Elon Musks These aus einem Investment-Forum zum Thema KI und Robotik muß man nicht folgen. Aber sie zeigt, daß die technische Revolution derzeit alle Denkmodelle durcheinanderschüttelt. In ungefähr einer Dekade wird Arbeit optional sein, behauptet der erfolgreichste Unternehmer der Welt. Geldverdienen wird sowas wie Sport oder Häkeln.
Wenn du arbeiten willst, ist es wie heute mit Gemüse. Du kannst in den Laden gehen und etwas Gemüse kaufen, oder du kannst Gemüse in deinem Garten anbauen. Es ist viel schwieriger, Gemüse in deinem Garten anzubauen, aber manche Leute tun es immer noch, weil sie gerne Gemüse anbauen.
Robotik und KI werden einen unvorstellbaren Produktivitätsschub erzeugen. Manche Experten wie der Investor Peter Thiel sind skeptisch und zeichnen dazu einen düsteren Weg in die Apokalypse. Der politisch gut vernetzte US-Blogger Curtis Yarvin argumentiert, dass KI nicht viel ändert, solange die vom Establishment geschaffene ideologische „Kathedrale“ unseren Fortschritt korrumpiert.
Andere sind optimistischer und sehen den Zeitrahmen für positive Entwicklungen sehr kurzfristig. Eric Schmidt (70), potenter Ex-CEO von Google und laut Medienberichten der Liebhaber von Söders Tochter (27), prognostiziert, daß in drei bis fünf Jahren jeder Mensch die Fähigkeiten des „klügsten Mathematikers der Welt“ in der Hosentasche hat.
Dieser Zeithorizont gelte bei der Tech-Elite als einvernehmlicher Stand des Denkens unter dem Begriff „San Francisco Consensus“. Güter, Dienstleistungen und medizinische Versorgung werden in naher Zukunft womöglich in einem Umfang und zu Preisen verfügbar sein, die (unter anderem) eine traditionelle Altersvorsorge in den Hintergrund rücken. Die Deckung von Grundbedürfnissen wird, so Musks Prognose, kaum mehr an persönliche Ersparnisse geknüpft sein. Steile Idee.
Gleichzeitig kümmert sich Musk, freundlicherweise auch durch ganz persönliches Engagement, um die Korrektur des demografischen Problems. Zu wenig Nachwuchs führt sonst zum Zusammenbruch konventioneller Sozialsysteme, hört man. Eine Sorge, die paradox klingt, wenn man die Reduktion menschlicher Produktivität in Kombination mit Technik für eine revolutionäre Chance hält?
Führt Maschinen-Intelligenz den Menschen zu dem, was ihn ausmacht? Die Auflösung wäre spektakulär: Ausgerechnet die kälteste, unmenschlichste Technologie bringt uns eine neue Renaissance des Humanismus.
Die Renaissance des 15. und 16. Jahrhunderts war kein Zufall, sondern basierte unter anderem darauf, daß eine ausreichend große gesellschaftliche Schicht endlich Wohlstand und dadurch Muße erleben durfte. Es ging nicht nur Hedonismus-Maximierung am Hofe, sondern um das Aufblühen von Philosophie, Handwerk, Kunst in breiterem Umfeld. Nicht mehr nur „wovon lebe ich“ war die Frage, sondern: „Was ist ein wertvolles Leben?“
Wer diese freudvolle Zukunftshypothese verfolgen will, muß sich auch die dunkle Seite ansehen: Dekadenz, Nihilismus, Identitätskrisen. Dieselbe Freiheit, mit der Michelangelo sich Gott künstlerisch näherte und da Vinci den Helikopter erfand, erzeugt Langeweile und Sinnlosigkeit bei Menschen, die nicht wissen, was sie mit sich anfangen sollen. Musk fragte sich deshalb selbstkritisch im oben zitierten Investment-Forum, „if you get all the stuff you want, is that actually the future you want?“
Die Idee einer Renaissance des Humanismus ist kein Selbstläufer. Die Rahmenbedingungen einer vierten industrielle Revolution müssen aktiv durchdacht, gestaltet und immer wieder angepaßt werden. Die größte Bedrohung durch KI und Robotik wäre nicht, daß sie schlauer und schneller ist als wir, sondern, daß wir unsere Chance auf mehr Freiheit und Identität vermasseln.
Und schon sind wir bei der Politik. Dieser technische Quantensprung grätscht mitten hinein in Themen wie Bevölkerungsaustausch, Staatsfinanzen und kulturelle Konstanten. Nein, wir brauchen ganz sicher keine weiteren Fachkräfte mehr aus den Vororten von Mogadischu. Unsere Sozialsysteme sind bereits jetzt hoffnungslos erledigt. Der Staatsapparat ist nur durch einen harten Reset zu retten. Der Zerfall unserer Nation wird sich in den kommenden KI-Jahren exponential beschleunigen, wenn ein Volk und seine Vertreter es unterlassen, den verteidigenswerten Kern der Gemeinschaft herauszuarbeiten.
Der technische Quantensprung sollte die Parteien intensiv und täglich beschäftigen. Das tut er. Wenn Du nicht mehr weiter weißt, gründe einen – „Strategiekreis für Technologie und Innovation im Bundeskanzleramt“. Beteiligt war unter anderem das neue Ministerium für Digitales und Staatsmodernisierung unter Leitung von Herrn Dr. Wildberger, einem Manager, der in seiner zivilen Phase bislang vor allem Telefonverträge, Waschmaschinen und Fernseher verkaufte.
Entsprechend beeindruckend war das Abschluss-Dokument. Es gab nämlich keines. Stattdessen im März 2026 eine dürre Pressemitteilung, die darauf hinweist, daß
ressortübergreifende Verzahnung und die Festlegung strategischer Leitlinien die Grundvoraussetzungen sind, um Deutschland und Europa im internationalen KI-Innovationswettlauf und angesichts gegenwärtiger geopolitischer Herausforderungen resilient und wettbewerbsfähig zu positionieren.
Wer so völlig ohne Ziel und Energie agiert, der ist folgerichtig auch davon überzeugt, dass KI nur mit Staatsmitteln entstehen kann. Schon die deutsche „KI-Strategie 2018“ verballerte Milliarden. Merz und Klingbeil werfen bis 2029 weitere 18 Milliarden Euro des Steuerzahlers für eine „High-Tech-Agenda“ hinterher, während OpenAI, Grok oder Anthropic ganz nebenbei aus privatem Kapital geboren wurden und um globale Marktführerschaft fechten. Technischer Vorsprung entsteht nicht, wenn der Staat sozialistisch subventioniert. Es braucht leistungsfähige Akademien, Talent und Risikobereitschaft. Mit anderen Worten, das Gegenteil der aktuellen deutschen Situation.
Aber zum Glück hat Unseredemokratie eine Opposition. Aus dem Wahlprogramm 2025 der AfD, Seite 50:
KI-Systeme stellen einen großen Wachstumsmarkt dar; von diesem können und wollen wir uns in Deutschland nicht abkoppeln. Deshalb sind effektive gesetzliche Rahmenbedingungen notwendig, die den Einsatz zum Beispiel in Medizintechnik und Verkehrswesen ermöglichen. Voraussetzung für den Einsatz von KI ist jederzeit verfügbare kostengünstige Energie.
Das Ministerium für Digitalisierung hätte es nicht schöner formulieren können. Ein weiterer Absatz im Manifest zur Bundestagswahl erklärt ganz im Sinne häufiger AfD-Argumentation noch, was man alles „ablehnt“. An nachgelagerter Stelle eine ergänzende KI-Bemerkung zum Fachkräftemangel und zur Schule. Das war’s. Auf ganzen 174 Seiten. Vielleicht ist das Thema zu komplex für ein Wahlprogramm?
Leider findet man auch in den Redebeiträgen der beiden AfD-Bundesvorsitzenden kaum Einordnungen. Sei es als großer Zivilisationsbruch, Produktivitätsrevolution oder vielleicht sogar humanistische Renaissance. Das ist deshalb verblüffend, weil man zumindest bei Frau Dr. Weidel mit Ihrem globalen Hintergrund von Investment-Firmen bis Internet-Bubble ein intrinsisches Interesse am Thema vermuten würde. Die AfD muß eine positive Zukunftsidee als Orientierung anbieten. Aber vielleicht ist das Thema KI zu komplex für eine Politiker-Rede?
Schauen wir noch etwas tiefer. Effiziente Politik wird heutzutage oft in Think Tanks und Stiftungen „vorgedacht“. Im Umfeld des Bundestages mit seinen 10.000 Beschäftigten inklusive 1.700 wissenschaftlichen Mitarbeitern ist offenbar nicht ausreichend Kapazität für die Analyse gesellschaftlicher Herausforderungen. Der AfD wird die Desiderius-Erasmus-Stiftung zugeordnet. Nicht ganz reibungslos, weil das Parteienkartell bemüht ist, die Finanzierung zu verhindern, oder mindestens zu verschleppen. Andererseits besitzt die AfD angeblich rund 40 Millionen Euro? Selbst wenn das im Vergleich zum Kartell nur einen Bruchteil des Reichtums darstellt, sollte es genügen, um kluge Grundlagenarbeit zu finanzieren.
Und siehe: Die AfD-Stiftung unter der Vorsitzenden Erika Steinbach hat sich tatsächlich mit KI beschäftigt – was naheliegend erscheint, weil der Verein nach einem Mann benannt wurde, der vor über 500 Jahren bereits Katalysator einer Medien- und Bildungsrevolution war. Erasmus sammelte, prüfte und editierte Texte. Er liebte Quellenrecherche. Er vernetzte viele Gelehrte, Drucker, Bischöfe und Herrscher in ganz Europa, engagierte sich für Bildung und gegen Beschränkungen durch den Klerus und andere Gatekeeper. Wer diesen Mann verehrt, der sollte versuchen, ähnliche Auswirkungen von KI zu prognostizieren und in faszinierende Thesen und „alternative“ politische Leitlinien zu wandeln?
So entwickelte die Desiderius-Erasmus-Stiftung im Jahr 2024 eine 17-teilige Textreihe, damit der geneigte Leser nicht immer seine Kinder mit Fragen nerven muß. Darunter Folge 2 „ChatGPT für Jedermann“ oder Folge 8 „Nie mehr allein zu Haus“. 2025 wurde dann noch ein Web-Seminar angeboten. „KI – Chancen, Grenzen und politische Auswirkungen“ in zwei Stunden. Eine Zusammenfassung findet man leider nicht. Auch kein disruptives White Paper als Ideenquelle für die Parteipolitiker bundesweit.
Aber warum drängeln? Vielleicht brauchen wir einfach mehr Geduld bei diesem modernen Zeug. Eine große alte Dame der deutschen Politik bezeichnete einmal Internet als „Neuland“. Diese Haltung sollte man auch Stiftungs-Seniorin Erika Steinbach zugestehen. Unter ihren Grußbotschaften heißt es „Einige Bilder dieser Seite sind KI-generiert“. Es geht voran.
MARCEL
KI wird erstmal militärisch genutzt - vollumfänglich (z.B. Die Ukraine "lebt" als Abschussrampe weiter, auch ohne Soldaten). Und da KI keinen Selbsterhaltungstrieb hat...nicht auszudenken.
Eigentlich habe ich keine große Meinung dazu, außer diese: Ein ausbruchssicheres, bequemes Bewusstseins-Gefängnis, das anstelle von Sinn Ablenkung (Betonung liegt auf -lenkung) stiftet. Dann doch lieber Islam, oder?