Der rechte Mann

PDF der Druckfassung aus Sezession 125/ April 2025

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph.

von Erik Lehnert –

Das Jahr 2025 ist ein Tho­mas Mann-Jahr: Es ste­hen zwei run­de Jubi­lä­en an – der 150. Geburts­tag am 6. Juni und der 70. Todes­tag am 12. August. Die Vor­be­rei­tun­gen lau­fen sicher auf Hoch­tou­ren, es wird Aus­stel­lun­gen, Anspra­chen, Bücher, Son­der­hef­te und Arti­kel geben, die alles prä­sen­tie­ren, was wir über Mann längst wis­sen. Denn er gehört zu den bekann­tes­ten und besterforsch­ten deut­schen Schriftstellern.

Eine klei­ne Del­le bekam die Eupho­rie der Mann-Ver­eh­rer im letz­ten Jahr, als bekannt wur­de, daß es kein neu­es Doku- Dra­ma im öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk geben wird. Hein­rich Bre­lo­er, der 2001 mit sei­ner Soap zu Tho­mas Mann und sei­ner Fami­lie den Mythos neu ent­facht hat­te, han­del­te sich eine Abfuhr ein. (1) Angeb­lich soll es am feh­len­den Geld gele­gen haben, aber das klingt ange­sichts der jähr­lich ver­pul­ver­ten GEZ-Unsum­men nicht beson­ders plausibel.

Viel­leicht ist über Mann ein­fach alles gesagt. Viel­leicht wird Mann aber auch immer frem­der, immer weni­ger anschluß­fä­hig. Er schrieb aus einer ande­ren Zeit. Viel­leicht haben die Leu­te genug von gebän­dig­ter Lei­den­schaft und zuge­knöpf­ter Dich­ter­po­se oder sind schlicht­weg über­for­dert, wenn sie im Zau­ber­berg die Über­ga­be eines Blei­stifts als Sym­bol der sexu­el­len Ver­ei­ni­gung inter­pre­tie­ren sol­len. Es gab schon ein­mal Zei­ten, die Mann deut­lich reser­vier­ter gegen­über­stan­den, als das in den letz­ten Jah­ren der Fall war. In den 1970ern waren Groß­schrift­stel­ler nicht wohl­ge­lit­ten, und man prä­sen­tier­te jede ihrer Dürf­tig­kei­ten, derer man hab­haft wer­den konn­te. (2)

Für die Sezes­si­on bie­tet das Jubi­lä­ums­jahr die Gele­gen­heit, einem Man­gel abzu­hel­fen. Es gab in all den Jah­ren, in denen die Sezes­si­on exis­tiert, kein Autoren­por­trät zu Tho­mas Mann. Die­ser Man­gel ist erklä­rungs­be­dürf­tig, gehört Mann doch schon bei Armin Moh­ler, neben Carl Schmitt, Ernst Jün­ger oder Oswald Speng­ler, zu den her­aus­ra­gen­den, kate­go­rien­spren­gen­den Autoren der Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on. (3)

Hin­zu kommt: Der Begriff »Kon­ser­va­ti­ve Revo­lu­ti­on« ist eine Erfin­dung von Tho­mas Mann, er gab einer Geis­tes­strö­mung den Namen, der bis heu­te, wenn auch als Ver­le­gen­heits­lö­sung, dafür her­hal­ten muß, wenn umschrie­ben wer­den soll, was kon­ser­va­tiv sein in einer Zeit bedeu­tet, in der alle Bestän­de abge­räumt sind. (4)

Die Rech­te war schon immer viel weni­ger skru­pel­los als die Lin­ke, wenn es dar­um ging, Nuan­cen aus­zu­blen­den und einen Autor auf Linie zu brin­gen, um ihn ein­zu­ge­mein­den. Das hat mit dem Kunst­be­griff zu tun, der die Unab­hän­gig­keit die­ser Sphä­re gegen­über dem Gesell­schaft­li­chen betont und daher einen Autor schät­zen kann, der poli­tisch woan­ders steht.

Trotz der zumin­dest zeit­wei­sen Nähe Manns zur Rech­ten gibt es dort eine ver­brei­te­te Aver­si­on gegen ihn, die weni­ger mit sei­nem Werk zu tun hat als mit sei­nen poli­ti­schen Äuße­run­gen ins­be­son­de­re wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges und der Nach­kriegs­zeit. In die­sen Jah­ren hat sich Mann zum Sprach­rohr einer anti­deut­schen Koali­ti­on gemacht und dabei kei­ner­lei Rück­sicht auf sei­ne Lands­leu­te genom­men. Kaum ein Exi­lant äußer­te sich so radi­kal und hem­mungs­los gegen sein eige­nes Volk wie Tho­mas Mann.

Es ist klar, daß gera­de die­ses Enga­ge­ment dem gegen­wär­ti­gen Kul­tur­be­trieb gefällt. Tho­mas Manns Anspra­chen an die deut­sche Bevöl­ke­rung wur­den seit Okto­ber 1940 von der BBC pro­du­ziert und konn­ten in Deutsch­land ille­gal emp­fan­gen wer­den. Mann sprach sei­ne Tex­te selbst ein – sie sind nun als Band mit einem Vor- und Nach­wort von Mely Kiyak, einer Schrift­stel­le­rin, die es auch nicht gut mit den Deut­schen meint, ver­öf­fent­licht wor­den. Ihr Fazit:

Tho­mas Mann war ein Anti­fa­schist. Er begeg­ne­te dem Faschis­mus und denen, die ihm bedin­gungs­los folg­ten, mit der ein­zig rich­ti­gen Hal­tung. (5)

Er sei ein Held, der in alten Jah­ren zum Wider­stands­kämp­fer gewor­den sei. Und, natürlich:

Ich den­ke, genau jetzt, im Jahr 2025, nicht nur weil Tho­mas Manns 150. Geburts­tag gefei­ert wird, ist der rich­ti­ge Zeit­punkt, um an sei­nen Nazi-Über­druß, sei­nen Nazi-Ekel, sei­nen Nazi-Haß zu erin­nern. (6)

Sol­che Ein­ord­nun­gen ver­ra­ten natür­lich mehr über die Autorin als über Tho­mas Mann. Aber es bleibt beschä­mend, wenn man in die­sem Buch liest, was Mann sei­nen Lands­leu­ten alles an den Hals gewünscht hat:

Beim jüngs­ten bri­ti­schen Raid über Hit­ler­land hat das alte Lübeck zu lei­den gehabt. Das geht mich an, es ist mei­ne Vater­stadt. Die Angrif­fe gal­ten dem Hafen, den kriegs­in­dus­tri­el­len Anla­gen, aber es hat Brän­de gege­ben in der Stadt, und lieb ist es mir nicht, zu den­ken, daß die Mari­en­kir­che, das herr­li­che Renais­sance-Rat­haus oder das Haus der Schif­fer-Gesell­schaft soll­ten Scha­den gelit­ten haben. Aber ich den­ke an Coven­try – und habe nichts ein­zu­wen­den gegen die Leh­re, daß alles bezahlt wer­den muß. Es wird mehr Lübe­cker geben, mehr Ham­bur­ger, Köl­ner und Düs­sel­dor­fer, die dage­gen auch nichts ein­zu­wen­den haben und, wenn sie das Dröh­nen der RAF über ihren Köp­fen hören, ihr guten Erfolg wün­schen. (7)

Ent­wer­tet eine sol­che Aus­sa­ge das Werk Tho­mas Manns, oder steht es unab­hän­gig da? War­um soll­te es bei Tho­mas Mann nicht wie etwa bei Lou­is-Fer­di­nand Céli­ne mög­lich sein, über die unap­pe­tit­li­chen Son­der­bar­kei­ten hin­weg­zu­se­hen und das Werk als sol­ches zu ver­tei­di­gen? Frau Kiyak hat kein Pro­blem damit, Din­ge, die ihr bei Mann nicht pas­sen, als »Fehl­ur­tei­le« abzutun:

Ja, er hat sich geirrt, völ­lig rich­tig, aber spä­ter sprach er von nichts ande­rem als der Demo­kra­tie. (8)

Ganz ähn­lich ver­fährt ein Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler, der sei­nen Beruf offen­sicht­lich als eine poli­ti­sche Mis­si­on begreift. Für Kai Sina ist Tho­mas Mann ein »poli­ti­scher Akti­vist«, und das nicht erst, seit­dem er sich im ame­ri­ka­ni­schen Exil zum Sprach­rohr der Kriegs­par­tei mach­te, son­dern schon viel frü­her. Die Betrach­tun­gen eines Unpo­li­ti­schen (1918) sind auch für ihn nur ein Aus­rut­scher eines ins­ge­samt auf der rich­ti­gen Sei­te agie­ren­den Tho­mas Mann. Bereits für das Jahr­zehnt vor dem Ers­ten Welt­krieg stellt Sina fest:

An poli­ti­scher Akti­vi­tät zeich­net sich in die­ser frü­hen Pha­se bereits ab, was in der Wei­ma­rer Repu­blik und spä­ter im ame­ri­ka­ni­schen Exil zur vol­len Aus­prä­gung kom­men soll­te. (9)

Das ist eine stei­le The­se, für die Sina außer Manns Inter­es­se am Juden­tum und des­sen Ver­tei­di­gung nicht beson­ders viel vor­brin­gen kann. Und inter­es­sant wird die The­se erst dann, wenn man sie in das Gegen­teil ver­kehrt: Ist der Tho­mas Mann von 1918 nicht der eigent­li­che Mann? Und sind nicht die Äuße­run­gen nach 1939 viel­mehr die erklä­rungs­be­dürf­ti­ge Ausnahme?

Schau­en wir mit dem Ger­ma­nis­ten Her­mann Kurz­ke auf die Grün­de für das Enga­ge­ment Tho­mas Manns im Ers­ten Welt­krieg, wird schnell klar, daß sie den Kern sei­nes Künst­ler­tums berüh­ren und nicht ledig­lich als Fehl­tritt bezeich­net wer­den kön­nen: Der Krieg habe einen Weg aus der Des­ori­en­tie­rung gewie­sen, dem Leben wie­der Sinn und Ziel gege­ben. Für einen Schrift­stel­ler ganz beson­ders wich­tig: Die Schaf­fens­kri­se sei über­wun­den. Der Krieg habe die Gele­gen­heit gebo­ten, end­lich offen gegen den Bru­der zu pole­mi­sie­ren, und gleich­zei­tig die Chan­ce, zum Natio­nal­dich­ter auf­zu­stei­gen und dem Publi­kum dabei zu zei­gen, daß man kein deka­den­ter Dich­ter sei, son­dern auf der rich­ti­gen Sei­te ste­he. Schließlich:

Auf sub­ti­le Wei­se schien der Krieg sogar Lösun­gen für den Kon­flikt zwi­schen Geist und Leben, zwi­schen Vater­welt und Mut­ter­welt, zwi­schen Ehe und Homo­ero­tik, zwi­schen dem Macht- und Erhö­hungs­traum einer­seits und dem Lie­bes- und Ver­schmel­zungs­traum ande­rer­seits anzu­bie­ten – und nicht nur Lösun­gen, son­dern rausch­haf­te Syn­the­sen! (10)

Tho­mas Mann befand sich also in einer Sack­gas­se, als der Krieg aus­brach. Wie war er dort hin­ein­ge­ra­ten? 1875 in Lübeck als Sohn eines Groß­kauf­manns und Sena­tors gebo­ren, hat­te sich Mann schon als Schü­ler für das Künst­ler­tum ent­schie­den. Ers­te früh­rei­fe Arbei­ten gibt es aus die­ser Zeit. Der frü­he Tod sei­nes Vaters ent­band ihn von sei­nen gesell­schaft­li­chen Fes­seln und ermög­lich­te dem schlech­ten Schü­ler, die Schu­le zu ver­las­sen und von den Zin­sen des hin­ter­las­se­nen Ver­mö­gens sei­nen Traum zu leben.

1901 erschien nach eini­gen Erzäh­lun­gen, die bereits auf­hor­chen las­sen hat­ten, der Roman, der bis heu­te der popu­lärs­te von Tho­mas Mann geblie­ben ist: Bud­den­brooks. Ver­fall einer Fami­lie. Nach­dem sich der zwei­bän­di­ge Wäl­zer erst schlep­pend ver­kauf­te, sorg­te die bil­li­ge­re ein­bän­di­ge Aus­ga­be bald dafür, daß neben der Aner­ken­nung durch die Lite­ra­tur­kri­tik auch der Absatz stimmte.

Die dar­in erzähl­te Geschich­te ist hin­läng­lich bekannt und durch eini­ge Ver­fil­mun­gen popu­la­ri­siert wor­den. War­um der Roman bis heu­te nichts von sei­ner Qua­li­tät ver­lo­ren hat, liegt zwei­fel­los an der leben­di­gen Dar­stel­lung und der Fas­zi­na­ti­on, die ein fami­liä­rer Nie­der­gang aus­übt, weil das Ver­spre­chen von Fort­schritt und Per­fek­ti­bi­li­tät auch im Leben (des Lesers) nicht ein­ge­löst wird. Aus den tat­kräf­ti­gen und rea­li­täts­be­wuß­ten Vor­fah­ren ist eine Fami­lie gewor­den, deren Ober­haupt lie­ber sin­niert, kein Glück und Zutrau­en hat, Scho­pen­hau­er liest und viel Zeit vor dem Spie­gel verbringt.

Noch Tho­mas Manns Auf­satz über Scho­pen­hau­er (1938), den er vor sei­ner end­gül­ti­gen Aus­rei­se in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten ver­faß­te, steht völ­lig hin­ter die­sem Zwie­spalt: Wer sich für das Leben inter­es­sie­re, der inter­es­sie­re sich für den Tod! Das führt Mann hier als vari­ier­tes Selbst­zi­tat aus den Bud­den­brooks an und gesteht, daß es er den Hel­den sei­nes Romans gön­ne, das gro­ße Kapi­tel »Über den Tod« zu lesen, wel­ches er selbst gera­de gele­sen habe:

Es war ein gro­ßes Glück […], daß ich ein Erleb­nis wie die­ses nicht in mich zu ver­schlie­ßen brauch­te, daß eine schö­ne Mög­lich­keit, davon zu zeu­gen, dafür zu dan­ken, sofort sich dar­bot, dich­te­ri­sche Unter­kunft unmit­tel­bar dafür bereit war. (11)

Mann ver­führ­te die­ser Grund­ge­dan­ke nicht zu einer blut­lee­ren Ideen­dich­tung, die sei­nem Alter viel­leicht ange­mes­sen gewe­sen wäre. Er inte­griert die­sen Gedan­ken in sei­ne eige­ne Fami­li­en­ge­schich­te, deren Per­so­nen er so natur­ge­treu schil­dert, daß es nach Erschei­nen des Romans Beschwer­den gab.

Mit den Bud­den­brooks gelang dem Mitt­zwan­zi­ger ein Meis­ter­werk, des­sen Kul­tur­pes­si­mis­mus so gar nicht in das damals auf­stre­ben­de, vor Kraft strot­zen­de Kai­ser­reich pas­sen woll­te. Daher begann hier die Sack­gas­se, aus der ihm der Ers­te Welt­krieg her­aus­hel­fen soll­te. Mann ist in zwei Wel­ten zu Hau­se und kann sie nicht ver­ei­nen. Früh zu Ruhm gelangt und trotz Hei­rat der bes­ten Par­tie bleibt er als Künst­ler ein Außen­sei­ter. Hin­zu kommt die müh­sam kaschier­te Homo­se­xua­li­tät, die Mann sich ver­bie­tet und der er, in bes­ter pro­tes­tan­ti­scher Arbeits­ethik, sub­li­mie­rend sein Werk abringt.

Mann sah auf Leu­te, denen das Schrei­ben leicht­fiel, her­ab, vor allem auf sei­nen älte­ren Bru­der Hein­rich, der zuzei­ten einen Roman nach dem ande­ren ver­öf­fent­lich­te. Tho­mas hin­ge­gen quäl­te sich mit sei­nen Büchern, brauch­te lan­ge, schrieb sel­ten mehr als drei Sei­ten am Tag. Des­halb ist das lite­ra­ri­sche Werk, streng­ge­nom­men, nicht beson­ders umfang­reich: Er hat acht Roma­ne ver­faßt, die teil­wei­se aller­dings dicke Wäl­zer sind, vor allem der vier­bän­di­ge Josephs­ro­man (1933 – 1943). Dane­ben gibt es Novel­len und Erzäh­lun­gen, die einen Band von knapp 800 Druck­sei­ten füllen.

Die Mas­se der Novel­len und Erzäh­lun­gen erschien vor dem Ers­ten Welt­krieg, zuletzt die sei­ne Nei­gun­gen andeu­ten­de Novel­le Der Tod in Vene­dig (1911), die natür­lich zusam­men mit der ein­zig poli­ti­schen Erzäh­lung bzw. Novel­le Manns, Mario und der Zau­be­rer (1930), bis heu­te zur Schul­lek­tü­re gehört. Nach Schät­zun­gen hat Mann im Lau­fe sei­nes Lebens ein essay­is­ti­sches Werk ver­faßt, das, neben den Betrach­tun­gen, mehr als 6000 Druck­sei­ten umfaßt. (12)

Nimmt man dazu noch sei­ne Tage­bü­cher und Brie­fe, dann ist das Gan­ze doch von beein­dru­cken­dem Umfang. (13)

Tho­mas Mann hat sei­ne frü­hen Tage­bü­cher im Mai 1945 ver­brannt. Erhal­ten blei­ben soll­ten nur die der Jah­re ab 1933, zur Ver­öf­fent­li­chung 20 Jah­re nach sei­nem Tod vor­ge­se­hen. Das Tage­buch der Jah­re 1918 bis 1921 über­sah Mann bei der Ver­bren­nung, ver­mut­lich weil er sich die Hef­te bei­sei­te gelegt hat­te, da er sie für die Aus­ar­bei­tung sei­nes Romans Dok­tor Faustus.

Das Leben des deut­schen Ton­set­zers Adri­an Lever­kühn, erzählt von einem Freun­de (1947) benö­tig­te. Wer danach sucht, wird Spu­ren die­ser Zeit im Kapi­tel XXXIII fin­den, wo er auf die­se Jah­re zurück­blickt. Ange­sichts der sich abzeich­nen­den Nie­der­la­ge und der durch­si­ckern­den Bedin­gun­gen der Alli­ier­ten notiert sich Mann im Okto­ber 1918:

Ich emp­fin­de wohl Scham und Empö­rung, aber auch etwas wie Erhei­te­rung mischt sich dar­ein; nicht nur über die pha­ri­säi­sche Dumm­heit der feind­li­chen Demo­kra­tie, son­dern über das Aben­teu­er als sol­ches. (14)

Im Dok­tor Faus­tus wird das alles etwas geglät­tet, wenn er, der sei­ner­zeit die Wie­der­her­stel­lung der öffent­li­chen Ord­nung durch Rit­ter von Epp begrüß­te, den Bol­sche­wis­mus gegen den Faschis­mus in Schutz nimmt: »Mei­nes Wis­sens hat der Bol­sche­wis­mus nie­mals Kunst­wer­ke zer­stört.« (15) Der das schreibt, ist Sere­nus Zeit­blom, der in die­sem merk­wür­di­gen, zwi­schen Essay und Gesell­schafts­ro­man unent­schie­den hin- und her­schwan­ken­den Roman den Bericht­erstat­ter über das Leben Lever­kühns gibt.

Das Buch schil­dert durch ihn die geis­ti­ge Ent­wick­lung Deutsch­lands in den sech­zig Jah­ren vor 1945. Am Ende ist es jedoch, trotz vie­ler wie­der­keh­ren­der Moti­ve Manns, auch Ten­denz­li­te­ra­tur, die unter dem Man­tel der gespal­te­nen Per­sön­lich­keit alli­ier­te Pro­pa­gan­da zum bes­ten gibt.

Im Kern bleibt Mann sich näm­lich auch dann noch treu, wenn er unmit­tel­bar nach Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges ver­sucht, den Ame­ri­ka­nern die Deut­schen zu erklären.

Die Deut­schen sind das Volk der roman­ti­schen Gegen­re­vo­lu­ti­on gegen den phi­lo­so­phi­schen Intel­lek­tua­lis­mus und Ratio­na­lis­mus der Auf­klä­rung […]. Die Roman­tik ist nichts weni­ger als schwäch­li­che Schwär­me­rei; sie ist die Tie­fe, die sich zugleich als Kraft, als Fül­le emp­fin­det; ein Pes­si­mis­mus der Ehr­lich­keit, der es mit dem Sei­en­den, Wirk­li­chen, Geschicht­li­chen gegen Kri­tik und Melio­ris­mus, kurz mit der Macht gegen den Geist hält und äußerst gering denkt von aller rhe­to­ri­schen Tugend­haf­tig­keit und idea­lis­ti­schen Welt­be­schö­ni­gung. (16)

Tho­mas Mann war zwei­fel­los, in unter­schied­li­chen Abstu­fun­gen, ein Natio­na­list, der die Deut­schen (eben­so wie die Juden) und damit sich selbst für etwas Beson­de­res hielt. Bei nahe­zu jeder Gele­gen­heit beton­te er sein Deutsch­tum, auch als er sei­nem Land die Ver­nich­tung wünsch­te (was wohl kei­nem ande­ren Volk ein­fal­len wür­de), da er davon über­zeugt war: »Wo ich bin, ist Deutschland.«

Erst durch sei­ne Fami­lie, ins­be­son­de­re sei­ne anti­deutsch und anti­fa­schis­tisch ein­ge­stell­ten älte­ren Kin­der, wur­de Mann genö­tigt, sich in der oben zitier­ten Art und Wei­se gegen das Drit­te Reich zu posi­tio­nie­ren. Es kommt aller­dings noch etwas ande­res hin­zu: Es bot sich wie­der die Gele­gen­heit, zwei Wel­ten zu ver­ei­nen: Künst­ler und gleich­zei­tig einer der her­vor­ra­gen­den Per­so­nen des öffent­li­chen Lebens zu sein.

Abs­tra­hiert man von den kon­kre­ten Umstän­den, so blieb Mann in der Emi­gra­ti­on ein von sich selbst und sei­nen Ansich­ten über­zeug­ter Geist, der sein Vater­land in den Fän­gen der fal­schen Per­so­nen lie­gen sah. Das ist eine Kon­stel­la­ti­on, die wie­der­kehrt: Die Rech­te agi­tiert heu­te gegen die aktu­el­le Regie­rung und kann froh sein, daß sich das Land nicht in einem Krieg befin­det, der zur Ent­schei­dung zwingt – Armee oder Exil.

Damals tra­fen vie­le die Ent­schei­dung anders als Tho­mas Mann. Bei ihm kam aller­dings erschwe­rend hin­zu, daß nach der Rech­nung der Nürn­ber­ger Geset­ze sei­ne Kin­der Halb­ju­den waren. Er hat­te also kei­ne Wahl. In ande­rer Hin­sicht hat­te er sie: Nie­mand konn­te ihn zwin­gen, in die­ser Art und Wei­se gegen sein Land zu agi­tie­ren. Ste­fan Zweig mag dafür als Gegen­bei­spiel gelten.

Im Grun­de resul­tier­te der Ent­schluß Manns, sich mit Haut und Haa­ren auf die Sei­te der Alli­ier­ten zu stel­len, aus einer Sehn­sucht, die man bei Intel­lek­tu­el­len nicht sel­ten antrifft: Sie wol­len ein­mal glau­ben dür­fen, ein­mal nicht iro­nisch sein, ein­mal auf der rich­ti­gen Sei­te ste­hen. Im Ers­ten Welt­krieg hat­te Mann es schon ein­mal ver­sucht, als er sich ent­schloß, in den Betrach­tun­gen eines Unpo­li­ti­schen den Weg aus der Sack­gas­se zu suchen.

Das Ergeb­nis von 1918 sah aller­dings ganz anders aus als das von 1940. Mann ziel­te in den Betrach­tun­gen auf ein­zel­ne, blieb mensch­lich. Er bewahr­te sich die Distanz, die ihm in der wesent­lich exis­ten­ti­el­le­ren Lage des Zwei­ten Welt­krie­ges verlorenging.

Mit den Betrach­tun­gen quäl­te sich Mann fast drei Jah­re lang, es waren »die schwers­ten Jah­re mei­nes Lebens, in denen ich es auf­häuf­te«. (17) Sie sind weni­ger eine poli­ti­sche Pro­gramm- oder Streit­schrift als eine aus­ufern­de Selbst­be­fra­gung und Ver­ge­wis­se­rung der eige­nen Rol­le, über die sich Mann nicht ganz sicher zu sein scheint. Er ist vier­zig Jah­re alt und will Rechen­schaft able­gen. Die schärfs­ten Stel­len rich­ten sich gegen den »Zivi­li­sa­ti­ons­li­te­ra­ten«, nament­lich gegen Romain Rolland und, nicht genannt, gegen sei­nen Bru­der Hein­rich, der ihn mit sei­nem Zola-Essay (1915) bis aufs Blut gereizt hatte:

Der radi­ka­le Lite­rat Deutsch­lands gehört also mit Leib und See­le zur Entente, zum Impe­ri­um der Zivi­li­sa­ti­on. (18)

Sei­ne Abrech­nung nimmt Tho­mas Mann vor dem Hin­ter­grund der Unter­schei­dung von Zivi­li­sa­ti­on und Kul­tur vor. (19) Es geht um den Gegen­satz von orga­nisch Gewach­se­nem zum künst­lich Empor­ge­züch­te­ten. Die­se Unter­schei­dung bie­tet Mann die Gele­gen­heit, eini­ge Klar­stel­lun­gen hin­sicht­lich sei­ner eige­nen Posi­ti­on vor­zu­neh­men. Er möch­te die öffent­li­che Wahr­neh­mung sei­ner Per­son kor­ri­gie­ren und an ihre Stel­le sei­ne Selbst­wahr­neh­mung setzen.

Mann hat sich zeit­le­bens gern und oft selbst kom­men­tiert, nir­gends jedoch so umfang­reich wie in den Betrach­tun­gen. Er bekennt sich als ein Kind des 19. Jahr­hun­derts, dem das, was von die­sem (unpo­li­ti­schen) Jahr­hun­dert noch übrig ist, die Mög­lich­keit bot, Künst­ler zu sein und sich nicht ent­schei­den zu müssen:

In mei­nem Fal­le wur­de das Erleb­nis der Selbst­ver­nei­nung des Geis­tes zuguns­ten des Lebens zur ­Iro­nie … (20)

Der Text mäan­dert vor sich hin, kom­men­tiert aktu­el­le Lite­ra­tur, dis­ku­tiert poli­ti­sche Umstän­de und zeigt kaum Bemü­hun­gen, die Gedan­ken zu sys­te­ma­ti­sie­ren. Mann, der auch frü­her schon Essays ver­öf­fent­lich hat­te, betritt mit der Poli­tik ein für ihn unge­wohn­tes Ter­rain, das er nur ertra­gen kann, indem er gegen es anschreibt. In der Grund­ten­denz sind die Betrach­tun­gen resi­gna­tiv und pessimistisch.

Es scheint oft so, als ob Mann noch ein­mal Zeug­nis für ein Deutsch­land able­gen will, das sich noch nicht ganz dem Mate­ria­lis­mus, dem Indi­vi­dua­lis­mus und der Gleich­heit erge­ben hat. Mit dem demo­kra­ti­schen Zeit­al­ter wird eine Exis­tenz frag­wür­dig, die, wie der Künst­ler, über oder neben den Din­gen ste­hen will. Nur des­we­gen ist der Kon­ser­va­ti­vis­mus bei Mann eine iro­ni­sche Welt­an­schau­ung, weil man die Din­ge nicht ändern kann.

Ein Kon­ser­va­ti­vis­mus ist jedoch nur dann iro­nisch, wenn er nicht die Stim­me des Lebens bedeu­tet, wel­ches sich sel­ber will, son­dern die Stim­me des Geis­tes, wel­cher nicht sich will, son­dern das Leben. (21)

Mann selbst hat sein Buch, aus­weis­lich des Tage­bu­ches, nach der Ver­öf­fent­li­chung mit Wohl­wol­len wie­der­ge­le­sen und sich nicht von ihm distan­ziert. War­um auch – die his­to­ri­schen Ereig­nis­se der Nach­kriegs­zeit schie­nen ihn ja zu bestä­ti­gen. Bei der Wie­der­ver­öf­fent­li­chung im Rah­men der Gesam­mel­ten Wer­ke 1922 hat Tho­mas Mann eini­ge Strei­chun­gen vor­ge­nom­men, die aller­dings nicht, wie damals öffent­lich behaup­tet, das Buch »auf Demo­kra­tie« bürs­ten soll­ten. (22)

Um so über­ra­schen­der war dann Manns öffent­li­ches Bekennt­nis »Von deut­scher Repu­blik« (1922), das aller­dings inhalt­lich aus­deut­bar blieb und vor allem durch den fest­li­chen Rah­men der Rede (der Geburts­tag Ger­hart Haupt­manns, den Mann wenig spä­ter im Zau­ber­berg par­odie­ren soll­te) einen offi­zi­el­len Cha­rak­ter bekam. (23)

Künst­le­risch leg­te er sich kei­ne Fes­seln an. Die Bekennt­nis­se des Hoch­stap­lers Felix Krull führ­te er nicht wei­ter (»Man hat teil an der intel­lek­tua­lis­ti­schen Zer­set­zung des Deutsch­tums, wenn man vor dem Krieg auf dem Punk­te stand, den deut­schen Bil­dungs- und Ent­wick­lungs­ro­man, die gro­ße deut­sche Auto­bio­gra­phie als Memoi­ren eines Hoch­stap­lers zu par­odie­ren«), (24) ver­öf­fent­lich­te aber den Teil über die Kind­heit Krulls (1922).

Dafür nahm ein ande­res Vor­kriegs­pro­jekt wie­der auf, den Zau­ber­berg (1924). Er spricht im Tage­buch von der »geis­ti­gen Komik« des Romans in dem Gegen­satz von poli­ti­scher Tugend und Flei­sches­mys­tik in der Per­son Settem­bri­nis, des­sen Ansich­ten zwar sitt­lich das ein­zig Posi­ti­ve in dem Roman sei­en, die man aber nicht ernst neh­men kön­ne. (25)

Die Ver­falls­the­ma­tik hat Mann im Zau­ber­berg von der Fami­lie auf das Indi­vi­du­um über­tra­gen. Hans Cas­torp kommt für drei Wochen auf Besuch nach Davos, um dort sei­nen lun­gen­kran­ken Vet­ter in einem Sana­to­ri­um zu besu­chen. Cas­torp kann sich der dort herr­schen­den Atmo­sphä­re, in der die Krank­heit als etwas Edles und Sinn­ge­ben­des erscheint und wo für alles gesorgt ist, nicht mehr ent­zie­hen und bleibt (bis ihm der Kriegs­aus­bruch kei­ne Wahl mehr läßt).

Mehr noch als die Bud­den­brooks paßt der Zau­ber­berg in unse­re Zeit, in der der bezie­hungs­lo­se Ein­zel­ne, umsorgt vom Sozi­al­staat, als numi­no­ses Ide­al gilt. Alle lei­den auf hohem Niveau, und erst der Krieg, der Ernst­fall, reißt die Jugend (müh­sam) aus ihrer Lethar­gie. Manns eige­nes Schwan­ken zwi­schen den radi­ka­len Optio­nen, sich zumin­dest gedank­lich in der Welt zu ori­en­tie­ren, fin­det sich in den Gesprä­chen wie­der, die Settem­b­ri­ni und Naph­ta mit­ein­an­der füh­ren und dabei um die See­le Cas­torps ringen.

Der Zau­ber­berg, das Buch, mit dem Tho­mas Mann sei­ne Kri­se über­wun­den hat­te, deu­tet in einer ent­schei­den­den Stel­le, dem Schneet­raum Hans Cas­torps, an, daß eine Über­win­dung der Gegen­sät­ze mög­lich ist. Da das Gan­ze aber ein­ge­bet­tet ist in eine Varia­ti­on des The­mas Ver­fall, bleibt die Über­win­dung etwas nur gedank­lich (oder eben künst­le­risch) Erreich­ba­res. Damit ist klar, daß Mann von sei­nen Betrach­tun­gen nicht viel zurück­zu­neh­men hat­te. Das läßt sich nicht nur durch den Blick ins Tage­buch bele­gen, son­dern auch mit dem Text, in dem er noch ein­mal dar­leg­te, um was es ihm ging: um »nichts ande­res als kon­ser­va­ti­ve Revo­lu­ti­on«. (26)

Das drückt sich bei Mann aus im Rin­gen um eine Syn­the­se aus den ein­an­der wider­stre­ben­den Kräf­ten der posi­ti­vis­ti­schen Auf­klä­rung und der »neu­en Reli­gio­si­tät, eines neu­en ›Sin­nes der Erde‹ und um der Hei­li­gung des Lei­bes wil­len, im Namen des ›Drit­ten Rei­ches‹«. Nur die gegen­sei­ti­ge Begren­zung und Züge­lung kann die Ent­ar­tung der jeweils anderen
Sei­te ver­hin­dern. Die­se Syn­the­se von »Auf­klä­rung und Glau­ben, von Frei­heit und Gebun­den­heit« ist,

künst­le­risch aus­ge­drückt, die von Sinn­lich­keit und Kri­ti­zis­mus, poli­tisch aus­ge­drückt, die von Kon­ser­va­ti­vis­mus und Revo­lu­ti­on. Denn Kon­ser­va­ti­vis­mus braucht nur Geist zu haben, um revo­lu­tio­nä­rer zu sein als irgend­wel­che posi­ti­vis­tisch-libe­ra­lis­ti­sche Auf­klä­rung. (27)

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(1)  Das hat Bre­lo­er nicht davon abge­hal­ten, dar­aus ein Buch zu machen: Ein ­tadel­lo­ses Glück. Der jun­ge ­Tho­mas Mann und der Preis des Erfolgs, Mün­chen 2024.

(2)  Vgl. Han­jo Kes­t­ing: »Tho­mas Mann oder der Selbst­er­wähl­te«, in: Der Spie­gel 22/1975.

(3)  Vgl. Armin Moh­ler, Karl­heinz Weiß­mann: Die kon­ser­va­ti­ve Revo­lu­ti­on in Deutsch­land 1918 – 1922. Ein Hand­buch, 6., völ­lig über­ar­bei­te­te und erwei­ter­te Auf­la­ge, Graz 2005, S. 65 – 71, 380.

(4)  Vgl. Tho­mas Mann: »Rus­si­sche Antho­lo­gie« (1921), in: ders.: Essays II. 1914 – 1926, hrsg. von Her­mann Kurz­ke, Frank­furt a. M. 2002 (= Gro­ße kom­men­tier­te Frank­fur­ter Aus­ga­be; 15.1), S. 333 – 347.

(5)  Tho­mas Mann: Deut­sche Hörer! Radio­sen­dun­gen nach Deutsch­land, mit einem Vor­wort und einem Nach­wort von Mely ‑Kiyak, Frank­furt a. M. 2025, S. 20.

(6)  Ebd., S. 257 f.

(7)  Ebd., S. 101 (April 1942).

(8)  Ebd., S. 20, 259.

(9)  Kai Sina: Was gut ist und was böse. Tho­mas Mann als poli­ti­scher Akti­vist, Ber­lin 2024, S. 26.

(10)  Her­mann Kurz­ke: ‑Tho­mas Mann. Das Leben als Kunst­werk. Eine Bio­gra­phie, Mün­chen 1999, S. 237 f.

(11)  Tho­mas Mann: »Scho­pen­hau­er«, in: ders.: Adel des Geis­tes. Sech­zehn ­Ver­su­che zum Pro­blem der Huma­ni­tät, Frank­furt a. M. 1959, S. 291 – 343, hier S. 322.

(12)  Vgl.: Her­mann Kurz­ke: »Zu die­ser Aus­ga­be«, in: Tho­mas Mann: Essays. Band 1: Früh­lings­sturm 1893 – 1918, hrsg. von Her­mann Kurz­ke und Ste­phan Sta­chor­ski, Frank­furt a. M. 1993, S. 419.

(13)  Die Gro­ße kom­men­tier­te Frank­fur­ter Aus­ga­be der Wer­ke Manns wird, wenn sie abge­schlos­sen ist, 58 Bän­de umfassen.

(14)  Tho­mas Mann: Tage­bü­cher 1918 – 1921, hrsg. von Peter des Men­dels­sohn, Frank­furt a. M. 1979, S. 46.

(15)  Tho­mas Mann: ‑Dok­tor Faus­tus. Das Leben des deut­schen Ton­set­zers ­Adri­an Lever­kühn, erzählt von einem Freun­de, Berlin/Weimar 1975, S. 462.

(16)  Tho­mas Mann: Deutsch­land und die Deut­schen (1945), Ber­lin 1947, S. 26.

(17)  Tho­mas Mann: Betrach­tun­gen eines Unpo­li­ti­schen, hrsg. und text­kri­tisch durch­ge­se­hen von Her­mann Kurz­ke, Frank­furt a. M. 2009 (= Gro­ße kom­men­tier­te Frank­fur­ter Aus­ga­be; 13.1), S. 14.

(18)  Ebd., S. 64.

(19)  Auch wenn Speng­lers Unter­gang des ­Abend­lan­des ein hal­bes Jahr vor den ‑Betrach­tun­gen erschien, ist Tho­mas Manns Unter­schei­dung von Kul­tur und Zivi­li­sa­ti­on davon unab­hän­gig. Die Ent­ge­gen­set­zung gehört zu den »Ideen von 1914«. Vgl.: ders.: »Gedan­ken im Krie­ge« (1914), in: ders.: Essays, Band 1, S. 188 – 205.

(20)  Mann: Betrach­tun­gen, S. 29.

(21)  Ebd., S. 617.

(22)  Vgl. Mann: Betrach­tun­gen, Kom­men­tar, S. 83 – 88.

(23)  Die Reak­tio­nen aus dem Umkreis der KR, vgl. Mann: Betrach­tun­gen, Kom­men­tar, S. 125 – 132, S. 130: »Daß ich den Tho­mas Mann der Betrach­tun­gen in frü­he­ren Schrif­ten der ›Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on‹ zuge­rech­net habe, kann ich heu­te so dezi­diert nicht mehr auf­recht erhal­ten.« Kurz­ke sieht in den Betrach­tun­gen das Bekennt­nis zur »deut­schen Repu­blik« bereits ange­legt. Vgl. dazu ganz ähn­lich Jens Nord­alm: »Der gro­ße Irr­tum über den ‑poli­ti­schen Tho­mas Mann«, in: welt.de vom 12. Febru­ar 2025.

(24)  Mann: Betrach­tun­gen, S. 111.

(25)  Mann: Tage­bü­cher 1918 – 1921, S. 319 f. Gleich­zei­tig gesteht er sich ein, »daß er das Buch jetzt auf den­sel­ben Punkt gebracht habe, auf dem der ›Hoch­stap­ler‹ nicht zufäl­lig ste­hen geblie­ben ist. Eigent­lich habe ich mei­nen Sack gelehrt. Die Dich­tung hat zu begin­nen.« (Ebd. S. 320.)

(26)  Mann: Rus­si­sche Antho­lo­gie, S. 341.

(27)  Ebd.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph.

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