Kritik der Woche (79): Blender

Vor anderthalb Jahren haben wir einen (klar, subjektiven) Kanon der „besten deutschsprachigen Romane der letzten 100 Jahre“ erstellt. Das war einigermaßen schwierig, aber das Ergebnis war schlagend und ist von der Mainstream-Presse einigermaßen ratlos aufgegriffen und kommentiert worden. Hier ist die Liste.

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Auch, weil in man­chen Jah­ren eine Hand­voll groß­ar­ti­ger Meis­ter­wer­ke erschie­nen war – und in ande­ren Jah­ren allen­falls bes­se­rer Durch­schnitt. Für das Jahr 2013 jedoch fiel die Ent­schei­dung leicht: Es war, kei­ne Fra­ge, Die Aben­teu­er des Joel Spa­zie­rer von Micha­el Köhlmeier.

Die­ses Buch ist nichts weni­ger als ein Meis­ter­werk der Erzähl­kunst, hin- und mit­rei­ßend von der ers­ten bis zur letz­ten Zei­le. So schrei­ben Kön­ner: ohne jedes Arbeits­ge­räusch, dabei span­nend, anspruchs­voll und enorm ein­falls­reich. Ver­stie­gen? Ja, das durch­aus, aber wie soll­te es anders gehen ange­sichts des laby­rin­thi­schen Daseins die­ses Prot­ago­nis­ten?

So schrieb ich damals. Und weiter:

Spa­zie­rer ist ein aus­ge­dach­ter Name. Als Kind hieß er erst András Fülöp, spä­ter And­res Phil­ip, kurz­zei­tig Robert Rosen­ber­ger, dann Ernst-Thäl­mann Koch, kein Tipp­feh­ler: Thäl­mann ist der zwei­te Teil des Vor­na­mens. »Spa­zie­rer« wur­de zur Iden­ti­täts­ver­schleie­rung von einem ver­trau­ten lin­ken Pfar­rer für gut befun­den: »Es ist nicht schlecht, wenn die Leu­te mei­nen, es sei ein jüdi­scher Name. Dann fra­gen sie nicht.…Vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn du das Jüdi­sche mit einem jüdi­schen Vor­na­men betonst.«

Unser Held hat allen Grund, sei­ne Iden­ti­tät zu ver­heh­len. Er ist ein Mör­der und ein Lüg­ner. Ange­sichts des­sen – er hat zusätz­lich gedealt, er hat sich pro­sti­tu­iert, hat Ehen und Dut­zen­de Geset­ze gebro­chen – grenzt es an ein Wun­der, daß wir Hun­der­te Sei­ten mit ihm hof­fen und ban­gen. Sol­len wir Joel Spa­zie­rer einen schlech­ten Men­schen nen­nen? Fie­bern wir aus Mit­leid mit ihm? Nein, nein. Es ist viel komplizierter.

Genug der lan­gen Vor­re­de. Ich kann nicht wis­sen, ob Anke Engel­mann, 1966 gebo­ren in Wei­mar und noch heu­te dort lebend, den Joel Spa­zie­rer je las. In der DDR hat­te Frau Engel­mann zunächst als Thea­ter­de­ko­ra­teu­rin (Schau­spiel­haus Erfurt) gear­bei­tet, lern­te dann Möbel­pols­te­rin. Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­li­ches Stu­di­um und eige­nes Schrei­ben kamen viel später.

Engel­mann hat jeden­falls soeben einen ganz ähn­li­chen, (inklu­si­ve Mord, Lügen, Dro­gen) Schel­men- und Hoch­stap­ler­ro­man ver­faßt, der aller­dings fast aus­schließ­lich in der DDR spielt.

Was für ein un- und außer­ge­wöhn­li­ches Buch! Das Bewußt­sein unse­res Erzäh­lers – Johan­nes Bohn – ist so beson­ders, daß er uns sein Leben ab Geburt erzäh­len kann.

Ihm war schnell klar, war­um sein Vater (fort­an: „Nenn­va­ter“) ihn so sehr haß­te, ihn bei­na­he absichts­voll ver­brüh­te als Klein­kind, und wes­halb die berüch­tig­te Wochenkrip­pe (Kind von Mon­tag­früh bis Frei­tag­abend in Fremd­be­treu­ung) DIE RETTUNG war vor den Schi­ka­nen des Nenn­va­ters: Weil der EIGENTLICHE Vater Bloch hieß, Ernst Bloch. (Die­ser Name kur­sier­te halt dau­ernd in den Eltern­ge­sprä­chen, daher war es ziem­lich klar.)

Nein, es gab kei­ne Bewei­se, aber Indi­zi­en, so vie­le Indi­zi­en, daß eigent­lich kein Zwei­fel bestehen konn­te. Han­nes (den bibli­schen Namen Johan­nes rasch abge­legt) ist von der wahr­haft fixen Idee, daß Ernst Bloch sein wah­rer Vater sei, völ­lig umtrie­ben. Es gelingt ihm im jugend­li­chen Alter, nach West­deutsch­land zu flie­hen. Nach Tübin­gen, wohin Bloch sich abge­macht hat­te. Eine äußerst unwahr­schein­li­che Flucht – aber sie gelingt auf ganz aben­teu­er­li­che Wei­se, näm­lich ermög­licht durch einen Patron aus dem Staatsapparat.

Seit­her, seit Jugend­al­ter also, ist Han­nes in den Fän­gen der Sta­si.  Der Tübin­gen-Trip endet frucht­los. Han­nes Bohn bringt es nicht übers Herz, Blochs lie­be Gat­tin auf ihn, das mut­maß­lich außer­ehe­li­che Kind, anzusprechen.

Er reist ent­mu­tigt zurück ins Gefäng­nis namens DDR.

Es fol­gen Jahr­zehn­te der Sucht (Suff, Lie­be, alles). Mehr­fach lan­det Han­nes in Pfaf­fero­de (bei Mühl­hau­sen) in der Psy­cho­kli­nik. Daß unser Erzäh­ler unzu­ver­läs­sig und „nicht ganz dicht“ ist, hat sich da längst her­aus­ge­schält. Er ist nicht nur ein Wie­der­gän­ger von Köhl­mei­ers Joel, er ist auch eine Art For­rest Gump – wo auch immer in Thü­rin­gen etwas zeit­ge­schicht­lich Bedeut­sa­mes geschieht: Han­nes ist zufäl­lig mit von der Partie.

Nichts dar­an wirkt kon­stru­iert, Han­nes ist ein­fach vom Typus „am Puls der Zeit“. Han­nes ist als zwan­zig­jäh­ri­ger Her­um­trei­ber dabei, als im Mai 1978 die Volks­po­li­zei auf der „Inter­na­tio­na­len Gar­ten­bau-Aus­stel­lung“ in Erfurt Jugend­li­che zusam­men­knüp­pelt, die den ost­deut­schen (und deutsch­sin­gen­den) Blues-Musi­ker Ste­fan Die­s­tel­mann hören wollen.

Er steht in Ver­dacht, mit „June 78“ (gespro­chen: nicht „Dschun“, son­dern „June“) zu koope­rie­ren.  Han­nes ist dabei, als 1981 in Erfurt-Bisch­le­ben der Inter­zo­nen­zug von Düs­sel­dorf nach Glauch­au ent­gleist, mit zahl­rei­chen Toten.

Er hilft Wer­ner Tüb­ke, sein Bau­ern­kriegs­pan­ora­ma zu voll­enden. Hier ent­puppt sich auch Bohns eigent­li­ches, wun­der­ba­res Talent: Er wird zum hoch­pro­fes­sio­nel­len Kunstfälscher.

Er fälscht, was das Zeug hält. Das ist kein Kin­der­spiel: Du mußt die Tex­tu­ren ken­nen, darfst das his­to­ri­sche Blei­weiß nicht mit modi­schem Zink­weiß ver­wech­seln, du darfst die Holz­wurm­lö­cher nicht ver­nach­läs­si­gen.  Die­se Geschich­te, die gewiß kei­ne unkom­pli­zier­te ist, wird in kur­zen Sät­zen erzählt. Dar­an ist nichts manie­riert, es macht die Cho­se ein­fach wun­der­bar les­bar. Die Sachen sind, wie sie sind. Und sie sind oft grau­en­haft. Wie bei Joel Spa­zie­rer wird hier gelo­gen, gefälscht, gedealt und sogar gemordet:

Ich klopf­te an ihre Tür. Nie­mand reagier­te. Ich öff­ne­te. Sie sah grau­en­voll aus. Sie muß­te sich über­ge­ben haben: Blaukorn!

Han­nes Bohn ist dabei ein ähn­lich „sym­pa­thi­sches Mons­ter“ wie Köhl­mei­ers Möch­te­gern­ju­de. Er mäan­dert durch die Zei­ten, sel­ten fröh­lich, immer lei­den­schaft­lich, stets getrieben:

Rings­um lärm­te der Früh­ling. Trä­nen­los stier­te ich in den Strom, der trü­be und breit ange­schwol­len in sei­nem Bett tos­te. Schon hat­te ich das schmie­de­ei­ser­ne Gelän­der gepackt, schon ein Bein dar­über­ge­schwun­gen, als ich innehielt.

Han­nes Bohns Leben steht mehr­fach der­art auf Mes­sers Schnei­de. Er ist ein Getrie­be­ner, stets ver­folgt von den Scher­gen des Sys­tems, und doch agiert er, agi­tiert, liebt, haßt, ver­rät, ver­rät nicht, läßt Ver­hö­re sto­isch über sich erge­hen. Aller­dings (es gäbe bestimmt einen Dia­gno­se­schlüs­sel in psych­ia­tri­scher Hin­sicht) läßt er auch über­haupt nichts anbren­nen. Er star­tet durch als Kunst­fäl­scher. Und was für einer!

Am Ende ver­ga­lop­piert sich die­ser ful­mi­nan­te Roman lei­der ein wenig, er erhält hier einen etwas hys­te­ri­schen Dri­ve. Man muß es auch nicht gou­tie­ren, daß im Anhang alles „erläu­tert“ wird: Zah­len, Daten, Fak­ten. Es ist ein Auf­klä­rungs­wahn – als füg­te man einem Gedicht Fuß­no­ten bei. Aber was für eine groß­ar­ti­ge, ver­rück­te Geschichte!

– –

Anke Engel­mann: Blen­der, Roman, Berlin/Dresden: Voland & Quist 2026, 223 Sei­ten, 23 € – hier bestel­len

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (22)

Ein gebuertiger Hesse

11. April 2026 17:09

"Bleiweiß ... Zinkweiß ... Holzwurmlöcher" - manchmal braucht es nur ein paar Worte, die den Leser der Rezension sogleich in die Arme des Buches treiben. 

Boreas

11. April 2026 23:24

Allein der wohlwollende Vergleich mit dem genialen "Joel Spazierer" hat mich neugierig gemacht. Da ist wohl eine Neuanschaffung fällig.

Laurenz

12. April 2026 11:15

@Ein gebürtiger Hesse ... mit Gemälden ist es noch schlimmer, als mit Büchern. 99% aller Gemälde sind nicht die Farbe, Rahmen & die Leinwand wert. Im Grunde müßten die Maler den Leuten für das Aufhängen der Kunst in ihren Gemäuern Geld bezahlen. Auch beim desaströsen Zustand der Presse & Medien, müßten die Leser & Zuschauer im Grunde für das Lesen & Zuschauen Geld erhalten. 1% aller Gemälde, die sogannnten Bluechips (Werke sehr bekannter Künstler) erzielen Preise über dem Investment.

RMH

12. April 2026 13:21

"Man muß es auch nicht goutieren, daß im Anhang alles „erläutert“ wird: Zahlen, Daten, Fakten. Es ist ein Aufklärungswahn...." Das finde ich - es ist ja auch ein Roman, der offenbar mit Zeitgeschichte arbeitet & kein Gedicht - sehr gut. Klar, als Leser fühlt man sich von diesen postmodernen (Schelmen-)Romanen mit ihren tausenden Anspielungen  intellektuell irgendwie gebauchpinselt, nach dem Motto, was bin ich schlau, weil ich jeden Zusammenhang schon beim Lesen erkenne. Diese Bestätigung steigert bei manchen das Lesevergnügen. Allein: Das kann man alles nicht voraussetzen & es ist doch gut, wenn ein Autor seinen Zettelkasten (heute vermutlich in dig. Form) gleich selber ein Stück weit offenlegt, die Leser gleich mit dem Buch & ohne Sekundärliteratur weiterstöbern können etc. Gut, damit ist dann einigen Germanistik- oder Literaturwissenschaft Studierenden die Möglichkeit genommen, Fleißbildchen für eine Magister- oder neudeutsch Bachelorarbeit zu bekommen, aber für den normalen Leser ist es einfach klasse. Ich mag es, wenn ich Fußnoten auch mal bei nem Roman habe, gescheite Inhalts-, Literatur- & Stichwortverzeichnisse, Namensregister, schöne Vorworte oder Anmerkungen bekomme. Die Erstellung davon ist heutzutage dank EDV auch keine Hexenwerk mehr sondern auch Ausdruck, dass man den Lesern gerne mehr mitgibt, als nur einen Text. Lob dafür von mir an Autorin, deren Lektor(in) & den Verlag, der die paar Seiten extra dann auch noch mit im Budget veranschlagt hat.

Boreas

12. April 2026 15:08

@RMH
Das Flagschiff des Fussnotenromans ist Germar Grimsens "Hinter Büchern. Der Reigen. Ein Großroman". Die kurzweilige aber seitenstarke Geschichte eines Bremer Antiquars sowie seiner verschrobenen Kunden und Kollegen. Für Büchermenschen ein Hochamt. Auf manchen Seiten ist das Verhältnis zwischen Fließtext und Fußnoten 2:98. Aber der Bildungs- und Unterhaltungswert ist wirklich großartig.

Le Chasseur

12. April 2026 15:43

@Laurenz
"99% aller Gemälde sind nicht die Farbe, Rahmen & die Leinwand wert. (...) 1% aller Gemälde, die sogannnten Bluechips (Werke sehr bekannter Künstler) erzielen Preise über dem Investment."
Ich sage Ihnen ein Geheimnis: Es gibt Leute, die kaufen ein Gemälde, weil es ihnen gefällt. Nicht, weil sie hoffen, es irgendwann gewinnbringend weiterverkaufen zu können.

Boreas

12. April 2026 18:29

@RMH
Das Flagschiff des Fussnotenromans ist Germar Grimsens "Hinter Büchern. Der Reigen. Ein Großroman". Die kurzweilige aber seitenstarke Geschichte eines Bremer Antiquars sowie seiner verschrobenen Kunden und Kollegen. Für Büchermenschen ein Hochamt. Auf manchen Seiten ist das Verhältnis zwischen Fließtext und Fußnoten 2:98. Aber der Bildungs- und Unterhaltungswert ist wirklich großartig.

Laurenz

12. April 2026 19:38

@Le Chasseur @L. ... Sie verraten keine Geheimnis. Wenn ich, aus unerfindlichen Gründen, ein größeres Gebäude, Firma, Konzern einrichten müßte, zB Schnellroda Inc., ginge ich in die Niederlande. Dort kauft der Staat alle Gemälde Niederländischer Künstler auf & lagert Mio. von Werken ein, die man recht günstig erwerben kann. Aber wer muß heutzutage noch größere Gemäuer wohnlich & schön gestalten? In einem Migrantenheim würden auf den brennenden Bildern oder dem Parkettboden Hammel gegrillt. ... @RMH ... die letzten Tage sind Sie kommentatorisch gut in Form. Aber, wieso fangen Sie an zu gendern? Studierende (, wie Arschlochende,) sind im Deutschen klar definiert. Jeder kann ein Studierender sein. EK wird Anke Engelmann, Blender, mehr als gelesen, also studiert haben, ohne ein Student zu sein. Studenten sind nur jene, die an einer Universität oder einem Konservatorium eingeschrieben sind, was auch einen rechtlichen Status generiert. Ich könnte beim Lesen des Kackdeutschs im Relotius oder Zuhören bei ARTE jedesmal kotzen.

RMH

12. April 2026 21:13

"Aber, wieso fangen Sie an zu gendern? Studierende"
@Laurenz, gut, dass Sie es ansprechen, ich bin eigentlich erst so richtig selber darüber gestolpert, als ich den Beitrag dann frei geschaltet nochmal gelesen habe.
Dachte beim Schreiben erst, dass wenn ich das "Studierenden" hinter die Fächer schreibe, dann bei der ungegenderten Form des "studierend" lande, habs aber am Ende verbockt, jetzt wirkts gegendert. Hätte schlicht "Studenten" schreiben sollen. Daran merkt man mal wieder, wie das ganze Gender-Gaga einen mittlerweile selber durcheinander bringt. Normalerweise gender ich nicht. Beitrag wohl zu schnell geschrieben und abgesendet. Mea culpa, bitte das Forum um Entschuldigung.

ofeliaa

13. April 2026 00:25

Das ist ja die Definition der Kunst, dass sie bei Fertigstellung mehr ist als die Summe ihrer Teile, mehr also ist als der Rahmen oder die Farben. Das Alphabet hat 26 Buchstaben und man kann sich die schier unendlichen Möglichkeiten der Sinne und Inhalte ansehen, die man damit kreieren kann. Der Mensch hat nicht nur Schrift und Farbe an sich entdeckt und kultiviert, sondern geht darüber in seiner Schöpfungskraft sogar hinaus und schafft mehr, schafft Sinn und Kunst. Deswegen bezahle ich gerne, denn es ist ja am Ende viel mehr als der reine Materialwert. 

Umlautkombinat

13. April 2026 09:13

@RMH
Jetzt gehen Sie doch mal nicht gleich in den Kotau. Ich musste es auch zweimal lesen, aber das ist kein Gendern. Sie haben einfach ein "der" vergessen

 Gut, damit ist dann einigen der Germanistik [...] Studierenden

Ist wie "einigen der in den Streitkraeften Dienenden" (dienenden Soldaten) eine Substantivierung mit weggelassenem, weil impliziertem Substantiv. Gab es immer, wirkt oft holprig, hat aber mit Gendern nichts zu tun. Man kann seine Feindbilder auch pflegen...
 

SMHJanssen

13. April 2026 12:32

@RMH: Bei mir müssen Sie sich nicht für das gendern entschuldigen. Ich bin gegen eine Pflicht zum gendern, aber auch gegen ein Verbot. Das mag jede/jeder so halten wie er/sie/es wollen.
Das besprochene Buch scheint auf jeden Fall lesenswert - Köhlmeiers Roman habe ich damals mit geistiger Freude und literarischem Genuss gelesen.
Herzlichst,
Siebo M. H. Janssen

FraAimerich

13. April 2026 12:56

@Laurenz @RMH: "die letzten Tage sind Sie kommentatorisch gut in Form"
 
Der Iran-Trump-Strang wurde leider in dem Moment geschlossen, als er für mich interessant wurde. Aber vielleicht kann mir einer der Herren gelegentlich noch erklären, warum hier ausgerechnet jene, die sonst keine Gelegenheit auslassen, sich vom Sozialismus im allgemeinen und dem NS und seinen Unappetitlichkeiten im besonderen zu distanzieren, so stark mit Israel identifizieren. Hinter jeder Kritik des realexistierenden Zionismus wird sogleich Antisemitismus, mindestens Irrationales gewittert. Dabei ist der von Ihnen nicht zum ersten Mal ausgesprochenen Erkenntnis, daß der NS "Zionismus für Deutsche" gewesen sei, ernsthaft ja offenbar gar nicht so leicht zu widersprechen...

RMH

13. April 2026 13:36

@Umlautkombinat,
Danke! Ein bisschen Nachhilfe schadet nie und erklärt mir auch, warum ich etwas geschrieben habe, worüber ich im nachhinein echt ins stolpern und grübeln gekommen bin. Wir leben in verwirrten Zeiten und offenbar schlägt das bei mir schon durch.
@SMHJanssen,
was Sprache betrifft, bin ich im Grunde auch eher liberal, aber es ist dieser seltsame Zauberglaube beim Gendern, dass auf einmal etwas im besten Fall besser (im schlimmsten Fall eben manipuliert auf eine bestimmte Zielrichtung hin) werden soll, nur weil man die Sprache verrenkt (den Sprachfluss der Menschen sogar verändert etc.), so wie ein Magier auch die seltsamsten Zaubersprüche aufsagt ,um etwas zu beeinflussen, diesen Glauben teile ich nicht.

Gimli

13. April 2026 15:21

Zum Gendern: Aufregung um Sprachwandel. Voll d'accord mit SMHJannssen, nämlich: Volle Freiheit. Niemand schreibt was vor, niemandem wird etwas verboten. Die Aufregung finde ich eher gaga.Zum Roman: Ein Kritiker lobt den Plot, findet aber die Sprache sehr gestelzt und die genannten Sprach-Beispiele wirken in der Tat sehr .. "bemüht". Thomas Mann konnte lange, gedrechselte Sätze und dabei sogar komisch sein.Den Joel Spazierer habe ich als Buch und Hörbuch. Gelesen noch nicht, aber ich wollte es mir vorlesen lassen, sogar vom Autor persönlich. Fazit: Köhlmeier kann schreiben, aber als Leser selbst seiner eigenen Texte ist er nicht gut. Er betont so grottig schlecht, dass man jede KI vorzäge. Dennoch sind Hörbücher eine mehr als gute Alternative zum selber Lesen, wenn man vor dem Kauf ein sample hören kann.

Majestyk

13. April 2026 15:59

"Niemand schreibt was vor, niemandem wird etwas verboten." schreibt dieser Gimli.
Nein, man muß nur bereit sein, berufliche und soziale Konsequenzen zu tragen. Ist wie beim Impfen. Es gibt keine Pflicht, aber wenn man es nicht tut, ist man seine Arbeit los, wenn man in der "falschen" Branche arbeitet. Gibt auch kein rechtliches Hemmnis oppositionell zu sein. Man wird nur nicht mehr befördert, Banken kündigen einem das Konto, die eigenen  Kunden werden bedrängt den Geschäftskontakt abzubrechen, zu Hause wird einem die Fassade beschmiert oder man braucht öfters einen neuen Satz Reifen. So geht "ihre" Freiheit. Ist ja auch "ihre" und Erichs Demokratie. Gendern ist keine Sprachverhunzung, sondern ein Code für dekadente totalitäre Geister.

Beta Jas

13. April 2026 22:17

@Majestyk 
Worüber schreiben Sie? Über Martin Sellner, der mit seinem politischen Aktivismus herausragt und sich damit zur Zielscheibe macht, oder über 'Hinz und Kunz', die es sich bequem machen und vor allem nichts tun?
Niemand kann einem etwas verbieten, ohne dass man als Dummkopf dem nachgibt. Ein Klassiker: Niemand verbietet den Deutschen, Kinder zu kriegen – niemand. Die Deutschen tun es ohne Zwang; es wird herbeigeführt durch einen Teil des Volkes, durch Manipulation der Sexualität. Wer zwingt euch zur Einnahme eines Mittels oder zu einem Eingriff und der 'Beseitigung'?
Ein offenes Geheimnis.

Umlautkombinat

14. April 2026 09:05

Niemand kann einem etwas verbieten, ohne dass man als Dummkopf dem nachgibt.

Klingt etwas erfahrungslos. Das Nachgeben hat durchaus rationale Gruende. Wenn ich als GEZ-Verweigerer die Klaviatur vom Verwaltungsgericht ueber Gerichtsvollzieher und zu Schufaeintraegen auf meinem Geschaeftskonto durchgespielt habe, dann kann ich natuerlich die Sache auch noch zum Landgericht - Mindeststreitwert 10kEU - oder noch mehrere Jahre mit immer weiter austrocknenden Mitteln noch weiter tragen. Sind Sie dann zu meiner Unterstuetzung da, so als Nichtdummkopf? 
 
Oder ich setze andere Prioritaeten , um ein Leben zu fuehren, dass neben mir noch ein paar andere Leute in der Verantwortung hat. Und ich habe immer einmal ein paar solche Dinge laufen wie diese eigentlich laecherliche Zwangsgebuehr. Klar gibt es Hinz und Kunz, aber es gibt auch andere Leute. Die lernen Sie natuerlich eher kennen, wenn Sie selbst erst einmal die Komfortzone verlassen.

RMH

14. April 2026 09:44

@Beta Jas, Sie verwechseln m. M. n. 2 Ebenen. Die der formalen Freiheit & die mit den dann vorhandenen gesell. Zwängen. @Majestyk schreibt über die Gesslerhüte des Alltags, die man auch als Normalperson, ohne je Aktivist gewesen zu sein, zu grüßen hat & das kann auch Folgen für normale Menschen haben. Beim Gendern handelt es sich um solch ein Fall. Selbst der dt Rat für Rechtschr. eiert hier herum, in dem er zwar völlig korrekt viele Formen des Genderns als nicht mit der dt Orthographie & Grammatik in Übereinstimmung zu bringen sieht, diese daher nicht in das amtliche Regelwerk aufnimmt, aber gleichzeitig beteuert, dass man die Forentwicklung beobachte. Beispiel: Früher wurde in Realschulen, Wirtschaftsgym., Berufssch. der sog. kaufm. Schriftverkehr beigebracht, dazu gab es sogar DIN-Normen. Ergebnis: Jeder wusste, wie er im geschäftlich zu schreiben hat, ohne dass der Empfänger daran sich stören können. Heute: Alles aufgelöst. In E-Mail Anreden kann man sich Anreden mit Sehr geehrte/r nur als Opa, wie ich es bin, leisten & bekommt dann stets Antworten mit "Hallo" oder "Lieber Herr" & es endet damit, dass mit frdl Grüßen auch nicht verw. wird, dafür einigt man sich auf die besten Grüße. Personalabt. heißen HR & hier wird dann besonders Wert auf formale Antidiskr. gelegt. Wie also bei einer Bewebung das Anscheiben verfassen, um den job zu bekommen? Lässt sich fortsetzen ...

Majestyk

14. April 2026 16:15

"Niemand kann einem etwas verbieten, ohne dass man als Dummkopf dem nachgibt," schreibt Beta Jas.
RMH und Umlautkombinat haben eigentlich schon alles geschrieben. Will dennoch antworten. Alles wovon ich geschrieben habe, ist entweder mir, meinem Vater bzw. dem einzigen deutschen Freund, den ich noch habe in den letzten Jahren widerfahren. Dafür brauche ich keine Medienberichte. Freundschafts-, Verwandtschafts- und Beziehungskündigungen habe ich noch vergessen. Von Impfpflicht in Pflegeberufen oder bei der Bundeswehr haben Sie nichts gehört? Wer die von Umlautkombinat angesprochene Zwangsgebühr zur Gehirnwäsche als harmlos empfindet, sollte sich eh nicht oppositionell nennen. Wenn Sie von Zwängen, massiven Benachteiligungen, wirtschaftlichem wie sozialem Druck nichts mitbekommen haben wollen und ich mir alles nur einbilde, frage ich mich, warum schreiben hier alle unter Pseudonym?
 

Lady

14. April 2026 18:23

Mich dünkt, dass ich hier schon zum dritten Male interveniere!
 "Gendern" beruht auf einem linguistischen Irrtum, der sich aus der LATEINISCHEN Substantivdeklination ergibt, wo die Deklinationklassen nach Maskulinum-Femininum-Neutrum unterschieden werden, so dass es im einfachen Sprachgebrauch erscheint, als hätten Wörter (Substantive) ein Geschlecht.
Das trifft für die deutsche Sprache nicht zu.
Im deutschen richtet sich die Substantivdeklination nach dem Artikel.
Es gibt die 
DER-Deklination, die
DIE-Deklination und die 
DAS-Deklination.
Deutsche Wörter (Substantive) haben kein Geschlecht!
Die deutsche Sprache ist eine neutrale Sprache.
Die deutsche Sprache ist keine Männersprache.
Es gibt kein generisches Maskulinum.
Alles "Gendern" gehört zum linguistischen Fake, der  vorzugsweise  von grün-linken Ideologinnen betrieben wird, und bis in die höchsten gesellschaftlichen Institutionen, zu denen Frauen inzwischen Zugang haben, reicht.

Laurenz

16. April 2026 12:45

@Lady ... schaffen wir einfach 2 Artikel ab & verbleiben mit "Das Fachkraft & das Sonne & das Ehemann".