Die Brandmauer bröckelt. In Brüssel

Am 26. März stimmten im EU-Parlament Abgeordnete der CDU und CSU mit AfD-Politikern für eine Verschärfung der Asylregeln. Mit einer klaren Mehrheit beschloß das Parlament neuen Regeln zur Einstufung sicherer Herkunfts- und Drittstaaten und die Ermöglichung sogenannter „Return Hubs“. Damit wird die Forderung nach ausgelagerten Asylzentren ("Musterstädte", wie ich es nannte) EU-Konsens.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Außer­dem wur­den zahl­rei­che Her­kunfts­län­der als sicher erklärt, medi­zi­ni­sche Alters­fest­stel­lun­gen sind erst­mals mög­lich, und Straf­tä­ter kön­nen lebens­lang des Kon­ti­nents ver­wie­sen wer­den. Ille­ga­le sind ver­pflich­tet, an ihrer eige­nen Abschie­bung mit­zu­wir­ken, und kön­nen bis zu 24 Mona­te inhaf­tiert wer­den, wenn sie dem nicht nachkommen.

Dafür stimm­ten 389 Abge­ord­ne­te, 206 stimm­ten dage­gen und 32 ent­hiel­ten sich. Euro­pas Links­par­tei­en hat­ten sich lan­ge dage­gen gewehrt. Auch Merz ver­such­te den Schul­ter­schluß von Deutsch­land aus zu sabo­tie­ren. Inter­ne Abspra­chen zwi­schen kon­ser­va­ti­ven und rech­ten EU-Poli­ti­kern brach­ten jedoch die Wen­de. Was in mei­nem Buch als ers­te Pha­se für die “Grup­pe A” (Ille­ga­le) beschrie­ben wird, ist jetzt im Zen­trum Euro­pas angelangt.

Selbst­ver­ständ­lich blei­ben die Pro­blem­feld der lega­len Migra­ti­on und die Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten aus “Tur­boe­in­ge­bür­ger­ten” bestehen. Doch die Abstim­mung ist Brüs­sel ist ein wich­ti­ger Schritt.

Der wich­tigs­te Aspekt ist das „Out­sour­cing“ des Asyl­un­we­sens. Was als “Ruanda­plan” Eng­lands und “Alba­ni­en­plan” Ita­li­ens noch scharf bekämpft wur­de, ist jetzt beschlos­se­ne Sache. Die ent­schei­den­de recht­li­che Ver­än­de­rung liegt in der Abschaf­fung des bis­he­ri­gen, stren­gen „Ver­bin­dungs­kri­te­ri­ums“: Künf­tig muß nicht mehr nach­ge­wie­sen wer­den, daß ein Asyl­su­chen­der eine fami­liä­re oder per­sön­li­che Bin­dung zu einem Dritt­staat hat, in den er gebracht wird. Die blo­ße Durch­rei­se oder schlicht­weg ein bila­te­ra­les Abkom­men der EU mit einem Part­ner­staat rei­chen ab jetzt aus.

Die­se Aus­la­ge­rung der Asyl­zen­tren ist der Hieb, der den Gor­di­schen Kno­ten der Abschie­bungs­ver­schlep­pung durch­trennt. Der Instan­zen­weg ist end­los, Rück­nah­me­ab­kom­men müs­sen ein­zeln aus­ge­han­delt wer­den. Gera­de jene Staa­ten, in die man prio­ri­tär abschie­ben soll­te, sind oft so unter­ent­wi­ckelt, daß es dort kei­ne Part­ner für ent­spre­chen­de Ver­trä­ge gibt.

Beam­te berich­ten, daß man vor Ort oft mit Schmier­geld bestechen muß, damit Ille­ga­le wirk­lich auf­ge­nom­men wer­den. Dazu ver­schlei­ern vie­le Asy­lan­ten ihre Her­kunft und gau­keln Staa­ten­lo­sig­keit vor. Der Gip­fel der Absur­di­tät ist die soge­nann­te “Anker­kri­mi­na­li­tät”. Asy­lan­ten wer­den unab­schieb­bar, indem sie hier schwe­re Ver­bre­chen bege­hen, auf die in ihrem Hei­mat­land Fol­ter oder Todes­stra­fe steht. All das fällt jetzt weit weni­ger ins Gewicht.

Ille­ga­le Ein­rei­sen und Unab­schieb­bar­keit füh­ren nicht mehr zu einer Ver­an­ke­rung in Europa.
Die For­de­rung nach Push­backs in einen “Return Hub” für jeden Neu­an­kömm­ling und die schritt­wei­se Ver­la­ge­rung aller hier leben­den Asy­lan­ten dort­hin muß Stan­dard­for­de­rung für die AfD werden.

Wenn man die­se Zen­tren aus­baut, kön­nen sie auch einen huma­ni­tä­ren Zweck erfül­len. Statt einer sozia­len Hän­ge­mat­te gibt es dort Kost, Logis und nach einer gewis­sen Frist Arbeits­pflicht für jene, die län­ger blei­ben wol­len. Neben Kran­ken­häu­sern, Sport­an­la­gen und Moscheen soll­te es in die­sen Return Hubs auch Aus­bil­dungs­stät­ten geben. Wirt­schafts­flücht­lin­ge kön­nen dort sinn­vol­le Tätig­kei­ten erler­nen, die in ihrem Hei­mat­land drin­gend benö­tigt wer­den. Lin­ke Akti­vis­ten kön­nen vor Ort frei­wil­lig mit­hel­fen, ohne der Gesell­schaft die Fol­gen ihres “Altru­is­mus” aufzubürden.

Migran­ten bleibt nur der Weg nach Euro­pa ver­sperrt, doch sie kön­nen das Zen­trum selbst­ver­ständ­lich jeder­zeit Rich­tung Hei­mat ver­las­sen. Die Eta­blie­rung die­ser Zen­tren wür­de in weni­gen Mona­ten das Geschäft der Schlep­per zer­stö­ren. Ein ent­schei­den­der gro­ßer euro­päi­sche Pull-Fak­tor wür­de beseitigt.

In Ver­hand­lun­gen zur Rück­nah­me ihrer Staats­bür­ger befin­det man sich dank der Return Hubs auch in einer bes­se­ren Posi­ti­on und muß sich nicht mehr von Erdo­gan in ein­sei­ti­gen “Deals” erpres­sen lassen.

Return Hubs kämen Euro­pa wesent­lich bil­li­ger als die mil­li­ar­den­nen­ver­schlin­gen­de Asyl­in­dus­trie. Die Zen­tren könn­ten dazu als Son­der­wirt­schafts­zo­nen fun­gie­ren indem Steu­er­vor­tei­le gro­ße Unter­neh­men und Inves­ti­tio­nen anziehen.

Auch die Koope­ra­ti­on afri­ka­ni­scher Staa­ten ist sehr wahr­schein­lich. Die euro­päi­sche Ent­wick­lungs­hil­fe kann als Druck­mit­tel ver­wen­det wer­den. Jene Staa­ten, die rasch koope­rie­ren und lang­fris­ti­ge Pacht­ver­trä­ge für die Errich­tung von Return Hubs abschlie­ßen, kön­nen mit der par­ti­el­len Erlas­sung ihrer Staats­schul­den belohnt wer­den. Die Bau­vor­ha­ben wür­den dazu zahl­rei­che Arbeits­plät­ze schaffen.

Die Abstim­mung im EU-Par­la­ment macht den Weg euro­päi­sche Rechts­par­tei­eb frei. Die Kom­mis­si­on und Gerich­te könn­ten hier noch dazwi­schen­fun­ken, aber gegen die erklär­te Mehr­heit ihres eige­nen Par­la­ments kön­nen auch die EU-Orga­ne nicht lang­fris­tig gegen­hal­ten. Die For­de­rung nach Mus­ter­städ­ten und Return Hubs gehört spä­tes­tens ab jetzt in das Pro­gramm jeder Rechtspartei.

Der Bruch der Brand­mau­er in Brüs­sel hat auch weit­rei­chen­de Aus­wir­kun­gen auf Deutsch­land. Kern­for­de­run­gen, die im eige­nen Land zu Dämo­ni­sie­rung und Ver­fol­gung füh­ren, wer­den nun durch euro­päi­sches Recht abge­deckt und von euro­päi­schen Kon­ser­va­ti­ven mitgetragen.

Brüs­sel war für Euro­pa­po­li­ti­kern der Uni­on schon lan­ge ein Rea­li­täts­schock, der natio­na­le Echo-Kam­mern sprengt. In Brüs­sel sahen sie, wie links die öffent­li­che Mei­nung in Deutsch­land im Euro­pa­ver­gleich ist. Ihre Frak­ti­ons­kol­le­gen wür­den in Deutsch­land häu­fig eher zur AfD als zur Uni­on pas­sen. Sozi­al­de­mo­kra­ten aus Däne­mark, Polen und Ungarn über­ho­len sie teil­wei­se rechts.

Es wird für die Uni­on immer schwie­ri­ger, eine Brand­mau­er-Poli­tik, die in Brüs­sel Geschich­te ist, natio­nal auf­recht­zu­er­hal­ten. Am Tag der Abstim­mung tri­um­phier­te Man­fred Weber, der Anfüh­rer der EVP-Frak­ti­on, auf X:

Heu­te zei­gen wir ganz klar, dass euro­päi­sche Lösun­gen zur Bekämp­fung der ille­ga­len Migra­ti­on mög­lich sind. Die euro­päi­schen Bür­ger erwar­ten ent­schlos­se­nes Han­deln, und wir lie­fern. Wer kein Auf­ent­halts­recht in der EU hat, muss gehen.

Die­ser Post hät­te auch genau­so gut von einem “Rechts­po­pu­lis­ten” stam­men kön­nen. Dabei darf man aber nie­mals ver­ges­sen, dass die Kon­ser­va­ti­ven, ob in Deutsch­land oder Euro­pa, nur auf Druck reagie­ren. Das kann erst der Anfang sein. Sie müs­sen, frei nach Gau­land, wei­ter nach rechts gejagt wer­den. Das bleibt die Auf­ga­be von Vor­feld und Par­tei. Getrennt mar­schie­ren und ver­eint remigrieren!

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Sezession
DE58 8005 3762 1894 1405 98
NOLADE21HAL

Kommentare (0)