Sellner, Lernkurve, 451

Ich habe Nachfragen erhalten, warum Martin Sellners Vorträge auf dem Kanal Schnellroda bei YouTube nicht mehr auffindbar sind. Die Antwort lautet: YouTube hat zwei dieser Vorträge von sich aus gelöscht und dem Widerspruch nicht stattgegeben. Daraufhin schien es ratsam zu sein, alle Mitschnitte von Sellner vorsorglich "privat" zu stellen und die gesamte Löschung des Kanals nicht zu riskieren.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek leitet den Verlag Antaios

Dies erfolg­te natür­lich in Abspra­che mit und sogar auf Rat von Mar­tin Sell­ner. Er ist der inter­na­tio­nal am bes­ten ver­netz­te und bei wei­tem bekann­tes­te mei­ner Autoren, und er ist zugleich der­je­ni­ge, der am stärks­ten in sei­nem Wir­ken beein­träch­tigt wird.

Einen eige­nen You­Tube-Kanal zu füh­ren, ist Sell­ner nicht gestat­tet. War­um der Kanal Schnell­ro­da Mit­schnit­te mit ihm nun löschen muß­te, wäh­rend ande­re, reich­wei­ten­stär­ke­re Kanä­le aus­führ­li­che Inter­views mit ihm wei­ter­hin öffent­lich zei­gen kön­nen, erschließt sich weder ihm noch mir.

Bis heu­te ist es Sell­ner nicht gelun­gen, ein Kon­to für sei­ne Geschäf­te zu eröff­nen. Selbst Ban­ken aus Ungarn, Polen und der Slo­wa­kei zie­hen Zusa­gen zurück, sobald sie recher­chiert haben. Wir bas­teln gemein­sam an einer Lösung, aber immer wie­der signa­li­sie­ren mir Gesprächs­part­ner, daß sie die Gefahr, in die ich mei­ne eige­nen Geschäfts­kon­ten durch eine Kon­ta­mi­na­ti­on mit dem Namen Sell­ner viel­leicht brin­gen wür­de, nicht ein­schät­zen können.

Zu die­sen mehr als nur läs­ti­gen Mehr­ar­bei­ten, die Sell­ner zu leis­ten hat, um den Betrieb auf­recht­zu­hal­ten, kom­men Abgren­zun­gen, die Tei­le des eige­nen Lagers ihm gegen­über vor­neh­men. Es gibt Ver­san­de, die sei­ne Bücher nicht anbie­ten, obwohl dort mit his­to­risch har­ten Inhal­ten koket­tiert wird. Es gibt Mei­dungs­ge­bo­te mit ihm, die von der AfD aus­ge­spro­chen wor­den sind. Es gibt Ver­su­che, sei­ne Kon­zep­te zu kri­mi­na­li­sie­ren und sei­ne Argu­men­te dadurch nicht sach­lich, son­dern aus ver­meint­lich grund­sätz­li­chen Grün­den auszuhebeln.

In die­sel­be Rich­tung hat sich vor kur­zem der hes­si­sche Lan­des­ver­band der AfD bewegt. Hier war nicht Sell­ner das Ziel, son­dern die “Akti­on 451”, die vor zwei­ein­halb Jah­ren mit dem Ziel gegrün­det wur­de, Lese­zir­kel, Vor­trags­ver­an­stal­tun­gen und Sport als Gegen­pro­gramm von rechts in die Uni­ver­si­tä­ten zu tragen.

Inzwi­schen gibt es 451-Grup­pen in gut zwei Dut­zend Uni­ver­si­täts­städ­ten, und eini­ge jun­ge Aka­de­mi­ker haben vor, in Frank­furt am Main einen wei­te­ren Able­ger auf­zu­bau­en. Im Anschluß an das ers­te Tref­fen wur­de die Grup­pe von der Anti­fa ange­grif­fen, und zwar so mas­siv, daß der Not­arzt geru­fen wer­den mußte.

An die­sem Tref­fen waren auch eini­ge Mit­glie­der der “Gene­ra­ti­on Deutsch­land” betei­ligt – nicht in Koope­ra­ti­on und nicht als Amts­trä­ger der AfD-Jugend, son­dern aus Inter­es­se an Lek­tü­re und Gespräch. Ihre Mut­ter­par­tei ver­lang­te im Anschluß jedoch nicht die Auf­klä­rung des links­extre­men Über­falls, son­dern unter­sag­te es den Par­tei­mit­glie­dern, zukünf­tig an Ver­an­stal­tun­gen der Akti­on 451 teilzunehmen.

Die Stel­lung­nah­me der Akti­on 451 ist in ihrem vol­len Wort­laut hier hin­ter­legt. Eini­ge AfD-Poli­ti­ker haben sich soli­da­risch geäu­ßert und wol­len im Rah­men von 451-Tref­fen vor­tra­gen. Immer­hin. Mein Tele­fo­nat mit einem AfD-Poli­ti­ker aus Hes­sen offen­bar­te indes, daß man dort der Über­zeu­gung ist, man kön­ne durch Wohl­ver­hal­ten und Distanz­si­gna­le jene Rich­ter gnä­dig stim­men, die im anste­hen­den Haupt­sa­che­ver­fah­ren zur VS-Ein­stu­fung des Lan­des­ver­bands bald ein Urteil spre­chen sollen.

Folg­te man die­ser Stra­te­gie, müß­te die AfD vier Fünf­tel des soge­nann­ten Vor­felds von ihren struk­tu­rel­len, finan­zi­el­len und per­so­nel­len Mög­lich­kei­ten abschnei­den. Sie müß­te ihre Unver­ein­bar­keits­lis­te aus­wei­ten und sich von Ver­fas­sungs­schutz­äm­tern und Gerich­ten auf­schrei­ben las­sen, mit wem gefahr­lo­ser Kon­takt noch mög­lich sei.

Soweit waren wir schon vor zehn Jah­ren. Recht behal­ten haben die­je­ni­gen, die sich um den par­tei­po­li­tisch instru­men­ta­li­sier­ten Ver­fas­sungs­schutz und um das ein oder ande­re Gerichts­ur­teil nicht scher­ten. Man kann von Kick­ls FPÖ und von Höckes, Sieg­munds und Berndts Lan­des­ver­bän­den der AfD in die­ser Hin­sicht eine Men­ge ler­nen – Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten eigent­lich, aber was ist für über­ge­lau­fe­ne CDU’­ler schon selbstverständlich?

Viel wohl nicht. Sich selbst näm­lich unaus­ge­setzt als Rechts­staats­par­tei zu bezeich­nen und dabei zu über­se­hen, daß die­ser Rechts­staat längst nicht mehr das ist, was er viel­leicht ein­mal war, und mehr: daß er wohl an sein Ende gekom­men ist – das soll­te doch zum Grund­ver­ständ­nis jedes Poli­ti­kers gehö­ren, der mehr will als bloß ein biß­chen Kurs­kor­rek­tur. Lei­der zeigt die Lern­kur­ve in die­sem Fall nicht steil nach oben.

Jeden­falls: Die AfD darf sich nicht durch ver­bo­ge­ne und infi­zier­te Insti­tu­tio­nen vom ein­zig legi­ti­men Weg abbrin­gen las­sen, den sie gehen kann: die wirk­li­che, grund­sätz­li­che, drin­gend not­wen­di­ge Alter­na­ti­ve für Deutsch­land zu sein. Eine Ergän­zung des Alt­par­tei­en­kar­tells braucht näm­lich niemand.

Sell­ner, 451 – das mag mar­gi­nal sein, und die­se Leu­te kom­men auch ohne den Rück­halt einer Par­tei zurecht. Aber an sol­chen Bei­spie­len zeigt es sich, ob alter­na­ti­ve Poli­tik ver­steht, wor­um es geht – oder ob sie auf Ruhe hofft, indem sie das Lied der Geg­ner mitpfeift.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek leitet den Verlag Antaios

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Kommentare (66)

Martha

15. Mai 2026 19:33

Der größte Teil der AfD Hessen ist nicht rechts, er ist maximal liberalkonservativ. Wäre die gesamt AfD so, wäre sie unwählbar. Wenn man hört, wen die AfD Hessen nicht in die Partei aufgenommen, wen sie ausgeschlossen oder ausgegrenzt hat, mit wem kein Kontakt bestehen darf und wo es Unvereinbarkeiten gibt, wie jetzt mit 451, wundert man sich nicht über ein Klima in der Partei, in der jedes rechte Wort vorher auf die Goldwaage gelegt werden muß. Die AfD Hessen ist ein einzige Katastrophe.

Der Starost

15. Mai 2026 19:38

Möglicherweise ist dies hilfreich: Auch selbst schon älteren Semesters bin ich bereit, die "Aktion 451" zu jeder Zeit, an jedem Ort in ganz Deutschland durch einen Vortrag oder im Wege einer sonstigen Veranstaltung zu unterstützen.

Valjean72

15. Mai 2026 20:58

@Martha: "Die AfD Hessen ist ein einzige Katastrophe."
---
Vielen Dank für Ihre Darlegung der hessischen Verhältnisse, das war mir so gar nicht bekannt. An den Spitzen westdeutscher AFD-Landesverbände gibt es mE den ein oder anderen verkappten CDU'ler zu viel.
 
Was mich freut ist, dass sich der Landesverband Bayern gut mit dem Landesverband Thüringen austauscht.
 
Das enorm erfolgreiche Höcke-Interview auf {ungeskriptet} sollte diesen CDU-nahen Konformisten & Karrieristen in der AFD (West) gehörig Wind aus den Segeln genommen haben.
 
 

Jan

15. Mai 2026 21:25

Die Einblicke zeigen, wie wichtig es ist, eigene stabile Strukturen weiter auszubauen. Nicht nur machtpolitischer und medialer, sondern auch ökonomischer und finanzieller Art. Die Vorfälle offenbaren auch, dass selbst das Anführen in bundesweiten Umfragen bei einigen AfD'lern keineswegs dazu geführt hat, das Anbiedern und Duckmäusern abzulegen. Dabei sieht man an Friedrich Merz momentan am deutlichsten, wohin das führt: schnurstracks nach unten. Leider ist die liberal-konservative Illusion in gewissen AfD-Kreisen nach wie vor noch äußerst resilient. Die ewige Hoffnung, man ließe einen mitspielen, wenn man sich selbst nur genug verharmlose, stirbt wohl nie. Am Ende steht immer der Hofknicks vor Rotgrün. Es ist unmöglich, die eigenen politischen Ziele durchzusetzen, ohne mit dem rotgrünen Machtkomplex mächtig in Konflikt zu geraten. Wer das scheut, endet wie die CDU und FDP. Zwei Parteien, die sich durch Anbiedern und Duckmäusern bis zur Unkenntlichkeit in rotgrüner Brühe aufgelöst haben und dafür gerade die Quittung bekommen.    

Rheinlaender

15. Mai 2026 21:57

Wenn es in Deutschland so weitergeht, dann kommen die Sellner-Videos bald bestimmt wieder zurück. Zumindest Ausschnitte davon wird man als Material für die täglichen zwei Minuten für Vielfalt und Toleranz brauchen. Ohne personalisierte Feindbilder wie Höcke und Sellner gäbe es nichts mehr, was die heterogene Schar, die den Abstieg Deutschlands verwaltet und sich zwischenzeitlich von seinen schwindenden Resten ernährt, noch zusammenhielte.

Alex Schleyer

15. Mai 2026 22:24

All dies zeigt, daß es sich hier nicht um Gegner handelt, sondern um Feinde. Wie @Jan richtig erkennt, ist es ja bis heute systematischbubtwrlassen worden "eigene stabile Strukturen weiter auszubauen. Nicht nur machtpolitischer und medialer, sondern auch ökonomischer und finanzieller Art." All dies gibt es auf der Rechten nicht - abgesehen von Parteipöstchen. Einzig denkbare und sinnhafte Möglichkeit ist es hier, sich global zu diversifizieren. Die überwiegende Zahl der Länder dieser Erde interessiert es nämlich überhaupt gar nicht, wer bei ihnen Firmen betreibt und Konten unterhält. 

Laurenz

15. Mai 2026 22:34

@Martha ... Warum schreiben Sie nicht vorsichtiger & von persönlichen Eindrücken, die Sie haben? Als ob Sie 26 AfD-Kreisverbände in Hessen einschätzen könnten, lächerlich. Ihr substanzloses Gefasel schadet uns. Zugegeben, Hessen ist ein schwieriges Pflaster, alleine schon aufgrund der gewaltigen Einkommensunterschiede. Aber das gilt für alle Parteien. Lambrou wurde schon immer vorgeworfen, daß es Ihm an Profil fehle, aber, Er ist ein großer Diplomat. Das weiß ich aus 1. Hand. Man braucht auch solche Leute. https://youtu.be/6XHFIx9Ypos

Ordoliberal

16. Mai 2026 02:50

Nationalsoziale Politik wird die Bundesrepublik vor dem wirtschaftlichen Ruin nicht retten. Schon deshalb, weil Nationalsoziale im Normalfall gar nichts von Wirtschaft verstehen. Sie misstrauen freien Märkten, "Multis" und "Liberalen". Sie glauben an einen Staat, der "die Wirtschaft ankurbelt" und "die Volksseele" erhält. Sie wollen  subventionieren, erziehen und privilegieren, genauso wie die Sozis. Nur soll eben "das deutsche Volk" davon profitieren. Aber nicht das vergrünte, verwokte, femininisierte und konsumverblödete deutsche Volk von heute. Auch nicht das deutsche Volk von irgendeinem datierbaren Damals. Sondern UnserDeutschesVolk®. Das Volk der Volksromantiker. Das Volk, das im Grimm'schen Märchenwald lebt.

Marcus AC Severus

16. Mai 2026 08:37

Der Vorsitzende Lambrou ist langsam und zögerlich. Ob er gerade in Hessen, im Land der Dregger und Kochs mit seinem leisen Konzept richtig fährt, bleibt zu bezweifeln. 

Marcus AC Severus

16. Mai 2026 08:53

Echt übel wie mit Sellner verfahren und der Mann persönlich sanktioniert wird. 
Verständlich, dass aus diesen Erfahrungen heraus die Position eines Krah wie Hohn wirkt. 

Fordring

16. Mai 2026 09:00

@Ordoliberal
Die Wirtschaft ist sowieso ein Nebenschauplatz, entscheidene Schlachten werden woanders geschlagen. Und Menschen, links wie rechts, wollen Romantik, deshalb werden biedere Liberale und Libertäre auch niemals irgendwo politische Relevanz erlangen.

Martha

16. Mai 2026 09:02

@ Laurenz
Daß Sie nicht mal grundlegende Anstandsformen haben, ist man hier gewöhnt. Daß Sie aber selbst in vielen Dingen keine Ahnung haben, haben Sie oft genug bewiesen. In Hessen gibt es max. 6 Kreisverbände, die wirklich auf stabiler AfD-Linie liegen. Die anderen sind weltanschaulich CDU 2.0. Kein Wunder, sind doch ehemalige Politiker der Altparteien zahlreich tätig. Ich maße mir an, den LV aus eigenem Erleben ganz gut zu kennen, während Sie lediglich vom bequemen Sessel sich und andere bespaßen wollen. Ich unterstütze die AfD, nehme mir aber das Recht, sie auch zu kritisieren. Was in Hessen abläuft, ist nunmal ganz offensichtlich problematisch.

RMH

16. Mai 2026 09:47

"Die Wirtschaft ist sowieso ein Nebenschauplatz, entscheidene Schlachten werden woanders geschlagen." @Frodring, ganz offensichtlich nicht, denn überlesen Sie bitte nicht diesen Satz von G.K. "Folgte man dieser Strategie, müßte die AfD vier Fünftel des sogenannten Vorfelds von ihren strukturellen, finanziellen und personellen Möglichkeiten abschneiden."
Wenn die AfD romantisch arm wie eine Kirchenmaus wäre (denn auch die strukturellen & personellen Mittel werden nicht von Spenden & Beiträgen alleine, sondern vor allem durch Mittel aus der öfftl.-rechtl. finanzierten Parlamentsarbeit gespeist), dann bräuchte sich auch kein Vorfeld an die Partei ranzuwanzen & auch die AfD müsste sich diesen Trog nicht durch "Unvereinbarkeiten" sichern. Man könnte dann so schön romantisch vor sich hin den Teil der Welt retten, der mal Deutschland hieß (die "Heimat" versucht das sehr romantisch, ist aber wg. fehlendem Erfolg beim Wähler offenbar nicht sexy genug für die erfolgsorientierten Romantiker des "Vorfelds"). Als W. Mann in 2 Beiträgen eine fast schon libertäre Forderung nach Abschaffung der Lohnsteuer als Sorel´schen Mythos forderte, wurde er vom romantischen Dünger dieses Kommentariats gefeiert. Also, es ist mal wieder the economy stupid, bzw. sind es die schnöden Penunzen, welche den Keim für den Aufreger setzen.

fw87

16. Mai 2026 10:26

Dem Artikel kann ich vollauf zustimmen. Tatsächlich sind die alten Unionsstrukturen eines der größten Probleme der AfD. Es handelt sich hier um Leute, die zwar ihr Parteibuch abgegeben haben, nicht aber ihre Gesinnung. In der AfD wurschteln sie nahtlos weiter wie bisher: Kuhhandel, Geschacher, Intrigen usw. Alles furchtbar kompliziert und kleinteilig, aber eben nicht politisch. Ehemalige Unionsmitglieder treiben nichts weniger als die Entpolitisierung der Partei voran. Persönlich vermute ich auch, dass es unter diesen Leuten eine hohe Bereitschaft gibt, sich vom VS anwerben zu lassen. Denn sie wollen ja immer staatstragend sein.
Wenn sich diese Strukturen durchsetzen, würde das langfristig den Todeskuss für die AfD und für das, was sie steht bedeuten. "Karrierebewusste" Kreise werden wissen, das zwischen der AfD und der Macht ihre Standpunkte stehen, die sie vertritt. Aus dieser Sicht ist klar, dass man die Inhalte  schleifen muss, um möglichst schnell an irgendwelche Sessel zu kommen. 
Eine Unvereinbarkeitsliste kann durchaus ihren Sinn haben. Aus den beschriebenen Gründen sollte man aber CDU/CSU darauf setzen. Natürlich kann sich jeder ändern, aber eine Sperrfrist von etwa 3 Jahren wäre schon sinnvoll. 

Gracchus

16. Mai 2026 10:53

Huch, @Ordoliberal, haben Sie sich im Strang verirrt? Auch wenn ich mich, weiß Gott, nicht als nationalsozial subsumiere, Ihren Angriff auf Grimms Märchen nehme ich Ihnen übel, Sie Erzphilister! Lieber Diener des freien Worts als Diener des freien Markts - auf dem ein Sellner kein Bankkonto bekommt, huch, wie kann das sein, was haben diese Bankhäuser (witzig: die Autokorrektur schlug dreimal Bankräuber vor) zu befürchten, und wenn sie etwas zu befürchten haben, warum haben sie nicht den Mut, wider den Stachel zu löcken? 

Valjean72

16. Mai 2026 11:37

@fw87: Zustimmung zu Ihrem Kommentar. Darüber hinaus ist mE davon auszugehen, dass die AFD mit VS-Leuten quasi durchsetzt ist. Die einen folgen praktisch ihrem bieder-kleingeistigen Naturell und haben die Aufgabe, die AFD an CDU und veröffentlichter Meinung heranzuführen. Andere sind dafür da, hie und da öffentlichkeitswirksam gezielt zu provozieren, am besten vor entscheidenden Wahlen.
 
Natürlich leben in den Alt-Bundesländern deutlich mehr Menschen und somit potentielle Wähler aber die klassische CDU-Unpolitik mit Geschacher, Mainstream-Anbiederung, Gefälligkeitsüberreichungen etc. (Politik vestanden als Dienstleistung und wirtschaftlicher Selbstoptimierung) wird Deutschland nicht wieder aufrichten. Ganz im Gegenteil: CDU/CSU, deren Mandatsträger und Mitglieder tragen hauptsächlich die Verantwortung für Niedergang und Verfall unseres Landes.
 
Die gesamtdeutsche AFD wäre nichts ohne die Landesverbände im Osten der Republik, ganz gewiss keine Alternative, sondern eine blosse Variante zu den etablierten Parteien.
 
 

Gracchus

16. Mai 2026 12:02

Die West-AfD trägt einen etwas faden BRD-Geruch mit sich rum.
Die Wirtschaft, die Wirtschaft, unser liebstes Sorgenkind. Das muss nicht jeder teilen, aber die ökonomische Basis ist für mich nur Mittel zum Zweck, um frei zu werden für die Dinge, die einem wirklich am Herzen liegen. 
Da @RMH steht auch nix zu lesen, dass Sellner oder die Gruppe 451 sich an die Partei ranwanzen wollen, um Gelder abzugreifen. Der letzte Absatz besagt, dass die auch ohne Rückhalt - gemeint hier: ein ideeller- der Partei zurecht kommen. 
Kubitschek beschreibt klar und präzise, was ihm missfällt und was er sich stattdessen wünscht. Mich erstaunt seine Geduld. Ich habe die nicht. Meinetwegen kann die Partei machen, was sie will. 
Und dass Sie @Laurenz derart als Parteisoldat auftreten, hätte ich nicht gedacht. 
Der mir unbekannten Gruppe 451 wünsche ich, dass sie Kleist auf ihre Liste setzt. Grimms Märchen natürlich auch. 

Fordring

16. Mai 2026 12:06

@RMH
 
Wenn man nur oder vor allem über Wirtschaftspolitik redet, holt man niemals einen großen Teil der Wählerschaft ab, Punkt. Darum geht es.

Herold

16. Mai 2026 12:09

Warum der Kanal Schnellroda Mitschnitte mit ihm nun löschen mußte, während andere, reichweitenstärkere Kanäle ausführliche Interviews mit ihm weiterhin öffentlich zeigen können, erschließt sich weder ihm noch mir.

Reichweite bedeutet nicht, dass man exponierter ist, sondern dass man mehr Protektion erhält. Ein Ben ist für YT ein wichtiger Partner, ein Kanal Schnellroda nicht - alleine das Höcke-Interview hat alleine vermutlich mehr Stunden Airtime auf der Plattform gebracht als alle Schnellroda-Videos zusammen. Das ist die wirtschaftliche Realität und da können dann so viele linke Gruppen Meldemuschi spielen wie sie wollen, am Ende kratzt YT/Google das nicht so lange Leute Zeit aufbringen, Werbung gucken, Superchats machen und kostenpflichtig abonnieren.

Zu diesen mehr als nur lästigen Mehrarbeiten, die Sellner zu leisten hat, um den Betrieb aufrechtzuhalten, kommen Abgrenzungen, die Teile des eigenen Lagers ihm gegenüber vornehmen. Es gibt Versande, die seine Bücher nicht anbieten, obwohl dort mit historisch harten Inhalten kokettiert wird.

Auch hier gilt: Rechts ist ein Wirtschaftsfaktor, ein Grift, und Sellner ist jemand, der Konkurrenz für die ist.
Sie betrachten die Sache zu ... freundlich und das ist leider auch der Grund, warum Sie und Schnellroda geistig wichtig und gleichzeitig relativ ohnmächtig sind. 
Ich schreibe das mit jeder Zuneigung zu Ihrer, unserer, Sache.
 

Herold

16. Mai 2026 12:16

@fw87:

Alles furchtbar kompliziert und kleinteilig, aber eben nicht politisch.

Doch, genau das ist Politik, halt einer bestimmter Provienienz.

Eine Unvereinbarkeitsliste kann durchaus ihren Sinn haben. Aus den beschriebenen Gründen sollte man aber CDU/CSU darauf setzen. Natürlich kann sich jeder ändern, aber eine Sperrfrist von etwa 3 Jahren wäre schon sinnvoll. 

Meine Meinung zu diesem Thema ist schon lange, dass der politische Gegner der AfD nicht die Grünen, die SPD, die aUsLänDEr oder so sind, sondern schlicht die CDU/CSU (und rechte Grifter). Die Lösung für "rechts" kann nur noch von noch weiter rechts kommen.
Erster Schritt: Jeden Ex-CDUler rauswerfen.

Alex Schleyer

16. Mai 2026 12:17

@Ordoliberal hat mit allem, was er schreibt, vollumfänglich Recht und ich lese seine Kommentare äußerst gerne. Ein nicht geringer Teil der Szene muß zwanghaft ständig politisieren, mißtraut und verteufelt alles, was er nicht versteht und will bzw. kann außerhalb der Polit-Blase auch nie wertschöpfend tätig sein. Eigentlich wie K-Gruppen im Trachtenjanker. Wirtschaft ist eben KEIN Nebenschauplatz, sondern elementar zum Überleben. Und Sellner ist nicht der einzige, der aus dem Wirtschaftskreislauf de facto ausgeschlossen ist. Bei all den unzähligen anderen, deren Existenzen vernichtet worden sind, hatte die Rechte absolut nichts weiter beizusteuern als raunende Opfermythen oder eben Parteipöstchen. Sonst nichts. Gar nichts. 

Ekstroem

16. Mai 2026 13:59

Gut, daß Sie die 12 Jahre und die deutsche Tradition benennen, @ordiliberal. Zu Beginn der 12 Jahre gab es einen beispiellosen wirtschftlichen Aufschwung, und das mit den Menschen, die vom Weimarer System aufs gröbste deformiert waren, analog der heutigen Deformation. "Was du ererbt von deinen Vätern...", dies ist unverzichtbar und überlebensnotwendig. 

Der mit dem Wolf tanzt

16. Mai 2026 14:08

@fw87
Dem, was Sie schreiben, stimme ich in vollem Umfang zu. 
Der staatstragende Duktus der Ex- CDU-Apparatschiks innerhalb der AfD ist ein riesen Klotz am Bein, gerade wenn es darum geht, eine Kultur-Revolution von Rechts zu initiieren, ohne die es keine Abkehr vom Kulturmarxismus geben kann.
Die Unvereinbarkeits-Liste gehört entweder abgeschafft, oder in ihrer Gültigkeit auf Ex-Mitglieder der System-Parteien erweitert.

Majestyk

16. Mai 2026 15:08

@ Fordring:
"Und Menschen, links wie rechts, wollen Romantik, deshalb werden biedere Liberale und Libertäre auch niemals irgendwo politische Relevanz erlangen."
Wäre dem so, Menschen würden anders bauen, andere Autos fahren, sich anders kleiden, andere Unterhaltung konsumieren, anders leben und anders lieben. 
"Die Wirtschaft ist sowieso ein Nebenschauplatz"
Den Satz muß man sich auf der Zunge zergehen lassen. Es gibt nicht nur einen ökologischen, sondern auch einen ökonomischen Lebensraum. Um solche zu erhalten oder auszubauen führt man Kriege. Wirtschaft ist im modernen Leben die Basis für nahezu alles. Es sei denn man will im vom Ordoliberal so schön benannten grimmschen Märchenwelt leben.
"deshalb werden biedere Liberale und Libertäre auch niemals irgendwo politische Relevanz erlangen."
Und wie soll sich etwas grundlegend ändern, wenn man immer nach demselben Rezept kocht, mal mit etwas mehr, mal mit weniger Salz?
@ fw87:
"Natürlich kann sich jeder ändern, aber eine Sperrfrist von etwa 3 Jahren wäre schon sinnvoll"
"A man deserves a second chance, but keep an eye on him." John Wayne
@ Martha:
Sie müssen mit den Menschen arbeiten, die es gibt, nicht mit idealen Menschen die noch heranwachsen müssen. Mit welchem Personal an politisch interessierten Menschen soll eine 2013 gegründete Partei denn arbeiten? Es sind entweder politische Neueinsteiger oder Leute mit einem anderen politischen Hintergrund.

anatol broder

16. Mai 2026 16:20

@ der starost 19:38
älteren semesters muss man nicht raten, was hilfreich ist. die bankverbindung des verlages ist nämlich unter dem artikel zu sehen.
@ ordoliberal 2:50
danke für den wortwitz. ich benutze ihn in einem neuen mehrfach-wortwitz, den ich bei gelegenheit mitteilen werden.
dass die hiesigen romantiker keine solchen im eigentlichen sinne sind, erkennt man daran, dass sie keinen wert darauf legen, deutsche spitzenleute wie dich aus dem ausland zurückzugewinnen.
mir ist übrigens gerade romantisch zumute, weil im text von kubitschek gleich zwei meiner jüngst nicht-veröffentlichten kommentare sinngemäß ihren platz finden.
@ rmh 9:47
richtig. das vorfeld scheint voller glücksritter zu sein, die auf ein schneeballsystem setzen. man erinnere sich etwa an erik ahrens.
@ fw87 10:26
natürlich kann sich niemand ändern.

Laurenz

16. Mai 2026 17:29

Herr Kubitschek, das nehme ich Ihnen persönlich übel. Nicht den Artikel, aber die Debatte von Leuten, die noch nie einen Kreisverband von innen gesehen haben.

Majestyk

16. Mai 2026 18:33

@ Fordring.
"Wenn man nur oder vor allem über Wirtschaftspolitik redet, holt man niemals einen großen Teil der Wählerschaft ab, Punkt. Darum geht es."
Guter Witz, wenn es einer wäre. Vom Nimbus Wirtschaftspartei zehren CDU/CSU seit der Adenauer/ Erhard Ära. Was den Durchschnittsbürger bewegt sind Fragen wie: Behalte ich meinen Arbeitsplatz? Kann ich mir ein Haus finanzieren, eine Wohnung? Wie sichere oder verbessere ich meinen Lebensstandard? Wie behalte ich diesen im Alter? All das hängt mit Wirtschaft zusammen. Wovon leben Sie?
@ Ekstroem:
Der "Aufschwung" jener" Jahre basierte auf Staatsverschuldung, Umverteilung und Zwangsdienste. Jenen Jahren verdankt Deutschland die Zerschlagung der Selbstverwaltung der Sozialversicherungsträger, nachfolgend die Plünderung der Rentenkassen. Aber ich möchte Sie in Ihrer Verklärung nicht weiter stören.
 

Argus

16. Mai 2026 19:32

Ich schließe mich den beiden "Konkneipanten", nämlich "Martha" & "Valjean72", voll und ganz zur Beschreibung der AfD-Situation in Hessen im Besonderen und dem vermerkten "Gefälle" zwischen den Westzonen-Verbänden und denen der mitteldeutschen LVs der AfD gerne an.Ich kann aus nächster Nähe berichten, dass der Bekanntheitsgrad des gegenwärtigen AfD Fraktionsvorsitzenden alleine in der Landeshauptstadt Wiesbaden gegen Null geht. Wahrscheinlich ist dieser in Kassel oder Bensheim garnicht mehr messbar. Ich erinnere mich an ein von der FAZ Rhein-Main geführtes Interview mit diesem Herrn, in dem er von sich gab, nicht nur SPD-Mitglied einmal gewesen zu sein, sondern gar schon die "Grünen" gewählt zu haben. Geboren ist er im Jahre 1967. In welcher BRD hat dieser Kerl eigentlich gelebt? 
 

Argus

16. Mai 2026 22:05

Komme gerne auch auf den Kommentar des "@fw87" zurück. Klasse Vorschlag, den "Unionisten" eine Sperrfrist zu erteilen. Ich erinnere mich, übrigens ich war bis heute nie Mitglied einer Partei gewesen, dass dieser Wichtigtuer, jedoch mit einer durchaus besitzenden Eloquenz und auch Belesenheit ausgestattete AfD-Hessen-Anführer der ersten Stunde namens Konrad Adam, FAZ-Mitherausgeber dereinst, sein Unwesen bezüglich der zu genehmigenden Mitgliedschaften in Hessen unmittelbar nach der Gründung der Bundespartei AfD im hessischen Oberursel treiben durfte. Was kamen mir des Öfteren dabei vollkommen absurde Ablehnungsfälle für patriotische Mitmachwillige zu Ohren. Das betraf besonders die national denkende Personengruppe, die ihren Namen und ihre Anschrift in den Dienst von Franz Schönhubers "Die Republikaner" gestellt hatte. Schlimme Zeit in Hessen. So trägt dieser Umstand sicherlich dazu bei, dass die entnationalisierten Schönwettergeister a la Lambrou mit seinen Gleichgesinnten, und das bis heute, das Regent am Führen in Hessen sind. Das sich die "Taschen vollmachen" währenddessen hat nicht unerwähnt zu sein. Schade um so viel geeignetes patriotische Personal, das in Hessen weggeekelt wurde.
 
 

ofeliaa

16. Mai 2026 22:27

Ich kann die Situation Sellners recht gut nachempfinden, hatte ich doch schon ein paar Kontosperrungen aufgrund von Schulden. Dies ändere ich jedoch gerade mithilfe unmenschlich wirkender Arbeit in drei Jobs. Fraglich bleibt jedoch, wie man als Mensch in Deutschland die gesetzliche Krankenkasse bezahlen soll. Das ist tatsächlich ein witziges Thema, denn es ist gesetzlich vorgeschrieben, aber ganz faktisch sagt einem niemand, wie man dieses Geld aufbringen soll. Aber man muss es zahlen. Verpflichtend. Ein 605 Euro Knochenjob schafft Abhilfe. Geld zu haben in Deutschland, ist schwer. Nun zu den Videos - in den meisten Gesprächen mit Sellner, die man auf YT finden kann, geht es um seine Werte, seinen Glauben bis hin zu seinem Privatleben. In den Vorträgen in Schnellroda, sowie in seinem Buch, geht es um Remigration und andere gesellschaftlich-politische Themen. Somit deute ich die Löschung so, dass YT und Leute, die seine Videos gemeldet haben, davon ausgehen, dass die Vorträge in Schnellroda brisanter und eklatanter sind als die anderen Podcasts und Interviews - dementsprechend löschen sie den "gefährlichen ideologischen Funken". 

Martha

16. Mai 2026 22:44

Heute AfD-Veranstaltung in Vellmar, Nordhessen, mit den MdBs Schulz und Lamely. Auf Nachfrage wurde von Lamely - ohne Widerspruch von Schulz - mitgeteilt, daß man die Aktion 451 "aus bestimmten Gründen" nicht brauche, man "habe ja die GD". Das Vorfeld könne "machen was es wolle", es sei für die AfD irrelevant, die AfD leiste schließlich "parlamentarische Arbeit" ohne ein Vorfeld zu benötigen. Also: Das Vorfeld geht ihnen am Allerwertesten vorbei. Was sie nicht parteipolitisch kontrollieren können, wollen sie nicht. Sie glauben es alleine schaffen zu können und träumen von immer größeren Erfolgen. Na, dann schauen wir mal. Ich finde es notwendig, darüber öffentlich zu reden, wie große Teile der Partei zum Vorfeld stehen. 

Kurativ

16. Mai 2026 22:50

Vielen Dank für die Information über die Umstände der Unsichbarmachung. Die Videoas sind zwar erst einmal weg, aber dafür wird sein Name weiter genannt. Ich würde mir sogar wünschen, dass sein Name überall erscheint und damit noch mehr Verbreitung findet. Er scheint einer der Besten zu sein. Sonst würde sich das System nicht so eine Blöße beim Weg-Trotzkisieren und der Verfolgung machen.

Ordoliberal

16. Mai 2026 23:43

1/3
@Gracchus
"Die ökonomische Basis ist für mich nur Mittel zum Zweck, um frei zu werden für die Dinge, die einem wirklich am Herzen liegen."
Wenn Sie Dinge tun, die Ihnen am Herzen liegen, ganz egal welche, haben Sie Kosten, die Sie erwirtschaften müssen. Auch wenn die Dinge umsonst zu sein scheinen, wie... - ja, wie was eigentlich? Lesen Sie ein Buch, ist es in einem aufwendigen wirtschaftlichen Prozess hergestellt worden. Dasselbe gilt für den Film, den Sie gucken, die Gartenarbeit, die Sie machen (oder graben Sie mit den Fingern um und sägen mit den Zähnen?), der Abend beim Kartenspiel (Licht, Karten, Tisch) etc. Selbst ein FKK Spaziergang am Strand setzt Zeit voraus. Wenn Sie sagen, dass alle Dinge, die Ihnen wirklich am Herzen liegen, rein konsumptiv sind, d.h. zwar von Ihnen erwirtschaftet, aber niemand anderem von Nutzen, dann sind Sie kein Konservativer, sondern ein Einsiedler.

Ordoliberal

16. Mai 2026 23:45

2/3
@Gracchus
"Lieber Diener des freien Worts als Diener des freien Markts."
Ihre Forderung nach freier Rede ist eine Forderung nach einem freien Markt, nämlich dem Meinungsmarkt. Sie wollen sich Ihre Meinung nicht vorschreiben lassen. Gut! Ich nehme an, dass Sie sich auch nicht vorschreiben lassen wollen, was Sie lernen, welchen Beruf Sie ausüben, wo Sie wohnen und was sie essen sollen. Dann müssen Sie auch hier freie Märkte fordern. Sie müssen überhaupt überall freie Märkte fordern. Zum Beispiel als Demokrat. Eine freie Wahl ist nichts anderes als ein freier Ämtermarkt.

Ordoliberal

16. Mai 2026 23:51

3/3
@Gracchus
"Lieber Diener des freien Worts als Diener des freien Markts."
Jeder ist auf einem freien Markt Herr und Diener gleichzeitig. Denn jeder ist Herr als Konsument und Diener als Produzent. Ein Unternehmer ist ein Diener. Als Angestellter sind Sie Diener des Unternehmers, nicht Diener des freien Markts. Aber das sind Sie freiwillig. Sie können den Vertrag lösen - auf einem freien Arbeitsmarkt.
Es ist für einen bestimmten Menschentypus natürlich beklagenswert, dass er überhaupt arbeiten muss - das heißt: Für andere Menschen nützlich sein. Er würde lieber im Schlaraffenland leben. Oder alles, was er braucht, von den arbeitenden Menschen stehlen. Das ist der Menschentypus, der sich einen Reichen nur als Dieb vorstellen kann. Und Gerechtigkeit nur als Anspruch auf die Früchte fremder Arbeit. Er glaubt auch, dass Arbeit unabhängig vom Nutzen, den sie für andere hat, bezahlt werden sollte.
Mit anderen Worten: Er ist ein Linker.

Ordoliberal

17. Mai 2026 01:22

1/2
Linke und Rechte haben gemeinsam, dass sie Schwierigkeiten mit der abstrakten Begriffsbildung und der emotionslosen Beobachtung haben. Das kann auch gar nichts anders sein. Links und Rechts sind zwei Varianten der politischen Romantik. Und die Romantik verachtet nun mal den Begriff und das Zählbare und vergöttert das Gefühl und das Erahnbare. Alles Rationale ist der Romantik fremd. Daher auch der Hass auf Wirtschaft und Technik bei Links wie bei Rechts.
Für Höcke kommt der Lebenssinn aus dem Dienst am Staat. Wie männlich romantisch! 
Für Reichinnek ist das Leben nicht lebenswert, wenn sich der Staat nicht darum kümmert, dass es allen Menschen gut geht. Wie weiblich romantisch!
Für die Anarchokapitalisten kommt alles Übel vom Staat. Gäbe es ihn nicht, würden sich die freien Märkte und damit die Gerechtigkeit auf Erden von selbst einstellen. Wie kindlich romantisch!

Ordoliberal

17. Mai 2026 01:31

2/2
Freie Märkte sind etwas Unnatürliches. Sie beruhen auf freiwilligem Tausch und freiwilligem Wettbewerb. Diese Freiwilligkeit ist aber nicht selbstverständlich. Sie ist nicht natürlich gegeben. Jeder Produzent hasst es zu konkurrieren. Jeder Konsument hasst es zu zahlen. Jeder hätte gern ein sicheres Einkommen. Jeder würde seine Kosten gern auf Dritte abwälzen. Aber das ist nur durch kriminelles Verhalten möglich. Also durch den Einsatz privater Gewalt.
Für Ordoliberale ist staatliche Gewalt nur dadurch zu rechtfertigen, dass sie private Gewalt verhindert. Wenn der Staat jedoch seine staatliche Gewalt missbraucht, um bestimmten Marktteilnehmern die Konkurrenz vom Hals zu halten und ihnen ein sicheres Einkommen zu garantieren, oder ihnen erlaubt zu stehlen und ihre Kosten auf Dritte abzuwälzen, dann handelt der Staat kriminell.
Oder wie der Sozi sagen würde: Sozial.

Laurenz

17. Mai 2026 07:00

@Argus ... wohne in Oberursel. Die heutigen Artikel Herrn Dr. Adams, zB auf Tichys, sind ein beredtes Zeugnis für die Werke eines Profis, ein genau definiertes politisches Profil literarisch zu skizzieren. Konservativ genug, um oppositionell zu wirken, vorsichtig genug, um als Liberaler zu gelten. Das hat aber nichts mit der Person an sich zu tun, die bei Tichys schreibt/publiziert. Wenn man die Gelegenheit bekommt, mit Dr. Adam abends beim Bier oder einem Glas Wein ein Gespräch führen zu dürfen (hatte ich 2x), debattiert man gewiß mit einem außergewöhnlich klugen Kopf. Der kluge Kopf schützt aber nicht vor Größenwahn. Heute wird die Abwahl Adams als AfD-Kreisvorsitzender des Hochtaunuskreises in 11/2015 einem Rechtsruck der AfD zugeschrieben, vor dem Adam öffentlich warnte. Dafür wurde er, zu Recht, abgemahnt & abgewählt. Wenn man sich mit den damals Beteiligten aller Couleur unterhält, war es der Führungsstil des Despoten Adam, der, wie Bonaparte von der Schlacht, die Befehle in Kreisvorstandssitzungen & - Hauptversammlungen ausgab. Dafür war keiner der AfD beigetreten, egal ob er Liberaler, Sozi oder Konservativer Herkunft war. Man kann sich die Leute nicht aussuchen. Eine Unvereinbarkeitsliste ist nur ein grobes Raster. Bei über 50k AfD-Mitgliedern gibt es über 50k Meinungen, wer auf diese Liste gehört, & wer nicht.

fw87

17. Mai 2026 09:41

@Martha: Die von Ihnen beschriebenen Probleme in Hessen lassen sich eins zu eins auch auf andere Gebiete Westdeutschlands übertragen (Stichwort: CDU 2.0).
In der Unscripted-Sendung verwendete Björn Höcke das treffende Wort vom "ankommen". "Kommt hier nicht zu früh an!", so seine Warnung an Parteikollegen. Leider sind viele AfDler in geradezu unheimlicher Weise "angekommen" im System. Dass es eine Brandmauer gibt, dass AfDler in weiten Teilen der Gesellschaft immer noch Menschen zweiter Klasse sind, hält diese Leute in keinster Weise davon ab, sich als Teil des Systems zu fühlen.
"Die Rettung Deutschlands fällt aus - jetzt geht's ans Kleingemachte!" So könnte man das ungeschriebene Motto dieses Politikertyps bezeichnen. Mauschelnde Sachpolitik in altbewährter CDU-Manier. Ich vermute, der VS wird sein möglichtes tun, um genau diese Entwicklung zu befeuern. "Zersetzung durch Entkernung" - das scheint mir die unterschätzte Gefahr zu sein. Wie ich hörte, gehen Geheimdienste davon aus, dass man ideologische Energie in Verwaltungsprozesse ableiten kann ("Auflösung des Politischen durch seine Verrechtlichung"). Man muss also schauen, wo die Gefahren wirklich stecken. Trotz dieser bedrohlichen Entwicklung kann ich nur sagen: Weiter machen. Weiter kämpfen für unser Land, so lang es geht. Es lohnt sich.

RMH

17. Mai 2026 09:45

@Gracchus, Du solltest meine Stil, ab & an ironisch-sarkastisch zu schreiben, mittlerweile kennen. "Ranwanzen" war eindeutig nicht eng dem Worte nach gemeint. Im Übrigen steht der Satz von G.K., in dem er dem Vorfeld eine 4/5 Abhängigkeit quasi bescheinigt, im Raum. Das ein M. Sellner mittlerweile - nach harter Arbeit & Schlägen, die er einsteckt - ebenso wie ein Verlag Antaios - auch nach harter Arbeit - im Zweifel auch ohne die Partei können, ist glaubhaft. Bei solchen Mikro-Bewegungen wie 451 ist es anders, die sind noch so klein, dass es sicher einfacher ist, auf ein Trittbrett von irgendeinem Wagon des AfD-Zuges zu springen. Ohne diesen "Motor" wird ihre Arbeit härter, aber, wie andere gezeigt haben, geht es auch ohne. Überhaupt sehe ich einen kleinen WIderspruch, wenn man selber aus taktisch- legitimen (!!) Gründen Sellner Videos mal raus vom Kanal nimmt, um den Kanal zu erhalten & bei einem AfD-Landesverband dann vergleichbar taktisches Verhalten, welches auch zur Gesamtstrategie der AfD passt, groß zu beanstanden. Jeder steht auf seinem Posten, jeder trifft Entscheidungen. Mal passen einem die Entscheidungen, mal nicht. Bei @Martha ist jetzt zumindest der Groschen dahingehend gefallen, dass sie ihren Unmut darüber innerparteilich artikuliert, denn @Laurenz hat hier recht, man hat schon die richtige Feldpostadresse anzuschreiben.

Le Chasseur

17. Mai 2026 09:49

@ofeelia
"Fraglich bleibt jedoch, wie man als Mensch in Deutschland die gesetzliche Krankenkasse bezahlen soll. Das ist tatsächlich ein witziges Thema, denn es ist gesetzlich vorgeschrieben, aber ganz faktisch sagt einem niemand, wie man dieses Geld aufbringen soll."
Beantragen Sie Bürgergeld. Oder suchen Sie sich einen richtigen, sozialversicherten Job. So machen Sie sich nur kaputt und andere reich.

RMH

17. Mai 2026 09:57

Die grundsätzlichen Skandale bei dem Fall sind zum einen, dass M. Sellner nach wie vor "debankt" wird, dass man an ihm beispielhaft das Modell "Bestrafe einen, erziehe hundert" radikal durchziehen kann & - dies gehört zur Wahrheit dazu - dass es die Rechte nicht schafft, hier irgendwie Abhilfe zu ermöglichen, selbst wenn es nur Hilfskonstrukte sind (evtl. gibt es die ja bereits & man hält sich lieber bedeckt, was nur zu verständlich wäre). Der weitere Skandal ist der zum Alltag gewordene Angriff linker Gruppen auf Oppositionelle. Wenn dieser jetzt dazu führt, dass im naturgemäß sehr weiten Lager der Opposition mal wieder sich gegenseitig belehrt wird, wie Opposition zu gehen hat, zeigt dies, dass die Strategie der Linken, physische Gewalt anzuwenden, auch Tiefenwirkung hat. Ein Grund mehr, damit weiter zu machen. Eine AfD darf sich gerne mit der halben Welt "unvereinbar" & damit auch mit 451 erklären, dass ist ihr volles Recht, was steht es mir, als Nicht-Parteimitglied zu, hier zu kritisieren. Wenn Sie aber politische Gewalt nicht so deutlich anspricht, wie sie anzusprechen ist, dann macht sie einen Fehler.

Beta Jas

17. Mai 2026 10:27

Was wurde als Begründung angegeben für das Löschen der Sellner-Beiträge auf YouTube?

RMH

17. Mai 2026 10:31

@Ordoliberal, danke, dass Sie es erneut versuchen, Binsenweisheiten zum Thema Marktwirtschaft den Lesern nahe zu bringen. Alleine, dass man Marktwirtschaft & freie Märkte ablehnt, ist immer auch ein Zeichen von Wohlstand, Luxus &, wenn man es böse formulieren will, Wohlstandsdekadenz, die man ja ansonsten nur im sog. "Kosumismus" erkennen will. Nein, nur Marktwirtschaft sorgt effektiv für die Versorgung von über 8Mrd Menschen auf der Welt & insbesondere >80 Mio in D. In D kann man sich gerne auch einen Bauernhof kaufen % sich an "Substitution" & Autarkie versuchen. Das wird beim einzelnen sogar weitestgehend klappen, aber nicht bei 80 Mio. Was passiert, wenn Märkte überstark reguliert werden, haben doch die Deutschen am eigenen Leibe mehrfach erlebt, die Mitteldeutschen im Sozialismus 40 Jahre lang. Es bilden sich Schwarzmärkte, Parallel-Märkte, Tauschbörsen etc. Das kann man jetzt als ein stückweit anarchische-Freiheit romantisieren, aber am Ende ist es der schlagende Beweis, dass der Mensch in der Massengesellschaft freie Märkte zum Leben braucht. Kann der eine, staatlich gelenkte, die Beürfnisse nicht befriedigen, werden andere von den handelnden Menschen geschaffen, q.e.d.

RMH

17. Mai 2026 10:55

Warum hier von einigen gegen ehem. CDUler in der AfD gewettert wird (gehört das ehem. JU-Mitglied Höcke auch dazu?), erschließt sich mir nicht. Die AfD wurde auch von Unions-Renegaten mitgegründet. Ihr Ehrenvors. ist ehem. CDU-Funktionär. Ohne das Wohlwollen dieses Ehrenvors., der wiederum auch nur für andere ehem. "Altparteiler" steht, wären die Rechten in der AfD nicht so stark, wie sie heute sind. Ohne die Kenntnisse & Erfahrungen, die Altparteiler (aber auch der vielen, aus der Berufspraxis stammenden Mitglieder, die noch nie Parteimgld waren) wäre die AfD auch nur wieder eine Eintagsfliege geworden. Es ist einmal mehr so, dass Rechte im Wesentl. zum Krawall fähig sind & gerne die Hand beißen, die sie einst fütterte & groß gezogen hatt. Warum sind Rechte nicht in der "Heimat"? Eine Partei, die den hier im Kommentariat von etlichen vertretenen Ansichten deutlich näher steht. Rechte rühmen sich gerne ihrer Aufrichtigkeit. Aufrichtiger wäre es, dann dahin zu gehen, die im Falle der "Heimat" sogar solide, theoretisch durchdachte Altern. zum "Kapitalismus" anbietet (Arne Schimmer sei hier genannt, ein echter Rechtsintellektueller!), statt die Fleisch vom Fleische der BRD seiende AfD umerziehen zu wollen? Der Grund ist einfach, die AfD ist der gravy train, den man reiten will, um zur Macht zu kommen. Wie unromantisch, wie materialistisch, wie opportunistisch.

FraAimerich

17. Mai 2026 12:41

@Ordoliberal: "Jeder ist auf einem freien Markt Herr und Diener gleichzeitig."
 
Das kann man natürlich so sehen. Es drängt sich nur sogleich die Frage auf, auf welcher Grundlage bzw. wem und wozu man dient. Denn Menschen, die von Lohnarbeit leben müssen, denen Geld also nur als Zahlungsmittel zur Deckung ihrer Grundbedürfnisse zur Verfügung steht, finden sich in einer längst (und unvermeidlich) zum Finanzkapitalismus erblühten Marktwirtschaft wieder, in der Geld denen, die über Kapital verfügen und "sich mit Wirtschaft auskennen", Mittel und Zweck der Reichtumsvermehrung auf Kosten anderer geworden ist. Ein gesundes Mißtrauen "freien Märkten" gegenüber scheint mir da, in Krisenzeiten zumal, nachvollziehbar - wenn nicht sogar geboten. 
Persönlich werde ich auch mißtrauisch, wenn bereits bloße Hinweise auf bekannte kapitalistische Marktprinzipien als "links" oder "marxistisch" abgeblockt und deren mitunter doch recht unangenehmen Folgen gleichzeitig "dem herrschenden Sozialismus" zugeschrieben werden. Um eine offene Diskussion geht es da sicher nicht.

Gracchus

17. Mai 2026 13:21

@Ordoliberal: Ihr Hang zu lehrbuchartigen Vorträgen lässt in mir den Verdacht keimen, dass Sie an einer Uni oder uni-ähnlichen Institution zugange sind, für ihre Glaubwürdigkeit hoffe ich: privat finanziert.
Mein Satz über "Dinge des Herzens" schließt nicht aus, dass diese Dinge auch Geld kosten, sie müssen aber nicht notwendig Geld einbringen. Weitere Erläuterungen empfinde ich als "unökonomisch" und "erspare" sie mir.
"Diener des freien ..." stand konkret im Kontext zu Sellners Konto-Situation auf Ihrem freien Markt. Ihre abstrakten Ausführungen gehen also an der Sache vorbei.
Interessant ist, dass Ihr Argumente für "freie" Märkte letztlich auf ein moralisches zurückgeht, auf moralischen Utilitarismus. Da ist der Hase im Pfeffer begraben.
 

Gracchus

17. Mai 2026 13:44

@Ordoliberal: Ihre Verwendung des Begriffs "Romantik" fällt leider auf sie zurück, sie ist selber romantisch und emotional getönt, gleichzeitig einem simplifizierenden rationalen Schema folgend. Was die Ablehnung der Romantik betrifft, treffen Sie sich mit dem Sozialisten Hacks, der die Mauer als der Erdenwunder schönstes pries, so Peter Hacks: Zur Romantik. Den Begriff "politische Romantik" hat der rechte Carl Schmitt geprägt. 
"Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es." (Novalis, Salinenassessor). 

Gracchus

17. Mai 2026 14:13

@Ordoliberal: Ich habe auch erhebliche Vorbehalte gegenüber der Romantik. Die Gegenüberstellung von Verstand und Gefühl ist m. E. aber etwas abgeschmackt (vgl. Z. B. den Hirnforscher Antonio Damasio). Ganz offensichtlich haben Gefühle, z. B. Schmerz, handlungs- und erkenntnisleitende Funktion.
Es gibt auch eine Technik-Romantik und bei Ihnen einen Romantik des freien Markts und des begrifflichen Denkens. Das begriffliche Denken bekommt die Dinge weniger in den Griff als es vorgibt. Beispiel: der verwaschene Begriff "Romantik". Eigentlich gilt dies für alle politisch relevanten Begriffe, die eben auch Kampfbegriffe und damit von politischen Vorlieben und Interessen geprägt sind. Der Sprachpositivismus des Wiener Kreises ist völlig gescheitert. 

Gracchus

17. Mai 2026 14:43

@Ordoliberal: Im Übrigen müsste auch Ihnen auffallen, dass der "Markt" romantische (= irrationale) Bedürfnisse und Wünsche bedient und diese am Laufen hält. 

FraAimerich

17. Mai 2026 15:04

@Majestyk  -  "All das hängt mit Wirtschaft zusammen"
 
Gewiß. Jammerschade nur, daß es um die Sorgen des Durchschnittsbürgers bei der kapitalistischen Bewirtschaftung der Welt primär gar nicht geht. Die politische Herrschaft bekennt sich dazu in ihrer Abteilung "Sozialstaat".
Was die andere Sache angeht: Argumente schafft man nicht aus der Welt, indem man sie ignoriert. Man muß sie schon widerlegen oder wenigstens relativieren - und dafür erst einmal zur Kenntnis nehmen. Es genügt nicht, mit dem Fuß aufstampfen und dem Überbringer der Nachricht "eine vor den Latz zu knallen", wie Sie vorzuschlagen beliebten. 
Auch banalen Tatsachen sollte man Rechnung tragen. Die systematische Verdrängung der Konkurrenz etwa, vom gezielten "Ausbooten" kleinerer Mitbewerber bis zur feindlichen Übernahme, gehört zu den Grundmanövern kapitalistischer "Wohlstandsproduktion". Das führt - unabhängig davon, was Sie persönlich erlebt haben mögen - zwangsläufig und auch ganz ohne "Sozialismus" zu Insolvenzen. Mit idiotischen oder fremden Interessen geschuldeten Markteingriffen zugegebenermaßen früher und häufiger.

Old Linkerhand

17. Mai 2026 17:34

"Wirtschaft ist elementar zum Überleben"
Zum Überleben brauche ich 3 frische Eier in einer gut eingebrannten Eisenpfanne. Wenn ich Fleisch und Honig habe, bin ich glücklich. Altes Hadza Sprichwort. Kommt mir einer mit Economy, kriegt er die Pfanne vor die Birne. Okay, ohne Bücher und Musik geht es dann doch nicht. Von mir aus können wir alles bis auf die Eisenbahn zurückfahren. Zur Station würde ich dann reiten. 

AlbertC

17. Mai 2026 23:44

Mein erster Kommentar seit Jahren, weil ich die  Uni-Praxis wirklich sehr gut kenne : Alles ziemlich realitätsfremd und abgehoben hier. Das Anti-Distanzierungsargument ist hier einfach unsinnig. 451 mag ja  theoretisch schön begründet sein und hat ein cooles Label . Aber in der Praxis wird man als IB-Ableger von den Hochschulleitungen oder linken Gruppen vorgeführt und lächerlich gemacht. bzw. hat eben keinen bis wenig Erfolg.   Insofern ist auch die Kritik an der AFD Hessen oder anderen besserwisserisch und realitätsfremd. Mit einem gesperrten Spieler darf ich halt aktuell nicht spielen als Team. Ob die rote Karte berechtigt war oder nicht.  Ich gehe bei vielen unbequemen harten Meinungen zum falschen Anpassungsdruck mit, aber  mich stört hier der komplett falsche Fokus auf die IB vom sog. Vorfeld. So wird das nichts mit der Meinungsfreiheit an den Unis.  Es gäbe  klügere und bessere Wege , sei es praktisch mit populären Aktionen oder rechtlich mit den vorhandenen Mitteln im Hochschulrecht.  

links ist wo der daumen rechts ist

18. Mai 2026 00:05

Nachdem man in deutschsprachigen Landen nur mehr die Einteilung in Putinleugner und Klimawandelversteher (oder umgekehrt?) zu kennen scheint, oute ich mich hier zu später Stunde ganz dreist als Buckelwalversteher - und ergänze das um die steile These, dass Sellner eine ähnliche Rolle wie der Buckelwal spielt (er möge natürlich uralt und weise werden). Im Grunde ist er für beide Lager eine reine Projektionsfläche. Gäbe es ihn oder gar - horribile dictu - die AfD nicht, wohin wäre der Unmut eines Drittels der Bevölkerung gewandert? Richtig, die Altparteien hätte es zerbröselte. So aber fungieren Sellner und die AfD als eine Art - psychoanalytisch gesprochen - Abjekt: und sprich nur ein Wort (Kampf gegen Rechts!) und meine Seele wird gesund. Liest man z.B. den ollen Gremliza, hat das auch schon Richtung Republikaner funktioniert.
Im übrigen bin ich der Meinung, dass jeglicher Aktivismus eine linke Volte ist.

RMH

18. Mai 2026 07:46

@Old Linkerhand,
dann seien Sie sehr zufrieden, wenn das alles bei Ihnen in ihrem eigenen, kleinen Kosmos so klappt. Millionen andere sind darauf angewiesen, dass es genug Leute gibt, die jeden Morgen früh aufstehen und ihre Arbeitskraft beim Kapitalisten oder Staatskapitalisten zur Abschöpfung des Mehrwerts verkaufen. Wenn wir jetzt jedem eine Eisenpfanne, 3 Eier und ein Pferd zum Ritt zur Dampflock geben, würde alsbald das Pferdstückweise in der Pfanne oder über dem Grill landen und die Pfanne - echtes Multi-"Tool"- zum gegenseitigen Köpfe einschlagen verwendet werden.

Mitleser2

18. Mai 2026 08:22

@linker Daumen: soso, ohne die AfD "hätte es die Altparteien zerbröselt". Steile These. Erklären Sie doch mal.
@Linkerhand: RMH hat Ihnen schon alles gesagt. Wenn alle so denken würden, hätten wir Mord und Totschlag nicht nur von Seiten der illegalen Migranten.

Valjean72

18. Mai 2026 08:41

@RMH: "Warum sind Rechte nicht in der "Heimat"?"
---
Weshalb sind Sie nicht in CDU/CSU oder FDP engagiert oder wahlweise bei der Werteunion/Team Freiheit? Dort wären Sie mE sehr gut aufgehoben, liberal-konservativ, alt-bundesrepublikanisch, mainstream-affin.
 
Eine weitere Frage: würden Sie auch Björn Höcke, Christoph Berndt oder Ulrich Siegmund anempfehlen, sich doch besser der "Heimat" anzuschliessen?

Martha

18. Mai 2026 09:34

@AlbertC War während meiner Unizeit (RFS, GDS, RHV) an einer linken Uni aktiv. Habe auch einiges Übles abbekommen. Natürlich sind die Unis äußerst problematische Kampfplätze und die Probleme jedem bekannt, der da was aktiv getan hat. Meine Frage ist aber: Wie soll sich denn was ändern, wenn man sich da komplett raushält? Ihre Vorschläge sind derzeit zumindest genauso unrealistisch, wie Sie es vom Aktivismus behaupten. Nach Ansicht der Hessen-Afd (Lamely usw.) soll das die GD übernehmen. Für die Linke macht das keinen Unterschied. Nur: Wo tritt denn die äußerst personalschwache GD überhaupt an den Unis in Erscheinung? Nein, wir brauchen neben der Parteijugend und den Verbindungen weitere Gruppen, die sich als Alternativangebote und Wellenbrecher verstehen. Daher sind die 451er und die IB zu unterstützen. Alle Kritiker sollten überlegen, was sie selbst tun, um was zu ändern. Warum unterstützt die AfD nicht den "Deutschen Akademikerverband" (DAV)? Das wäre ein weiterer Mitkämpfer. Aber der ist ja nicht zu kontrollieren. Der Vorsitzende ist übrigens der verdienstvolle AfD-MdB Dr. Birkhan.

MARCEL

18. Mai 2026 09:48

Je mehr Zeit vergeht, je mehr sich Probleme zu Systemelementen verhärten und damit zur Höheren Gewalt verdichten, desto weniger wird die Alternative eine Alternative sein können. 
Kurz: Es ist schon zu spät 
Und, bei allem Respekt für das Geleistete: Die NR ist selbst bereits ein Symptom des Verfalls. Das ist meine ganz persönliche Lernkurve.
Zur Ehre gereicht immerhin: Die NR war das Beste, was die "Kaufmanns-Krämer-Republik" BRD an nationaler Dissidenz hervorbringen konnte...

FraAimerich

18. Mai 2026 10:49

@RMH  -  Ein entsprechender Ordnungs- und Rechtsrahmen wird massiven Bratpfannenmißbrauch doch gewiß zu verhindern wissen!?

dojon86

18. Mai 2026 10:49

@Old Linkerhand Klingt wirklich sehr verlockend. In meiner Datscha versuche ich dergleichen soweit möglich zu verwirklichen. Ich komme dank relativ naher Bahnstation und Fahrrad bzw. auch einfach meinen eigenen Füßen auch fast ohne Auto aus. (Es ginge letztlich auch ohne) Die drei Eier und die Eisenpfanne sind ja leistbar. Aber hast du schon bedacht, was Pferdehaltung kostet. Stall, Weide, Tierarzt, ist alles verdammt teuer.

fw87

18. Mai 2026 11:12

@AlbertC: Vom akademischen Milieu geächtet zu werden, ist doch geradezu ein Ehrenabzeichen. Was tut dieses Milieu im Großen und Ganzen? Es stützt das jeweils herrschende System, indem es seine politischen Entscheidungen rational unterfüttert. Von Nationalsozialismus bis Corona ist die Liste an Beispielen endlos, die man dazu anführen könnte. Opportunismus gehört zur DNA des akademischen Systems. Der Opportunismus ist es, der das akademische Milieu spezifisch von anderen Gesellschaftsschichten unterscheidet. Warum manche im rechten Bereich gerade bei diesen Leuten fast verzweifelt nach Anerkennung suchen, werde ich nie verstehen.
Um den akademischen Bereich braucht man sich politisch nicht zu kümmern. Man kann ihn buchstäblich links liegen lassen. Sollen sie sich doch gegenseitig mit ihrer Cancel Culture strangulieren, ich habe da wenig Mitgefühl. Einem jungen Rechten würde ich empfehlen, einfach pro forma ein BWL-Studium zu machen. Ich habe gehört, dass es da noch einige kritische Professoren gibt, denen auch was an der Meinungsfreiheit liegt. "Schöngeistiges" kann man sich dann für die Semesterferien aufheben. Nach der Wiedergeburt unseres Landes werden die Akademiker die ersten sein, die im Block und ohne jeden Widerstand mitziehen werden. Da kann man sich sicher sein.

Rheinlaender

18. Mai 2026 11:39

@RMH
Die von Ihnen angesprochenen Punkte stören mich auch am Denken mancher Rechts- und Linksökologen. Spätestens, wenn man Kinder hat und gerne möchte, dass diese samt Mutter die Geburt überleben und zumindest das fünfte Lebensjahr erreichen, versteht man, welchen Segen der technisch-medizinische Fortschritt und das einzige bislang bekannte Wirtschaftssystem darstellen, das diesen allgemein zugänglich macht. Ich habe den Eindruck, dass das von diesen Ökologen als irgendwie gegeben betrachtet wird und man sich der Voraussetzungen nicht bewusst ist. Postmaterialismus muss man sich leisten können, und die von "Old Linkerhand" zitierten Ostafrikaner bevorzugen am Ende ja doch mehrheitlich nicht das einfache Leben im Busch und die Freuden der hungersnotanfälligen Subsistenzwirtschaft und das massenhafte frühe Sterben, sondern die Früchte der europäischen Zivilisation.

Kurativ

18. Mai 2026 11:50

Bemerkenswert am hessischen Landesverband der AfD ist noch die kürzlich eingeschlagene Meldung, dass man dort bereit ist, mit den Alt-Parteien die "Leugnung des Existenzrechts von Israel" unter Strafe zu stellen. Ein absurdes Theater. Kein Staat hat ein Existenzrecht. Oder alle Staaten haben eines. Man bettelt offensichtlich um Gnade und weniger Prügel dort. Genau so ist die Zustimmung einiger AfD-Landesverbände zur Nutzung von Palantir zu bewerten. Man rührt den Kakau an, durch welchen man später gezogen werden soll

Karl

18. Mai 2026 12:04

@links ist wo der daumen rechts ist 18. Mai 2026 00:05
Sind Sie sicher, dass Sellner und die AfD als Abjekte ab- oder ausgestossen und nicht eher integriert sind/werden? Das System der Demokratiesimulation/Fassadendemokratie nutzt sie als Mittel zur Perpetuierung des Parteienstaats. Ich bin nicht sicher, dass Sellner/AfD „rein abjekt“ sind. Sie sind ein Grenzphänomen: rhetorisch verworfen, strukturell integriert, funktional nützlich für die Perpetuierung des Status quo. 

Kurativ

18. Mai 2026 12:32

Es scheint immer noch die irrige Vorstellung zu bestehen, dass die AfD am besten so schnell wie möglich mit der CDU koalieren muss und sich dafür aufhübschen muss.
Bei der Akademie des FAV in Österreich tauchten auch solche rückwärts gewandte Vorstellungen auf.
Interessant ist demgegenüber, dass der Heinzelmeier in den freiheitlichen Publikationen mit Interviews auftaucht:
Die Sache ist klar. AfD und FPÖ werden von den einfachen Leuten gewählt.

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