Kritik der Woche (83): Liebe ist Dir verboten

„Fans“ halten in ihrer privaten Bibliothek hundert Schriften von, mit und zu Ernst Jünger vor. Er (1895- 1998) gilt zurecht als einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Jün­ger wur­de als „Natio­na­list“ geh­aßt wie geliebt (sein In Stahl­ge­wit­tern, 1920 erschie­nen, wur­de allein bis 1960 etwa 250 000 Mal ver­kauft), dann von der spä­te­ren BRD umarmt und mit Medail­len behängt. Jün­gers „kal­ter Blick“ auf den Krieg, zumal auf den ers­ten, gilt als emble­ma­tisch. Sei­ne Wen­dung zum Pazi­fis­ten hat­te er ästhe­tisch gekonnt gerahmt. Frag­los ist Jün­ger ein Meis­ter der Wor­te. Kei­ne Sach­la­ge, die sich nicht so ver­brä­men lie­ße, daß es irgend­wie paßt.

Nun ist ein Buch einer sei­ner Gelieb­ten erschie­nen, das es in sich hat. Bani­ne, eigent­lich Umm-el-Bani­ne-Assa­doulaeff (*1905), war Jün­ger kom­plett ver­fal­len und blieb es bis an ihr Lebens­en­de. Sie wur­de in Aser­bai­dschan gebo­ren und leb­te ab 1924 in Paris. Jün­ger begeg­ne­te sie erst­mals 1942 als Besatzungssoldat.

In Jün­ger ver­lieb­te ich mich, noch bevor ich ihm in Fleisch und Blut begeg­ne­te. Von Anfang an fas­zi­nier­te mich mich J.‘s Foto, das die ers­te Aus­ga­be der Stahl­ge­wit­ter ziert.

Sie, die doch eine Public Intellec­tu­al, also eine hoch­klas­si­ge Gesprächs­part­ne­rin, Über­set­ze­rin und Freun­din der Geis­tes­welt die­ser Jahr­zehn­te war, ver­fiel Jün­ger auf Gedeih und Verderb.

Was für eine kras­se, inten­si­ve, mit­rei­ßen­de, viel­sa­gen­de Lek­tü­re! Bani­ne hat­te drei Bücher (alle­samt nicht auf Deutsch erhält­lich) über Jün­ger ver­faßt: 1952, 1971, 1989. Alex­an­der Psche­ra als Her­aus­ge­ber die­ses Zeug­nis­ses hier nun führt auf fünf­und­zwan­zig Sei­ten kun­dig ein in das nun vor­lie­gen­de Ach­ter­bahn­erleb­nis. Die­ses Vor­wort ist dabei so gold­wert wie streitbar.

Vie­les dar­an mag man als „kru­de“ bezeich­nen. Psche­ra will das Ver­hal­tens Jün­gers Bani­ne gegen­über nicht als „männ­li­ches Herr­schafts­ge­bah­ren“ [sic] lesen; er will es aus­drück­lich nicht als „Früh­form der MeToo-Affä­re“ lesen. Nun ja! Es ist klar ein Zeug­nis der Mani­pu­la­ti­on, wobei – es gehö­ren immer zwei dazu – sich Bani­ne defi­ni­tiv hat mani­pu­lie­ren las­sen. Die­ses Buch hat das Zeug, zu einem Klas­si­ker der (ankla­gen­den) Frau­en­li­te­ra­tur zu werden.

Man liest das alles unter Schmer­zen, doch neu­gie­rig blät­tert man wei­ter. Bani­ne lei­det Höl­len­qua­len, will sich das Leben neh­men. Jün­ger hält sie hin. Als sie auf sie­ben Brie­fe in Fol­ge nicht ant­wor­tet (dies nur als Bei­spiel für den hier wirk­sa­men Mecha­nis­mus), schickt er ihr ein Medail­lon mit einem vier­blätt­ri­gen Klee­blatt: „Für Bani­ne. 17.6. 51. L‘ Effendi“.

Ja, Jün­ger ließ sich „im Spiel“ als Effen­di anspre­chen und koket­tier­te mit der Mög­lich­keit einer Mehre­he, pries mehr­fach Allah. Bani­ne (die 1956 zum Katho­li­zis­mus kon­ver­tier­te) ist über Jah­re, nein Jahr­zehn­te lie­bes­wund. „Mei­ne Hys­te­rie nimmt zu“, schreibt sie 1952.

Ich wein­te auf offe­ner Stra­ße. Nein, die­se quä­len­de Lie­bes­ge­schich­te bringt mich nicht um; das wäre bes­ser. Sie stößt mir ihre Mist­ga­beln ins Herz.

Wir lesen das sei­ten­lang: Die­se unge­heu­re, abgöt­ti­sche, auf­op­fe­rungs­wil­li­ge Lie­be zu Jün­ger! Dabei hat Jün­ger nicht nur eine Ehe­frau („Matro­ne“, auto­ri­tär, tugend­haft; „ich has­se sie“, schreibt Bani­ne) son­dern auch bereits eine fes­te Gelieb­te in Paris, die Ärz­tin Sophie Ravoux.

Bani­ne ätzt: wie „pum­me­lig“, wie sehr „Typ Dienst­mäd­chen“, „vul­gär und dumm“ Ravoux sei! „Ich has­se sie, weil Sie sie lie­ben.“ Bani­ne war defi­ni­tiv lie­bes­krank. Als Jün­ger nach dem Tod sei­ner ers­ten Frau (1960) recht rasch die patent-bie­de­re Archi­va­rin Lise­lot­te Loh­rer (1917–2010) ehe­lich­te, bedeu­te­te das einen erneu­ten Zusammenbruch.

Psche­ra hat Bani­nes Noti­zen (sie woll­te, daß sie unter dem abso­lu­tis­ti­schen Titel „Eine Lie­be wie mei­ne“ erschei­nen soll­ten) vor­treff­lich mit Fuß­no­ten ergänzt und das Wag­nis unter­nom­men, die­sen (halb hand­schrift­li­chen, viel­fach durch­ge­stri­che­nen) Noti­zen bis 1953 Exzerp­te aus Bani­nes Tage­buch­ein­trä­gen, die Jün­ger betref­fen, hin­zu­zu­fü­gen – bis anno 1991, also bis kurz vor ihrem Tod.

Selbst­kri­tisch fragt Psche­ra, „geht uns das wirk­lich was an? Soll­ten die­se Auf­zeich­nun­gen nicht bes­ser unver­öf­fent­licht blei­ben?“ Er steht nicht an, den „Gos­sip-Cha­rak­ter“ die­ser Schrift zu verleugnen.

Ja: Wir haben hier einen Ernst Jün­ger, ver­hei­ra­tet und zwei­fa­cher Vater (bei­de Söh­ne wird er über­le­ben) der sich zer­zaust und mit „schlecht sit­zen­den Shorts“ von einer selbst­er­nann­ten „Skla­vin“ die Füße krau­len läßt: „Sie stan­ken nach Knob­lauch, Sie lie­ßen sich gehen“, schreibt sei­ne Freun­din, die zwi­schen per­sön­li­cher Anre­de und distan­zier­te­rem “er” wech­selt. Bani­ne, die zeit­le­bens eine gesuch­te Inter­view­part­ne­rin war und eine Frau mit Stil, ent­blößt sich hier dut­zend­fach. Sie berich­tet von ihrem „Harn­drang“, wenn sie auf den Gelieb­ten, Begehr­ten trifft. Pein­lich betrof­fen lei­det man lesend den­noch mit.

Es sind dies Herz­aus­schüt­tun­gen einer Art, die ziem­lich unüb­lich für das mitt­le­re 20. Jahr­hun­dert sind. Tabu­los, mark­erschüt­ternd – heu­te wür­de man die­se Bezie­hung als „toxisch“ erklä­ren. Die Ent­blö­ßun­gen betref­fen aller­dings auch sei­ne, Jün­gers, Regun­gen. Man kann steif, erha­ben und offi­ziers­mä­ßig sein, und dann geht es den­noch (sexu­ell) durch mit einem: plötz­li­ches Duzen, wenn Brunft ange­zeigt ist: „das stößt mich ab.“ Es ist ein Stoff für’s Thea­ter. Und nichts, was einem Jün­ger sym­pa­thisch macht.

Bani­ne: Lie­be ist Dir ver­bo­ten. Ernst Jün­ger und ich, Ber­lin 2026, 304 Sei­ten, 26 € – hier bestellen

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (14)

Monika

18. Juni 2026 21:13

Muß man das veröffentlichen? Ich finde das peinlich bis lächerlich. Berühmte Schriftsteller oder Künstler oder Professoren wurden immer von Frauen umgarnt. Ein besonderes Exemplar der Jägerinnen war Luise Rinser, die ebenfalls ein Auge auf Ernst Jünger geworfen hatte. Als sie in traf, war sie ernüchtert: "Er (Jünger) war klein, hatte eine hohe Stimme und sah nach nichts aus".
https://www.welt.de/print/wams/kultur/article13313744/Luise-und-die-starken-Maenner.html

Ein gebuertiger Hesse

18. Juni 2026 21:30

Es sind doch genau solche "Gossip"-Enthüllungs-Schriften, nach denen sich "der Fan" sehnt. Die Kenntniss um das obskure Objekt der Begierde, hier Jünger, wird dadurch enorm geweitet. Schmutzige Wäsche von früher ist gesund für die Nachwelt! Gut, daß so ein Buch herausgebracht worden ist.
"Ich weinte auf offener Straße. Nein, diese quälende Liebesgeschichte bringt mich nicht um; das wäre besser. Sie stößt mir ihre Mistgabeln ins Herz."
Abgründig in diesem Zitat ist das Semikolon. 

Laurenz

18. Juni 2026 21:41

Till Kinzel hatte in der JF eine etwas ausführlichere Rezension gebracht. Ich weiß gar nicht, wo das Problem ist? Nur, weil Jünger das übliche & typische Verhalten von Frauen an den Tag legte, ist Er zu kritisieren? Jünger war im Grunde fast ein früher Feminist & hatte eben von der holden Weiblichkeit gelernt. Frauen sollten sich entscheiden. Promiskuitive Frauen, wie Umm-El-Banine Assadoulaeff, besitzen eben einen geringeren Wert als Frauen, die sparsamer im Männerkonsum sind. Jünger bestätigt das mit der Reinheit als „Unberührtheit durch die Masse“. Hier folgt Jünger schlicht Michelangelo, dem größten Profi als Beobachter des menschlichen Ausdrucks. Das äußerte der schwule Michelangelo zur Jugend der Maria in Seiner Römischen Pieta: "Weißt du nicht, daß keusche Frauen sich viel frischer erhalten als jene, die es nicht sind? Um wie viel mehr gilt dies für eine Jungfrau, in der sich niemals auch nur das geringste laszive Verlangen regte, das ihren Körper hätte verändern können?“ ... Wenn Frauen, wie Umm-El-Banine Assadoulaeff nicht scheitern wollen, müssen sie dafür sorgen, daß die Mehrehe wieder eingeführt wird. Dann teilt man sich den Alpha-Mann mit Frauen auf einem höheren Niveau & kriegt wenigstens ein bißchen was ab. Kommen Sie aus Ihrer weiblichen Blase raus, Frau Kositza.

Kositza: Haha, Jünger "legt weibliches Verhalten an den Tag", das ist lustig, aber nicht ganz richtig. Ich vermute, Sie wollten es anders ausdrücken, gell. Und wieso "Problem"? Ich hab gar kein Problem. Ich beschreibe doch nur. Es gibt so Triggerpunkte, bei denen Sie fast hysterisch wirken, sorry.

Kriemhild

18. Juni 2026 21:50

Was wir bitter nötig haben, ist die Möglichkeit, wieder aufblicken, anerkennen, bewundern, verehren zu dürfen. Bücher wie dieses scheinen mir darauf aus zu sein, uns diese Möglichkeit zu nehmen. 

nom de guerre

18. Juni 2026 22:19

@ Kriemhild So etwas ähnliches habe ich auch gedacht. Ich habe zwar nicht gerade das Bedürfnis, zu Ernst Jünger aufzublicken, aber dieses Buch möchte ich wirklich nicht lesen.
Ps an die Autorin: der Satz über den nach Knoblauch gestunken habenden Jünger wird mir jetzt tagelang nicht mehr aus dem Kopf gehen...

RMH

18. Juni 2026 22:35

Zu einem Paartanz gehören immer 2. Alles, was die Dame niedergeschrieben hat, ging erst einmal durch ihre eigenen Reflexionen & Illusionen, denn es ist eines der Themen der Literatur, ob Empfinden durch schriftliche Worte zutreffend aufgezeichnet werden kann oder nicht. Das führt dann auch zu solchen Techniken bzw. Stilmittel wie stream of consciousness etc., mit dem man gewisse Filter überlisten will. Mit anderen Worten, wir können in den subjektiven Aufzeichnungen der Autorin nur einen Teil des Tanzes und auch nur in einer künstlerischen Form nachvollziehen. Ein Tanz, der mich persönlich jetzt nicht so sehr interessiert. Von Jüngers eigenem Œuvre liegt noch zu viel ungelesen in meinen Bücherschränken & es ist ja gerade das Gesamtwerk, was aus Jünger einen solch interessanten Autor macht. Was bemerkenswert daran ist, dass sich ein sonst als Beobachter inszenierender Autor auf solche Tänze eingelassen hat und diese offenbar nicht richtig & rechtzeitig zu Ende getanzt hat. Auch ein Kriegsheld, Autor, Entomologe und Langleber ist nur ein Mensch mit Höhen und Tiefen.

Laurenz

18. Juni 2026 22:36

@EK ... mit weiblichem Verhalten transportierte ich Jünger in die heutige Frauenwelt. die meint, ihr stünde alles zu. Ansonsten ist Ihr Einwand natürlich berechtigt, Mit Problem meinte ich profan Ihr Mitfiebern ob des Schicksals Banines. Wer mitfiebert ist beteiligt, was hier ein weibliches Problem darstellt. Nämlich das Scheitern Banines. So scheitern heute 80% der jungen Frauen.

Majestyk

19. Juni 2026 00:57

@ Laurenz:
"Promiskuitive Frauen, wie Umm-El-Banine Assadoulaeff, besitzen eben einen geringeren Wert als Frauen, die sparsamer im Männerkonsum sind."
Sagt, wer aus welcher Perspektive? Im Sinne der fruchtbaren Vermehrung könnte auch Promiskuität eine Berechtigung haben. Letzten Endes ist das doch alles eine Frage der Definition. Erzählen Sie mir nicht, daß Sie in wilderen Jahren nicht auch die etwas weniger zugeknöpften Frauen genossen haben. Warum dies abwerten? Das Leben ist ein langer Weg, mancher geht den schnurgerade, andere nehmen Umwege. So kritisch ich ja manche Zeitgeistverrenkungen sehe, Puritanismus reloaded hilft auch nicht weiter. Wenn ich die Wahl habe zwischen Frauen, die Männer wegen deren Männlichkeit lieben und lila Hypokrit*Innen, die Männerhaß verbreiten, weiß ich wem meine Sympathien gelten.
 

Laurenz

19. Juni 2026 08:02

@Majestyk @L. ... weniger zugeknöpfte Frauen ... gewiß, gewiß, Majestyk. Aber diese Frauen heiratet niemand, oder geht mit ihnen eine echte Beziehung ein, außer Trottel. (Beta-/Gamma-Männer wollen auch keine Ersatz-Männer für ausgemusterte alte Schachteln ab 30 sein.) Männer sind beschäftigt & brauchen daher verläßliche Frauen. Denn, der ökonomische Aufwand von Männern ist für Kuckuckseier zu groß. Den intellektuellen Austausch per Post, konnte Jünger mit jedem an Korrespondenz interessierten Zeitgenossen haben. Das Patriarchat war sozial gerecht, es wies quasi in jungen Jahren, jedem 4/10-Mann eine 4/10-Frau zu. Jetzt leben wir in einem Mischsystem, das nicht funktioniert. Ich unterstelle, Jünger war ein Alpha-Mann, 9 oder 10/10. Jünger konnte sich, wie heute Alpha-Männer auch, alle Frauen von 1-10/10 genießen, aber Er heiratete eben nicht Banine, als 3/10. Da Jünger sich eingehend mit Michelangelo beschäftigt hatte, konnte Jünger, genau, wie ich auch, den Unterschied im durch Promiskuität verbrauchten Gesicht & an der verbrauchten Gestalt Banines im Vergleich zu seinen Favoritinnen festmachen, die Jünger heiratete oder Banine vorzog. Deswegen schrieb ich ja, ein Mehrehe-System, also das Matriarchat würde hier Abhilfe schaffen, weil Jünger dann mehr als eine Frau hätte heiraten dürfen/können. Die Beta- & Gamma-Männer ziehen in einem Matriarchat dann wieder los & rauben wieder Frauen im Ausland/Nachbargemeinde, wie eben vor der Seßhaftigkeit.

RMH

19. Juni 2026 08:06

1, Wenn man sich nur den Wikiblödia Eintrag zu "Banine" und ein paar weitere Suchmaschinen-Treffer durchliest, findet man eine Figur, die quasi ein Musterexemplar zumr Durchexerzieren des Schema F reaktionärer, rechter und rechts-antikapitalistischer Moderne-Kritik darstellt. Mädchen aus traditioneller, aserbaidschanischer Kultur, deren Familie durch den kapitalistischen Öl-Boom schwer reich wurde, archaisch dennoch das Mädchen schon mit 15 verheirateten, gerät im Strudel des Untergangs des alten Russlands in einer der Brutkammern der Moderne und décadence, nach Frankreich, Paris und dort nicht ans Fließband einer Produktion, sondern, so viel Vermögen scheint noch dazu sein, in die Boheme, die Modebranche, in Zirkel von Exil-Lieteraten etc. Rechte Kapitalismuskritiker mögen hier bereits eine starke Form von Wohlstandsverwahrlosung, Entwurzelung durch Kapitalismus, dadurch induziertem Krieg und Revolutionen sehen. Wäre sie doch nur irgendein Mädchen in der aserbaidschanischen Provinz gewesen. Hätte man in Aserbaidschan doch nie Öl gefunden, etc.

RMH

19. Juni 2026 08:07

2. Auf der anderen Seite dann E. Jünger, auch eher ein verträumter Schüler mit schlechten Noten, der vor dem Eigenen, der preußischen Zucht der Schule, des vorbestimmten Lebenswegs flieht, ausgerechnet in die Fremdenlegion nach Nordafrika. Dann der große Krieg, der es ermöglicht, dass solche "Flausen" mit einem mal egal sind, hier überlebt der, der nicht durchdreht & sich anpasst. Der kalte Beobachter-Stil Jüngers deutet zum einen darauf hin, dass er damit die Traumata des Krieges bewältigte (nur keine Hysterie!) und sein faktischer Erfolg als Kriegsheld, das beschreiben des eigenen Tötens, deuten auf eine psychopathische Ader hin, die durch den schnellen Ruhm der Nachkriegszeit einen narzisstischen Aspekt in Jünger verstärkt haben mag. Auch er herausgerissen aus der ursprünglichen "Bestimmung", durch eine Mühle gegangen, findet sich in einer Moderne wieder, die er durch distanzierte Beschreibungen, durch künstlerische Tätigkeit, bewältigt. In Summe als ein "perfect match" zwischen den beiden, welches seine energetische Spannung vor allem dadurch hatte, das es wohl nie offen gelebten Alltag zwischen den beiden gab, sondern immer nur geheimnisvoller Tanz. Jünger, als dem Rausch Zugeneigter, hat sich dieses "Opium" nicht durch den schnöden Alltag vermiesen lassen. Banine empfand in der Seelenqual offenbar auch Lust. Ist das dann Missbrauch? Unerwachsen, egoistisch allemal. Von beiden Seiten.

Monika

19. Juni 2026 08:29

@ Kriemhild , die "Möglichkeit, wieder anerkennen und bewundern zu können"
Ich denke, das ist ein Privileg der Jugend. Spätestens, als mir in jungen Jahren die Tagebücher von Sofia Tolstoi in der Bibliothek der Hoechst AG ( eine super sortierte Bibliothek) in die Hände fielen, war ich völlig enttäuscht von dem großen Schriftsteller. Das ging mir noch bei weiteren Großen der Weltliteratur so  ( Hermann Hesse/ Rilke u.a. ) Schon lange trenne ich zwischen dem Werk und dem Verfasser. Frauen, die sich aus Bewunderung für das Werk eines Künstlers in diesen verlieben, haben oft kein beneidenswertes Leben. ( siehe auch Picasso und die Frauen). Man muß als "sensible" Frau schon sehr stark sein, dem Sog dieser Narzissten zu widerstehen. Da gibt es auch einige Beispiele. (Lou Salome u.a.) 

Umlautkombinat

19. Juni 2026 09:13

Manchmal glaube ich hier unter pubertierenden Pfadfindern zu sein. Alpha, Beta, Omega ... ich fasse mir immer an den Kopf, aber ist ja nicht nur hier so. Irgendjemand der Meinung, dass man nicht Mitglied einer Buchstabenreihe ist?
 
Und Laurenz "alte Schachteln jenseits der Dreissig". Also bitte. Als ich Anfang 20 war, war alles bis 16 runter interessant. Mit 30 musste es aber schon deutlich ueber 20 sein, mit 40 Anfang bis Mitte Dreissig. Wenn dann eine 20-jaehrige den Mund aufgemacht hat, war es das spaetestens  i.a.R. mit der Anziehungskraft. So waechst das mit. Die Dreissig bis 35 halte ich uebrigens fuer eine Art Optimum. Aber nur eine Art, ich bin auch dort nicht mehr mit meinen Vorlieben.
 
Ich sage immer, ich habe zunehmend alles gehabt was ich wollte. Keine Angeberei, das wesentliche Wort ist das Letzte. Man lernt naemlich - wenn man dazu in der Lage ist - was man eigentlich will und waehlt entschieden passgenauer aus. Und bei einer Paarbeziehung heisst das, dass man besser gelernt hat, was der Gegenueber eigentlich darstellt. Wenn er mich anzieht, ziehe ich ihn an und ich weiss dann auch, warum. Ich will irgendwann gar nichts mehr, was inkompatibel mit mir ist.
 
Hohe Stimmen uebrigens: Aus dem Grund kann ich Kaiser und einigen "rechten Influencern" keine Minute zuhoeren.

Monika

19. Juni 2026 09:18

@ L&Co Mit Ihrem "Alles Schlampen außer Mutti" Komplex sind Sie in der Bert-Hellinger Familienaufstellung wohl nicht vorangekommen? Frau Kositza, ich bewundere Ihre Geduld. Hauen Sie doch mal auf den Tisch! Was sollen Ihre Töchter denn denken  ? 🤔 Wenn's denn so misogyn wird, erlaube ich mir einen  Konter. Zumindest im Hinblick auf seine Körpergröße war Jünger kein Alpha-Mann. Und die Frauen, die er geheiratet hat, waren äußerlich auch keine 10/10 Frauen. Tolstoi etwa hatte eine sehr verlässliche und deutlich jüngere Frau, wie so viele "Mackertypen". Ohne solche Frauen hätten diese Männer keinen Ruhm erlangt. Am Schluss wollen diese "Genies" Zuarbeiterinnen, keinen geistigen Widerpart. Weshalb "geniale" Frauen ein "Zimmer für sich allein" brauchen. Wenigstens das sei ihnen gegönnt.