Kritik der Woche (82): Entzug

Der Mensch vom Typus „Suchtcharakter“ beschäftigt mich seit früher Jugend. Wir Kinder vom Bahnhof Zoo war mir elterlicherseits strikt verboten. Ich las es heimlich rauschhaft, vielfach, ich hatte ein Versteck dafür. Das Photo der abhängigen Babsi, 14 - ich konnte nicht wegschauen.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Zum Schla­ge „Sucht­per­sön­lich­keit“ zu zäh­len, ist nie­man­dem zu wün­schen, und doch hat die­se Sor­te Neu­ro­ti­ker (im bes­ten Fall) etli­che anzie­hen­de Glanz­sei­ten: Sol­che Men­schen sind oft beson­ders krea­tiv und inno­va­tiv, lei­den­schaft­lich, inten­siv im Aus­druck und sel­ten lang­wei­lig. Man neh­me nur Hans Fal­la­da, ETA Hof­mann, Ernest Heming­way, Mar­gue­ri­te Duras, Inge­borg Bach­mann – die Lis­te lie­ße sich schier end­los ver­län­gern. Chris­toph Peters (*1966) mut­maßt sogar, daß Jack­son Pol­locks legen­dä­re Klecks­bil­der sei­nem alko­hol­krank­heits­be­ding­tem Tre­mor anzu­rech­nen seien.

Nun hat die­ser Peters – etli­che sei­ner Bücher wur­den bereits in die­ser Zeit­schrift bespro­chen, weil er ein exzel­len­ter Autor ist – einen Roman über sei­ne Alko­hol­sucht und den Aus­stieg dar­aus ver­öf­fent­licht. Kei­nen Rat­ge­ber, kein Sach­buch, son­dern einen Roman.

Es hat­te zuletzt etli­che ganz gute Bücher zum The­ma gege­ben, den Wäl­zer Die Klar­heit von Les­lie Jame­son und Nüch­tern von Dani­el Schrei­ber etwa. Duk­tus: selbst­the­ra­peu­tisch, auf­ge­klärt, vor allem gesell­schafts­kri­tisch (war­um Alko­hol so „akzep­tiert“ ist. Bit­te, als Nervengift!).

Ent­zug von Peters ist ein ganz ande­res Kali­ber. Es hat nur zwei Kapi­tel: „Trin­ken“ (100 Sei­ten) und „Nicht Trin­ken“ (290 Sei­ten). Peters trank von Kind­heit an. Es begann mit Mon Che­rie als Kind vor der Glot­ze, zog sich durchs Inter­nat und stei­ger­te sich noch, als er (bald preis­ge­krön­ter) Schrift­stel­ler wur­de. Klar, er muß­te ja trin­ken, um in die Abgrün­de sei­nes Roman­per­so­nals hin­ab­stei­gen zu kön­nen! Nüch­tern kann man sich das alles nicht ausdenken!

Die schmerz­haf­te Wen­de kommt bereits im ers­ten Satz des Romans:

“Was macht die Fla­sche da?”, ruft die Frau. “Wel­che Fla­sche?”, rufe ich zurück.

Es fol­gen dut­zend aber­wit­zi­ge Aus­flüch­te, war­um bit­te eine Schnaps­fla­sche auf den Küchen­tisch ste­hen könn­te. Seit Jah­ren struk­tu­rie­ren da bereits das Kau­fen, Ver­ber­gen und Ent­sor­gen von Schnaps­fla­schen den All­tag des Erzäh­lers. Er ist enorm wort­ge­wandt und um kei­ne Aus­re­de ver­le­gen. Bevor­zugt gießt er Wod­ka ein, weil das kei­ne „Fah­ne“ mache. Er labert sich alles zurecht – jaa, gera­de trin­ke er halt etwas mehr, was aber aus­schließ­lich dem künst­le­ri­schen Schaf­fens­pro­zeß geschul­det sei.

In Wahr­heit trinkt er nicht „etwas mehr“, son­dern säuft wie ein Loch. Als er sich letzt­lich (auch, weil ihm die Frau flö­ten zu gehen droht) in eine Ent­zugs­kli­nik ein­wei­sen läßt, hat er 2,3 Pro­mil­le, 11 Uhr mor­gens, und das ist für sei­ne Ver­hält­nis­se eher unte­rer Durch­schnitt. Er hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren tau­sen­de Alko­hol­fla­schen ver­steckt, vor allem hin­ter der „Islam“-Buchreihe. Und er zit­tert auf Ent­zug noch tage­lang, trotz Medi­ka­ti­on. Zum Glück nur schwe­re Fett­le­ber, kei­ne Zirrhose.

Peters‘ Buch über den Abschied vom Alko­hol ist so radi­kal, so ehr­lich und unge­schönt, es ist eine Wucht, auch sprach­lich. Es ist zugleich ein Abschied vom „Her­um­ge­eie­re“. Sen­ti­men­ta­li­tä­ten tre­ten auf, lau­fend – sie wer­den als sol­che benannt. Der Alko­ho­li­ker sieht schei­ße aus, er ver­hält sich schei­ße, er schreibt schei­ße. Nicht weni­ger, nicht mehr.

Auf­grund des Zit­terns ist er nicht mal mehr in der Lage zu duschen. Peters macht kei­ne Gefan­ge­ne, das ist ein Ent­blö­ßungs­ro­man, der sich wirk­lich gewa­schen hat. Das gro­ße Kunst­stück ist, daß es den­noch nie in trüb­sin­ni­ge Selbst­be­zich­ti­gung oder Mora­li­sie­rung mün­det. „Klagt nicht, kämpft!“ ist eher die Paro­le – bei aller Tra­gik ist das Stück sogar ziem­lich witzig.

Peters macht kei­ne Gefan­ge­nen, was die Per­son angeht, die er damals, vor über zwan­zig Jah­ren war. Die häß­li­chen Sze­nen in der Eck­knei­pe schon mor­gens früh, ket­ten­rau­chend hin­zu. Das mög­li­che Durch­schau­t­wer­den an der Super­markt­kas­se. Extra­l­aut und lang mit der Chips­tü­te knis­tern, um der Frau zu ver­ber­gen, daß er im Neben­zim­mer rasch noch mal nippt.

Und immer wie­der die viel zu vie­len jovia­len Wor­te, die er fin­det, um sei­nen Zustand, selbst dann in der Ent­zugs­kli­nik, zu erklä­ren. (Es ist ein schön dia­logrei­cher Roman. Peters schreibt genau so, wie „die Leu­te“, ob es The­ra­peu­ten sind, Kran­ken­schwes­tern oder Bar­da­men, wirk­lich spre­chen.) Wie jeder nor­ma­le Mann haßt der Autor die Vor­stel­lung, mit ande­ren Men­schen im Stuhl­kreis zu sit­zen und „die Pro­ble­me“ zu bespre­chen. Er hat aber gute Grün­de, es durch­zu­zie­hen, und er zieht es durch.

Geni­al ist auch, wie er sei­ne „Kol­le­gen“ im Kli­nik­raum beschreibt – scharf, aber mit dem Blick eines Men­schen, der wirk­lich alle Abgrün­de kennt.

Der schwerst Depres­si­ve, der seit Unzei­ten bewe­gungs­los im Nach­bar­bett liegt, und plötz­lich auf­steht, freund­li­che Wor­te fin­det und Tat­kraft beweist, als er dem schwer zitt­ri­gen Autor den Schrank auf­schließt. Die rei­che Schö­ne, die die The­ra­pie abbricht, weil das alles dort unter ihrem “Niveau” ist. Der blut­jun­ge Sücht­ler, Schü­ler noch, der mit lei­ser Stim­me sei­ner Freun­din am Han­dy klagt, er sei hier mit aso­zia­len Pen­nern ein­ge­sperrt. All die Leu­te, die zum x‑ten Mal dort sind, wie Simon, der so sou­ve­rän wirkt, so beson­nen und stoisch.

Übri­gens berei­chert auch ein Huf­schmied der Super­klas­se das Per­so­nen­ta­bleau – den ken­nen wir doch aus Aron Piel­kas Bau­zeit -?

90% der Trin­ker wer­den rück­fäl­lig. Das ist also auch ein Heldenroman.

– –

Chris­toph Peters: Ent­zug, Mün­chen 2026, 395 Sei­ten, 24 € – hier bestel­len
Aron Piel­ka: Bau­zeit, Schnell­ro­da 2025, 516 Sei­ten, 22 € – hier

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (66)

Laurenz

2. Juni 2026 18:02

Naja, wer kennt denn keine Alkoholiker? Lehrer in der Schule, Kollegen in der Belegaufbereitung, was auch immer. James Kottak ein genialer Musiker, lange Jahre Schlagzeuger der Scorpions, mußte vom harten Arbeiter, dem Motorhead-Schlagzeuger Mikey Dee für die letzten Jahre & nun letzten Konzerte überhaupt ersetzt werden (nicht schlecht, aber ein Abstieg), weil Kottak sich quasi totsoff. Sie, EK, rauchen ja gerne, kann ich gut verstehen. Nikotin erhöht den Pegel an Kreativität. Das Blöde dabei ist, daß man für weitere Schübe an Kreativität die Dosis erhöhen muß. Jetzt fragen Sie mich mal, ich bin Dopamin-süchtig, weil Dopamin, im Gegensatz zu Ihnen, in meinem Alltag Mangelware ist. Jetzt könnte ich natürlich jeden Tag xx mg Ritalin fressen (die Stundendeköpp unter Ihren Zwergen werden es zumindet von Kommilitonen kennen), denn Ritalin erhöht war die Ausdauer & das optionale Arbeitspensum, macht aber süchtig & verändert das eigene Wesen. Will man das? Falls das wen interessiert, die KI schreibt bessere Diagnosen als der Durchschnittsarzt.

RMH

2. Juni 2026 18:26

Zur "Suchtliteratur" ist vom genannten Fallada "Der Trinker" nachwievor zu nennen, aber auch von J. Roth "Die Legende vom heiligen Trinker" hat mich damals sehr bewegt. Das Gesamtwerk von Bukowski ist das eines depressiven Mannes, der seine daraus resultierende Alkoholsucht in kreatives Schreiben & in Lyrik wandelt. Ein Autor, den man wahrlich heutzutage nicht mehr als Schmuddel/Pulp/ Underground weglegen braucht. Christiane F. habe ich auch intensiv gelesen, zumal Bowies "Ashes to Ashes" (1980) mit seinem damaligen, frühen Musikvideo irgendwie zur Lektüre passte. Überhaupt die populäre, damalige Musik. Hochgradig drogeninduziert. Beim Thema Alkohol & Drogen ist Jüngers "Annäherungen" gleichfalls von fast wissenschaftlichem Wert. Während der Spiegeltrinker recht bald zu Selbsterkenntnis der Erkrankung kommt, erkennbar auch an den geschilderten Vertuschungs-/Tarnmaßnahmen, hat es der Quartals-Regel-Absturzstrinker schwerer zu erkennen, dass er ein Suchtproblem hat, zumal er aus seiner Sicht ja immer wieder tagelang "trocken" ist. Insgesamt gehört der Rausch zum menschlichen Leben, zur menschlichen Kultur dazu. In früheren Zeiten wurde dieser aber nicht ohne Grund eingehegt & auf bestimmte Anlässe beschränkt. Den gesundheitsschädlich ist Alkohol auf jeden Fall. Bleibt die Frage, ob der Autor auch "trocken" weiter gut schreibt oder nicht.

Franz Bettinger

2. Juni 2026 19:06

Alkohol ist eine herrliche Erfindung der Natur. Darüber hinaus ist C2H4OH ein Antidepressivum und zwar ein schnell wirkendes und effektives, was man von den anderen, sog. anerkannten ADs nicht sagen kann. Alkohol bringt das Kunststück fertig, die Zeitachse auf die Gegenwart zu schrumpfen und damit etwaige Schuld und / od. Angst verschwinden zu lassen; Schuld, die der Vergangenheit entstammt; Angst, die fast immer die Zukunft betrifft. Die Gegenwart nämlich, das echte Hier & Heute, ist meist erträglich. Ich kannte einige Alkoholiker, die sehr gute Ärzte waren, daunter Chirurgen. Ich selbst trinke zum Essen 1-2 Glas Wein. Ich war noch nie betrunken. Beschwipst, ja. Betrunken nie. Nicht die Vernunft, sondern irgendein Reflex verhindert, dass ich mehr als 2 Glas Wein trinke; Bier fast gar nicht; Bier schmeckt mir nicht. Das nur als Gegengewicht zum Thema Sucht. Grund: Ich will nicht, dass Alkohol das traurige Schicksal des Rauchens erleidet & verboten wird (wie in NZ bereits geschehen). 

Franz Bettinger

2. Juni 2026 19:09

Sorry: C2H6OH (Äthanol). 

Gracchus

2. Juni 2026 20:22

Peters - ein exzellenter Autor? Hab noch nix gelesen. Eine Suchtpersönlichkeit hab ich wohl auch (Tabak, Bücher); Alkohol vertrag ich zu schlecht. 

Kositza: Ich hatte an dieser Stelle "Krähen im Park" und "Im Sandkasten" ziemlich frenetisch besprochen, schätze aber all seine Bücher (die ich gelesen hab). Unbedingt nachholen!

Alex Schleyer

2. Juni 2026 21:10

Eigentlich kaufe ich fast alle Bücher, die von EK positiv rezensiert werden, weil wir scheinbar den gleichen Geschmack teilen. Dieses dagegen habe ich schon vorher gelesen und ja, es erschreckt. Vor allem, wenn man schwere Trinker selbst kennt. Nun, die Zigarettensucht zumindest muß ich wohl mein Laster nennen und auch das ein oder andere Bier wäre sicher verzichtbar. Seit Einführung des Rauchverbots war ich übrigens nie wieder in einer Kneipe. Aber die Literatur als auch die Literaten zeigen den schmalen Grat zwischen Lebensfreude und Selbstzerstörung. Ob man uns diese Entscheidung läßt? Ich befürchte nicht. Der Gesundheit mag es zuträglich sein, allem anderen nicht. 

Carsten Lucke

2. Juni 2026 21:18

Mann, @ Bettinger - die Formel zweimal falsch ?!!
Darauf einen Dujardin !

Monika

2. Juni 2026 21:32

@ Bettinger, immer noch falsch: C 2 H 5 OH !!
Es grüßt : Eine alte Chemielaborantin. Ich habe destilliert. Prost 🥂 
 

Le Chasseur

2. Juni 2026 21:49

"Ich halte jeden Menschen für voll berechtigt, auf die - von den Ingenieursgesichtern und Betriebswissenschaftlern herbeigeführte - derzeitige Beschaffenheit unserer Welt mit schwerstem Alkoholismus zu reagieren, soweit er sich nur was zum Saufen beschaffen kann. Sich und Andere auf eine solche Weise zu zerstören ist eine begreifliche und durchaus entschuldbare Reaktion. Wer nicht säuft, setzt heutzutage schon eine beachtliche und freiwillige Mehr-Leistung."
--Heimito von Doderer

Franz Bettinger

2. Juni 2026 23:59

Mea culpa. 

fw87

3. Juni 2026 09:36

Der Vorteil an stoffgebundenen Süchten ist, dass man sie einfach aussitzen kann. Ohne Konzept, ohne Ideologie kann man Suchtverlangen schlicht aushungern. Ich halte deshalb den Selbstentzug zu Hause für die beste Option, um langfristig von einer Alkoholsucht wegzukommen. Man löst die Sache dann einfach durch Willenskraft, nicht durch Problem wälzen (was oft gar nichts bringt, sondern die Situation nur verschlimmert). Alle die ich kenne, die es dauerhaft geschafft haben, haben es letzten Endes allein geschafft. Nach dem Aushungern ist dann der zweite Schritt, "das Erreichte nicht zu gefährden". Also z.B kein alkoholfreies Bier, weil durch den Geschmack das Suchtgedächtnis aktiviert wird. Willenskraft und Konsequenz sind immer das A und O um eine Sucht zu überwinden. Neben den stofflichen gibt es heute auch viele verborgene Süchte (Sucht nach Macht und Anerkennung, Sexsucht usw.) Diese Süchte können sogar schwerer zu überwinden sein, da die Aushungertaktik hier nicht funktioniert. Bei der Alkoholabstinenz arbeitet die Zeit hingegen kontinuierlich für einen. Insofern können Abstinenzler einen gewissen Optimismus haben: Es wird sicher besser und einfacher mit der Zeit. 

Ein gebuertiger Hesse

3. Juni 2026 09:49

@Franz Bettinger
Sehr weitgehend Ihr Wort über das Sich-Verschieben der Zeitachse im Rausch. Five out of five. Aber, bitte, Sie selbst waren noch nie betrunken?! So you cannot possibly know what this is all about, not really.
Hier ein Film für Sie, spielt auch noch wenig entfernt von NZ.

Laurenz

3. Juni 2026 11:38

@FW87 ... sprechen Sie doch mal mit einem Sucht-Therapeuten. Wenn Sie einem Raucher begegnen, der Ihnen mitteilt, er will mit dem Rauchen aufhören, lügt dieser Raucher. Denn, wer raucht, will rauchen. Sucht ist ein extrem starker Ausdruck des Willens. Auch Eifer-Sucht sucht mit Eifer Leiden, weil irgendwas fehlt, was durch Leiden kompensiert wird. Das Rauchen zu beenden, ist noch eine eher leichte Übung, es gibt kaum Suchtschmerzen. Nach spätestens 3 Tagen fällt die Kurve des Verlangens wieder rapide nach unten. Bei Heroin dauert es 10 Tage mit enormen körperlichen Schmerzen. Nach 4-5 Tagen sind die meisten Kranken so fertig, daß es rein physisch keinen Willen mehr gibt. Wenn man über Drogen spricht, Sie führten hier zB Sex an, produziert der Körper die meisten selbst in kleinen Dosen, die ausreichen, um Wirkung zu erzielen. Die Einnahme von Drogen ist eben eine unnatürliche Überdosierung. Als junger Mann war meine größte Angst jene, daß ich nach einem Drogenkonsum nichts mehr natürlich fühlen könnte.

RMH

3. Juni 2026 11:44

@fw87, Ihr Beitrag geht aus meiner Sicht mehr in die Richtung des Pegeltrinkers, der egal, in welchem Umfeld er ist, immer eben sich einen gewiesse Menge zuführen muss. Hier ist ihre Einschätzung richtig, dass man das mit Willenskraft allein schaffen kann. Ein großer Teil der Alkoholkranken ist aber durchaus im Bereich der Geselligkeits- & Party-Trinker zu finden, die dann eben gerne oft solche Gelegenheiten suchen, um sich abzuschießen. Die müssen dann schon auch ihr Umfeld & ihre Sozialgewohnheiten ändern. Nur wenige trinken allein. Das ist dann schon schwierig, da es ja dann auch die Situationen & das Umfeld sind, die hier "triggern". Bedeutet im Ernstfall, man darf an Freundschaften arbeiten oder diese beenden. Gibt auch Ehen, die - und hier passt das Wort dann auch einmal - diese "toxische" Qualität haben, dass man zusammensitzt & trinkt. Vielschichtiges Thema. Und zudem weit verbreitet. Alkohol ist Teil unserer Kultur (siehe 2 Strophe des Deutschlandliedes, "deutscher Wein") & es ist schade, wenn diese Kultur bei manchen zu einer Suchterkrankung führt (bei den meisten aber nicht, dass darf man auch einmal sagen).

Christa

3. Juni 2026 14:43

Hüstel ... Ob es C2H6O oder C2H5OH heißt, hängt davon ab, ob die Summen- oder Struktuformel angegeben wird. Für uns Frauen ist vielleicht diese Droge besser geeignet, weil es nicht dick macht, dafür das Hungergefühl überdeckt: C17H21NO4 bzw. C6H5cOOCH3. Bitte die Ironie mitlesen. Es ist in der Tat ohne Drogen kaum auszuhalten, was vor allem politisch um uns herum geschieht. 
In meiner Jugend hat das Buch 'Wir Kinder vom Bahnhofzoo"  in meinem Elternhaus offen herumgelegen. Also habe ich dieses Buch gelesen und ja: das Bild von Babsi vergisst man nicht. Vor kurzem habe ich mir noch einmal den Film "Wir Kinder vom Bahnhofzoo" angesehen. Und ich muss sagen: Heutzutage ist es völlig normal, was damals noch als Ausnahme galt. Und die Bundesregierung hatte ja auch kein Problem damit, Cannabis zu legalisieren. Hüstel ... Finde den Fehler.

Ein gebuertiger Hesse

3. Juni 2026 16:11

@Laurenz
Mir sagte mal einer, daß er Raucher immer bedauert habe, da die durch ihre Sucht nicht mal einen "Betäubungs"-Gewinn bezögen. Abgesehen davon, daß das Zeug eh nicht schmeckt, ergänze ich. RAUCHEN - lächerlich, kannste machen, kannste sein lassen, kostet eh viel zu viel, so du Steuern zahlen magst.

Andreas J

3. Juni 2026 17:30

Wird sicher ein Verkaufsschlager, da hypernarzisstischer Exibitionismus seit Jahren en vogue ist. Am lächerlichsten (und geschäftstüchtigsten) fand ich bisher „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst: Meine Depression“ von Kurt Krömer, den es gar nicht gibt. Es wurde also die Depression einer Kunstfigur vermarktet, die zwecks mehr Eindringlichkeit Alexander Bojcan mit nacktem Oberkörper auf dem Coverfoto zeigt, was wohl noch mal 5-stellig mehr Auflage ergab. 
 

Majestyk

3. Juni 2026 19:22

Der Film "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" wurde uns in der Schule zur Abschreckung vorgeführt, muß ungefähr 5. oder 6. Klasse gewesen sein. Zumindest bei mir hat es gewirkt, hatte etwas von einem Horrorfilm. Ich vermute, meine Abneigung gegen öffentliche Toiletten rührt ebenfalls daher. Über Säuferschicksale oder anderweitig "Süchtige" brauche ich kein Buch, ich kenne Dutzende Beispiele persönlich. Würde für solche Bücher auch kein Geld ausgeben, garantiert keine 24 Euro. 
Grundsätzlich bin ich der festen Überzeugung, daß „Suchterkrankung“ eine Erfindung von Pharmamafia und Therapeuten ist, quasi ein Gechäftsmodell.. In Wirklichkeit ist Sucht nichts anderes als eine Charakterschwäche. Wer zu viel säuft, kifft, fixt oder frißt ist kein Opfer. Mitgefühl lohnt sich nur für deren Kinder. Ich halte es für eine riesengroße Unverschämtheit alles zur Krankheit zu erklären und damit für die Kosten für persönliches Fehlverhalten zwangsweise Dritte in Haftung zu nehmen. Paßt aber zu einem Volk, welches das Prinzip Eigenverantwortung mehrheitlich von sich weist und in dem Realitätsverweigerung längst Teil der Identität geworden ist.

RMH

3. Juni 2026 19:22

@Christa,
Der Vater aller Spiegel ...
Ich halte aber  - allen Bilsenkraut, Fliegenpilz, Hanf und sonstigen Geschichten zum Trotz - den Alkohol für DIE europäische Droge, für die Droge der weißen Menschen. In Jahrtausenden des Gebrauchs haben wir duch Auslese die diesbzgl. leistungsstärksten Lebern und - trotz aller Abhängigen - die geringste Suchtaffinität dazu entwickelt.
Für uns ist es aqua vitae, uisge beatha, Lebenselixir, wer Sorgen hat, der hat Likör, usf.
Für andere ist es Feuerwasser und der Tod.
Tabak bspw. hingegen, ist nicht UNSERE genuine Droge (wie anderes auch).

Monika

3. Juni 2026 20:16

So ganz verstehe ich die Begeisterung für das Buch nicht. Es wurde heute auch in meiner Regionalzeitung löblich besprochen. Dabei sind Alkohol und Nikotin doch "altmodische Süchte". Rauchen ist schon lange nicht mehr sexy. Die meisten , die ihre Jugend in den 70 er Jahren verbracht haben , waren direkt oder indirekt mit diesen Süchten konfrontiert. Eine Schulkameradin starb an Heroin. Ein mir sehr nahestehender Mensch war Alkoholiker. Die "Kinder vom Bhf Zoo" sind inzwischen  doch ein Klacks gegen "die blutjungen  Mädchen vom Bahnhof Nürnberg", die ausländischen Groominggangs in die Hände fallen. Das ist nochmal eine Nummer härter. Auch unterliegen Süchte Modewellen. Heute werden ganz andere Süchte virulent: Smartphonesucht, Pornosucht, Sucht nach Schönheitsoperationen, Ozempicsucht, longevity usw. Die tiefergehende Frage nach den Ursachen dieser Süchte und deren Überwindung ist erst in den Anfängen oder noch gar nicht gestellt. 

Kositza: Das ist ein Roman. Dafür ist es uninteressant, daß Alkoholismus eine "altmodische Sucht" sei. Das Ding hat literarischen Wert.

Pit

3. Juni 2026 20:28

Ich fühlte lange Zeit Anziehung zu Süchtigen; ich sage: ich konsumierte stellvertretend durch sie. Mir wurde schließlich klar, was mich interessierte: das endgültige Scheitern, die Kapitulation, das Aufgeben: das Loslassen. Um eine bestimmte Erfahrung zu provozieren... die beim Loslassen auftritt (also eigentlich Meditation). Darum wird der Extremzustand, das Äußerste, gesucht (vgl. Initiationen). Ich sah eine große Anzahl youtube-Videos von Alkoholikern. Mittlerweile jedoch langweilt mich das Thema (außerordentlich) (wahrscheinlich aufgrund meiner Meditationspraxis). Die Themen dieser Süchtigen öden  mich jetzt an. Aber wenn man keinen anderen Sinn hat, so mag das Suchtverhalten eine gute Beschäftigung sein.
Einen guten Ansatz hörte ich: die Sucht wird aufgegeben, wenn sie für etwas Besseres eingetauscht werden kann (eben etwas, was mehr, was wirklich, erfüllt... irgendein Sinn). Insofern macht es für mich sehr viel Sinn, daß die AA letztlich irgendwie religiös sind ! Es geht letztlich um die Sinnfrage ! (abgesehen davon mögen psychotrope Substanzen ja ihre Berechtigung haben... feiern,  Kreativität, therapeutisch... aber der Umgang damit scheint häufig zu entgleisen).

Laurenz

3. Juni 2026 20:42

@Ein gebürtiger Hesse @L. ... wie ich drauf kam, das so zu sehen, ist Corinna Grund, ein bekannter Aufsteller in Darmstadt. Sie beantwortete die Frage nach einem seelischen Hintergrund des Rauchens damit, daß es mit dem Rauchen anders sei, als mit vielem anderen. Entweder man raucht oder man raucht nicht, mehr nicht. Von Männern, die sehr jung in den Krieg mußten, weiß ich, sie rauchten, weil sie Angst hatten. Obwohl Rauchen & Nikotin als Nervengift eine anregende Stimulanz ist, kommt hier die neurobiologische Paradoxie (Der „Nesbitt-Paradox“-Effekt) zum Tragen. Nikotin bindet im Gehirn an nikotinische Acetylcholinrezeptoren. Dies triggert eine sofortige Freisetzung von Dopamin (Belohnung und Entspannung), sowie GABA (Gamma-Aminobuttersäure), dem wichtigsten beruhigenden Botenstoff des Gehirns, der die Aktivität überreizter Nerven dämpft. Nikotin dämpft unter akutem Stress die Aktivität in der Amygdala (dem Angstzentrum des Gehirns). Es filtert somit emotionale Streßreize & reduziert die akute Panikwahrnehmung. Die anregende Komponente schärft gleichzeitig den Fokus & die Aufmerksamkeit. In einer Todesgefahr hilft dieser Tunnelblick den Soldaten, die lähmende Angst auszublenden & stattdessen handlungsfähig zu bleiben. 

Laurenz

3. Juni 2026 20:53

@Ein gebürtiger Hesse @L. ... hinzu kommt der psychologische Beruhigungseffekt. Um eine Zigarette zu rauchen, muss man tief ein- & langsam ausatmen. Dieses tiefe Einatmen aktiviert automatisch den Parasympathikus (den „Ruhenerv“ des Körpers), senkt den Puls & signalisiert dem Körper biologisch Entwarnung. Sucht-Therapeuten nennen es den "Magischen Atem". Im Trommelfeuer des I. oder II. Weltkriegs hatten Soldaten keinerlei Kontrolle über ihre Umwelt. Das Anzünden einer Zigarette war eine kleine, selbstbestimmte Handlung, die eine Illusion von Normalität, Kontrolle & einer kurzen Pause (Auszeit) bot. 

Monika

3. Juni 2026 21:10

@Kositza Das ist ein Roman./ Das weiß ich wohl. Manchmal ist die Realität dichter als die literarische Qualität. Charles Bukowski mochte ich. 

Le Chasseur

3. Juni 2026 21:47

@Majestyk 
"In Wirklichkeit ist Sucht nichts anderes als eine Charakterschwäche. Wer zu viel säuft, kifft, fixt oder frißt ist kein Opfer."
Schön, dann wäre das auch geklärt.

Le Chasseur

3. Juni 2026 22:00

@Monika
"Dabei sind Alkohol und Nikotin doch "altmodische Süchte". Rauchen ist schon lange nicht mehr sexy."
https://www.tagesschau.de/inland/regional/nordrheinwestfalen/wdr-neue-alarmierende-studie-immer-mehr-jugendliche-rauchen-und-vapen-100.html

Laurenz

3. Juni 2026 22:05

@Majestyk ... Sie handeln nach dem hier weit verbreiteten Motto, "Glauben ist mehr als Wissen." Der Mensch ist von Natur aus ein Junkie. Nur sind die Dosen unserer körpereigen produzierten Drogen überschaubar. Wie @RMH bemerkte, ist die Alkoholsucht eine sehr individuelle Sucht, zumindest laut meiner Bio-Lehrerin in der 8. oder 9. Klasse vor über 40 Jahren. Die meisten von uns können täglich 10 Flaschen Bier & 2 Schnaps saufen, ohne süchtig werden & nach 20 Jahren damit aufhören. In der Eiszeit sicherte Alkohol, zB Apfelmost, das Überleben. Im Mittelalter soffen, zumindest in Kommunen mit Brunnen alle Leichtbier, auch die Kinder & in Italien Wein oder verdünnten Wein. Alkohol ist Medizin, schreibt Franz Bettinger, & wohl nicht nur als schneller Wirkstoff gegen Depressionen (Altweiberglück wie Klosterfrau Melissengeist oder Doppelherz). Die Kräuter halten sich im Alkohol besser. Der letzte Krieg war ein Kampf gegen das tödliche Schlafbedürfnis des Menschen. Die Alliierten Soldaten bekamen Speed, die Deutschen Soldaten Crystal Meth. Beides macht süchtig. Wenn man in den USA 3 Jobs mit 12-14 Stunden Arbeitszeit hat, braucht man Schlafpillen zu Einschlafen, Pillen zum Wachwerden & Schmerzmittel gegen die Nebenwirkungen. Sie sind manchmal ein arger Ignorant.

Gracchus

3. Juni 2026 22:05

@EK "Unbedingt nachholen" - bin irgendwie skeptisch - hab ausserdem so viel nachzuholen, derzeit Hamsun und Lavant; das ist echte Literatur; merkt man nach drei Sätzen. 
Wie @RMH, Joseph Roth. Die Legende ist auch eins meiner Lieblingsstücke. Bukowski hat auch was; aber lange nicht gelesen; nicht nur Pulp, aber ich hab auch was für Pulp übrig.
Bin übrigens beruhigt - dachte schon, du liest nur noch Hayek und ordoliberale "Schmöker"!

Gracchus

3. Juni 2026 22:11

@Makestyk: Was fahren Sie denn wieder für'n Film? Was soll denn "Charakterschwäche" besagen? Wieso kann dies nicht zugleich auch eine Krankheit sein? Und wieso kann mit jemanden mit "Charakterschwäche" kein Mitleid haben? Wer aber verlangt von Ihnen denn Mitleid mit Süchtigen? 

Ein gebuertiger Hesse

3. Juni 2026 22:18

@Laurenz @Hesse
Ned schlecht. Sie dürften Recht haben. Und dennoch schmeckt das Zeug nicht. Bis auf die ersten Paar Züge (bevor man sich an den schlechten Geschmack gewöhnt hat). Wobei es Ausnahmen gibt - und nein, dies ist keine Werbesendung.

RMH

3. Juni 2026 22:41

@Laurenz, Tabak soll auch den Hunger dämpfen, was erklärt, warum Rauchen besonders in der Zeit direkt nach dem Krieg sehr weit verbreitet war. Meine kriegsteilnehmende Verwandschaft hat, bis auf eine Ausnahme, dann. als wieder genug Essen da war, allesamt das Rauchen wieder eingestellt, obwohl jeder in den 40er Jahren geraucht hat. Inwieweit "Pervitin", Methamphetamin, die Rolle in der Kriegführung spielte, die dem Mittel heute zugeschrieben wird, ist fraglich. 
@Majestyk, denke, man darf die Sache schon differenziert sehen. Es gibt tatsächlich Menschen, die Suchtgeneigter sind als andere & ab einem gewissen Punkt wird die Sucht tatsächlich auch zu einer Krankheit. In unserer Gesellschaft gilt der Grundsatz, dass Kranke behandelt werden, auch wenn sie eine Mitverantwortung für ihre Krankheit haben. Ich finde das richtig.
@Pit, nicht jeder den Rausch-Suchende ist gleich ein "Süchtiger". Überhaupt ist der Rausch ein Kulturgut der Menschheit, evtl. eines der ältesten. Das braucht nicht pathologisiert werden, sondern ist als Teil des Menschen zu bejahen. Aber zur Kultur des Rausches gehört dann auch die Kultur der Enthaltsamkeit, der Askese. Man wusste früher eben,wie Sie auch schreibe, so etwas zu hegen.

Boreas

3. Juni 2026 23:07

Alkohol ist konservativer Rausch. So hieß auch eine solide, dreibändige Anthologie des Wandervogel, Burschenschafters und Trinkers weiland Ralf Küttelwesch, der aus der Subkultur der Fahrenden, Korporierten und Waidmänner Texte zusammentrug, die das wohlfeile Trinken zum Thema hatten. Lesenswert!

ede

4. Juni 2026 01:02

Kleiner Einwurf: die Aufnahme suchtinduzierender Substanzen, scheint kein Kulturphänomen an sich zu sein. Vergorene Früchte sind im Tierreich ziemlich beliebt. Es soll ein Tal in Afrika geben, in dem es während einer bestimmten Jahreszeit regelrechte "Saufgelage" gibt, bei denen sich sogar Fressfeinde in Ruhe lassen.
 

ofeliaa

4. Juni 2026 02:20

Hier sind wirklich ein paar sehr interessante und auch tiefgründige Kommentare zusammengekommen. Ich spürte lange eine Dissoziation in mir bzgl. Suchtkranken. Ich hatte natürliches Mitgefühl einerseits, andererseits sagte eine eher böse Stimme in mir, dass diese Menschen einfach keine Disziplin hätten. Doch wie es im Leben so ist, bekam ich meine Chance, meine Positionen zu überdenken. Ich erfuhr eine Phase in meinem Leben, in der meine eigenen Ressourcen nicht mehr ausreichten, um dem Ausmaß meines inneren Leidens zu begegnen. Es reichte nicht mehr zu lesen, Musik zu hören, spazieren zu gehen, oder mit Menschen zu sprechen. Jede Sekunde fühlte sich an wie Hölle und wie 300 Jahre mindestens. Ich schleppte mich nur noch von Sekunde zu Sekunde. In dieser Zeit griff ich plötzlich, mir absolut untypisch, zu Alkohol. Ich wollte vergessen. Ich wollte betäubt sein. Ich wollte überleben. Heute ist diese Phase vorbei und ich empfinde wieder kein Interesse am Alkohol und wäre viel zu faul, mir welchen zu besorgen oder das anstrengende Leben eines Süchtigen zu führen. Aber ich blicke auf niemanden mehr herab. 

ofeliaa

4. Juni 2026 02:29

Was man an dieser Stelle wirklich nicht vergessen darf ist, wie stark der Einfluss der Herkunftsfamilie auf die sogenannte Suchtveranlagung ist. Es gibt viele Studien, die zeigen, dass Menschen aus Familien, in denen getrunken wird, ein extrem erhöhtes Risiko haben, ebenfalls suchtkrank zu werden. Die Sucht zerstört dann in jeder Generation wieder die Eltern-Kind-Bindung und damit eine gesunde Entwicklung. Deswegen kann ich es nach wie vor nicht gut heißen, wenn in Familien getrunken wird. Ich selbst wuchs in einer komplett alkohol- und drogenfreien Familie auf und das von beiden Elternteilen und erweiterter Familie aus. Es grenzt an ein Wunder, wie extrem traditionell bayerisch die Familie meiner Mutter ist und wie wenig Bier dort konsumiert wurde und wird. Das ist ein Glück, das man seinen Kindern zuteil werden lassen sollte. 

Laurenz

4. Juni 2026 08:35

@RNH ... Der Einsatz von Panzerschokolade war auf Deutscher Seite ganz unterschiedlich. Vor allem die Luftwaffe nutzte es. Wenn man als Aufklärer über dem Atlantik fliegt, oder im Alarmeinsatz aus dem Schlaf gerissen wird, kann schon Sekundenschlaf zum Absturz führen. Fliegen Sie doch mal nach Betankung & Beladung der Maschine stundenlang mit einer alten Tante Ju nach Kreta & sollen dann die Karre auch noch unter Feindbeschuß landen. Wenn Rommel oder Guderian die Panzerkommandaten nach vorne peitschten, sobald Sprit da war, wird das mit dem Schlaf problematisch. Auf U-Booten kam Pervitin kaum zum Einsatz. Bei langen Unterwasserfahrten, wurden alle Wachfreien in die Kojen & zu Stille befohlen. Als 2,2k Mann auf der Bismarck mit einem dienstunfähigen, depressiven Admiral an Bord, den weder Admiralsarzt Dr. Riege, noch Kommandant Lindemann vom Dienst suspendierte, von den Briten verfolgt wurden, kamen bis zum Untergang so viele Kommandos "Alle Mann auf Gefechtsstationen", daß viele mit Pervitin gefütterte Besatzungsangehörige nach ein paar Tagen schon Halluzinationen bekamen. Das kann man auch nicht wirklich debattieren, weil die Droge immer besser ist, als der Tod durch Übermüdung.

Le Chasseur

4. Juni 2026 09:21

@RMH 
Manche sagen ja, der wirtschaftliche Aufschwung nach dem 2.WK sei auch durch einen gewissen Dauerpegel ermöglicht worden: https://www.youtube.com/watch?v=5Hu8CgPpTpI
Es gibt sogar Wissenschaftler, die die These vertreten, dass Alkoholkonsum eine wichtige Rolle bei der Entstehung hochentwickelter Gesellschaften gespielt hätte: https://darwinianbusiness.com/2021/10/24/drunk-by-edward-slingerland/
 

MarkusMagnus

4. Juni 2026 09:58

"@ Laurenz, Tabak soll auch den Hunger dämpfen, was erklärt, warum Rauchen besonders in der Zeit direkt nach dem Krieg sehr weit verbreitet war. Meine kriegsteilnehmende Verwandschaft hat, bis auf eine Ausnahme, dann. als wieder genug Essen da war, allesamt das Rauchen wieder eingestellt, obwohl jeder in den 40er Jahren geraucht hat."
Das hatte Helmut Schmidt in einem seiner letzten Interviews auch mal erwähnt.
Er hat bis zum Schluss geraucht wie ein Schlot und wurde trotzdem fast 100 Jahre alt.
Ernst Jünger und sein Freund Albert Hofmann haben sich zusammen alles mögliche an Drogen reingezogen und wurden nicht nur beide über 100 Jahre alt, sondern waren bis zum Schluss auch noch geistig fit.
Das natürliche, unbehandelte Kokablatt vom Strauch enthält viel Kalzium und Vitamin C und ist tatsächlich eines der gesündesten Dinge aus der Natur die man zu sich nehmen kann. 
Die AFD sollte sich auch für die unbeschränkte komplett Legalisierung von Hanf stark machen. Ich rede vor Allem von Hanf als Rohstoff und Treibstoff. Aus Hanf kann man fast alles herstellen, sogar die Autos selbst. Autos aus Hanffasern sind leicht und extrem stabil. 
Ein rohstoffarmes Land wie Deutschland braucht nunmal Rohstoffe, und wenn sie bei uns (nach)wachsen umso besser.
 
 
 
 
 
 
 
 

Hartwig aus LG8

4. Juni 2026 10:57

Ein Klassiker der "Sucht"-Filme ist "Requiem for a Dream" aus dem Jahr 2000.
Der Film thematisiert verschiedene Süchte, beginnt fast ein bisschen euphorisch, zeigt dann einen langsamen Abstieg und vor allem den rapiden Zerfall aller Beziehungen und Loyalitäten, wenn das Geld für die Beschaffung des Stoffs knapp wird. Der Film wirkt wie ein Hammer, der Soundtrack macht Gänsehaut.

Umlautkombinat

4. Juni 2026 11:02

Ich kann nichts weiter zu Substanzabhaengigkeiten sagen, da ich keine habe (was nicht heisst, dass ich Wirkungen von auch schwerem alkoholischen Rausch nicht kenne - ich bin halt nur nicht abhaengig). Allerdings zum Punkt Wille und speziell "einfach (Hervorhebung von mir) Wollen":
 
Es gibt ein Buch mit verschiedenen klinisch bewerteten Depressionsfaellen unter dem Titel "Ich kann nicht wollen" nach der Formulierung eines der Patienten. Sagt alles, und darin kenne ich mich aus. Dagegen gibt es nichtmedikamentoese Mittel und interessanterweise trifft der von @Bettinger als Konzentration in die Gegenwart charakterisierte angestrebte Effekt des Alkohols und der damit verbundene Lastabwurf auf eine Entsprechung in Meditation (anicca, die Gegenwaertigkeit). 
 
Wille - der bei Depression nicht wirkt - wird ersetzt durch Beobachtung. Und die wirkt. Langsam, aber stetig. Ob das bei dieser Art  Suechten eine Variante ist, weiss ich nicht. Die unterdruecken ja meist Moeglichkeit zur gesteigerten Selbstreflektion gerade dann wenn es noetig waere.  Bei den nicht substanzgebundenen ist das aber als Ausgleich viel erfolgversprechender.
Und noch zum Abschluss: Alle Suechte bauen das Gehirn physisch um, insofern ist es viel mehr eine Charakterfrage als es jemand der solche Begriffe einwirft lieb sein kann. Denn dieser Umbau aendert den Charakter eben - und zwar auf physiologischer Ebene - mit. Schon im gesunden Menschen ist er nicht statisch. Und das muss man erstmal umkehren.

Laurenz

4. Juni 2026 12:43

@MarkusMagnus @L. ... Der EK-Artikel spricht ein komplexes, schwieriges Thema an. Man muß sich die enormen monetären Interessen im Drogenhandel & Therapien vergegenwärtigen. Heroin wurde 1874 vom Englischen Chemiker C. R. A. Wright erfunden & wieder vergessen. 1897 endeckte es der Deutsche Chemiker Felix Hoffmann wieder (kurz vor Seiner Erfindung des Aspirins) & ab 1898 verkaufte Bayer das "Medikament", es wurde gegen Tuberkulose & Husten auch an Kinder verabreicht. 1931 stellte Bayer die Produktion ein & Heroin wurde 1971 endgültig in Deutschland verboten. Man sollte hier gesellschaftlich politische Kompromisse eingehen. Vor allem müssen radikal Kinder/Minderjährige geschützt werden. Viele wollen Drogenhandel & -mißbrauch bestraft sehen. Aber ein illegaler Schwarzmarkt erschafft Beschaffungskriminalität. Wir kommen auch nicht so leicht an 2 oder 3 Mio. Tabletten-Junkies vorbei. Man kann deswegen ja nicht Medizin verbieten. 2010 verreckte ich beinahe an einer Rippenfell- & seltenen Lungenentzündung. Ein Lungenfacharzt, Chefarzt in Hofheim/Ts., holte mich von der Schippe. Ein 3/4 Jahr mußte ich am Tag 55 mg Cortison fressen, grauenhaft. An den Folgewirkungen laboriere ich heute noch. Aber besser dick als tot. Was ich damit zeigen will ist, wo zieht man Grenzen? Wo endet die Freiheit des einzelnen? Wer greift wann & wie etatistisch ein? Schlage vor, nix übers Knie brechen.

Franz Bettinger

4. Juni 2026 13:10

@Gebürtiger Hesse, 9:49: Danke für den Link zum Film. Der ist wirklich gut, wenn man wissen will, wie Drunksucht ensteht. Ich frage mich, wie der Dialog mit dem Cop zu Beginn weitergangen wäre, wenn d. schöne Hauptdarsteller sein volles Glas Bier nicht austrunken hätte, sondern gesagt hätte: "Ich hab mein Glas noch voll, nein Danke!" Zum Beispiel hätte ein intelligenter Dialog über Männlichkeit folgen können. Klar, das war ja nicht das Filmthema. Aber im Ernst: Geht es beim Thema Trinken & 'Trinkfestigkeit' (in Australien etc. ...) nicht sehr oft um falsch verstandene Männlichkeit? 

Ein gebuertiger Hesse

4. Juni 2026 15:03

@Franz Bettinger
Dann wäre der Film ein anderer und niemals diese steile Wucht (betreffs des Suffs aber auch überhaupt und so), die er ist. Zum Glück hat der Cop sein Glas nicht ausgetrunken. 
Und der schöne Hauptdarsteller, nicht wahr? Ist leider nur 55 geworden. 

Ein gebuertiger Hesse

4. Juni 2026 15:22

@Franz Bettinger
Was Ihre Grundfrage angeht: falsch verstandene Männlichkeit gibt es überall, das ist TV, siehe all das woke Filmgeschäft. Richtig verstandene nur da, wo der Kerl IN ERNST erlaubt agieren und reden/schreiben zu können glaubt.

Majestyk

4. Juni 2026 16:02

@ Alle:
Differenzierung ist der Tod aller Überzeugungen. Dieses ewige nicht anecken wollen findet sich ja auch bei Themen wie Subventionierung von Arbeitsunwilligen, Fremdenliebe, Feminismus, sicher bald im Nebenstrang Todesstrafe. Ein Kommentar, der keine Reibung erzeugt ist sinnlos. Ich bleibe dabei, Sucht ist eine Ausrede sich unbequemen Wahrheiten und der inneren Leere nicht stellen zu müssen. Sucht ist Davonlaufen und eine Art Sedativ. 
Traurig ist Sucht für Angehörige von Zockern, Säufern oder in meinem Fall Fettleibigen. Die müssen ausbaden, was andere sich selber zufügen. Wenn man Sucht zur Krankheit erklärt, dann aber weg mit der Pflicht zur gesetzlichen Krankenversicherung. Nach meiner schweren Erkrankung mußte ich meine Heilmittel selber zahlen, weil die auf keiner Liste standen. Meinem Vater geht es mit seiner Augenerkrankung ähnlich. Ich soll aber für Entziehungskuren haften, die eh meist nicht fruchten oder für Magen-OPs wo die Leute sich hinterher wieder mit Pizza vollstopfen. Warum soll ich für Therapien zahlen ,wenn jemand 40 Jahre wie ein Schlot geraucht hat? 
Ihr findet das normal? Was stimmt mit Euch nicht, abgesehen von typisch linker Argumentationslogik?
Drogensucht würde es in der Quantität nicht geben, wenn der viel geliebte Papa Staat mal seinen Aufgaben nachkommen würde, Grenzen richtig kontrollieren und Drogenhändler, Geldwäscher u.a. so bestrafen würde, wie es sich ethisch gehört. 

RMH

4. Juni 2026 16:55

@Majestyk, Ihre Argumentation der "Eigenverantwortlichkeit" erinnert leider schwer an das, was in Corona Zeiten gegenüber "ungeimpften" Patienten geäußert wurde (Warum belegen "die" die Intensivbetten? Warum zahlt man das? etc.). Und damit sollte wohl klar sein, dass man nicht immer mit harter ja/nein, schwarz/weiß Linie argumentieren kann. Es wird auch bei Ihnen Behandlungen geben, wo man sagen kann, warum bezahlt das die KK überhaupt? Im Übrigen zahlen auch nicht Sie allein für alles, sondern die millionenstarke Gemeinschaft der Versicherten, die für alles mögliche zahlt & die Debatte darüber, was gezahlt werden soll, was nicht, ist uralt. Aber Sie können beruhigt sein, bereits heute sind Therapie- oder auch nur schlichte Entgiftungsplätze so limitiert, dass die Masse der Suchtkranken ohnehin nicht ordentlich behandelt wird oder auf der Warteliste sozialversicherungsverträglich früh verstribt. Die Beiträge & Steuern (inkl. Tabak- und Alkohlsteuern, bald dann auch die "Zuckersteuer"), die diese Personnen allesamt zumeist in ihrem Leben gezahlt haben, die hat die "Solidargemeinschaft" gerne entgegengenommen

Laurenz

4. Juni 2026 17:53

@Majestyk @Alle ... vielleicht, Majestyk, bestellen Sie bei Antaios das Buch von Andreas Niedrig "Vom Junkie zum IronMan".  Niedrigs Frau Sabine ging in dieser Zeit der Sucht mit Ihm durch die sprichwörtliche Hölle. Obwohl die Sucht die Familie finanziell & psychisch ruinierte, hielt sie – trotz zwischenzeitlicher Trennungen & extremer Belastungsproben – letztlich zu ihm. Er betont in Interviews bis heute, daß Sie & die Geburt der gemeinsamen Tochter die wichtigsten Anker für seinen Entzug waren. Es gibt ein gutes Interview mit Niedrig auf YouTube & es gab auch x Reportagen. Niedrig ist gewiß ein Ausnahme-Fall. Sie weichen in dieser Debatte aus. Niemand hier wird mit Ihnen über Drogenhandel, Grenzkontrollen & mehr Steuerfahndung (oder vielmehr eine andere Steuergesetzgebung) streiten wollen, weil es nichts zu streiten gibt. Aber damit haben zB jeweils 2-3 Mio. Alkohol- & Tablettensüchtige bei uns nichts zu tun. Nehmen Sie die Fentanyl-Krise in den USA. Der Stoff ist einfach herzzustellen, ist 50x so stark, wie Heroin & 100x so stark, wie Morphium. Kleinste Mengen führen zur tödlichen Überdosis. Der Staat (hier die USA) kann da nicht einfach zuschauen. Mancher sieht es auch als geopolitische Rache für die Opium-Kriege & den westlichen Kolonialismus in Ostasien (Das Jahrhundert der Demütigung).

Majestyk

4. Juni 2026 18:05

@ Umlautkombinat:
Ein Stein ist bloß ein Stein. Und dennoch kann der Bildhauer etwas daraus herausschlagen, was mehr ist als ein Stein.
Beim Charakter ist es ähnlich. Charakter hat nichts mit gut oder schlecht zu tun. Es gibt seelengute Menschen, völlig schwammig im Wesen und es gibt unbeirrbare Unsympathen mit viel Charakter.
Charakter ist, was der Mensch im Laufe seines Lebens aus sich selbst heraus schlägt. So wie der Töpfer den Ton formt, so formen Prägung und Entscheidungen den eigenen Charakter. Charakterbildung ist nie abgeschlossen, sondern Lebensweg.
Natürlich gibt es Fehlprägungen. Als ungewollter Mensch einer psychisch kranken Mutter, die all ihre Verzweiflung an mir abreagierte, wenn ich nicht gerade dressiert wurde und eines an mir völlig desinteressierten Vaters, der mir allerhöchstens mal Steine in den Weg gelegt hat, weiß ich worüber ich schreibe. Dem einen wird bei der Charakterbildung geholfen, der andere hat einen weit längeren Weg vor sich. Dennoch bleibt, jeden Mist, den ich gebaut habe (und da war einiges bei), habe ich selber zu verantworten.
Charakter ist Willensstärke, nicht gut sein. Der charakterstarke Mensch gerät weder äußerlich, noch innerlich aus der Form. 
 

Umlautkombinat

4. Juni 2026 21:04

Der charakterstarke Mensch gerät weder äußerlich, noch innerlich aus der Form.  

Das ist eine romantische Vorstellung. Zu einem Trauma - ganz generell - gehoeren zwei Dinge: Die Staerke der Kraft die einwirkt und die Schwaeche des Punktes, auf den sie trifft. Auch noch die Dauer, aber das kann man notfalls konzeptuell in den beiden unterbringen. Die beiden stehen in Beziehung. Ist die Haut am Punkt duenn genug, braucht es gar nicht viel Kraft. Jemand der den Punkt nicht hat, lacht darueber. Aber er hat mit Sicherheit andere.
 
Ich habe Depression nicht umsonst erwaehnt. Mich hat einmal eine Frau in einer mir bis dato unvorstellbaren Art zugerichtet, weil sie einen Schwachpunkt gefunden hatte, der mir gar nicht bewusst war. Ich neige auch nicht per se zu depressiven Denkweisen, aber es hat mich etliche Jahre gekostet, dass wieder auszuschwitzen. Rutschen Sie in solcher Zeit in eine Substanzabhaengigkeit, dann ziehen sie unter Umstaenden einen sehr schwarzen Peter. Und da der wie gesagt Ihr Gehirn auch physisch umbaut, erwischt er auch ihre Persoenlichkeit und die beinhaltet eben auch den Charakter. Was der hinterher ist, haengt nicht allein davon ab, was sie wollen (s. Buchtitel oben), sondern wozu Sie in der Lage sind. Und das kann sehr wenig sein. Sie koennen nicht mit Charakter Charakter erhalten. Da beisst sich der Hund in den Schwanz, wenn es das ist, was selbst unter Druck steht. Dazu brauchen Sie viel mehr Werkzeug.

Majestyk

4. Juni 2026 21:09

@ RMH:
Umgekehrt wird ja wohl eher ein Schuh daraus. Was während Corona geschah basiert auf dem Denken Zwangsverpflichtung fürs Kollektiv, was auch Sie mir jetzt gerade predigen wollen. Darauf basiert auch hiesiges KV-System. Mir ist egal, was Millionen andere gerne tun. Ich empfinde es als Zwang und diesen als Diebstahl. Sie schreiben von Gemeinschaft. Die Teilnahme an einer solchen ist freiwillig und Mitglieder einer Gemeinschaft haben Rechte. Warum darf ich nicht aus der KV raus?
Ich esse auch gerne süß und bin wohl einer der Wenigen, die gegen alle Erziehungssteuern ist. Ginge es nach mir, gäbe es, höchstens 10 Prozent aufs Einkommen und eine Art Property Tax. Solidarkassen wären selbst verwaltet ohne jeglichen staatlichen Einfluß, ansonsten eben alles privat. 
@ Laurenz:
Ich werde mir das Buch nicht kaufen, kenne aber die Geschichte und eine ähnliche im Umfeld. Die Person, die ich kenne, hat eine Sucht durch eine andere ersetzt. Ich habe selber mal einen abgestürzten Bekannten eine Weile kostenlos bei mir wohnen lassen und Arbeit verschafft. Aber freiwillig. Fremden helfen müssen per Zwang stört mich. Dann wäre es ja auch legitim allen Menschen zu helfen, die hier vielleicht besser leben können als zu Hause.
Sie alle stören sich aber eher daran, daß ich Sucht als Charakterschwäche bezeichne. Pech. Sehe ich so. Nehme mich aber nicht aus. Meine Kardinalfehler basierten ja auch auf Charakterschwäche. Nur stehe ich auch dazu, erfinde keine Ausreden und lebe damit.

Franz Bettinger

4. Juni 2026 22:08

Muss @Majestiyk recht geben. "Nicht die Droge macht süchtig, sondern der Charakter", sagte unser Professor an der UCL damals, der selbst allerlei Ds ausprobierte und gar dazu animierte. "Nur wenn du ein Versager bist oder depressiv oder arbeitslos or whatever, dann lass es." Da ist was dran. 

Umlautkombinat

4. Juni 2026 22:41

Sie sind doch Mediziner @Bettinger. Sie sollten sich ueber die Qualitaet Ihres Ausbildungspersonals doch einmal ein paar Gedanken machen. 

Gracchus

4. Juni 2026 23:52

@Majestyk: "und wie er die Welt sah" - am Ende geht es wie üblich um ihre persönliche Befindlichkeit, wahrscheinlich veranstalten Sie deshalb den ganzen Terz. Denn mit EKs Buchrezension hat der nix zu tun. Um es in Ihrer Diktion zu sagen: Ich weiß nicht, warum ich mich für Ihr Problem, GKV-Beiträge zu zahlen, interessieren sollte. Dann sehen Sie doch zu, dass Sie über die Beitragsbemessungsgrenze kommen und in die PKV wechseln. Oder wandern aus! Eigenverantwortung! Nicht jammern! So rumzujammern, ist ein Zeichen von Charakterschwäche. 
 
 
 
 
 

Gracchus

5. Juni 2026 00:06

@Majestyk: Nach Ihrer "Logik" müsste Papa Staat sich also auch um, sagen wir, Pizzabäcker, Softdrink-Hersteller, Brauereien und Winzer wie um Drogendealer "kümmern" - wie passt das zu ihrem sonstigen Getromnel für den freien Markt? Das Verbot irgendwelcher Drogen - ist das nicht ein zu harter Markteingriff?

Gracchus

5. Juni 2026 00:14

Literarisch amüsant ist noch der Neurotiker Zeno Cosini, der jeden Abend die letzte, wirklich allerletzte Zigarette raucht; die Vorstellung, die letzte Zigarette zu rauchen, steigert aber den Genuss, so dass es zum Ritual und Teil seiner Sucht wird. 

Franz Bettinger

5. Juni 2026 09:49

@Umlaut: Unter meinen Professoren an der UCL waren 3 Nobelpreisträger. Ich weiß, das Argument taugt nichts, weil ad auctoritatem, reimt sich aber ganz gut auf ihren Einwand. Gemeint war: Wer keinen Sinn im Leben sieht, wird eher süchtig; nicht nur nach C2 H5OH sondern nach allem Möglichen : Zucker, Sex, ... sogar Sport ! 

Franz Bettinger

5. Juni 2026 09:57

Ich selbst hatte, unmittelbar nachdem ich das erste und wohl entscheidende Examen an der UCL (Durchfaller 80%) bestanden & so einen enormen Sinn-Schub erhalten hatte, ein körperlich wie geistig fantastisches Erlebnis mit Cannabis (oral genommen), das ich nicht missen möchte. Es war definitiv die Erfahrung wert! Doch wiederholte ich es nie. 

Monika

5. Juni 2026 11:26

@ Bettinger, Es gibt auch eine Kommentiersucht. Da wirkt der Badeschluß wie ein heilsamer ENTZUG. 😵‍💫😃😵‍💫

links ist wo der daumen rechts ist

5. Juni 2026 11:51

Empfehle zum Thema William Styrons "Sturz in die Nacht". Hauptthema ist zwar Depression, aber er beschreibt damit verbundenes Suchtverhalten wie Alkoholismus, was sich für ihn durch eine besondere Egozentrik auszeichnet. Und er befürwortet professionelle Hilfe (wie in seinem persönlichen Fall). Das Buch wurde in den USA zum Bestseller, aber auch von Kollegen ziemlich verrissen (u.a. von Alfred Alvarez). Ich find's aber in seiner Ehrlichkeit sehr trostreich (und nicht wenigen dürfte es das Leben gerettet haben).

Umlautkombinat

5. Juni 2026 12:16

@Bettinger
 
Sorry, ich war etwas harsch. Nochmal gelesen klang das etwas anders. Beim Nichtargumentieren mit Autoritaeten bin ich aber voellig einer Meinung :).

Kurativ

6. Juni 2026 05:47

Für den Betroffenen einer Sucht stellt sich die Sinnfrage, welche verneint wird.
Alkohol schwächt. Was manchmal gewollt sein kann.
Alkohol ist einer der Vorteile und Mechanismen von Islam gegenüber Christen. Wenn man im Islam die Gesellschaft entsprechend formatiert, dann ergeben sich langfristig Übermachten auf bestimmten Ebenen.
Der Westen benutzt Drogen gegen feindliche Staaten. Beispiel: Drogen aus Afghanistan wurden Iran und Russland verwendet. Das Leid der Menschen ist unfassbar. Das Zeug landet natürlich auch in Europa. Die westlichen Geheimdienste benutzen den illegalen Handel als Finanzierungsquelle am Staatshaushalt vorbei.
Drogen werden auch von Staaten gegenüber den eigenen Bürgern als "Betäubungsmittel" verwendet. Zulassung von Cannabis oder Alkohol sind gute Beispiele.
Drogen bei Prominenten und in der Kunst erfüllt eine Funktion: Politiker erscheinen als etwas Besonderes (Kokain im Abwasser des Bundestags, eventuell Selensky,m usw), Musiker konzeptionieren und spielen anders (Miles Davis, Berlioz, 68er), Literaten schreiben anders. Ein zweifehaften Vergnügen.
Auf den Philippinen hat Duterte den Drogenhändler auch mal eine Kugel in den Rücke verpasst. Drogenhändler, welche ihre Opfer mit über eine Zeit lang mit lebensbedrohlichen Drogen versorgt, begeht scheichenden Mord.
Wer jahrelang Opiate Konsumiert ist erpressbar und nicht mehr zurechnungsfähig. Der gehört in die Psychiatrie oder in Sicherungsverwahrung.,

Laurenz

6. Juni 2026 10:28

@Kurativ ... guter Breitrag, nur ein kleiner Hinweis, der Islam nutzt andere Drogen, die der Quran so nicht berücksichtigt. Das Verbot des Alkohols, (alles ist verboten, was trunken macht), ist militärisch zu sehen. Die Araber soffen noch mehr als wir. Und in der Wüste wirkt Alokohol noch effizienter. Damit kann man keinen Krieg gewinnen.

Kurativ

6. Juni 2026 13:02

Laurenz (6. Juni 2026 10:28) : Die Muslime sagen selber oft, dass der Weinhandel im Orient zu 100% in jüdischer Hand lag. Und man wollte sich von denen nicht (durch Beimischungen) ausbremsen lassen. Sicher haben sich solche Regeln als multifaktorielle Vektoren über die Zeit durch (selbst)Beobachtung bzw Versuch+Irrtum herauskristallisiert.
Es gibt zahlreiche ähnliche Wirkmechanismen zw Chr und Islam. Diese Regeln sind eine sich selber begründende Selbstbegründung der islamischen Existenz. Er hätte sich sonst nicht gegen das lateinische Christentum im Sinne von Augustinus mit seinen Saufgelagen durchgesetzt.
Alkohol im Alter scheint auch eine Bedeutung bei der Entstehung von Demenzkrankeiten zu haben.

Le Chasseur

6. Juni 2026 14:24

@Kurativ
"Die Muslime sagen selber oft, dass der Weinhandel im Orient zu 100% in jüdischer Hand lag. Und man wollte sich von denen nicht (durch Beimischungen) ausbremsen lassen."
Man muss sich nur anschauen, was in einem Bierzelt auf dem Oktoberfest abgeht, oder in irgendeiner Ballermann-Disco. Da findet man genug Argumente für ein Alkoholverbot.
„Durch Alkohol bringt man sich auf Stufen der Kultur zurück, die man überwunden hat.“
--Friedrich Nietzsche

Laurenz

6. Juni 2026 15:18

@Le Chasseur & Kurativ ... der Alkohol & die Milch sind ein hervorragendes Beispiel als natürlicher Beweis für unterschiedliche Ethnien, besser als die Hautfarbe. Ohne Alkohol & Milch wären wir nicht, was wir sind. Beides sicherte unser Überleben. Deswegen vertragen wir beides besser als alle anderen Ethnien. Die sogenannte Wissenschaft geht davon aus, daß unsere Evolution die weiße Krankheit Mukoviszidose (Cystic Fibrosis) in Kauf nimmt, weil uns der Milchkonsum einen evoltionären Vorteil verschaffte. Wo man einen gesundheitlichen Unterschied festmachen kann, sind einerseits gegorene - & andererseits destillierte Alkoholgetränke.

Majestyk

7. Juni 2026 01:24

@ Le Chasseur:
"Da findet man genug Argumente für ein Alkoholverbot."
Jetzt werden Sie auch noch zum Puritaner. Nur weil Leute wie Sie nicht wissen wie man eine Sause macht, müssen Sie Menschen mit Lebenslust nicht gleich alles verbieten. 
Wenn Ihr neuen Rechten den Bürgern jetzt auch noch den Alkohol nehmen wollt, wie soll man sich dann dieses Land noch schön saufen? 
Im Übrigen wird niemand süchtig, weil er mal gerne auf die Pauke haut. Gehört gerade in jungen Jahren zum Leben dazu. Traue niemals Asketen, Veganern, Prüden und Abstinenzlern. Auch Alkoholkonsum und die Art wie man darauf reagiert ist Survival of the Fittest.
In meiner Wahrnehmung ist Nietzsche für ein erfülltes Leben absolut verzichtbar. Ein Leben ohne Wein, Weib und Gesang ist möglich, aber völlig sinnlos.