Dies erfolgte natürlich in Absprache mit und sogar auf Rat von Martin Sellner. Er ist der international am besten vernetzte und bei weitem bekannteste meiner Autoren, und er ist zugleich derjenige, der am stärksten in seinem Wirken beeinträchtigt wird.
Einen eigenen YouTube-Kanal zu führen, ist Sellner nicht gestattet. Warum der Kanal Schnellroda Mitschnitte mit ihm nun löschen mußte, während andere, reichweitenstärkere Kanäle ausführliche Interviews mit ihm weiterhin öffentlich zeigen können, erschließt sich weder ihm noch mir.
Bis heute ist es Sellner nicht gelungen, ein Konto für seine Geschäfte zu eröffnen. Selbst Banken aus Ungarn, Polen und der Slowakei ziehen Zusagen zurück, sobald sie recherchiert haben. Wir basteln gemeinsam an einer Lösung, aber immer wieder signalisieren mir Gesprächspartner, daß sie die Gefahr, in die ich meine eigenen Geschäftskonten durch eine Kontamination mit dem Namen Sellner vielleicht bringen würde, nicht einschätzen können.
Zu diesen mehr als nur lästigen Mehrarbeiten, die Sellner zu leisten hat, um den Betrieb aufrechtzuhalten, kommen Abgrenzungen, die Teile des eigenen Lagers ihm gegenüber vornehmen. Es gibt Versande, die seine Bücher nicht anbieten, obwohl dort mit historisch harten Inhalten kokettiert wird. Es gibt Meidungsgebote mit ihm, die von der AfD ausgesprochen worden sind. Es gibt Versuche, seine Konzepte zu kriminalisieren und seine Argumente dadurch nicht sachlich, sondern aus vermeintlich grundsätzlichen Gründen auszuhebeln.
In dieselbe Richtung hat sich vor kurzem der hessische Landesverband der AfD bewegt. Hier war nicht Sellner das Ziel, sondern die “Aktion 451”, die vor zweieinhalb Jahren mit dem Ziel gegründet wurde, Lesezirkel, Vortragsveranstaltungen und Sport als Gegenprogramm von rechts in die Universitäten zu tragen.
Inzwischen gibt es 451-Gruppen in gut zwei Dutzend Universitätsstädten, und einige junge Akademiker haben vor, in Frankfurt am Main einen weiteren Ableger aufzubauen. Im Anschluß an das erste Treffen wurde die Gruppe von der Antifa angegriffen, und zwar so massiv, daß der Notarzt gerufen werden mußte.
An diesem Treffen waren auch einige Mitglieder der “Generation Deutschland” beteiligt – nicht in Kooperation und nicht als Amtsträger der AfD-Jugend, sondern aus Interesse an Lektüre und Gespräch. Ihre Mutterpartei verlangte im Anschluß jedoch nicht die Aufklärung des linksextremen Überfalls, sondern untersagte es den Parteimitgliedern, zukünftig an Veranstaltungen der Aktion 451 teilzunehmen.
Die Stellungnahme der Aktion 451 ist in ihrem vollen Wortlaut hier hinterlegt. Einige AfD-Politiker haben sich solidarisch geäußert und wollen im Rahmen von 451-Treffen vortragen. Immerhin. Mein Telefonat mit einem AfD-Politiker aus Hessen offenbarte indes, daß man dort der Überzeugung ist, man könne durch Wohlverhalten und Distanzsignale jene Richter gnädig stimmen, die im anstehenden Hauptsacheverfahren zur VS-Einstufung des Landesverbands bald ein Urteil sprechen sollen.
Folgte man dieser Strategie, müßte die AfD vier Fünftel des sogenannten Vorfelds von ihren strukturellen, finanziellen und personellen Möglichkeiten abschneiden. Sie müßte ihre Unvereinbarkeitsliste ausweiten und sich von Verfassungsschutzämtern und Gerichten aufschreiben lassen, mit wem gefahrloser Kontakt noch möglich sei.
Soweit waren wir schon vor zehn Jahren. Recht behalten haben diejenigen, die sich um den parteipolitisch instrumentalisierten Verfassungschutz und um das ein oder andere Gerichtsurteil nicht scherten. Man kann von Kickls FPÖ und von Höckes, Siegmunds und Berndts Landesverbänden der AfD in dieser Hinsicht eine Menge lernen – Selbstverständlichkeiten eigentlich, aber was ist für übergelaufene CDUler schon selbstverständlich?
Viel wohl nicht. Sich selbst nämlich unausgesetzt als Rechtsstaatspartei zu bezeichnen und dabei zu übersehen, daß dieser Rechtsstaat längst nicht mehr das ist, was er vielleicht einmal war, und mehr: daß er wohl an sein Ende gekommen ist – das sollte doch zum Grundverständnis jedes Politikers gehören, der mehr will als bloß ein bißchen Kurskorrektur. Leider zeigt die Lernkurve in diesem Fall nicht steil nach oben.
Jedenfalls: Die AfD darf sich nicht durch verbogene und infizierte Institutionen vom einzig legitimen Weg abbringen lassen, den sie gehen kann: die wirkliche, grundsätzliche, dringend notwendige Alternative für Deutschland zu sein. Eine Ergänzung des Altparteienkartells braucht nämlich niemand.
Sellner, 451 – das mag marginal sein, und diese Leute kommen auch ohne den Rückhalt einer Partei zurecht.. Aber an solchen Beispielen zeigt es sich, ob alternative Politik versteht, worum es geht – oder ob sie auf Ruhe hofft, indem sie das Lied der Gegner mitpfeift.
Martha
Der hessische AfD-Vorsitzende Lambrou, halb Grieche, früher SPD, ist ein absoluter Multikulti-Fan. Er gründete sogar eine AfD-nahe Gruppe ausschließlich mit Ausländern, auch aus der 3. Welt, unter dem Namen "Mit Migrationshintergrund für Deutschland" und der Chef der GD, Rahman, hat Eltern aus Bangladesh. Der größte Teil der AfD Hessen ist nicht rechts, er ist maximal liberalkonservativ. Wäre die gesamt AfD so, wäre sie unwählbar. Leider hat auch Andreas Lichert die an ihn von rechts gestellten Erwartungen bisher nicht erfüllt. Wenn man hört, wen die AfD Hessen nicht in die Partei aufgenommen, wen sie ausgeschlossen oder ausgegrenzt hat, mit wem kein Kontakt bestehen darf und wo es Unvereinbarkeiten gibt, wie jetzt mit 451, wundert man sich nicht über ein Klima in der Partei, in der jedes rechte Wort vorher auf die Goldwaage gelegt werden muß. Die AfD Hessen ist ein einzige Katastrophe.