Kritik der Woche (83): Liebe ist Dir verboten

„Fans“ halten in ihrer privaten Bibliothek hundert Schriften von, mit und zu Ernst Jünger vor. Er (1895- 1998) gilt zurecht als einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Jün­ger wur­de als „Natio­na­list“ geh­aßt wie geliebt (sein In Stahl­ge­wit­tern, 1920 erschie­nen, wur­de allein bis 1960 etwa 250 000 Mal ver­kauft), dann von der spä­te­ren BRD umarmt und mit Medail­len behängt. Jün­gers „kal­ter Blick“ auf den Krieg, zumal auf den ers­ten, gilt als emble­ma­tisch. Sei­ne Wen­dung zum Pazi­fis­ten hat­te er ästhe­tisch gekonnt gerahmt. Frag­los ist Jün­ger ein Meis­ter der Wor­te. Kei­ne Sach­la­ge, die sich nicht so ver­brä­men lie­ße, daß es irgend­wie paßt.

Nun ist ein Buch einer sei­ner Gelieb­ten erschie­nen, das es in sich hat. Bani­ne, eigent­lich Umm-el-Bani­ne-Assa­doulaeff (*1905), war Jün­ger kom­plett ver­fal­len und blieb es bis an ihr Lebens­en­de. Sie wur­de in Aser­bai­dschan gebo­ren und leb­te ab 1924 in Paris. Jün­ger begeg­ne­te sie erst­mals 1942 als Besatzungssoldat.

In Jün­ger ver­lieb­te ich mich, noch bevor ich ihm in Fleisch und Blut begeg­ne­te. Von Anfang an fas­zi­nier­te mich mich J.‘s Foto, das die ers­te Aus­ga­be der Stahl­ge­wit­ter ziert.

Sie, die doch eine Public Intellec­tu­al, also eine hoch­klas­si­ge Gesprächs­part­ne­rin, Über­set­ze­rin und Freun­din der Geis­tes­welt die­ser Jahr­zehn­te war, ver­fiel Jün­ger auf Gedeih und Verderb.

Was für eine kras­se, inten­si­ve, mit­rei­ßen­de, viel­sa­gen­de Lek­tü­re! Bani­ne hat­te drei Bücher (alle­samt nicht auf Deutsch erhält­lich) über Jün­ger ver­faßt: 1952, 1971, 1989. Alex­an­der Psche­ra als Her­aus­ge­ber die­ses Zeug­nis­ses hier nun führt auf fünf­und­zwan­zig Sei­ten kun­dig ein in das nun vor­lie­gen­de Ach­ter­bahn­erleb­nis. Die­ses Vor­wort ist dabei so gold­wert wie streitbar.

Vie­les dar­an mag man als „kru­de“ bezeich­nen. Psche­ra will das Ver­hal­tens Jün­gers Bani­ne gegen­über nicht als „männ­li­ches Herr­schafts­ge­bah­ren“ [sic] lesen; er will es aus­drück­lich nicht als „Früh­form der MeToo-Affä­re“ lesen. Nun ja! Es ist klar ein Zeug­nis der Mani­pu­la­ti­on, wobei – es gehö­ren immer zwei dazu – sich Bani­ne defi­ni­tiv hat mani­pu­lie­ren las­sen. Die­ses Buch hat das Zeug, zu einem Klas­si­ker der (ankla­gen­den) Frau­en­li­te­ra­tur zu werden.

Man liest das alles unter Schmer­zen, doch neu­gie­rig blät­tert man wei­ter. Bani­ne lei­det Höl­len­qua­len, will sich das Leben neh­men. Jün­ger hält sie hin. Als sie auf sie­ben Brie­fe in Fol­ge nicht ant­wor­tet (dies nur als Bei­spiel für den hier wirk­sa­men Mecha­nis­mus), schickt er ihr ein Medail­lon mit einem vier­blätt­ri­gen Klee­blatt: „Für Bani­ne. 17.6. 51. L‘ Effendi“.

Ja, Jün­ger ließ sich „im Spiel“ als Effen­di anspre­chen und koket­tier­te mit der Mög­lich­keit einer Mehre­he, pries mehr­fach Allah. Bani­ne (die 1956 zum Katho­li­zis­mus kon­ver­tier­te) ist über Jah­re, nein Jahr­zehn­te lie­bes­wund. „Mei­ne Hys­te­rie nimmt zu“, schreibt sie 1952.

Ich wein­te auf offe­ner Stra­ße. Nein, die­se quä­len­de Lie­bes­ge­schich­te bringt mich nicht um; das wäre bes­ser. Sie stößt mir ihre Mist­ga­beln ins Herz.

Wir lesen das sei­ten­lang: Die­se unge­heu­re, abgöt­ti­sche, auf­op­fe­rungs­wil­li­ge Lie­be zu Jün­ger! Dabei hat Jün­ger nicht nur eine Ehe­frau („Matro­ne“, auto­ri­tär, tugend­haft; „ich has­se sie“, schreibt Bani­ne) son­dern auch bereits eine fes­te Gelieb­te in Paris, die Ärz­tin Sophie Ravoux.

Bani­ne ätzt: wie „pum­me­lig“, wie sehr „Typ Dienst­mäd­chen“, „vul­gär und dumm“ Ravoux sei! „Ich has­se sie, weil Sie sie lie­ben.“ Bani­ne war defi­ni­tiv lie­bes­krank. Als Jün­ger nach dem Tod sei­ner ers­ten Frau (1960) recht rasch die patent-bie­de­re Archi­va­rin Lise­lot­te Loh­rer (1917–2010) ehe­lich­te, bedeu­te­te das einen erneu­ten Zusammenbruch.

Psche­ra hat Bani­nes Noti­zen (sie woll­te, daß sie unter dem abso­lu­tis­ti­schen Titel „Eine Lie­be wie mei­ne“ erschei­nen soll­ten) vor­treff­lich mit Fuß­no­ten ergänzt und das Wag­nis unter­nom­men, die­sen (halb hand­schrift­li­chen, viel­fach durch­ge­stri­che­nen) Noti­zen bis 1953 Exzerp­te aus Bani­nes Tage­buch­ein­trä­gen, die Jün­ger betref­fen, hin­zu­zu­fü­gen – bis anno 1991, also bis kurz vor ihrem Tod.

Selbst­kri­tisch fragt Psche­ra, „geht uns das wirk­lich was an? Soll­ten die­se Auf­zeich­nun­gen nicht bes­ser unver­öf­fent­licht blei­ben?“ Er steht nicht an, den „Gos­sip-Cha­rak­ter“ die­ser Schrift zu verleugnen.

Ja: Wir haben hier einen Ernst Jün­ger, ver­hei­ra­tet und zwei­fa­cher Vater (bei­de Söh­ne wird er über­le­ben) der sich zer­zaust und mit „schlecht sit­zen­den Shorts“ von einer selbst­er­nann­ten „Skla­vin“ die Füße krau­len läßt: „Sie stan­ken nach Knob­lauch, Sie lie­ßen sich gehen“, schreibt sei­ne Freun­din, die zwi­schen per­sön­li­cher Anre­de und distan­zier­te­rem “er” wech­selt. Bani­ne, die zeit­le­bens eine gesuch­te Inter­view­part­ne­rin war und eine Frau mit Stil, ent­blößt sich hier dut­zend­fach. Sie berich­tet von ihrem „Harn­drang“, wenn sie auf den Gelieb­ten, Begehr­ten trifft. Pein­lich betrof­fen lei­det man lesend den­noch mit.

Es sind dies Herz­aus­schüt­tun­gen einer Art, die ziem­lich unüb­lich für das mitt­le­re 20. Jahr­hun­dert sind. Tabu­los, mark­erschüt­ternd – heu­te wür­de man die­se Bezie­hung als „toxisch“ erklä­ren. Die Ent­blö­ßun­gen betref­fen aller­dings auch sei­ne, Jün­gers, Regun­gen. Man kann steif, erha­ben und offi­ziers­mä­ßig sein, und dann geht es den­noch (sexu­ell) durch mit einem: plötz­li­ches Duzen, wenn Brunft ange­zeigt ist: „das stößt mich ab.“ Es ist ein Stoff für’s Thea­ter. Und nichts, was einem Jün­ger sym­pa­thisch macht.

Bani­ne: Lie­be ist Dir ver­bo­ten. Ernst Jün­ger und ich, Ber­lin 2026, 304 Sei­ten, 26 € – hier bestellen

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (40)

Monika

18. Juni 2026 21:13

Muß man das veröffentlichen? Ich finde das peinlich bis lächerlich. Berühmte Schriftsteller oder Künstler oder Professoren wurden immer von Frauen umgarnt. Ein besonderes Exemplar der Jägerinnen war Luise Rinser, die ebenfalls ein Auge auf Ernst Jünger geworfen hatte. Als sie in traf, war sie ernüchtert: "Er (Jünger) war klein, hatte eine hohe Stimme und sah nach nichts aus".
https://www.welt.de/print/wams/kultur/article13313744/Luise-und-die-starken-Maenner.html

Ein gebuertiger Hesse

18. Juni 2026 21:30

Es sind doch genau solche "Gossip"-Enthüllungs-Schriften, nach denen sich "der Fan" sehnt. Die Kenntniss um das obskure Objekt der Begierde, hier Jünger, wird dadurch enorm geweitet. Schmutzige Wäsche von früher ist gesund für die Nachwelt! Gut, daß so ein Buch herausgebracht worden ist.
"Ich weinte auf offener Straße. Nein, diese quälende Liebesgeschichte bringt mich nicht um; das wäre besser. Sie stößt mir ihre Mistgabeln ins Herz."
Abgründig in diesem Zitat ist das Semikolon. 

Laurenz

18. Juni 2026 21:41

Till Kinzel hatte in der JF eine etwas ausführlichere Rezension gebracht. Ich weiß gar nicht, wo das Problem ist? Nur, weil Jünger das übliche & typische Verhalten von Frauen an den Tag legte, ist Er zu kritisieren? Jünger war im Grunde fast ein früher Feminist & hatte eben von der holden Weiblichkeit gelernt. Frauen sollten sich entscheiden. Promiskuitive Frauen, wie Umm-El-Banine Assadoulaeff, besitzen eben einen geringeren Wert als Frauen, die sparsamer im Männerkonsum sind. Jünger bestätigt das mit der Reinheit als „Unberührtheit durch die Masse“. Hier folgt Jünger schlicht Michelangelo, dem größten Profi als Beobachter des menschlichen Ausdrucks. Das äußerte der schwule Michelangelo zur Jugend der Maria in Seiner Römischen Pieta: "Weißt du nicht, daß keusche Frauen sich viel frischer erhalten als jene, die es nicht sind? Um wie viel mehr gilt dies für eine Jungfrau, in der sich niemals auch nur das geringste laszive Verlangen regte, das ihren Körper hätte verändern können?“ ... Wenn Frauen, wie Umm-El-Banine Assadoulaeff nicht scheitern wollen, müssen sie dafür sorgen, daß die Mehrehe wieder eingeführt wird. Dann teilt man sich den Alpha-Mann mit Frauen auf einem höheren Niveau & kriegt wenigstens ein bißchen was ab. Kommen Sie aus Ihrer weiblichen Blase raus, Frau Kositza.

Kositza: Haha, Jünger "legt weibliches Verhalten an den Tag", das ist lustig, aber nicht ganz richtig. Ich vermute, Sie wollten es anders ausdrücken, gell. Und wieso "Problem"? Ich hab gar kein Problem. Ich beschreibe doch nur. Es gibt so Triggerpunkte, bei denen Sie fast hysterisch wirken, sorry.

Kriemhild

18. Juni 2026 21:50

Was wir bitter nötig haben, ist die Möglichkeit, wieder aufblicken, anerkennen, bewundern, verehren zu dürfen. Bücher wie dieses scheinen mir darauf aus zu sein, uns diese Möglichkeit zu nehmen. 

nom de guerre

18. Juni 2026 22:19

@ Kriemhild So etwas ähnliches habe ich auch gedacht. Ich habe zwar nicht gerade das Bedürfnis, zu Ernst Jünger aufzublicken, aber dieses Buch möchte ich wirklich nicht lesen.
Ps an die Autorin: der Satz über den nach Knoblauch gestunken habenden Jünger wird mir jetzt tagelang nicht mehr aus dem Kopf gehen...

RMH

18. Juni 2026 22:35

Zu einem Paartanz gehören immer 2. Alles, was die Dame niedergeschrieben hat, ging erst einmal durch ihre eigenen Reflexionen & Illusionen, denn es ist eines der Themen der Literatur, ob Empfinden durch schriftliche Worte zutreffend aufgezeichnet werden kann oder nicht. Das führt dann auch zu solchen Techniken bzw. Stilmittel wie stream of consciousness etc., mit dem man gewisse Filter überlisten will. Mit anderen Worten, wir können in den subjektiven Aufzeichnungen der Autorin nur einen Teil des Tanzes und auch nur in einer künstlerischen Form nachvollziehen. Ein Tanz, der mich persönlich jetzt nicht so sehr interessiert. Von Jüngers eigenem Œuvre liegt noch zu viel ungelesen in meinen Bücherschränken & es ist ja gerade das Gesamtwerk, was aus Jünger einen solch interessanten Autor macht. Was bemerkenswert daran ist, dass sich ein sonst als Beobachter inszenierender Autor auf solche Tänze eingelassen hat und diese offenbar nicht richtig & rechtzeitig zu Ende getanzt hat. Auch ein Kriegsheld, Autor, Entomologe und Langleber ist nur ein Mensch mit Höhen und Tiefen.

Laurenz

18. Juni 2026 22:36

@EK ... mit weiblichem Verhalten transportierte ich Jünger in die heutige Frauenwelt. die meint, ihr stünde alles zu. Ansonsten ist Ihr Einwand natürlich berechtigt, Mit Problem meinte ich profan Ihr Mitfiebern ob des Schicksals Banines. Wer mitfiebert ist beteiligt, was hier ein weibliches Problem darstellt. Nämlich das Scheitern Banines. So scheitern heute 80% der jungen Frauen.

Majestyk

19. Juni 2026 00:57

@ Laurenz:
"Promiskuitive Frauen, wie Umm-El-Banine Assadoulaeff, besitzen eben einen geringeren Wert als Frauen, die sparsamer im Männerkonsum sind."
Sagt, wer aus welcher Perspektive? Im Sinne der fruchtbaren Vermehrung könnte auch Promiskuität eine Berechtigung haben. Letzten Endes ist das doch alles eine Frage der Definition. Erzählen Sie mir nicht, daß Sie in wilderen Jahren nicht auch die etwas weniger zugeknöpften Frauen genossen haben. Warum dies abwerten? Das Leben ist ein langer Weg, mancher geht den schnurgerade, andere nehmen Umwege. So kritisch ich ja manche Zeitgeistverrenkungen sehe, Puritanismus reloaded hilft auch nicht weiter. Wenn ich die Wahl habe zwischen Frauen, die Männer wegen deren Männlichkeit lieben und lila Hypokrit*Innen, die Männerhaß verbreiten, weiß ich wem meine Sympathien gelten.
 

Laurenz

19. Juni 2026 08:02

@Majestyk @L. ... weniger zugeknöpfte Frauen ... gewiß, gewiß, Majestyk. Aber diese Frauen heiratet niemand, oder geht mit ihnen eine echte Beziehung ein, außer Trottel. (Beta-/Gamma-Männer wollen auch keine Ersatz-Männer für ausgemusterte alte Schachteln ab 30 sein.) Männer sind beschäftigt & brauchen daher verläßliche Frauen. Denn, der ökonomische Aufwand von Männern ist für Kuckuckseier zu groß. Den intellektuellen Austausch per Post, konnte Jünger mit jedem an Korrespondenz interessierten Zeitgenossen haben. Das Patriarchat war sozial gerecht, es wies quasi in jungen Jahren, jedem 4/10-Mann eine 4/10-Frau zu. Jetzt leben wir in einem Mischsystem, das nicht funktioniert. Ich unterstelle, Jünger war ein Alpha-Mann, 9 oder 10/10. Jünger konnte sich, wie heute Alpha-Männer auch, alle Frauen von 1-10/10 genießen, aber Er heiratete eben nicht Banine, als 3/10. Da Jünger sich eingehend mit Michelangelo beschäftigt hatte, konnte Jünger, genau, wie ich auch, den Unterschied im durch Promiskuität verbrauchten Gesicht & an der verbrauchten Gestalt Banines im Vergleich zu seinen Favoritinnen festmachen, die Jünger heiratete oder Banine vorzog. Deswegen schrieb ich ja, ein Mehrehe-System, also das Matriarchat würde hier Abhilfe schaffen, weil Jünger dann mehr als eine Frau hätte heiraten dürfen/können. Die Beta- & Gamma-Männer ziehen in einem Matriarchat dann wieder los & rauben wieder Frauen im Ausland/Nachbargemeinde, wie eben vor der Seßhaftigkeit.

RMH

19. Juni 2026 08:06

1, Wenn man sich nur den Wikiblödia Eintrag zu "Banine" und ein paar weitere Suchmaschinen-Treffer durchliest, findet man eine Figur, die quasi ein Musterexemplar zumr Durchexerzieren des Schema F reaktionärer, rechter und rechts-antikapitalistischer Moderne-Kritik darstellt. Mädchen aus traditioneller, aserbaidschanischer Kultur, deren Familie durch den kapitalistischen Öl-Boom schwer reich wurde, archaisch dennoch das Mädchen schon mit 15 verheirateten, gerät im Strudel des Untergangs des alten Russlands in einer der Brutkammern der Moderne und décadence, nach Frankreich, Paris und dort nicht ans Fließband einer Produktion, sondern, so viel Vermögen scheint noch dazu sein, in die Boheme, die Modebranche, in Zirkel von Exil-Lieteraten etc. Rechte Kapitalismuskritiker mögen hier bereits eine starke Form von Wohlstandsverwahrlosung, Entwurzelung durch Kapitalismus, dadurch induziertem Krieg und Revolutionen sehen. Wäre sie doch nur irgendein Mädchen in der aserbaidschanischen Provinz gewesen. Hätte man in Aserbaidschan doch nie Öl gefunden, etc.

RMH

19. Juni 2026 08:07

2. Auf der anderen Seite dann E. Jünger, auch eher ein verträumter Schüler mit schlechten Noten, der vor dem Eigenen, der preußischen Zucht der Schule, des vorbestimmten Lebenswegs flieht, ausgerechnet in die Fremdenlegion nach Nordafrika. Dann der große Krieg, der es ermöglicht, dass solche "Flausen" mit einem mal egal sind, hier überlebt der, der nicht durchdreht & sich anpasst. Der kalte Beobachter-Stil Jüngers deutet zum einen darauf hin, dass er damit die Traumata des Krieges bewältigte (nur keine Hysterie!) und sein faktischer Erfolg als Kriegsheld, das beschreiben des eigenen Tötens, deuten auf eine psychopathische Ader hin, die durch den schnellen Ruhm der Nachkriegszeit einen narzisstischen Aspekt in Jünger verstärkt haben mag. Auch er herausgerissen aus der ursprünglichen "Bestimmung", durch eine Mühle gegangen, findet sich in einer Moderne wieder, die er durch distanzierte Beschreibungen, durch künstlerische Tätigkeit, bewältigt. In Summe als ein "perfect match" zwischen den beiden, welches seine energetische Spannung vor allem dadurch hatte, das es wohl nie offen gelebten Alltag zwischen den beiden gab, sondern immer nur geheimnisvoller Tanz. Jünger, als dem Rausch Zugeneigter, hat sich dieses "Opium" nicht durch den schnöden Alltag vermiesen lassen. Banine empfand in der Seelenqual offenbar auch Lust. Ist das dann Missbrauch? Unerwachsen, egoistisch allemal. Von beiden Seiten.

Monika

19. Juni 2026 08:29

@ Kriemhild , die "Möglichkeit, wieder anerkennen und bewundern zu können"
Ich denke, das ist ein Privileg der Jugend. Spätestens, als mir in jungen Jahren die Tagebücher von Sofia Tolstoi in der Bibliothek der Hoechst AG ( eine super sortierte Bibliothek) in die Hände fielen, war ich völlig enttäuscht von dem großen Schriftsteller. Das ging mir noch bei weiteren Großen der Weltliteratur so  ( Hermann Hesse/ Rilke u.a. ) Schon lange trenne ich zwischen dem Werk und dem Verfasser. Frauen, die sich aus Bewunderung für das Werk eines Künstlers in diesen verlieben, haben oft kein beneidenswertes Leben. ( siehe auch Picasso und die Frauen). Man muß als "sensible" Frau schon sehr stark sein, dem Sog dieser Narzissten zu widerstehen. Da gibt es auch einige Beispiele. (Lou Salome u.a.) 

Umlautkombinat

19. Juni 2026 09:13

Manchmal glaube ich hier unter pubertierenden Pfadfindern zu sein. Alpha, Beta, Omega ... ich fasse mir immer an den Kopf, aber ist ja nicht nur hier so. Irgendjemand der Meinung, dass man nicht Mitglied einer Buchstabenreihe ist?
 
Und Laurenz "alte Schachteln jenseits der Dreissig". Also bitte. Als ich Anfang 20 war, war alles bis 16 runter interessant. Mit 30 musste es aber schon deutlich ueber 20 sein, mit 40 Anfang bis Mitte Dreissig. Wenn dann eine 20-jaehrige den Mund aufgemacht hat, war es das spaetestens  i.a.R. mit der Anziehungskraft. So waechst das mit. Die Dreissig bis 35 halte ich uebrigens fuer eine Art Optimum. Aber nur eine Art, ich bin auch dort nicht mehr mit meinen Vorlieben.
 
Ich sage immer, ich habe zunehmend alles gehabt was ich wollte. Keine Angeberei, das wesentliche Wort ist das Letzte. Man lernt naemlich - wenn man dazu in der Lage ist - was man eigentlich will und waehlt entschieden passgenauer aus. Und bei einer Paarbeziehung heisst das, dass man besser gelernt hat, was der Gegenueber eigentlich darstellt. Wenn er mich anzieht, ziehe ich ihn an und ich weiss dann auch, warum. Ich will irgendwann gar nichts mehr, was inkompatibel mit mir ist.
 
Hohe Stimmen uebrigens: Aus dem Grund kann ich Kaiser und einigen "rechten Influencern" keine Minute zuhoeren.

Monika

19. Juni 2026 09:18

@ L&Co Mit Ihrem "Alles Schlampen außer Mutti" Komplex sind Sie in der Bert-Hellinger Familienaufstellung wohl nicht vorangekommen? Frau Kositza, ich bewundere Ihre Geduld. Hauen Sie doch mal auf den Tisch! Was sollen Ihre Töchter denn denken  ? 🤔 Wenn's denn so misogyn wird, erlaube ich mir einen  Konter. Zumindest im Hinblick auf seine Körpergröße war Jünger kein Alpha-Mann. Und die Frauen, die er geheiratet hat, waren äußerlich auch keine 10/10 Frauen. Tolstoi etwa hatte eine sehr verlässliche und deutlich jüngere Frau, wie so viele "Mackertypen". Ohne solche Frauen hätten diese Männer keinen Ruhm erlangt. Am Schluss wollen diese "Genies" Zuarbeiterinnen, keinen geistigen Widerpart. Weshalb "geniale" Frauen ein "Zimmer für sich allein" brauchen. Wenigstens das sei ihnen gegönnt. 

Le Chasseur

19. Juni 2026 10:07

@Umlautkombinat
Der 10/10 Alpha Mann Jeff Bezos hat bekanntlich eine "ausgemusterte alte Schachtel" (56, bereits zweimal verheiratet) zur Frau genommen. Soviel zu den Laurenzschen Theorien. ;-)

Umlautkombinat

19. Juni 2026 10:14

@Monika
 
Intellekt laeuft selten oder nie auf Dauer im Gespann. Betrifft auch reine Maenner- und Frauenkonstellationen und generell weit ueber Kunst hinaus.

Laurenz

19. Juni 2026 10:16

@Umlautkombinat ... ich nutze nur die Terminolgie des Zeitgeistes, der wesentlich jünger ist als ich.Großmütter heirateten in historischer Betrachtung, genau, wie meine Mutter, recht alt, mit 26, eine Großmutter sogar erst mit 29, weil es wegen des I. Krieges weniger Männer gab. Aber im Grunde ist das historisch nicht repräsentativ. Der Adel Europas heiratete meist mit weit unter 20.

RMH

19. Juni 2026 10:28

Nachdem ich oben so einen biografisch- küchenpsycholgischen Beitrag verfasst habe, lege ich noch einen drauf:
Irgendwie erinnern mich die beiden, also Banine und Jünger, an Figuren aus dem Roman "Wiedersehen mit Brideshead" von E. Waugh (bitte nicht den Film von 2008 ansehen! Nur Buch und der Mehrteiler von 81 sind hier tauglich). Nach den ganzen Verwirrungen einer untergehenden, europäischen Kultur, dem Ende von Adel und Bürgertum, den Fehlern, Verstrickungen, Verhängnissen und Leidenschaften, wird man oder bleibt man weiter katholisch. Das Leben wird dadurch nicht besser, aber die Seelen finden ihren Frieden. Amen.
PS: Sehe die Besprechung auch nicht als Anlass, erneut die Geschlechterdebatte durchzudeklinieren. Im Draufblick scheinen beide "abenteuerliche Herzen" und ein abenteuerliches Leben gehabt zu haben. Dass das reale Durchleben dann vermutlich deutlich weniger Zauber hatte, als das literarische Nacherleben - normal, oder?

Gracchus

19. Juni 2026 10:36

Man hätte das ja doppelbesprechen können mit dem - ebenfalls in der Friedenauer Presse erschienenen - Memoir der hier schon von Ihnen, EK, besprochenen Fröhlich über ihre anscheinend glücklichere Liason mit dem in einer Ehe feststeckenden Verleger und Religionsphilosophen Roberto Calasso. 

Gracchus

19. Juni 2026 10:45

@Monika: Laurenz redet wahrscheinlich wieder, nur verklausuliert, über (die moralfreie Zone der) Geopolitik - Länder wie Frauen: nur dazu da, erobert zu werden! Oder redet er, wenn er von Geopolitik redet, tatsächlich vom Geschlechterkampf? 
Bei Hellinger ("Ordnungen der Liebe") las ich mal, dass, wenn man miteinander schläft, man quasi eine "katholische Ehe" eingeht, also eine unauflösliche Bindung.

Gracchus

19. Juni 2026 11:00

@Monika: Sie haben wohl Theweleit, Buch der Könige, gelesen. Was hat Hesse denn in ihren Augen verbrochen?
Komisch, bei Jünger habe ich mich nie gefragt, ob ich ihn sympathisch finde. Die meisten (modernen) Autoren haben wohl einen Defekt. Heute frage ich mich kaum noch, ob ich einen Autor, dessen Werke ich bewundere, gerne in echt kennenlernen würde; spontan fielen mir einige Kandidaten ein, z. B. Schwimmen mit Kafka oder Saufen mit Joseph Roth. Tatsächlich habe ich mich zuletzt bei der Lektüre Lavants gefragt, wie sie wohl im wirklichen Leben war.  

Volksdeutscher

19. Juni 2026 12:35

Man müßte zuerst die von Ellen Kositza angesprochenen Bücher lesen, um zu verstehen, was Banine antrieb, sich so intensiv mit Jünger zu beschäftigen, nicht zuletzt, um diese formal wie inhaltlich bewerten zu können. Man kann ihr als einer eigenständigen Person außerdem nicht das Recht absprechen, über ihre Erlebnisse und Erfahrungen in einer Weise zu schreiben, die sie für angemessen erachtete. Eines scheint jetzt schon klar zu sein: Ernst Jünger war für Banine das Ereignis ihres Lebens, ein größeres hatte sie nicht und die Intensität ihrer Auseinandersetzung mit ihm käme dann wohl aus dieser Richtung. Sie scheint dabei eher dem Baudelaireschen Duktus des Mon cœur mis à nu zu folgen als der Pietät, deren Mangel unsere Idealisten, die Jünger lieber als Kriegsgott als einen irdischen Menschen sehen, befremdet. Zugegeben, diese Aspekte sind in unserer Wahrnehmung von Jünger nicht miteinander versöhnbar, aber in seiner Person doch kompatibel. Im Übrigen: Weise Mütter sagten früher zu ihren Töchtern: Halte dich rar! Für Männchen und Weibchen gelten unterschiedliche "Gesetze" sowohl in der Natur als auch in der Gesellschaft. Das Geschwafel von Misogynität kommt immer dann, aber immer zu spät, wenn alte und fast vergessene (weil von Feministen unterdrückte) Wahrheiten mal wieder ausgesprochen werden mußten.

ede

19. Juni 2026 13:36

Wenn die Banine schreiben kann, warum nicht so ein Buch lesen. Für mich wäre es nichts. 
Ich nehme an, jeder Mann kommt im Laufe seines Lebens mit solchen Frauen in Berührung. Insbesondere wenn er Spätentwickler ist so gut wie sicher.
Bei mir stellte sich sofortige Beißhemmung ein, wie gegenüber Minderjährigen oder Verwandten. Mitleid ist tödlich für Sexualität.
Zwar weiß ich selbstverständlich nicht wie Frauen denken, bin aber  sicher das es denen genauso geht. Keine will einen Dackel, auch nicht wenn er Geld hat. 

Monika

19. Juni 2026 14:01

@ Umlautkombinat ;  "Intellekt läuft selten oder nie auf Dauer im Gespann". Das ist der beste Kommentar heute. Denn: Es stimmt. Allerdings bin ich noch nicht darauf gekommen, warum das so ist. 🤔Jetzt bitte keine psychologischen Erklärungen. Ich nehme es einfach zur Kenntnis. @ Gracchus / Kein Schriftsteller hat in meinen Augen was verbrochen. Es gehören immer zwei dazu. Habe mal gelesen, Hermann Hesse soll seine ehelichen Pflichten ( 1. Frau) noch Terminkalender hinter sich gebracht haben, bei der zweiten Frau garnicht, bei der dritten , keine Ahnung. Ich war natürlich nicht dabei, aber sehr männlich kommt Hermann Hesse nicht rüber. Ganz abtörnend finde ich auch Paul Coelho, für den viele einsame, intellektuelle Frauen schwärmen. Er nutzt genau diese Bedürftigkeit aus. Na ja, meine gute, literarisch gebildete Freundin, mit der ich über solchen Tratsch stundenlang reden  konnte, lebt leider nicht mehr. Sie hatte diesbezüglich grandioses Wissen.
 

Boreas

19. Juni 2026 14:28

@Gracchus Wein trinken mit Jünger, Bier saufen mit Benn, und querbeet ballern "wegen der Wolluscht!" mit v. Salomon. Das wäre der Gipfel des konservativen Rausches.
Zum Thema selbst: von Frauen geschrieben, mag ich solche Selbstentblößungen, von Männern eher nicht.

Hesperiolus

19. Juni 2026 14:44

Wieweit Banine nun etwa verlebter als Perpetua oder das Stierlein aussah, eine absurde und hässliche Abmessung, erschließt sich mir anhand zugänglicher Fotografien überhaupt nicht, eleganter doch wohl; sicher von den dreien die interessanteste Frau. Irgendwo schreibt Jünger aber von der physiognomischen „Versengung“ durch verschmähte Liebe. Der "volksdeutsche" Beitrag diesmal erfreulich gegenüber dem sexualethologischen Pareto-Quatsch von Alphas und Betas, welcher bei Jünger, vorstellbar, ein abfällig keckerndes, sehr niedersächsisches Lachen hervorgerufen hätte. Zu  Intellekt laeuft selten oder nie auf Dauer im Gespann fällt mir der Tagebucheintrag aus den Strahlungen zum 21. November 1941 ein („Bei klugen Frauen…die Konstanz der Art gesichert wird“ usw.). Zur Erotica juengeriana besonders auch „Aus dem Guckkasten“ (Abenteuerliches Herz, 2. Fassung). - Dem interlinearen Jünger Leser dies alles nichts Unvorstellbares, Desympathiesierendes. „Peinlich betroffen“ -? Aber, EK schreibt doch nicht für Chrismon; warum denn? - Eine Libation auf Banine!
 

ofeliaa

19. Juni 2026 16:03

Als Frau verliebt man sich sehr leicht in die Durchgeknallten, Harten und Psychopathen, die nämlich allem so völlig angstfrei entgegen zu blicken scheinen wie sonst keiner und vor allem nicht, wie als Frau selbst. Als Frau wurde man darauf trainiert, Angst vor gesellschaftlicher Ächtung zu haben. Man verliebt sich als Frau in die, die mit blutiger Fratze nochmals in den Moshpit steigen. Es gibt keine Frau, der das noch nie passiert ist. Meistens lernt man daraus - aber das Grundprinzip bleibt gleich. Wenn jemand eine in irgendeiner Weise geartete Intensität oder gar Extremität aufweist, und sei es nur intensive Stoik, dann wirkt dies immer anziehend. Der Mensch will instinktiv von solchen Menschen lernen und schaut deswegen genauer hin, regelrecht bis zur Obsession. Mit Hitler war es dasselbe. Er war so anders, hat Dinge so klar ausgesprochen, dass die Massen, Kinder wie Erwachsene, ihm in Scharen verfielen. Man wollte unbedingt wissen, wer ist das, wie denkt er, wohin wird er uns führen.

Laurenz

19. Juni 2026 17:39

@Gracchus @Monika ... brauch die Debatte gar nicht mehr. Bin da raus. Aber es ist ein wichtiges gesellschaftlichs Thema. Mir ist es auch egal, in was für einem System wir leben. Die Mehrheit soll entscheiden, von mir auch auch das Matriarchat mit Mehrehe. Hauptsache der Laden läuft irgendwie. Denn, viel entscheidender für die Systematik zwischen Mann & Frau ist nicht Bert Hellinger, sondern Karl Grammer (*1950, "Signale der Liebe", da bleibt kein Auge trocken... können Sie sicherlich bei Antaios bestellen), der sich an den realen evolutionären Verhaltensmustern orientiert. Bei Ernst Jünger habe ich noch mal explizit nachgelesen. Banine kam nicht einmal für ein kurzes Techtelmechtel in Frage, es gab einzig eine Platonische Korrespondenz. Also lag ich mit dem femininen Zug Jüngers gar nicht so falsch. Jünger konnte schlicht unter vielen wählen.

Laurenz

19. Juni 2026 17:52

@Hesperiolus ... es ist interessant, wie Sie den Prädator Mensch, Dank ein paar Klugscheißern, über seinen Status als Säugetier mit einer gewissen Intelligenz emporheben wollen. Rabenvögel, Krähen besitzen eine Intelligenz von 6jährigen Menschen & bestehen locker den Spiegeltest, etwa auf dem Niveau der meisten Primaten. ... @Ofeliaa ... das haben Sie gar nicht schlecht beschrieben. Intensitäten wandeln sich aber meist aus dem Unbekannten ins Bekannte. Damit geht auf Dauer dieser Faktor, das Reizsujet meist flöten.

Ein gebuertiger Hesse

19. Juni 2026 18:00

@ofeliaa
Einer Ihrer besten Kommentare hier. "Der Mensch will instinktiv von solchen Menschen lernen ..." - können Sie das weiter ausführen?

Kositza: Fand den Kommentar auch klasse.

Ein gebuertiger Hesse

19. Juni 2026 18:11

Eine Frage an die Jüngerianer ... Irgendwo in "Siebzig verweht" muß es eine Stelle geben, wo er auf den "ewigen Zug-Alptraum" zu sprechen kommt ... Der Zug hält Station, du wartest, gehst draußen ganz kurz noch eine rauchen und Zack - fährt der Zug davon mit all deinen Koffern usw. Und Jünger stellt sich die fantastische Frage, wie dieser Alptraum - verstanden als etwas Generisches - wohl ausgesehen haben mag BEVOR ES ZÜGE GAB. Ein Freund hatte mir diese Stelle mal referiert, ich habe sie nie gefunden. Weiß jemand, wo sie steht?

Diogenes

19. Juni 2026 20:32

Eine Ausnahme des Filmschauspiels: "28 Years Later: The Bone Temple". Beim Zusammentreffe mit dem zuvor "erlogenen" Dia-bolischen, und das "Besänftigen" dessen im Nachspiel.
 
Interessant, immer die Frage, die auch schon Ellen stellt: Was ist der Hintergrund der Protagonisten/Handlungsteilnemer? Warum das bewegen, schaffen, denken - woraus?! Ihr (der Beobachter deutscher Abstammung und der Neubürger fremder Abstammung (sog.  unter uns, lebendes Fremdvolk) seit es, die Handlungen prägt, duruch Sein und Nichtsein) seit Auslassen und Eingriff in Prägung oberster Sinnesverwirrung. Erinnerung kommt durch Tat. Ein Beispiel geben.
 
Ganz  Hollwood(ge)=mäß, warum nicht wie in "Terminator" einfach alles nach Zielvorgabe ausmerzen.
 
Was war die Fragestellug? Was um diese zu erreichen? Was sind die Fragen, welche uns im "Hamsterrad" laufen lassen? 

FraAimerich

19. Juni 2026 22:28

@Ein gebürtiger Hesse  -  Bin kein wirklicher Jüngerianer, glaube aber, mich an diverse Verlust-/Bahnhofs- und "Lebensgepäck"-Träume zum Auftakt des 2. Bands zu erinnern. Kann leider nicht nachsehen, da schon vor längerem verschenkt.

links ist wo der daumen rechts ist

19. Juni 2026 22:33

Auch daran erkennt man, dass Benn der bei weitem bessere Dichter war.

Laurenz

19. Juni 2026 23:40

@Ein gebürtiger Hesse ... Habe keine Ahung, wo Jünger Ihren abfahrenden Zug verarbeitet hat & schlicht Ihren Satz kopiert, in die Google-KI eingegeben. Die Antwort der KI: "Das abenteuerliche Herz. Aufzeichnungen bei Tag und Nacht". Genauer gesagt findet sich diese Passage in der zweiten Fassung von 1938 (oft auch als Blaues Buch bezeichnet). Dieses Buch ist Jüngers Hauptwerk der sogenannten magischen Moderne und des Surrealismus.

ede

20. Juni 2026 01:11

@Ofelia, ja, aber will man da wirklich lernen? Was denn? Ist es nicht so, daß man Besitz ergreifen will, Kinder haben von diesem, vielleicht, unsterblichen gefährlichen Tier?
Es sozusagen durch Betäubung zähmen und domestizieren, abhängig machen vom süßen Gift, damit es sich auch um die Brut kümmern tut?
Und etwas weniger riskant lebt?
Wenn alles gut läuft gelingt es glücklicherweise niemals gänzlich. 

anatol broder

20. Juni 2026 02:42

aus der möve (1895) von anton tschechov:
mascha. ich erzähle ihnen all das, weil sie ein schriftsteller sind. können gebrauch davon machen. ich sage ihnen in vollem ernst: wenn er sich gefährlich verwundet hätte, nicht eine minute hätte ich länger leben wollen. immerhin bin ich tapfer. somit habe ich den entschluss gefasst: ich werde diese liebe aus meinem herzen herausreissen, mit der wurzel herausreissen.
trigorin. auf welche weise?
mascha. ich werde heiraten. medvedenko.
trigorin. das ist doch der lehrer?
mascha. ja.
trigorin. ich begreife nicht, wozu?
mascha. hoffnungslos lieben, ganze jahre lang immerzu auf etwas warten. wenn ich aber erst geheiratet haben werde, wird es nicht immer um liebe gehen, dann werden neue sorgen alles alte betäuben. und ausserdem, wissen sie, die veränderungen. wollen wir nicht noch einen heben?
trigorin. wird es nicht zuviel werden?
mascha. was sie sagen! (giesst zwei schnapsgläser voll.) sehen sie mich nicht so an. frauen trinken häufiger, als sie annehmen. die wenigsten trinken offen wie ich, die mehrzahl tut es insgeheim. jawohl. und immer wodka oder kognak. (stösst an.) ich wünsche ihnen was! sie sind ein einfacher mensch, schade, sich von ihnen zu trennen. (sie trinken.)

anatol broder

20. Juni 2026 03:37

mehr aus der möwe :
arkadina. (wiegt sich in den hüften und schreitet über den krocketplatz.) da seht her – wie ein junges küken. ich könnte gleich ein fünzehnjähriges mädel spielen.
dorn. nun ja, trotzdem werde ich weiterlesen. (nimmt das buch auf.) wir blieben stehen beim mehlhändler und den ratten.
arkadina. und den ratten. lesen sie nur. (setzt sich.) im übrigen geben sie mir das buch, ich werde lesen. die reihe ist an mir. (nimmt das buch und sucht mit den augen.) und den ratten. da ist es. (liest laut.) «und so ist es für die menschen der gesellschaft natürlich genauso gefährlich, romanschriftsteller zu verwöhnen und sie heranzuziehen, wie für den mehlhändler, ratten in seinen gewölben aufzuziehen. und dabei liebt man sie. mithin, wenn eine frau einen schriftsteller erwählt hat, den sie gefangennehmen will, dann belagert sie ihn durch komplimente, liebenswürdigkeiten und entgegenkommen.» na ja, das kann vielleicht bei den franzosen zutreffen, bei uns jedoch gibt es nichts dergleichen, keinerlei derartige programme. meist ist bei uns eine frau, die einen schriftsteller gefangennehmen will, selber bereits rettungslos in ihn verliebt, gestatten sie mal. man braucht nicht weit zu suchen, nehmen sie nur mich und trigorin.

RMH

20. Juni 2026 08:09

"Auch daran erkennt man, dass Benn der bei weitem bessere Dichter war."
Wo findet man Gedichte von Ernst Jünger?
 

Ein gebuertiger Hesse

20. Juni 2026 10:55

@ FraAimerich und Laurenz
Danke für Ihre Hilfe! Auf die Idee, die KI zu bemühen wäre ich gar nicht gekommen. Die 2. Fassung des "Abenteuerlichen Herzens" habe ich immer gemieden. Steht diese eine Stelle mit dem Zug tatsächlich da drin? Finde ich kaum vorstellbar. Der Gefühls-Sound des Buchs (und SO sehr können die zwei Fassungen nicht differieren) ist mit der Zug-Verlust-Traum-Geschichte eigentlich nicht kompatibel. Werde nächste Woche mal wieder in die Bibliothek wandern und nach der Stelle suchen.

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