Erfurt – Routine auf einer Insel

Man erhält am Abend zuvor eine Mail und soll sich einfinden. Man steht in der Nacht auf, um pünktlich zu sein. Man fährt durch stille Dörfer, die Kleinstadt, die Tankstelle hat nicht geöffnet, man hat nichts mehr zu rauchen. Man erreicht die Autobahn über den Zubringer. Man überholt einen Bus und noch zwei. Man fährt den Rastplatz Muldental an, um Zigarillos zu kaufen. Es ist halb vier. Aus drei Bussen mit Dresdner Kennzeichen quillt Antifa. Man kauft nichts, sondern beschleunigt wieder und fährt weiter. Man überholt den einen Bus erneut.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek leitet den Verlag Antaios

Man hört Nach­rich­ten: Ver­mu­tung, Pro­gno­se. Man fährt über den Pfusch auf der A71, Fahr­bahn­ris­se, Boden­wel­len, Fisch­grä­ten­frä­sung, Tun­nel­sa­nie­rung. Man sieht auf den Brü­cken Mann­schafts­wa­gen. Man nimmt die Aus­fahrt – die Zuwe­gung gesi­chert an jedem kleins­ten Stich, natür­lich kein Blau­licht, natür­lich abge­blen­det, die Bus­se aus Leip­zig und Dres­den sol­len wei­ter­rol­len und nicht auf den Trich­ter kommen.

Man fährt auf einen geschot­ter­ten Park­platz, stellt ab, steigt aus, grüßt. Pas­tell­däm­me­rung, gedämpf­tes Gespräch, mas­sen­haft Poli­zei, unwirk­li­che Wich­tig­keit. Der Bus kommt, man entert, letz­te Rei­he, dort Chris­toph Berndt. Gut. Sehr gut. Dann Anfahrt, abrup­te Brem­sung, Türen auf, vorn und hin­ten Beam­te, die nach MdBs fra­gen. Man hört Wit­ze: Abfüh­ren! Man weiß dann: Vier sind an Bord.

Man zup­pelt mit sech­zig über die Auto­bahn, dann Bins­le­ben, man fährt durch Wän­de aus Poli­zei, Fahr­zeu­gen, Git­ter. Die Staats­macht will und kann. Man erreicht die Mes­se, man ist drin, gerät in War­ten­de, steht an, stülpt die Tasche um, wird abge­tas­tet. Man hat die Insel erreicht, man weiß, es sind noch vier Stun­den, bevor der Par­tei­tag beginnt.

Man­che schla­fen mit dem Rücken an der Wand. Man­che brei­ten sich aus. Man­che sind laut. Vie­le rau­chen. Lan­des­ver­bän­de sam­meln sich lose. Man­che wol­len frü­he, sehr kom­ple­xe Gesprä­che füh­ren, The­men: Kann man schon regie­ren? Kann Sach­sen-Anhalt schon regie­ren? Man­che sind skep­tisch. Vie­le sind zuver­sicht­lich. Man­che duzen ein­fach. Vie­le siezt man hartnäckig.

Jour­na­lis­ten, die jah­re­lang gegen die AfD gekämpft haben, stel­len rat­los Fra­gen. Sie akzep­tie­ren die Nie­der­la­ge und hof­fen, daß es nicht schlimm wird. Natür­lich wird es nicht schlimm. Sie wis­sen es. Näm­lich: “Schlimm ist, bei Hit­ze ein Bier sehen, das man nicht bezah­len kann.”

Man darf in die Hal­le. Man hört Höcke zu, wie er begrüßt. Man ver­nimmt Reden, man sieht, spürt die Rou­ti­ne, die Pro­fes­sio­na­li­tät, das Orches­trier­te, die Span­nungs­lo­sig­keit des Akts, der not­wen­dig ist, eine Ver­wal­tungs­an­ge­le­gen­heit ist und auf dem Sie­ges­zug en pas­sant erle­digt wird. Man sieht einen Bun­des­vor­stand sich fül­len, ver­jün­gen, man sieht die Auf­stel­lung, die Kon­stel­la­ti­on, man sieht kei­ne Gewit­ter­wol­ke auf­zie­hen. Man sieht Tätowierungen.

Man sieht das Phä­no­men Wei­del, man sieht das Phä­no­men Sieg­mund, sieht ihn anders agie­ren als alle ande­ren, sieht, wie er dem taz-Redak­teur die Hand schüt­telt und ihm mit char­man­ter Kri­tik den Wind aus den Segeln nimmt. Man sieht den Pres­se­pulk in der Flau­te vor der Insel dümpeln.

Es waren, nach­dem die AfD ent­stan­den war, inter­es­sier­te, klu­ge Jour­na­lis­ten ergrün­dend unter­wegs. Sie sahen etwas Neu­es und beschrie­ben es. Zwei Jah­re spä­ter las man nur noch Ein­ge­ras­te­tes, las Stan­zen, Flos­keln, Attri­bu­te, ver­nahm die unver­hoh­len denun­zie­ren­de, kri­mi­na­li­sie­ren­de, ver­ächt­li­che Spra­che, das Mühe­lo­se, das Ein­ge­reih­te, dann ver­ba­len Marsch­block. Nun trifft man wie­der auf wel­che, denen das nicht mehr reicht. Man sieht, wie jun­ge Köp­fe aus­sche­ren. Man erklärt die Not­wen­dig­keit der polier­ten Ober­flä­che vor Wah­len und die, nach den Wah­len den Weg in den Maschi­nen­raum zu kennen.

Man bekommt ein Bier gereicht, end­lich, und eine Ziga­ret­te. Man redet zuen­de, man strömt zum Bus, letz­te Rei­he, dort Chris­toph Berndt. Gut. Sehr gut. Man resü­miert, kommt an, Poli­zei­spa­lier, man dankt, man ver­ab­schie­det sich, man hört kein Radio, man weiß längst: Jour­na­lis­ten sind ver­prü­gelt wor­den, weil sie der Anti­fa zu nahe kamen. Man über­holt Bus­se, die unter­wegs nach Leip­zig und Dres­den sind. Man weiß, daß vie­le dar­in schlech­te Lau­ne haben. Man weiß von ihren Phan­ta­sien. Man weiß, daß sie “Bul­len” sagen und “Faschis­mus”. Es ist nicht ganz egal.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek leitet den Verlag Antaios

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Sezession
DE58 8005 3762 1894 1405 98
NOLADE21HAL

Kommentare (55)

Ein gebuertiger Hesse

5. Juli 2026 15:51

Heftig. Voilà, da leben wir. Danke, daß Sie diesen Dreck immer wieder miterleben.

t.gygax

5. Juli 2026 16:46

Aber Herr Kubitschek! Sie wurden so nett von der kleinen Lena von COMPACT interviewt! Dieses Lächeln entschädigt doch für die Mühen des Tages....nebenbei: was diese 16jährige leistet, ist aller Ehren wert! Die hat Mut und Zivilcourage, hier passen diese Worte.

H. M. Richter

5. Juli 2026 17:03

Danke.
 
Andere, die nicht eingeladen sind, stehen ebenfalls zeitig auf, sitzen am Rechner, verfolgen die Live-Übertragungen, wandern mit auf einsamen Feldwegen, sehen später den Haß jener, die zu spät aufgestanden waren an diesem Tag und nicht wissen, wohin mit ihrer unbändigen Wut, ihrem Haß.
 
Immer wieder die Frage, was denn wäre ohne tausende Polizisten mit modernster Einsatztechnik. Verletzte Parteitagsbesucher? Gewiß.. Tote gar? Ich vermute es.
 
Noch fuhren Busse unterschiedlicher Lager nach der Veranstaltung aneinander vorbei. Noch.
 
Man weiß, daß sie “Bullen” sagen und “Faschismus”.

Le Chasseur

5. Juli 2026 17:04

"Man erhält am Abend zuvor eine Mail und soll sich einfinden."
War es die Idee der Parteiführung, die Delegierten so früh anreisen zu lassen, oder ging die Initiative von staatlicher Seite aus?

Dietrichs Bern

5. Juli 2026 17:07

Vielen Dank für einen Bericht aus der Nähe eigenartig sachlich und doch nicht emotionslos. Die aktuelle Kamera feiert "Aktivisten" die "einen langen Atem hätten ubd für Stimmung sorgten". Kein Wort über Tritte gegen Köpfe. Währenddessen 1 Toter in Essen während eine "Gruppe" mit Stichwaffen "in Streit gerät". Ist das letztlich nicht sinnlos?

Franz Bettinger

5. Juli 2026 17:46

Vielen Dank für die lebendige Beschreibung dieses Tages. Fühle mich an Schnitzeljagd und Pfadfinder-Lager erinnert. Wir werden von außen durch die anstürmenden Indianer nun noch fester zusammengeschweißt als wir's ohnehin schon waren. Herrlich! Polizei auf unserer Seite? Gelungene Absprachen? Prima. Ändert sich da gerade was am großen Bild? Niemand, der den Plan, die Kooperation von AfD und Polizei an den Feind durchsticht? Gut. Doch ein bisschen unerklärlich. 

Beta Jas

5. Juli 2026 17:50

Das "Phänomen Siegmund" und seine Qualität müssen sich in der AfD weiter ausbreiten, damit die Partei stärker und erfolgreicher wird.

Andreas J

5. Juli 2026 17:55

Der Text hat für mich diese „wache Müdigkeit“, die den Schreiber vermutlich durchs Wochenende begleitet hat. Deutschland in einem Wort 2026: Blaulichtdemokratie?
 

Mitleser2

5. Juli 2026 18:25

Vielleicht kommt hier die Frage durch: ist bekannt, ob es Absprachen der Polizei oder des SPD-Innenministers mit der Antifa gab, dass nichts passiert? (zumindest nicht direkt beim Parteitag). Oder war die Antifa tatsächlich zu blöd, das Angedrohte umzusetzen?

Laurenz

5. Juli 2026 19:44

@Franz Bettinger ... irgendeiner, ob Polizei-Präsident oder Innenminister war so schlau, zu kapieren, daß Exzesse nur die AfD noch weiter nach vorne bringen.

Karl

5. Juli 2026 19:52

Wie @Franz Bettinger es formuliert: Doch ein bisschen unerklärlich, weshalb Profi-Protestler nicht auf die naheliegende aber geniale Idee, die Anfahrt einfach vorzuverlegen, von selbst gekommen sind. Zudem wurde die Anfahrt von der Polizei eskortiert, also die Realisierung quasi doppelt abgesichert. Eine logistische Meisterleistung. Gut geplant und gut umgesetzt. Trotzdem ein bisschen unerklärlich. Was auch nahelegt, was @Mitleser2 vermutet: gab es nicht nur Absprachen mit der Polizei, sondern gar mit der „Anti“fa? Kaum vorstellbar, oder weht jetzt ein anderer Wind? Eine Eskalation hätte der AfD jedoch womöglich noch mehr Auftrieb gegeben. Wollte man dies verhindern?

Monika

5. Juli 2026 20:19

Der Text klingt für mich fast so, als wäre man enttäuscht, daß das so routiniert ablief, daß es so wenig Spannung und Kampf gab, so als hätte man sich innerlich schon auf das Worst-Case- Szenario eingestellt, was die äußeren und inneren Spannungen betrifft. So kam es "nur" zu drei verprügelten Personen vom Reporterteam Apollo News. Herrn Jonas Aston gute Genesung ! Anderseits las man zeitgleich von sechs brutal niedergeschossenen Mitarbeitern des Jugendamtes in Stade durch einen Türken, verfilzt mit SPD Politikern. Wie soll das ein Mensch verarbeiten und in ein richtiges Verhältnis bringen ? Nach innen vermied man auf dem Parteitag Diskussionen über die Unvereinbarkeitsliste, zeigte Geschlossenheit. Abgesehen von den Linksextremistischen Brutalos zeigte sich die Linke eher harmlos bis lächerlich ( "Wiederstand gegen Natzis") , für Hern Höcke "seelenverwundet". Von den Grünen Männern hört man, daß sie ein Manifest für ein neues Männerbild verfasst haben, gegen ihr Softie Image,  als Mittel gegen den Rechtsruck. ( Spiegel) 1/2) 

Monika

5. Juli 2026 20:34

2 Selbst wenn die etablierten Parteien sich immer wieder inhaltlich gegen die AfD in Stellung bringen wollen, so gelingt das immer weniger, solange die Brandmauer steht.  Ulrich Siegmund ist wirklich ein Phänomen. Ein Strahlemann, frisch und frech, volksnah , unideologisch im Auftreten und so ganz der Antityp zu den smarten Politikertypen. Da staunt ein Herr Lanz und ein Herr Bender wundert sich. Es bleibt spannend. Und ja, ich kenne einige, die "Bullen" und "Faschisten" sagen. Ich kenne auch deren Träume. Was Rechte träumen, weiß man aber auch nicht immer. Noch ist es Routine auf einer Insel, bald vielleicht schon die Routine auf dem Festland. Da werden einige Träume platzen.

Karl

5. Juli 2026 21:48

Evtl kam es den Blockparteien auch gar nicht darauf an, in Erfurt groß etwas zu reißen. Sie begnügten sich damit, die AfD zum 100000endsten mal als “Natsis“, als „Rechtsextreme“ zu framen. Zum 1000000endsten Mal diese peinliche Denkfigur durch den Äther zu blasen, damit irgendwas davon an der AfD doch hängen bleibt, bei denen, die noch immer nicht daran glauben, was sie glauben sollen. Also nicht "als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet", sondern wiederholen, wiederholen, wiederholen, auch wenn es immer peinlicher wird, um „den Menschen hier im Lande“ das eigenständige Denken abzunehmen. Damit sie bei „AfD“ reflexartig „Natsis“ denken… Und sie merken nicht mal, wie gut sie konditioniert wurden.

Mitleser2

6. Juli 2026 08:28

Ich teile diese Meinung:
https://x.com/keypousttchi/status/2073871264679375185

Parsifal

6. Juli 2026 08:57

Sehr geehrter Herr Kubitschek, 
vielen Dank für Ihren Artikel, er war mir ein Genuss zu lesen. Herrlich, diese Zwischen Töne. Unterstützung wurde überwiesen! 

RMH

6. Juli 2026 09:25

Das Feld ist bestellt, jetzt heißt es, bis 6.09 warten.
Am 20.09. wird es dann eine dunkelrotes Berlin geben, mit blauer Opposition und hoffentlich gibt es als Ausgleich dann bei den tagegleichen Wahlen in MVP einen AfD Sieg.
 
 

Valjean72

6. Juli 2026 09:58

Ich bin auch verwundert, dass der AFD-Parteitag so glimpflich ablief und dass Polizei und andere Dienste offensichtlich ein Interesse daran hatten, diese Gegendemonstrationen nicht eskalieren zu lassen.
 
Die AFD professionalisiert sich zusehends und steht im Grad der Professionalisierung den Altparteien bald in nichts mehr nach.
 
Alice Weidel, die sich im Interview mit Fr. Hayali sehr gut schlug, beschrieb die AFD zweimal betont als eine konservative, liberale und freiheitliche Partei. Sie vermied es explizit die AFD eine rechte oder patriotische Partei zu nennen. Mir ist die Zuschreibung Weidels hinsichtlich der AFD zu blass, zu lauwarm, zu sehr CDU-Sprech.
 
In der Berichterstattung hörte ich tätsächlich zum ersten Mal von einem "Münzenmaier-Netzwerk" und war überrascht, dass ein 37-jähriger und mE bisher nicht gross in Erscheinung Getretener, ein einflussreiches Netzwerk innerhalb der AFD aufgebaut haben soll.
 
Vielleicht könnte die Sezession dieses Netzwerk mal näher beleuchten?
 
 

fw87

6. Juli 2026 10:02

Ein wirklich schön geschriebener Artikel, wenn nur nicht der Inhalt so traurig wäre. Nach dem Lesen sehe ich alle meine Befürchtungen bestätigt. Auch Höcke wurde gefragt, wie er den Parteitag so fand. Er antwortete diplomatisch, doch las ich in seinem Gesicht ein inneres Seufzen und Unbehagen. Ein anderer sagte: Die Zeiten, in der man sich mal eben mit einer knalligen Rede in ein Amt wählen lassen konnte sind vorbei. Wir sind eben jetzt viel professioneller geworden. Auch das fand ich schade. Denn wenn es möglich ist, spontan ein Amt zu bekommen, dann zeigt das, dass Lebendigkeit und Dynamik in einer Partei ist. Zudem ist eine Rede ja dafür da, die Menschen im Saal von sich zu überzeugen. Hinterzimmerabsprachen führen dieses Prinzip ad absurdum.
Meine leider nicht unbegründete Angst ist es, dass die AfD zwar in Regierungsverantwortung kommt, man ihr aber vorher den Zahn gezogen hat (bzw. sie das im vorauseilenden Gehorsam selber macht). Wer dann noch profitiert, sind die Mandatsträger aber nicht mehr das deutsche Volk. Im Zuge des Parteitags war nicht nur von Professionalisierung, sondern auch von Modernisierung und Stärkung von Frauenthemen die Rede. Um "regierungsfähig" zu werden (eigenartig, das man sich also Stand jetzt nicht regierungsfähig fühlt) geht es mit Volldampf in Richtung Altpartei. Alles sehr bedenklich, konziliant ausgedrückt.

Karl Otto

6. Juli 2026 10:04

Ist ja schon ziemlich peinlich für die Antifa, dass ihre Aktion in die Hose geht, weil man nicht in der Lage ist, morgens um zwei auf der Straße zu sein.

NC472

6. Juli 2026 10:54

Das Land ist am Ende. Man will, dass die AfD die heiße Kartoffel hält wenn der Krug bricht. Die harten Entscheidungen treffen muss, die andere 50 Jahre vor sich hergeschoben haben. Und man hofft, dass die AfD nicht in der Lage sein wird den Augiasstall auszumisten, man ihr von Bundesebene noch mehr Dung entgegen schleudern kann. Für eine Entzauberung sind die Paramilitärs der SPDCDUSedGrün hinderlich - man lässt den Hund später von der Kette. Wer Deutschland verlassen kann, der ist schon weg und kommt nie wieder.

Karl

6. Juli 2026 10:59

Der Meinung, dass sich die Protestler bewusst zurückhielten und nicht wg ihrer notorischen Spätaufsteherqualitäten versagt haben, schließen sich viele Kommentatoren auch auf X an. Dieser Parteitag war nur ein Manöver, der eigentliche Ernstfall sei die Wahl am 6.9. in Sachsen-Anhalt. Dann ginge es wirklich um die Machtfrage. Man verschießt sein Pulver nicht in eher belanglosen Manövern, sondern setzt es dann ein, wenn aus der Sicht der links-grün-roten Machtsrukturen das "Endspiel" stattfindet. Diese Ansicht teilt auch H.G. Maaßen in der "Sonntagsrunde" auf Kontrafunk. Der folgende Kommentar auf X analysiert das Geschehen sehr gut und ausführlich: https://x.com/keypousttchi/status/2073871264679375185?s=20 

Le Chasseur

6. Juli 2026 11:01

@Valjean72"Ich bin auch verwundert, dass der AFD-Parteitag so glimpflich ablief und dass Polizei und andere Dienste offensichtlich ein Interesse daran hatten, diese Gegendemonstrationen nicht eskalieren zu lassen."
Die Polizei muss letzten Endes den Kopf hinhalten, wenn es zur Eskalation kommt. Und der thüringische Innenminister muss sich unbequemen Fragen stellen, wenn linke Chaoten die Innenstadt auseinandernehmen. Vor ein paar Tagen behauptete der Bundesinnenminister Dobrindt zudem, die größte Gefahr drohe Unsererdemokratie® von Rechts. Da würden linke Krawalle nicht ganz ins Bild passen. "Alice Weidel, die sich im Interview mit Fr. Hayali sehr gut schlug"
Fanden Sie? Ich fand den Auftritt total peinlich, vor allem, wie Weidel der Frage auswich, ob Chrupalla wegen seiner Kritik an Parteikollegen im Rahmen der Verwandtenaffäre so deutlich abgestraft wurde. Wenn ich Filz und Günstlingswirtschaft will, wähle ich CSU.

RMH

6. Juli 2026 11:06

@fw87, beschwert sich bei den Grünen, den Linken, der SPD jemand, dass "ihre" Parteien so vollkommen "Establishment" sind? Vermutlich in homöopathischen Dosen ja (bei der SPD wird es schon großes Gemecker geben, aber eher dahingehend, dass keine Mandate mehr "geliefert" werden), aber die absolute Mehrheit ist froh, dass die ganz professionell in den Parlamenten sind, linke Politik sehr erfolgreich durchsetzen & Staatsknete abgreifen. Im Vergleich zu diesen Heuschrecken mit ihren NGOs etc., ist die AfD noch eine Nymphe. Soll jetzt keine Aufforderung sein, dass die AfD alles von den anderen kopiert, sondern eher die Vergleichsmaßstäbe aufzeigen.
PS: Früher, als die AfD noch unprofessioneller war, war sie auch klar liberal-konservativer. Hat mir teilweise besser gefallen - na und? 

Christa

6. Juli 2026 11:11

"Man sieht ... das Phänomen Siegmund, sieht ihn anders agieren als alle anderen, sieht, wie er dem taz-Redakteur die Hand schüttelt und ihm mit charmanter Kritik den Wind aus den Segeln nimmt."
Wollen wir das?!
 
 

Laurenz

6. Juli 2026 11:36

@Mitleser2 ... teile Ihre Meinung nicht. Wie bereits oben erwähnt, hatte irgendeine Institution (Polizei, Innenministerium) kein Interesse an einer Eskalation, richtig. Aber besagte Zufahrtsstraße war kilometerlang mit Polizei besetzt. Glaubt jemand ernsthaft, die Antifanten laufen so weit über irgendwelche Äcker zum Tagungsort? Es gab Aufnahmen einer Blockadegruppe (schätzungsweise 150 Leute), die bei Bekanntgabe der Faktenlage frustriert wurde. Langstrecken-Luischen saß dämlich & schlecht gelaunt bei ein einem Sit-in in irgendeinem Wohngebiet, völlig sinnentleert, keine einzige Kamera suchend, denn es war keine Kamera, keine Presse da. So blöd war nicht mal linke Presse, sich bei einfachen Anwohnern unbeliebt zu machen. Es gibt Aufnahmen einer weiteren größeren Gruppe, die unter Obstbäumen an einem Weizenfeld campierte & einige Teilnehmer beim Scheißen im Weizenfeld verewigt wurden, die Helden der Blackrocker-Klasse. Glauben Sie ernsthaft, das war geplant? Die Aggression gegen Apollo/JF zeigt, daß es nichts anderes als Ziel für Aggressionen gab. Wer will schon PR für die eigene Blödheit? Für 15k Antifanten aus ganz Deutschland/Ausland, braucht man ca. 300 große Reisebusse. Das kostet die Gewerkschaften locker 1 Mio. € (ohne sonstige gewaltige Infrastrukturkosten der Organisation), nicht die Welt, aber auch nicht nichts, um das Geld einfach mal so in den Wind zu schießen.

Monika

6. Juli 2026 11:41

@Valjean , Bingo ! Ist Höcke der starke Mann in der AfD ? "Nein. Die Ära Weidel hat begonnen." Das schreibt Beatrice Achterberg heute in der NZZ. An Weidel führe kein Weg vorbei, liest man. "Das Machtzentrum heißt nicht Björn Höcke, sondern Alice Weidel...in Erfurt haben sich die letzten Puzzleteile an ihren Platz gefügt. Sie hält alle Trümpfe in der Hand. Das Ziel: Die Partei soll bis 2029 regierungsfähig sein. Mit einer Spitze und einem Generalsekretär. Zu Weidels Unterstützernetzwerk zählt Sebastian Münzenmaier, eher russlandkritisch. Münzenmaier gilt als Strippenzieher. https://www.nzz.ch/deutschland/hoecke-der-starke-mann-der-afd-nein-die-aera-weidel-hat-begonnen-ld.10014223

Laurenz

6. Juli 2026 11:50

@Valjean72 ... Alice Weidel, die sich im Interview mit Fr. Hayali sehr gut schlug, beschrieb die AFD zweimal betont als eine konservative, liberale und freiheitliche Partei. Sie vermied es explizit die AFD eine rechte oder patriotische Partei zu nennen. ... Ihr Wunsch nach einer rechten AfD entspräche nicht der historischen Wahrheit. Programmatisch ist die AfD eine Mischung aus den 3 bekannten Parteien der Bonner Republik vor den Grünen, an heute angepaßt. Höcke bezeichnete (im historischen Sinne) bei Köppel das Deutsche Volk als ein sozial-demokratisches Volk. Wenn Sie so wollen, ist Höcke ein historischer SPD-Mann. Auch Egon Bahr war eindeutig Patriot. Da können Sie auch die Äußerungen GKs bei Köppel einordnen. GK wünscht sich, bis auf Einzelheiten in Kultur & Bildung, vordergründig erstmal normale Verhältnisse. Helmut Schmidt war eindeutig gegen Migration, aber auch als Kanzler nicht in der Lage, diese aufzuhalten. Aber in den 70ern war unser Hegemon noch wesentlich, also x-fach stärker als heute, wo die USA nur noch einen Schatten ihrer selbst darstellen.

Franz Bettinger

6. Juli 2026 11:58

@fw87: Ich stimme Ihnen zu. Warum steckt die AfD (wie alle Parteien) fest im Beton der Kungeleien? Wegen des Delegierten-Prinzips! Man kann (im Saarland) 80 Delegierte bestechen, und man tut es auch. Seit den ersten Tagen des Josef Dörr tut man es. 500 Mitglieder aber könnte man auf einem Mitglieder-Parteitag nicht bestechen. Die könnten tatsächlich die Besten wählen statt die best Vernetzten, die Korrupten, die Amigos. Klar, alles hat Vorteile & Nachteile. Paar Delegierte sind leichter als Mitglieder zusammen zu trommeln und in kleineren Sälen unterzubringen. Aber sie sind leichter zu manipulieren und zu korrumpieren. Das ist die Crux. Das müsste man ändern. Einen Königsweg (zu mehr Permeabilität) sehe ich leider nicht. 

Laurenz

6. Juli 2026 12:25

@Valjean72 ... Münzenmaier versendet seit vielen Jahren regelmäßig gut gemachte Info-Massen-Epost-Sendungen mutmaßlich mit dem größten Verteiler in der AfD überhaupt, u.a. auch an mich. Und ich bin jetzt kein Teil von Münzenmaiers Netzwerk. Diesbezüglich ist Münzenmaier ein junger Medien-Profi. Münzenmaier ist MDB seit 2017 (kam also mit 28 in den Bundestag), ist stellvertrentender Fraktionsvorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion, Landesvorsitzender in Rheinland-Pfalz, Vorsitzender des Kreisverbandes Mainz. Rheinland-Pfalz verfügt über gut 4 Mio. Einwohner, also ca. doppelt so viele, wie Thüringen. Landesvorsitzender muß man erstmal werden. Da muß man zumindest ein paar Sachen richtig gemacht haben.

derksen

6. Juli 2026 12:53

War es die Idee der Parteiführung, die Delegierten so früh anreisen zu lassen, oder ging die Initiative von staatlicher Seite aus?
Diese Frage wurde am Sonntag auf der Pressekonferenz von Stadt/Ordnungsamt/Polizei (2× CDU, 1× SPD) auch gestellt.
Eine Beantwortung hat man leider "vergessen". Und dort fragte auch niemand mehr nach ...

Ein gebuertiger Hesse

6. Juli 2026 13:18

Aber ist es nicht hübsch? Heute reden die meisten Leute lieber über die zurückgenommene rote Karte dieses einen US-Spielers durch Trump als über das, was am WE in Erfurt war.

Der mit dem Wolf tanzt

6. Juli 2026 13:33

@fw87: Ihre Analyse ist treffend, Ihre Sorge berechtigt.
Es ist für unsere Sache von aller größter Bedeutung, daß innerhalb der AfD eherne, allgemeine Grundsätze gelten, die unumstößlich sind, um eine inhaltliche Nivellierung von Innen heraus durch das System zu verhindern:
1. Keine Berufs-Politiker in die Partei lassen (vor allem nicht aus der CDU).
2. Kein Fraktions-Zwang
3. Alle Grundsatz-Entscheidungen  sind ausnahmslos basisdemokratisch zu treffen
4. Schulterschluß zum Vorfeld der Partei (nach dem Vorbild der Altparteien zur sog. "Antifa"
(habe ich noch etwas vergessen?)

Fordring

6. Juli 2026 14:32

"wie er dem taz-Redakteur die Hand schüttelt und ihm mit charmanter Kritik den Wind aus den Segeln nimmt"
 
Ich verstehe nicht, wieso immer noch so viele AfD-Politiker denken, man müsste sich ja nur mal ehrlich und offen den Journos erklären, damit sie fair und neutral über einen berichten. Die sind in der Regel absolut bösgläubig und wissen bzw. ahnen, dass sie Unsinn verzapfen, tun es aber trotzdem. Ein Taz-Redakteur hat keine charmanten Antworten verdient, sondern nur die gleiche giftspeiende Verachtung, die er einem selbst entgegenschleudert. Glaubt Siegmund, dass sich jetzt die Sichtweise des Taz-Publikums auf ihn ändert?

Tom

6. Juli 2026 14:45

Sehr geeehrter Herr Kubitschek (bitte lasst es ihm doch irgendwie zukommen),
Sie persönlich zu erreichen, ist nicht so einfach. Trotzdem würde ich Ihnen sehr gerne einen Link zukommen lassen. Ja, Links gibt es viele in diese Zeit, doch dieser hier hat es in sich. Es geht um eine Predigt von Pfarrer Hans Milch aus dem Jahre 1979: "Der drohende Untergang Europas". Man mag denken, dass das nicht mehr relevant ist, doch das Gegenteil ist der Fall. Der Mann hat damals derart exakt die Verwerfungen unserer heutigen Zeit beschrieben analysiert und begründet, dass es schon unheimlich ist. Vielleicht kennen Sie diese Predigt schon. Falls nicht, möchte ich Ihnen das hiermit sehr gerne ans Herz legen. Es ist gehaltvoll, sehr relevant und verblüffend aktuell:
https://www.youtube.com/watch?v=ZZ6eKeVfm3g

Valjean72

6. Juli 2026 15:13

@NC472: "Man will, dass die AfD die heiße Kartoffel hält wenn der Krug bricht."
---
Das scheint tatsächlich der Fall zu sein. Deutschland soll noch so weit wie möglich der Staatspleite entgegengeführt und anschliessend der Staffelstab an die AFD übergeben werden, um die kommenden unpopulären Massnahmen durchzudrücken.
 
Die Frage ist, was man dann dabei im Blick haben wird, das Wohle Deutschlands oder die Empfehlungen/Befriedigungen von IWF/WEF & Co.?
 
@Monika: "Die Ära Weidel hat begonnen."
---
Es spricht einiges dafür - und der versammelten liberal-konservativen Journalistenschaft von Poschardt über Tichys Einblick bis NIUS wird es freuen - aber ich bezweifle, dass die "Weidel-AFD" die notwendige Kraft und noch nicht einmal den notwendigen Willen hat, um Deutschland wirklich wieder aufzurichten und auf festen, tragfähigen Grund zu stellen.
 
Aus Raider wird Twix und auf BlackRock folgt Goldman Sachs ...
 
 

Majestyk

6. Juli 2026 15:33

Ich verstehe die Verwunderung nicht. Ihr alle bezahlt doch seit Jahrzehnten die autonomen Zentren mit Euren Steuern. Weder Antifa, noch Castorproteste, auch nicht die Besetzung des Hambacher Forstes fanden gegen den Willen derjenigen statt, die jene Protestler finanzieren oder deren Finanzierung dulden. Werden Protestbewegungen mittels staatlich gelenkter NGOs gesteuert, dann sind Protestbewegungen logischerweise nichts anderes als staatlich gewünschtes Handeln.
Der nun doch eher friedlich verlaufende Protest und der eben doch einigermaßen reibungslos abgelaufene Parteitag sind doch eine nette Erzählung und passen in die Inszenierung. Protest und Opposition sind möglich. Der Schein wurde wieder einmal gewahrt.

Valjean72

6. Juli 2026 15:36

@Laurenz: "Münzenmaier ist MDB seit 2017 (kam also mit 28 in den Bundestag)"
---
Das klingt ja schon sehr nach dem klassischen Berufsprofil der Politiker der Altparteien: Kreissaal, Hörsaal, Plenarsaal. 
 
Hat er evtl. wie Julian Reichelt einen finanzkräftigen Mentor?  Nun, ich weiss viel zu wenig über ihn aber ich bleibe erst mal skeptisch.

Majestyk

6. Juli 2026 15:47

Unbemerkt hinter dem Jubel über den so erfolgreichen Parteitag hat Alice Weidel den Merkel gemacht: Jetzt sind sie halt da die gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und nun bleiben diese auch gleichwertig. 
Gleichgültig wie erfolgreich die AfD werden wird. Auch die AfD wird Deutschland niemals zu dem Punkt zurückführen, an dem Deutschland falsch abgebogen ist. Die Parteivorsitzende schafft es doch nicht einmal vor einer wichtigen Landtagswahl Geschlossenheit nach außen zu zeigen und liefert lieber dem Gegner Munition. Wer macht sowas und warum? Und warum wählt sich die Opposition Führungspersonal, welches mit dem eigenen Parteiprogramm nicht zufrieden ist?

RMH

6. Juli 2026 15:57

Opposition ist Mist - da hatte der alte Müntefering ausnahmesweise mal recht.
Mal sehen, ob die verdächtige "Weidel AfD" tatsächlich auf die Regierungsbank darf. Ich denke, da wird es eher zu ernstzunehmenden Widerstand des Establishments kommen, als bei einem Parteitags-Karneval, wie er letztes Wochenende stattfand. Immerhin sind die Wahrscheinlichkeiten für die "Weidel AfD" und Handshaker Siegmund, einmal auf so einer Regierungsbank Platz nehmen zu können, deutlich größer als bei allen anderen zuvor dafür Aufgelaufenen. Aber es ist klar, wenn man ein geschlossenes Weltbild hat, dann  werden auch solche Vorgänge stets nur Teile "größerer Pläne" von "Hintergrundmächten" sein.

Majestyk

6. Juli 2026 16:23

Ich habe ja mal öfters durchblicken lassen, daß ich meine eigene Prägung hinterfragt habe, auch weil ich einige Lebensbrüche aufweise und für mich ergründen wollte, warum ich mich relativ oft für die dümmere von zwei oder mehr Optionen entschieden habe. Vermutlich haben Menschen mit Lebensbrüchen es leichter, sich oder Strukturen zu hinterfragen als Leute bei denen im Leben alles eher glattgelaufen ist. Liegt eigentlich in der Natur der Sache. 
 
Oftmals wird geflachst Deutschland sei ein Fall für die Couch. In einem gewissen Sinne würde ich zustimmen. Jetzt braucht man nicht unbedingt einen Seelenklempner um sich selber zu analysieren, aber eine Nation und ein Volk mit derart vielen katastrophalen Brüchen in seiner Geschichte, sollte vielleicht irgendwann einmal anfangen Muster zu durchbrechen. Wenn Laurenz mir z.B. mitteilen möchte, Höcke sei ein historischer SPD-Mann und keinen Grund sieht, dies kritisch zu betrachten, ist das für mich eine Red Flag, genau wie die Begeisterung für das Phänomen Weidel.
 
Ich beobachte schon seit langem, daß AfD und Oppositionsmilieu zwar beklagen wie Deutschland jetzt ist, aber nicht hinterfragen, was Deutsche in Summe dazu beigetragen haben, daß Deutschland so werden konnte. Wie soll sich aber was ändern, wenn man nicht bereit ist sich selbst, sein Denken und die eigene Prägung infrage zu stellen?
 

heinrichbrueck

6. Juli 2026 16:33

Staat an Antifatyp:
Konsequenz statt Urteil: Wenn Sie beispielsweise die Naturgesetze der Physik mißachten und von einem hohen Gebäude springen, urteilt die Natur nicht über Sie – sie wendet schlichtweg die Schwerkraft an. 

Valjean72

6. Juli 2026 16:45

@RMH: "Aber es ist klar, wenn man ein geschlossenes Weltbild hat, dann  werden auch solche Vorgänge stets nur Teile "größerer Pläne" von "Hintergrundmächten" sein."
---
Sind Sie tatsächlich immer noch der Auffassung, dass die Masseneinwanderung von 2015 ff. einfach so passiert ist, quasi ein natürliches Ereignis? Und die Grenzen blieben offen, weil Merkel unschöne Bilder vermeiden wollte?
 
Vielleicht liegt es an der den Juristen - obschon Meister abstrakter Texte - gemeinhin nachgesagten gering ausgeprägten Imagination? Sei's drum.
Aber was hat Sie eigentlich zur Sezession und später zum  quasi-Vorfeld der AFD hingezogen? 
Sie müssten doch mit CSU/Wertenion/FDP wunderbar bedient sein: liberal, konservativ, bürgerlich und kein rechter Narrensaum, der herum "raunt" ...

Majestyk

6. Juli 2026 16:46

@ RMH:
Sich über den Handedruck von Siegmund aufzuregen ist ziemlich dumm, auch etwas doppelmoralisch, wenn man selber einen respektvollen Umgang auch gegenüber dem politischen Gegner wünscht. Siegmund ist Politiker und will gewählt werden. 
Weidel wird zwar sicherlich vor allem aus der amerikaphoben SolPat-Ecke kritisch beäugt, aber auch ein libertärer Lump und deutsch sprechender Amerikaner wie ich fragt sich, was von einer linksliberalen Kanzlerin zu erwarten wäre, bezüglich Einflußnahme von außen. Und in meiner Wahrnehmung ist Weidel proprietär, aber keinesfalls wirklich freiheitlich. Freiheitliche Menschen hätten ein Rroblem damit Andere zu zweijährigen Pflichtdiensten zu verdonnern, die sie selber niemals antreten würden. Die einen sagen Weidel sei eine Wundertüte, für mich ist die Dame eine Mogelpackung und weder freiheitlich, noch ein konservatives Tradwife. Weidel ist ein typisches Produkt kohlscher BRD und das ist von mir nicht als Kompliment gemeint. 

Maiordomus

6. Juli 2026 16:56

Die Diskussionen, die hier geführt werden, betr. Weidel/Chrupalla deuten an,  dass man zumindest mit der Parteiführerin letztlich ähnlich nicht übereinstimmt wie mit ihren Vorgängern seit Lucke/Petry, welch letzteren aber nun mal die rein politischen Fähigkeiten abgingen, was man dem jetzigen Führungsteam nicht nachsagen kann; vielmehr können sie Wähler binden jenseits derer hier, die in ihrem Fanatismus keine Ahnung haben, wie man nun mal mehrheitlich zumal nettosteuerzahlende arbeitende Wählermassen einigermassen problemorientiert und weniger einer ideologischen reinen Lehre verpflichtet binden kann mit einem einigermassen vertrauenerweckenden Personal, dem bis zum Beweis des Gegenteils die Fähigkeit zum Politisieren in nun mal bundesrepublikanischen immerhin eher rechtsorientierten Mehrheitsverhältnissen nicht abgesprochen werden kann. Dass in diesen Verhältnissen das Führungspersonal der ostdeutschen Bundesländern jeweils vor Ort Platz hat, wohl auch BH als eine Art FJS Thüringens (hoffentlich mit weniger Amigos), ist klar, aber einige hier kann man meines Erachtens für erfolgreiche praktische Politik mit immerhin einigen echten Korrekturen wohl als sog. "Fundis" eher  nicht gebrauchen. Aber natürlich eher nicht regieren als schlecht regieren.    

Maiordomus

6. Juli 2026 17:16

PS. Wenn Weidel vielleicht bestenfalls so etwas wie eine deutsche Meloni werden könnte bei immerhin zu begrüssender grösserer Wirtschaftskompetenz und garantiert nicht einem Charakter in der Art von Merz, aber nun mal auch nicht mit den Benehmensmöglichkeiten eines weiland Orban, der nichtsdestoweniger gescheitert ist, dann wäre für Deutschland primär und für Europa schon einiges gewonnen. Ihnen, @Maestix, traue ich trotz Ihrer im Einzelnen vielfach auch bedenkenswert gewesenen Beiträge in Deutschland weder Beratungskompetenz für Exekutivpolitiker zu noch die Fähigkeit zum Redenschreiben noch etwa auf kommunaler Ebene Problemlösungskompetenz wenn möglich auf der Basis auch nicht absoluter Mehrheiten. Dafür braucht es praktische politische Erfahrung und bestenfalls eine Art Schlauheit wie es einst der Erzopportunist Talleyrand hinkriegte, dessen Polit-Kurven aber so gut wie immer echte Interessen-Vertretung Frankreichs waren. Es gab sogar Kommunisten, die so politisieren konnten. Natürlich wird es sehr schwierig, etwa in der EU etwas zu bewegen, aber auch , für die deutsche Rechte bei den übrigen europ. Rechten einigermassen langfristiges Vertrauen zu generieren. Ist im Prinzip längst nicht geschafft. Auch das Vertrauen beim Durchschnittsbürger muss noch grösser werden.    

Le Chasseur

6. Juli 2026 17:23

@derksen
Interessant. Danke für die Info.

Majestyk

6. Juli 2026 18:00

@ Valjean72:
Ich war nie in einer Partei, nie in einer politischen Organisation. Aber 2015 war doch nicht neu. Wieso wird verdrängt was in den 1990er Jahren geschah? Natürlich war es dumm, wie abscheulich sich an Asylanten zu vergreifen, aber die Wut jener  Leute konnte ich sehr gut verstehen. Der halbe Osten war doch arbeitslos geworden, der Pott sowieso, die Jugend hatte kaum Zukunftsperspektive, aber für Ausländer war wieder einmal ausreichend Geld vorhanden.
Und was macht die bürgerliche Mitte? Zeigt sie vielleicht Verständnis für den Protest, wenn auch nicht für Methoden und Wahl des Adressaten? Nein, man bildet Lichterketten und singt zu Nideggen und Co. Mich hat ja hier niemand gefragt, warum ich so renitent auf bürgerliche Ermahnungen reagiere. Ich finde noch heute, daß das Arbeitermilieu von der bürgerlichen Mitte, die eben mehr Chancen auf politische Teilhabe hat, verraten wurde. Niemals hätte ich den Kohl gewählt, eine konfessionsgebundene Partei sowieso nicht. Ich kann mich aber gut daran erinnern, daß man schon in den 1990ern kaum an Lehrstellen kam und das in einem Land welches angeblich stets neue Fachkräfte braucht. Und warum bildet man dann nicht die eigene Jugend aus, die es damals sehr wohl noch ausreichend gab? 
Diese gerümpften bürgerlichen Nasen gibt es noch immer, siehe Faden über Citizen Vigilante.  Mir geht die Hutschnur hoch bei all der Borniertheit gegenüber Wut im Bauch, nur weil der eigene Bauch noch immer schön satt wird.

Rheinlaender

6. Juli 2026 18:21

@Fordring
Die taz-Leser sind nicht Zielgruppe für Siegmunds Verhalten, sondern unentschlossene Dritte, die die AfD ggf. nicht wählen, weil sie sich aus ihrer Sicht in einer sozialen Tabuzone befindet. Durch seine Geste zeigt Siegmund dieser Zielgruppe, dass er gegenüber Versuchen, ihn in die Tabuzone zu stellen, immun ist. Er spielt das Theater der anderen Seite nicht mit und erweise sich ihr als überlegen. Dadurch zeigt er der erwähnten Zielgruppe, dass sie an ihrer Seite keine Angst vor sozialer Isolation haben muss. Er macht also alles richtig. 

Laurenz

6. Juli 2026 19:04

@alle Unkenrufer & Schwarzmaler inkl. Majestyk ... Sie leben alle in Lulaland, aber gewiß nicht in Deutschland. Erachte alle Ihre Beschwerden über Genossenfilz in der AfD, als völlig dämlich. Die AfD hat aktuell ca. 75k Mitglieder & kann noch nicht alle ihre offenen Stellen, in Assistenz oder sonstwo besetzen. Man muß den Assistenten auch vertrauen können. Wollen Sie jetzt einem Sozi trauen, der gerade übergelaufen ist, weil er mangels Mandate arbeitslos wurde? Höcke hat, anders als früher, die Klappe gehalten, weil Weidel Recht hat, ein homogenes, langweiliges Außenbild abzugeben. Die Wähler mögen keinen Zwist auf Parteitagen. Höcke handhabt das in Thüringen auch nicht anders. Meinungsverscheidenheiten werden intern geklärt, das ist professionell. Siegmunds gekonntes Lächeln & Händedruck auch mit Medien der Gegenseite ist extrem brutal. Meinen Sie, Siegmund wüßte nicht, daß die expliziten SiN-Kritiker der taz-Mutti in den virtuellen Hintern treten wollten? Der Mann hat einfach Talent, das muß man neidlos anerkennen. Ich könnte das nicht, deswegen bewundere ich das. Weidel hat es nicht mehr nötig, sich von Hayali Fragen aufdrücken zu lassen. Sie hat es deswegen nicht nötig, eben weil Höcke bei Köppel oder Ben ganz andere Einschaltquoten generiert, von denen das ZDF nur träumen kann. Nur die alternativen Medien verschaffen Hayali durch Kopie der Interviews überhaupt noch Reichweite.

Old Linkerhand

6. Juli 2026 19:06

@RMH: " .... dann werden auch solche Vorgänge stets nur Teile "größerer Pläne" von "Hintergrundmächten" sein."
Und ich dachte immer Sie sind Christ.
Ansonsten Zustimmung für @fw87 und @Valjean72 
Grüße vom rechten Narrensaum

Laurenz

6. Juli 2026 19:11

@alle SiN-Desperados (2) ... Alle Kritiker hier sind im momentanen Status viel zu emotional, nicht mal lesenswert. Der Artikel ist vor allem in diesem kurzen Stil des Reiseberichts, einfach geil geschrieben. Das ist lesenswert. Wenn Sie wollen, daß mehr Leute unsere Kommentare lesen, sollten die Kritiker alle das nach oben noch weit offene Potenzial nutzen & vielleicht noch eine Schippe drauflegen, damit wir uns von der Masse unterscheiden. Besitze kein Insta. Aber man kann auch ohne die meisten Interviews geführt von Lea (Compact), auch mit GK, einigermaßen sehen. https://www.instagram.com/p/DaXHR8DDN-J/

Karl

6. Juli 2026 19:31

@RMH 6. Juli 2026 15:57
Man muss kein „geschlossenes Weltbild“ haben, um hinter sichtbaren Vorgängen „größere Pläne“ und „Hintergrundmächte" zu vermuten. Viele einst als „Verschwörungstheorien“ abgetane Erklärungen haben sich im Nachhinein als zutreffende Beschreibungen realer Abläufe erwiesen. Das gilt für die gesteuerte Massenmigration, die globale Corona-Politik sowie für die Eskalation und den Verlauf des Ukraine-Konflikts. Es handelt sich dabei nicht um eine zufällige Anhäufung unglücklicher Ereignisse, unbeabsichtigter Nebenwirkungen oder isolierter Entscheidungen Einzelner. Vielmehr wird zunehmend erkennbar, dass hinter diesen Entwicklungen eine strategische, langfristig angelegte Planung steht. Der sogenannte „tiefe Staat“ – noch vor wenigen Jahren ein diffuser, fast mysteriöser Begriff – tritt immer deutlicher zutage. Dieses Netzwerk verbindet Politik, Medien und Teile der Finanzoligarchie mit NGOs, einem ideologisch gleichgeschalteten Justiz- und Verwaltungsapparat sowie Universitäten und Bildungseinrichtungen, die auf Linie gebracht wurden. Da muss man nicht „raunen“, man kann es klar benennen. Die Strukturen, Akteure und Mechanismen lassen sich anhand von Fakten, finanziellen Strömen, personellen Verbindungen und wiederkehrenden Mustern klar benennen und analysieren. Wenn an der Oberfläche vor allem Marionetten agieren, liegt es nahe, nach den Regisseuren zu fragen.

RMH

6. Juli 2026 19:40

@Majestyk, man muss nicht immer ein lupenreiner Fan von irgendwem sein, um zu sehen, dass er aktuell das Beste ist, von dem was da ist. Und so sehe ich  - auf Bundesebene (!) - Alice Weidel. Evtl. liegt es auch daran, dass ich mit dem Typ Weidel mehr anfangen kann, als andere, da auch ich Vorlesungen beim verstorbenen Prof. Oberender gehört habe (wenn auch viele Jahre früher, da ich doch ein ganzes Stück älter bin). Ich bin immer für das Machbare. Und dafür stehen eben Leute wie Weidel. Wenn ich Ideale oder Romantik will, dann lese ich, höre Musik oder schaue Filme. Schwule haben mich noch nie gestört, da die Mehrzahl davon früher nicht politisch instrumentalisiert waren & stärker Mann/Frau unterschieden haben, als viele Heteros - lange ist es her. Weidel vertritt übrigens auch bei diesem Thema eine ausgewogene, moderate Meinung. LGBTQ-Aktivisten hingegen greifen das konserv. Familienmodell aktiv an & sehen in Hetero-Familien Feinde - das tut Weidel gerade nicht. Ich brauche Frau W. aber auch nicht verteidigen. Ich sehe Sie als Gesamtpaket, bei dem auch mir nicht alles passt, aber vieles. Und Vieles ist für mich ausreichend, um sie als Spitzenkandidatin mitzuwählen.
 

Götz Kubitschek

6. Juli 2026 19:54

badeschluß. war bloß ein reisebericht. eine "man"-übung. gk

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.