Fuchs, Löwe, Anarchotyrannei

Kaplaken 102, Anarchotyrannei von „Schattenmacher", war nach wenigen Wochen ausverkauft – die 2. Auflage ist im Druck. Bestellen kann man den Essay hier.

Der Text ist ein scharfer Diskussionsbeitrag. Angeregt von Emilietta Beall wollen wir deshalb wieder einmal eine Leserdiskussion führen – und zwar nicht nur mittels Kommentierung unter diesem Beitrag.

Wer also Schattenmachers Bändchen las und weiterführende, zustimmende oder ablehnende Gedanken dazu formulieren will, die über das Maß eines Kommentars hinausgehen, sendet sie bitte an [email protected]. Wir veröffentlichen, wenn die Qualität paßt.

 

Anar­cho­ty­ran­nei? Eine wich­ti­ge Debat­te! Auf­takt: Emi­li­et­ta Beall

In Anar­cho­ty­ran­nei legt der bis­lang durch You­Tube-Vide­os und Vor­trä­ge bekann­te „Schat­ten­ma­cher“ dar, wie es zu einer unhei­li­gen Ver­schrän­kung von „Anar­chie“ und „Tyran­nei“ in der heu­ti­gen Bun­des­re­pu­blik und ande­ren west­li­chen Staa­ten kom­men konn­te – und wie ein Aus­weg aus die­sem Zustand aus­se­hen könnte.

Zunächst wer­de ich den Argu­men­ta­ti­ons­weg des Essays skiz­zie­ren, dann eini­ge Fra­gen an den Autor for­mu­lie­ren und zuletzt eini­ge wei­ter­füh­ren­de Gedan­ken darlegen.

Der Argu­men­ta­ti­ons­weg

Anar­cho­ty­ran­nei – Als „Tyran­nei“ wird die Auf­kün­di­gung eines (grund­sätz­lich immer fra­gi­len) Frie­dens zwi­schen Regie­rung und Regier­ten „von oben” bezeich­net. Die­se zeich­ne sich durch eine zuneh­men­de Zudring­lich­keit obrig­keit­li­cher Insti­tu­tio­nen aus, durch Will­kür, Kom­pro­miß­lo­sig­keit und gewalt­sa­me Unterdrückung.

Anar­chie hin­ge­gen bezeich­net hier „das Ende des Frie­dens von unten”, wor­aus ein Kampf aller gegen alle resul­tie­re, eine unvor­her­seh­ba­re, von pri­mi­ti­ver Gewalt gepräg­te Lage, der kei­ne über­ge­ord­ne­te Auto­ri­tät mehr Herr zu wer­den vermag.

Eine gleich­zei­ti­ge Exis­tenz bei­der Zustän­de scheint schwer denk­bar. Der Schat­ten­ma­cher führt nun aus, inwie­fern wir es aber tat­säch­lich mit solch einem para­do­xen Zustand zu tun hät­ten: Wäh­rend staat­li­che Insti­tu­tio­nen immer mehr Befug­nis­se erlang­ten, um auf das Leben der Bür­ger zuzu­grei­fen und dies auch in unbarm­her­zi­ger Wei­se täten, gli­che der All­tag im öffent­li­chen Raum zuneh­mend anar­chi­schen Zuständen.

Zustän­de wie das komö­di­an­tisch anmu­ten­de Maß­nah­men­ge­tue um den Dro­gen­um­schlag­platz „Gör­lit­zer Park”, die gro­tesk gerin­gen Stra­fen für schwers­te Gewalt­straf­ta­ten und im Kon­trast hier­zu der dra­ko­ni­sche Zugriff der Staats­macht bei „Mei­nungs­de­lik­ten” sind nur durch die links­pro­gres­si­ve Ideo­lo­gie der Eli­ten erklär­bar. Die­se durch­drin­ge die Hoch­schu­len gänz­lich und las­se begrei­fen, wes­halb Ent­schei­dungs­trä­ger und Medi­en­leu­te oft mit devi­an­ten Milieus sympathisierten.

Die­se oft eth­nisch, kul­tu­rell und reli­gi­ös „diver­si­fi­zier­ten” Grup­pen ersetz­ten eben­so wie geschlecht­lich und sexu­ell abwei­chen­de Min­der­hei­ten im heu­ti­gen lin­ken Welt­bild die Arbei­ter­klas­se als Trieb­kraft der Revo­lu­ti­on. Somit ver­lei­he es Poli­ti­kern, Juris­ten und Exper­ten aller Art eine hei­li­gen­de Teil­nah­me am Pro­jekt der revo­lu­tio­nä­ren Befrei­ung, die­se Grup­pen bevor­zugt zu behan­deln, und sei, ange­sichts der his­to­ri­schen Schuld der eige­nen Mehr­heits­ge­sell­schaft, bloß aus­glei­chen­de Gerechtigkeit.

Der Schat­ten­ma­cher macht nun deut­lich (und hier weicht er ab von gän­gi­gen Deu­tun­gen des außer Rand und Band gera­te­nen Zeit­ge­sche­hens), daß ideo­lo­gi­sche Ver­blen­dung allein nicht hin­reicht, um das zer­stö­re­ri­sche Ver­hal­ten der gesell­schaft­li­chen Eli­ten zu erklären.

Unter Rück­griff auf den poli­ti­schen Den­ker Samu­el Fran­cis, der den Begriff der „Anar­cho­ty­ran­nei” präg­te, wird pos­tu­liert, daß ein auf Ideen beru­hen­des Herr­schafts­sys­tem nur dann über län­ge­re Zeit bestehen kön­ne, solan­ge die­ses Sys­tem auch den mate­ri­el­len Grund­la­gen der herr­schen­den Klas­se zugu­te kom­me. Der Schat­ten­ma­cher führt über­zeu­gend aus, daß mit der Indus­tria­li­sie­rung und der damit ein­her­ge­hen­den Ver­mas­sung der Gesell­schaft neue Fer­tig­kei­ten und Cha­rak­ter­ty­pen not­wen­dig wur­den und sich durchsetzten.

Es sind dies die Mana­ger, die Ver­wal­ter, die nun jeden Bereich des Lebens orga­ni­sier­ten, sei es in der Wirt­schaft, wo sie die Grün­der­ge­nera­ti­on der gro­ßen klas­si­schen Unter­neh­men ersetz­ten, im Sozi­al­we­sen wie auch über­all sonst.

Von den bei­den Cha­rak­ter­ty­pen, die in gesell­schaft­li­chen Eli­ten anzu­tref­fen sei­en, setz­ten sich die von Machia­vel­li so benann­ten „Füch­se” im soge­nann­ten „Mana­ge­ria­lis­mus” gegen die „Löwen” durch. Die Füch­se sind lis­tig, rhe­to­risch gewandt und streb­ten nach einer Ver­bes­se­rung der Men­schen durch ver­bes­ser­te Umstän­de. Ver­wal­tung und künst­le­ri­sche Aus­ge­stal­tung des Staa­tes lie­gen ihnen.

Die Löwen hin­ge­gen wer­den als mutig, auf Ehre bedacht, als Erobe­rer und als erfolg­reich im Kriegs- und Poli­zei­be­reich beschrieben.

Die zen­tra­le The­se lau­tet nun, daß die füch­si­schen Mana­ger „Kom­ple­xi­tät und Wan­del” benö­tig­ten, um ihre eige­ne beruf­li­che Exis­tenz zu recht­fer­ti­gen. Im Zuge der Indus­tria­li­sie­rung wur­den sie auf­grund der neu­en Her­aus­for­de­run­gen zur domi­nan­ten Klas­se und haben seit­her ein Inter­es­se dar­an, Ver­hält­nis­se auf­recht zu erhal­ten, die einer spe­zia­li­sier­ten und stets wach­sen­den Ver­wal­tungs­eli­te bedürfen.

Die­ser Vor­gän­ge, so führt der Schat­ten­ma­cher aus, sind sich die meis­ten Füch­se bzw. Admi­nis­tra­to­ren von Infor­ma­ti­on, wie man die­se Grup­pe auch cha­rak­te­ri­sie­ren kann, gar nicht bewußt. Sie hän­gen im Gros dem links­li­be­ra­len Pro­gres­si­vis­mus an, und um obi­ge Mecha­nis­men wir­ken zu las­sen, reicht der qua­si evo­lu­tio­nä­re Grund­satz, daß in einer Eli­te nie­mals Ideen wirk­mäch­tig wer­den kön­nen, die den Bestand die­ser Eli­te gefähr­den würden.

Da die Gesell­schaft des 21. Jahr­hun­derts tat­säch­lich kom­plex und der hohe Ver­wal­tungs­be­darf somit durch­aus real ist, ist eine blo­ße nai­ve Rück­kehr in die vor-mana­ge­ria­le Ära kaum mög­lich. Zudem wären auch vie­le Kri­ti­ker des Sys­tems nicht bereit, auf die Annehm­lich­kei­ten der durch­ver­wal­te­ten Welt zu ver­zich­ten, wie etwa auf Sozi­al­ver­si­che­rung, das Bil­dungs­sys­tem und die dau­ern­de Ver­füg­bar­keit hoch­spe­zia­li­sier­ter Konsumgüter.

Was bleibt? Roh­stoff­kri­sen könn­ten einen lang­fris­ti­gen gesell­schaft­li­chen Para­dig­men­wech­sel aus­lö­sen. Die Löwen­ty­pen, deren Empor­kom­men inner­halb der Eli­ten bis­lang aus gutem Grund ver­hin­dert wird, soll­ten über­neh­men und das Schiff in gedeih­li­che Gewäs­ser steu­ern. Das kön­nen bereit­ste­hen­de Indi­vi­du­en und Grup­pen aus den Rei­hen der Rech­ten sein, oder sol­che Cha­rak­te­re, die sich bis eben doch noch in den Insti­tu­tio­nen der Exe­ku­ti­ve gehal­ten haben und nun bereit­ste­hen. Die Idee eines vom Popu­lis­mus getra­ge­nen gro­ßen Ein­zel­nen, der mit Getreu­en an sei­ner Sei­te wirk­sam auf­räumt, wird eben­falls erwogen.

Dis­kus­si­on

An die­ser Stel­le nun möch­te ich eini­ge Fra­gen for­mu­lie­ren, die sich für mich aus die­ser strin­gen­ten, fes­seln­den Ana­ly­se erge­ben. Mögen der Schat­ten­ma­cher selbst und ande­re Den­ker des rech­ten Lagers die­se aus­füh­ren, beant­wor­ten oder für nich­tig erklären:

1. Wel­chen Stel­len­wert hat die Errin­gung kul­tu­rel­ler Hege­mo­nie im hier vor­ge­stell­ten Konzept?

Der eli­ten­theo­re­ti­sche Ansatz, der hier über­wie­gend ver­folgt wird, scheint mir in deut­li­cher Oppo­si­ti­on zum Rechts­g­ramscia­nis­mus zu ste­hen, der auf den Gedan­ken der Meta­po­li­tik setzt: Poli­ti­sche Macht basie­re auf der vor­he­ri­gen Errin­gung von Hege­mo­nie im vor­po­li­ti­schen Raum.

In Anar­cho­ty­ran­nei kommt die­ser Raum im Grun­de gar nicht vor – oder nur als nicht wei­ter erör­ter­ter Ort der Dis­si­denz jener Hoff­nungs­trä­ger, die das Ruder noch her­um­rei­ßen könn­ten. Alle ande­ren schei­nen ledig­lich eine Art belie­bi­ge Ver­schie­be­mas­se der mit ihnen nicht wei­ter ver­bun­de­nen Eli­ten zu sein. Wo kom­men also die­se Eli­ten her? Wo bil­den sich ihre Begrif­fe? Wie erklä­ren sich his­to­ri­sche Umbrü­che der Ver­gan­gen­heit ohne ein Kon­zept von kul­tu­rel­ler Hege­mo­nie? Wären dem­nach Ereig­nis­se wie die Fran­zö­si­sche oder die Rus­si­sche Revo­lu­ti­on ledig­lich von oben orches­triert, die Mas­sen­phä­no­me­ne bloß „geas­tro­tur­fed“? Dar­aus ergibt sich Fra­ge 2:

2. Wel­che Rol­le spie­len die Nicht-Eli­ten, und in wel­chem Ver­hält­nis ste­hen Eli­ten und „der Rest” zueinander?

3. War­um blei­ben die Eli­ten nicht immer die­sel­ben? Das Auf­kom­men des Mana­ge­ria­lis­mus selbst ist ein Bei­spiel für einen Aus­tausch der Ent­schei­der­klas­se – kei­ne radi­ka­le und voll­stän­di­ge Erset­zung, aber einen signi­fi­kan­ten Wan­del. Wie kann die­ser über­haupt statt­fin­den, wenn hin­ter jeder poli­ti­schen Bewe­gung eben letzt­lich „die Eli­ten“ ste­hen, und wei­ter nichts und nie­mand? Ohne einen Wan­del der gesell­schaft­lich rele­van­ten Dis­kur­se wäre auch der Mana­ge­ria­lis­mus nicht in sei­ne jet­zi­ge Macht­po­si­ti­on gelangt.

4. Stimmt es, daß der Mana­ge­ria­lis­mus in sei­ner Aus­deh­nung und ideo­lo­gi­schen Domi­nanz regu­lier­bar, aber nicht gänz­lich umkehr­bar ist, wie es auch der Autor selbst feststellt?

5. Läßt sich die Dege­ne­ra­ti­on des Mana­ge­ria­lis­mus grund­sätz­lich ver­hin­dern, oder läuft es maxi­mal auf ein „alle paar Jahr­zehn­te“ auf-den-Tisch-hau­en hin­aus, weil die Ten­denz zur Anar­cho­ty­ran­nei unaus­weich­lich ist?

6. Leben wir tat­säch­lich in einer Anar­cho­ty­ran­nei? Die­se 6. Fra­ge stellt kei­nes­wegs die grund­sätz­li­che Schlüs­sig­keit der Ana­ly­se in Fra­ge. Sie zielt viel­mehr dar­auf ab, daß die aller­meis­ten Bun­des­bür­ger völ­lig ver­blüfft wären ange­sichts sol­cher Behauptungen.

Der „Nor­mie“ erlebt weder täg­lich eth­nisch kon­no­tier­te Kon­flik­te noch irgend­wel­che Repres­sio­nen. Vie­le Mil­len­ni­al-Eltern in nor­ma­len bis geho­be­nen beruf­li­chen Posi­tio­nen haben noch nie von den Zustän­den in gewis­sen Frei­bä­dern gehört, und es inter­es­siert sie auch nicht. Wie anar­chisch und wie tyran­nisch ist es somit wirk­lich? Und ist das Sys­tem mög­li­cher­wei­se robust genug, um es eben nicht soweit eska­lie­ren zu las­sen, daß wirk­lich kei­ner mehr die Augen ver­schlie­ßen kann?

Daß es hun­dert Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gun­gen am Tag gibt anstel­le von zwei, daß tat­säch­lich jeder dis­si­den­te Post eine Straf­ver­fol­gung wegen Haß­re­de aus­löst? Die apo­li­tisch-lin­ke Mit­tel­schicht ent­zieht sich bis­lang recht erfolg­reich der Ein­sicht – wie kann das sein, wenn wir doch in Anar­chie und Tyran­nei leben?

7. Bestimmt das Sein nun doch das Bewußt­sein, wie es die mate­ria­lis­ti­sche Welt­an­schau­ung behaup­tet? Den Aus­füh­run­gen des Schat­ten­ma­chers ent­nahm ich, daß die links­pro­gres­si­ve Welt­an­schau­ung zwar prä­gend und als Leit­ideo­lo­gie des Estab­lish­ments auch rele­vant ist, aber letzt­lich das Sys­tem nicht fun­die­ren kann, die Basis der Selbst­er­hal­tung müs­se stets eine mate­ri­el­le sein. Wie weit ent­fernt ist man selbst mit die­ser Ansicht vom mar­xis­ti­schen Dik­tum, die Geschich­te sei eine Geschich­te von Klas­sen­kämp­fen? Eine Grup­pe schlägt sich stets auf Kos­ten aller ande­ren den Bauch voll, bis es denen auf­fällt, und sich dann die nächs­te Grup­pe an den Freß­topf drängt?

8. Woher kommt die pro­gres­si­ve Welt­an­schau­ung bzw. der Kul­tur­mar­xis­mus? Eine evo­lu­tio­nä­re Erklä­rung in dem Sin­ne, daß sich die­se durch die Aus­le­se ande­rer, der Selbst­er­hal­tung des Mana­ge­ria­lis­mus weni­ger dien­li­cher Ideen  her­aus­ge­bil­det habe, scheint unzu­rei­chend. Ein Mana­ge­ria­lis­mus ohne Links­pro­gres­si­vis­mus ist denk­bar und auch his­to­risch real.

Eige­ne Gedan­ken dazu

Soweit mei­ne Fra­gen. Zum Abschluß möch­te ich eini­ge Gedan­ken skiz­zie­ren, die weit ent­fernt von einem strin­gen­ten Kon­zept sind. Es sind Ent­wür­fe, Frag­men­te, Wegmarken.

Die Gewalt ist kei­nes­wegs das mäch­tigs­te Mit­tel der poli­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung. Tota­li­tä­re Regime kamen nicht an die Macht, weil sie bereit waren, Gewalt anzu­wen­den, son­dern weil ihre Gewal­ter­zäh­lung dem damals domi­nan­ten Zen­tral­ge­biet entsprach.

Macht hat, wer die domi­nie­ren­de Geschich­te über Gewalt erzählt. Ob das im Poli­ti­schen die Ver­hän­gung des Aus­nah­me­zu­stands ist (Carl Schmitt), oder jedes media­le, juris­ti­sche, päd­ago­gi­sche und sons­ti­ge Nar­ra­tiv über die Legi­ti­mi­tät der Anwen­dung von Gewalt. Der Typus der „Füch­se“ ver­fügt durch­aus über Gewalt und wen­det sie auch an. Ihre Erzäh­lun­gen ent­schei­den der­zeit, wann Gewalt wie wirkt, und wann und wie sie über­haupt zum Ein­satz kom­men darf.

Ein Atten­tat kann in der einen Geschich­te ein fol­gen­lo­ses, bana­les Blut­ver­gie­ßen sein, bei dem hin­ter­her einer tot und ein ande­rer ein­ge­sperrt ist. Unter ande­ren Para­dig­men, etwa in Pha­sen der Spät­an­ti­ke, war es ein eta­blier­tes Mit­tel der Mach­t­er­lan­gung. Im Mit­tel­al­ter gab es recht wag­hal­si­ge Ver­schwö­run­gen, um sich in den Besitz einer bestimm­ten Kro­ne zu brin­gen – weil die­se Kro­ne Herr­schaft und damit Gewalt legi­ti­mier­te und den Anspruch eines Thron­prä­ten­den­ten erheb­lich stärk­te. Nicht, wer ein Schwert nimmt und zuschlägt, hat die Macht. Wer die Kro­ne hat, hat die Macht. Und die Kro­ne ist die „Gewal­ter­zäh­lung“. Ohne die Kro­ne wird ein noch so ent­schlos­se­ner Griff nach der Exe­ku­ti­ve pein­lich scheitern.

Wel­che Erzäh­lung tra­gend wird und funk­tio­niert, ist stets abhän­gig vom gül­ti­gen Zen­tral­ge­biet der jewei­li­gen Epo­che. Nach Rolf Peter Sie­fer­le sind die Zen­tral­ge­bie­te jeweils die Kon­flikt­be­rei­che, die in einer bestimm­ten his­to­ri­schen Pha­se als ent­schei­dend ange­se­hen wer­den, wäh­rend alle ande­ren Fel­der als Pri­vat­sa­che gel­ten. Nur ein Bei­spiel: Im 19. Jahr­hun­dert wur­de die Öko­no­mie zum ent­schei­de­nen Zen­tral­ge­biet, wäh­rend Fra­gen der Meta­phy­sik in den Hin­ter­grund traten.

War­um ist dies bedeut­sam für die Aus­ein­an­der­set­zung mit der „Anar­cho­ty­ran­nei“? – Nun, weil nur eine dis­si­den­te Bewe­gung his­to­risch ange­mes­sen wach­sen kann, die die ent­schei­den­de Erzäh­lung auf­spürt, das kom­men­de Zen­tral­ge­biet, das Feld, auf dem sich alles ent­schei­den wird, und somit auch die „Gewal­ter­zäh­lung“, die künf­ti­ge Krone.

Ich glau­be, daß das Leben selbst die­ses Zen­tral­ge­biet sein wird. Schon jetzt stüt­zen sich lin­ke Gewalt­nar­ra­ti­ve mehr und mehr auf Erzäh­lun­gen von Leben und Tod. Im Kampf um das Leben­di­ge wird eine Zukunft erwach­sen, oder es wird kei­ne geben. Und eine Grup­pe ent­schlos­se­ner Män­ner, die zur Gewalt bereit ist, aber die Hege­mo­nie über die Gewal­ter­zäh­lung nicht errun­gen hat, wird eine tra­gi­sche Rand­no­tiz bleiben.

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Kommentare (55)

Maiordomus

21. April 2026 17:57

Der Text tönt wie ein Aufruft zur Bereitschaft zum Bürgerkrieg, mit der analogen Mentalität derjenigen, die in der Tat von linker Seite bei einem Machtwechwel zu allem fähig wären. Einen solchen Text mit einem solchen Ton kann man aus der Sicht einer vernünftigen europäischen Rechten nicht gebrauchen. Noch eindrucksvoll immerhin die neueste Wortmeldung von Krah im Bundestag, Ungarn betreffend.  Gerne hoffe ich, dass Weidel und Chrupalla die Nerven behalten. Mit extremistischem Rechts-Gramsciismus können keine Probleme gelöst werden. Im übrigen aber bleibt es wohl dabei, dass Merz und Co. die unfähigste deutsche Regierung seit 1945 darstellen, desgleichen in der EU die Tochter des von mir einst noch geachteten Ernst Albrecht, auf den ich seinerzeit einen ehrenwerten Nachruf verfasste, in die selbe merkeloide Kategorie zu gehören scheint. Bei denjenigen im bürgerlichen Lager, die es besser wüssten, fehlt es zumal an Charakter. Das macht guten Rat fürwahr teuer. Leider wird wohl auch der via sich selber designierende neu-uralte Chef der FDP in keiner Weise in der Lage sein, den Karren aus dem Dr....  zu ziehen. Es haben allzu viele aus dem Establishment offenbar noch zu viel zu verlieren.        

thoma

21. April 2026 21:25

Die Fragen sind berechtigt, da die gesamte Konstruktion weder sonderlich historisch ist, noch irgendwas international erklärt. 
Was hier beschrieben wird, ist die Realität eines mehr oder weniger funktionierenden lateinamerikanischen Staates. Wenn man es sich sozial nicht mehr leisten kann oder will, ufert die gewalt eben aus, und man greift chirurgisch mit Hilfe von Polizei und Militär ein, wenn es mal ausufert.
Angesichts des Konkurrenzdrucks wird man eben auch im Westen neidisch und baut entsprechend in die Richtung. 
Aber die Rechte braucht stets ihre Heldengeschichten des moralischen Verfalls, bei der die Löwen überlistet wurden - ohne materielle Grundlagen. Mit einer wahrscheinlich herangetragenen Lösung Militär und Polizei flächenartiger einzusetzen.

fw87

21. April 2026 22:08

Frage 4 halte ich für sehr berechtigt. Es ist fast ein Mantra in konservativen und rechten Kreisen, dass bestimmte negative Prozesse unumkehrbar sind. Was für eine Perspektive soll es aber sein, diese Prozesse nur zu verlangsamen, sie einzuhegen, nicht aber selbst eine gestaltende politische Macht zu sein? Die Einstellung, dass bestimmte Zustände nicht mehr revidierbar sind, muss jeder politischen Bewegung zwangsläufig die Stoßkraft nehmen. Die Vorstellung, lediglich der Klotz am Bein von linken oder anderen sich progressiv nennenden Kräften zu sein, hat sehr wenig anziehendes. Rechte und Konservative sind so die ewigen Verlierer, da stets die anderen die Marschrichtung vorgeben.
Selbstverständlich können alle vom Menschen geschaffenen politischen Zustände auch wieder vom Menschen revidiert und völlig neu entworfen werden. Man braucht nur den politischen Willen dazu. Nicht zuletzt die Corona-Zeit hat deutlich gemacht, dass die meisten ohne Widerstand bereit sind auf ihren gewohnten Lebensstil und Vergnügungen zu verzichten, sobald es politisch gefordert wird. Ich war zu dieser Zeit erstaunt, wie einfach das geht. 
Dass der heutige Verwaltungsstaat tatsächlich so viele Annehmlichkeiten mit sich bringt, glaube ich nicht. Er mag ein Problem lösen und schafft dabei 10 neue. Glücklich macht unsere linke Bürokratie die Menschen jedenfalls nicht. Insofern bin ich optimistisch, dass man hier sehr leicht und ohn großen gesellschaftlichen Widerstand eine weitreichenden Rückbau umsetzen könnte. 
 

Marcus AC Severus

21. April 2026 22:37

Ist die Entwicklung des menschlichen technischen Fortschritts nicht in eine evolutionäre Richtung bedingt, dass alles komplexer und vielfältiger wird, zeitgleich die Instrumente der Kontrolle immer maximaler?

Le Chasseur

21. April 2026 22:49

"Die Idee eines vom Populismus getragenen großen Einzelnen, der mit Getreuen an seiner Seite wirksam aufräumt, wird ebenfalls erwogen."
Hatte mal gehofft, Salvini könnte so ein großer Einzelner sein: https://www.youtube.com/watch?v=bJPrccni5SQ
Tja...

thoma

22. April 2026 06:18

Es ist interessant wie Erzählungen der amerikanischen Rechten kritiklos übernommen werden. Das neunzehnte Jahrhundert als eine Art "unsere kleine Farm" und dann kam die böse Linke mit dem Verwaltungsstaat und zerstörte das Paradies.
Das mag für die USA als Mythos funktionieren, um libirtaere Ideen zu verkaufen. Aber auf Deutschland bezogen wird es gänzlich absurd. Man möchte schon daran erinnern, dass es kaum die List irgendwelcher Eliten  war, sondern das Ergebnis konkreter Kämpfe von unten. Von oben akzeptierte man es aus Angst vor der roten Gefahr - und nicht ohne Blutvergießen.

Pit

22. April 2026 06:38

Für mich ist Selbstbestimmung das Entscheidende. Diese Selbstbestimmung wird verletzt durch Manipulation, Lügen, Gewalt. Wo Selbstbestimmung herrscht, können sich die Menschen leicht selbst organisieren (ich habe Zweifel, ob Rechte Selbstbestimmung respektieren... mir scheint immer, daß Zwang bei ihnen einen hohen Stellenwert hat).

emilietta

22. April 2026 06:46

Lieber Maiordomus,
lesen Sie die Bereitschaft zum Bürgerkrieg aus dem von mir paraphrasierten Essay des Schattenmachers heraus, oder aus meinem hier vorliegenden Text? Ich selbst äußere ja Skepsis an der Sinnhaftigkeit einer Tag X-Strategie, lese aber auch aus dem vorliegenden Kaplakenbändchen keine Bürgerkriegsstimmung heraus. Vielmehr geht, so scheint mir, der Schattenmacher davon aus, dass im Moment, indem eine neue Exekutive ans Ruder tritt, diese von einer populistischen Welle der Zustimmung getragen wird. Der Rechts-Gramscismus, der ja auf eine Verankerung von Begriffen und Diskursen abzielt, ist gerade eben nicht extremistisch. 

emilietta

22. April 2026 07:45

Lieber thoma,
so, wie ich den Schattenmacher verstanden habe, ist er eben gerade nicht der Meinung, dass die Entmachtung der Löwen einem moralischen Verfall geschuldet sei, sondern sie wird ja aus einer materiellen Notwendigkeit heraus erklärt, nämlich, dass es eben diese Managerklasse brauchte, um der Industriegesellschaft Herr zu werden. Die Lösung, mithilfe der Polizei usw. das Schlimmste zu verhindern, ist natürlich nur Kosmetik, möglicherweise aber auf Dauer gestellt, wenn man sich ansieht, wie große Teile unseres Volkes nicht einmal das Problem der "Anarchie" wahrnehmen. 

Mitleser2

22. April 2026 08:49

Ich denke, Punkt 6 ist der Entscheidende. Solange 70 % die Blockparteien des Weiter-so wählen, und die Masse der vielen Nichtwähler offensichtlich indifferent ist, bleiben diese Thesen (noch) reine Theorie. Allerdings ist eine größere Wirtschaftskrise absehbar. Diese kann alles ändern.

RMH

22. April 2026 08:53

Ich persönlich hatte & habe meine Zweifel am Konstrukt des "Rechts-Gramscismus". Zum einen, weil es der Versuch ist, einen vermeintl. linken Erfolg zu kopieren auf eine der linken konträre Gedankenwelt. Als Folgefrage stellt sich dann immer, ist es wirklich linker Erfolg, der als negativ gesehen wird? Der "far-right"- wing trifft sich an dieser Stelle bekanntermaßen mit der Linken, da für beide der "Liberalimus" & der "Kapitalismus" die wahren Verursacher seien. Daher auch die bekannten Schnittmengen. Selbst wenn man den "Rechts-Gramscismus" als Werkzeug ansieht (wobei ich diese Art der Vernutzung schon wieder per se ablehne, ein bisschen Totalitarismus, auf den sich kulturelle Hegemomie reduzieren lässt, soll also gut sein, wenn es "unser" Totalitarismus ist), scheitert er daran, dass Gramsci noch ganz zeitgemäß von einer weitestgehend vorh. kulturellen Homogenität in Europa ausging. Heute muss man die kult. Hegemonie nicht nur über Rest-Deutsche, gespalten in Ost-West Prägungen, sondern über dutzende andere Kulturen erringen, was nicht möglich ist. Eine Anarchotyrannei ist Folge der faktischen Pluralität der Parallelgesellschaften. Die einen (biodeutsche vornehml.) kann der Staat noch packen, die anderen machen anarchisch ihr Ding.

Maiordomus

22. April 2026 10:16

@Emilietta. Sie mögen recht haben mit dem Rechts-Gramsciismus, natürlich sind das interessante Gedanken, aber unter den gegenwärtigen Bedingungen und mit dem gegenwärtigen Personal schwer in die Praxis umzusetzen.  Von Bedeutung bleibt vorläufig, dass man wenigstens unter Bedingungen des Rechtsstaates zum Beispiel in Erfurt noch einen Parteitag anständig durchführen kann. Die Extremisten sind klar auf der anderen Seite positioniert.     

Maiordomus

22. April 2026 10:41

@RMH. Sie ergänzen prima, was ich Frau Emilietta zur Präzisierung meiner eingangs platzierten Ausführungen erläutern wollte. Mein ganzes lebenszeitliches Engagement der vergangenen 70 Jahren, eine frühreife Kindheit inbegriffen, diente dem Aufbau eines Widerstandes gegen eine kulturelle Hegemonie etwa gegeb das, was in Amerika im Sinne der Kritik von James Burnham "liberalism" genannt wurde, in Europa einen sich fortschrittlich wähnenden Pseudo-Sozialismus, von dem sich zum Beispiel auch wertkonservativ orientierte Altlinke und einstige Christlichsoziale distanziert haben. Andererseits war ich zum Beispiel von der Zeitgeistkritik eines Wilhelm Röpke spätestens ab den Sechzigerjahren beeindruckt. Der Zionismus war indes nie meine Richtung, wiewohl aber von zionismusskeptischen jüdischen Intellektuellen über viele Jahre mitbeeinflusst. Etwa Elias Canettis Analysen betr. "Masse" und "Meute", unweit vom Gedankengut eines Ortega y Gasset und Salvador de Madariaga, die ich wie Unamuno als spanische Rechtsliberale und Zeitgeistkritiker einschätze, wohingegen für das 19, Jahrhundert Bonald und de Maistre, aber auch der Schweizer Segesser als für mich beeindruckende Rechtskonservative zu gelten haben. Alles Kulturkämpfer und Antietatisten.     

RMH

22. April 2026 10:54

Ich halte den "Manageralismus" für nichts wesentlich Neues, sondern eher für etwas, was es schon immer gab und sich der Zeit anpasste. Früher waren es in Deutschland eben die Gutsverwalter, die Unteroffiziere bis Nicht-Stabsoffiziere & gehobenen Beamten, die "Meister" in Handwerk & Industrie, sowie der einfache Klerus, welche im wesentlichen das erfüllt haben, was sich jetzt Manager nennen kann, nur meist preiswerter, effizienter & nicht mit dem Pseudo-Adels-Prädikat "Manager" versehen. Überhaupt ist D mit seinem schon immer starken öffentlichen Dienst, wozu früher auch das Militär einschließlich dessen Verwaltung zählte, & seinem stark ausgeprägten Berufsbeamtentum nicht ganz vergleichbar mit anderen Ländern. Der Manageralismus ist in D mithin sehr stark vom Staat her geprägt & seinem bis in Schulen, Universitäten & Justiz hineinreichenden Beamtentum & sonstigem öffentlichen Dienst. Da der Staat von den Parteien bestimmt wird, ist dieser starke, öffentliche Sektor in D auch der maßgebliche "Gesinnungsträger", der sich über staatsnahe Medien Sprachrohre verschafft & nicht die sog. "freie Wirtschaft". Echte, saubere "Gewaltenteilung" gab & gibt es in D daher nicht. Dies sollte in Überlegungen miteinfließen. D ist zudem feudaler  (& wird es immer mehr) als viele Teile der Welt, trotz aller vormaliger Wirtschaftserfolge.

Le Chasseur

22. April 2026 10:58

"Leben wir tatsächlich in einer Anarchotyrannei?"
Ich würde sagen, nein. In der BRD herrschen weder Anarchie noch Tyrannei. Es mag rechtsfreie Räume geben wie den erwähnten „Görlitzer Park”, aber das ist ja kein flächendeckendes Phänomen. Die Gruppenvergewaltigungen gibt es nicht, weil der Staat Vergewaltigungen nicht mehr strafrechtlich verfolgen würde, sondern weil die Täter über keinerlei Impulskontrolle verfügen.
Der Staat verhält sich nicht tyrannisch, sondern zunehmend oppressiv*. Das kann natürlich irgendwann ins Tyrannische übergehen, aber dort sind wir noch nicht. Den Zustand haben wir erreicht, wenn Vermummte vermeintlich Illegale auf offener Straße einfangen und nach einem Höllenknast in El Salvador verfrachten.
*) In diesem Zusammenhang seien die Namen Huseyin Dogru und Jacques Baud erwähnt.

Maiordomus

22. April 2026 12:51

PS. Der Begriff "Managerialismus" stammt direkt oder vermutlich indirekt von James Burnham, der über diesen modernen Typus der kapitalistischen Kultur ein Buch geschrieben hat, noch Jahre vor seinem Werk über  "the suicide of the west", das in der Analyse der Selbstzerstörung zutreffend war, jedoch damals noch allzu sehr auf den Kommunismus als Dokument des Antikommunismus fokusiert.  Immerhin war die Kritik am "liberalism" doch das Wesentliche, einschliesslich dessen, was beim sog. Antirassismus nicht Analyse objektiven Unrechts war, sondern auf Komplexen beruhende Selbstbezichtigung. Gewiss konnte es nicht darum gehen, etwa eine Ideologie wie die von George Wallace zu rechtfertigen, einem vielfach fragwürdigen übrigens nominell demokratischen Südstaatengourverneur. Eher schon wies Burnham dem Triumph des in diesen und anderen Fragen keineswegs ideologischen Rechtsrepublikaner Barry Goldwater den Weg, der trotz einer krassen Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen 1964 erstmals für seine Partei in den Südstaaten teilweise ganz überraschend obsiegen konnte.  

Mitleser2

22. April 2026 13:28

@Le Chasseur: Sie verniedlichen ganz schön. Görli als Einzelfall. "Fehlende Impulskontrolle", daran liegt es also. Geht's noch? Das könnte ja glatt im Spiegel stehen. Und Ihre Abneigung gegen Tump und die USA (Tyrannei!) pflegen Sie auch wieder. Ich würde gerne auch hier Illegale eingefangen sehen.

fischer

22. April 2026 14:51

Die Regelungswut des füchsischen Managers erklärt Tyrannei, nicht die daneben bestehende Anarchie. Eine flankierende Beseelung der Füchse durch die aktuelle Ideologie, die man zur Erklärung heranziehen könnte, mag geringe Strafmaße bei Verfehlungen von Ausländern erklären, nicht aber marode Straßen und dysfunktionale Verwaltung. So ganz geht mir das alles nicht auf.

Gracchus

22. April 2026 15:08

Die Kommentare verraten eine gewisse Ratlosigkeit - ein Indiz für neue Gedanken. Ich selber habe dazu keine abschließende Meinung. Das Streben nach materieller Sicherheit erscheint mir allzumenschlich - das ist noch nicht genuin marxistisch. Punkt 8 erscheint mir die interessanteste Frage: Würde der Managerialismus nicht und nicht besser ohne linksprogressiven Einschlag funktionieren? In Bezug auf "Gleichheit" - das Absehen z. B. von Geschlecht und Rasse - leuchtet mir ein, dass der Managerialismus das linksprogressive Programm adaptiert. 

Gracchus

22. April 2026 15:16

@RMH: Ich bin kein Gramsci-Experte, m. W. bildete die katholische Kirche das Vorbild Gramscis - also ist der Gramsciimus bereits eine Kopie.
Meine Skepsis beginnt da, wo man - willentlich-bewusst - kulturelle Hegemonie erstrebt. Das Bewusstsein bildet schon einen Hemmschuh (kann man bei Nietzsche). So etwas ist nur bedingt planbar (vielleicht mit KI aber immer besser?).
Allerdings kann man sich dem linken Kulturkampf nicht verweigern. Also gibt es keine Alternative zum rechten Gramsciismus. 
Alles andere heißt ja kapitulieren. 

Majestyk

22. April 2026 15:59

Der Bürgerkrieg läuft doch schon, ist an meinem Ende der sozialen Leiter längst spürbar, nur wehrt sich keiner. Sechs Jahre reden seit Coronabeginn hat nicht allzu viel gebracht. Bürgerkrieg heißt ja noch lange nicht Fackeln und Mistgabeln. Die andere Seite läßt ja auch nicht schießen, sondern importiert Migrantifanten oder sorgt für Verblödung oder Verelendung bzw. presst die einfache Bevölkerung aus wie Zitronen. 
Wenn man nicht mit Protesten, Arbeits- und Konsumverweigerung, Beitragsboykott oder ähnlichen Maßnahmen anfängt dieses System zu destabilisieren, den Gegner zu immer unglaubwürdigeren Lügen zwingt, ihn dazu zwingt zu eskalieren wird sich nichts ändern. Irgendwann muß man auch mal entscheiden, ob man wirklich Veränderung will und bereit ist dafür die Komfortzone zu verlassen. Auf die träge Masse braucht man nicht warten, die richtet sich immer irgendwie ein. Angeblich unterstützen 2 Prozent der Kolonisten aktiv die Unabhängigkeitsbewegung in Amerika, bis zu 6 Prozent der DDR-Bürger gingen aktiv auf die Straße (hinterher waren es natürlich fast alle). Die Mehrheit wird die Gegenbewegung nicht unterstützen, aber auch nicht aktiv das System verteidigen. Das wahre Protestpotential sind die 22 Prozent der Bevölkerung, die sich nicht gegen Corona haben impfen lassen und laut 3,5-Prozent-Regel reicht das allemal. 
Ist zwar irisch, paßt als Protestlied aber für alle Länder in der EUdSSR.
 

heinrichbrueck

22. April 2026 16:04

Die Nachkriegsdemokratie kann als Zerstörungskraft wahrgenommen werden. Welches Ordnungsmodell soll es sein?
Das stärkere Eigene wird sich immer durchsetzen. Die Natur hat den Selbsterhaltungstrieb nicht ohne Grund eingeführt. Kollektive Kämpfe sind Zukunftskämpfe, ob bewußt oder unbewußt. 
Maiordomus schreibt: "Es haben allzu viele aus dem Establishment offenbar noch zu viel zu verlieren." Also ist der Komposthaufen noch sehr groß. Es kann sehr viel zerstört bzw. umgewandelt werden. Die neuen Besitzer werden keine Hemmungen haben, ihren Haß ohne Einsichtsprobleme negieren zu wollen. 
Wer sein Volk als eklig empfindet wie ein kollektivloses Atom, hat keine starke Bindung, auch nur einen Funken entfernte Zukunft erhaschen zu können. Seine Gemeinschaft wird keinen einzigen Krieg gewinnen. Hat diese Demokratie ein Zeitproblem? Oder hat sie ein Dummheitsproblem? 

Le Chasseur

22. April 2026 18:15

@Mitleser2
"Sie verniedlichen ganz schön. Görli als Einzelfall."
Ich habe nicht geschrieben, dass der Görlitzer Park ein Einzelfall ist.

Speng

22. April 2026 22:52

Eigentlich wollte ich mich, da ich das Büchlein noch nicht gelesen habe, noch nicht an der Diskussion beteiligen, aber hier mal ein Verweis auf den Artikel, in dem Sam Francis den berüchtigten Begriff im rechten Diskurs etabliert hat. Wurde zwar im Kern im obigen Beitrag kurz angerissen, ein "zurück zu den Quellen" scheint mir hier aber für einen fruchtbaren Austausch angebracht.
Der Staat tyrannisiert die (vornehmlich deutschen) gesetzestreuen Bürger nicht, weil er den (im höheren Ausmaß nicht "biodeutschen") Verbrechern nicht mehr Herr werden kann, sondern weil er dies resolut nicht will. Der Druck durch die kriminellen Strukturen von unten als praktisches Herrschaftsinstrument zur Kontrolle der Steuersklaven. Man darf hier Anarchie nicht mit ungeplantem Chaos verwechseln! Zudem Sam Francis diese ethnische Aufladung im Zeitalter der Massenmigration schon weit vor dem Dammbruch von 2015 auch für Europa erkannte.
Eigentlich eine neuere Spielart des bolschewistischen Terrors: Öffnet die Gefängnisse und steckt die Bürger ins Gulag!
Als Verschwörungstheoretiker könnte ich auch noch anbringen, dass die Mächtigen "oben" dies nicht allein aus Eigeninteresse tun, sondern durchaus im Auftrag Anderer, aber das wäre vielleicht dann wieder nur "kruder Antisemitismus".
 

Blue Angel

22. April 2026 22:59

Manager/Verwalter, höhere Beamte, etc sind Zuträger/Diener und Profiteure von "Eliten", ihre eigene Macht ist aber m. E. beschränkt. Seehofer vor Jahren sinngemäß: "Die, die man sieht haben nichts zu sagen. Die was zu sagen haben sieht man nicht". Damit hat sich die hübsche Idee von "Füchsen und Löwen" für mich im Ansatz erledigt. 
- Echte Macht haben verschiedene Familiendynastien, die über das Machtmittel der Kontrolle von Geld- und Warenproduktion sowie deren Handelswege verfügen und das schon sehr lange. Tyrannei und Anarchie sind Mittel der Wahl aus deren Werkzeugkasten, gerne auch gleichzeitig anwendbar.
@ heinrichbrueck: Danke für Ihre Gegenüberstellung des römischen und des germanischen Modells im vorigen Strang: Die war auf den Punkt gebracht.
 

Guilelmia

23. April 2026 02:29

Meinen Dank für den Hinweis auf die Anarchotyrannei des Schattenmachers in Form des gelungenen Beitrags der Emilietta Beall. Ihr Text ist gelungen hinsichtlich folgender Punkte:
1. Beall liefert eine spannend zu lesende Inhaltsangabe der Anarchotyrannei. Diese ist demnach mehr als eine universitäre Hausarbeit.
2. Der Dualismus Füchse-Löwen ist folglich als elitäre Alternative zum Links-rechts-Schema denkbar, ohne erst Machiavelli lesen zu müssen.
3. Die formulierten Fragen stellen explizit das Konzept des vorpolitischen Raums hinsichtlich seiner tatsächlichen Relevanz für Deutschland in Frage.
4. Die Autorin ist mit ihren eigenen Gedanken zu den Zentralgebieten (Systemen) und zur Gewalterzählung an Luhmanns Systemtheorie anschlussfähig – Prädikat: Kronjuwel.
5. Ich liebe Paradoxien. Nur durch sie begreift der Mensch, insbesondere der heranwachsende, die Komplexität der mordernen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.
Ich darf das so formulieren, da in Südwestdeutschland die schriftlichen Abi-Prüfungen begonnen haben. Die angestoßene Debatte um die Anarchotyrannei ist mindestens abiturtauglich, denn sie hat eine jugendliche Frische und geht ums Ganze: Die Existenz Deutschlands.

Mitleser2

23. April 2026 08:12

Ich sehe das wie Gracchus. Nur 23 Kommentare, die irgendwie ratlos klingen. Währenddessen bewegt sich eine total unfähige Regierung weiter Richtung Sozialismus und Antideutschtum. Und 70% goutieren das bisher. Wo soll da Kaisers Weg zur Hegemonie beginnen? Denn die, die zu viel zu verlieren haben, sind nicht umbedingt das "Establishment", was immer das sein soll. Wenn Sie z.B. in Oberbayern leben, sehen Sie, dass hier große Mehrheiten viel zu verlieren haben. Die gehen (noch) nicht auf die Straße.

RMH

23. April 2026 08:57

"Allerdings kann man sich dem linken Kulturkampf nicht verweigern. Also gibt es keine Alternative zum rechten Gramsciismus. Alles andere heißt ja kapitulieren."
@Gracchus, der linke "Kulturkampf" war in D maßgeblich Institutionen- & öD- getrieben. Die 68er haben die Parole vom "Marsch durch die Institutionen" für ihren Gramsciismus ausgegeben. Nicht ohne Grund ist der gesamte öD & öD- nahe Bereich zur Zone des Kampfs gegen Rechts geworden. Wer als Rechter noch in diesem Bereichen arbeiten will, kann das eigentlich nur schweigend & under cover. Eine Neueinstellung mit AfD- Parteibuch scheint mir kaum noch möglich zu sein. Um so mehr wird es bedeutsam, wenn es tatsächlich einmal zu einer AfD Landesregierung kommen sollte. Das Konzept der "kulturellen Hegemonie" scheitert aber in jedem Fall, darauf habe ich in meinem vorherigen Beitrag hingewiesen, wenn es Parallegesellschaften gibt & die "Hauptgesellschaft" schwindet. Man kann nicht in jedem der sich gebildeten x-Süppchen die Geschmacksrichtung ändern, es sein denn, man will alles versalzen, sprich totalitär & ernsthaft tyrannisch werden (sehe dazu nirgends auch nur ansatzweise Wille, Entschlossenheit & personelle Voraussetzungen sowie Machtmittel bei Rechten, ergo: utopisch - ich persönlich lehne das auch ab). Diese gesamte Staatsgläubigkeit und Staatsfetischisierung vieler rechter Strömungen ist mir ohnehin fremd.

Le Chasseur

23. April 2026 10:15

@Mitleser2
"Währenddessen bewegt sich eine total unfähige Regierung weiter Richtung Sozialismus und Antideutschtum. Und 70% goutieren das bisher."
Das stimmt nicht:
https://www.tagesschau.de/inland/deutschlandtrend/deutschlandtrend-april-100.html
https://www.berliner-zeitung.de/article/umfrage-friedrich-merz-unbeliebtester-regierungschef-weltweit-10030948

Gracchus

23. April 2026 10:46

@RMH: Verstehe deine Position nicht ganz. Ich formuliere es aus "neutraler" Warte: Dann muss man den besetzten öD zurückeroberm - anderenfalls hat eine alternative Politik keine Chance. Man muss mindestens die linke Hegemonie beenden und Massnahmen ergreifen, diese zukünftig zu verhindern. Kann gut sein, dass dazu Gesellschaft und Medien schon zu fragmentiert sind. Man kann sich dann ausmalen, dass irgendwann die Medienfreiheit im Namen der Regierungsfähigkeit massiv beschnitten wird. 

emilietta

23. April 2026 12:32

@RMH:
Ich sehe das totalitäre Element des Strebens nach kultureller Hegemonie überhaupt nicht. Bislang ist mir kein einziges Beispiel eines echten dauerhaften gesellschaftlichen Wandels ohne vorherige diskursiv-ideologische Dominanz bekannt. Totalitär wäre doch wohl eher der Anspruch, jeden Aspekt des Lebens zu durchdringen, so dass es kein "außen" mehr gibt. Das ist etwas völlig anderes. 

emilietta

23. April 2026 12:35

@Guilelmia
Dankesehr!
Kurz zu den Löwen/Füchsen: Ich finde, das steht eher quer zu links/rechts, ist nicht wirklich analog zu sehen. Und die meisten Menschen sind eh Schafe. Ich frage mich auch sowieso, ob es überhaupt noch wirklich Löwen gibt. Das ist tatsächlich eine offene, keine rhetorische Frage. Deren Platz in einer heutigen Gesellschaft kann ich mir schwer ausmalen. 

Ein gebuertiger Hesse

23. April 2026 12:53

Was die jüngste Kaplaken-Staffel angeht: Jeder, der mit Schattenmacher und seinem Titel was anfangen kann (und es tut: anfängt - in unserer Sphäre rückt die Möglichkeitsform sogleich ins Präsens hinein), sollte parallel auch das Büchlein von v. Waldstein lesen. Beides zusammen ergibt nochmal ein anderes Bild, als jeder Titel separat. Beide einzeln hervorragend, im Zusammenspiel der Lektüre: noch besser.

ofeliaa

23. April 2026 15:48

Ja, ich empfinde und beobachte, dass eine solche Tyrannei in Deutschland besteht. Die angesprochene staatliche Willkür, Kompromisslosigkeit und gewaltsame Unterdrückung empfinde ich als subtil und sophistiziert, nicht so offen wie in anderen Ländern. Die Regierungsgewalt in unserem Land ist meist Tropfen für Tropfen, passiv-aggressiv, ideologisch. Interessant ist, dass man als Mensch, der sich als rechts outet, jede Menschenwürde zu verliert, da man dann überwacht, ausspioniert und hintergangen wird. Diese unterschwellige Gewalt ist ebenso schlimm wie offene Regierungsgewalt in anderen Ländern. Von unten ist die Aggression offensichtlich und greifbarer, deutlicher und weniger subtil, eben primitiver. Das Aggressionspotenzial im Supermarkt, in den Innenstädten und im Straßenverkehr ist erschreckend und allgegenwärtig. Man begebe sich 50 m aus der eigenen Haustüre und trifft auf Aggression und pures Chaos. Service gibt es schon lange nicht mehr, jeder scheint mit seiner Arbeit maximal überfordert, man schaue nur das Personal in den Läden, weswegen das lokale Einkaufen zum Spießrutenlauf wird und man online bestellt, um sich einfach mal nicht dumm anreden oder falsch informieren lassen zu müssen. Natürlich beschreibe ich hier Alltagsphänomene, die eher psychologisch sind als ein Zeichen politischer Bürgernewegungen, aber der Gedanke, dass es sich um Terror handelt, vor allem auch der Gender-Terror, ist kein mir neuer Gedanke, und ich kann der Theorie der Anarchotyrannei insofern zustimmen.

ofeliaa

23. April 2026 15:54

Zu den Füchsen kann ich sagen, dass ich oft die Aussage getroffen habe, und zu dieser immer noch stehe, dass die Zukunft besser werden wird als die Vergangenheit. Für diese Aussage wurde ich oft kritisiert. Die Veränderung der Umstände durch unter anderem technische Hilfsmittel und wissenschaftliche Forschung ist etwas woran ich nach wie vor glaube. Nehmen wir den Bereich der Medizin. Hier haben wir das Problem, dass wir bei Behandlungen schon lange alle Mittel hätten um sie für Patienten, und auch für die jeweiligen Behandler, schmerzfreier, humaner und empathischer gestalten könnten und ich strebe hier einen Wandel zum Besseren mit all meinen Ressourcen an und widme diesem den größten Teil meines Leben, meiner Fähigkeiten und Belastbarkeit. Ich bin rhetorisch recht gut, ich stehe dafür, dass manche Bereiche Visionen und Management brauchen. Ich tue dies aber nicht um mich selbst daran zu bereichern. Im Gegenteil. Doch verurteilt diejenigen, die ihr auf den ersten Blick als Füchse identifizieren würdet, nicht zu schnell. 

Ein gebuertiger Hesse

23. April 2026 16:58

@ofeliaa
Danke für Ihre Einwürfe. Aber: "Das Aggressionspotenzial im Supermarkt, in den Innenstädten und im Straßenverkehr ist erschreckend und allgegenwärtig. Man begebe sich 50 m aus der eigenen Haustüre und trifft auf Aggression und pures Chaos."
Das stimmt so allerdings nicht. Und wenn Sie Augen haben nicht nur für den Scum, sehen Sie es. Wie ich es in meiner Großstadt auch tue. Verwechseln sie "Verfall" nicht mit "Aggression und pures Chaos". 
 

Mitleser2

23. April 2026 18:57

@Le Chasseur: Unbeliebt sein wie Merz hat aber offensichtlich mit Wahlentscheidung wenig zu tun. Alle letzten Landtags- und Kommunalwahlen haben im Prinzip die 70% beibehalten. 

Herold

23. April 2026 21:35

Der Text tönt wie ein Aufruft zur Bereitschaft zum Bürgerkrieg, mit der analogen Mentalität derjenigen, die in der Tat von linker Seite bei einem Machtwechwel zu allem fähig wären. Einen solchen Text mit einem solchen Ton kann man aus der Sicht einer vernünftigen europäischen Rechten nicht gebrauchen.
-- maiordomus

Warum Rechte immer verlieren, die dreimillionste. Die "vernünftige Rechte" sitzt zu Hause, trinkt Rotwein und postet im Internet Defätismus.

Herold

23. April 2026 21:38

Zu Schattis Buch: Heute fertig gelesen. Ich teile die Grundprämisse nicht unbedingt, denn neben Füchsen und Löwen gibt es das Rückgrat des Nichts: NPC, Schafe, Ottonormalos. Die "Managerialschicht" rekrutiert sich hier, nicht aus den Füchsen, schon gar nicht aus den Löwen. Weiter oben gibt es durchaus Löwen, doch der schlaue Löwe ist jetzt Löwe, dann Fuchs, je nachdem wie es nötig ist. Die Administration / Exekutive betreibt auch keine Tyrannei, weil das planvolle Absicht heißen würde. Wer mit ihr zu tun hat merkt schnell, dass es Faulheit gepaart mit Angst und Bequemlichkeit ist. Die Polizistin, die in Mannheim weglief als der Copper gemessert wurde, ist das Sinnbild, genau wie die verwelkte Sachbearbeiterin im Bauamt, die Menschen mit Briefen tyrannisiert, aber selbst keinerlei Kampfkraft mustern kann. Wer sich schlicht entscheidet, nicht mitzuspielen, kann große Freiräume nutzen.
Sauer aufgestoßen ist mir sein Verhältnis zur Polizei. Während die Armee gegen Feinde im Äußeren steht, stehen Polizisten ausschließlich gegen die eigene Bevölkerung und zwischen ihr und ... Lösungen. 

Herold

23. April 2026 21:54

Majestyk:

Ist zwar irisch, paßt als Protestlied aber für alle Länder in der EUdSSR. 

Es ist vor allem grober KI-Slop und viel zu sperrig für irgendwas.

Wenn man nicht mit Protesten, Arbeits- und Konsumverweigerung, Beitragsboykott oder ähnlichen Maßnahmen anfängt dieses System zu destabilisieren, den Gegner zu immer unglaubwürdigeren Lügen zwingt, ihn dazu zwingt zu eskalieren wird sich nichts ändern.

Das ist allerdings wahr. 

Das wahre Protestpotential sind die 22 Prozent der Bevölkerung, die sich nicht gegen Corona haben impfen lassen und laut 3,5-Prozent-Regel reicht das allemal. 

Allerdings sind ein Großteil dieser 22 Prozent Opas, die komplett in kruden Stories abgedriftet sind und in erster Linie sauer waren, weil sie in ihrem Alltag gestört wurden. Die haben kein Konfliktpotential. 'Rona war insofern ein Geschenk, als dass es auf einige Dinge ein Brennglas gelegt und mutmaßlichen vielen Chinesen das Leben gekostet hat.
Zu Schattenmacher noch: Kudos für die Erwähnung von Mr Bond im Buch. Man ist auf der richtigen Party, wenn Mr Bond gespielt wird. Oder Death in June / Rome. 

Le Chasseur

23. April 2026 22:07

@Mitleser2
"Alle letzten Landtags- und Kommunalwahlen haben im Prinzip die 70% beibehalten."
Das ist richtig. Die Altparteien werden aber nicht wegen, sondern trotz ihrer Politik gewählt. Antideutsche Politik wird nicht von 70 Prozent der Wähler goutiert. Deswegen mussten ja praktisch alle Parteien ihre Position beim Thema Asylpolitik zumindest rhetorisch revidieren*, um auf das Erstarken der AfD zu reagieren.
*) Wieviel sich tatsächlich ändert, steht auf einem anderen Blatt

Liselotte

24. April 2026 00:47

@RMH 10:54 Ja, ich denke auch, daß es diese Schicht schon lange, wahrscheinlich in jedem Staat, gibt.Bei den Hausmeiern der Merowinger angefangen über die von Ihnen genannten. Sie hat wohl nur immer wieder mal veränderte Felder angesetzt.@emilietta 12:35 Ich kann mir "reine Löwen" in der heutigen Zeit auch schwer vorstellen. Es ist doch immer mindestens eine gewisse Gerissenheit nötig, um etwas zu bewegen, majestätisches Verhalten hat es schwer.

Artabanus

24. April 2026 11:17

Die Frage ist ob der Begriff Anarchotyrannei wirklich das beschreibt, was im Moment vor sich geht. Die Tyrannei ist sicherlich real, wobei diese allerdings immer noch von der Mehrheit nicht als solche empfunden wird (das ist der Trick der Demokratie), die Anarchie hingegen sehe ich nicht. Ganz im Gegenteil. Es ist mehr eine zentralistisch geplante Zerstörung die sehr systematisch, effektiv und irreversibel fortschreitet. Keine Spur von anarchischem Chaos. 

Harlach

24. April 2026 14:16

Diese Verwaltungseliten sind keine Füchse. Der Fuchs ist scharfsinnig und listig, hat einen wachen Blick für die Wirklichkeit, versteht und durchschaut vieles, erkennt Gefahren und Chancen und findet sich so im Dickicht der Komplexität bestens zurecht. Die Verwaltungseliten hingegen bestehen aus geistlosen Rationalisten, denen alles Unberechenbare zuwider ist. Aus ihrer Sicht sind alle Probleme letztlich Verwaltungsprobleme, die durch bürokratische Organisation und Kontrolle zu lösen sind. Und wenn die Bürokratie nicht zum Ziel führt, dann braucht es noch mehr Bürokratie, um die Bürokratie zu organisieren und zu kontrollieren.
Dass diese Verwaltungseliten die mancherorts anarchischen Zustände in diesem Land dulden, liegt nicht daran, dass sie die Komplexität lieben, sondern dass sie sie gar nicht bemerken. Für sie gibt es nur die Statistik, und wenn da gewisse Kriminalitätswerte in unerfreuliche Höhen steigen, dann muss man eben irgendwelche Stellschrauben finden (Sozialarbeiter o.ä.), um sie wieder herunterzuregulieren. Für den Verlust der Selbstverständlichkeit eines gesitteten Zusammenlebens, den Verlust einer gemeinsamen Kultur, den kulturellen Aspekt überhaupt und die sich daraus ergebenden Dynamiken sind diese Leute einfach blind.
 

Harlach

24. April 2026 14:31

Übrigens ist nicht alles, was Verwaltung benötigt, eine Ausgeburt des genannten Verwaltungsdenkens. Beim Bildungssystem insbesondere ließe sich wohl zeigen, dass es gerade durch die Bürokratisierung immer mehr zerstört wird, indem die Dinge, um die es dabei gehen sollte, immer mehr aus dem Blick geraten.
Das Paradebeispiel dafür ist die Bologna-Reform der Hochschulen. Die universitären Wissenschaftler waren dagegen, die Verwaltungsangestellten dafür. Aus Verwaltungssicht herrschte hier ein so eklatanter Mangel an Regulierungen, dass man sich fragt, wie die deutsche Universität vor dieser Reform überhaupt jahrhundertelang funktionieren - und dabei auch noch Wissenschaftler ersten Ranges hervorbringen konnte. Zumindest dem Mangel an Regulierungen ist nun mitterweile abgeholfen.

heinrichbrueck

24. April 2026 14:32

Einen solchen Staat haben wir - von wegen Bürgerkriegston:
Die Mathematik des Verschwindens: Deutschland im 200-Jahre-Szenario (ein kleiner Spaß – Zahlen ohne Gewähr)
Werden die Trends der vergangenen Jahrzehnte – niedrige Geburtenraten bei der autochthonen Bevölkerung und konstante Einwanderung – konsequent fortgeschrieben, ergibt sich für die kommenden zwei Jahrhunderte ein radikales Bild der Transformation.
1. Der autochthone Rückzug
Seit über 50 Jahren liegt die Geburtenrate in Deutschland bei etwa 1,4 Kindern pro Frau – weit unter dem Reproduktionsniveau von 2,1. Für die Deutschen bedeutet dies, daß sie pro Generation um rund ein Drittel schrumpfen. Über sieben Generationen (ca. 200 Jahre) hinweg wirkt dies wie ein negativer Zinseszins: Aus heute rund 60 Millionen Menschen bliebe ein Rest von etwa 15 bis 20 Millionen.
Zusätzliche Faktoren wie die kontinuierliche Abwanderung deutscher Staatsbürger und die biologische Vermischung (Exogamie) beschleunigen diesen Prozeß. Auf lange Sicht (200 Jahre) würde der "rein deutsche" Kern vermutlich auf eine niedrige einstellige Millionenzahl sinken und damit faktisch seine Bedeutung als staatstragendes Volk verlieren.

heinrichbrueck

24. April 2026 14:37

2. Die Dynamik der Substitution
Demgegenüber steht eine konstante Zuwanderung, die historisch oft bei 200.000 bis 400.000 Personen pro Jahr liegt. Allein der Zuzug würde über zwei Jahrhunderte hinweg bis zu 60 Millionen Menschen ins Land bringen. Da diese Gruppen im Schnitt deutlich jünger sind und zunächst höhere Geburtenraten aufweisen, ersetzen sie die schrumpfende Stammbevölkerung numerisch nahezu vollständig.
3. Das Ende der Kontinuität
Nach 200 Jahren wäre Deutschland rechnerisch immer noch dicht besiedelt (ca. 60–80 Millionen Einwohner), doch die Identität dieses Volkes wäre eine völlig neue. Der heutige Wandel in Ballungsräumen und Grundschulen, wo Kinder ohne Migrationshintergrund oft bereits die Minderheit sind, ist lediglich ein Vorbote dieser Entwicklung.
Ohne eine fundamentale Umkehr der Geburtenraten oder einen Stopp der Migration steuert die autochthone Bevölkerung auf ihre statistische Bedeutungslosigkeit zu. Deutschland bliebe als Raum erhalten, aber das Volk, das diesen Raum über Jahrhunderte prägte, wäre am Ende dieses Zeitraums faktisch durch eine neue, aus weltweiter Migration gespeiste Bevölkerung ersetzt.
Ausgelassen wurde unter anderem: Jede neue Generation nimmt den Zustand, in dem sie aufwächst, als "normal" an (Normalitätsverschiebung). 

Herold

24. April 2026 16:23

Schauen wir mal in die aktuelle Politk: Olaf Merz hat gerade das Entlastungspaket 2.0 durch den Bundestag gebracht. 1000€ steuerfrei vom AG und Tank"rabatt". 
Beide "Maßnahmen" sind komplett ungeeignet, irgendwas zu bewirken: Den Tankrabatt müssen die Ölmultis nicht weitergeben und beim Heizen hilft er nicht. Die 1000€ werden die AG eh nicht in der Breite leisten. Und: Der ÖD zahlt den gar nicht, also die Leute, die ihn beschlossen haben für ihre eigenen Leute. Sie bekommen nicht mal eine anständige Klientelpolitik hin.
Nichts daran ist fuchsig, schon gar nicht löwig. Das ist einfach nur Inkompetenz. Schattis These scheitert an Ockhams Razor, im Spezielleren an Hanlons Razor. Diese Leute sind schlicht absolut grob inkompetent, gewählt von genauso inkompetenten Leuten. Merz weiß vermutlich, dass er der letzte Kanzler im "alten" System sein wird und nimmt nun mit was geht.

Karl

24. April 2026 17:45

@Herold 24. April 2026 16:23
Hinter der Fassade der „groben Inkompetenz“ steht kein Chaos, sondern ein kalkulierter Plan. Was wie Tollpatschigkeit aussieht, ist in Wahrheit nur eine Form der Machtdemonstration: Man tut so, als ob man nichts kann, und plündert dabei das Land systematisch aus. Hanlons Razor („never attribute to malice that which is adequately explained by stupidity“) funktioniert hier nicht – weil die Erklärung „Stupidity“ zu kurz greift. Wenn dieselben Leute jahrelang Fehler machen, immer dieselben Gruppen bevorzugen, immer dieselben Tabus schützen und immer dieselben Profiteure belohnen, dann ist das keine Serie von Zufällen. Das ist Methode. Merz (oder wer auch immer) weiß sehr genau, dass das „alte“ System am Ende ist. Deshalb nimmt er mit, was geht – und zwar nicht heimlich, sondern demonstrativ. Die Verhöhnung ist Teil des Programms: 
Man ignoriert die offensichtlichsten Probleme mit einem Lächeln. Man treibt Politik, die für jeden als kontraproduktiv erkennbar ist. Die Botschaft lautet: „Wir können das machen. Und ihr könnt nichts dagegen tun.“Das ist keine Inkompetenz. Das ist kontrollierte Demontage. Die Fassade des „Machers“ dient der Verhöhnung derjenigen, die noch glauben, dass hier jemand etwas im Sinne des Volkes „machen“ will. Wer das weiter als bloße Dummheit verkauft, der schützt entweder das System – oder er hat Angst vor der naheliegenden, unangenehmen Wahrheit: Es ist Absicht. Und sie funktioniert prächtig.

Le Chasseur

24. April 2026 18:16

@Herold
"Die 1000€ werden die AG eh nicht in der Breite leisten. Und: Der ÖD zahlt den gar nicht, also die Leute, die ihn beschlossen haben für ihre eigenen Leute. Sie bekommen nicht mal eine anständige Klientelpolitik hin."
Ach, ich finde schon: https://www.tagesschau.de/inland/dobrindt-besoldung-beamte-100.html
 

Laurenz

24. April 2026 20:54

Die Frage nach dem Niedergang stellt sich gar nicht, der Untergang kommt. Das Deutsche staatspolitische System vernichtet sich selbst. Damit generieren sich alle anderen Debatten, auch die um das Verbot der Meinungsfreiheit von Seiten der Herrschenden als sinnlos. Der Kauf der Politik von Regierungszeit mit Schulden ist exponential, nicht linear. Ein guter Volkswirt könnte den Kollaps ausrechnen. Bei der Kalkulation muß man das private Vermögen der Bürger gegen die Staatsschulden rechnen. Bis die privaten Vermögen verbraucht sind, zieht sich noch etwas.

Laurenz

24. April 2026 20:57

@Karl @Herold (2) ... Der aktuelle & zukünftige Konflikt im Fokus spielt sich also bei der Enteignung der Bürger ab, die etwas besitzen. Das gestaltet sich bei den reichsten 10%,  die über 50% besitzen, schwierig ab. Denn die sind teils in der Lage, ihr Vermögen ins Ausland zu verschieben.

Dieter Rose

25. April 2026 09:19

Einen Gruß an GK.
Gestern bin ich ganz zuversichtlich vom Bussen heruntergekommen. "Denn erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!"

gruß zurück! freut mich! war lange ncht dort.

RMH

25. April 2026 10:04

"Ich sehe das totalitäre Element des Strebens nach kultureller Hegemonie überhaupt nicht."
@emilietta, in dem Moment, wo Kultur sich nicht organisch aus einer Gesellschaft, aus rechter Sicht Volk, ergibt & entwickelt sondern aktivistisch, planvoll bis missionarisch moduliert & als Hegemonie, Vorherschaft erzwungen werden soll (kann auch via Kulturindustrie, also kapitalistisch geschehen), hat das für mich totalitäre & zwanghafte Elemente, wie sonst soll man sonst Erfolg haben? @Gracchus, formuliert es in #22. April 2026 15:16 evtl. besser, da er nicht gleich mit einer Art von Wertungs- Keule, wie Totalitarismus, kommt
"Meine Skepsis beginnt da, wo man - willentlich-bewusst - kulturelle Hegemonie erstrebt. Das Bewusstsein bildet schon einen Hemmschuh (kann man bei Nietzsche). So etwas ist nur bedingt planbar ..."
Es ist ein bisschen wie die Frage Henne/Ei. Meiner Meinung nach bildet eine Gesellschaft, die nicht ständig aktivistisch manipuliert & durch Zuzug fragmentiert wird, von ganz alleine eine Kultur aus, die vorherrschend ist. Heute nicht mehr möglich.

Götz Kubitschek

25. April 2026 12:01

badeschluß. bitte unterm nächsten beitrag weitermachen. dank!

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