sen oder Sub­ven­tio­nen eine Abfra­ge beim Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz (BfV) zu stel­len. Das BfV teilt dann nur mit, ob „ver­fas­sungs­schutz­re­le­van­te Erkennt­nis­se“ zu der Per­son, Orga­ni­sa­ti­on oder dem Pro­jekt vor­lie­gen – ohne (aus daten­schutz­recht­li­chen Grün­den) die Inhal­te oder Bewei­se zu nen­nen. Die anfra­gen­de Stel­le kann dar­auf­hin ent­schei­den, die Förderung/den Preis zu verweigern.

Das Ver­fah­ren soll ver­hin­dern, daß Steu­er­gel­der an extre­mis­ti­sche Grup­pie­run­gen oder Per­so­nen flie­ßen, deren Arbeit sich irgend­wie gegen die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung rich­tet: Der Staat darf und soll kei­ne Steu­er­gel­der an Gruppen/Organisationen geben, die die Demo­kra­tie bekämp­fen oder ter­ro­ris­ti­sche Struk­tu­ren unterstützen.

Es geht also um Extre­mis­mus­prä­ven­ti­on. Aber wie wir alle wis­sen: Es gibt kei­nen neu­tra­len Stand­punkt, von dem aus eine Bewe­gung oder eine Insti­tu­ti­on als „extre­mis­tisch“ eti­ket­tiert wer­den kann.

Das Haber-Ver­fah­ren wird jeden­falls seit sei­ner Ein­füh­rung stän­dig in vie­len Res­sorts genutzt (Bil­dung, Ent­wick­lungs­hil­fe, Kul­tur usw.), oft ohne Auf­se­hen –  es ist also kein „neu­es Repres­si­ons­in­stru­ment“. Nun aber brach in der gesam­ten Buch­bran­che und weit dar­über hin­aus ein kol­lek­ti­ves Ent­set­zen aus – als wäre Zen­sur gera­de eben erfun­den wor­den und stün­de nun erst­mals vor der Tür.

Beson­ders anschau­lich wird der Fall beim „Gol­den Shop“ in Bre­men. Über dem Ein­gang prangt in gro­ßen Let­tern der Slo­gan „Deutsch­land ver­re­cke bit­te“. Ein Spruch, der den Staat nicht bloß kri­ti­siert, son­dern ihm den bal­di­gen Unter­gang an den Hals wünscht. Dane­ben noch „bai­se la poli­ce“ – fick die Poli­zei (für alle, die des Fran­zö­si­schen nicht mäch­tig sind).

„Ver­fas­sungs­schutz­re­le­van­te Erkennt­nis­se?“ Man muß schon reich­lich krea­tiv argu­men­tie­ren, um das als harm­lo­se Mei­nungs­äu­ße­rung durch­ge­hen zu las­sen. Die Betrei­ber füh­len sich den­noch dis­kri­mi­niert und kün­di­gen Kla­ge an – sowohl gegen den Minis­ter als auch gegen den Ver­fas­sungs­schutz. Die drei Läden wol­len Aus­kunft, Akten­ein­sicht und eine gericht­li­che Über­prü­fung des soge­nann­ten Haber-Ver­fah­rens erzwingen.

Die Soli­da­ri­täts­wel­le, die dar­auf­hin los­brach, ist beein­dru­ckend orches­triert. Die unab­hän­gi­ge Jury distan­zier­te sich stan­te pede von Wei­mer und erklär­te, sie ste­he aus­drück­lich hin­ter allen 118 Nomi­nier­ten und wer­de die drei gestri­che­nen Plät­ze bewußt nicht nachbesetzen.

Der Bör­sen­ver­ein des Deut­schen Buch­han­dels und sei­ne Lan­des­ver­bän­de spra­chen von „Gesin­nungs­schnüf­fe­lei“ und for­der­ten die Rück­nah­me der Ent­schei­dung. Der Ber­lin-Bran­den­bur­ger Lan­des­ver­band rief zur „Rote-Kar­te-Akti­on“ auf. Die Schrift­stel­ler­ver­ei­ni­gung PEN Deutsch­land warn­te via Prä­si­dent Mat­thi­as Poli­ty­cki vor „ame­ri­ka­ni­schen Zustän­den“, bei denen die jeweils Regie­ren­den das kul­tu­rel­le Ange­bot kura­tie­ren. (Nein, klei­ner hat­te er es nicht.)

Die 115 ver­blie­be­nen nomi­nier­ten Buch­hand­lun­gen erklär­ten sich geschlos­sen soli­da­risch und kün­dig­ten an, sie wür­den den aus­ge­schlos­se­nen Kol­le­gen ihr Preis­geld erset­zen. 115 soli­da­ri­sche Buch­hand­lun­gen wür­den dem­nach je 210 Euro spen­den, um drei­mal 7000 € zusammenzutragen.

Der Han­ser Ver­lag sprang jetzt eben­falls ein: Nach­dem Wei­mer die offi­zi­el­le Preis­ver­lei­hung auf der Leip­zi­ger Buch­mes­se abge­sagt hat­te, lud Han­ser alle 118 ursprüng­lich nomi­nier­ten Läden zu einer eige­nen gro­ßen Par­ty ein. Gra­tis­mut, aber groß­ge­schrie­ben und pompös.

Dazu kamen offe­ne Brie­fe, Insta­gram-Soli­da­ri­täts­be­kun­dun­gen von Dut­zen­den Buch­hand­lun­gen und eine Spen­den­kam­pa­gne unter dem Mot­to „Lesen hilft!“ Die Empö­rung war so ein­hel­lig, daß man fast ver­ges­sen könn­te, wor­um es eigent­lich geht: Steu­er­gel­der für Läden, die das „Ver­re­cken“ des eige­nen Lan­des wünschen.

Auch die kon­ser­va­ti­ve Qua­li­täts­pres­se (hier nament­lich die WELT) fin­det es höchst nor­mal, daß links­ra­di­ka­le Buch­lä­den steu­er­geld­fi­nan­zier­te Geschen­ke erhal­ten. „Deutsch­land ver­re­cke” sei – so wird umständ­lich erklärt – “Kunst von Ver­fas­sungs­rang”. Berauscht von der eige­nen Tole­ranz wird geklugscheißert:

Klein ist der Laden. Und natür­lich kein Extre­mis­ten­camp. Eine inha­ber­ge­führ­te Buch­hand­lung mit Ursprün­gen im lin­ken Milieu Kreuz­bergs. Links? Ja, sicher. Aber eben folk­lo­ris­tisch-tra­di­tio­na­lis­tisch wie ein Trach­ten­ver­ein am Tegernsee.

Kul­tur­so­zio­lo­gisch ist es das Glei­che, ob sich der Mei­ers Sepp in der durch den gewach­se­nen Bauch zu engen Krach­le­der­nen um zwölf Uhr drei Hal­be am CSU-Stamm­tisch rein­knallt und dann gegen das Gen­dern pol­tert oder ob sich, wie an die­sem Mor­gen, eine jun­ge Frau erkun­digt, ob man das Buch „War­um ich nicht län­ger mit Wei­ßen über Haut­far­be spre­che“ da habe.

Wer sich an die Jah­re 2017 bis 2019 erin­nert, dem dürf­te bei die­sem Auf­schrei ein wenig schwin­de­lig wer­den. Damals ging es um unse­ren Ver­lag, um Antai­os, der auf der Frank­fur­ter Buch­mes­se einen Stand hat­te. Der Bör­sen­ver­ein des Deut­schen Buch­han­dels rief zwar zur „akti­ven Aus­ein­an­der­set­zung“ auf – aber der dama­li­ge Vor­sit­zen­de höchst­per­sön­lich zog mit Pla­ka­ten in der Hand direkt vor den Antai­os-Stand und demons­trier­te dort „gegen Ras­sis­mus und für Viel­falt“. Es gab hef­ti­ge und über­grif­fi­ge Tumul­te, die Poli­zei muß­te ein­grei­fen. (Antai­os und Ver­wand­te hat­ten logisch nie­mals pos­tu­liert, daß irgend­wer „ver­re­cken“ möge oder „gefickt“ gehöre.)

Nach 2018 wur­den alle als rechts gel­ten­den Ver­la­ge still und lei­se in eine Sack­gas­se der Mes­se­hal­len abge­scho­ben. Dort durf­ten sie wei­ter aus­stel­len – nur weit­ab vom Haupt­ge­sche­hen und ohne daß der Main­stream pro­tes­tiert hät­te. Kein offe­ner Brief von dort, kei­ne Wel­le der Empö­rung, kei­ne Ersatz-Party.

Man muß das auf­drö­seln: Wie unab­hän­gig ist die­se Jury eigent­lich, die Jahr für Jahr geld­wer­te Prei­se an Buch­hand­lun­gen vergibt?

Die­se Jury ist so zusam­men­ge­setzt, daß sie die links­li­be­ra­le Mit­te der Bran­che reprä­sen­tiert. Wir haben außer­dem je einen Her­ren vom Wagen­bach- und vom Auf­bau-Ver­lag – Publi­ka­ti­ons­häu­ser, die sich nicht weh­ren dürf­ten, wenn man sie als links-pro­gres­siv titu­lier­te; dann eine Frau vom kaum bekann­ten „Palo­maa-Ver­lag“, der „nicht-binär Schrei­ben­de“ und „Fema­le Con­tent Pro­ducts“ beför­dert. Die ande­ren Jury­mit­glie­der wird man als „neu­tral“ betrach­ten kön­nen und kei­nes­falls als Gegen­ge­wich­te. Eine auch nur „etwas rech­te“ Buch­hand­lung hät­te es bei die­ser Jury schwer, nomi­niert zu werden.

(Wie frei­sin­nig und tole­rant die drei inkri­mi­nier­ten Buch­hand­lun­gen sind, könn­te man übri­gens eigent­lich leicht über­prü­fen. Viel­leicht will einer dort ja mal ein Buch von Antai­os bestel­len oder Nie zwei­mal in den­sel­ben Fluß von Björn Höcke? Das wäre spannend.)

Die Empö­rung fällt ein­hel­lig aus, sobald lin­ke Läden betrof­fen sind: Es trifft das eige­ne Milieu. Bei rech­ten Ver­la­gen oder Läden in den letz­ten Jah­ren? Kaum ein Mucks aus der­sel­ben Ecke. Die „Unab­hän­gig­keit“ endet offen­bar da, wo die eige­ne Welt­an­schau­ung beginnt.

Die drei  lin­ken Läden haben in der Ver­gan­gen­heit den Preis alle übri­gens schon mehr­mals bekom­men. „Gol­den Shop” z. B. 2016, 2018, 2021, 2023. Bit­te? Es gibt knapp 3000 Buch­hand­lun­gen in Deutsch­land? Was ist das für eine Ein­engung? Falls man es nicht gar Vet­tern­wirt­schaft nen­nen sollte.

Wir fin­den es übri­gens nicht gut, wenn der „Ver­fas­sungs­schutz” her­an­ge­zo­gen wird – zu was auch immer. Wir spre­chen die­ser Insti­tu­ti­on die Legi­ti­mi­tät strikt ab – den drei Heul­su­sen, die Deutsch­land in die Höl­le wün­schen, aber unbe­dingt die Unab­hän­gig­keit und den Schneid. Gro­ße Klap­pe, aber dann: Kla­ge­weg, Main­stream­par­ty, mit­ten­drin – wie erbärmlich.

 

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (36)

Waldgaenger aus Schwaben

12. März 2026 09:22

Wieso muss der Steuerzahler so etwas wie einen Buchhandlungspreis finanzieren?Es ist ja nicht nur der Geldbetrag selbst, sondern auch der ganze Verwaltungsaufwand. 

Ein gebuertiger Hesse

12. März 2026 09:30

'Die „Unabhängigkeit“ endet offenbar da, wo die eigene Weltanschauung beginnt.'
Schon in diesem frühen Frühjahr einer der besten Sätze des Jahres.

Martha

12. März 2026 09:46

Kaufe seit Jahrzehnten kein Buch mehr in einer Buchhandlung, nur über den rechten Versandhandel. Alle, Buchhandlungen, die ich kenne, sind mit grün-linker Schlagseite. Gehe dennoch ab und zu hin und äußere mich kritisch über das Sortiment. Nützt leider gar nichts. Sollen sie doch alle zumachen. 

RMH

12. März 2026 10:13

Der Vorgang zeigt auch die Anspruchshaltung der Linken: Der Staat hat zu bezahlen, fördern & selbst wenn es keinen echten Anspruch auf etwas gibt, wie es bei "Preisen" eigentlich sein sollte, dann wird daraus ein fast schon einklagbarer Anspruch auf die Teilnahme am Preisausschreiben hergleitet.
"Ich bin Junkie und der fiese dealer hat mir doch das wirklich gute Zeugs zu verkaufen und die Kosten dafür hat der Steuerzahler zu bezahlen, denn ich bin krank und hilfebedürftig und daher habe ich ein RECHT auf Solidarität - dafür tue ich doch auch alles, was ihr wollt."
So ungefähr lässt sich die dt Kulturindustrie in einem Bild zusammenfassen. Kleine Ironie am Rande: Es waren gerade die linken Hausheiligen Horkheimer & Adorno, welche die Mechanismen der Kulturindustrie im Werk "Dialektik der Aufklärung" beschrieben haben.  Aber intellektuell ist die Linke in weiten Teilen schon lange nicht mehr. An die linke Kulturmafia geht daher die Aufforderung in Form des Zitats der "Antifaschistin" Dolores Ibárruri: Lieber stehend sterben, als kniend leben, oder: Finanziert Euren Dreck alleine! Dann zeigt ihr Würde.

Laurenz

12. März 2026 11:18

@EK ... Antaios & Verwandte hatten logisch niemals postuliert, daß irgendwer „verrecken“ möge oder „gefickt“ gehöre. ... Im politischen Kampf um den Leser liegt hier vielleicht der Hund begraben. Sind wir nicht längst im virtuellen Weimar? Wer schneller verflucht, gewinnt vielleicht?

Mitleser2

12. März 2026 11:49

Schöne Zusammenstellung der Zustände. Letztlich ist es aber mit fast aller "Kultur" so. Documenta, Berlinale und Grimme-Preise (die sich gerade wieder ARD und ZDF haben verleihen lassen) lassen grüßen. Auch hier hat der Marsch durch die Institutionen perfekt funktioniert. Am besten, man ignoriert den Dreck.

Maiordomus

12. März 2026 12:10

Toleranz hört auf, wo die wahren Meinungsverschiedenheiten anfangen. Klar, dass rechte Verlage machen können, was sie wollen, sie werden nie preiswürdig. Dass Weimer die Linken an sich keineswegs vorteilhaft einschätzte, liegt für mich umso mehr auf der Hand, als ich ihn vor mehr als 20 Jahren in Zürichs Gasthaus zum Storchen mal persönlich als höchst anregenden, im besten Sinn kulturkonservativen Gesprächspartner kennenlernen durfte. War indes umso skeptischer, als er den Ministerposten bei Merz annahm, den ich selber vor Jahren meinerseits noch falsch einschätze unter Vorbehalt, dass ich sozial nie seiner Klasse angehörte. Dies galt im Prinzip auch Weimer gegenüber, der mir doch weit gebildeter vorkam, als ich es gegenüber Politikern des eigenen Landes empfand, die ich dann und wann in Fragen von Kultur und Geschichte beraten durfte, wobei mir regelmässig, ohne Grund zur Überheblichkeit zu haben, deren geringes, von Zeitungslektüre abhängiges Grundlagenwissen auffiel. Dies galt in den Neunzigern auch bei der Zusammenarbeit mit prominenten als bürgerlich geltenden Münchner Verlagen, der Spitzenleute gewiss hoch professionell, aber erstaunlich unbelesen waren, eine Situation, die sich zwischenzeitlich zugunsten der polit. Korrektheit dramatisch verschlimmert hat. Weimer hätte ich es aber zugetraut, es ging ihm gut genug, der Versuchung zur Preisgabe seiner relativen Unabhängigkeit standzuhalten, so wie es etwa Helmut M., Focus-Gründer, noch einigermassen geschafft hat, zum Teil aus Altersgründen.  

Maiordomus

12. März 2026 12:26

@Martha. Kann Ihnen dies bestätigen für die grosse Mehrheit von Buchhandlungen zumal in Ba-Wü, wo ich jahrzehntelang Kunde war, auch wegen der Preisunterschied derselben Bücher in der Schweiz, ferner was die Bibliotheken betrifft. Ein über viele Jahrzehnte auch für kulturkonservative Autoren offener Literaturpreis in diesem Raum ging für einen der besten Autoren, die je für GKs Verlag publizierten, schon als in Betracht fallend verloren, weil eine mit der Buchbeschaffung für die Jury beauftragte Buchhändlerin auf diesen Umstand hingewiesen hatte, wobei schon der radikale Einspruch eines einzigen Preismitverantwortlichen erfahrungsgemäss für die Ausbootung genügte, weil man sog. "Umstrittenheit" für einen derlei Preis auch deswegen nicht gebrauchen kann, weil der lokalen und regionalen Literaturförderung ohnehin jederzeit das Weggespartwerden droht. Dabei gehörte das inkriminierte Buch von Antaios, Jahre zurückliegend, erst noch zu den am wenigsten "umstrittenen", die dort je gedruckt wurden. Das "Delikt" beruhte wie oft auf reiner Kontaktschuld.   

Maiordomus

12. März 2026 12:49

@Maiordomus. 12.10 Uhr. Korr. Rechte Verlage werden n i e   preiswürdig, muss es natürlich bei meiner ersten Wortmeldung oben heissen. Vergleiche noch mein Echo auf @Martha. Es hilft indes nichts, betreffend solche ausgebooteten Autoren, die bei "falschen" Verlagen publizieren, in eine Jammerorgie zu verfallen, weil es ihnen am Ende bei ihren eigenen Verlagen und Publikationsmöglichkeiten am Rande des sogenannt bürgerlichen Verlagsbetriebes zusätzlich schadet, siehe das zwiespältige Prädikat "umstritten".  Oder bei Wikipedia heisst es von nicht wenigen nicht zuletzt unter meinen Kollegen: "Publiziert (auch) bei Organen und Verlagen der Neuen Rechten."  Es bestätigt sich nur, dass der obige Artikel von Frau Kositza, zwar nicht gerade der erste mit solchen Hinweisen, kein Luxus war. Noch beeindruckend ein Motto von GK: "Mein gedult hat ursach." Diskutierbar bleibt für rechte Verlage, ob metapolitisch oft bedeutsame Kulturarbeit und politische Agitation im engeren Sinne, zumal parteipolitisch, getrennt gesehen und allenfalls unter anderem Verlagsnamen publiziert werden könnten.     

Herold

12. März 2026 13:57

Frau Kositza, ich bin ein bisschen enttäuscht. Sie wundern sich darüber, dass der Feind der Feind ist und feindliche Dinge tut? Natürlich beutet der Feind seine Gegner aus - besser als die eigenen Leute. Wenn die Gesellschaft so dumm ist, Gibsmedat an die eigenen Leute auszuschütten -- bestens!
Der Fehler der Rechten ist, immer irgendwie nobel und anständig sein zu wollen. Das kann man sich für nach dem Sieg aufheben. Davor gilt es, den Feind zu vernichten, ihn auszunehmen, ihn zu betrügen, zu bestehlen und jede Chance zu nutzen, ihm zu schaden. Sie hassen uns und wir müssen sie hassen, aus ganzem Herzen, mit jeder Faser unserer Existenz.

Maiordomus

12. März 2026 16:38

@Herold. Sie wollen den "Feind", dem gegenüber Sie und andere nach wie vor in der schwächeren Position sind, "vernichten", um allenfalls nach dem Sieg, früher "Endsieg" genannt, sich wieder "nobel und anständig" zu gebärden. Vorher aber wollen Sie den Feind "ausnehmen, betrügen, bestehlen und jede Chance nutzen, ihm zu schaden." Endlich liefert da einer dem Verfassungsschutz etwas Handfestes aus den Reihen der dergestalt kompromittierten Foristen, "wir müssen sie hassen, aus ganzem Herzen, mit jeder Faser unserer Existenz". Sind Sie sich eigentlich bewusst, dass eine solche Art Sieg nachgerade eine Kopie der untersten Kategorie der primitivsten Antifa ist? Beziehungsweise genau das, was normalerweise bei den Gegnern als nur vom Hass diktierte Verleumdung gebrandmarkt wird. Melden Sie sich auch nur mal bei Carsten Jahn, der sich gerade so nicht artikulieren möchte oder beim einst vielgeplagten "Clownie" mit dieser "Sprachübung", allenfalls gleich direkt beim volllbärtigen Verfassungs-Schutz-Beauftragten von sagen wir mal Thüringen. So wie Sie äusserte sich nicht mal der vergleichsweise vornehm Tuende Eingeschleuste bei der Gründungsversammlung der neuen Jugendorganisation AfD. Freilich hat sich diesbezüglich neulich der allgemein überschätzte jetzt angezeigte Fleischhauer seinerseits nicht mit Ruhm bekleckert. Die ehemaligen  Spiegel-Leute werden generell überschätzt.   

ofeliaa

12. März 2026 16:57

Eine meiner liebsten Beschäftigungen ist, durch Fußgängerzonen zu schlendern und in diverse Läden hineinzugehen während ich mir zusätzlich stets der Worte Göthes bewusst bin: ,,Wie schön es doch ist, was ich alles nicht brauche" (oder so ähnlich); somit also nur schaue, selten kaufe und noch seltener klaue (kleiner Witz, ich wollte nur einen Reim). Da entdeckte ich, dass hier mitten in der Fußgängerzone ein Buchladen ist, der nur so links-woke Bücher vertreibt und auch zig Bücher über den zweiten Weltkrieg und so. Also alles daraufhin ausgerichtet zu sagen: Die Deutschen sind sich ihrer Geschichte maximal bewusst - das solltet ihr Deutschen und ihr Touristen immerzu wissen! ,,Wir sind uns BEWUSST". Der ganze Lade schreit dies - und es ist ätzend, sich dort aufzuhalten. Es ist dementsprechend kein Buchladen, sondern ein selbstkonstruiertes Mahnmal direkt am Touristenhotspot. Dazu so ein paar Geschichten aus Afrika, arabischer Welt und Asien, nur nicht ein einziges simples deutsches Buch, in welchem einfach irgendein Krimi oder Roman oder positives Wort über deutsche Kultur zu finden wäre. 

Ein gebuertiger Hesse

12. März 2026 17:27

Buchhandlungen ... nur mal so überhaupt gefragt: Wer der hier Schreibenden UND Lesenden hat sich jemals gewünscht, an einem solchen Ort für seine Rente zu sorgen?

Maiordomus

12. März 2026 18:15

@offella. Ohne den Verkauf von Krimis könnten die von Ihnen besagten Buchhandlungen von vornherein aufgeben. Der Satz, den Sie Goethe zuschreiben, gilt meines Erachtens Sokrates beim Gang durch die Märkte des damaligen Athen, ist überhaupt eine ethische Lebensmaxime der sog. Kyniker und auch vieler aus der stoischen Schule der Antike. Es ist indes nicht so, dass  wenigstens die bekanntesten deutschen Klassiker nicht mehr vorrätig wären, in der Regel auch der aktuelle Nobelpreis, in diesem Falle der immerhin lesbare "Satan-Tango" und die unvergleichlich guten Russen. Nicht zu vergessen Mystik von zwar unterschiedlicher Qualität. Nach wie vor ergiebig bleiben Antiquariate, noch ergiebiger die sog. Bücher-Brockys, wobei jedoch auch diese vielfach Zensur handhaben. Bei der Literatur zwischen 1860 bis 1960 wird man nichtsdestotrotz viele echt lesbare Kostbarkeiten finden. War und bleibe etwa in den Antiquariaten der neuen Bundesländer noch und noch positiv überrascht über das einstige volksbildende Buchangebot der ehemaligen DDR, doch kommen dort mehr und mehr auch die bei den Kommunisten unerwünschten Bücher von noch vor ca. 1948 mehr und mehr zum Vorschein.    

dojon86

12. März 2026 18:23

,@Ein gebürtiger Hesse Ich hätte mir das gewünscht. Jedenfalls würdiger als beim Staat in mittlerer Position zu werkeln. Aber das Hemd war mir näher als der Rock. Die verdammte Kohle halt !

Karl

12. März 2026 19:12

Sie sind nett, freundlich, zuvorkommend, die Damen (und die seltenen Herren) in den letzten verbliebenen Buchläden. Mit diesem Lächeln und dem leisen Versprechen, dass man hier noch echte Literatur findet. Man fühlt sich willkommen. Bis sie es merken. Bis der kleine Moment kommt, in dem der Verlag im System aufpoppt und plötzlich die innere Alarmanlage losgeht: „Der gehört nicht zu uns.“ Dann verändert sich die Atmosphäre so subtil wie ein Thermostat, den jemand heimlich auf „Eiszeit“ dreht. Das Lächeln bleibt – aber es wird jetzt ein bisschen… professionell. Distanz wird aufgebaut. Und plötzlich ist sie da, die Brandmauer im Buchladen. Buchbestellungen von „rechten“ Verlagen? Mit Glück werden sie angenommen. Mit einem pikierten „Das dauert dann etwas länger“. Manche Damen schaffen es sogar, das Wort „bestellen“ so auszusprechen, als hätten sie gerade „Giftmüll entsorgen“ gesagt. Andere lehnen höflich ab – „Leider nicht im Sortiment, und wir führen das auch nicht“ –, als ginge es um eine ansteckende Krankheit, die man besser nicht ins Haus lässt. Ausgerechnet in den Tempeln freier Gedanken, wo angeblich „alles“ stehen darf zieht sich die unsichtbare Mauer quer durch den Laden. Von der Kasse bis zum letzten Regal. Und wir dürfen dann zuschauen, wie die Toleranz plötzlich gefriert. Aber solange sie noch lächeln, bevor sie die Brandmauer hochziehen, ist ja alles halb so wild. Man gewöhnt sich dran. Und bestellt einfach online. Bei Antaios.

Dietrichs Bern

12. März 2026 20:37

@Ein gebürtiger Hesse: Ich. Die Vorstellung den ganzen Tag umgeben von Dingen, die einen nicht maßlos nerven, zu sein, finde ich ziemlich gut. Falls ich noch einmal geboren werde, hoffe ich das im Unterbewußtsein zu haben.

heinrichbrueck

12. März 2026 20:54

In politischen Konflikten begegnen wir oft zwei völlig unterschiedliche Arten, mit Bedrohung umzugehen – die eine radikal und kompromißlos, die andere vorsichtig und regelorientiert. Man könnte sie H. und M. nennen. H. lebt die Logik des Feindes. Für ihn ist der Gegner keine abstrakte Figur, sondern eine existenzielle Bedrohung, die man nur durch konsequentes Handeln, klare Abgrenzung und, wenn nötig, kompromißlose Gegenmaßnahmen überleben kann. Wer ihn unterschätzt oder versucht, ihn nach den eigenen moralischen Maßstäben zu „erziehen“, wird schnell überrascht und verliert die Kontrolle. H. Stärke liegt darin, dass er den Feind wirklich versteht – seine Absichten, seine Gefährlichkeit und die Bedingungen seines Handelns.
M. dagegen verschiebt den Fokus. Er wechselt das Thema vom existenziellen Konflikt auf das Feld der Moral, der Legitimität und der öffentlichen Wahrnehmung. Für M. ist es wichtiger, wie die Handlungen wirken, welche Regeln man einhält und wie andere Beobachter die Situation interpretieren. Auf der rhetorischen Ebene kann M. dadurch gewinnen: Wer das Gespräch auf moralische und politische Normen lenkt, kann den anderen in die Defensive drängen. Doch in einem Kampf, in dem es ums Überleben geht, spielt diese Strategie keine Rolle. Sie schützt nicht vor einem Feind, der kompromißlos agiert.

heinrichbrueck

12. März 2026 20:57

Die Dynamik zwischen H. und M. zeigt ein grundlegendes Problem: Wer gewinnt, hängt davon ab, welches Spielfeld gerade zählt. In einem existenziellen Konflikt, in dem nur einer überleben kann, hat H. die besseren Chancen. Wer die Regeln des Feindes versteht, kann seine Züge antizipieren und handeln, bevor der Gegner zuschlägt. Wer jedoch auf Vorsicht, Moral und Legitimität setzt, kann sich rhetorisch behaupten, aber verliert in der Realität den entscheidenden Vorteil.
Langfristig gesehen müssen politische Akteure deshalb lernen, beide Strategien zu kombinieren – manchmal radikale Härte, manchmal vorsichtige Diplomatie. Doch das Problem ist: Wer darüber entscheidet, wann H.-Logik und wann M.-Logik gilt, trifft eine Machtentscheidung, die nicht mehr demokratisch ist. Diese Entscheidung liegt entweder bei einer Führungsperson oder einem kleinen Kreis, und sie bestimmt, ob eine Bewegung überlebt oder scheitert. 
In der Natur, in der das Überleben oft das einzige Gesetz ist, zeigt sich eine einfache Wahrheit: Wer den Feind versteht, wie er wirklich denkt, handelt entsprechend und nutzt seine Möglichkeiten, überlebt eher. Wer sich auf Regeln verläßt, die der Feind nicht beachtet, setzt sich großen Risiken aus. Politische Schlachten sind deshalb immer ein Spiel zwischen Verständnis und Vorsicht, zwischen radikaler Aktion und strategischem Kalkül. Wer diese Balance beherrscht, hat die größten Chancen, nicht nur rhetorisch, sondern auch real zu gewinnen. 

Marcus AC Severus

12. März 2026 21:09

Bitter schmeckt die eigene Medizin. Die Frage warum gerade jetzt der "Bannhammer"  geschwungen wurde? 

Laurenz

12. März 2026 21:12

@Ein gebürtiger Hesse ... Sie meinen, als alkoholkranker (Mitte der 70er), aber trockender Buchhändler kann man auch Kanzlerkandidat der SPD werden? Das ist richtig. Aber auch der Schulzzug zog lieber in das EU-Parlament als in den Buchladen & heute ist er Chef der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Le Chasseur

12. März 2026 21:28

@Ein gebuertiger Hesse"Buchhandlungen ... nur mal so überhaupt gefragt: Wer der hier Schreibenden UND Lesenden hat sich jemals gewünscht, an einem solchen Ort für seine Rente zu sorgen?"
Lieber in einer Bibliothek.

Ein gebuertiger Hesse

13. März 2026 08:28

Buchhandlungen haben auch etwas von Verwahrungsanstalten. Und die Händler etwas von bloßen Wärtern. Kaum je ist einer, schon gar nicht bei den Ketten, wirklich EIN LESER, man sieht es ihnen an. Anders Antiquare, das sind geradezu verhinderte Autoren.

Maiordomus

13. März 2026 10:56

@Karl. Beschreibung einer Buchhandlung, wie es Ihnen dort erging, wirkt exemplarisch, zumal für urbane Regionen in Baden-Württemberg. Gratuliere Ihnen für treffliche Schilderung, in dieser Qualität schreibt hier sonst fast nur Bosselmann. Zugleich wäre es ein für ein zeitgeschichtlichers Lesebuch druckreifes Dokument der geistigen Situation, in der sich das Land derzeit befindet.
@Brück. Wenn Sie glauben, der Text oben von H. habe irgendetwas mit Strategie zu tun, von Taktik ganz zu schweigen, repräsentieren Sie eine politische Richtung, die nie mehrheitsfähig werden sollte. Muss deswegen weder das eine noch das andere N-Wort bemühen. Es genügt, dass der pseudoradikalliberale Jakobinismus, der Marxismus und auch die 68er mit Baader-Meinhof als nicht zufällige Repräsentanten die Legitimation menschenvernichtenden Hasses auf ihre Fahne geschrieben hatten. Zur Durchsetzung dieser Ideologie müssten vorher Weidel/Chrupalla und auch gläubige Christinnen wie EK eliminiert werden, die naiven Philosemiten ohnehin, wiewohl sie alle gewiss Kritik benötigen.     

das kapital

13. März 2026 11:10

Nun generell ist es doch so, dass Buchhandlungen generell für die Verbreitung von Bildungsangeboten förderlich sind. Angesichts von Amazon, Thalia und Co haben sie es immer schwerer, in der Breite durchzudringen. Deshalb ist mir insbesondere in kleinen und mittleren Städten eine regionale Bundesförderung nachvollziehbar, damit Deutschland nicht geistig noch weiter verödet. Nicht jeder kann mit dem Regionalexpress nach Berlin Friedrichstraße fahren und im Buchkaufhaus seiner Wahl unendlich stöbern. Die regionale Buchkultur möge auch in der Provinz erhalten bleiben. In gewisser Weise sorgt ja auch ihr von Antaios und Sezession dafür, dass dies gelingt. Danke dafür an dieser Stelle. Preise kriegt ihr dafür leider nicht, Eher einen Kleinkrieg staatlicher Stellen. Morgenmantel für euch, staatliche Preisgelder für "baise la police". "Compact" sollte das sich mal an die Tür hängen. Die hätten Grund dazu. Haben zwar nicht die Qualität, die ihr habt, gehören aber trotzdem mit aller Kraft verteidigt.

Maiordomus

13. März 2026 11:20

PS. Damit man mich nicht als Apologeten des "Gutmenschentums" missversteht: Niccolo Machiavelli, der frühneuzeitliche Grossmeister der Politik, auch Thomas von Aquin und Erasmus in praktischen Fragen hoch überlegen, warnte bei politischen Lösungen sich nicht bloss von Liebe und Mitleid, auch von Hass auf keinen Fall beeinflussen zu lassen. Weil auch die rein menschliche Liebe, erst recht der teuflische Hass, egoistische Impulse sind und als emotionale Impulse irrational und blindmachend vernünftiges polit. Handeln verunmöglichen. Entsprechend war der einzige wirklich heilige Papst des 2. Jahrtausends, der ehemalige Einsiedler Coelestin V., von Dante stark kritisiert, als reiner Gutmensch für sein Amt ungeeignet, deshalb zurückgetreten. Hasserfülltes Handeln hat nichts mit politischer Begabung zu tun, verblendet, verletzt das Mass, man sollte weder hassen noch mehr als einmal lügen, weil sonst Glaubwürdigkeit bei Verhandlungen im Eimer. Politik benötigt nach Machiavelli "virtu" = Charakter, absolute Selbstbeherrschung, nicht so wie der von B. Ganz gespielte Hitler im Bunker.   

Laurenz

13. März 2026 16:13

@Maiordomus mit PS ... Da Staatsmänner ohne Emotionen agieren müssen, bleibt nichts anderes übrig, als über den eigenen Gefühlen stehen zu müssen, was Haß & Liebe, wie gut & böse ausschließt.

Maiordomus

13. März 2026 16:51

@das kapital. Sie sehen den Unterschied zwischen Antaios und Compact, wobei die ersteren gewiss die höhere Diskurs-Bandbreite haben und noch deutsch genug, um im Geist von Bismarck neben der balance-bedingten Nähe auch den Abstand zu Russland nicht zu vergessen. Zumindest optisch machte Berlin 1945 so wenig wie Dresden den Eindruck einer befreiten Stadt, und selbst im Kanton Glarus wurde damals, noch im April 1945, auf die Massenvergewaltigungen im östlichen Teil Deutschlands aufmerksam macht bei der historischen Schlachtfeier um die eigene Befreiung (von Habsburg) jeweils erste Hälfte April. Es war damals in der neutralen Schweiz ein Hinweis darauf, beim Kriegsende nicht in Euphorie zu verfallen. Zumal bei der schweizerischen Rechten glaubte man damals nicht oder nur skeptisch an einen dauerhaften gerechten Frieden. Der Tod Stalins 1953, meine früheste politische Erinnerung, wurde fast ähnlich erleichtert zur Kenntnis genommen wie die Todesmeldung des "Führers", der ausser Schaffhausen nirgends je über 2% Anhängerschaft mobilisieren konnte.    

Karl

13. März 2026 17:18

@Maiordomus 13. März 2026 10:56
Ach, Maiordomus, Sie Charmeur mit der ruhigen Gelehrsamkeit eines Klosterbibliothekars! Da bin ich Ihnen gegenüber einmal nicht kritisch und schon revanchieren Sie sich mit solch einem Prachtstück an Höflichkeit. „Treffliche Schilderung“, „druckreifes Dokument der geistigen Situation“ – ich sitze hier und frage mich ernsthaft, ob Sie mir gerade ein Kompliment gemacht oder mich sanft in die Annalen der baden-württembergischen Provinzposse eingetragen haben. Der Vergleich mit Bosselmann hat mich kurz innehalten lassen. Wenn selbst Sie mich in dieselbe Liga hieven, dann muss ich entweder wirklich gut geschrieben haben … oder Sie haben heute Ihren großzügigen Tag. Kurz: Danke. Von Herzen. Heute genieße ich einfach mal, dass die Buchhandelsbeschreibung Ihren kritischen Blick überlebt hat. Ihr ansonsten in einigen Punkten (z. B. Glaube/Spiritualität/Katholizismus, Los des Konservatismus) doch eher uneiniger, aber tief beeindruckterKarl

Maiordomus

13. März 2026 17:42

@Laurenz. Gefühle sind natürlich bei keinem Entscheidungsträger ausgeschlossen, aber ein gerechter Richter darf, das wird sogar im Alten Testament so verlangt, zum Beispiel aus Mitleid nicht mal einen Armen bevorzugen und auch bei der Urteilsberatung sollte er sich darüber Rechenschaft ablegen. Man darf, wofür ich Verständnis habe, die AfD von ganzem Herzen hassen (als zum Beispiel grüne Richterin), aber man sollte dies dann zugeben und am Ende gegen dieses Gefühl die Rechtsnorm respektieren. Bei Richtern kommt es noch recht häufig vor, dass sie zumindest bei harten Urteilen gegen vielleicht auch milieugeschädigte Kriminelle erklären, dass sie trotz Verständnis und Mitleid mit dem Angeklagten im Sinne des Gesetzes gestimmt hätten. Dies hört man aber kaum bei wirklich parteiischen Urteilen. Eher schon in Fällen, wo die Richterin oder der Richter zum Beispiel beim Urteil gegen einen Schwarzen nicht rassistisch geurteilt haben will. Hier ist es sogar sehr nötig, dies zu betonen, will man doch ein anständiger Mensch sein usw. Die oben genannte Bibelstelle, aus dem Gedächtnis zitiert, müsste ich auf Verlangen noch nachschauen. Es steht aber wirklich im AT. 

Maiordomus

14. März 2026 04:14

@Karl. Wollte Sie schlicht respektieren und nicht einfach mit Komplimenten quasi von oben herab beschämen. Auch als schreibender Leser, wenn auch nicht nur hier manchmal aus der Zeit gefallen, gehört meine Achtung dem interessierten Bücherfreund, der indes in den Buchhandlungen immer wieder Erfahrungen macht, wie Sie diese beschreiben. Es muss nicht ausschliesslich das bewusst politisch oppositionelle Milieu sein. Leute wie Sie und andere hier treffe ich aber nicht selten beim Stöbern in Antiquariaten.
Ihr Text ist und bleibt aber zeitgeisttreffend mit Zeitgeistabstand, und was die Anerkennung der Schreibweise betrifft, so ist klar, dass 50 Zeilen Volltreffer den Wert langer Abhandlungen gut und gern übersteigen. Anregend Ihr Hinweis auf "Provinzposse", das ist nicht zu unterschätzen. Könnten Sie statt Ihrer wenigen Zeilen das auf 200 oder gar 400 Seiten durchhalten, wären Sie als Satiriker dieses Provinzmilieus ein heutiger Abglanz von Jean Paul, der absolute Geheimtipp der Untergrundleser und -autoren der DDR. Von ihm stammt auch die beste Antikriegssatire der Weltliteratur, aus den Grönländischen Prozessen, der Essay über die Wiederverwendung der menschlichen Haut als Kampfanzug.   

Olmo

14. März 2026 07:01

@Ein gebuertiger Hesse was würde ich dafür geben, in einer Buchhandlung arbeiten zu dürfen! 

Laurenz

14. März 2026 09:50

@Maiordomus @L. ... Richter aus dem Alten Testament oder auch nur unser aktuelles Relikt aus dem Römischen Kirchenrecht widersprechen diametral unserem Rechtsverständnis. Unsere Vorfahren richteten selten, sondern glichen diplomatisch aus, durch Wergeld/Manngeld. Das Hebräische Recht gleicht nur insofern Germanischem Recht, in dem es einen Ausgleich zwischen Täter & Opfer sucht & nicht, wie das Römische Recht, zwischen Täter & Staat. Aber alleine der fundamentale Unterschied im Frauenbild (aus dem Exodus, die Zauberinnen sollst Du nicht leben lassen) ist mit uns nicht kompatibel & bedeutete bei der Hexenverfolgung eine kulturelle Fremdherrschaft.

YSmith

14. März 2026 16:36

Was ich mich bei dem ganzen frage ist: wie kann ein Buchladen überhaupt "der beste" sein, wenn das Produkt, welches sie anbieten, nicht von ihnen selbst produziert wird? Und wieso spielt die politische Ausrichtung des Ladens eine Rolle? Also natürlich kann man "Das Kapital" ins Schaufenster stellen oder die Autobiographie von Mussolini aber will man als Buchladen nicht eigentlich ein Maximum Geld verdienen in dem man Bücher für Kunden bestellt und die gefragtesten Bücher im Sortiment hat? Oder man spezialisiert sich auf eine bestimmte Niesche und verkauft z.B. nur Bücher über Esoterik. Aber sollte der "beste" Buchladen nicht einfach der Buchladen sein, der am meisten Umsatz macht oder das größte Angebot hat? Unabhängig von den angebotenen Büchern oder dem Schriftzug über der Tür? Ich wüsste nicht, welche anderen Kriterien man noch anwenden könnte... Dann ist es wiederum unlogisch, den am besten laufenden Buchladen zu unterstützen. Das ganze System ergibt keinen Sinn. Es gibt doch auch keinen Preis für den "Spätkauf des Jahres 2026". Wobei, wenn ich länger darüber nachdenke, vielleicht doch? Jedenfalls ist es mir  egal, welchen Preis welcher Spätkauf (Buchladen) hat, so lange ich dort meine Bücher bestellen oder meine Schokoriegel kaufen kann... 

Beta Jas

14. März 2026 16:39

Bei dieser Causa denke ich mir wieder einmal das es Zeit wird das "Deutschland verreckt", aber "Bitte!" schnell, und auch ein linksautistisches Milieu damit verschwindet, das Deutscher ist als es sein will. Böse gesagt.

Maiordomus

14. März 2026 17:13

@Karl. Beim Hinweis auf Jean Paul Friedrich Richter, dessen Einfluss auf die spätere Literatur womöglich grosser war als derjenige der eigentlichen Denkmalfiguren der deutschen Literatur, bleibt der untergründig fast permanente Eindruck auf künstlerisch anspruchsvolle DDR-Literatur zu beachten, besonders auf Günter de Bruyn (lebt der noch?),den noch eindrücklich gescheiten DDR-Marxisten Wolfgang Harich, u.a. Rolf Vollmann "Das Tolle neben dem Schönen", durchwegs Lese-Genüsse. Er ist natürlich ein Hauptschlüssel zu Stifter, vermute ferner, dass er für Bosselmann wichtig bleiben dürfte. Mein Hinweis auf den satirischen Aufsatz des ca. 19jährigen Fritz Richter, wie er in der Schule hiess, Von der Wiederverwendung der menschlichen Haut, betrifft einen absoluten Geheimtipp grosser deutscher Literatur, da hält Max Frisch, dessen Abituraufsatz kürzlich zum Vorschein gekommen ist. wohl definitiv nicht mit. Die "Grönländischen Prozesse" sind in Form von improvisierten Satiren Vorspiel zum Gesamtwerk, im Einzelfall wie vieles v. JP manchmal mühsam zu lesen. Aber gleichzeitig K.Ph. Moritz, Eichendorff, den ganzen Biedermeier wie auch Tucholsky, Walser und Kafka vielfach vorwegnehmend.   

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