EMMA, ich mag Dich!

von Wiggo Mann -- Ich mag Dich wirklich, und nun ist es raus.

Biß­chen pein­lich. Die femi­nis­ti­sche EMMA erschien erst­mals im Janu­ar 1977 und hat­te in bes­ten Zei­ten eine gedruck­te Auf­la­ge von 250.000, also unge­fähr so viel wie heu­te der Stern. (Ja, der deut­sche Zeit­schrif­ten­markt war nicht immer so lau.)

Über Jahr­zehn­te wur­de bei Print-Medi­en in Deutsch­land viel aus­pro­biert und Geld ver­dient. In den acht­zi­ger, neun­zi­ger und frü­hen Nuller-Jah­ren gab es ein ein­zig­ar­ti­ges kul­tu­rel­les Bio­top. Der alte deut­sche Zeit­schrif­ten­markt war mehr als ein Wirt­schafts­zweig. Er war Teil der kul­tu­rel­len Infra­struk­tur Deutsch­lands. Der Print-Betrieb war groß und stark genug, selbst unwahr­schein­li­che publi­zis­ti­sche Lebens­for­men für eine gewis­se Zeit zu ali­men­tie­ren. Erin­nert sich noch jemand an Die Woche, Max, Tan­go, Der Freund (von Chris­ti­an Kracht), oder Park Avenue?

Die Vor­aus­set­zung dafür war zunächst ganz ver­trieb­lich. Deutsch­land ver­füg­te über ein dich­tes Netz aus Bahn­hofs­buch­hand­lun­gen mit lan­gen Öff­nungs­zei­ten und Kios­ke, in denen man Ziga­ret­ten hol­te und Zeit­schrif­ten kauf­te. Anzei­gen­wer­bung war dadurch reich­wei­ten­stark für die Unter­neh­men und hoch­pro­fi­ta­bel für die Ver­la­ge. Selbst klei­ne Ziel­grup­pen konn­ten effi­zi­ent bedient wer­den. Print hat­te Prestige.

Für den gesell­schaft­li­chen Dis­kurs war das för­der­lich. Die Sozi­al­mi­lieus waren seg­men­tiert, aber räum­lich durch Print gekop­pelt. Selbst wenn man über ein Blatt die Nase rümpf­te, muß­te man aner­ken­nen, dass es exis­tiert und nur Zen­ti­me­ter vom eige­nen Lieb­lings­pro­dukt ent­fernt lag – eine Art erzwun­ge­ne Nach­bar­schaft mit – halb­wegs – fried­li­cher Koexis­tenz bei durch­aus fun­da­men­ta­len Streitigkeiten.

Die Kon­flik­te waren manch­mal scharf, oft ideo­lo­gisch auf­ge­la­den. Aber es exis­tier­te noch die selbst­ver­ständ­li­che Annah­me, dass unter­schied­li­che „Lager“ jeweils Teil des­sel­ben kul­tu­rel­len Raums sein kön­nen. Man las gegen­ein­an­der, pole­mi­sier­te gegen­ein­an­der, ver­spot­te­te ein­an­der — aber man nahm ein­an­der wahr. Öffent­lich­keit bedeu­te­te nicht Kon­sens, son­dern gegen­sei­ti­ge Bezugnahme.

Die­se nach­bar­schaft­li­che Idee ent­sprach den Grund­sät­zen des neu orga­ni­sier­ten deut­schen Pres­se­ver­triebs nach dem Zwei­ten Welt­krieg. Wäh­rend das Bun­des­kar­tell­amt dar­auf ach­tet, Mono­po­le zu ver­hin­dern und Oli­go­po­le ein­zu­schrän­ken, lässt das Gesetz gegen Wett­be­werbs­be­schrän­kun­gen (GWB) im Bereich der Pres­se ganz bewußt kar­tell­recht­li­che Aus­nah­men zu, wenn der „flä­chen­de­cken­de und dis­kri­mi­nie­rungs­freie Ver­trieb“ jeg­li­cher Pro­duk­te gewähr­leis­tet ist.

Die gemein­sa­me Erklä­rung (GE) der Ver­le­ger­ver­bän­de und des Bun­des­ver­ban­des Pres­se-Grosso ver­pflich­te­te sich im Jahr 2004 bestä­ti­gend zu Neu­tra­li­tät, Nicht­dis­kri­mi­nie­rung und Voll­sor­ti­ment. Der Ver­band warnt vor einem „Dis­kri­mi­nie­rungs­ri­si­ko für klei­ne Ver­la­ge“ und der Gefähr­dung des „dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Markt­zu­gangs“. In einem Posi­ti­ons­pa­pier von 2012 heißt es wörtlich:

Pres­se­groß­händ­ler haben allen Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten zu nicht dis­kri­mi­nie­ren­den Bedin­gun­gen und ohne unbil­li­ge Behin­de­run­gen Zugang zum Pres­se­ver­trieb (…) zu gewähren.

Die Wahr­heit sieht – wie so oft in unse­rer Demo­kra­tie­si­mu­la­ti­on – anders aus. Oder haben Sie nicht von gro­ßen Kund­ge­bun­gen gehört, wenn Händ­lern die Schei­ben ein­ge­wor­fen und die Tür­schlös­ser mit Super­kle­ber zer­stört wur­den, nur weil dort ein miß­li­e­bi­ges (selbst­ver­ständ­lich „rech­tes“) Print-Pro­dukt im Regal lag?

Wäh­rend man einen sol­chen Ver­si­che­rungs­scha­den noch als regio­na­le Peti­tes­se abtun kann, war völ­lig inak­zep­ta­bel, dass VALORA, einer der markt­füh­ren­den deut­schen Pres­se­ver­trie­be, Zeit­schrif­ten aus dem Ange­bot nahm, weil eine vom Staat bezu­schuß­te und als „e.V.“ steu­er­lich sub­ven­tio­nier­te Orga­ni­sa­ti­on wie CAMPACT über die Platt­form WeAct erfolg­reich dazu auf­for­der­te, den Pres­se­ver­triebs­ka­nal für soge­nann­te „rech­te Het­ze“ zu schlie­ßen. Der Staat dele­gi­ti­mier­te sich wie­der ein­mal selbst.

Heu­te steckt das Zeit­schrif­ten­seg­ment in einem dra­ma­ti­schen Struk­tur­wan­del. Sozia­le Infor­ma­ti­ons-Milieus exis­tie­ren wei­ter­hin. Aber die ver­blie­be­ne Band­brei­te der Maga­zi­ne ist oft nur noch Syn­di­zie­rung, also die Mehr­fach­ver­wen­dung von Con­tent und paßt zum Ver­such einer glo­ba­len Eli­te, gesell­schaft­li­che Bin­dun­gen in grö­ße­rem Maß­stab zu zer­stö­ren, indem man frak­ta­li­sier­te Iden­ti­täts­po­li­tik inklu­si­ve Opfer­hier­ar­chien betreibt. Ver­ei­nigt durch ein Pla­ce­bo namens Vielfalt.

Hin­zu kommt par­al­lel die unend­li­che Ska­lie­rung der digi­ta­len Ver­öf­fent­li­chun­gen. Kei­nes­wegs geht es hier um Alt­her­ren-Gemä­kel über den all­ge­mei­nen Kul­tur­ver­fall. Digi­ta­li­tät und KI bie­ten enor­me Chan­cen und ermög­li­chen von Musik bis Wis­sen­schaft fan­tas­ti­sche Ver­net­zung und Frei­heits­ge­winn. Aber Algo­rith­men wol­len uns nicht immer berei­chern. Sie ser­vie­ren sucht­för­dernd grund­sätz­lich zunächst „more of the same“.

Der Fuß­ball-Nerd und der Trans-Akti­vist, Fans von Wind­ener­gie und Hob­by Hor­sing, femi­nis­ti­sche Links­in­tel­lek­tu­el­le und kon­ser­va­ti­ve Lai­en-His­to­ri­ker: Man lebt recht bequem in her­me­ti­schen Infor­ma­ti­ons­bla­sen. Das ist nicht auf intel­lek­tu­el­len Man­gel zurück­zu­füh­ren. Hat man dem Geg­ner frü­her ein­fach häu­fi­ger zuge­hört? Heu­te schiebt man ihn oft weg, bevor er zu spre­chen beginnt. Der iri­sche Theo­lo­ge und Schrift­stel­ler John O’Donohue schrieb, in einem glo­bal-digi­ta­len Dorf gebe es kei­ne ech­ten nach­bar­schaft­li­chen Bezie­hun­gen mehr.

Tech­no­lo­gy pre­tends to unite us. But too often the glo­bal vil­la­ge is paved with pathways of fal­se satis­fac­tion. The­re are no neighbors.

EMMA ist pro­to­ty­pisch für den Wan­del des deut­schen Zeit­schrif­ten­mark­tes. Das Blatt hat gegen­über sei­ner Hoch­pha­se 90% der gedruck­ten Auf­la­ge ver­lo­ren. Wer­bung im Blatt ist sehr spär­lich. Man hält sich tap­fer mit ein paar Kiosk-Ver­käu­fen und einem har­ten Kern der Abos. Geprüf­te aktu­el­le Zah­len lie­gen nicht vor. Auf Basis von 2022er Daten könn­te man unge­fähr 20.000 Abon­nen­ten anneh­men, die sich den Spaß 70 Euro pro Jahr kos­ten las­sen. Die Kiosk-Käu­fer zah­len rund 12 Euro für ein Heft. Das scheint in Sum­me vor­erst noch zu genügen.

Was man dafür bekommt, ist immer­hin respek­ta­bel. Ein Print-Lay­out, das so „old school“ daher­kommt, daß es schon wie­der Freu­de macht. Kein opti­scher Fir­le­fanz. Ordent­li­ches Papier. Kle­be­bin­dung für mehr Hoch­wer­tig­keit und Samm­ler­ef­fekt. Erfri­schen­der Bild­an­teil, auch groß­for­ma­tig. Größ­ten­teils zwei­spal­tig gesetzt, also kom­for­ta­bel les­bar. Typo­gra­fi­scher Stan­dard mit seri­fen­lo­sen Schlag­zei­len über Seri­fen-Text. Online leicht ange­paßt. Ein Auf­tritt, der visu­ell unemo­tio­nal sein möch­te, weil die The­men genug Spreng­stoff haben. Bravo.

Wer drin blät­tert, fin­det jedes Mal ärger­li­ches Zeug. Aber auch inter­es­san­te Inhal­te. Die Intro-Rubrik heißt „Men­schen“ und stellt haupt­säch­lich weib­lich gele­se­ne (heißt das so?) Per­so­nen vor, die man weder mögen noch ken­nen muß, aber deren Geschich­ten in eini­gen Fäl­len doch bereichern.

Titel­the­men wie der Kampf gegen Por­no­gra­fie und Pro­sti­tu­ti­on, oder die irre Trans-Gesetz­ge­bung am Bei­spiel Mar­la-Sven­ja Lie­bichs sind eini­ger­ma­ßen seri­ös als Schwer­punkt aufbereitet.

Ergänzt wird jedes Heft mit diver­sen Ein­zel­ge­schich­ten, die ein Bemü­hen um Sub­stanz eint, wie in der aktu­el­len Aus­ga­be eine Repor­ta­ge über Sabi­ne Maur. Die Diplom-Psy­cho­lo­gin und Vize­prä­si­den­tin der Bun­des­psy­cho­the­ra­peu­ten-Kam­mer ist nach einem ver­nich­ten­den Gerichts­be­schluß von ihren Ämtern zurück­ge­tre­ten. Frau Maur setz­te sich unter ande­rem dafür ein, daß jun­gen Mäd­chen schon ab einem Alter von 16 Jah­ren die Brüs­te ampu­tiert wer­den kön­nen. Damit die­se Ver­stüm­me­lung von der Kran­ken­kas­se rei­bungs­los bezahlt wird, riet die renom­mier­te Bun­des-Ideo­lo­gin bei einer „Online-Fort­bil­dung“ den Teil­neh­mern dazu, die Ein­rei­chungs­un­ter­la­gen für die Kas­sen zu mani­pu­lie­ren. Der Skan­dal wur­de neu­lich auch in ande­ren Medi­en kurz beschrie­ben, war aber nir­gends so fun­diert und kennt­nis­reich erklärt wie im femi­nis­ti­schen Magazin.

Auch EMMA unter­liegt aller­dings der herr­schen­den „Sui­ci­dal Empa­thy“ (Gad Saad). Zuge­kauf­te Arti­kel, bei­spiels­wei­se von Autorin­nen der Süd­deut­schen Zei­tung oder der taz, pran­gern erwar­tungs­ge­mäß „Haß­bot­schaf­ten“ von „rech­ten Spit­zen­frau­en“ in der Poli­tik an und schei­tern dann am Ver­such, ihre Wäh­le­rin­nen zu erklä­ren. In einem Bericht über die bun­des­wei­te Dun­kel­feld­stu­die zu Gewalt gegen Frau­en taucht das Wort „Migrant“ selbst­ver­ständ­lich nicht auf. Dafür ein hüb­sches Foto von Dobrindt.

Ich wage zu behaup­ten, dass die­se Tak­tik der eige­nen Grün­de­rin nicht gefällt. Ali­ce Schwar­zer ist offi­zi­ell Her­aus­ge­be­rin und pres­se­recht­lich immer noch ver­ant­wort­lich. Wie stark sich Frau Schwar­zer (83) tages­ak­tu­ell in die Redak­ti­ons­sit­zun­gen ein­mischt, ist schwer zu sagen. Klar ist aber, dass die deut­sche Vor­zei­ge-Femi­nis­tin abseits des Maga­zins nicht lei­se wird.

Ali­ce Schwar­zer hat ohne­hin nie ein The­ma anbren­nen las­sen. Manch­mal war sie fort­schritt­lich, manch­mal wirk­te sie nur bor­niert und ver­krampft. Über die vie­len Jahr­zehn­te ihrer Arbeit ver­trat sie gele­gent­lich sogar Stand­punk­te, die man als zivi­li­sa­ti­ons­feind­lich bezeich­nen könn­te. Die dar­aus ent­stan­de­nen Pro­ble­me für das weib­li­che Geschlecht hät­ten die Frau­en des­halb „red­lich ver­dient“, wie Mar­tin Licht­mesz an ent­spre­chen­der Stel­le zürnte.

Aber einer Frau, der von Wiki­pe­dia-Akti­vis­ten das Adjek­tiv „umstrit­ten“ ange­klebt wird, soll­te man zuhö­ren. Ich sage aus­drück­lich zuhö­ren, nicht zustim­men, sei es bei ihrem Kampf gegen den § 218, für den sie zunächst auf dem Titel des STERN behaup­tet „Ich habe abge­trie­ben“, um hin­ter­her augen­zwin­kernd wis­sen zu las­sen, das sei kein Fakt, son­dern nur eine öffent­lich­keits­wirk­sa­me „Pro­vo­ka­ti­on“ gewe­sen, sei es bei Ihren Kom­men­ta­ren zum Ver­ge­wal­ti­gungs­pro­zess rund um Kachelm­ann, den Wet­ter­frosch mit Social-Media-Tour­et­te. Daß die Femi­nis­tin die­se Ver­hand­lung für die BILD-Zei­tung beglei­te­te, wäh­rend das Blatt wei­ter­hin „Sei­te-1-Mäd­chen“ prä­sen­tier­te, wur­de im femi­nis­ti­schen Umfeld erwar­tungs­ge­mäß schwer verübelt.

In den letz­ten Jah­ren rück­ten Schwar­zers Posi­tio­nen gegen den Ukrai­ne-Krieg und gegen die Gefah­ren des Isla­mis­mus („Die gro­ße Ver­schleie­rung“, 2010) in den Vor­der­grund. Hin­sicht­lich migran­ti­scher und isla­mis­ti­scher Gewalt gras­sie­re eine zu gro­ße Tole­ranz, erklär­te die Jour­na­lis­tin und befürch­tet sogar: „Unser Rechts­sys­tem wird von isla­mi­schen Kräf­ten unter­wan­dert“. Wer woll­te ihr wider­spre­chen? Nur noch das abster­ben­de Establishment.

Schwar­zers Plä­doy­er für die Beschnei­dung von Jungs sorg­te sei­ner­zeit eben­falls für Empö­rung. Unab­hän­gig von der per­sön­li­chen Per­spek­ti­ve über­rascht hier ihr Bemü­hen, Posi­tio­nen zumin­dest abzu­glei­chen. Als der ent­spre­chen­de Arti­kel mas­si­ven Gegen­wind bekommt, ergänzt sie ihren Essay wie folgt:

Lie­be Kri­ti­ke­rIn­nen: Vie­le eurer Argu­men­te leuch­ten mir ein. Doch die mei­nen schei­nen mir auch nicht ganz wider­legt. Wir machen dar­um ein Pro & Con­tra zur Beschnei­dung von Jun­gen in der nächs­ten EMMA.

Das ist nicht bies­tig. Das ist sou­ve­rän. Auch am 8. März bemüh­te sich Ali­ce Schwar­zer anläß­lich von gewalt­sa­men Unter­bre­chun­gen ihrer Buch­prä­sen­ta­ti­on im Deut­schen Schau­spiel­haus in Ham­burg um Aus­gleich. Demons­tran­ten stürm­ten die Büh­ne, weil die Autorin angeb­lich „trans­feind­lich“ und „rechts“ sei und weil sie in einem vor­an­ge­gan­ge­nen Inter­view eine Kanz­le­rin Wei­del für Frau­en als „ermu­ti­gend“ beschrieb.

Schwar­zer bat die Tran­sti­fa-Stö­rer um geord­ne­te Dis­kus­si­on, weil man doch auch mit­ein­an­der reden kön­ne, wenn man „über­haupt nicht einer Mei­nung“ sei. Die­se Dis­kurs-Ver­su­che sind, bei aller Berück­sich­ti­gung von Schwar­zers Sinn für Kam­pa­gnen, ein fei­ner Zug der EMMA-Che­fin (selbst wenn sie anschlie­ßend main­stream-kon­form nach­schob, die AfD sei eine „Kata­stro­phe“).

War­um emp­feh­le ich einen wohl­wol­len­den Blick selbst auf Blät­ter wie EMMA? War­um wer­be ich um dis­kur­si­ven Frei­raum selbst für Men­schen, die „umstrit­ten“ sein mögen, wie Ali­ce Schwar­zer? Weil die deut­sche Rech­te mitt­ler­wei­le die stärks­te Bewe­gung des Lan­des ist.

Wir haben den Auf­trag, Deutsch­land zu ret­ten. Für die­se Auf­ga­be soll­ten wir so vie­le Mit­bür­ger wie mög­lich begeis­tern und in den Dia­log ein­bin­den. Auch wenn es unend­lich viel Geduld kos­tet und in man­chen Fäl­len hoff­nungs­los wirkt. Unse­re Bewe­gung (inklu­si­ve der AfD als ope­ra­ti­vem Arm) ist mitt­ler­wei­le so etwas wie die vir­tu­el­le Grup­pen­ver­si­on eines Bun­des­prä­si­den­ten. Der soll­te laut Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung das bie­ten, was den Kar­tell­par­tei­en ver­lo­ren ging:

das Gemein­sa­me reprä­sen­tie­ren, Ver­trau­en schaf­fen, mora­li­sche Maß­stä­be set­zen, Rat­schlä­ge geben, in Kon­tro­ver­sen aus­glei­chend wir­ken und Wür­de ausstrahlen.

Die­se Auf­ga­be ist für uns alle im Tages­ge­schäft nicht immer ganz ein­fach. Manch­mal wer­den wir wütend über die unver­schäm­ten und zer­stö­re­ri­schen Angrif­fe der Geg­ner auf Deutsch­land, oder auf ein­zel­ne Mit­strei­ter. Weil wir fehl­ba­re Men­schen sind, wür­den wir die Angrei­fer in küh­nen Träu­men ger­ne so behan­deln, wie sie mit uns umge­hen. Oder schlimmer.

Aber die Auf­ga­be ist zu groß, als dass wir uns durch Hyper-Emo­tio­na­li­sie­rung vom Weg abbrin­gen las­sen wol­len. Statt­des­sen reden. Und machen: Remi­gra­ti­on, Finanz­po­li­tik, den tie­fen Staat tro­cken­le­gen. Krea­ti­ve Ermü­dung bei gleich­zei­tig ver­meint­li­cher „Unver­ein­bar­keit“ von Posi­tio­nen blo­ckiert uns. Die­se Kil­ler-Kom­bi ist im media­len Umfeld genau­so unklug, wie an der Spit­ze einer Volks­par­tei AfD. Wir brau­chen kei­ne voll­stän­di­ge Einig­keit. Wir brau­chen gute Nach­bar­schaft und kraft­vol­le Gespräche.

Stel­len Sie sich nur mal einen Dia­log vor zwi­schen der berüch­tig­ten Ellen Kositza und Ali­ce Schwar­zer, Gali­ons­fi­gur der deut­schen Frau­en­be­we­gung. So ein Gespräch wäre viel­leicht das Medi­en­er­eig­nis des Jah­res und wür­de sich womög­lich ganz anders ent­wi­ckeln, als man­che befürch­ten. Lie­be EMMAs, ich erin­ne­re an Euren Slo­gan: „Bleibt mutig“.

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Kommentare (9)

Old Linkerhand

22. Mai 2026 11:54

Der Freund von Christian Kracht ist einfach unvergesslich. Der schwule Fettsack mit seinem extrem behaarten Körper auf dem Cover von Nr. 1 PS Christian falls du das liest, bitte melde dich doch mal bei mir.

Ellen Kositza

22. Mai 2026 12:22

Mein erstes Kaplaken hatte ich der Schwarzer in die Hand gedrückt. Das zweite ihr zugesandt. Es kam keine Antwort. "Geschlecht & Politik" hatte ich noch 3 weiteren "Promi-Frauen" zugeschickt, die ich schätze. Alle haben ziemlich bis sehr freundlich geantwortet - eben bis auf Alice Schwarzer. Wird also schwierig mit dem Dialog.

Waldgaenger aus Schwaben

22. Mai 2026 14:18

Mit 83 wäre es schon längst an der Zeit gewesen, das Lebenswerk in die treuen Hände der Nachkommen zu legen. Ach so ...
Das Gespräch wird dann eher zwischen den Töchtern von Frau Kositza und Aishe zu führen sein.

Majestyk

22. Mai 2026 14:46

Alice Schwarzer wurde bereits vor 50 Jahren rein argumentativ von Esther Vilar vernichtend geschlagen. Hat nicht verhindert, daß Schwarzer ihre bösartige Ideologie dem Land aufdrücken konnte.
Kaum eine Einzelperson steht sinnbildlich mehr für den dekadenten Zeitgeist und den Niedergang Deutschlands, inklusive Abtreibungskultur, Geburtenrückgang, Fremdenimport. Schwarzer machte Merkel erst möglich. Und eines weiß ich haargenau, wer auch immer mit einer Person wie Alice Schwarzer eine "Querfront" eingeht ist mein politischer Feind. 
Alice Schwarzer hält die AfD nicht von ungefähr für eine Katastrophe. Eine Politik, die nicht darauf abzielt, alles rückabzuwickeln wofür Schwarzer steht ist komplett unbrauchbar. 

Majestyk

22. Mai 2026 15:16

"Kreative Ermüdung bei gleichzeitig vermeintlicher „Unvereinbarkeit“ von Positionen blockiert uns."
 
Jetzt habe ich den Artikel zum zweiten Mal gelesen. Beim ersten Mal war ich noch konsterniert, jetzt bin ich stinksauer. Natürlich gibt es eine Unvereinbarkeit von Positionen. Meine Postionen sind z.B. unvereinbar mit jeder Form von Marxismus oder Feminismus. Feminismus ist der Hauptgrund für den schleichenden Niedergang der westlichen Welt. Was kommt als Nächstes? Die Seligsprechung von Leuten wie Foucault, Butler oder Adorno? 
Wieso muß man sich Linksideologen andienen? Hat man selber nichts in petto, was man dem gegenüber stellen kann? 
 

Monika

22. Mai 2026 15:34

Ich mag die Emma auch und lese sie hin und wieder und einiges, was Alice Schwarzer sagt, nötigt mir Respekt ab. Kann sein, daß man ihr vorschnell zustimmt und ihr eine gewisse "Altersweisheit" zugesteht. Aber ....Es wird nie zu einem solchen Dialog, wie oben erträumt, kommen. Schwarzer ist eine Feministin durch und durch und da wird immer "dieser dunkle Kern des Geschlechterverhältnisses" ( Schwarzer) bleiben. So wie Schwarzer den Feminismus von der woken Ideologie bedroht sieht, so sieht sie ihn auch von einer rechten Position bedroht. Ob eine Frau aber zum biologischen Mann gemacht wird oder zum sozialen, wo ist da eigentlich der Unterschied aus feministischer Sicht ? Man lese genau das Interview in der NZZ https://www.nzz.ch/feuilleton/alice-schwarzers-warnung-woke-ideologien-bedrohen-feminismus-ld.10006987 Schwarzer ist ein sozialer Mann und ein Alphatier. Ihrer Solidarität mit Frauen , vor allem mit Müttern, fehlt etwas die Empathie  und Wärme. Denn Frauen, die sich " in ihrem Frausein" verschließen" u. gar romantische Liebe suchen, dürfen nicht vorkommen, schon gar nicht zu Wort.

Laurenz

22. Mai 2026 16:49

@WM ... kann Ihrem Appeasement-Artikel leider in keiner Weise zustimmen. Der Zeitpunkt für das Gespräch mit Andersdenkenden ist im Grunde schon seit meiner Jugend (*1965) im Gagern-Gymnasium zu Ffm & in den damaligen ASTAs deutschlandweit überschritten worden. Wenn damals im Gymnasium noch mehr politisch historische Debatten zustande kamen, waren die Verhältnisse 1 (Rechts) : 10 (Links). Der Rest hielt damals schon, wegen der Noten, das Maul. Der HR war damals schon Rotfunk. Den Unterschied, den Sie, WM, zu heute wahrnehmen, ist die Verschiebung des Framings. Kanalarbeiter, wie Sarrazin, oder Alt68er, wie Schwarzer, sind mit ihrer Haltung rechts aus dem erlaubten Gesprächs-Rahmen oder besser -Rinne, herausgefallen, ohne im Grunde eigene Positionen jemals verändert zu haben. Es ist schon schwer genug, als Volkspartei AfD ... Patrioten, Angeliberalte & Alt-Sozis in der AfD unter einen Hut zu kriegen. Im Exzeß des politischen Konflikts zwingt die Berliner Enteignungspolitik die Bürger zum persönlichen Paradigmenwechsel & auch die Schwarzers, sich zu entscheiden. Die frühe ideologische Installation Schwarzers war ein biliiger Trick ihrer Auftraggeber. Man erschuf & verband mit der Abschaffung orientalischer Paragraphen im BGB sinnvolle Souveränität der Frau mit ihrer gleichzeitigen Degradierung als Hilfsmann in der Arbeitswelt. Mit dem Paradigmenwechsel des Scheidungsrechts (70er) von Trennungsschuld zur Zerrütung des Verhältnisses, 

Majestyk

22. Mai 2026 17:25

"Ob eine Frau aber zum biologischen Mann gemacht wird oder zum sozialen, wo ist da eigentlich der Unterschied aus feministischer Sicht ?" schreibt Monika.
Man kann keine Frau zu einem biologischen Mann machen und umgekehrt. Ein kastrierter Stier ist ein Ochse. Eine Kuh ohne Gebärmutter und Euter immer noch kein Stier, sondern nur unfähig Kälber zu gebären und Milch zu geben, also für den Landwirt unrentabel. 
Den Raum, in dem Geschlecht sozial definiert wird, wurde doch von Schwarzer und Co. geschaffen. Nach jahrzehntelanger Realitätsverleugnung wird die feministisch modifizierte westliche Welt von den Konsequenzen jener Verleugnung eingeholt, auf allem Ebenen. Entweder Europa verabschiedet sich von diesem Irrweg oder wird von der Konkurrenz abgehängt bzw. vom Islam kulturell und von China ökonomisch übernommen. Im Maschinenraum und außerhalb der westlichen Welt liest niemand EMMA, man beschäftigt sich mit realen Problemen. EMMA und Alice Schwarzer sind ein NoGo für Leute mit rechtem Denken und Handeln. 

fw87

22. Mai 2026 17:30

@Majestyk: Was kommt als Nächstes? Die Seligsprechung von Leuten wie Foucault, Butler oder Adorno? Wieso muß man sich Linksideologen andienen?
Ich habe schon den Eindruck, dass es bei manchen Rechten (oder solchen, die sich so nennen) genau in die Richtung geht. Wenn manch einer hemmungslos und zynisch auf das eigene Lager eindrischt und parallel dazu linke Köpfe geradezu erfurchtsvoll bespricht, wie wenn es sich hier um Autoritäten handelt, kann irgendwas grundsätzlich nicht stimmen.
Bei den linken Philosophen gilt: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Wenn Leute ständig ellenlange Texte veröffentlichen ist es auch mathematisch sehr unwahrscheinlich, dass wirklich alles davon falsch ist. Man sollte nicht in Jubelstürme ausbrechen, wenn sich in den paranoiden Denksystem der linken Köpfe auch mal ein richtiger Gedanke findet.
Tatsächlich ist es ein Problem der westlichen Welt, dass der weibliche Körper vermarktet, zum Genussmittel degradiert wird. Es gibt auch nicht wenige Männer, die Frauen generell nicht respektieren, was nicht gut ist. All diese Probleme kann man aber thematisieren, ohne auf tatsächliche oder vermeintliche Schnittstellen mit traditionellen Feministinnen hinzuweisen. Denn es ist klar, dass der Feminismus selbst die maßgebliche Ursache für diese Missstände ist.