Mit Bundeszwang gegen die AfD?

von Thomas Fischer -- Seit geraumer Zeit sind Begriffe wie »Bundeszwang« und, seltener, auch »Bundesintervention« als Gegenstand von Überlegungen ins Blickfeld gerückt – sowohl innerhalb der AfD und ihres Umfeldes als auch unter ihren politischen Gegnern.

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Aus­lö­ser dafür war die zuneh­mend rea­lis­tisch erschei­nen­de Mög­lich­keit, die AfD kön­ne in abseh­ba­rer Zeit zumin­dest in ost­deut­schen Bun­des­län­dern an Lan­des­re­gie­run­gen betei­ligt sein. So bezeich­ne­te der lin­ke »Ver­fas­sungs­blog«, der sich seit 2022 aus­drück­lich mit Sze­na­ri­en einer AfD-geführ­ten Regie­rung in Thü­rin­gen befaßt, den Bun­des­zwang als ein »halb ver­ges­se­nes und bis­lang unge­tes­te­tes Insti­tut«, das im äußers­ten Fall akti­viert wer­den könnte.

Auch die »Legal Tri­bu­ne Online« griff das The­ma 2024 vor den Land­tags­wah­len in Thü­rin­gen auf und dis­ku­tier­te unter der Über­schrift »Schutz der Demo­kra­tie: Bun­des­zwang gegen AfD-regier­te Län­der?« die damit ver­bun­de­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Möglichkeiten.

Bis­lang lern­ten wir ande­re Instru­men­te zur poli­ti­schen und recht­li­chen Abwehr eines mög­li­chen poli­ti­schen Macht­zu­wach­ses der AfD ken­nen: Dazu gehör­ten ins­be­son­de­re ein mög­li­ches – inzwi­schen als unwahr­schein­lich gel­ten­des – Par­tei­ver­bots­ver­fah­ren sowie Ände­run­gen par­la­men­ta­ri­scher Geschäfts­ord­nun­gen, mit denen bereits ver­hin­dert wur­de, daß Abge­ord­ne­te der AfD wich­ti­ge Funk­tio­nen oder Sit­ze in Kon­troll­gre­mi­en erhal­ten. Einen vor­läu­fi­gen Höhe­punkt die­ser Stra­te­gie bil­det der gegen­wär­ti­ge Ver­such sämt­li­cher Land­tags­frak­tio­nen von der CDU bis zur Lin­ken in Sach­sen-Anhalt, eine ent­spre­chen­de Ände­rung der Lan­des­ver­fas­sung auf den Weg zu bringen.

Wor­um geht es beim Bun­des­zwang? Arti­kel 37 Absatz 1 Grund­ge­setz bestimmt nüchtern:

Wenn ein Land die ihm nach dem Grund­ge­set­ze oder einem ande­ren Bun­des­ge­set­ze oblie­gen­den Bun­des­pflich­ten nicht erfüllt, kann die Bun­des­re­gie­rung mit Zustim­mung des Bun­des­ra­tes die not­wen­di­gen Maß­nah­men tref­fen, um das Land im Wege des Bun­des­zwan­ges zur Erfül­lung sei­ner Pflich­ten anzuhalten.

Die­se Bestim­mung des Grund­ge­set­zes blieb vie­le Jah­re außer­halb der rechts­wis­sen­schaft­li­chen Fach­li­te­ra­tur weit­ge­hend unbe­ach­tet, denn seit Bestehen der Bun­des­re­pu­blik ist der soge­nann­te Bun­des­zwang kein ein­zi­ges Mal ange­wen­det wor­den. Gleich­wohl besitzt die­ses Instru­ment eine lan­ge Tra­di­ti­on im deut­schen Ver­fas­sungs­le­ben. His­to­ri­sche Vor­läu­fer fin­den sich in der Bun­des­exe­ku­ti­on des Deut­schen Bun­des (1815 – 1866) sowie in der Reichs­exe­ku­ti­on im Kai­ser­reich und in der Wei­ma­rer Repu­blik. Ziel die­ser Maß­nah­men war es jeweils, die Ein­hal­tung der bun­des­staat­li­chen Ver­pflich­tun­gen der Glied­staa­ten not­falls mit Zwang durchzusetzen.

Im Deut­schen Bund wur­de die Bun­des­exe­ku­ti­on ein­mal tat­säch­lich durch­ge­führt und ein wei­te­res Mal ange­droht. Wäh­rend des Kai­ser­reichs kam es zu kei­ner Zwangs­maß­nah­me gegen einen Bun­des­staat. Anders stell­te sich die Situa­ti­on in der poli­tisch insta­bi­len Wei­ma­rer Repu­blik dar: Die Reichs­re­gie­rung griff mehr­fach in die Hoheit ein­zel­ner Län­der ein. Zu den bekann­tes­ten Fäl­len zäh­len die Reichs­exe­ku­ti­on gegen die SPD-KPD-Regie­rung in Sach­sen im Jahr 1923 sowie vor allem der soge­nann­te Preu­ßen­schlag im Juli 1932. In der Bun­des­re­pu­blik nach 1949 galt der Bun­des­zwang nach Art. 37 GG als poli­ti­sches und ver­fas­sungs­recht­li­ches »Reser­ve­mit­tel«, des­sen prak­ti­sche Anwen­dung bis­lang ausblieb.

In der aktu­el­len Dis­kus­si­on steht meist der Bun­des­zwang nach Art. 37 GG im Mit­tel­punkt. Weni­ger Beach­tung fin­det dage­gen die soge­nann­te Bun­des­in­ter­ven­ti­on. Die­se Vor­schrift sieht zunächst vor, daß ein Land

zur Abwehr einer dro­hen­den Gefahr für den Bestand oder die frei­heit­li­che demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung des Bun­des oder eines Landes

Poli­zei­kräf­te ande­rer Län­der sowie Kräf­te und Ein­rich­tun­gen der Bun­des­po­li­zei anfor­dern kann (Art. 91 Abs. 1 GG). Die­se Vor­schrift wur­de erst im Zuge der soge­nann­ten Not­stands­ver­fas­sung von 1968 in das Grund­ge­setz auf­ge­nom­men. Dar­über hin­aus räumt Art. 91 Abs. 2 GG der Bun­des­re­gie­rung wei­ter­ge­hen­de Ein­griffs­be­fug­nis­se ein:

Ist das betrof­fe­ne Land nicht selbst bereit oder in der Lage, die Gefahr zu bekämp­fen, kann die Bun­des­re­gie­rung die Poli­zei die­ses Lan­des sowie Poli­zei­kräf­te ande­rer Län­der ihren Wei­sun­gen unter­stel­len und außer­dem Ein­hei­ten der Bun­des­po­li­zei einsetzen.

Das Grund­ge­setz legt nicht im ein­zel­nen fest, wie groß oder kon­kret die Gefahr für den Bestand des Bun­des oder für die frei­heit­li­che demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung sein muß, um ein sol­ches Ein­grei­fen zu recht­fer­ti­gen. Die Beur­tei­lung der Gefah­ren­la­ge obliegt der Bun­des­re­gie­rung. Die ent­spre­chen­den Maß­nah­men sind wie­der auf­zu­he­ben, sobald die Gefahr besei­tigt ist oder der Bun­des­rat dies verlangt.

Die Anwen­dung des Bun­des­zwangs wie­der­um ist an die Fest­stel­lung gebun­den, daß ein Bun­des­land sei­ne Pflich­ten gegen­über dem Bund nicht erfüllt. Die­se Fest­stel­lung trifft grund­sätz­lich die Bun­des­re­gie­rung in eige­ner Ver­ant­wor­tung. Als mög­li­che Tat­be­stän­de kom­men in Fra­ge, daß Bun­des­ge­set­ze nicht ord­nungs­ge­mäß aus­ge­führt, bin­den­de Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts miß­ach­tet oder sons­ti­ge bun­des­recht­li­che Vor­ga­ben nicht beach­tet wer­den. Die Pflicht­ver­let­zung kann sowohl mit akti­ven Hand­lun­gen als auch mit Unter­las­sun­gen sei­tens der Lan­des­re­gie­rung begrün­det werden.

Ein abschlie­ßen­der Kata­log der in Betracht kom­men­den Bun­des­pflich­ten exis­tiert nicht. Viel­mehr müß­ten sie im Ein­zel­fall aus dem Grund­ge­setz oder aus Bun­des­ge­set­zen abge­lei­tet wer­den. In der rechts­wis­sen­schaft­li­chen Lite­ra­tur besteht dar­über kei­ne voll­stän­di­ge Einig­keit. Eine beson­de­re Rege­lung gilt aller­dings für die Aus­füh­rung von Bun­des­ge­set­zen durch die Län­der. In die­sem Fall ent­schei­det auf Antrag der Bun­des­re­gie­rung der Bun­des­rat dar­über, ob tat­säch­lich eine Pflicht­ver­let­zung vorliegt.

Wird eine sol­che Pflicht­ver­let­zung fest­ge­stellt, ent­schei­det die Bun­des­re­gie­rung im nächs­ten Schritt, ob sie den Bun­des­zwang anwen­den will. Art. 37 Abs. 1 GG for­mu­liert dies aus­drück­lich als »Kann«-Bestimmung. Die Bun­des­re­gie­rung ist also nicht ver­pflich­tet, den Bun­des­zwang in jedem Fall anzu­wen­den, son­dern kann auch ande­re Wege wäh­len, um den Kon­flikt zu lösen. In der rechts­wis­sen­schaft­li­chen Lite­ra­tur wird die Auf­fas­sung ver­tre­ten, daß das betrof­fe­ne Bun­des­land vor einer Ent­schei­dung über den Bun­des­zwang grund­sätz­lich ange­hört wer­den und die Bun­des­re­gie­rung sich mit des­sen Stel­lung­nah­me aus­ein­an­der­set­zen muß.

Ein Bun­des­zwang muß also nicht auto­ma­tisch zu einem »Preu­ßen­schlag 2.0« füh­ren, indem eine Lan­des­re­gie­rung oder ein­zel­ne Minis­ter abge­setzt wer­den oder ein Bun­des­land unmit­tel­bar der direk­ten Ver­wal­tung durch den Bund unter­stellt wird. Auch bei der Aus­wahl der Maß­nah­men ver­fügt die Bun­des­re­gie­rung über einen erheb­li­chen Entscheidungsspielraum.

In Betracht kom­men zunächst weni­ger weit­rei­chen­de (Druck-)Mittel, wie etwa finan­zi­el­le oder wirt­schaft­li­che Sank­tio­nen, Unter­sa­gungs­ver­fü­gun­gen oder auch die vor­über­ge­hen­de Ver­wei­ge­rung bestimm­ter finan­zi­el­ler oder admi­nis­tra­ti­ver Leis­tun­gen gegen­über dem betrof­fe­nen Land. Erst wenn die Bun­des­re­gie­rung sol­che Maß­nah­men als nicht aus­rei­chend erach­tet, kön­nen wei­ter­ge­hen­de Instru­men­te zum Ein­satz kom­men. Dazu gehö­ren etwa die soge­nann­te Ersatz­vor­nah­me, bei der der Bund bestimm­te ­Auf­ga­ben anstel­le des Lan­des aus­führt, oder im äußers­ten Fall tat­säch­lich die zeit­wei­li­ge treu­hän­de­ri­sche Über­nah­me von Auf­ga­ben der Legis­la­ti­ve und der Exe­ku­ti­ve des betref­fen­den Lan­des, das heißt die prak­ti­sche Abset­zung einer Lan­des­re­gie­rung, selbst wenn sie for­mal im Amt bliebe.

Zur prak­ti­schen Durch­füh­rung der beschlos­se­nen Maß­nah­men kann die Bun­des­re­gie­rung zudem einen Bun­des­kom­mis­sar oder Bun­des­be­auf­trag­ten ein­set­zen, der an ihre Wei­sun­gen gebun­den ist und die Umset­zung der Maß­nah­men im betrof­fe­nen Land über­wacht oder sie anstel­le der Lan­des­re­gie­rung selbst durchführt.

Der Bun­des­zwang bedarf immer der vor­he­ri­gen aus­drück­li­chen Zu­stim­mung des Bun­des­ra­tes unter Betei­li­gung des betrof­fe­nen Lan­des; der Bun­des­tag ist an die­ser Ent­schei­dung eben­so­we­nig betei­ligt wie an der Auf­he­bung des Bun­des­zwangs. Der Bun­des­rat nimmt zudem eine Kon­troll­funk­ti­on wahr. Sind sei­ner Auf­fas­sung nach die Vor­aus­set­zun­gen für den Bun­des­zwang nicht mehr gege­ben, hat er die Mög­lich­keit, sei­ne Zustim­mung zum Bun­des­zwang zu wider­ru­fen, womit der Bun­des­re­gie­rung die Ermäch­ti­gung für die wei­te­re Auf­recht­erhal­tung der Maß­nah­men im Rah­men des Bun­des­zwangs ent­zo­gen wäre.

Ein Bun­des­land, gegen das Maß­nah­men des Bun­des­zwangs nach Art. 37 GG gerich­tet sind, ver­fügt grund­sätz­lich über zwei Mög­lich­kei­ten, sich dage­gen zur Wehr zu set­zen: eine poli­ti­sche und eine recht­li­che. Poli­tisch könn­te das betrof­fe­ne Land ver­su­chen, im Bun­des­rat eine Mehr­heit gegen die Zustim­mung zum Bun­des­zwang zu orga­ni­sie­ren oder – falls der Bun­des­rat bereits zuge­stimmt hat – eine Mehr­heit für den Wider­ruf die­ser Zustim­mung zu erreichen.

In der Pra­xis erscheint ein sol­cher Weg jedoch häu­fig wenig erfolg­ver­spre­chend, da die poli­ti­schen Mehr­heits­ver­hält­nis­se im Bun­des­rat in der Regel bereits eine ent­schei­den­de Rol­le dabei gespielt haben dürf­ten, daß der Bun­des­zwang über­haupt in Betracht gezo­gen wur­de. Als recht­li­cher Weg kommt der soge­nann­te Bund-Län­der-Streit vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Betracht.

Die­ses Ver­fah­ren dient der Klä­rung von Kom­pe­tenz- und Ver­fas­sungs­strei­tig­kei­ten zwi­schen Bund und Län­dern und spiel­te in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit bei­spiels­wei­se bei Aus­ein­an­der­set­zun­gen um die Atom­po­li­tik oder die Schul­den­brem­se eine Rol­le. Das betrof­fe­ne Land kann dar­über hin­aus den Erlaß einer einst­wei­li­gen Anord­nung bean­tra­gen, um zu ver­hin­dern, daß bis zur Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che irrever­si­ble Tat­sa­chen geschaf­fen wer­den. Inhalt­lich könn­ten dabei sowohl das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen des Art. 37 GG als auch mög­li­che Ver­fah­rens­feh­ler oder Art und Umfang der von der Bun­des­re­gie­rung ergrif­fe­nen Maß­nah­men Gegen­stand des Ver­fah­rens sein.

Was wür­de dies für eine mög­li­cher­wei­se kom­men­de AfD-Regie­rung in einem Bun­des­land bedeu­ten? Die Fest­stel­lung einer Pflicht­ver­let­zung durch ein Land ist die zwin­gen­de Vor­aus­set­zung für die Anwen­dung des Bun­des­zwangs. Damit – selbst nach Auf­fas­sung einer von ent­schie­de­nen poli­ti­schen Geg­nern der AfD getra­ge­nen Bun­des­re­gie­rung – eine sol­che Pflicht­ver­let­zung behaup­tet oder nach­ge­wie­sen wer­den kann, müß­te eine Lan­des­re­gie­rung zunächst eini­ge Zeit im Amt sein und an ihrem tat­säch­li­chen Han­deln gemes­sen werden.

Ein Bun­des­zwang auf blo­ßen Ver­dacht hin, eine Lan­des­re­gie­rung wer­de ihren Pflich­ten nicht nach­kom­men, allein weil es sich um eine von der AfD geführ­te Regie­rung han­delt, genügt nach gel­ten­der Rechts­la­ge nicht.

Da die AfD bis­lang an kei­ner Stel­le hat erken­nen las­sen, im Fal­le einer Regie­rungs­über­nah­me in einem Bun­des­land gegen gel­ten­des Bun­des­recht ver­sto­ßen oder ihren Ver­pflich­tun­gen im föde­ra­len Sys­tem der Bun­des­re­pu­blik nicht nach­kom­men zu wol­len, wäre eine »vor­sorg­li­che« Unter­stel­lung eines Lan­des unter Bun­des­zwang recht­lich aus­ge­schlos­sen. Glei­ches gilt für die oben­ge­nann­te, ver­meint­lich schwä­che­re Vari­an­te, die Bundesintervention.

Ob es im wei­te­ren Ver­lauf den­noch zu Zwangs­maß­nah­men gegen eine AfD-geführ­te Lan­des­re­gie­rung kom­men könn­te, ist gegen­wär­tig eben­so spe­ku­la­tiv wie die mög­li­chen poli­ti­schen Fol­gen für die Lan­des­po­li­tik, die Par­tei selbst, ihre Wäh­ler­schaft oder die all­ge­mei­ne öffent­li­che Stim­mung. Im Ver­fah­ren zur Fest­stel­lung einer Pflicht­ver­let­zung muß die betrof­fe­ne Lan­des­re­gie­rung ange­hört wer­den und erhält auf die­sem Wege Gele­gen­heit, ihre Sicht­wei­se sowohl gegen­über der Bun­des­re­gie­rung als auch gegen­über der Öffent­lich­keit darzulegen.

Die oben skiz­zier­te poli­ti­sche Gegen­wehr über eine Initia­ti­ve im Bun­des­rat, die Ver­hän­gung des Bun­des­zwangs zu ver­hin­dern oder eine bereits erteil­te Zustim­mung wie­der zurück­zu­neh­men, dürf­te ange­sichts der zu erwar­ten­den poli­ti­schen Mehr­heits­ver­hält­nis­se kaum Aus­sicht auf Erfolg haben. Rea­lis­tisch blie­be daher vor allem der Gang vor das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt. Über den Aus­gang eines sol­chen Bund-Län­der-Streit­ver­fah­rens las­sen sich aus heu­ti­ger Per­spek­ti­ve jedoch ledig­lich Ver­mu­tun­gen anstellen.

Da der Bun­des­tag for­mal weder an der Fest­stel­lung einer Pflicht­ver­let­zung noch an der Anord­nung des Bun­des­zwangs, an der Aus­wahl der Zwangs­maß­nah­men oder an der Been­di­gung des Bun­des­zwangs betei­ligt ist, hät­te die AfD-Bun­des­tags­frak­ti­on zwar die Mög­lich­keit, die Vor­gän­ge par­la­men­ta­risch zu the­ma­ti­sie­ren und öffent­lich zu pro­ble­ma­ti­sie­ren, einen unmit­tel­ba­ren Ein­fluß auf das Ver­fah­ren selbst könn­te sie jedoch nicht ausüben.

Die Anord­nung und die Durch­füh­rung des Bun­des­zwangs gegen eine AfD-Lan­des­re­gie­rung hät­ten zwei­fel­los beträcht­li­che Aus­wir­kun­gen auf die poli­ti­sche Stim­mung in dem betref­fen­den Land und dar­über hin­aus. Es läßt sich nur spe­ku­lie­ren, wel­che Dyna­mik dadurch ent­fal­tet wür­de. Bereits jetzt wird durch die ver­schie­de­nen Akzen­te der Brand­mau­er­po­li­tik, über die Ein­schrän­kung der par­la­men­ta­ri­schen Mit­wir­kungs­rech­te bis hin zur Beob­ach­tung durch den Ver­fas­sungs­schutz und der Dro­hung mit einem Par­tei­ver­bot, einem beträcht­li­chen Teil der Wäh­ler­schaft die Bot­schaft ver­mit­telt, ihre Stim­men sei­en nichts wert und ihre poli­ti­sche Betei­li­gung uner­wünscht. Zwangs­maß­nah­men gegen eine auf der Basis einer abso­lu­ten AfD-Land­tags­mehr­heit amtie­ren­de Regie­rung wären eine wei­te­re Eska­la­ti­on die­ser Ent­wick­lung mit der­zeit nicht abseh­ba­ren Folgen.

Unter den zuletzt genann­ten Gesichts­punk­ten ist es Auf­ga­be der Par­tei und ihrer Frak­tio­nen, sich mit dem Bun­des­zwang aus­ein­an­der­zu­set­zen, ohne ihn als unab­wend­ba­re­res Ereig­nis anzusehen.

– –

Tho­mas Fischer ist Mit­ar­bei­ter einer AfD-Land­tags­frak­ti­on. Sein Bei­trag ist in Heft 131 der Sezes­si­on abge­druckt – hier ein­se­hen und bestel­len.

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Kommentare (1)

Dieter Rose

18. Mai 2026 16:28

Entsetzlich, schrecklich: wir sind seit 1945 mit Lügen in ein Lügengebäude hinein erzogen, umerzogen worden. 
Sie haben es Demokratie genannt, wo andere Meinungen - so sagten sie - geäussert werden dürften, zur Diskussion gestellt werden. Nix war's. Wir haben's geglaubt und gemeint, Demokratie sei einfach so da. Denen hätte man schon früher auf die Finger schauen und, wenn erforderlich, klopfen müssen.
Ich habe,  meine Generation hat versagt, wir haben versagt:
Statt nur aufzubauen, hätten wir uns parallel zu unsrerer Arbeit gegen die 68er und deren Marsch durch die Institutionen stellen müssen. 
Und heute? Gibt es noch Junge, die kämpfen können und wollen?