Ne mutlu Türküm diyene – Und wir?

Antaios hat mit Halbmondsüchtig. Xenomanie in Europa ein Buch verlegt, das die Sehnsucht nach dem Morgenland gerade der Deutschen vortrefflich beschreibt. Meine Freunde Gertrud und Friedrich haben das Buch erst nach diesem Gespräch gelesen – womöglich gibt es also einen Nachklapp. Sie waren lange Jahre orientbegeistert, „halbmondsüchtig“ wohl nicht ganz.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Jeden­falls war die­se Ori­ent­be­geis­te­rung total! Sie reis­ten durch die Lan­de, hat­ten zei­ten­lang ein eigent­lich ort­lo­ses (glück­li­ches!) Dasein im Ori­ent. Sie lieb­ten Land & Leute.

Die Begeis­te­rung für die fer­ne Kul­tur ging soweit, daß sie ihren Kin­dern (alle im „frei­en Feld“ gebo­ren, lan­ge bevor das Mode wur­de) neben ger­ma­ni­schen Zweit­na­men (soviel Her­kunfts­be­wußt­sein gab es durch­aus) ori­en­ta­li­sche Ruf­na­men gaben.

(Hier gleich ein Ein­wurf von Ger­trud: „Na ja, Esther, Judith, Maria, Joseph, Jonas, Johan­nes und so wei­ter stam­men ja ursprüng­lich auch aus dem Mor­gen­land.“ Wo sie recht hat…)

Die­se Freun­de (längs­te Freund­schaft mei­nes Lebens) sind längst rechts, seit Jahr­zehn­ten näm­lich. Wie ich sie ken­nen­lern­te (Fried­rich als Dis­ku­tant auf einer „Mon­tags­de­mo“ in FfM in den Neun­zi­gern, damals, als Horst Mahler noch nicht „ver­brannt“ war, son­dern als „Lin­ker“ galt) wäre ein eige­nes Kapitel.

Trotz all die­ser lan­gen Ver­bun­den­heit: Für mich ist „Jesus Chris­tus ist der Weg, die Wahr­heit und das Leben“ unver­han­del­bar; das war oft Debat­ten­stoff unter uns. Denn die bes­ten Freun­de sind kei­ne Chris­ten. Ich spre­che mit Ger­trud, die mir den Ori­ent-Impuls viel­leicht erklä­ren kann.

Ellen: Ger­trud, Du bist staat­lich geprüf­te Erzie­he­rin und hast ein paar Jah­re in einem Wai­sen­haus gear­bei­tet, ist das richtig?

Ger­trud: Ja. Kin­der habe ich schon immer geliebt, des­halb ent­schied ich mich für die­sen Beruf. Aber ich woll­te auch sel­ber fünf Kin­der haben – und rei­sen. Jeder sag­te mir, bei­des wäre unmög­lich. Doch dann lern­te ich einen Typen ken­nen, der in einem bun­ten Wagen leb­te und her­um­reis­te. Nach­dem klar war, daß wir bei­de vie­le Kin­der haben woll­ten, funk­te es ziem­lich schnell zwi­schen uns.

Ellen: War­um habt Ihr Euch gera­de in die Tür­kei auf­ge­macht? Hät­tet Ihr nicht auch nach, sagen wir, Skan­di­na­vi­en gehen kön­nen, um eine ande­re Kul­tur zu entdecken?

Ger­trud: Da wir Hun­de hat­ten – Bull­ter­ri­er – kamen die skan­di­na­vi­schen Län­der wegen der dor­ti­gen Qua­ran­tä­ne-Vor­schrif­ten nicht in Fra­ge. Ich selbst hat­te schon die USA und mit dem Ruck­sack süd­eu­ro­päi­sche Län­der, beson­ders Grie­chen­land bereist. Noch nach­dem wir uns ken­nen­ge­lernt hat­ten, reis­te ich – eben­falls mit dem Ruck­sack – meh­re­re Mona­te durch Boli­vi­en und Peru. Es war nicht so, daß ich bestimm­te Favo­ri­ten hat­te. Ich woll­te rei­sen, in mög­lichst ver­schie­de­ne Länder.

Die Ori­ent­be­geis­te­rung ging von mei­nem Gelieb­ten aus. Der hat­te auf Anre­gung sei­nes älte­ren Bru­ders Gobi­ne­aus Buch Asia­ti­sche Novel­len, die Mär­chen­samm­lun­gen von Elsa Sophia von Kamphoe­ve­ner An Nacht­feu­ern der Kara­wan-Serail, Goe­thes West-öst­li­chen Diwan und Fritz Steu­bens Der wei­te Ritt gele­sen – um nur eini­ge zu nen­nen. In sei­ner frü­hen Jugend rück­te er von zu Hau­se aus und kam – über Ita­li­en, Jugo­sla­wi­en, Grie­chen­land, die Tür­kei, den Liba­non, Syri­en, den Irak und Per­si­en bis nach Afghanistan.

Was er sei­nen Eltern damit antat, liegt ihm bis heu­te auf dem Gewis­sen. Aber was er erleb­te, hat ihn gebannt. So kam es, daß wir – als ich nach mei­ner Rück­kehr aus Süd­ame­ri­ka in sei­nen Wagen stieg, den ich bald “Palast” tauf­te – als ers­tes gemein­sam in die Tür­kei reis­ten. Spä­ter fuh­ren wir noch öfter dort­hin, zwi­schen­durch aber auch nach Nordafrika.

Ellen: Es gab anschei­nend einen Kip­punkt, wo Ihr dach­tet – nun ist es wohl Zeit, sich den eige­nen Wur­zeln zuzu­wen­den. Wann war das?

Ger­trud: Nein, einen Kip­punkt gab es nicht. Es war eine all­mäh­li­che Erkennt­nis, die immer kla­rer wur­de: Die meis­ten Men­schen, denen wir begeg­ne­ten, hin­gen mit Lie­be an ihrem Land. Sie waren oft schein­bar unge­bil­det, aber tru­gen in sich mehr von der Geschich­te und Kul­tur ihres Vol­kes als der durch­schnitt­lich gebil­de­te Deut­sche. Ihre Gast­freund­schaft – beson­ders gegen­über Deut­schen – war so über­wäl­ti­gend, wie mein Mann sie schon als Jugend­li­cher ken­nen­ge­lernt hat­te. Daß er damals nicht ver­lo­ren­ging, betrach­tet er heu­te noch als Wun­der. Ihr Stolz war nicht über­heb­lich, son­dern ein­fach nur selbst­be­wußt, ihre Fröm­mig­keit nicht auf­ge­setzt, ihre Höf­lich­keit voll­endet – ob das nun Kur­den, Tür­ken, Arme­ni­er, Ber­ber oder Ara­ber, Mus­li­me oder – selbst­ver­ständ­lich sel­te­ner – Chris­ten waren. Sie hat­ten ihre Geschich­te, ihre Trach­ten, ihre Musik, ihre Mythen. “Ne mut­lu Tür­küm diyene” lasen wir in gro­ßen Stein­buch­sta­ben an den Hän­gen der Tür­kei: “Welch ein Glück zu sagen, ich bin Türke!”

Und was hat­ten wir? Ein­mal beob­ach­te­ten wir in Tune­si­en eine Art Par­ty mit Ein­hei­mi­schen, aber auch ver­schie­de­nen Tou­ris­ten. Irgend­wann wur­de gesun­gen. Die Tune­si­er, die Schot­ten, die Fran­zo­sen – alle hat­ten etwas bei­zu­tra­gen. Die Deut­schen brach­ten – nach vie­len Auf­for­de­run­gen –  ein gequäl­tes “We are the Cham­pi­ons” mehr schlecht als recht hin.

Ein­mal woll­ten wir in einem Nest am Ran­de der Saha­ra Wol­le für mei­nen Web­rah­men kau­fen. Ich stau­ne heu­te noch, was wir alles mit uns her­um­schlepp­ten. Selbst­ver­ständ­lich wur­de gefeilscht. Ich bin ganz gut dar­in, obwohl so etwas sich manch­mal schier end­los in die Län­ge zieht. Zwi­schen den ein­zel­nen Ver­hand­lungs­run­den wird Tee getrun­ken und geplau­dert. Unver­meid­lich die Fra­ge nach unse­rem Her­kom­men. Wie immer, ging die Son­ne auf dem Gesicht unse­res Gegen­übers auf, als wir uns als Deut­sche zu erken­nen gaben.

Die­ses Mal blieb es aber nicht dabei. Der Händ­ler erzähl­te, daß er als Kind Feld­mar­schall Rom­mel gese­hen hät­te. Er hat das nie ver­ges­sen! So viel Hoff­nung lag auf der Aus­sicht eines Sie­ges der Deut­schen! Wir beka­men die Wol­le für einen Preis, den wir nie hät­ten erhan­deln können.

Es gab vie­le ähn­li­che Erleb­nis­se. Lang­sam drang unse­re Volks­zu­ge­hö­rig­keit  uns ins Bewußt­sein. Uns wur­de klar, daß wir nie­mals etwas ande­res sein könn­ten, als wir sind: Deut­sche! Doch was heißt das? Ja, die uns ein­ge­bläu­ten Unheils­ge­schich­ten, die geis­ter­ten irgend­wie im Kop­fe her­um. Aber sonst? Also gin­gen wir auf die Suche nach dem Unse­ren.  Es begann unse­re längs­te Rei­se, auf der wir heu­te noch sind, und unse­re spannendste.

Ellen: Unse­re Autorin Bet­ti­na Gru­ber schreibt ja (sinn­ge­mäß), daß Isla­mo­phi­lie heu­te eine Art „Staats­rä­son“ sei. Ich sehe das ein wenig anders. Es gibt mei­nes Erach­tens doch rela­tiv deut­li­chen Islam­haß. Wie siehst Du, wie seht Ihr das?

Ger­trud: Nee, “staat­li­che Isla­mo­phi­lie” gibt es mei­nes Erach­tens nicht. Es gibt nur die staat­lich ver­ord­ne­te Gleich­heits­lü­ge und den Selbst­haß. Ich stau­ne immer wie­der, wie wenig die Mul­ti-Kul­ti-Anhän­ger wirk­lich von ande­ren Kul­tu­ren wis­sen. Eigent­lich gar nichts! Die kön­nen sich viel­leicht nicht vor­stel­len, daß es Men­schen gibt, die ein­fach anders ticken.

Na ja, und den Islam gibt es sowe­nig wie das Chris­ten­tum! Ich glau­be, die Furcht vor dem Islam – nicht Haß! – ist die Furcht vor den fremd­ar­ti­gen Men­schen, die ihn hier­her­brin­gen. Wie­vie­le deut­sche Mos­lems gibt es denn? Ver­schwin­dend weni­ge. Die meis­ten Mos­lems hier sind fremd­völ­kisch, und viel zu vie­le von ihnen ver­hal­ten sich hier so, wie sie es in ihren Hei­mat­län­dern nie­mals wagen wür­den. Sie wären tot.

Eine Tür­kin sag­te mir ein­mal in der Tür­kei “Das, was Ihr in Deutsch­land habt, das ist der Abschaum, den wir hier nicht haben wol­len.” So all­ge­mein stimmt das sicher­lich nicht. Wie sich man­che Wei­ße einem nord­ame­ri­ka­ni­schen India­ner­stamm anschlos­sen oder zumin­dest gegen des­sen Ver­drän­gung empör­ten, so gibt es auch hier Men­schen aus frem­den Län­dern, deren Herz für Deutsch­land schlägt, ohne daß die ver­las­se­ne oder ver­lo­re­ne Hei­mat zu schmer­zen auf­hört. Die sind wirk­lich eine Berei­che­rung! Aber ein Gran Wahr­heit steckt doch in der Behaup­tung der Türkin.

Des­halb wird hier der Islam und die erkenn­bar Frem­den, die die Geset­ze der Gast­freund­schaft und des Anstan­des miß­ach­ten, in eins gesetzt. Dazu kommt, daß die Ori­en­ta­len in gewis­ser Wei­se hem­mungs­los zu sein schei­nen – in ihrer Hin­ga­be, ihrer Lie­be und natür­lich auch ihrem Haß. Wehe, ihre Lie­be schlägt in Haß, ihre Bewun­de­rung in Ver­ach­tung um! Das macht sie uns kühl abwä­gen­den Deut­schen oft unheim­lich. Aber hat das nicht eher mit dem Blut als mit der Reli­gi­on zu tun?

Du kennst doch sicher die Sze­ne in dem Film “Alexis Sor­bas”, in der eine schö­ne kre­ti­sche Wit­we von ihren Nach­barn gestei­nigt und von einem schließ­lich abge­sto­chen wird, weil sie sich mit einem Frem­den ein­ge­las­sen hat? Sol­che Geschich­ten gibt es auch aus Sizi­li­en, Spa­ni­en oder Korsika.

Ellen: Man mag mich schel­ten, aber „Alexis Sor­bas“ war mir etwas zu lang­wei­lig (ich muß­te viel gäh­nen) und ste­reo­ty­pisch. Ob etwas „Reli­gi­on“ oder „Blut“ ist, scheint mir eine heik­le Fra­ge zu sein. Ich bin „blut­mä­ßig“ sicher ger­ma­nisch mit sla­wi­schen Ein­spreng­seln, reli­gi­ös bin ich aber Chris­tin. Zeit mei­nes Lebens mehr oder weni­ger über­zeugt, aber letzt­lich doch voll und ganz. Ein High­light in mei­nem gan­zen Lebens­voll­zug: Ich wache jeden ein­zel­nen Mor­gen auf, bin so was von froh und dan­ke mei­nem Herrn aus vol­ler See­le. Das fin­de ich wun­der­bar. Du, Ger­trud, aus katho­li­sche Eltern­haus, kennst die Wucht des Glau­bens von meh­re­ren Sei­ten her. Ich weiß, daß Du diver­se Wun­der erlebt hast auf Dei­nen Rei­sen. Bist Du jetzt das, was man unge­fähr „lebens­fromm“ nennt? Also weder Allah/Mohamed noch Gottvater/Jesus als Erlö­ser? Manch­mal den­ke ich, Ihr habt eine Art Pri­vat­re­li­gi­on? Oder was ist das?

Ger­trud: Ich bin nicht nur streng katho­lisch auf­ge­wach­sen, son­dern habe einen Teil mei­ner Aus­bil­dung auch in einem von Non­nen geführ­ten Inter­nat gemacht. Doch je mehr ich mein Leben in die eige­nen Hän­de nahm, umso fer­ner und frem­der wur­den mir Kir­che und Glau­be. Aber, Ellen, Du weiß doch noch, daß das ein Minen­feld ist? Nichts frucht­lo­ser und furcht­ba­rer als reli­giö­se Aus­ein­an­der­set­zun­gen! Des­halb soll jeder für sich sei­nen Glau­ben pfle­gen und ande­re damit in Ruhe las­sen. “Pri­vat­re­li­gi­on”? Ich weiß nicht. Wir schau­en – und fin­den immer mehr. Das ist alles.

Ellen: Du klingst jetzt wie eine Libe­ra­le. Ich weiß, daß Du kei­ne bist.

Ger­trud: Kein Volk der Welt möch­te, daß sei­ne Hei­mat von fremd­ar­ti­gen Men­schen über­flu­tet und mehr und mehr bestimmt wird. Unse­re deut­schen Lands­leu­te, die kei­ne mehr sein wol­len, sind die Aus­nah­me von der Regel. Sie sind zutiefst Ver­letz­te. An kei­nem Volk der Erde wur­de so ein See­len­mord ver­übt wie an unse­rem. Doch sonst ver­steht jeder Mensch, wenn sich gegen Fremd­be­stim­mung oder Ein­mi­schung gewehrt wird. Dies wur­de uns ein­mal in der Tür­kei bei aller Gast­freund­schaft klar­ge­macht: Wir waren bei einer befreun­de­ten Fami­lie. Gera­de hat­te wie­der ein­mal die Armee geputscht. Ent­lang aller Aus­fall­stra­ßen waren Sol­da­ten mit Sturm­ge­weh­ren und auf­ge­pflanz­tem Bajo­nett pos­tiert oder patroul­lier­ten durch die Ort­schaf­ten. Die Stim­mung war beklem­mend. Unse­re Gast­ge­ber fluch­ten dar­über. Als wir äußer­ten, daß wir das Ver­hal­ten des Mili­tärs auch schei­ße fän­den, freu­te man sich nicht über unse­re Zustim­mung, im Gegen­teil: Es herrsch­te eini­ge Augen­bli­cke lang eine eisi­ge Stil­le. Dann sag­te einer freund­lich, doch bestimmt: “Ihr seid unse­re Gäs­te, aber das geht Euch nichts an. Wir schimp­fen auf die Regie­rung. Ihr habt kein Recht dazu.” Dann lach­te er, es wur­de Tee nach­ge­schenkt und die Mie­nen hell­ten sich wie­der auf.

“Dies ist unser Land, Ihr habt Eures! Wir wol­len nicht, daß Ihr in Mas­sen hier­her­kommt – genau­so­we­nig, wie Ihr wollt, daß wir uns bei Euch rein­hän­gen!” Das ist eine kla­re Ansa­ge, die jeder nach­voll­zie­hen kann. Aber sage ein Wort gegen Gott und Du schaffst Dir einen erbit­ter­ten Feind. Der allei­ni­ge Gott ist nicht verhandelbar.

Ellen: Und das fin­dest Du stark und bewundernswert?

Ger­trud: Nein, das ist etwas, was mich am Islam abstößt: Sei­ne Uner­bitt­lich­keit gegen die Nicht-Buch­re­li­gio­nen, also jedes Hei­den­tum. Wobei noch zu fra­gen wäre, ob das ger­ma­ni­sche Hei­den­tum wirk­lich so ohne schrift­li­che Zeug­nis­se ist wie behaup­tet: War­um hat Karl ‘der Gro­ße´ – für uns „der Schläch­ter“ – bei Andro­hung der Todes­stra­fe denn die Auf­be­wah­rung heid­ni­scher Schrif­ten ver­bo­ten, und was hat sein Sohn Lud­wig der From­me spä­ter verbrannt?

Wären 2015 Skan­di­na­vi­er, Bal­ten, Nie­der­län­der oder was weiß ich was für Nach­barn zu uns her­ein­ge­strömt, hät­te es, auch wenn sie Mos­lems gewe­sen wären, kei­ne sol­che Ver­wer­fun­gen in Deutsch­land gege­ben, wie wir sie seit­dem erdulden.

Aber das ist ja wirk­lich­keits­fern, weil der Islam mit sei­ner unbe­ding­ten Erge­ben­heits­for­de­rung zu uns Euro­pä­ern über­haupt nicht paßt. Im Ursprungs­land des Islam, in Ara­bi­en ist die Son­ne heiß, grau­sam, uner­bitt­lich. Sie ver­zeiht kei­nen Feh­ler. Wenn sie über dem Wüs­ten­rand auf­geht und vom Mina­rett der Ruf ‘Gott ist groß´ ertönt, durch­schau­ert es einen.

Aber hier, im “Land der dunk­len Wäl­der und kris­tall­nen Seen” ist die Son­ne mild, lebens­spen­dend, freund­lich und die Natur vol­ler Geis­ter, Göt­ter, Kobol­de, Zwer­ge, Nöcken, Nym­phen und Elfen. Auch das Chris­ten­tum konn­te hier – mit aller Gewalt – nur Erfolg haben, weil es von art­ver­wand­ten Mis­sio­na­ren gepre­digt wur­de und vie­les aus dem Hei­den­tum über­nahm. Ich hal­te es des­halb auch für falsch, von Isla­mi­sie­rung zu spre­chen. Wir haben eine Chris­tia­ni­sie­rung gehabt. Jetzt haben wir eine Über­frem­dung. Die ist unser Problem!

Ellen: Also, trotz Eurer (zeit­wei­sen) Hin­ge­zo­gen­heit zum Ori­ent fin­dest Du nicht, daß wir „mehr von dem“ bräuch­ten, mehr, nun­ja, „Bunt­heit“? Ich weiß es ja, möch­te es aber klar­ge­stellt wissen…

Ger­trud: Was Euro­pa so groß­ar­tig macht, ist, daß es trotz sei­ner Klein­heit so viel wun­der­bar Ver­schie­de­nes an Musik, Lite­ra­tur, Kunst und Phi­lo­so­phie her­vor­ge­bracht hat: Wir Euro­pä­er woll­ten immer, egal wie klein wir als Völ­ker sind, wir selbst´ sein. Des­halb waren wir stets auch all­er­gisch gegen alle Vor­macht­be­stre­bun­gen. Man mag das mit eini­gem Recht Zer­strit­ten­heit und damit Schwä­che nen­nen, aber in Wirk­lich­keit ist die­se Ver­schie­den­heit unse­re Stär­ke. Was wir schaf­fen müß­ten, wäre der Zusam­men­halt gegen alle Ver­su­che der Ver­ein­heit­li­chung. Was übri­gens für alle Völ­ker der Welt gilt. Mas­sen­ein­wan­de­rung zieht Ver­drän­gung und Ent­rech­tung der alt­ein­ge­ses­se­nen Völ­ker nach sich und Bar­ba­ri­sie­rung der Ein­wan­de­rer durch Ent­wur­ze­lung. Alle ver­lie­ren dabei!

Ellen: Und woher dann, ohne Reli­gi­on, Euer Lebens­mut? Ihr seid zu gro­ßen Tei­len Selbst­ver­sor­ger, ja. Ihr fei­ert regel­mä­ßig rau­schen­de Fes­te, ja. Aber was gibt letzt­lich den Halt?

Ger­trud: Wir leben wirk­lich von und aus unse­rer Erde. Und wir fei­ern mit viel Gesang und Tanz, aber auch Ein­kehr. Übri­gens etwas, was wir bei vie­len rech­ten Lands­leu­ten schmerz­lich ver­mis­sen: Es wird erbit­tert geschimpft und lei­den­schaft­lich debat­tiert, aber das Deutsch­sein viel zu wenig gelebt und gefei­ert. Und ja, wir haben eini­ges –vie­les – an Wun­der­ba­rem erlebt. Aber wir kön­nen nicht auf Wun­der bau­en, nur auf unse­re Kraft und unser Geschick. Du weißt, daß uns auch wirk­lich Schlim­mes, im wah­ren Sin­ne des Wor­tes Trost­lo­ses wider­fah­ren ist. Eine Ver­si­che­rung gegen das Schei­tern, gegen Not, Krank­heit und Tod gibt es nicht. Es gibt nur die For­de­rung an sich selbst, auch dann gera­de und auf­recht zu bleiben.

Ich bin eben­falls dank­bar für das Geschenk eines jeden Tages! Wem? Ich ahne, daß etwas Hei­li­ges in der Welt ist. Wir sind Hei­den, aber das heißt nicht, daß wir statt Gott oder Allah Odin, Hol­le, Thor, Loki oder Freya anbe­ten. Wäh­rend das Chris­ten­tum und der Islam Bekennt­nis­re­li­gio­nen sind, ist das Hei­den­tum eine Erfah­rungs­re­li­gi­on: Jeder, der nicht ganz stumpf ist, spürt die Geis­tig­keit der Welt, die sich unse­ren Sin­nen zeigt – ob beim Anblick eines Bau­mes, eines Fel­sens, eines Flus­ses, der See, einer Land­schaft, einer Blu­me, der Schön­heit über­haupt. Im Wer­den des Lebens, aber auch in ihren zer­stö­re­ri­schen Gewal­ten offen­ba­ren sich die Natur- und Geis­tes­kräf­te, die uns umge­ben. Die genann­ten und ande­re Göt­ter sind ja nur Namen für das, was da wirkt. Über die­ser Göt­ter­welt scheint wohl noch etwas zu sein, alles umfan­gend und durch­drin­gend. Aber es ist so rät­sel­haft, unfaß­bar, unnenn­bar, mit einem Wort über­mensch­lich, daß jede Zuschrei­bung es ver­mensch­li­chen, also her­un­ter­zie­hen wür­de. Also maßen wir uns nicht an, dar­über irgend­et­was zu sagen. Da wir ins Leben gesetzt sind (wer weiß, viel­leicht woll­ten wir das ja?), soll­ten wir es anneh­men, hegen, wei­ter­ge­ben und dar­an wach­sen.  Im Men­schen wird sich die Schöp­fung ihrer selbst bewußt. All das – trotz allem! – Wun­der­ba­re zu sehen und zu trin­ken wie Wein oder kla­res Was­ser, das gibt den Halt. Manch­mal ist das Leben Müh­sal, und wir Abend­län­der nei­gen zur Schwer­mut. Aber es ist eben auch eine Lust und wir haben immer noch, obwohl wir nun schon alt sind, einen Hei­den­spaß daran.

Ellen: Hei­den­spaß ist jeden­falls ein schö­nes deut­sches Wort. Ger­trud, dan­ke für das Gespräch!

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (115)

Franz Bettinger

13. Juni 2026 17:16

Ich fand immer Eltern toll - & ich traf einige davon - die mit ihren Kindern vom Baby bis zum 11-Jährigen durch die Welt reisten. Erstens weil ich selbst gerne (lange) verreiste. Zweitens weil ich Ausreden widerlegt sehen wollte, Monate- und Jahre-lange Fernreisen und Kinder Managen schlössen sich aus. Allein die Schulpflicht blabla. Ich sah solche Familien in VW-Bussen, auf Motorrädern und auf Segelbooten; einmal auch als christliche Missionare, die in Indonesien, dann in NZ Station machten. Immer erfuhr ich dieselbe Geschichte: Die Kinder fühlten sich wohl, gediehen großartig und lernten Vieles und vor allem viel Praktisches, was sie "zuhause" nie lernen würden. Die so reisten, sahen nicht unbedingt reich aus, nur abenteuerlich. Fazit: Es lassen sich Sachen kombinieren, auch wenn viele davon abraten. Folgt euren Träumen! 

Dieter Rose

13. Juni 2026 17:35

"Ich bin stolz Deutscher zu sein" - verboten.
Uns haben sie das Kreuz gebrochen, statt vorwärts zu schauen, ließen wir uns in's Wälzen von Schuldgefühlen drängen, das nicht weiter bringt, sondern die Probleme schafft, die wir heute haben. 
Ob es da Abhilfe gibt, oder ob es dafür zu spät ist?

A. Kovacs

13. Juni 2026 17:43

„Nee, »staatliche Islamophilie« gibt es meines Erachtens nicht." Deshalb genehmigen die Behörden ja auch immer mehr und immer größere Moscheen, Gebetsrufe, Gebetsräume, Ramadanbeleuchtungen, Halal-Geschäfte, alkoholfreie Restaurants usw.„Na ja, und den Islam gibt es sowenig wie das Christentum!" Dieser Satz ist immer die endgültige intellektuelle Kapitulation. Ansonsten: „la force des choses"... oder: „Jetzt sind sie halt da." Langsame Annäherungen. „Realpolitik". 

Monika

13. Juni 2026 18:12

Danke, ich liebe solche Texte und Gespäche. Zuerst: Das Christentum ist nicht nur eine Bekenntnisreligion ( Credo) , sondern durchaus eine Erfahrungsreligion. Das bezeugen im katholischen Glauben u.a. die vielen Heiligengeschichten. Ich habe das von Kind auf auch immer so verstanden, und das Glaubensbekenntnis und den Katechismus empfand ich immer als völlig blutleer. Inzwischen bin ich aus der Kirche ausgetreten und habe durchaus auch eine gewissen Abneigung gegen Pfaffen, Kirchenmoder und Lebensfeindlichkeit. Daß "Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben sei, " ich gestehe, ich habe damit schon gehadert. Durchaus im heidnischen Sinne . Und ja, mit dem Singen haben es die Deutschen nicht so, auch nicht die "richtigen" in Mitteldeutschland, Herr Höcke. Vor der Wende schlug ich bei einem FDJ-Treffen ( Jugendtreff BRD/DDR) auf Anfrage vor, "Die Gedanken sind frei" zu singen. "Dieses Lied singen wir hier nicht, " meinte der FDJ- Funktionär . 😢In Israel hat man es dagegen als Deutscher leichter. Ein Palästinenser lud mich ein, weil "wir Deutschen" ja das ähm ...Problem gelöst hätten. Ein afghanischer Professor in Deutschland beneidete mich vor vielen Jahren mal um mein Geburtstagsdatum an einem Tag im April. Wie soll man da zu einer deutschen Identität kommen ? 😵‍💫🤪
 

Beta Jas

13. Juni 2026 18:22

Meiner Meinung nach kann man aus dem Islam vor allem zwei Dinge lernen: Erstens ein ausgeprägteres körperliches Schamgefühl. Dieses ist bei vielen Europäern – seien es Deutsche, Italiener oder Schweden – verloren gegangen, herbeigeführt durch eine mediale „Schamvernichtung“. Des Weiteren das Bewusstsein für das eigene Selbst, das auch in der Fremde existiert und dort oft noch widerstandsfähiger wird. Ich stimme dem vollkommen zu, dass Masseneinwanderung die Verdrängung und Entrechtung alteingesessener Völker nach sich zieht. Die These der „Barbarisierung durch Entwurzelung“, bei der alle verlieren, lässt sich dagegen eher als eine Form von Kollateralschaden bei einigen Einwanderer einordnen.

Monika

13. Juni 2026 18:54

Daß die christliche Religion eben nicht in einer Bekenntnisreligion aufgeht, sondern die Erfahrung mit Gott  eine wesentliche Rolle spielt, sollte m.E. wieder zu einem Thema werden. Ganz hervorragend wurde das behandelt in dem Buch "Gott in der modernen Literatur" von Paul Konrad Kurz. Das Buch gibt es nur noch im Antiquaiat https://lit-verlag.de/isbn/978-3-8258-6575-4/ Es beschreibt den Erfahrungszugang zum christlichen Gott. Die "Credo-Formel hat über alle Jahrhunderte die Einheit der christlichen Lehre garantiert " und das ist richtig und schön. Trotzdem will niemand, der den "Lebensgott sucht, unbesehen eine vorformulierte, abstrakte fertige Gotteslehre übernehmen", heißt es da. Das Christentum wird genau aus diesem Grunde immer wieder eine große Anziehung ausüben, gerade auch in Zeiten geistiger Öde. Das macht letztlich seine hervorragende Stellung als Religion aus. 

Mitleser2

13. Juni 2026 19:32

Ich lehne jede Relativierung des Islam ab. Und, Beta Jas, ich will vom Islam nichts lernen. Jeder, der heute nach England, Nordirland, Frankreich blickt, und das nicht sieht, dem ist nicht zu helfen. 

Franz Bettinger

13. Juni 2026 20:01

„Die Götter sind nur Namen für das, was da wirkt.“ - Schöner Satz! Schön wie der ganze Beitrag! Kann Gertrud nur bestätigen. "Warum habt Ihr Euch in die Türkei aufgemacht? Hättet Ihr nicht auch nach Skandinavien gehen können?“ Eine Antwort wäre gewesen: Weil die Türkei billiger, wärmer ist, das Leben freier, einfacher. Klar, dass Geld eine Rolle spielt. Daher kommen vor allem Billigländer, also die 3. Welt, in Frage. In den Amerikas ist wenigstens der Sprit billig, & übernachten kann man auf den vielen Pull-Outs entlang der Fernstraßen & im Backcountry. - Wahr: Deutsche genießen aufgrund (sic) der Vergangenheit - anders als Engländer, Franzosen oder gar Amis - in fast der ganzen nicht-westlichen Welt hohes Ansehen. Wieso wohl ! Die Leute aus dem Süden erinnern sich & tradieren andere Geschichten, auch eben jener 12 Jahre, als die uns eingetrichterten Sieger-Stories. Deutsche brauchen sich (da unten im Süden jedenfalls) nicht zu schämen. Wir sind überall willkommen.

quarz

13. Juni 2026 20:03

Der Floskel "Den Islam gibt es nicht" bedienen sich gewöhnlich Leute, die Religion mit Folklore verwechseln. Hinsichtlich der Frage, ob der Islam eine Gefahr für Europa darstellt, ist das Studium der Geistesgeschichte und Militärgeschichte dieser Religion aussagekräftiger als die geografischen Erfahrungen der Alltagskultur in islamischen Ländern. Und wenn dies in Betracht genommen wird, fällt das Urteil weniger versöhnlich und weniger sorglos aus.

Laurenz

13. Juni 2026 20:15

Das Gespräch zwischen Ellen & Gertrud empfinde ich erstmal als ganz gut. Allerdings sind die Erfahrungen nicht allgemeingültig. Wenn GK & EK durch den Basar von Kairo flanieren würden, käme es zur Katatrophe, vor 20 Jahren noch zwingender als heute. Die Händler behalten bei blonden Frauen nicht ihre Hände bei sich. Und wenn man als Mann sie dann auf Englisch anbrüllt, daß sie Feiglinge seien, weil sie ihre eigenen Frauen verstecken, kommt es zu Prügelei. Gertruds Definition des Heidentums ist 1A. Es kennt nicht das orientalische Gut & Böse, wie die fremdartige Exklusivität der Ausgrenzung. Woran @EK & Monika nicht vorbeikommen, ist die gewaltsame orientalische Mission Europas aus politisch systemischen Gründen (wie zB Clodwig I, etwa um 500 nach 0.), ebenso die Zivilisation. Nur das Heidentum war historisch der Zivilisationsbringer per se. Alle besuchten Länder, die Gertrud beschreibt, waren einst christlich. Die Menschen dort wurden auch nicht freiwillig Muslime, sondern mit Gewalt missioniert, die Levante (Syrien, Libanon) war das intellektuelle Epizentrum der Christenheit. Was das Christentum eklatant vom Islam unterscheidet, ist der im Gaudí-Artikel von mir erwähnte Heidnische Bruch des Lorenzo di Medici per Renaissance, dem 30jährigen Krieg & der folgenden Aufklärung. Das hat der Islam nie erlebt. Die Christenheit wurde ihres bedingungslosen Glaubens beraubt. Es gibt in Islamischen Staaten zwar Auto- & Flugzeugbauer, aber alles basiert auf westlichen oder fernöstlichen Lizenzen. Die Perser konstruieren mittlerweile Raketen.

Laurenz

13. Juni 2026 20:38

@Beta Jas ... körperliches Schamgefühl ist nicht Europäisch. Europäer sind diesbezüglich arglos. Ihr körperliches Schamgefühl wurde mit der Mission aus dem Orient importiert. Nonnen sind geistige Orientalen & tragen Schador. Sie sehen diesen inneren Konflikt zwischen unserer Eigenart & Ihrem fremdartigen Jas'schen Orient-Denken direkt bei EK. EK zieht am liebsten kurze, unifarbene Kleidchen an, zumindest, wenn es warm ist. Ein überzogener Hedonismus entsteht immer nur durch politisch gewollte & damit geplante Armut im urbanen Räumen & Kulturszenen, wie Hollywood oder Babelsberg, weil dort zwangsläufig Abhängigkeiten zwischen Künstler & Mäzen entstehen. Die Freudenhäuser Pompejis verursachten keinen kulturell zivilisatorischen Zusammenbruch, auch nicht die Homophilie Thebens im antiken Hellas. Der Zusammenbruch des Familien-Gedankens ist ebenso politisch gewollt. Ehen waren zu allen Zeiten der Seßhaftigkeit Schicksalsgemeinschaften. Man war gezwungen, zusammenzuhalten, damit die Kinder überleben. Bei Vertragsbruch waren in der Regel die Kinder tot.

Alex Schleyer

13. Juni 2026 20:46

Die Faszination fürs Reisen verstehe ich wohl. Ich verbringe selbst gern Zeit in Asien, habe den Himalaya von beiden Seiten durchquert, bin zu Fuß in Indien herumgelatscht, habe chinesische Großstädte erkundet oder thailändische Tempel besucht, sogar dann noch das Studium der Buddhismuskunde anschließen wollen. Ebenso nervt mich die deutsche Enge, die Beschränktheit und der lähmende Provinzialismus. Aber Deutschland ist doch nur eine leere Hülle, die sich selbst verwaltet. Die Spuren deutscher Kultur habe ich in Texas oder Wisconsin gefunden; da geht es deutscher zu als in den meisten Teilen Deutschlands. So schaut man sich als Entwurzelter dann um auf diesem Planeten. Die unterwürfige Liebe zum Islam, aber auch zu Juden und Afrikanern kann m.M.n. nur aus einem pathologischen Selbsthaß entstehen. Ich bin auch in solchen Ländern gewesen und sie sind allesamt furchtbar. Nichts ist uns fremder und feindseliger gesinnt als die islamische Welt, Israel und Schwarzafrika. Wer ihren Advokaten spielt, liebt nicht sie, sondern hasst sich selbst. Es sind kranke, pädophile Psychopathen. 

fw87

13. Juni 2026 20:53

Zu den perfidesten Sprachtricks der Linken gehört die politische Verwendung des Begriffs "Angst". Da gibt es dann auf der einen Seite die Rationalen, Optimistischen, Zugewandten. Auf der anderen Seite die Angsthasen, denen die Knie schlottern vor dem Islam und allem, was irgendwie neu und anders ist. Durch den Begriff "Angst" verbannen die Linken die Argumente des Gegners in das Reich des Irrationalen und diskreditieren ihn persönlich. Man muss aufpassen hier nicht auf den Leim zu gehen und auf einmal Angstdebatten zu führen.
Die Wahrheit ist viel simpler: Wer eine eigene Religion hat, wer eine eigene Identität hat, der will eben das nicht im Land haben, was die eigene Lebensweise verneint oder in irgendeiner Form verdrängt. Es geht nicht um Angst, sondern darum, dass man etwas schlicht und einfach nicht will.
Linke halten Religion und Nationalstolz in der Regel für albernes Zeug. Sie tolerieren das bei fremden Kulturen mit mildem und nachsichtigem Lächeln. Eine Toleranz, die das Gegenüber letztlich gar nicht ernst nimmt. Ich konnte mit dieser Art nie etwas anfangen. 

Le Chasseur

13. Juni 2026 21:35

@Franz Bettinger
"Deutsche genießen aufgrund (sic) der Vergangenheit - anders als Engländer, Franzosen oder gar Amis - in fast der ganzen nicht-westlichen Welt hohes Ansehen."
Das war mal so. Heute werden die Deutschen zunehmend als die hündischen Vasallen der USA und Israels wahrgenommen (siehe auch die erfolglose Kandidatur für einen nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat).

Monika

13. Juni 2026 22:09

Lieber Laurenz 20.15
Was wissen Sie davon, woran ich nicht vorbeikomme, woran andere nicht vorbeikommen, woran auch viele Muslime nicht vorbeikommen? Einer Bekenntnisformel kann man ausweichen. Dem lebendigen Gott nicht. 

Beta Jas

13. Juni 2026 22:22

@Mitleser2 Inwiefern ist es eine Relativierung, wenn man darauf hinweist, dass im Islam bzw. in arabischen Ländern noch ein Schamgefühl bezüglich des Körpers existiert, das in Europa weitgehend abhandenkam? Auch wenn dieses Empfinden dort sehr radikal ausgeprägt ist. Zudem hat dort der Wert von Ehe und Familie – und damit die Aussicht auf Zukunft – noch Bestand. Könnte man dies nicht als politischen Spiegel nutzen? Dafür ließe sich auch das Judentum heranziehen.
Während im Islam der Ramadan auch eingehalten wird, wird deutschen Kindern vor Ostern oft nur nahegelegt, „vielleicht“ auf Süßigkeiten zu verzichten. Das historische christliche Fasten war dem muslimischen in seiner Strenge deutlich ähnlicher als das, was heute – oder gar nicht mehr – praktiziert wird. Auch kulturell: Bei einer arabischen Familie aus den frühen 2000er-Jahren sah ich, dass Kleidung konsequent aufgetragen wurde, obwohl dies materiell nicht zwingend erforderlich gewesen wäre. Die Familie hatte mehrere Kinder, kaufte aber nur für zwei neue Kleidung, die nachhaltig weitergegeben wurde.
Das ist mir aus meiner Vergangenheit vertraut, während das Wissen um solches Sparen heute gerade verwöhnten deutschen Zeitgenossen unbekannt zu sein scheint. Was bezweckte der Römer Tacitus mit seiner Schrift über die Germanen? Er wollte seinen Zeitgenossen einen Spiegel vorhalten. Was ich von der Masseneinwanderung aus Afrika, Arabien oder Asien ansonsten halte, habe ich an anderer Stelle geschrieben.

Beta Jas

13. Juni 2026 22:24

@Laurenz EK ist immer gut gekleidet, soweit ich das anhand der Beiträge in den Kanälen Schnellroda und Loschwitz beurteilen kann und mir erlauben darf.

Franz Bettinger

13. Juni 2026 22:28

@Le Chasseur: Ich glaube, Sie verwechseln die Deutschen (die immer noch hoch angesehen sind in der Welt) mit Deutschland (das ob seiner Fesseln und idiotischen Regierung bedauert wird). Die Menschen da draußen in der Welt können das sehr gut unterscheiden. Warum? Sie haben ihre Erfahrungen mit Deutschen vor Ort gemacht. Gute Erfahrungen! 

Karin Wendt

13. Juni 2026 22:58

Die "uns eingebläuten Unheilgeschichten"?. "Abschaum", "so allgemein sicher nicht", aber im Einzelfall doch? Und teilen Sie die Freude auf die Aussicht eines seinerzeitigen "Sieges Deutschlands"? Mich erschrecken diese Aussagen und Ihre Gedanken machen mich nur traurig. So weit gereist, und so wenig Selbsterkenntnis. 

Karin Wendt

13. Juni 2026 23:12

... aber vielleicht ist alles ja nur ein Heidenspaß.

Laurenz

13. Juni 2026 23:14

@Beta Jas @L. ... Sie tun so, als hätte ich was anderes behauptet. Dem ist aber nicht so. Bei einer Falschbehauptung hätte ich mir längst einen korrigierenden Kommentar @EKs eingefangen. Ich sprach also die Wahrheit. https://youtu.be/TsEf3mup_xM https://youtu.be/FatRrTFwei4 https://youtu.be/Z68zcxAYcBU https://youtu.be/-zJhSaFX4GU Ich erkenne in EKs Kleidern mein Verständnis von unserer äußerlichen Kultur bei Frauen wieder. Genauso erkenne ich mich in GK wieder, der sich zwar aus Höflichkeit & Respekt anderen gegenüber einer Kleiderordnung unterwirft, dem aber, so unterstelle ich, Äußerlichkeiten sonstwo vorbeigehen. Deswegen lieben Männer mit diesem Gemüt Uniformen. Man hat als Soldat die Uniform so zu tragen, wie sie ist, ob sie einem steht oder nicht.

Beta Jas

13. Juni 2026 23:54

@Franz Bettinger Nein. Die Menschen die kommen und alimentiert werden, sich ins gemachte Bett des Wohlstands und der Infrastruktur mit ihren Familien legen können, werden wohl ihre Meinung gegenüber den Menschen, die knapp 60 Millionen haben, die diesem Land den Namen geben. Sie kommen aus Kulturen wo Ehre und Stolz eine sehr hohen Wert hat und jemand der einem alles gibt, hat beides nicht. Das gesamte Abendland nicht!

Hedda

14. Juni 2026 06:59

Was für ein schönes Gespräch. Ein (Rand)Aspekt ist mir wichtig: "das Deutschsein viel zu wenig gelebt und gefeiert" wird. Es ist wichtig, gerade Kindern die eigene Kultur nahezubringen, sie mit Edda, Grimm, Hauff, Brentano und Goethe (etwa in der Reihenfolge) aufwachsen zu lassen, das Volkslied ebenso wie Schuberts Liederzyklen zu kennen. Dazu braucht man kein Geld und muss nicht einmal unbedingt ein Instrument beherrschen. Es reicht, wenn man selbst über die erste Strophe hinauskommt.
Ich fahre jeden Morgen gegen 4:30 Uhr über Land. Häufig liegt noch Nebel über den Feldern. In solchen Momenten kommen einem Märchen näher. Die "Brandenburgischen Konzerte" aus dem Auto-CD-Spieler schaffen den Übergang zur Gegenwart. Tradition erzieht. Dann wächst auch die Lust zum Blick auf das Fremde. Doch das Eigene gilt es eben zu bewahren. 
 

Mitleser2

14. Juni 2026 08:09

@Beta Jas: Welches Schamgefühl hatten/haben denn die pakistanischen Massenvergewaltiger in England und anderswo?
Wer möglicherweise positive Eigenschaften der islamischen Lebensweise sehen will (ich persönlich sehe keine), und dabei den politischen Islam ignoriert, der ist völlig naiv.

Waldgaenger aus Schwaben

14. Juni 2026 09:15

O Frau Kositza da machen Sie zwei große Fässer auf einmal auf. Religion und deutsche Identität. Es wäre vielleicht besser gewesen, das Gespräch auf zwei Artikel zu verteilen. Hier nun meine unbedeutenden Anmerkungen: Religion: sub specie aeternitatis bleibt nur das Christentum und nur es. Himmel und Erde werden vergehen. Völker sind nicht für die Ewigkeit, auch die nordischen, lichten Wälder nicht, in denen Naturgeister fühlbar sind. Das Christentum ist keine Buchreligion (Ratzinger aka Benedikt XVI). Die Bücher, die den Kern der anderen monotheistischen Religionen ausmachen, sind auch in der Zeit entstanden und werden, wenn sie nicht fortwährend in die jeweilige Zeit hinein ausgelegt werden, in ihr vergehen.  @Monika Das Credo und andere formelhafte Texte des Christentums erschließen sich nicht im leeren Herunterleiern, sondern in der lebendigen Betrachtung. Nehmen wir nur "seinen eingeborenen Sohn". Klingt komisch. Ist Jesus ein Eingeborener? Nein man lese:  Eingeborener Sohn – Wikipedia
deutsche Identität Das Phänomen des Identitätsverlustes ist nicht auf Deutschland beschränkt werden, siehe England, Frankreich, Schweden, etc. Es ist nicht mit der Wirkung einer angeblichen Umerziehung der Siegermächte zu erklären. Dort wo eine nationale Identität noch intakt zu sein scheint, wird sie allzu oft von den jeweiligen Machthabern missbraucht. 
 

Rheinlaender

14. Juni 2026 09:17

Persönlich habe ich ähnlich positive Erfahrungen mit Muslimen im arabischen, türkischen und zentralasiatischen Raum gemacht. Bei Aufenthalten in Deutschland habe ich mich zeitweise deshalb immer etwas unwohl gefühlt, weil die Menschen hier so unhöflich sind.
Offenbar hat das allerdings damit zu tun, dass man als Deutscher im entsprechenden Ausland meist eine Rolle entweder als Gast oder als Geschäftsmann etc. einnimmt. Mir wurde erklärt, dass Normen in den jeweiligen Kulturen vor allem über soziale Kontrolle durchgesetzt würden, und das Sozialverhalten hänge vor allem davon ab, ob jemand als stark oder als schwach wahrgenommen werde. Die Vorstellung einer inneren Verhaltensregulierung  werde nur selten verstanden. Wenig selbstbewusste europäische Gesellschaften, die nicht hart auf Normverletzungen reagieren, würden als schwach wahrgenommen, und auf Schwäche reagiere man mit Verachtung und fühle sich dazu legitimiert, zu nehmen und zu fordern.
Die temporäre Präsenz einer begrenzten Zahl von Muslimen in Europa kann demnach für alle Seiten eine positive Erfahrung darstellen, wenn diesen deutlich vermittelt wird, dass sie sich in einer Gastrolle befinden und sehr höflich behandelt werden, solange sie die Regeln der Gastgeber befolgen. Härte bei Normverletzungen wird nicht nur verstanden, sondern ebenso erwartet wie die Höflichkeit gegenüber dem Gast bei gleichzeitiger gesichtswahrender Differenzierung zwischen dem kulturell hochstehenden geschätzten muslimischen Gast und dem verwahrlosten Kriminellen.

Monika

14. Juni 2026 10:01

@ Beta Jas , es ist völliger Quatsch, daß der Islam oder Muslime mehr Schamgefühl haben. Lediglich die soziale Kontrolle ist stärker. Ansonsten spielen muslimische Frauen auch sehr gekonnt und subtil mit ihren Reizen. Starkes Schminken der Augen, zarte Verhüllung des Körpers, der etwa im Gegenlicht die Körperkonturen erahnen läßt, usw. Ich finde es deshalb auch immer wieder ärgerlich, wenn man die sog.westliche, liberale Kleiderordnung als Freiheit verkauft gegenüber der Verschleierung ( Totalverhüllung mal ausgenommen). Der Spruch "Minirock statt Minarett" ist völlig dumm. Freizügigkeit gar als christlichen Wert zu verkaufen, ist noch bescheuerter und fatal! Freizügigkeit ist nicht gleich Freiheit. Man darf sich nicht wundern, wenn Moslems dann vermeintlich "christliche" Mädchen als Schlampen betrachten. Im Christentum gibt es natürlich Schamhaftigkeit und eine Reduzierung der Frau auf ihre sexuelle Attraktivität soll auch nicht sein. Hier haben die Christen leider oft keine guten Argumente mehr zu bieten. Mit persönlich gefällt eine elegant gekleidete Muslima oft besser als ein billig aufgedonnertes deutsches Mädchen. 1/2

Monika

14. Juni 2026 10:13

2/2 auch gibt es innerhalb Europas Unterschiede, was Schamhaftigkeit betrifft. In Frankreich ist es nicht üblich, nackt in eine gemischte Sauna zu gehen. Man wickelt sich in ein Badetuch. Nacktheit wird eher als etwas Intimes und Privates betrachtet. ( Jetzt komme mir niemand mit Südfrankreich und BB 😀). In Skandinavien geht man viel direkter mit Nacktheit um und in der DDR war man auch lockerer ( FKK). Mir persönlich ist die "katholische Schamhaftigkeit " viel lieber, weshalb ich keinerlei Problem mit Frauenbadetagen habe, an denen auch muslimische Frauen teilnehmen. Auch finde ich getrennte Sportstudios angenehmer, als zwischen schwitzenden Männer mitzuschwitzen. Für mich ist das Freiheit. Selbst nach Geschlechtern getrennte Kirchenbänke fand ich in meiner Kindheit schön. Man kann's fast nicht glauben. Doch dort sehe ich nicht das Trennende zum Islam. 

dojon86

14. Juni 2026 10:14

@Mitleser2 Es war immer der Weg zum Erfolg, von seinen Gegnern zu lernen und der Weg zum Mißerfolg sich im Eigenen einzuigeln. Und der arabische Familiensinn ist sehr wohl ein Element ihrer Stärke. Japan wurde keine Halbkolonie wie das benachbarte China, weil es sich in kürzester Zeit jene westlichen Konzepte aneignete, die ihm nützlich erschienen. Die Indianer gingen unter weil sie die Erfolgsrezepte ihrer Gegner nicht übernehmen konnten und wollten.

RMH

14. Juni 2026 12:18

Bei dem Gespräch frage ich mich, vor wie vielen Jahren denn die letzten Reisen in diese Länder waren., es vermittelt keinen besonders aktuellen Eindruck das Ganze (ich war 90 zu Fuß & via Buslinien in Marokko unterwges, daran erinnern mich die Annekdoten, auch wenn Marokko damals nur oberflächlich "gastfreundlich" war - man wurde bei jeder Ankunft an einer Busstation sofort von Leuten umringt, betascht. Völlig schamlos übrigens & ohne Wahrung jeglicher Körperdistanz & es wurde versucht, einen in den "Shop" von einem Plunderverkäufer zu ziehen & das auch außerhalb der bekannten Touristenstädte. Am besten kam man voran, wenn man distanziert, arrogant & wie ein Panzer durch die die Mengen pflügte, dann ließen sie schnell ab).
Natürlich fehlt in der Aufzählung der Hochliteratur, welche die "Orientbegeisterung" auslösten, der schnöde Karl May (ja, ja, ja, ....).
Im Übrigen bestätigt das Gespräch meine These, dass Hippies eher rechts waren/sind, wenn wir nicht gerade von den auf die "richtigen" Straßen des Konsums umgeleiteteten Mode-Hippies der gescheiterten Counter-Culture Ende der 60er sprechen. Bzw. Neurechte sind vielfach Hippies in Stil, Verklärung von Aussteiger- & Öko-Tum, ihrer heidnisch angehauchten Esoterik, Faszination für fremde Kulturen (Ethno-"Pluralismus"). etc. Das ist nahezu 100% Hippie.

Kositza: Ist etwa 40 Jahre her, das Gereise!

Beta Jas

14. Juni 2026 13:02

@Monika Das Schamgefühl ist für mich der Teufel im Detail, an dem viel hängt und das die sexuelle Revolution nicht ohne Grund als Ziel hatte. Die ‚Schamvernichtung‘ ist, neben anderen kulturellen Fäden, einer der wichtigsten Punkte. Dass dies auch im Islam und im arabischen Raum nicht konsistent ist, ist mir klar; das zu leugnen, wäre naiv. Ansonsten scheint @dojon86 zu verstehen, was ich die ganze Zeit ausdrücken wollte, während jemand anderes leicht passiv-aggressiv den Sinn nicht erblicken will. Das Vorbild ist Tacitus, er beschrieb die Germanen, um die Römer der Oberschicht zu kritisieren.

dojon86

14. Juni 2026 13:14

@RMH In den 60ger und 70ger Jahren, in denen am Ende des Nachkriegsbooms die Hippies mit sehr wenig Geld oft jahrelang viele Länder der dritten Welt erkundeten, waren die Menschen der bereisten Landstriche durch die Erinnerung an die vergangene Macht Europas vorsichtig. Es war die Zeit noch nicht lange vergangen, in der wegen eines ermordeten Europäers sich Kanonenboote in Bewegung setzten. Deshalb konnten diese jungen oft sehr naiven Menschen sich damals gefahrlos in ziemlich unwahrscheinliche Gegenden unseres Planeten wagen. Das galt möglicherweise auch teilweise noch in den 80ger Jahren. Seitdem hat sich einiges geändert. 

Mitleser2

14. Juni 2026 13:33

@Rheinlaender: "Die temporäre Präsenz einer begrenzten Zahl von Muslimen in Europa kann demnach für alle Seiten eine positive Erfahrung darstellen, ..."
Was Sie da beschreiben, hat doch mit der Realität absolut nichts zu tun. Was soll das also?
 
@dojon86: Vom Gegner Islam zu lernen kann nur bedeuten, sich seiner aggressiven Landnahme endlich in gleicher Weise zu widersetzen. Dazu müssten die deutschen Schafe (einschließlich ihrer Polizisten) aber endlich aufwachen.

RMH

14. Juni 2026 13:35

"In Frankreich ist es nicht üblich, nackt in eine gemischte Sauna zu gehen. Man wickelt sich in ein Badetuch.  .... In Skandinavien geht man viel direkter mit Nacktheit um."
Hm, in Dänemark erlebte ich zum erstenmal Textilsauna bei öffentlichen Saunen & in Schweden ist die gemischte Sauna "nackt" auch eher nicht die Regel, in Finnland gleich gar nicht (wenn ausnahmsweise, dann textil). Da wird "gemischt" allenfalls mit der Kernfamilie in die häusliche Sauna gegangen, aber in keine öffentliche. Gemischte Sauna nackt scheint mir etwas deutsches zu sein. In Skandinavien gibt es auch nicht den Aufguss-Fetischismus & mit den Handtuch schwenkende Vollidioten, die sich zum Larry machen aka entertainen. Da ist die Sauna noch ein Ort der Erholung & Ruhe. In D ein Ort des Wettbewerbs & der Angabe. Wer macht die meisten Durchgänge bei möglichst hohen Temperaturen, daher darf ein groß sichbares Thermostat & die Sanduhr nicht fehlen, pünktliche Aufgüsse nach Stoppuhr, normales Wasser langt nicht, es müssen irgendwelche nervigen Aromen rein & jeder gibt sich besonders entspannt "natürlich", so dass es vielfach schon fast albern wirkt. In den sog. "Thermen" kommen dann noch Musik & Handtuchwedler dazu .... Finnland, Du hast es besser, da wedelt keiner dümmlich herum --- und rein nach Stimmung und Augenmaß dann Löyly ...
Meine Erfahrungen sind aber jetzt auch nicht mehr Stand 2026 sondern auch schon wieder mindestens 10-15 Jahre alt (und noch älter).

Ein gebuertiger Hesse

14. Juni 2026 13:36

Toller Dialog. 
"Übrigens etwas, was wir bei vielen rechten Landsleuten schmerzlich vermissen: Es wird erbittert geschimpft und leidenschaftlich debattiert, aber das Deutschsein viel zu wenig gelebt und gefeiert."
All power to Gertrud.

Valjean72

14. Juni 2026 14:12

ZITAT: "Die meisten Moslems hier sind fremdvölkisch, und viel zu viele von ihnen verhalten sich hier so, wie sie es in ihren Heimatländern niemals wagen würden. Sie wären tot … Ich halte es deshalb auch für falsch, von Islamisierung zu sprechen. Wir haben eine Christianisierung gehabt. Jetzt haben wir eine Überfremdung. Die ist unser Problem!"
---
 
Vielen Dank für dieses interessante Gespräch. Auch ich sehe nicht den Islam an sich als problematisch für uns, sondern die durch Fremdartigkeit nicht gegebene Kompabilität zu uns. Auch christliche Araber und Afrikaner sind in grosser Zahl (in Massen) nicht assimmilierbar.
 
Der Mörder von Henry Nowak war ein indischstämmiger Sikh. Eritrea ist zu 2/3 ein christliches Land und doch gibt es immer wieder Probleme bis hin zu Ausschreitungen in europäischen Städten bei Ansamungen von Eritreern.
 
Sehr treffend fand ich die Gegenüberstellung des Sonnenbildes und damit des unterschiedlichen Gottesbildes im Orient und in Europa.
 

Karin Wendt

14. Juni 2026 14:12

Noch ein Gedanke zum Eigenen. Alles Eigene ist angeeignet, gelernt und vererbt. Die eigene Freiheit erschließt sich erst in der Wahr-Nehmung des Anderen, in der Spiegelung der Freiheit des Anderen. Kultur ist kein Besitz. Xenomanie ist mir allemal lieber als die Borniertheit eines provinziellen Blicks auf das Eigene

Kurativ

14. Juni 2026 14:51

Man hört immer wieder die Ablenkung "... den Islam gibt es sowenig wie das Christentum!"
Aber allein der Unterschied zwischen Christentum und Islam ist viel größer, als der Unterschied zwischen den einzelnen Richtungen des Islams.
Und die beiden Religionen basieren auf völlig verschiedenen Schriften (Bibel, Koran). Was sich aus diesen Religionen entwickeln kann, ist in einem gewissen Maße begrenzt durch die jeweiligen Schriften.
Das gleiche gilt übrigens zwischen Judentum und Christentum. Viele Christen scheinen von Judentum begeisterter zu sein, als von ihrem eigenen Christentum. Aber es ist eine völlig andere Religion. Was Siebter Advent Christen machen, ist definitiv kein Judentum. Man sollte auch die Unterschiede sehen.

Monika

14. Juni 2026 15:12

@Beta Jas nochmal zum Schamgefühl , insbesondere der Deutschen: Auch das unterliegt ja wohl Veränderungen . Amüsant nachzulesen bei Joachim Fernau 
https://www.amazon.de/sie-sch%C3%A4meten-sich-nicht-Geschichte/dp/3776624752

Rheinlaender

14. Juni 2026 15:43

@Mitleser2
Es ist durchaus realistisch, Migration wie von mir beschrieben zu gestalten. In den Vereinigten Arabischen Emiraten etwa sind die Einheimischen deutlich in der Minderheit und die Migranten kommen zu großen Teilen aus Problemstaaten wie Pakistan, aber Probleme wie in Europa sind dort nicht bekannt, weil Migration eben nur temporär stattfindet und nach den Erfordernissen des nationalen Interesses gesteuert wird. Im Prinzip wäre das auch auf Deutschland übertragbar, und für eine Reindustrialisierung des Landes wäre dies m.E. sogar unerlässlich. Für die erforderlichen gigantischen Infrastrukturprojekte etwa braucht es Niediglohnpersonal in Größenordnungen, die man auf dem deutschen Arbeitsmarkt schlicht nicht findet. In den Emiraten hat man Lösungen gefunden, die solche Potenziale nutzen, ohne das Stadtbild zu beeinträchtigen. Das gilt auch für höher qualifizierte Arbeitsmigranten aus Industriestaaten, die man in Deutschland ebenfalls benötigen würde, da es auf Gebieten wie Kernenergie mittlerweile einen real existierenden Fachkräftemangel gibt. Man kann von Arabern m.E. nicht nur höflichen Umgang mit Gästen lernen, sondern auch, wie man Migration nutzbringend gestalten kann.

Maiordomus

14. Juni 2026 16:11

@K. Wendt. "Die Borniertheit eines provinziellen Blicks auf das Eigene." Gibt es natürlich, wenn Sie auf der Basis von Wilhelm Schapp die Geschichte Ostfrieslands studieren. Das können Sie auch den Studien des unvergleichlichen Volkskundlers Schlesiens, Will Erich Peuckert, entnehmen, bis hinein in seine Volkskunde des dortigen Proletariats. Siehe Bergengruens Gespenstergeschichten aus Reval. Es ist dies Kehrseite von Stammes- und Hordendenken. Aber eine Basis derjenigen, die ihre Heimat langfristig wiedererkennen wollen, siehe Kurden und Afghanen, die vor Ort Respekt verdienen. In einem CH-Nachbarort werden gerade 3 Familien v. letzteren eingebürgert, nur weil Bürgerschaft nicht darüber befinden darf. Dabei wäre es aufgeklärt, mentalitätsgeschichtlich überholte Vorurteile zu überwinden, aber nicht vergessen, was uns unsere Häuser abschliessen lässt und warum kein ordnungsfähiger Staat Leute sogar anonym reinlassen kann, zum Teil aus Reflexen, deren Ausschaltung durch psychologische Kriegsführung Volksstämme verschwinden lassen kann. Israelis und Palästinenser interpretieren das auf ihre Weise. Es wären auch weniger brutale Methoden, konsequent gehandhabt, vielleicht hilfreich. Bereitschaft zum Volkstod gehört nicht zur Menschenwürde.      

dojon86

14. Juni 2026 16:19

@Karin Wendt Xenomanie ist oft ebenso provinziell wie die "Borniertheit des provinziellen Blicks auf das Eigene". Xenomanie idealisiert den Fremden ohne viel von ihm zu wissen. Die Linken und Linksliberalen (es sind einige) die ich kenne, wissen wenig bis gar nichts über außereuropäische Kulturen und deren Geschichte. Ihre diesbezüglichen Informationen oszillieren zwischen Rousseau und Karl May, zwei Personen die so gut wie nichts über die Welt außerhalb Europas und seiner Siedlerkolonien wußten. Das haben wir im übrigen auch unserem gymnasialen Geschichtsunterricht zu verdanken, der zu meiner Zeit (Ende 60, Anfang 70) zwar jeden westeuropäischen Konflikt bis ins Detail beschrieb, bereits Osteuropa weitestgehend links liegen ließ und den Rest der Welt ignorierte. Was es Jugendlichen, die mit der damals glücklicherweise banalen Realität des Nachkriegsbooms nicht klar kamen, umso einfacher machte, sich in einen Garten Eden irgendwo in der außereuropäischen Welt hineinzuträumen.

Maiordomus

14. Juni 2026 16:30

PS. An Karin Wendt. Falls Sie hier mit Klarnamen diejenige Person sind, die offenbar über bemerkenswerte Kenntnis der Museologie und des Museums verfügen, u.a. als Verfasserin eines Aufsatzes, die das Aufbrechen von Perspektiven des Lokalen via Blick auf fremde Kulturen postuliert, würde ich Ihnen da grundsätzlich nicht widersprechen. Der Schweizer Museologie Kurt Lussi, auch hervorragender Afrika-Kenner, war und ist zuvor zumal "Hinterland"-Volkskundler. so betr. Gemeinden in der Zentralschweiz, die heute zum Teil mit bis zu 80% Mehrheit gegen die "10 Millionen-Schweiz" gestimmt haben: eine Begrenzung immerhin auf die fünffache Vermehrung der Zahl seit 1848, als 2 Millionen bereits als übervölkert galten mit Massenauswanderung nach Übersee. Als Volkskundler weiss jedoch dieser Lussi, was seine "Gewährspersonen" für eine Mentalität haben und dass ohne sie die ländliche Kultur längst verschwunden wäre. Auch die Schweizer Schwingsportler denken mehrheitlich jenseits von faschistoider Ideologie mal in lokaler Verwurzelung und oft misstrauisch gegen Grossbau-Herren, die hier das Land aufkaufen.  Schwingfeste lebten u.a. von der Rivalität verschiedener alpiner Stämme, die einander wie Apatschen und Komantschen bei Karl May keineswegs hold waren, das gehörte dazu. Es gibt freilich einen Schwingerkönig mit Migrationshintergrund, was diesem nicht negativ angehängt wird.    

Maiordomus

14. Juni 2026 16:48

Weiterer Nachtrag für Karin Wendt: Kennen Sie die Studie des Philosophen Hermann Lübbe "Der Fortschritt und das Museum"? Hohes Reflexionsniveau auch für "Deutschland-Versteher", was bei interkultureller Ausbildung zu den Lücken gehört.
Noch zum Orientthema im wie immer "unverklemmten" Aufsatz von EK. Es wird diverse hier nicht wundern, dass meine durchaus positive Sicht des Orient bis hin zu noch einer von "Islam-Verstehen" geprägten eigenen politologischen Studie von 1989, auf meine im Alter von 10 Jahren initiierte Karl-May Lektüre zurückging, die ersten 6 Bände ab "Durch die Wüste" bis "Durch das Land der Skipetaren" und "Der Schut", auch noch "Orangen und Datteln" sowie "In den Zelten des Mahdi". Etwas aufgeklärter wurde ich dann mit 18, wohl schon mal gesagt, durch Goethes Noten und Abhandlungen zum West-östlichen Diwan. Auch verdanke ich eine frühe Aufklärung über Homosexualität persischen Gedichten in Übersetzung. Ich war aber von Jugend an über das Überrennen Europas durch mohammedanische Horden "aufgeklärt". Heute ist meine Sicht kritischer, auch jenseits von "Islamophobie" islamkritischer, las ausser Schimmel einen unterdessen verstorbenen Basler Islamwissenschaftler, der noch einer war, Fritz Meier.        
 
 

Majestyk

14. Juni 2026 16:55

@ Beta Jas:
Wozu braucht es ein von einer Religion oktroyiertes Schamgefühl? Warum sollte ein gesunder Mensch ob seines Körpers Scham empfinden? Wenn man religiös ist und an Gott glaubt, dann hat Gott einen doch so gemacht. Adam und Eva liefen doch auch nackt durchs Paradies.
Also ich sehe lieber schöne Beine im kurzen Kleid oder ein nettes Dekolleté oder auch mal rückenfrei, als Frauen im Gewand der Tuareg, wenn ich auch zugebe, so manche moderne Frau ist tatsächlich ästhetisch nicht gerade eine Augenweide und Frauen in Schöffeljacken sind ebenfalls nicht gerade sexy. 
Es ist Sommer, ich will Minirock und Sommerkleid zurück, genau wie Split und Brauner Bär. Sich den Verhältnissen des Islam und dessen Frauenbild anpassen, kann ja wohl nicht die Lösung sein. Lieber Back to the Future. 

Umlautkombinat

14. Juni 2026 17:03

@Karin Wendt
Doch kein Bot. Gut.

Noch ein Gedanke zum Eigenen. Alles Eigene ist angeeignet, gelernt und vererbt.

Das ist unrichtig, selbst fuer Gedanken. Es ist auch geschaffen und wird es staendig. Das ist keine Philosophiererei oder kulturelle Plauderei, sondern Neurowissenschaft. Wenn Sie wollen, suchen Sie einmal nach "Bayesian Brain" oder wenn Sie es untersetzter wollen nach Fristons Theorie zu "Free Energy" und "Active Inference" (letzteres auch ein Buchtitel). Braucht man dann aber ein paar mathematische Grundlagen oder die Bereitschaft, diese zu lernen.
 
Dabei faellt mir als Anwendung fuer all die haptischen Leser hier, die sonst eher unangenehme beruehrt bis angstvoll informell den Unterschied zwischen Papierlesen und Informationsverarbeitung (auch Lesen!) ueber 'smarte' Geraete suchen um ihre Gewohnheiten zu retten, noch das eher populaerwissenschaftliche Buch "Reader, Come Home" von Maryanne Wolf ein. Stichworte "Deep Reading Circuits", Dyslexie etc.. Warnung, weisse amerikanische Mittelklassevertreterin, Obamabeispiele und mehr. Trotzdem interessant. Die angesprochene Spiegelung kommt dort uebrigens auch im Kontext zur Sprache. 
 
Unbequem aber auch neben den Unterschieden die Aehnlichkeiten beider Technologien. Auch das Buch riss einmal aus einem Naturzustand, schon Sokrates sah  das Problem.

Majestyk

14. Juni 2026 17:05

@ Mitleser2:
Fällt Ihnen auch auf, daß ausgerechnet wir zwei keine Beglückung durch fremde Kulturen anstreben, während man unsereins als volksfeindliche Brühe und deutsch sprechende Amerikaner zu diffamieren versucht? 
Nicht Nationalliberale oder Libertäre sind das Problem, sondern anpassungsbereite Konservative. Denen ist dann ja auch meine Sprache zu direkt, meine Gesinnung zu reaktionär, ich sowieso ein Relikt der 80er. Na und? Die 80er waren das Paradies auf Erden im Vergleich zu heute. Vermutlich waren die 50er bis 80er die beste Zeit, die westliche Menschen jemals erlebt haben und wie ich befürchte jemals erlebt haben werden und dann fiel der Eiserne Vorhang. 

Guilelmia

14. Juni 2026 17:59

Danke für den Text!
Wem die »Geistigkeit der Welt« zusagt, empfehle ich das ZEGG in Belzig, Brandenburg. Zum Kennenlernen dieser Gemeinschaft bietet sich im September/Herbst 2026 die Mitarbeit beim Zeltabbau des Sommercamps an. – Was ich nie vergessen werde, ist das Tanzen/Drehen um die eigene Achse bis in Trance, unter Begleitung eines bestimmten Suffiteams im Rahmen eines Oster-Trance-Events. Ich bin dem Suffi und seinen Jüngern auf Ewig dankbar.

Laurenz

14. Juni 2026 18:26

@Umlautkombinat @Karin Wendt ... Platon war der Hauptkritiker der Schrift, nur so am Rande.

Wuwwerboezer

14. Juni 2026 18:53

Scham: Die (politische) BLM-SJW-Wokeness-Welle ist ein Pups im Vergleich mit der - eigentlichen - Wokeness-Welle, welche erst im Anrollen ist, aber in Stufe 1 bereits encountergruppenmässig (Otto Mühl ---> ZEGG waren die Pioniere in Schland!) alle Scham systematisch aufgeknackt und niedergetrampelt hat. Die "wissenschaftliche" (???) Rechtfertigung dafür wurde den Indigokindern nachträglich geliefert (1995), siehe das blaue Dreieck:
https://puzzle-your-mind.de/bewusstseinsebenen-nach-hawkins/?srsltid=AfmBOopHRIz3olF_o4j2pGndQcckUaU0AJ6FbO3b2TQK86RIZUQZX3qX
Guilelmia, ich kann nur sagen, dass ich mir die Gesichtszüge der Menschen vom ZEGG anschaue und subito weiss, dass ich niemals so werden will wie die.

Mitleser2

14. Juni 2026 18:53

@Rheinlaender: Sie leben in einer Traumwelt. Natürlich haben die Emirate das geschafft. Gerade weill sie völlig elitär und kalt auf ihre Sklaven herabblicken. Wieso sollten die von Schuldkultgefühlen geplagten Deutschen auch nur entfernt so etwas umsetzen können? Vom Wollen ganz abgesehen. Dazu gibt es zu viele Gutmenschen und Gehirngewaschene.

RMH

14. Juni 2026 19:28

"Auch ich sehe nicht den Islam an sich als problematisch für uns, sondern die durch Fremdartigkeit nicht gegebene Kompabilität zu uns." (Valjean72)
Dieser These möchte ich in ihrer den Islam verharmlosenden Tendenz klar widersprechen. Kleines Gedankenexperiment: Wenn 10 Mio Deutsche konvertieren, haben wir mit einem Schlag ca. 5 Mio Kopftücher mehr im öffentlichen Raum, 10 Mio, für die Weihnachten keine besondere Bedeutung mehr hat, die dafür schauen dürfen, wie sie zumindest einmal im Leben nach Mekka kommen, wie sie ein Opfertier zum schächten bringen lassen können, die 5x am Tag ihre Tätigkeit fürs Gebet unterbrechen, die sich - als gute Konvertiten (Konvertiten sind Anfang besonders glaubenseifrig) - anders kleiden, Freitags in eine Moschee wollen (die dann noch mehr gebaut werden müssen), 1x Jahr ungestört Fasten müssen etc, etc. ... ich denke, es wird klar ersichtlich, dass der Islam das Potential hat, ein Land sehr radikal zu verändern. Mit dem Islam können Deutsche zu Fremden im eigenen Land werden, Fremde allein schaffen das nicht. Wie der Islam in Reinform aussieht, kann man in Saudi Arabien (Suniten) und im Iran (Schiiten) ansehen.

Karin Wendt

14. Juni 2026 20:08

Nein, ich bin kein Bot.
Vielen Dank für die Erwiderungen von verschiedener Seite.
Als Kunsthistorikerin geht es mir um die Perspektive des Anderen, um unsere Fähigkeit zum Perspektivwechsel. Insofern geht es mir in der Tat um Offenheit und nicht um das Ziehen und Schließen von Grenzen. Nichts für ungut, mir ist klar, dass Sie das in diesem Forum anders sehen.

Monika

14. Juni 2026 21:08

Das Eigene zu lieben, ist etwas sehr Ursprüngliches und hat seinen Wert. Das ist noch lange keine Borniertheit. Mein Lieblingskinderbuch war "Heidi" von Johanna Spyri in einer Sütterlinausgabe meiner Oma mit schönen Zeichnungen. Ich habe jedesmal fürchterlich weinen müssen, wenn das Heidi ( ja, da stand das) in Frankfurt Heimweh nach den Bergen hat, auf den Frankfurter Dom steigt und die Berge nicht sieht. Dieses Buch hat weltweit seine Bewunderer. Sehnsucht nach Heimat, das verstehen die meisten Menschen. Es braucht einen Ort, mit dem man verwurzelt ist. Obwohl ich in Frankfurt geboren und aufgewachsen bin und wußte, daß man vom Dom höchstens den Feldberg sieht, habe ich mit Heidi mitgelitten. Und Heidi hat ja in Frankfurt auch die schönen Dinge gesehen. Es hat sie dort aber nicht gehalten. "Wen Gott liebt, den läßt er in dieses Land fallen", heißt es bei Ludwig Ganghofer über Bayern. Heimatliebe ist ein wichtiges und gutes Gefühl. Und jeder, der in unser Land migriert, verliert auch seine eigenen Wurzeln. Und das ist traurig.

Monika

14. Juni 2026 22:05

@ Majestyk "Adam und Eva sind nackt durchs Paradies gelaufen". Dann sollten Sie die Stelle in 1Mose 3,7 mal nachlesen. Nachdem die beiden Nackten Gottes Verbot, vom Baum der Erkenntnis zu essen, übertreten hatten, erkannten  sie, daß sie nackt waren und bedeckten sich mit Feigenblättern. 🤔

Karin Wendt

14. Juni 2026 22:23

Eigentlich wollte ich mich aus der Diskussion dieses Beitrags zurückziehen, weil ich glaube mich nur zu wiederholen. Ich möchte Ihnen, Monika, aber doch gerne sagen: wir verlieren aus meiner Sicht keine Wurzeln, im besten Fall schlagen wir neue, ohne die alten zu verlieren. Heidi ist nach ihren Erfahrungen in Frankfurt als eine Andere in die Berge zurückgekehrt und hat jene Erfahrungen auch in ihre alte Welt mitgenommen. Das ist (auch) Leben. Es bedeutet Veränderung und Entwicklung. Neu in einem erst einmal fremden Land zu sein, ist nicht leicht, aber die Erfahrungen hängen davon ab, wie wir einander begegnen.

ede

14. Juni 2026 22:43

@RMH "Mit dem Islam können Deutsche zu Fremden im eigenen Land werden, Fremde allein schaffen das nicht".
So ist es und meine deshalb:
Nicht der Islam ist das Problem, wir sind es. 

Umlautkombinat

14. Juni 2026 23:53

@Karin Wendt

Als Kunsthistorikerin geht es mir um die Perspektive des Anderen, um unsere Fähigkeit zum Perspektivwechsel.

Dann muessen Sie aber in verschiedener Hinsicht vollstaendiger sein. Schon im obigen Satz beginnt es. Wie sieht es also mit der Faehigkeit der Anderen zum Perspektivwechsel aus und warum wird dieser Teil immer wieder ausgeblendet. Damit beginnt die eigene Nase.
 
Das zweite Problem ist, was Sie bei Ihrem eigenen Perspektivwechsel wahrnehmen wollen und was nicht, verbunden wieder einer analogen Unvollstaendigkeit. Der volle Spiegel zeigt eben nicht nur Opfer. Er zeigt auch Feindseligkeit und Hass. Und das ist keine Neurose der Hiesigen. Jeden Tag wird das praktisch neu belegt.

anatol broder

15. Juni 2026 00:37

@ fw87 20:53
danke. mir geht es genauso.
ich denke allerdings nicht, dass die linken (ich übernehme deinen begriff) den vorwurf der angst als sprachtrick einsetzen. viel eher glaube ich, dass sie notwendigerweise ihre eigene echte angst auf den gegner projizieren. hier gilt das lichtmesz-sommerfeld-gesetz.
man kann also aus dem vorwurf der angst eines linken auf dessen echte angst schliessen. wenn man nun ermitteln will, wovor der linke angst hat, dann ist der vorgetragene vorwurf nur bedingt hilfreich, weil angst ein schlechter ratgeber ist.
robert zemeckis widmete dem vorwurf der angst die spielfilmreihe back to the future (danke für den anstoss @ majestyk).

Laurenz

15. Juni 2026 07:38

@Majestyk @Mitleser2 ... leider muß ich Ihnen widersprechen, Liberale & Libertäre sind das Problem, weil sie eine staatspolitische Verantwortung verweigern. Da spielt es auch keine Rolle, ob sie national oder international gesinnt sind. Der Liberale kümmert sich nicht nur nicht um das Staatsvolk. Man kann das auch auf die eigene Familie & Kinder runterbrechen. Das was Sie an den Konservativen kritisieren, ist ihr Liberalismus. Wer die Linke nicht cancelt, hat schon verloren.

Maiordomus

15. Juni 2026 09:18

Was Majestik und Laurenz hier über Schamgefühl ausführen, hat nichts mit ethnologischem Spitzenwissen zu tun, Forschungsüberblick über die wichtigsten Standardwerke und differenzierter Kenmtnis tatsächlicher Streitpunkte, so zwischen Elias und dem Ethnologen H.P. Dürr mit seinen 4 Bänden "Nacktheit und Scham" (Suhrkamp), die bestdokumentiert Tabus der sog. Naturvölker und nackt Herumgehenden usw. aufarbeiten, das ist weder mit Cap Agde noch mit DDR-FKK zu verwechseln, abgesehen davon, dass griech. gymnos "leicht bekleidet" bedeutet und nicht, dass an den antiken Oymp. Spielen "füdliblutt", wie man in der Schweiz sagt, Sport betrieben wurde. Antike Kunst ist nicht so zu interpretieren, als wäre dies "Abbildung" herkömmlichen Alltags, so wie wenn im Jahre 5000 Archäologen beim Ausgraben eines Kurparkes in Baden-Baden oder Baden-Schweiz bei Brozeplastiken denken würden, die Badegäste seien dort nackt spazieren gegangen. Die Art Schamlosigkeit gewisser 68er usw. gab es so kulturhistorisch noch nie, wobei das Nacktpredigen der Wiedertäufer in St. Gallen und freies Kopulieren eine sektiererische Bibelinterpretation war, dass dem Erlösten "alles erlaubt" sei, übrigens eine Art Gnosis wie gegenwärtige Grünen-Ideologie oder einstigem Kommunen-Fanatismus.  

Maiordomus

15. Juni 2026 09:33

Satirische Ergänzung zu Ausführungen über unverklemmte vorchristliche Nacktheit: Friedrich Dürrenmatt lässt in seiner späten, aber wenig bekannten Meistererzählung "Der Versuch" im Jahre 10 000 die Stadt Bern ausgraben und Archäologen über das Leben um das Jahr 2000 spekulieren. Ein Sex-Shop wird als Fruchtbarkeitstempel analysiert, und das Bundeshaus, vgl. Reichstag in Berlin, als ein Sakralgebäude, dessen Priesterschaft einem "strengen kultischen Arbeitsverbot" unterstellt gewesen sein soll. Nach Meinung der Archäologen des Jahres 10 000 ist indes die weisse "Rasse" erst im Jahre 2600 verschwunden. Hier scheinen man aber nicht weit von der Wahrheit entfernt zu liegen. 
PS2; @Karin Wendt. Bei ernsten Meinungsverschiedenheiten wird hier wie mir scheint vernünftig diskutiert. Kann mir nicht vorstellen, dass bei einer AfD-Mehrheit in irgendeinem Bundesland bei fähigem Kultusminister Sie als Museums-Leiterin entlassen würden. Es sei denn, es kämen wirklich Idioten an die Macht. Umgekehrt wäre es wohl doch zu viel verlangt, Sie zur Kulturministerin zu berufen.  

Valjean72

15. Juni 2026 10:53

@RMH: "... ihrer den Islam verharmlosenden Tendenz"
---
 
Sie nun wieder. Fehlt gerade noch, mich einen Islamismusleugner zu heissen ;)
 
Nein, Sie haben offensichtlich meine Position missverstanden. Ich trete klar gegen eine Masseneinwanderung aus muslimischen Staaten nach Deutschland und für millionenfache Remigration nicht-integrierter Muslime ein. Alles auf rechtsstaatlicher Basis natürlich.
 
Für mich gehört der Islam nicht zu Deutschland. Ich masse mir aber auch nicht an, anderen Staaten und Völkern vorzuschreiben, welche Religion sie auf welche Art auszuüben haben. Das hat auch etwas mit interkulturellem Respekt zu tun.
 
Aber Linke und Liberale meinen offenbar nach wie vor gesellschaftspolitisch den universalen Stein der Weisen gefunden zu haben, und sich somit das Recht herausnehmen zu dürfen, fremden Staaten aus komplett anderen Kulturkreisen vorzuschreiben, wie sie ihren Staatsaufbau zu organiseren haben.
 
Unser Problem ist nicht der Islam an sich, sondern dass wir als Volk unsere eigene Identität (christlich-abendländisch, mitteleuropäisch, deutsch) schon beinahe komplett abgelegt haben. Unsere Aussengrenzen wurden 2015 ff. nicht von Muslimen offen gehalten ...
 
Daher: Für Deutschland aber gegen eine allgemein-globale Konfrontation Abendland gegen Morgenland
 

RMH

15. Juni 2026 11:32

@Laurenz, wenn sich jeder erst einmal solide um sein eigenes Leben kümmert, wird die Welt von ganz alleine schon anders. Ich würde sagen, besser, denn nur die Totalitären gehen davon aus, dass Menschen immer nur knallharte Egoisten sind, die nur an ihren eigenen Vorteil denken und daher permanente Schiris namens Staat & organisierte  Gesellschaft brauchen, die fleißig pfeifen, Karten verteilen und auch großzügig vom Platz stellen. Der Mensch ist immer auch ein soziales Wesen und so wird ein Kümmern um sich selber stets auch ein Kümmern um andere sein, denn das nutzt dem Kümmerer auch selber. Ihre tägliche Dosis Liberalismus-Bashing können Sie sich also gerne selber geben, da ist sie gut aufgehoben. Der Islam kommt jetzt seit Jahrhunderten ohne Liberalismus aus - daher hat er unter rechten auch so viele Freunde.
Im Übrigen ist diese Zugeneigtheit zum Islam auch gerne nur Abgrenzungskriterium von so Koran-Schmeißern wir old school pi Stürzenberger & Co. Der Islam soll in seinem "Halbmond" bleiben, hier braucht man ihn nicht über exotische Einsprengsel hinaus. 

RMH

15. Juni 2026 11:37

@Umlautkombinat, völlig richtig festgestellt. Perspektivwechsel kann nur dann eine einseitge Angelegenheit sein, wenn man von draußen auf etwas schaut oder bspw selber Tourist ist, aber nicht, wenn das draußen, der ursprünglich bei uns Fremde, schon bei uns drinnen ist. Dann hat so etwas eine wechselseitige Angelegenheit zu sein mit einer starken Vorleistungspflicht dessen, der zu uns kommt. Diese müssen deutlich eher und früher unsere Perspektive einnehmen und verstehen können, bevor wir dies tun, denn diese wollen ja etwas von uns. Wir von ihnen eigentlich nichts, außer, man stellt sie irgendwo zum arbeiten ein.

Maiordomus

15. Juni 2026 12:23

PS. Auf dem Papier gab es absolute Schamlosigkeit, diese übertreffend, längst vor den 68ern, so der Marquis de Sade, der als Autor bei aller Widerwärtigkeit Pionier für Freilassung einer "libertinistischen" Schrankenlosigkeit wurde, im Sinn des späteren Dostojewskij-Dictums, "Wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt!" Gegenüber de Sade als konsequentem End-Denker der perversen Seiten der franz. Revolution und überhaupt wegen seiner Verdienste, via Phantasie schriftstellerisches Neuland zu erschliessen, hatte kein Geringerer als der auf dieser Seite bzw. in Schnellroda hochgeachtete E. Jünger vor jenem Autor echten Respekt. Jünger hat in Beschreibung von Kriegserlebnissen incl. Schilderung der Hinrichtung eines deutschen Deserteurs in Frankreich, 2. Pariser Tagebuch, Tabus gebrochen, was ihm teilweise übel genommen wurde analog zum Marquis de Sade und anderen "Pionieren" der Pornographie. Bei aller Ablehnung von Porno als Massengeschäft und einer Art von Hurerei incl. Schädlichkeit als Sucht usw. bleiben Ersterschliessungen in diesem Bereich schriftstellerische und sogar geistige Entdeckungen, Erweiterung des Wissens, katholisch zwar als Sünde der "Curiositas" gebrandmarkt. Aber ein brauchbarer Jesuit, jeder Inquisitor, musste den Giftschrank kennen!     

Le Chasseur

15. Juni 2026 12:30

@RMH
"Der Islam soll in seinem "Halbmond" bleiben, hier braucht man ihn nicht über exotische Einsprengsel hinaus."
Das würden die meisten ja gerne, aber gerade jetzt wird der Libanon in ein zweites Gaza verwandelt. Die Europäer können von Glück sagen, dass die Iraner so tapfer Widerstand leisten, sonst kämen von dort die nächsten Flüchtlingswellen auf uns zu.
Und wer weiß, vielleicht ist die Türkei das nächste Ziel der zionistischen Siedler ?

Karin Wendt

15. Juni 2026 12:33

@Majordomus
Um Himmels Willen, bitte kein solches Amt. Aber da ich Freiberuflerin bin, erübrigen sich beide Varianten ...

Karin Wendt

15. Juni 2026 12:39

@Umlautkombinat 
Natürlich, die Fähigkeit und Bereitschaft zum Perspektivwechsel traue und mute ich jedem zu.
Ja, Hass ist wohl das Stärkste, was Menschen verbindet bzw. in Beziehung treten lässt, aber eben in zerstörerische. Aber wollen wir dem Impuls folgen? Wollen wir unsere Identität daraus ableiten? Mit "wir" meine natürlich "wir alle", alle Menschen.
Eine Hierarchisierung von Nächsten und Opfern lehne ich ab.

dojon86

15. Juni 2026 12:40

@RMH Der Mensch ist zuvorderst ein soziales Wesen, da haben sie schon recht. Aber ein wesentlicher Antrieb seines "Sozial seins" ist das Bündnis gegen Dritte gegen die man eben nicht sozial sondern eben feindselig agiert, zumindest dann, wenn die Ressourcen knapp sind. Und wann in der Geschichte gab es schon endlosen Ressourcen. Sozial und Asozial sein, schließen einander keineswegs aus, oft bedingen sie einander. Sämtliche Wehrpsychologen (schon bevor man diesen Beruf kannte) wussten das. Nichts schweißt die Kleingruppe besser zusammen als der gemeinsame Feind. Das sieht man auch bei größeren Gruppen wie Nationen. Im übrigen haben sie in ihrer Einschätzung des Islam als illiberal nicht ganz recht. Aus rein  wirtschaftlicher Sicht war der Islam immer liberal und hat den freien Markt propagiert. Mohammed war vor seiner Karriere als Religionsführer nicht umsonst Krawanenhändler. Khomeini wurde besonders von den Bazaarhändlern unterstützt. Kommunistische Wirtschaftsexperimente gab es in Europa und in Ostasien, aber in keinem moslemischen Land hat man jemals versucht, die Wirtschaft total zu verstaatlichen. Man hat auch in keinem islamischen Land derart wie im Westen versucht, in die Familienstrukturen hineinzuregieren. Was natürlich bewirkte, dass ultrakonservative Familienstrukturen erhalten blieben. 

Laurenz

15. Juni 2026 12:45

 @RMH @L. ... ich weiß überhaupt nicht, was Sie wollen, RMH? Nennen Sie mir eine einzige Epoche unserer Geschichte, wo wir im SiN-Mosaik-Kollektiv unsere politischen Vorstellungen wiederfinden würden. Sie können keine nennen. Der ökonomische Liberalismus zu Beginn des II. Reichs scheiterte doch nicht am Deutschen Volk, sondern an den Ostelbischen Junkern, die ihn zuvor gefeiert hatten, selbst. Es bleibt völlig egal, wo man zu unseresgleichen in Übersee hinschaut, ob Milei oder NewRight in den USA, beide stellen die Familie in den Fokus. Denn ohne Kinder keine Zukunft. Die müssen aber finanziert werden, vor allem deren Ausbildung. Unsere liberalen Scheißer hier interessiert das aber nicht die Bohne. ... @Maiordomus @Majestyk & L. ... Wen interessieren hier Ihre Hanswurst-Ethnologen oder das Schamgefühl/Tabus irgendwelcher Naturvölker? Mit Verlaub, keine Sau. Es geht einzig um unser Schamgefühl &/oder unsere Freiheit in der Körperkultur. Wir wollen alle keine öffentliche CSD-Rotze, das ist auch eine Spaltung innerhalb der Homosexuellen. Fragen Sie Sven Tritschler. In unserem Kulturkreis muß man es einfach mental aushalten, daß Männer & Frauen relativ freizügig baden oder Sport treiben, auch Herr Jas. Das unterscheidet uns vom Orient, wo Frauen in Kartoffelsäcke gepackt werden.

RMH

15. Juni 2026 12:50

@Valjean72,
übertreiben Sie mal nicht, sondern lesen Sie mal meinen Beitrag ohne Scheuklappen. Mich ganz persönlich stört der Islam auch nicht in den Ländern, wo er jetzt seit Jahrhunderten angestammt ist, aber evtl. alle, die dort leben und die sich nicht dazu bekennen wollen. Die können dann schon ein Problem haben. Der Islam hat universalen Weltgeltungsanspruch, er missioniert auch hierzulande und daher beschränkt es sich ja nicht auf den eigenen Staatsaufbau in angestammte Landen, sondern hat die gleiche, anmaßende Tendenz, auch anderen Ländern/Kulturen etwas vorzuschreiben, die Sie in Ihrem Beitrag als den "universalen Stein der Weisen" der Linken und Liberalen bezeichnen und zu recht kritisieren. Nur, der Koran selber versteht sich als die letzte göttliche Offenbarung mit Weltgeltung und ist damit der Stein der Weisen per Selbstverständnis.

dojon86

15. Juni 2026 12:52

@RMH Bezüglich Islam und Wirtschaftsliberalismus möchte ich noch einen Zusatz anfügen. Es gibt sogar Hadithen, wonach der Prophet anlässlich einer Nahrungsmittelknappheit Preiskontrollen ausdrücklich ablehnte. (Sind im Internet leicht zu finden)

Ekstroem

15. Juni 2026 13:30

Unser Fokus auf das Eigene ist von größter Wichtigkeit. Zustimmung in diesem Sinne zu @Valjean72 (10:53 Uhr). Wir haben alles zur Verfügung. Wir brauchen nur unsere Perspektive einzunehmen.

Dieter Rose

15. Juni 2026 14:30

... es hat übrigens fünf Minuten gebraucht, bis ich den Titelsatz, auf einen Deutschen bezogen, von der KI übersetzt bekommen habe:  >Ne mutlu Almanim diyene<!!!

MARCEL

15. Juni 2026 14:34

Orientbegeisterung gab es in Deutschland immer schon.
Im Vormärz sogar Polen-Begeisterung! Philhellenismus war eher britisch, mit Ausnahme manch 1848iger, der sich zuvor dem griechischen Unabhängikeitskampf angeschlossen hatte (Stichwort: Griechen-Euphorie).
Im Sinne des Ethnopluralismus ist das alles auch nicht verwerflich, war doch auch GK von fremden Welten be-geistert (Weiße Nacht).
Wer den Orient kennt, sich mit ihm beschäftigt hat und in seiner Eigenheit schätzt (wie man einen Gegner zu schätzen weiß), der weiß aus eigenem Erleben auch um die Luftspiegelungen multi-kultureller Illusionen. Er lernt Kulturen als historische "Blutgruppen" kennen, die man nicht einfach mischen kann...
Neutestamentlich formuliert: Das Maß meiner Nächstenliebe richtet sich nach dem Maß meiner Selbstliebe und nicht umgekehrt.
 

Maiordomus

15. Juni 2026 15:09

@Marcel. "Philhellenismus war eher britisch." Was fällt Ihnen ein!?, Das  wohl grösste Dokument desselben ist der "Hyperion" von Hölderlin, lange vor Byron, der zwar den Philhellenismus politisierte, aber die geistigen Grundlagen sind so deutsch wie möglich. Der Philhellenismus wird sogar bei Hölderlin, siehe seine vernichtende Kritik deutscher Kleinbürgerlichkeit und Kleinstaarlichkeit bei seinem Kapitel aus dem Hyperion, "Da kam ich unter die Deutschen.".  Mit dieser Kritik, irgendwie hochaktuell, hält nicht mal heute der gute Tellkamp Schritt. Dieser Text verdient, wenn die Schüler mit dem Faust schon überfordert sind, in der Schule gelesen zu werden. Freilich ist die Sprache unserer Klassiker bis hin zum einzigartigen Kleist längst eine Überforderung allzu vieler Schüler, was eigentlich zeigt, dass mittelfristig das Gymnasium zur Neugründung anstünde, freilich nicht in der Art von Prof. Unrat und ehrlich nicht einfach so, wie es nun mal war und wurde.    

Monika

15. Juni 2026 15:09

@Karin Wendt 22:23 / Im besten Falle verlieren wir keine Wurzeln, wenn wir Erfahrungen in der Fremde sammeln. Und Johanna Spyris Buch heißt ja auch "Heidis Lehr- und Wanderjahre". Wenn das Schweizer Landmädchen allerdings am Frankfurter  Bahnhof einer groomingGang in die Hände fällt, kann es die Fremde nicht mehr erkunden. ( Konkreter Fall: Das ukrainische Mädchen Liana, das ihre Zukunft in Deutschland sah, wurde in Friedland von einem abgelehnten Asylbewerber vor einen Zug gestoßen). D.h. ein Kulturaustausch setzt ja gewisse Standards voraus. Diese sind in Zeiten großer unkontrollierter Wanderungsbewegungen nicht mehr selbstverständlich. Auch soll es Menschen geben, die, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren, diese nicht mehr wiedererkennen und sich im eigenen Land fremd fühlen. In diesem Sinne kann man durchaus von Entwurzelungen sprechen. Yascha Mounk spricht von Verwerfungen in einer multiethnischen Gesellschaft.

Umlautkombinat

15. Juni 2026 16:15

Natürlich, die Fähigkeit und Bereitschaft zum Perspektivwechsel traue und mute ich jedem zu.

Die Realitaet zeigt, dass hier nichts natuerlich im Sinn von selbstverstaendlich ist. Moeglicherweise muten Sie zu, entscheidende Weichensteller hier in diesem Land und darueber hinaus tun gerade das aber nicht. Im Gegenteil.
 
Erst waren es Gaeste, Verfolgte. Es gab keinen hinreichenden Widerstand, obwohl schon damals schnell klar wurde, dass dem nicht so ist.  Nachdem diese Schwelle genommen war, drehte man die Schraube weiter. Da standen diesen Leuten ploetzlich Dinge zu, die ihnen nicht zustehen und nie zustanden. Jetzt sind wir soweit, dass ihnen sogar mehr zusteht als Einheimischen. Da fliegen auch mal Leute aus Altersheimen und ein weisser deutscher Undiskriminierbarer hat auch vor dem Gesetz irgendwie immer oefter Pech auch bei schweren Straftaten, die gegen ihn veruebt werden.
 
Den Rest Ihres postings verstehe ich nicht. Ich sprach nicht davon, Dinge meines Gegenueber zu kopieren, wie kommen Sie denn darauf? Und welche Hierarchie von Opfern und Naechsten Sie meinen, das erschliesst sich mir komplett nicht.
Was bei mir stand war, dass wenn Sie in einen Menschen hineinsehen, Sie mit allem klarkommen muessen, was sie da finden. Da gibt es kein Picken von Dingen, die einem angenehm sind. Und das hat Konsequenzen.

Karin Wendt

15. Juni 2026 17:10

@Monika 
Ich verstehe, es geht Ihnen zuletzt immer um das Eine, um die von Ihnen so empfundene "Überfremdung" und die Annahme, dass hieraus Gewalt herrührt. Das ist nicht meine Haltung. Die Begegnung mit Fremdem bedeutet für mich eine Herausforderung und die Anstrengung, sicg mit dem Fremden (auch im Eigen) auseinanderzusetzen. Diese Prozesse gelingen nun nur gewaltfrei, daher Anstrengung. Die Gründe für Gewalt liegen woanders und sind ein eigenes Thema.
@Marcel
Kultur ist gerade zu das Ergebnis von Mischung. Wir legen mit kulturellen Formen den Boden, um uns ein Bild von der Welt zu machen. Aber es sind wandernde, implementierte Formen. Neutestamentlich gesprochen: als Menschen bleiben wir Fremde, der Mensch hat keinen Platz, wo er seinen Kopf hinlegen kann.

Karin Wendt

15. Juni 2026 17:39

@Umlautkombinat 
Danke für Ihre Klarstellung.
Von Kopieren habe ich nichts geschrieben, vielleicht ist das irgendwie reingerutscht.
Dass es für mich weder Nächste, noch Opfer erster und zweiter Klasse gibt, bezog sich in der Tat nicht auf Ihren Kommentar. Verzeihen Sie.

Maiordomus

15. Juni 2026 18:01

@Laurenz. Ihre Hanswurst-Ethnologen und Philologen, auch Kenner der Griechen und der Edda und meinetwegen des Matriarchats (Bachofen)  sind jene nicht nur Spezialisten, sondern Humanisten, die ihr Leben wie notabene Nietzsche in der "Geburt der Tragödie" der Ausräumung herkömmlicher Klischees und Vorurteilen gewidmet haben, was Sie mit etwas Herumsurfen im Netz zwar dann und wann vielleicht realisieren, öfters nur repetieren. Sie wissen selbst, dass Sie Ihr Leben nicht der Wissenschaft gewidmet haben, bei der man tausendmal gründlicher geistig arbeiten muss als Sie : Bis man im Sokratischen Sinn weiss, dass man nichts weiss, was nicht auf blödsinnigem sowieso nicht ernsthaftem Sich-Interessieren beruht, was man etwa bei der Lektüre von Keplers Schriften erfährt mit Kommentar von Einstein. So wie man, was bei mir zwar nicht der Fall ist, in die Mathematik enorm eingearbeitet sein müsste, bis man wirklich realisieren würde, dass selbst diese nicht nur eine exakte Wissenschaft sein kann. Nachplappern ist kein Studium, und was Sie mal auf den ersten Blick geistvoll schrieben, dass Bücher lesen eine analoge Form von KI sei, dann ahnen Sie nicht, wie Nietzsche, Canetti, Hofmannsthal so wie alle wirklich kreativen Menschen Bücher fruchtbarmachend gelesen haben, vgl. den Brief des letzteren an Lord Chandos oder Goethes Noten und Abhandlungen zum West-östlichen Divan, die vielleicht wertvollste Ergänzungsmöglichkeit zu unserer Orient-Debatte hier.        

Ein gebuertiger Hesse

15. Juni 2026 18:12

"Wurzeln verlieren" - Leute, entweder wir verlieren diese aktiv, täglich, weil wir sie los werden wollen, aus wechen spätpubertären Gründen auch immer (klappt übrigens nicht oder nur des tagesbewußten Verhaltens; Freud, Eisbergmodell), oder wir behalten sie vollmundig einfach bei.

Maiordomus

15. Juni 2026 18:12

@Karin Wendt. Ich bleibe davon überzeugt, dass bei einem Gespräch zwischen Ihnen und zum Beispiel @Monika durchaus was herausschauen würde jenseits von Bemührungen,  dass die eine die andere in ihrer Haltung und Prägung zu verändern suchen sollte. Es genügt, dass Sie einander wohl echt etwas zu sagen hätten. Das nehme ich für Sie, mich betreffend, ebenfalls an, in der Überzeugung, dass es sich bei Ihnen um das Gegenteil einer nur rechthaberischen Langweilerin handelt. Sonst hätten Sie sich hier nicht in die Debatte gewagt. Dabei ist diese trotz gelegentlicher Gehässigkeiten von einem Haifischbecken glücklicherweise ein ordentliches Stück entfernt.       

Laurenz

15. Juni 2026 19:52

@Dojon86 (& RMH) ... wirtschaftlicher Sicht war der Islam immer liberal & hat den freien Markt propagiert ... Ein schlechter Witz, Dojon. Der freie Markt gilt nur für Gläubige, mit Einschränkungen, wie zB einem formalen Zinsverbot. Niemand betrieb historisch einen härteren ökonomischen Djihad, als die Islamische Eroberung. Das berühmteste Beispiel ist, neben Piraterie & Sklavenjagd auf Europäer, der Papyrus. Mit der Islamischen Eroberung Ägyptens gab es auch für viel Geld kein Papyrus mehr für Europa. Die Veränderung der Strategie im Islam basiert auf der militärischen Schwäche, die nach dem 2xigen Scheitern der Osmanen vor Wien einsetzte. Der Islam schickt viele Mio. Moslems in den Westen, um diesen zu kolonialisieren. Desweiteren kauf man mit den Öl-Einnahmen den Westen auf. Sie können ja mal recherchieren, wie viel % von VW & Porsche den Kataris gehört. Nur die gesetzliche Sperr-Minorität Niedersachsens garantiert noch die Regenbogen-Flagge beim VFL Wolfsburg.

Karin Wendt

15. Juni 2026 20:05

@Majordomus
Danke für Ihre Worte.

Laurenz

15. Juni 2026 20:13

@Maiordomus @Karin Wendt ... gelegentliche Gehässigkeiten ... wir sind hier nicht im Gewerkschafts- oder EKD-Kindergarten & schicken auch keine DragQueens nach Schnellroda zum Sommerfest. Für Gehässigkeiten sind immer die anderen verantwortlich. Da Sie hier ja immer die Katholiken verteidigen, erinnere ich Sie an Matthäus 7,5 ... "Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach kannst du sehen & den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.“ 

dojon86

15. Juni 2026 20:21

@Laurenz Sie haben nicht verstanden, worum es mir ging. Nämlich um den Nachweis, dass Wirtschaftsliberalismus mit militärischer Expansion, Sklaverei und harter Diktatur sehr wohl kompatibel ist, was ja @RMH sicher abstreiten würde.

Maiordomus

15. Juni 2026 20:27

@Schreibfehler "Bemührungen" oben, analoger Freudscher Verschreiber wie von EK gegenüber Gimly neulich konstatiert, in meinem Fall in Richtung "Bemühungen, die zu Berührungen führen", jedoch hier sicher im geistigen Sinne gemeint. Dazu muss man in der Regel gerade nicht einfach "gleichgesinnt" sein. Erinnere mich an ein freundschaftliches Verhältnis mit einem Marxisten, der wegen religiösen und parapsychologischen, auch abseitigen literarischen Interessen in seinem Milieu als "Spinner" galt, mich zuallererst in einem polemischen Brief kontaktierte mit dem Vorwurf, mich in reaktionären und rechtsextremen Milieus zu bewegen, aber dann mit der Zeit sich an seine eigene "Kontaktschuld" mit noch viel Schlimmeren erinnerte, auch Gorbatschow als "grösste Enttäuschung seines Lebens" betrauerte, schon mal das kommunistische Albanien als "Neues Jerusalem" ausgegeben hatte, dann aber sich doch lieber über "Peter Schlemihl", Carl Gustav Jung und Peuckerts "Volkskunde des Proletariats" unterhielt, sogar Rudolf Steiner und den Erzengel Michael. Am Ende blieb ich gegenüber dem mit zu vielen oft nur vermeintlichen Freunden Gesegneten übrig als Abdankungsredner.   

Laurenz

15. Juni 2026 20:32

@Maiordomus @L. ... Exakt, Maiordomus. Sie lasen Nietzsche, ich Karl May, der als Knast-Bibliothekar vor allem in Weltreisenden schwelgte. Als May dann im gesetzten Alter tatsächlich reiste, verfiel Er in Depressionen, weil der echte Deutsche May dann doch lieber Schnitzel aß, als Lamm-Kebab in fettem Reis & der Dreck des Orients & Kamelreiten ihn krank machte. Klara rettete Ihn vor Emma. Ich lese meistens gerne, was Sie schreiben. Sie dürfen mich nebenbei so viel über- wie unterschätzen, so viel Sie wollen. Das ist völlig belanglos. Der Unterschied zwischen Ihnen & mir ist ganz einfach. Ich befasse mich mit politisch & gesellschaftlich relevanten Publikationen.

Monika

15. Juni 2026 20:56

@ Karin Wendt 17.10 Es geht mir gewiss nicht immer nur um das Eine, auch nicht  darum,  aufzuzeigen, daß aus der Überfremdung automatisch Gewalt herrührt. Ich sehe durchaus die Gefahr , daß durch Fixierungen auf solche Denkmuster ganz Wesentliches außen vor bleibt. Ich bin durchaus bereit und durch gewisse Erfahrungen im Leben gezwungen, mich mit dem mir völlig Fremden auseinandersetzen. Es gar wohlwollend zu betrachten. Das ist anstrengend und ich habe nicht immer die Kraft dazu. Manchmal finde ich es deshalb sehr hilfreich und entlastend, wenn mir das widerständige  Gegenüber mit echtem Verständnis und nicht nur  mit einer Haltung entgegenkommt. 

Beta Jas

15. Juni 2026 21:15

@Le Chasseur 15. Juni 2026 12:30 | "Das würden die meisten ja gerne, aber gerade jetzt wird der Libanon in ein zweites Gaza verwandelt. Die Europäer können von Glück sagen, dass die Iraner so tapfer Widerstand leisten, sonst kämen von dort die nächsten Flüchtlingswellen auf uns zu. Und wer weiß, vielleicht ist die Türkei das nächste Ziel der zionistischen Siedler?"
 
Wissen Sie, was mich bei Linken stört? Dass sie bei allem, was passiert, direkt Flüchtlinge herbeireden. Das wurde mir richtig bewusst beim Arabischen Frühling: Als dieser noch nicht mal vier Wochen alt war, sprachen einige Grüne bereits davon, dass Flüchtlinge kommen werden. Linke sehen ein „revolutionäres Subjekt“ in diesen Menschen, da sie das sind, was sie sind. Ich schreibe Ihnen besser nicht, auf welcher Seite ich – kritisch – in diesem Krieg stehe. Es ist aber die Seite, die ein Land, eine Nation verteidigt. Einige Rechte haben Probleme mit diesem Land, weil es an eine Geschichte erinnert.
Flüchtlinge, die nach Europa kommen, kommen, wenn sie wissen, dass sie kommen können. Keiner dieser sogenannten „Flüchtlinge“ flieht in reiche Länder des arabischen Raums oder gar nach Israel, dessen Grenzbefestigungsanlage 2023 gewaltsam überwunden werden musste, um das Massaker anzurichten, das die muslimisch-arabische Organisation Hamas verübte.
 

Umlautkombinat

15. Juni 2026 21:35

@Karin Wendt

von Kopieren habe ich nichts geschrieben

Sie schrieben:

Ja, Hass ist wohl das Stärkste, was Menschen verbindet bzw. in Beziehung treten lässt, aber eben in zerstörerische. Aber wollen wir dem Impuls folgen?

Impuls folgen = kopieren. Eben nicht. Die Frage ist aber, wie lange Sie das noch koennen. Und wenn Sie jetzt und im Ansatz schon scheitern, weil Sie diese Feindseligkeiten nicht klar und in seiner zwingenden Konsequenz wahrnehmen moechten oder koennen (eine weit verbreitete Form von zeitgeistigem Helfersyndrom), dann koennen Sie es nicht und auf keinen Fall rechtzeitig beheben. 
Dabei bitte nicht jedes 'Sie' hier persoenlich lesen. Ein paar treffen aber wahrscheinlich auf Sie zu, so ziemlich alle tun es auf die ominoese "Zivilgesellschaft" "unserer Demokratie". 
 
 

Le Chasseur

15. Juni 2026 21:51

@Laurenz
"Der Islam schickt viele Mio. Moslems in den Westen, um diesen zu kolonialisieren"
Wer genau ist denn "der Islam" eigentlich?

Gracchus

15. Juni 2026 22:35

Gertrud scheint jedenfalls eine lebenslustige, lebensbejahende Person zu sein (ich dachte kurz, sie sei fiktiv, gewissermaßen das heidnische Alter-Ego von EK), was ich in der Kommentarspalte etwas vermisse, also das Bejahende. Im Christentum gibt es wohl zwei konträre Strömungen - die eine ist antiheidnisch, die andere sieht im Heidentum eine Art Altes Testament. Erstere erscheint mir etwas lächerlich, letztere ist eher mein Fall. Ich tendiere gar - durchaus im Einklang mit der Bibel - zu einer Art Henotheismus, es gibt viele Götter, aber über den vielen ist der Eine, Vater, Sohn, Heiliger Geist. 

Gracchus

15. Juni 2026 22:53

Den Islam gibt es nicht. Das ist doch evident. Wieso daraus eine Art Kapitulation folgen soll, ist mir rätselhaft. Der mystische Islam - Sufismus - ist mir spirituell näher als manche christliche Sekte. Dennoch ist es mir nicht recht, wenn sich der (exoterische) Islam in Europa ausbreitet. Meine Deutung ist, wie schon oft gesagt, dass das Christentum zu anthropozentrisch geworden ist und seine Theozentrik aufgegeben hat, was sich auch in der Liturgiereform widerspiegelt. Der zweite Teil der Formel: Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch Gott werde - scheint in Vergessenheit geraten. 
"Islamophilie" beruht auf antichristlicher Haltung. Man sieht es wiederum an den Reaktionen auf Felix Nmecha und das Gebet mit Tah und Spielern von Curacao. 

Gracchus

15. Juni 2026 23:02

@Karin Wendt: Ich bin - abgesehen von Ihrer Ansicht zum Interview (Gertrud zitiert ja, Sie unterstellen, dass das ihre Ansicht sei, oder vermischen beides) - ganz Ihrer Ansicht. Nur was folgt denn für die (politische) Praxis daraus? Wie viel Fremdheit ist einer Gesellschaft, dem Einzelnen zumutbar? Zudem läuft der Diskurs ja unter der Prämisse, dass letztlich alle gleich seien, das Fremde des Fremden ist nur oberflächlich. Ist der westliche Blick bereits so homogenisiert, dass er das Fremde nicht mehr wahrnehmen kann? Dann: Entzieht sich die Vertrauensbasis, die zwischen Fremden ja erst gebildet werden muss - und das ist anstrengend - , nicht politischer Machbarkeit? 

Karin Wendt

15. Juni 2026 23:28

@Monika
Ja, das war überzogen von mir. Mir gehen zu viele Gedanken durch den Kopf, die hier im Forum nicht passen und von der Diskussion des Beitrags zu weit wegführen würden. So ist es wohl etwas apodiktisch geraten. War nicht so gemeint.
@Laurenz
Den Hinweis von Majordomus hatte ich nicht auf Kommentare zu meinen Postings bezogen. Mit der EKD habe ich nichts zu tun. Aber ich bin evangelisch, da haben Sie Recht.

Majestyk

15. Juni 2026 23:30

Ich würde es begrüßen, wenn jene, die dem Islam freundlich gesinnt sind in islamische Länder ziehen würden, statt den Import des Islam zu begünstigen oder dies zu banalisieren.
Es ist schon erstaunlich, ich als "deutsch sprechender Amerikaner" soll Fehl am Platz sein und mir spricht man das Deutschsein ab, die Leute, die von Einheimischen erwarten, daß diese sich ihrer importierten Kultur anpassen sind aber willkommen. Jetzt sind sie halt da.
"Islamophilie" beruht auf antichristlicher Haltung." schreibt Gracchus. Wenn dem so sein sollte, von mir aus. Meine Religion wird ja nicht verdrängt. Meine Mannschaft ist das jedenfalls schon lange nicht mehr, aber der moderne Deutsche läßt sich ja sogar den Tauhid-Finger zeigen. Da war mir der Finger vom Effenberg lieber.

RMH

15. Juni 2026 23:36

Nämlich um den Nachweis, dass Wirtschaftsliberalismus mit militärischer Expansion, Sklaverei und harter Diktatur sehr wohl kompatibel ist, was ja @RMH sicher abstreiten würde.
@dojon86,
Irrtum, das bestreite ich nicht. Ich bestreite, dass Wirtschaftliberalismus, wie es Linke, Marxisten und andere selbsternannte Ökonomie-Kenner immer behaupten, zwingend zu Kapitalismus mit Oligopol- & Monopolbildung und in Folge zu Oligarchie & Autokratie oder im Tarngewand zur Demokratur mit entsprechender Bürgerbeteiligungssimulation führt. Wobei harte Diktatur und Wirtschaftliberalismus zusammen bedeutet, dass ein harter Dikatator auf einem Gebiet nicht die Kontrolle haben will. Das wird nur ganz kurzfristig funktionieren. Entweder es kommt zu Arrangemnets für wenige, was dann schon kein echter Wirtschaftsliberalismus mehr ist, oder der Diktator ist kein knallharter, sondern einer mit erheblichen Einschränkungen. Eine lame duck.

FraAimerich

15. Juni 2026 23:47

Entweder verfügt man noch über eine eigene Kultur und Tradition - oder eben nicht. Um das im besten Sinne zum Volkslied gewordene Uzun İnce Bir Yoldayım der türkisch-alevitischen Baglama-Legende Aşık Veysel kommt nicht mal Recep Tayyip Erdogan herum. Und so hält es die türkische Jugend frisch (mit Übersetzung). Ansprechende Gegenkultur oder Rückgriffe auf eigene Traditionen "von rechts" - weitgehend Fehlanzeige. Gaaaanz schlechtes Zeichen.
Die Affenliebe zum Westen kann dem Alman das verlorene Eigene nicht ersetzen. Sie erscheint durch das endlose Wehklagen über den Islam auch nicht überzeugender. Geradezu ärgerlich wird es, wenn man dann über den sich ausbreitenden Islamismus wettert - offenbar ohne jede historische Kenntnis, wogegen sich dieser im 20 Jhd. richtete und daß es die üblichen Verdächtigen waren, die diese anfangs belächelte Bewegung nach Kräften gefördert, bewaffnet und instrumentalisiert haben.

RMH

15. Juni 2026 23:52

"Den Islam gibt es nicht. Das ist doch evident."
@Gracchus, warum?
Es gibt auch "das Christentum". Beides sind Oberbegriffe für große Vielfälltigkeiten, die aber einige klare Kernprinzipien haben, da bis auf irrelevante Sekten alle größeren Ströumungen echte Gemeinsamkeiten haben. Bei allen Unterschieden darf daher man schon von dem Islam sprechen und von dem Christentum, ja auch von dem "Heidentum" (wobei es hier klar schwiergier wird, mangels kanonisierter, "heiliger Bücher". Ohne Koran aber keine Moslems, seit der Niederschrift der Evangelien und den anderen kanonischen Schriften auch ohne Bibel keine Christen). 
Und wie ich schon geschrieben habe: Der Islam verändert eine Kultur massiv, weil er eine eigene Kultur ist. Er ist eine integrale Weltanschauung im Sinne Guénons. Nicht ohne Grund ist letztgenannter zum Islam konvertiert. Lektüre Tipp: Julius Evola, Revolte gegen die moderne Welt (damit kann man sich den Guénon fast sparen, der sich nicht so schön schmissig liest, wie Evola). Das mittelatlerliche Christentum war übrigens auch einmal Teil einer integralen Gesellschaftsordnung. Was als Minderheit in einer Diaspora noch unauffälig und harmlos ist, kann aber gewissen Schwellen zur Bestimmungsmacht führen. Man sieht es in gewissen Stadteilen in etlichen Städten Deutschlands schon. 

Karin Wendt

16. Juni 2026 00:06

@Gracchus
Der westliche Blick, das ist natürlich spannend. Ich denke, dass die Moderne den Blick auf das Fremde erst hervorgebracht hat. Und dass eine sich kririsch reflektierende Moderne erkannt hat, dass nur ein freier Blick dem Anderen als Anderen gerecht werden kann. Was das nun für das soziale Miteinander bedeutet, auch politisch? Ich vermute, dass Fremdheitserfahrungen, also die Erfahrung im Umgang mit Fremdem generell, Sicherheit gibt und so auch Vertrauen in ein erst einmal fremdes Gegenüber schafft oder schaffen kann. Aber das klingt Ihnen vielleicht zu naiv, zu vertrauensselig -?

Laurenz

16. Juni 2026 02:38

@Le Chasseur @L. ... der Teilnehmer @Beta Jas hat Recht, Sie verrennen sich hier beim Thema Islam & Co. in linker Weichspüler-Romantik. Um verständlich christliche Termini zu nutzen, Sie gehören zu den Schafen, nicht zu den Hirten oder Schäferhunden. UN-Moral knechtet die Schafstaaten. Palästinenser kommen genausowenig aus Gaza, wie Ashkenazis aus Israel, wie Polen aus Schlesien & Amis aus Amerika, Russen aus Wladiwostok/Baltikum & Chinesen aus Taiwan/Formosa. Staaten nehmen sich fremde Territorien, wenn sie es denn können. Das wichtigste Prinzip des Islam, ist die gewaltsame Islamische Eroberung/Verbreitung bis zum heutigen Tag. ... @Dojon86 @L. ... versteht den Islam genausowenig. Es gibt wenn überhaupt, immer nur sehr kurzfristig Wirtschaftsliberalismus, ich nannte als Beispiel das II. Reich. Von Hayek/von Mises sind üble Utopisten. Der Liberalismus verhindert nicht, die politische Einflußnahme/Machtübernahme der Monopolisten & Oligarchen, außer eine staatliche Institution (der Nationalsozialismus in Deutschland/China, Bonaparte in Kontinental-Europa, Lisbeth I in England, der König von Preußen, die USA) verhindert das. Muslimische Monopolisten/Oligarchen erschaffen Islamische Staaten. Unsere Vasallen-Regierung zahlt bereits Tribute an die ganze Welt. Wir sind der politisch schwächste Staat auf dem Planeten & deswegen so ein leichtes Opfer für Kultur-Bolschewisten & den Islam.

Laurenz

16. Juni 2026 02:57

@Monika @Majestyk  ... "Nachdem Adam & Eva vom Baum der Erkenntnis aßen, erkannten sie, daß sie nackt waren & bedeckten sich mit Feigenblättern." ... Das heißt auf Deutsch, sie lasen Bücher. Heute sind 12-13% (1/8) der weltweiten Bevölkerung echte Analphabeten. 1,5 - 2 Milliarden Menschen sind funktionale Analphabeten (also 1/5 - 1/4). Dieselbe Bevölkerungszahl beziffert theoretische Alphabeten, die lesen können, es aber nicht tun. Das ist insgesamt die Hälfte oder die Mehrheit auf Mutter Erde, die nicht vom Baum der Erkenntnis ißt & Feigenblatt-befreit herumwandelt.

Kurativ

16. Juni 2026 06:36

Vorteil ist natürlich, dass man dort mehr von der Rente oder den Ersparten hat.
Und die Rente wird immer weniger wert. Durch die wirren Ideen von ökologisch angehauchten Panteisten, welche in der der Natur einen neuen Gott zu sehen glauben. Wenn man die Kraftwerke abbaut und wieder Windräder aufstellt, muss man auch wieder mit den Zuständen aus den Zeiten der Windräder leben.
Dann gibt es noch diejenigen die Blackrock und Konsorten dienen. Die vielen Waffen machen "Bums" und das Geld der Rentner ist weg. Die "Investoren" freuen sich, der Renter wandert aus.
Der Nachteil: Man könnte als Geisel enden wenn sich die Zustände hier gegenüber der hiesigen Türken ändern.

Monika

16. Juni 2026 07:13

An Alle / Papst Leo war kürzlich in Spanien und hat am 12. Juni auf Teneriffa eine Rede zur Migration gehalten. Darin geht es um Menschenwürde, Intergrationsbemühungen , Parallelwelten, Pflichten der Migranten und der aufnehmenden Gesellschaft, Identität, um die Menschheitsfamilie . Ein Text, der alle in dieser Diskussion erörterten Punkt aufgreift und für mächtig kontroversen Gesprächsstoff sorgt. Vielleicht in einem neuen Strang ? 
http://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/speeches/2026/giugno/documents/20260612-spagna-migranti-integrazione.html

Le Chasseur

16. Juni 2026 07:40

@Gracchus
"Ich tendiere gar - durchaus im Einklang mit der Bibel - zu einer Art Henotheismus, es gibt viele Götter, aber über den vielen ist der Eine, Vater, Sohn, Heiliger Geist. "
Siehe auch das 1. Gebot der Juden:
"Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir."
Da steht nicht, "Ich bin der Herr, der einzige Gott. Es gibt keine anderen Götter außer mir." ;-)
 

Le Chasseur

16. Juni 2026 07:48

@Beta Jas
"Ich schreibe Ihnen besser nicht, auf welcher Seite ich – kritisch – in diesem Krieg stehe. Es ist aber die Seite, die ein Land, eine Nation verteidigt."
Sie stehen also auf der Seite des Irans? Die Iraner verteidigen allerdings weitaus  mehr als nur ein Land oder eine Nation.

Laurenz

16. Juni 2026 08:20

@Le Chasseur @Beta Jas ... Sie haben es exakt erfaßt, mon petit Chasseur. Die Iraner verteidigen gegen ihren eigenen Charakter die Islamische Eroberung, vorwiegend auf dem Schiitischen Halbmond, den sie bis auf den Libanon quasi verloren haben, weil es da so gut, wie nichts, zu holen gab & die Russen sich  deswegen verabschiedeten. Eine identitäre, geschichtsbewußte Europäische Kultur vertreibt die Moslems vom Mare Nostrum. Warum sollten wir Muslime dort dulden? Weil sie ihre Frauen prügeln?

Maiordomus

16. Juni 2026 08:49

@L "Politisch und gesellschaftlich relevante Publikationen". Das waren für mich Burnhams Manager-Analyse, zur gleichen Zeit "Die Psychologie der Massen" von le Bon und als unüberholbare Polit-Fibel "Der Fürst" von Machiaivelli und viele grundlegenden Werke der angelsächsischen Staatstheorie, für Deutschland möglichst alles, was Einfluss auf Konservativismus hatte (Mohler) u.  genauestmöglich die politische Taktik von Bismarck bei Einigung  Deutschlands betr. Emser Depesche, was fast immer falsch dargestellt wird, weshalb ein halbes Jahr Erkundung für eine hist. Seminararbeit kein Luxus war. Auch gilt es für frühe Bundesrepublik u.a. die kath. politische Theorie und die prot. Theorie des Subsidiaritätsprinzips (Thomasius) zu kennen, worauf praktische Politik der CDU, CSU, FDP einst stark beruhte, so Röpke, mit heutigem Neo-Konservatismus nie zu verwechseln. Schliesse aus, dass Sie für Spitzenpolitiker der AfD Beratungskompetenz als Redenschreiber usw. hätten. Carl Schmitt muss man deswegen genauestens kennen, um nicht die selben Fehler zu machen wie er im Wissen, dass man von ihm aber mindestens so viel lernen kann wie von Marx.  Das weiss GK um Welten besser als Sie.         

Laurenz

16. Juni 2026 09:00

@Maiordomus ... da ich heute morgen schon um 2 Uhr wach war, zog ich mir was rein, was Ihrem Geschmack im Stil entsprechen dürfte. Ein aktuelles Gespräch zwischen Dr. Poschardt & Prof. Dr. Rieck über 1,5 Stunden. Mit Erlaubnis der Redaktion verlinke ich Ihnen das Gespräch zu Poschardts neuem https://youtu.be/rVAA0p5djjM Buch "Bückbürgertum" nach dem Buch "Shitbürgertum", welches mit einer Auflage von 40k auf Platz 1 des BS-Liste kam. Beide Intellektuellen nehmen mehr Bezug auf Ökonomie als Sie, auch wenn Beide einst aus dem linken Spektrum kamen & sich dem "Liberalen" zugewandt haben. Aufgrund Seines Fachgebiets weicht Rieck, sich schützend, immer auf Zahlen & die Spieltheorie aus, (während Sich Poschardt mehr im Ungefähren tummelt). Das weist bei Seiner meist nicht akademischen Kundschaft einen solchen Erfolg aus, daß Rieck mittlerweile auf 555k Youtube Abos kommt, was für eine Leistung. So groß ist die Sehnsucht der Nutzer nach echter, nicht interpretierter Information. Davon kann das ZDF nur träumen. Aber man kann hier bestens das betäubte Dasein dieser Beiden Intellektuellen begutachten, die in den letzten Jahren Ihr Erweckungserlebnis hatten. Ich erlebte unsere heutigen Zustände schon in der Schule 1980, wie damals auch beim Hessischen Rundfunk.

Joerg

16. Juni 2026 09:44

Hierzu fällt mir zuerst ein alter Satz aus Herrn Kubitscheks Sezession Vorwort ein: Das also gibt es.
Irre Biographien, interessante Gespräche.

Artabanus

16. Juni 2026 10:43

Der Islam an sich ist überhaupt kein Problem. Das merkt man wenn man in Islamische Länder reist, wie im Text beschrieben. Das Problem ist die schiere Quantität der Muslime die inzwischen nach Westeuropa und Germanien eingewandert sind. Aber wer hat die denn hereingelassen und alimentiert? Das waren die Europäischen Christen! Und warum? Aus sog. christlicher Nächstenliebe! Da haben wir den Salat! Unsere gesamte Rechtsordnung beruht auf christlichen Grundsätzen. Unser Problem ist das Christentum, nicht der Islam. Nicht das Christentum als Religion, sondern die politische Realisierung christlicher Grundsätze und Werte. 

Karl

16. Juni 2026 11:10

@Karin Wendt 16. Juni 2026 00:06
„Ich denke, dass die Moderne den Blick auf das Fremde erst hervorgebracht hat.“
Dagegen:
„Die westliche Zivilisation ist seit ihren Anfängen angelegt auf die unablässige Auseinandersetzung mit dem „Anderen“, auf Konfrontation und Absorption, auf Anziehung und Abstoßung. Dieses Interesse am Fremden lässt sich bis zu den ältesten Zeugnissen der abendländischen Literaturgeschichte, bis zu Homers Odyssee, zurückverfolgen. …
Das Fremde ist das Trojanische Pferd, unter dessen Schutz die Selbstkritik, der Relativismus, am Ende die Selbstzerstörung in die westeuropäische Kultur eindringt.“
(Aus: TUMULT Sommer 2026, darin: Peter J. Brenner: Der „Wertewesten“. Das Fremde, die Toleranz und das Troja-Syndrom. S. 7-12)

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