Daß Orbán weg ist, ist die Hauptsache

von Jörg Seidel -- "Rendszert váltottunk!", riefen die jungen Leute beim gestrigen Autocorso durch die Budapester Innenstadt – "Wir haben das System gestürzt!" (wörtlich: gewechselt).

Damit stell­ten sie sich in die gro­ße Geschich­te, die der Satz zitiert: den Fall der Mau­er. Er ent­hält in sei­ner Hybris einen Groß­teil der Pro­ble­me, die zum Sturz Orbáns geführt haben, aber auch jener Pro­ble­me, vor denen Ungarn nun steht.

Die Geschich­te ist offen, Pro­gno­sen sind wohl­feil, aber so viel kann man wohl sagen: Wenn die Par­tei Tis­za mit ihrem Füh­rer Péter Magyar nicht lie­fert, dann droht Ungarn ein poli­ti­sches Vaku­um, das im schlimms­ten Fall zum Kol­laps füh­ren kann. (So gese­hen muß man Tis­za Glück wün­schen und ein gewis­ses Ver­trau­en aussprechen.)

Denn die ein­zi­ge vali­de Gegen­kraft ist und bleibt der Fidesz. Der steht aber vor einer exis­ten­ti­el­len Kri­se und wird in den nächs­ten Mona­ten um sei­ne Exis­tenz kämp­fen müssen.

Die ers­te Fra­ge wird sein, wie man mit Orbán, Herz, See­le und Hirn der Par­tei, umge­hen wird, wie er sich selbst ver­hält. Macht er Platz, tritt er zur Sei­te oder wird er an sei­nem Stuhl kle­ben? Bei­de Sze­na­ri­en sind stark risikobehaftet.

Wird man ihn stür­zen müs­sen, wird es ein Schis­ma, den Vater­mord geben? Und wer soll ihm fol­gen? Öffent­lich­keits­wirk­sam tra­ten bis­her nur Péter Szi­j­jár­tó und Ger­ge­ly Gulyás auf, Außen­mi­nis­ter und Kabi­netts­mi­nis­ter ihres Zeichens.

Der cha­ris­ma­ti­sche­re Szi­j­jár­tó wird – das hat Magyar in sei­ner Sie­ges­re­de schon deut­lich gemacht – wegen sei­ner Bezie­hun­gen zu Ruß­land unter­sucht und wohl ver­klagt wer­den, der ein­schlä­fern­de Büro­kra­ten­typ Gulyás hat weit weni­ger Appeal, und die meis­ten ande­ren Gran­den der Par­tei sind durch ihre Ver­stri­ckun­gen ver­braucht. Es bräuch­te einen Cha­ris­ma­ti­ker aus der zwei­ten oder drit­ten Rei­he, der jetzt sei­nen Hut in die Are­na wirft und ris­kiert, leben­dig zer­ris­sen zu werden …

Man kann sich das Aus­maß der Orbán-Satt­heit, des Frus­tes, Has­ses und Spot­tes in wei­ten Tei­len der Bevöl­ke­rung kaum vor­stel­len, frei­lich durch einen Orbán-Kult am ande­ren Spek­trum kom­ple­men­tiert. Tat­sa­che aber ist: Vie­le Men­schen haben nicht Péter Magyar gewählt, son­dern Orbán abge­wählt. Daß er weg ist, war die Haupt­sa­che, womit die Leer­stel­le gefüllt wird, weni­ger wichtig.

Die Rech­te tut sich schwer mit sol­chen Zuge­ständ­nis­sen, denn sie hat in Orbán immer eine idea­li­sier­te Figur gese­hen und woll­te sich lie­ber die eige­nen Vor­stel­lun­gen bestä­ti­gen, als der Rea­li­tät ins Auge zu schau­en, eine Stra­te­gie im übri­gen, die auch den Fidesz in den Abgrund geführt hat. Man sprach von einer „kul­tu­rel­len Hege­mo­nie“, mein­te, daß Orbáns Lek­tü­re Gramscis schon ein Ver­dienst sei und ließ sich von ent­spre­chen­den Think Tanks das Gewünsch­te aufsagen.

Aber ob Orbán Gramsci tat­säch­lich gele­sen hat, bleibt wohl eher ein Gerücht, viel wahr­schein­li­cher ist es, daß ihn sei­ne Spin­dok­to­ren mit den ent­spre­chen­den Paro­len ver­sorg­ten. Bei all­dem hat die Neue Rech­te über­se­hen, daß es die „kul­tu­rel­le Hege­mo­nie“ nie gege­ben hat, außer in den Ver­tre­tern die­ser Theo­rie selbst. Sie ist in der Nacht zu Mon­tag kra­chend geschei­tert – die Aus­wir­kun­gen auf die Theo­rie­bil­dung müs­sen ver­stan­den werden!

Damit man nicht falsch ver­steht: Orbán war ein Aus­nah­me­po­li­ti­ker, ein Voll­blut­po­li­ti­ker, ein poli­ti­sches Tier, wie es sie heu­te kaum noch gibt. Aber vier auf­ein­an­der­fol­gen­de Wahl­pe­ri­oden haben ihn sicht­bar dick und selbst­si­cher gemacht – wes­halb Magyars For­de­rung zum Natio­nal­fei­er­tag am 15.3., die Wahl­pe­ri­oden auf zwei zu beschrän­ken ein wei­te­rer Plus­punkt für ihn war. Man kann Orbán jetzt stu­die­ren, wie man Chur­chill oder Kis­sin­ger oder de Gaul­le stu­diert. Selbst wenn er hin­ter Git­tern lan­den sollte.

Intrin­si­sche Grün­de dafür gibt es genü­gend, und sie haben ganz wesent­lich zu sei­ner Nie­der­la­ge bei­getra­gen. Die Kor­rup­ti­on an ers­ter Stel­le, die Pro­pa­gan­da an zwei­ter. Bei­de sind sys­te­misch, haben den rea­len Orbá­nis­mus lan­ge getra­gen und sich letzt­lich gegen ihn gewen­det. Mit sehr lan­gen Vor­lauf­zei­ten. Schon die Wahl vor vier Jah­ren oder die letz­ten Regio­nal- und Euro­pa­wah­len hät­ten alle Warn­lich­ter zum Erglü­hen brin­gen müs­sen, wenn noch Leben in der Fidesz-Bewe­gung gewe­sen wäre. Sie hat­ten die gro­ße Unzu­frie­den­heit signa­li­siert, die im Vol­ke herrsch­te und der nur eine wähl­ba­re Oppo­si­ti­on fehl­te, um sie zum Aus­druck zu bringen.

Vor vier Jah­ren schei­ter­te die Clowns­ko­ali­ti­on um Péter Már­ki-Zay – alle in ihr ver­ein­ten Par­tei­en wur­den seit­her pul­ve­ri­siert, auch die „Demo­kra­ti­sche Koali­ti­on“ um Klá­ra Dobrev und Ehe­mann Ferenc Gyurcsá­ny, einst mäch­ti­ge Sozi­al­de­mo­kra­tie, ist nun kom­plett zer­stört wor­den. Es gibt in Ungarn der­zeit kei­ne nen­nens­wer­te poli­ti­sche Lin­ke, auch wenn das Buda­pes­ter Milieu das her­gä­be – das muß man verstehen!

Die Kor­rup­ti­on in Ungarn ist sys­te­misch – ich wie­der­ho­le das als Merk­satz! Auch für das Sys­tem Orbán war es die Nabel­schnur. Über Vor­teils- und Schuld­kom­ple­xe wur­de Loya­li­tä­ten und Abhän­gig­kei­ten bis in das gesell­schaft­li­che Kapil­lar­sys­tem hin­ein geschaffen.

Es ist aber nicht sein Allein­stel­lungs­merk­mal, son­dern die Kor­rup­ti­on hat sich nur von den Kom­mu­nis­ten auf die Sozi­al­de­mo­kra­ten und wei­ter auf Fidesz ver­erbt und wenn man die alten unga­ri­schen Autoren wie Mór Jokai, Kál­mán Mik­száth oder Zsig­mond Kemé­ny liest, dann wird einem deut­lich, daß die­ses Phä­no­men der unga­ri­schen Gesell­schaft eben­so tief ein­ge­schrie­ben ist wie der Ukrai­ne oder Rußland.

Zwar hat sich Magyar den Kampf gegen die Kor­rup­ti­on auf die Fah­nen geschrie­ben, und sei­ne ers­ten Schrit­te dürf­ten sich auch dage­gen wen­den, doch ist die Wahr­schein­lich­keit groß – je län­ger er an der Macht ist, umso wahr­schein­li­cher –, daß auch sei­ne Par­tei in die Struk­tu­ren über­glei­ten wird. Vie­les wird davon abhän­gen, wie die bis­he­ri­gen Struk­tu­ren reagie­ren wer­den: wer­den sie koope­rie­ren oder in den Über­le­bens­kampf­mo­dus wechseln?

Sel­bi­ges gilt für die media­len Ver­stri­ckun­gen. Wäh­rend – nur als anek­do­ti­sche Evi­denz – den gest­ri­gen Wahl­kampf auf den regie­rungs­treu­en Kanä­len M1Híradó und hír.tv nur weni­ge tau­send Zuschau­er ver­folg­ten, kleb­ten bei den oppo­si­tio­nel­len Sen­dern Par­ti­zán und Telex jeweils 200000 Leu­te an den Bild­schir­men via You­Tube. Seit Jah­ren wird das Staats­fern­se­hen von den meis­ten Ungarn igno­riert und lächer­lich gemacht, so wie man sich in der DDR über die Aktu­el­le Kame­ra oder den Schwar­zen Kanal erhei­ter­te. Aber nie­mand schien die Dis­kre­panz in Regie­rungs­krei­sen noch wahr­neh­men zu wol­len, statt­des­sen ergötzt man sich an den angeb­li­chen Erfolgen.

Auch Orbáns Pla­kat-Kam­pa­gnen unter­la­gen die­sem Para­dox. Vor ein paar Jah­ren war Sor­os auf jedem Pla­kat zu sehen, aber kein Ungar inter­es­sier­te sich für einen Mil­li­ar­där, der nur noch gebro­chen Unga­risch sprach und angeb­lich das Schick­sal der Welt, Euro­pas und vor allem Ungarns bestim­men soll­te. Dann wur­de Sor­os gegen die EU-Büro­kra­tie ersetzt oder Selen­sky und fast immer in par­odis­ti­scher, her­ab­wür­di­gen­der Facon.

Die Ungarn – zumin­dest die, die nicht am Fidesz-Tropf hin­gen – lach­ten nur dar­über. Man muß frei­lich den Vor­teil genie­ßen, unter ihnen zu leben, mit ihnen zu spre­chen, um das sehen zu kön­nen, denn sie sind seit lan­gem eher scheu und gebückt, wenn es um Poli­tik geht. Magyar war nun der leben­de Beweis dafür, daß man gegen die Macht auf­ste­hen kann, ohne zusam­men­ge­staucht zu werden.

Magyar hat das jetzt geän­dert! Mit dem Mann aus dem eige­nen Estab­lish­ment konn­te der ver­knö­cher­te Appa­rat nichts anfan­gen. Man ver­folg­te die alten Sor­os-Ley­en-Selen­sky-Stra­te­gien, war nicht mehr in der Lage, die neue Qua­li­tät des Phä­no­mens zu erken­nen und ver­fiel in die alten Her­ab­wür­di­gungs­mus­ter, die Magyars Auf­tritt aber doch nur bestätigten.

Und als Orbán in sei­ner Rede zum unga­ri­schen Natio­nal­fei­er­tag 2025 sei­ne Geg­ner als „polo­s­kák“, als Wan­zen bezeich­ne­te, da ging ein Mur­ren durchs Land – das Wort mach­te Kar­rie­re und wur­de auch ges­tern eif­rig zitiert.

Nicht etwa, daß Magyar zim­per­lich mit sei­nem Geg­ner umging, aber wer den Staats­mann gibt, der muß sich auch staats­män­nisch gebär­den. Das ist Orbán erst ges­tern wie­der gelun­gen, als es zu spät war, als er zer­knirscht sei­ne kra­chen­de Nie­der­la­ge vor der Nati­on ein­ge­ste­hen muß­te – was es wert ist, wer­den wir sehen.

Magyar hat den gebeug­ten Ungarn das Rück­grat wie­der gera­de­ge­bo­gen, vor allem den jun­gen. Wäh­rend Orbán eine dunk­le Kam­pa­gne führ­te, von unmit­tel­bar bevor­ste­hen­dem Krieg gegen Ruß­land und Unter­gang des Abend­lan­des sprach, von Sou­ve­rä­ni­täts­ver­lust und der Euro­päi­schen Kra­ke, wenn er nicht fort­füh­ren kön­ne, ver­sprach Magyar eine hel­le Zukunft, einen Neu­an­fang, eine Befrei­ung und üppi­ge Geld­strö­me, die von Brüs­sel nach Buda­pest flie­ßen und das maro­de Gesund­heits­sys­tem oder die Infra­struk­tur wie­der auf­bau­en wer­den. Und Jugend will Zukunft, Jugend wählt nicht die Apo­ka­lyp­se, Jugend will etwas vor sich haben – selbst wenn es unrea­lis­ti­sche Ver­spre­chun­gen sein soll­ten. Sie hat auch ein Recht darauf.

Pas­send dazu auch Orbáns Bin­dung an die his­to­ri­sche Ver­gan­gen­heit in den Per­so­nen Putin und Trump. „Rus­sen raus!“ wur­de einer der Kampf­slo­gans der Tis­za-Anhän­ger. J.D.Vances Zwi­schen­stop in Buda­pest war ein Bärendienst.

Wer sich die Wahl­kampf­re­den bei­der Kon­tra­hen­ten ange­schaut hat, der konn­te die Ener­gie­un­ter­schie­de nicht über­se­hen. Man sah und hör­te Orbán an, daß er ein Mann der Ver­gan­gen­heit war, ver­braucht, ver­baucht, aus­ge­laugt, nicht mehr wand­lungs­fä­hig und da hal­fen auch die Rei­hen kahl­köp­fi­ger und schwarz uni­for­mier­ter Fleisch­ber­ge nicht mehr, die sei­ne Ver­an­stal­tun­gen „schüt­zen“, in Wirk­lich­keit aber die Tis­za-Anhän­ger ein­schüch­tern soll­ten. Man sehe sich den Auf­tritt vom 27.3. in Győr an, um zu begrei­fen, was ich meine.

Es war vor allem die Jugend, die Magyar wähl­te, und man sah das auch bei sei­nen Demons­tra­tio­nen oder der gest­ri­gen Sie­ges­fei­er. Wie oft ich den Satz jun­ger Leu­te gehört habe, daß sie das Land ver­las­sen wer­den, soll­te Orbán noch ein­mal gewin­nen, kann ich nicht mehr sagen, er ist so eine Art Stan­dard­flos­kel gewor­den. Der Tis­za-Mann hat­te es auch eilig, die Aus­lands­un­garn in sei­ner Sie­ges­re­de anzu­spre­chen und sie zur Heim­kehr auf­zu­for­dern, um das Land neu auf­zu­bau­en. Und unter den drei­vier­tel Mil­lio­nen Ungarn, die im Wes­ten ihr drei- bis vier­fach bes­se­res Geld ver­die­nen, sind sehr vie­le jung und gut ausgebildet!

Natür­lich wäre es naiv, anzu­neh­men, daß all die­se jun­gen Leu­te voll­be­wußt gewählt hät­ten. Nein: Tis­za ist zum Meme gewor­den, zum Hype, wenn nicht zur Hys­te­rie, zur aus sich selbst rol­len­den Wel­le, es war das, was man wählt, wenn man jung ist. Die Inter­net­af­fi­ni­tät der Jugend trug zur unkon­trol­lier­ten Ver­brei­tung bei. Die­se Pro­zes­se sind über­haupt nur mar­gi­nal poli­tisch zu beein­flusn und viel­leicht ist es klü­ger, die Wel­le zu rei­ten, als sich ihr als Bre­che stur ent­ge­gen­zu­stel­len – denn hin­ter ihr war­tet ein Meer, um anzubranden.

Zu die­sem Sturz­bach gehö­ren auch die qua­si natur­wüch­si­gen Migra­ti­ons­strö­me in einer Welt der kom­plet­ten Ver­flüs­si­gung. Magyar ver­sprach in sei­nen ansons­ten inhalt­lich eher vagen Anspra­chen, das Gute des Fidesz zu über­neh­men, und mein­te damit in ers­ter Linie den Grenz­zaun, die Ver­wei­ge­rung der Mas­sen­mi­gra­ti­on ins eige­ne Land – immer­hin stellt die unga­ri­sche Spra­che eine wei­te­re natür­li­che Gren­ze dar – und die Pro-Fami­li­en-Poli­tik. Ob er der euro­päi­schen Nomen­kla­tu­ra in die­sen Fra­gen wird wider­ste­hen kön­nen, dürf­te eine der Schlüs­sel­fra­gen wer­den. Die Gel­der kom­men wohl nur gegen Sou­ve­rä­ni­täts­ver­lus­te – ande­res anzu­neh­men, wäre naiv.

Denn auf der ande­ren Sei­te gab er sich voll­kom­men pro-euro­pä­isch, und das ist es auch, was sei­ne jun­ge Kli­en­tel hören woll­te. Die­ser Spa­gat zwi­schen dem Natio­nal­cha­rak­ter – dem höchs­ten Hun­ga­ri­kum – und den Geset­zen des Glo­ba­lis­mus wird der Grund­kon­flikt werden.

Magyar muß lie­fern und ver­mut­lich schnell. Beson­ders die Jugend ist unge­dul­dig. Die Zwei­drit­tel­mehr­heit gibt ihm alle Mit­tel in die Hand, auch ver­fas­sungs­än­dern­de. Zuerst dürf­ten die Medi­en, die Jus­tiz und die Wahl­for­ma­li­tä­ten auf Reset gestellt werden.

Nun muß Magyar die Ener­gie­fra­ge lösen. Wo will er sein bezahl­ba­res Öl und Gas her­be­kom­men, wenn nicht aus Ruß­land? Was soll mit dem rie­si­gen rus­si­schen Atom­mei­ler Paks wer­den, des­sen Aus­bau – Paks 2 – eigent­lich schon beschlos­se­ne Sache war, wie will er die unver­schämt hohe Infla­ti­on bekämp­fen, die Staats­ver­schul­dung brem­sen? Wie will er den durch die Wahl offen zuta­ge tre­ten­den Gene­ra­tio­nen­kon­flikt lösen? Wie die schier unlös­ba­re demo­gra­phi­sche Frage?

Über­nom­me­ne Las­ten – aber man hört wenig Kon­kre­tes und die paar Euro-Mil­li­ar­den wer­den struk­tu­rell nichts ändern. Hat er über­haupt die Leu­te dazu, um auch die zwei­te, drit­te und vier­te Rie­ge anfor­de­rungs­ge­mäß zu beset­zen? Wo sind die fähi­gen Minis­ter, Staats­se­kre­tä­re, Ver­fas­sungs­recht­ler, Wirt­schafts­exper­ten? Vie­le sei­ner Leu­te sind ent­we­der Ex-Fidesz-Tech­no­kra­ten, libe­ra­le Akti­vis­ten oder weit­ge­hend unbe­kannt. Sind beim Per­so­nal die Skan­da­le und das Abglei­ten in die Selbst­be­rei­che­rung nicht schon programmiert …?

Soll­te Tis­za aber schei­tern, dann droht das poli­ti­sche Vaku­um. Und daß Mi Hazánk und László Toro­cz­kai eine zukünf­ti­ge Alter­na­ti­ve wäre, wie Maxi­mi­li­an Krah her­aus­po­saun­te, ist ein Gerücht, denn so lan­ge man sich dort in der Öffent­lich­keit mit frag­wür­di­gen Gestal­ten umgibt, das Tria­non-Dik­tat rück­gän­gig machen und ein Groß-Ungarn anstre­ben will, wird die­se Par­tei für eine moder­ne Wäh­ler­schaft unwähl­bar blei­ben und die 10 Pro­zent nie überwinden.

Die Geschich­te Ungarns ist wie­der offen. Und sie wird gna­den­los mit denen abrech­nen, die ihre Ver­spre­chen nicht einlösen.

PS: Und soll­te es jeman­den geben, der mir nun Alt­klug­heit und nach­he­ri­ge Bes­ser­wis­se­rei vor­wer­fen will, den ver­wei­se ich auf mei­ne zahl­rei­chen Arti­kel zu Ungarn und Orbán in den letz­ten acht, neun Jah­ren, in denen das meis­te schon steht und für die ich immer und immer wie­der ange­fein­det wur­de … Weil man zum einen lie­ber sei­nen Illu­sio­nen glaubt und weil man meint, daß Kri­tik durch den Geg­ner per se falsch sein müsse.

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Kommentare (32)

Ein gebuertiger Hesse

14. April 2026 08:59

To the point & snappy. Das dürfte der klügste Artikel sein, der in ganz Deutschland zu diesem Thema zu lesen ist. 

Karl Otto

14. April 2026 09:08

Dass das U-Boot der Ruschisten in Europa versenkt wurde ist in jedem Fall zu begrüßen.

Le Chasseur

14. April 2026 09:46

"Passend dazu auch Orbáns Bindung an die historische Vergangenheit in den Personen Putin und Trump. „Russen raus!“ wurde einer der Kampfslogans der Tisza-Anhänger. J.D.Vances Zwischenstop in Budapest war ein Bärendienst."
Dass Orban sich an den Kriegsverbrecher Netanjahu rangewanzt hat, war sicherlich auch kontraproduktiv.

RMH

14. April 2026 10:08

Von ungarischen Verhältnissen können wir in D doch nachwievor nur träumen, auf eine patriotisch-rechts-konservative Regierung folgt die Nächste, bei der die hiesigen Gralshüter des vermeintluch wahren Rechten jetzt das Nässchen leicht hoch ziehen, weil die neue Regierung, OMG, vermutlich der Spur des Geldes nach Brüssel folgen will und gegenüber Russland nur "pragmatisch" sein will. Was passiert eigentlich bei uns, wenn die Regierung wechselt? Bislang wurde auf das Versagen linker Regierungen, zuletzt sogar entgegen des Wählervotums, vom Establishment mit noch mehr links gentwortet (auch wenn im Wahlkampf natürlich ein paar bürgerlich-konservative, ja sogar rechts-patriotische Nebelkerzen gezündet wurden) und mit noch mehr Zement und Beton ins System gießen.
Insofern: Felix Hungaria?

Monika

14. April 2026 11:21

Danke für den sehr guten Beitrag, der auch einem in der Sache unkundigen Rechten/ Konservativen die Augen öffnet und den Horizont erweitert. Sei es der Klischee-Boomer oder "unproduktive Online-Drama-Rechte" ( Sellner), der stereotyp mit seiner Auswanderung nach Ungarn droht, falls es hier noch schlimmer kommt, oder sei es der identitäre Student M.M., der das Fremde Land genießt, in dem seine Freundin nachts unterwegs sein konnte, ohne belästigt zu werden. Nun hört man, daß die jungen Ungarn diese Vorteile nicht zu schätzen wissen und gar selbst auswandern wollen. "Jugend will Zukunft. Auch wenn es unrealistische Versprechungen sind". Auch syrische oder somalische Jugend will Zukunft. Ukrainische Mädchen wandern nach Deutschland aus und werden von irakischen abgelehnten Asylbewerbern vor den Zug gestoßen. Ja, der "Spagat zw. Nationalcharakter u. den Gesetzen des Globalismus wird zum Grundkonflikt"  der jungen Generation werden. Ob die Alten am Balaton oder auf Mallorca ihren Lebensabend verbringen, ist unwichtig. Die Jugend wird die Last tragen müssen.

Monika

14. April 2026 11:31

Sehr wichtig auch der Hinweis Seidels auf die ideologische Einengung der Rechten ( Idealisierung Orbáns) mit dem Glauben an eine "kulturelle Hegemonie ". Vielleicht gibt es diese "kulturelle Hegemonie " nur in den Köpfen linker und rechter Theoretiker und die Wirklichkeit ist im alten, guten Sinne vielfältiger. Dazu ein Beitrag kürzlich in der "Welt" von Alan Posener, der in die gleiche Richtung geht.https://www.welt.de/debatte/plus69c914a504eeb30f4b108c6b/kulturkampf-linke-oder-rechte-hegemonie-gramscis-gefaehrlicher-irrtum.html

gluecklichetage

14. April 2026 12:49

auch lesenswert zum thema: https://t.me/martinkohlmann/110

321Alpha

14. April 2026 12:59

In der Trianon-Frage ist es wahrscheinlich politisch klug, Zurückhaltung zu üben. Mittelfristig, mit einer durch die Beendigung des Ukraine-Krieges erforderlichen Neuordnung der Ukraine, wird es jedoch zu einer Rückgabe der ungarischen Gebiete im Westen der Ukraine an Ungarn und der ehemals polnischen Gebiete um Lemberg im Nordwesten an Polen kommen. Mark my words.

Laurenz

14. April 2026 13:46

Diese Ungarische Wahl ist vielleicht nachvollziehbar, aber als Außenstehender völlig lächerlich. Ungarn hat mit die niedrigsten Löhne in der EU. Deswegen investieren dort Firmen, wie Daimler. Wollen die Ungarn Putin jetzt den Stinkefinger zeigen & den teuren Sprit aus dem Westen kaufen, mit ihren mageren Löhnen? Sollen die Energiekosten für die anzuwerbende Industrie steigen? 600k-700k (von 10 Mio.) Ungarn arbeiten deswegen im Ausland. Wie will Magyar die zurückholen, wenn die Löhne nicht wirklich steigen sollen? Aufgrund der Armut Ungarns ist das Sozialsystem recht dünne. Die EU will aber, daß Ungarn IQ80-Migranten in die Sozialsysteme aufnimmt & keine Facharbeiter, die überall gebraucht werden, aber aus EU-Europa abhauen, anstatt einzuwandern. Da ist der Ungarische Sozialstaat sofort pleite. Und dann auch noch Magyars Leute, die jetzt auch endlich an die Futtertröge wollen, also genauso korrupt sind, wie Orbans Leute auch. Magyars Wahlkampf wurde ja von irgendwem finanziert, wahrscheinlich von Leuten, die unter Orban zu kurz kamen. Die wollen dann von den enteisten 17 Mrd. € aus den EU-Töpfen ihren Teil mit Rendite abhaben. Will Magyar tatsächlich der EU-Staatsanwaltschaft beitreten? Die EU ist noch korrupter als der Ungarische Apparat. Die EU kann 6% aller Ausgaben nicht belegen, ein einziger Korruptions-Sumpf aus Bananen-Republiken ohne Bananen. Also irgendwer hat sich bei dieser Wahl ins Knie geschossen, entweder die Ungarn oder die EU.

Ekstroem

14. April 2026 13:53

Danke für den erhellenden Artikel. 

Arvid

14. April 2026 13:54

@Monika na ja, kulturelle Hegemonie bedeutet ja nicht, dass die selbe Partei/Person bis ans Ende aller Tage gewählt wird. Tisza/Magyar gibt sich immerhin auch konservativ-patriotisch (ob dem wirklich so ist, ist eine andere Frage). Also wenn eine rechte Partei von einer anderen rechten Partei an der Regierung abgelöst wird während die politische Linke komplett am Boden liegt und keine Rolle in Staat und Gesellschaft spielt, würde ich schon von einer rechten kulturellen Hegemonie sprechen.

Le Chasseur

14. April 2026 14:03

Wie steht Magyar eigentlich zu einem EU-Beitritt der Ukraine?

dojon86

14. April 2026 14:43

Die Mehrheit der Ungarn wollte nach 16 Jahren Orban mal etwas anderes. Den meisten Menschen im Land ist der Ukraine-Russland Konflikt und Orbans Vermittlungsversuche völlig gleichgültig. Sie wollen einfach, dass das  Steuergeld der Nettozahler wieder fließt. Wenn man die Regionen des Landes östlich von Budapest kennt, ist das auch verständlich. Da sieht's oft schlechter als im benachbarten Siebenbürgen aus. 1990, als ich das erste Mal durch diese Gegend kam, war's noch umgekehrt. Ich bewundere eigentlich Orban, dass er sich gegen den Kraken (die EU) so lange halten konnte. Was Peter Magyar betrifft, er erinnert mich an Macron und Kurz. Ein typischer Politiker aus der Retorte und wie Macron (La France en marche) Chef einer Retortenpartei. Die Enttäuschung ist nur eine Frage der Zeit. Hängt alles davon ab wie viel die EU und die Globalisten jetzt spendieren.

heinrichbrueck

14. April 2026 15:06

Gramsci hat nicht gesagt, wer Hegemonie hat, sondern wie sie funktioniert. 
Macht funktioniert langfristig nur, wenn sie als legitim empfunden wird. 
Ist Anti-Korruption heute vielleicht die neue universelle Ideologie – quer durch links und rechts? 
Hegemonie funktioniert, indem eine Ordnung so dargestellt wird, daß sie als natürlich, sinnvoll und alternativlos erscheint - und die meisten Menschen das akzeptieren. Die Wähler wechseln nicht „links oder rechts“, sondern: welche Form von Ordnung sie als legitim empfinden. 
Für Deutschland gilt: Die alte Ordnung stirbt, die neue ist noch nicht geboren. (Gegen fehlende Leidensbereitschaft gibt es nur einen Ausweg: Untergang.) 
Der Staat muß wieder funktionieren ... 

A. Kovacs

14. April 2026 15:07

Fidesz hat jetzt 38,4% erreicht, was in etwa der Stammwählerschaft entspricht. Die Wechselwähler sind verführt worden vom Schein-Rechten Ex-Fidesz-Mann Magyar, der nur die Korruption zu bekämpfen und ansonsten "das, was gut sei", beizubehalten vorgibt. Eine glatte Lüge dieser idealen EU-Marionette, wie sich bald zeigen wird. Gegen rechte Institutionen wie das MCC wird ja schon vorgegangen. Für die Linken und linksextremen Wähler, die sich ja nicht in Luft aufgelöst und natürlich Magyar gewählt haben, ist dieser Kandidat ebenfalls ideal, weil sie ihn in der Hand haben: Er hat seine ehem. Partei verlassen, was unter den gegebenen Umständen Verrat ist – das kann er sich nicht noch einmal erlauben, was ihn zur Geisel macht –, und hat selbst einige Skandale auf dem Buckel. Summa summarum wird er alles rückgängig machen, was Orbán erreicht hat, bis hin zur Verfassung. Sonst gibt es kein Geld aus Brüssel, das er dringend braucht. Er wird also zum "Brüssel-Knecht", was natürlich besser ist als "Putin-Knecht", "Trump-Knecht", "Netanjahu-Knecht" und "Xi-Knecht", wie die absurden Bezeichnungen Orbáns auch unter Rechten lauteten.

Corvusacerbus

14. April 2026 15:20

Letztlich wird aus Ungarn EUngarn, dessen bin ich gewiß, so wie es Deutschland ja nur noch als Konzept, als Idee, Idealtyp, als mehr und mehr verwehende und verwesende Erinnerung gibt, während es realiter nur DEUtschland gibt, in dem auch eine Bundesregierung, geführt von einer Bundeskanzlerin Alice Weidel, an der "Brüsselisierung" von Politik und Justiz nichts substantiell ändern könnte, denn wenn der EuGH urteilt, gestützt auf die staatsrechtliche Bindung DEUtschlands an die Menschenrechts- und Flüchtlingskonventionen der UNO, ist Schluß mit lustig, rechten Illusionen und mit Demokratie und all dem. Um einen bekannten Spontispruch zu paraphrasieren: Wenn Politik wirklich etwas ändern will, wird sie verboten. Orban hat mit seinem kleinen mitteleuropäischen Land Ungarn seine Chancen genutzt, die auch darin bestanden, daß sein Hungarismus manchen EU'lern klammheimlich sympathisch war und von ihnen benutzt wurde, um von der Leyens Durchregieren und das aus Berlin und Paris zu behindern, zu verzögern oder auch mal ein Projekt zu verhindern (das Konzept EU kann man so nicht verhindern!). Der Hungarismus als Werkzeug fällt nun weg in Brüssel ... außer Peter Magyar ist klug und mutig, gibt den "Orban mit bella figura" und versucht, Ungarn vor der Vernichtung durch die  EUisierung zu retten. Womöglich fände er dafür südlich der Alpen eine "bella figura" und Partnerin. 

Artabanus

14. April 2026 16:04

Ein Wahlergebnis bei dem sich Von der Leyen, Merz, Zelensky und Co. freuen muss zwangsläufig sehr schlecht sein. Die innenpolitischen Ursachen sind sicherlich verständlich, man sollte aber den Einflussnahme aus Brüssel nicht unterschätzen. Die EU wird zur Diktatur umgebaut und gleichzeitig wird ein Krieg gegen Russland immer wahrscheinlicher. Ein Beitritt der Ukraine zur EU, den Magyar im Moment angeblich 'noch nicht' befürwortet, wird in einer Katastrophe für ganz Europa enden.

Majestyk

14. April 2026 16:19

Egal wer in Ungarn regiert, das Land bleibt einer der größten Nettoempfänger. Der Transfer von deutschem Geld ins Ausland muß beendet werden, dann kann von mir aus in Ungarn auch Piroschka regieren. 

Ernestina

14. April 2026 17:12

Vielen Dank für den fundierten Beitrag!
Der unreflektierte Jubel der Menge nach der Wahlniederlage Orbans zeigt, dass die Menschen in Ungarn wie überall im Westen (bis auf eine kleine Gruppe) politisch völlig ungebildet und unreflektiert sind. Da kommt irgendein Scharlatan daher gelaufen, verspricht das Blaue vom Himmel, die Emotionen kochen hoch, der Wahlsieg ist errungen und dann, komme was wolle... 

RWDS

14. April 2026 17:19

Ein weiteres Land fällt an den EU-Moloch. Der ungarische Sonderweg bei Migration und Islamisierung (ähnlich dem Polens) wird mit Linientreue beim ukrainischen Foreverwar erkauft.
2026 bisher ein einziges Jahr zum schwarzpillen.

fw87

14. April 2026 18:02

Dass es eine kulturelle Hegemonie ("Vorherrschaft") westlicher Werte, oder eben was man dafür hält, gibt, scheint mir unbestreitbar.
Eine andere Frage ist, ob die politische Rechte das anstreben sollte und wenn ja mit welchen Mitteln. Sicher spielen bei der Bildung und Stabilisierung von Kulturhegemonie der polit-mediale Komplex, NGOs, die Zivilgesellschaft usw. eine entscheidende Rolle. Soll man das alles einfach nehmen und auf rechts drehen? Das scheint mir nicht richtig. Denn dieser ganze Apparat gehört zwangsläufig zum Links-Staat. Im allgemeinen brauchen linke Organisationen den staatlichen Tropf um lebensfähig zu bleiben, bei rechten ist das weniger so. Rechts ist richtig und entspricht dem Menschen. Deshalb braucht es hier nicht die staatliche Unterstützung, die das Kartenhaus künstlich aufrecht erhält. Menschen sind von allein rechts (z.B. eher ablehnend Fremden gegenüber), es sei denn, es wird ihnen systematisch aberzogen. Also kurz gesagt: Linke brauchen Manipulation und Zwang, Rechte nicht. Ich spreche deshalb lieber von einer kulturellen Homogenität, die es wieder zu erreichen gilt. Würde man den Staat und die Massenmedien schrittweise zurückbauen, würde sich vermutlich, vieles von allein in diese Richtung bewegen. 

Mitleser2

14. April 2026 18:06

Offensichtlich wollten die Ungarn Orban nicht mehr. Muss man akzeptieren. Fällt trotzdem schwer, weil es für die korrupte, russophobe EU einfach Auftrieb und Durchmarsch bedeutet. Und Soros hat auch schon gratuliert. 
Und man kann lesen: Das Mitglied der linksterroristischen Hammerbande wird zitiert: „Hoffe, dass es nun besser wird“ – Inhaftierte Maja T. nach Niederlage Orbáns optimistisch. Mehr muss man eigentlich nicht wissen.

RMH

14. April 2026 18:23

"Also irgendwer hat sich bei dieser Wahl ins Knie geschossen, entweder die Ungarn oder die EU." (Laurenz)
Ich tippe hier doch eher auf die EU, die sich ins Knie geschossen hat. Der neue kommt faktisch aus dem gleichen Stall wie der alte. Der wird noch ... geben wir ihm und seiner Truppe einmal die berühmten 100 Tage Zeit und schauen, was bis dahin passiert ist. Die Ungarn sind ja auch keine Deppen, die werden schon wissen, wen sie mit so einer Mehrheit wählen. So wie die Amis auch keine Deppen waren, als sie Trump wählten. Nur bei uns Deutschen darf man schon fragen, was in den Unions-Wählern vorging. Aber so dreist gelogen wie im Wahlkampf von Merz wurde wohl noch nie ... immerhin etwas, womit Merz & seine Union neue Maßstäbe gesetzt haben.
Im Übrigen hat @Arvid, #14. April 2026 13:54, nicht unrecht. Es ist schon eine beachtliche, kulturell-hegemoniale Leistung der Orban-Ära, wenn man konservativ-rechts-patriotisch nur mit konservativ-rechts-patriotisch weg bekommt. Wie ich geschrieben habe: Davon können wir in D nur träumen.

Platon

14. April 2026 18:41

Der Artikel spiegelt eine ausgezeichnete Analyse der politischen Niederlage Orbans wider und sollte Mahnung sein, sich endlich auf sich selbst zu besinnen. "Hilf dir selber: dann hilft dir noch jedermann." Die Zeit Orbans war abgelaufen und er hatte es versäumt, einen geeigneten Nachfolger aufzubauen. Er handelte also wie alle Machtmenschen, die von dieser Droge Macht nicht ablassen können. Ihm am Ende – nach 16 Jahren: s. Merkel! – noch zu huldigen, wie dies Vance oder Weidel taten – zeugt von wenig politischem Fingerspitzengefühl. Nach 8 Jahren sollte Schluss sein.
Sinnbildlich – nämlich für Dekadenz – wird hier im Artikel die Leibesfülle erwähnt, nun, man nehme sich ein Beispiel an einer gewissen Politikerin, die jetzt Halbmarathon läuft. An Wohlstandsverwahrlosung zu scheitern, ist kein Privilgium der Linken oder der Extremisten der Mitte. Das Äußere macht das Innere nur überdeutlich sichtbar. Die Grüne z. B. hat es verstanden, Orban und einige andere nicht.

Franz Bettinger

14. April 2026 18:51

Orban’s Fidesz hat beim popular vote 38,4% der Stimmen erreicht. Das ist nicht gering & drastisch anders als die Verteilung der Parlaments-Sitze (27,6 % für Fidesz). Nur das von Orban neu eingeführte und nun zurückfeuernde Mehrheits-Wahlrecht lässt (wie in GB & USA) die Wahl wie einen Erdrutsch aussehen. Hinzu kommt das perfide, GB abgekuppferte „gerrymandering“, das heißt ein willkürlicher Zuschnitt der Wahlkreise. 

Majestyk

14. April 2026 19:03

@ Mitleser2:
Das Imperium schlägt zurück. Auch interessant, daß sich Meloni nun endlich selber demaskiert. In Europa gibt es einfach keine ernstzunehmende Opposition gegen das globalistische Linkssystem, die trotzdem prowestlich ist und nicht pro China oder pro Islam. Und wo doch, schießt sich die Opposition stets selber ins Knie. 

Le Chasseur

14. April 2026 19:34

"Sinnbildlich – nämlich für Dekadenz – wird hier im Artikel die Leibesfülle erwähnt, nun, man nehme sich ein Beispiel an einer gewissen Politikerin, die jetzt Halbmarathon läuft. An Wohlstandsverwahrlosung zu scheitern, ist kein Privilgium der Linken oder der Extremisten der Mitte. Das Äußere macht das Innere nur überdeutlich sichtbar. Die Grüne z. B. hat es verstanden, Orban und einige andere nicht."
Wobei Ricarda Lang das auch erst geschafft hat, nachdem sie kein Spitzenamt mehr inne hatte. Bei Fischer war's andersrum: Als Marathonläufer als  Außenminister gestartet, dann schnell wieder moppelig, weil weniger Zeit fürs Training und mehr Stress, der dann vermutlich auch durch Essen kompensiert wurde.

Laurenz

14. April 2026 19:39

@Le Chasseur ... "steht Magyar eigentlich zu einem EU-Beitritt der Ukraine?" ... Ist das eine rhetorische Frage? Hier finden wir das geo-politsche Paradoxon in der EU. Wenn wir davon ausgehen, daß die EU nur deshalb existiert, weil es Netto-Zahler gibt, ist das der entscheidende Faktor. Historisch gibt es dafür nur den Vergleich zur Osterweiterung der EU durch Schröder. Bis dahin erhielt Portugal als Netto-Emüfänger 15 Mrd. Deutschmark p.a. (andere Quellen behaupten 6-7 Mrd. Deutschmark), welche mit der Osterweiterung sofort nach Osteuropa flossen. Das löste in Portugal eine Wirtschaftskrise aus, die sich gewaschen hatte. Die 15 Mrd. Deutschmark entsprechen heute inflationsbereinigt 12,3 Mrd. Euro. Das portugiesische BIP/GDP stieg rein statistisch, weil der Durchschnitt der EU durch die Osterweiterung sank, was eben den geringeren Förderanspruch generierte. Durch den Corona-Aufbau Fond erhält Portugal aktuell insgesamt 3-4 Mrd. € netto. Polen ist aktuell & nominal der größte Profiteur mit Netto-Zuschüssen von ca. 8,1 Mrd. Euro. Würde die Ukraine der EU beitreten, so gibt es ein BIP-Cap, was die Nettozuwendungen der EU auf ca. 27 Mrd. p.a. zugunsten der Ukraine begrenzen würde. Somit sind die Freunde der Ukraine, wie Polen & das Baltikum die größte Gegner eines EU-Beitritts der Ukraine, aber das trifft mutmaßlich für alle Netto-Empfänger zu. Stalin von der Leyen wird das völlig egal sein.

Laurenz

14. April 2026 19:43

@Platon ... Sie dürfen natürlich gerne, wie HB, für eine spartanische Lebensart werben. Aber dämliche Urteile zu fällen, können Sie uns ersparen. Der mutmaßlich korrupteste Ministerpräsdent in der Deutschen Nachkriegsgeschichte, Franz-Josef Strauß, hob Bayern aus der Armut zum erfolgreichsten Bundesland Deutschlands. Da müßten sich ja alle Schlankis jetzt mal eine richtige Wampe anfressen, wenn sie mit Strauß mithalten wollen, oder, Sie Flachwitzbold?

RMH

14. April 2026 19:45

"Die Grüne z. B. hat es verstanden,"
@Platon, was genau hat sie verstanden? Wie man gezielt eine mit Bundestags-Diäten gepamperte 2.0 Comeback- Strategie für "höhere Posten" aus der 2. Reihe aus aufbaut? Rein inhaltlich hat die Gewichtsabnahme leider nicht zu einer Niveau-Zunahme geführt. Immer noch der gleiche Klima-Kult, das sich auf jedes Thema setzen, das (NLP-) Rhetorik-Arme & Hände Fuchteln beim Reden etc., jetzt garniert mit der Attitude, "man hört ja zu und habe ja (angeblich) gelernt" (was? Und wenn ja, hat man es auch begriffen und ernsthaft etwas geändert?). 
Wenn schlank werden so wenig bringt, dann "lasst dicke Männer um mich sein" (Shakespeare).

Mitleser2

14. April 2026 20:00

@karl Otto: "Dass das U-Boot der Ruschisten in Europa versenkt wurde ist in jedem Fall zu begrüßen." Sie jubeln also zusammen mit vdL und Soros und Konsorten?
Was besseres fällt Ihnen nicht ein? Deutschland braucht einen Ausgleich mit Russland. Der unverdächtige Henry Kissinger wusste das schon 2014: "Eine Dämonisierung Putins ist keine Politik". 

Marcus AC Severus

14. April 2026 20:43

Orban hat lange durchgehalten und viel für die westliche Rechte getan. Das bleibt sein Verdienst.