Kritik der Woche (85): Tagebuch eines Landpfarrers

Es gibt Unglücksmenschen. Menschen, denen alles mißlingt, die das Unglück anziehen, die den Argwohn ihrer Mitmenschen wecken, auch wenn dazu kein Grund besteht.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph.

Die sich lin­kisch beneh­men und nicht in der Lage sind, durch ein offe­nes Wort die Situa­ti­on zu klä­ren. Alles, was sie tun, gerät ihnen zum Gegen­teil. Zu einer tra­gi­schen Figur wird so ein Mensch, wenn sein Beruf dar­in besteht, eine Auto­ri­täts­per­son zu sein.

Der tage­buch­schrei­ben­de Land­pfar­rer ist so ein Mensch. Der nicht mehr ganz jun­ge Mann bekommt 1920 sei­ne ers­te Gemein­de zuge­wie­sen, ein Dorf im nörd­li­chen Frank­reich: „die Häu­ser dicht gedrängt, arm­se­lig unter dem Novem­ber­him­mel“. Er trifft dort auf eine Mau­er aus Ableh­nung und Unverständnis:

Mei­ne Pfarr­ge­mein­de ist von Gleich­gül­tig­keit zer­fres­sen, von Lethar­gie […]. Eine Krank­heit, mit der man sehr lan­ge leben kann.

Der Pfar­rer, den nur das Gebet vor der Ver­zweif­lung bewahrt, nimmt sich viel vor: regel­mä­ßi­ge Besu­che bei den Gemein­de­mit­glie­dern, die Grün­dung eines Fuß­ball­ver­eins, ein gutes Ver­hält­nis zur gräf­li­chen Fami­lie, fes­seln­den Kom­mu­ni­onun­ter­richt für die Klei­nen und vie­les mehr.

Nichts gelingt ihm. Der Graf ist miß­trau­isch, sei­ne Vor­ge­setz­ten sowie­so, die Kin­der trei­ben ihren Scha­ber­nack mit ihm, und das Dorf denkt, er sei ein Trin­ker, weil er auf­grund von Magen­pro­ble­men, die sich bald als töd­li­cher Krebs her­aus­stel­len, nur Brot und Wein zu sich neh­men kann (und ein ent­spre­chend erbärm­li­ches Erschei­nungs­bild abgibt). Dabei ist er bet­tel­arm, muß sich Geld lei­hen, mit dem er nicht umge­hen kann.

Sein ein­zi­ger Ver­trau­ter ist ein älte­rer Pfar­rer, der eine Nach­bar­ge­mein­de betreut, und der in fast allem das Gegen­teil des Tage­buch­schrei­ber ist: fül­lig, lebens­froh, abge­klärt, wohl­ha­bend, aber dem Land­pfar­rer väter­lich zugetan.

Der Roman, 1936 erschie­nen, ist das erfolg­reichs­te Buch von Geor­ges Ber­na­nos (1888–1948), das nicht nur in Frank­reich ein Best­sel­ler war und ver­filmt wur­de, son­dern auch in Deutsch­land noch im glei­chen Jahr erschien und hun­der­tau­send­fach Ver­brei­tung fand.

Ber­na­nos ver­faß­te neben Erzäh­lun­gen und Roma­nen zahl­rei­che Essays, die sich mit poli­ti­schen und reli­giö­sen Fra­gen befas­sen. Als Stu­dent betei­lig­te er sich an mon­ar­chis­ti­schen Aktio­nen, saß dafür im Gefäng­nis, gehör­te zur Action Fran­cai­se von Charles Maur­ras und zum syn­di­ka­lis­ti­schen Cer­cles Proudhon, sag­te sich spä­ter aber von der­lei Unter­neh­mun­gen los. Er hei­ra­te­te eine Frau, die in gera­der Linie von einem Bru­der von Jean­ne d’Arc abstamm­te und bekam mit ihr sechs Kin­der. Die Kin­der und kind­lich-nai­ve Erwach­se­ne wie der Land­pfar­rer, ste­hen im Mit­tel­punkt sei­nes Wer­kes, weil er ihnen einen beson­de­ren Zugang zu Gott zuschreibt.

Ber­na­nos hat das tat­säch­lich groß­ar­ti­ge Tage­buch eines Land­pfar­rers selbst als etwas ganz Her­aus­ge­ho­be­nes in sei­nem Werk betrach­tet: „Ja, ich lie­be die­ses Buch. Ich lie­be es, als wäre es nicht von mir. Die ande­ren habe ich nicht geliebt.“ Das klingt ange­sichts der trau­ri­gen Geschich­te, als bestün­de für Ber­na­nos das irdi­sche Leben vor allem im Lei­den und der Vor­be­rei­tung auf das Jen­seits. Daß Gott auch in die­ser Welt anwe­send ist, wird aber nicht nur am Land­pfar­rer selbst, son­dern auch an eini­gen ande­ren Per­so­nen des Buches deutlich.

Die Form des Tage­buchs gibt Ber­na­nos zudem die Gele­gen­heit, die The­men, die ihn beschäf­ti­gen, aus­führ­lich zu dis­ku­tie­ren. Neben der Gleich­gül­tig­keit ist das die die Fra­ge, ob Chris­tus die Armen ganz beson­ders liebt.

Die Neu­aus­ga­be des Buches leis­tet zum Ver­ständ­nis die­ser Debat­ten wert­vol­le Diens­te. Der Anhang bie­tet neben dem Nach­wort einen aus­führ­li­chen Kom­men­tar zum Text, eine Cha­rak­te­ri­sie­rung der Haupt­per­so­nen und ein alpha­be­ti­sches Glos­sar. Der Her­aus­ge­ber, Bern­hard Lang (*1946), ist als katho­li­scher Theo­lo­ge und Reli­gi­ons­wis­sen­schaft­ler in der Lage, den Roman in den zeit­li­chen und reli­giö­sen Kon­text ein­zu­bet­ten. Dazu mag ein Blick in die Erläu­te­rung der Armut genü­gen, die „zumin­dest die heu­ti­ge Leser­schaft mit einer ihr unbe­kann­ten und zwei­fel­los frag­wür­di­gen Mys­ti­fi­ka­ti­on“ überrascht.

Lang trägt eini­ges zur Auf­klä­rung die­ser Fra­ge bei, aller­dings hät­te man gern gewußt, wovon ein Pfar­rer damals leben muß­te, da der Land­pfar­rer sich kaum das Not­wen­digs­te leis­ten kann. Hin­zu kommt, daß Ber­na­nos bei aller Mys­ti­fi­ka­ti­on immer wie­der die Bedeu­tung der Erb­an­la­gen betont. Der Land­pfar­rer, der aus arm­se­ligs­ten Ver­hält­nis­sen stammt, hat­te Trin­ker zu Vor­fah­ren, was sein Lei­den erklärt. Erlöst wird er trotz­dem. Lang zufol­ge hat Ber­na­nos beim Lei­dens­weg des Land­pfar­rers eini­ge Par­al­le­len zum Leben Jesu eingebaut.

Was fehlt, ist eine Aus­sa­ge zu der Fra­ge, war­um es eine Neu­über­set­zung des Tex­tes brauch­te. Ver­streut fin­den sich Hin­wei­se, daß Ber­na­nos, der das Buch am Café­haus­tisch als Fort­set­zungs­ro­man für eine Zeit­schrift schrieb, durch die Hast ein paar Feh­ler gemacht habe, z.B. Pfei­fe und Ziga­ret­te ver­wech­selt, die in der Neu­über­set­zung berei­nigt wurden.

Das war aller­dings auch schon bei der klas­si­schen Über­set­zung von 1936 teil­wei­se der Fall. Beim Ver­gleich bei­der Über­set­zun­gen wird deut­lich, daß die Spra­che moder­ni­siert wur­de. Mit­un­ter zum Vor­teil, aber nicht immer. Die Phra­se „dann macht es wenig Sinn“ ist viel­leicht modern, aber kein gutes Deutsch.

Geor­ges Ber­na­nos: Tage­buch eines Land­pfar­rers. Ber­lin 2026, 454 Sei­ten, 38 Euro – hier bestel­len

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph.

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Kommentare (58)

Gracchus

15. Juli 2026 11:37

Das lese ich auch gerade. Die neue Übersetzung liest sich wesentlich flüssiger. Über die Wendung "macht Sinn" bin ich auch gestolpert. Lässt sich aber rechtfertigen, weil der Pfarrer sich ja an der Alltagssprache orientiert; kenne das Original und dessen Sprachniveau nicht. Da der Text aber insgesamt aufgrund der behandelten Themen eine gewisse Patina hat, wirkt die Wendung anachronistisch. 

Gracchus

15. Juli 2026 11:52

Trotz des historischen Abstands stark und absolut lesenswert. Auf den ersten 100 Seiten hab ich etliches schon angestrichen. Geht auch an die Nieren. Bernanos zeichnet das Sterben der katholischen Welt auf, den Augenblick, bevor die Kirche den säkularen Humanismus (vollends) adaptiert hat. Aufhänger sind die "Armen".

Ein gebuertiger Hesse

15. Juli 2026 12:26

Womit wir ebenfalls wieder bei Robert Bresson wären. Seine Verfilmung (blödes Wort) des Romans ist ganz hervorragend. Und "macht Sinn"!  ;-)

Laurenz

15. Juli 2026 16:06

Glück oder Unglück sind beim Menschen, als soziales Wesen, untrennbar miteinander verknüpft, wie Licht & Schatten. Glück & Unglück bilden einen Kuchen, der eben ungleich verteilt wird, ähnlich an der Börse. Wenn man da Geld verliert, ist es nicht weg, es hat nur wer anders. In Frankreich (ex Elasß-Lothringen) finanzieren sich die Kirchen selbst, ähnlich einem Verein. Eine arme Gemeinde bedingt einen armen Pfarrer. Heute bekennen sich über die Hälfte der Franzosen keiner Kirche mehr zugehörig. Gottes Anwesenheit in der Welt des armen Unglücks klingt eher heidnisch, "wen die Götter lieben, mit dem treiben sie ihren Schabernack". Ob Jesus von Nazareth die Armen liebte, ist eine im Artikel wenig definierte Frage. Denn in Frankreich geht es vordergründig um die Katholischen Jesus, der mit dem Jesus der Schrift nur wenig gemein hat. Der Katholische Jesus wird, gesellschaftliche Fragen ausklammernd, beleuchtet, der biblische weniger.

anatol broder

15. Juli 2026 21:21

der roman klingt vielversprechend.
auf dem umschlag des buches ist vermerkt, dass es «aus dem französichen von bernhard lang» übersetzt wurde. warum erik lehnert diese bedeutende tatsache vorenthält, bernhard lang also nur als herausgeber darstellt, verstehe ich nicht. war dieser griff nötig, um nach dem zweck der neuen übersetzung zu fragen?

Kositza:Bestreiten Sie die Existenz von Korinthenkackern?

ofeliaa

15. Juli 2026 23:21

Ich bewundere Geistliche, die wirklich so leben, wie es ihnen vorgeschrieben ist. Also im Zölibat. Es erlaubt keine Ablenkung, keine anderen Götter in Form anderer Menschen oder Besitztümer. Was nicht heißt, dass ich so ein Leben von jemandem verlangen würde... Aber man ist da völlig auf sich zurückgeworfen und der einzige Bezugs- und Unterstützungspunkt bleibt Gott beziehungsweise das ewige Gebet, die Bibellektüre und die ewige Hoffnung, das zu tun, was einzig Gottes, und nicht dem eigenen, Willen entspricht. Gleichzeitig muss man, wenn man eine Gemeinde hat, Gläubige gewinnen oder zumindest halten. Wo unsereins immer noch Ablenkungen suchen kann, auch um das eigene Ego aufzuwerten, muss sich ein echter Priester ganz auf das Göttliche verlassen, auf vielleicht nur das Grundstück, das ihn umgibt und ein paar Menschen mit denen er nur angemessene Beziehungen und Unterhaltungen pflegen darf. Es ist im wahrsten Sinne ein Opfer, das sie bringen, und solche Menschen bleiben faszinierend und man kann ihre Qualen, ihre Verwirrung, ihre Einsamkeit und ihre stete Bemühung um den rechten Weg doch gut nachempfinden. 

Monika

16. Juli 2026 08:12

Es gibt kaum mehr Gemeindepriester ( 2025 gab es in Deutschland 25 Priesterweihen) und den Landpfarrer gibt es auch nicht mehr. Der heutige Priester gibt auch schon mal auf. Weil er nicht mehr kann. https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1050307705Die Gemeinden werden zu riesigen sog. Seelsorgeeinheiten zusammengelegt. Insofern ist das Buch eher von nostalgischem Wert. @ Ophelia Wir hatten hier kürzlich einen alten Pfarrer im Gottesdienst, der ab und zu noch einspringt, wenn Urlaubszeit ist. Der sagte zum Zölibat sinngemäß: So spektakulär ist das in heutigen Zeiten auch nicht. Sehr viele Menschen leben heute ehelos, einsam und alleine, nicht immer unfreiwillig. Sich ganz auf das Göttliche zu verlassen, ist eine Herausforderung, die an jeden ergeht, ob an Priester oder Laien. In diesem Zusammenhang empfehle ich das Buch "Die Eroberung der Freude" , Gesammelte Schriften von Schwester Maria David Totah. Ganz wunderbar, zu bestellen bei Antaios 

Laurenz

16. Juli 2026 09:21

@Ofeliaa ... Der/das verpflichtende Zölibat für Priester wurde in 1139 auf dem II. Laterankonzil unter Papst Innozenz II als allgemeines Kirchengesetz eingeführt. Wir wissen nicht, ob Jesus verheiratet war oder nicht. Ansonsten ist die sexuelle Enthaltsamkeit eine Heidnische Erfindung. Castaneda begründet Enthalsamkeit damit, daß sexuelle Energie = spirituelle Lebensenergie ist. Er behauptet, der Akt koste diese Energie, also Bewußtsein der Eltern, aus dem das Bewußtsein eines Kindes geformt werden kann. Bei den Biblischen Hebräern ist die Ehe Pflicht. Es ist schwer herauszukriegen, was Gott will, denn Gott schreibt & redet nicht. Das tun nur Menschen. Und Sie wollen ja keinen Menschen zum Gott erheben, was im Ansatz nicht Katholisch, sondern eher Protestantisch, Arianisch, Islamisch ist. Könige im Alten Reich Ägyptens galten als göttlich. Ganze Generationen gingen beim Pyramdienbau ohne Rad, Zugtiere & gescheite Metallurgie drauf, weil der Gottkönig die Nilüberflutungen im kosmischen Sein per Pyramde garantierte. Als der Monsunregen über dem Äthiopischen Hochland über Jahrzehnte ausblieb, die wertvollen Überflutungen des Nils ausblieben, die Sahara von einer Steppe/Savanne zur Wüste mutierte, brach das Alte Reich & die Göttlichkeit des Königs zusammen. Gott muß (auch in der Bibel) Erfolge für seine Anhänger vorweisen. Welche Erfolge kann der sprichwörtliche Gott in Frankreich vorweisen?

Le Chasseur

16. Juli 2026 12:27

@Laurenz
"Wir wissen nicht, ob Jesus verheiratet war oder nicht."
Haben Sie "Der Heilige Gral und seine Erben" nicht gelesen? Oder "Sakrileg"?
;-)
Aber im Ernst:
"Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in der man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht genährt haben!" (Lk 21,23)

heinrichbrueck

16. Juli 2026 13:12

"Welche Erfolge kann der sprichwörtliche Gott in Frankreich vorweisen?"
Wahrheit und Macht sind offensichtlich nicht dasselbe. 

Monika

16. Juli 2026 14:01

@ Gracchus Natürlich  ist das Buch trotz des historischen Abstands noch lesenswert. Beruhigend ist auch, daß die Priester zu allen Zeiten das Problem hatten, wie sie das Wort Gottes am besten an den Mann oder die Frau bringen konnten. Neben meiner alten Bernanos-Ausgabe steht in meinem Bücherregal das Buch von Sturminius Grün ( 1904-1966) "VERKÜNDIGUNG IN DER GLAUBENSKRISE DER ZEIT" von 1954. St. Grün war Benediktinermönch in Münsterschwarzach und der Onkel von Anselm Grün, 😵‍💫Sturminius hat nur wenig geschrieben, aber das Wenige hat mehr Substanz als die unzähligen Schriften seines Neffen. Da liegt wirklich ein Schatz. S. Grün beschreibt die Schwierigkeit des Priesters, den Glauben in der heutigen Zeit zu verkündigen. Zitat: " Der Mensch in der Glaubenskrise ...ist ein vom Ungeist der Zeit Verführter, von den Aufgaben der Zeit Überforderter und ein von der Kirche ungenügend oder zu spät Beratener." Und der Priester ist ebenfalls ein Kind seiner Zeit und kein Übermensch. Letztendlich benötigen die Priester m. E. damals wie heute ebenfalls Seelsorge . 

Monika

16. Juli 2026 14:07

@ Laurent und Le Chasseur. Jesus war zwar nicht verheiratet, aber er hatte 🤪eine Freundin ! Das ist bezeugt: Er ging durch die Wüste. Ihm folgte eine lange Dürre. @ Laurenz "Es ist schwer herauszukriegen, was Gott will." Seien Sie versichert, auch der Mensch von heute kann in jedem Augenblick von Gott her angesprochen werden. Dabei belasse ich es. 

Laurenz

16. Juli 2026 14:15

@Le Chasseur @L. ... In Frankreich geht es eher um die Lichtgestalt des Katholischen Jesus mit einer reinen Madonna als Mutter. Enthaltsamkeit ist für Katholische Priester schon ab 450 empfohlen worden, denn ohne das, keine Sünde. Bis zu Innozenz II waren viele Päpste verheiratet. Alle seinerzeit bestehenden Priesterehen wurden von Innozenz II annuliert. Hier ist das ökonomische Problem der Kirche zu bemerken. Immer mehr Eigentum der Kirche ging verlustig & in vererbbares privates Eigentum über. Entweder man glaubt an den Jesus der Kirchenlehre, welche die Bibel weitestgehend ausklammert, oder, man ist Protestant, oder noch besser Zeuge Jehovas, der sich an der Schrift orientiert. Die Zeugen Jehovas sind zwar im Biblischen Normalzustand verheiratet, leben aber, wie durch Jesus in der Bibel vorgeschrieben, in einer Kommune, so einer Art Kibbuz. Dem Biblischen Jesus ist die Gefolgschaft wesentlich wichtiger als die Familie, siehe Matthäus 10:24 ff. oder Jesus läßt Geschwister & Mutter in Markus 3:31–35 vor der Tür stehen, er sagt, die Kommune ist seine Familie. Seine Familie hält Jesus für verrückt. Die einzige Ausnahme ist Jakobus, weil der Jesus folgt. Der Katholische, göttliche Licht-Jesus konnte vor allem deshalb bestehen, weil keiner die Bibel lesen konnte. Ab 1229 (Synode von Toulouse) war die Übersetzung der Bibel in Volkssprachen über 700 Jahre weitestgehend verboten.

Ekstroem

16. Juli 2026 14:27

@Le Chasseur @Laurenz. Jenseits von Sakrileg und Co: Zwei herausregende Beispiele zum historischen Jesus von Nicolas Notovich https://www.amazon.de/-/en/Life-Jesus-Christ-Nicolas-Notovitch/dp/1604593660 und Madhavi Yasin https://biblio.de/buch/mysteries-glimpses-kashmir-yasin-mohammad-madhavi/1422279859

Laurenz

16. Juli 2026 14:40

@Le Chasseur @L. ... in der Gnosis (Philippusevangelium & Evangelium nach Maria) liebte Jesus Maria Magdalena mehr als seine Jünger & küßte sie auch auf den Mund. Philippusevangelium, Spruch 55: Die Gefährtin des Erlösers ist Maria Magdalena. Christus liebte sie mehr als alle Jünger & küßte sie oft auf ihren Mund. Die übrigen Jünger waren darüber gekränkt & zeigten Mißbilligung. Sie sagten zu ihm: Warum liebst du sie mehr als uns alle? Der Erlöser antwortete & sprach zu ihnen: Warum liebe ich euch nicht wie sie? ... Evangelium nach Maria, Kapitel 10: „Schwester, wir wissen, dass der Erlöser dich mehr geliebt hat als die übrigen Frauen (! ein Rainer Langhans?). Sage uns die Worte des Erlösers, an die du dich erinnerst.“ ... Beachten Sie, Chasseur, die familiäre Anrede "Schwester". Die Gnosis verkaufte das als spirituelle Liebe, den Körper als Gefängnis des Geistes. Selten so gelacht. Ist doch klar, daß die Kirche die Gnosis als Ketzerschriften bannen mußte, alles viel zu menschlich & zuwenig göttlich. Hätte ich als Papst genauso gemacht. Aber da man mich bisher nicht zum Papst gemacht hat, bleibe ich Ketzer.

Gracchus

16. Juli 2026 14:45

@Laurenz: Sie reden mal wieder ... 
"Wir wissen nicht (...)" - ich schon. 
"(...) denn Gott schreibt & redet nicht." Doch - die Schöpfung ist seine Rede ("Gott sprach"), seine Buchstaben sind lebendige Leiber, eine Wolke von Zeugen wird Ihnen bestätigen, dass Gott zu ihren Herzen spricht. 
"Welche Erfolge (...)" - Jeanne d'Arc, die Nationalheilige, wird doch erwähnt. Es ist aber auch nicht so schwer zu begreifen, dass die "himmlische Rechenkunst" (Werner Bergengruen, bitte googlen und lesen) sich dem Evangelium nach nicht nach weltlichen Maßstäben von Erfolg richtet. 
 
 
 

Gracchus

16. Juli 2026 14:57

@Monika: Schwester Maria David Totah interessiert mich, das Tagebuch aber, da muss ich widersprechen, hat keinen nostalgischen Wert, es werden darin ja nicht die damaligen Zustände verklärt, im Gegenteil, wie Lehnert ausführt, kämpft der Pfarrer gegen die Glaubens-Lethargie, gegen eine verbürgerlichte Kirche, und zwar vergeblich, und gleichzeitig ist das Buch von einer existentiellen Glut durchdrungen, durchaus Dostojewski-like. 
Mich hat, warum auch immer, vielleicht weil mich der närrische Landpfarrer daran erinnert, dazu verleitet, zum Don Quijote zu greifen.
 

Ein gebuertiger Hesse

16. Juli 2026 16:43

Vor 35 Jahren sagte mir ein Filmkritikerfreund, als er sich bei mir - damals zur Untermiete wohnend - in meinem Gemach umschaute: "Du lebst hier wie der Landpfarrer bei Bresson und Bernanos."
Was einen stark erreicht, liest man den Roman und/oder sieht den Film wieder, ist die Kargheit dieses Lebens in der franz. Provinz von damals. Etwas Archaisches, aus unverputztem Stein Gemauertes, was die Häuser betrifft - vor der Tür vom Regen nasser Erdgrund -, und in den Häusern eine Art notwendiger Introversion der dort Lebenden. So als könnten sie gar nicht anders, als zum Abend vor der Feuerstelle in sich zu gehen.
Auch vor 35 Jahren sah ich den Film mit einer Bekannten in einem Kreuzberger Kino, das es längst nicht mehr gibt, und danach rauchten wir vor dem "Eiszeit" noch eine. Sie war von dem Film ganz herrlich aufgewühlt und bot mir an, daß ich meine Butze verlasse und in ihre WG umziehe. Was ich tat. Merci für die Vorlage, Bernanos + Bresson.

Gracchus

16. Juli 2026 16:48

P. S. @Mary David Totah: ich hab ein wenig recherchiert - wenn ich eins und eins zusammenzähle - könnte es sein, dass die hier schon erwähnte benediktinische Tochter im selben Kloster auf der Isle of Wright weilt wie einst Mary David? Könnte es sogar sein, dass sie die Schriften ins Deutsche übertragen hat? Sie Mary David gekannt hat? 

Kositza: Ja, ja und nein!

Laurenz

16. Juli 2026 18:57

@Gracchus @L. ... Sie sehen doch, werter Gracchus, daß ich rein in der Sache schreibe. Beleuchte nur die Fakten, die sich mir ergründen. Sie können mir viel von "himmlischer Rechenkunst" irgendeines Hinzes & Kunzes erzählen, der am rein menschlichen Größenwahn leidet. Denn unsere Jüdischen Freunde & die Zeugen Jehovas sehen das ganz anders, als Sie. Von Ihrem Erlöser selbst, ganz zu schweigen. Denn das ist das Problem mit Ihresgleichen, Gracchus. Es gibt da über die 2k Jahre ganze Armeen von Leuten, die meinen, sie wüßten individuell am besten, was Gott will & was er uns sagt. Schon die ersten 6 kleinen christlichen Schulen zu Rom Ende 2., anfang 3. Jahrhundert bezichtigten sich gegenseitig der Häresie. Die Katholiken waren halt am besten organisiert & hatten die dicksten Knüppel, Gott war mit den Siegern. Das Problem im 30jährigen Krieg war, es gab keine Sieger mehr. Ihr Klugscheißertum des größten SiN-Propheten aller Zeiten, dürfen Sie gerne behalten. ELs Buchvorstellung ist sicher mit Grund interessant, schon alleine des menschlichen Schicksals wegen. Ihr Gott hat doch, nach Ihrer Meinung, die Ketzer & Ungläubigen genauso erschaffen, wie seine Stiefellecker. Das ist dann doch eine klare Willensbekundung, oder nicht? 

Monika

16. Juli 2026 19:19

@Gracchus , ich ahnte, daß Sie mir den Ausdruck "nostalgisch" nicht durchgehen lassen und habe deshalb schon früher 14.01 dazu einiges klargestellt. Ich meinte nur, daß wir mit einem "verklärten" Priesterbild oder auch Nonnenbild nicht  weiterkommen. Die klösterlichen und weltlichen Lebensformen brauchen einander und sollten einander durchdringen. Das geschieht in dem Buch "Die Eroberung der Freude" . Ich habe noch nicht alles gelesen. Ich bin immer sehr vorsichtig mit "erbaulicher" Literatur à la Anselm Grün  und deshalb froh, auf Texte mit Tiefgang zu stoßen. @ Frau Kositza, ich wollte auch fragen, ob die Übersetzerin Schwester Mary David noch gekannt hat .  Bischof Erik Varden muß ein beeindruckender Mann sein. Eine Freundin von mir hat ihn in Norwegen bei Exerzitien erlebt.  

Gracchus

16. Juli 2026 20:17

@Laurenz: Wer wie Sie komplett außerhalb von Glaube und Kirche steht, hat auf den Titel "Ketzer" keinerlei Anspruch. 
Soweit ich weiß, ist der Papyrus an der Stelle beschädigt, und "Mund" wird ergänzt. 
Der Hl. Paulus fordert in vielen Episteln die Gemeinde auf: "Grüßt einander mit dem heiligen Kuss". Der (heute breit ausgewalzte) Friedensgruss war ursprünglich ein Kuss, m. W. Symbol für die Gabe des Hl. Geistes. 

frdnkndr

16. Juli 2026 21:40

"Castaneda begründet Enthalsamkeit damit, daß sexuelle Energie = spirituelle Lebensenergie ist. Er behauptet, der Akt koste diese Energie, also Bewußtsein der Eltern, aus dem das Bewußtsein eines Kindes geformt werden kann."
@Laurenz
Danke, das erklärt einiges. Bisher war mir diesbezüglich hptsl. Rainer Langhans (ja, genau der) geläufig, welcher trotz allzeit polygamischer Beziehungen niemals ejakulierte - wegen: Lebensenergie.
Wenn Sie ggfs. ein konkretes Werk Castanedas o.ä. nennen könnten, in dem dies thematisiert wird, wäre ich dankbar.

Laurenz

16. Juli 2026 22:22

@Gracchus @L. ... Sie mißverstehen das. Ich recherchiere Schrift, Kirche, Theologen, Geschichte. Warum? Weil Religion (welche auch immer) gesellschaftlich politischen Einfluß wirkt, gestärkt wird oder abnimmt. Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, es gibt mehrheitlich rationale Erfahrungen, wie auch selterner, phänomenale Erfahrungen. Aber ich käme nie auf die anmaßende Idee, daß meine Erfahrungen Allgemeingültigkeit besäßen, so daß man sie zu Regeln verarbeitet. Man braucht für persönliche Moral keinen Glauben. Habe unter diesem EL-Artikel weder den Glauben des armen glücklosen Protagonisten im Buch runter gemacht, noch den eines anderen, sondern nur @Ofeliaa vorgeschlagen, Vorsicht in Erwägung zu ziehen. Der Unterschied zwischen uns ist, Gracchus, daß ich das Sokrates'sche Bekenntnis, nichts zu wissen, akzeptiere, während Sie, mit Verlaub, im Größenwahn Wissen mit Glauben verwechseln, nicht mehr & nicht weniger. Da ich Katholisch getauft, kommuniert & gefirmt bin, darf ich mich auch als Ketzer bezeichnen. Der berühmte Französische Theologe, Alfed Loisy, war Würdenträger & hatte es nur gut gemeint. Aber auch der gute Wille schützte Ihn nicht vor der Exkommunizierung.

Gracchus

16. Juli 2026 23:37

@Laurenz, Boomer-Theologe: "rein in der Sache" - selten so gelacht. Dass Sie immer so viele Worte machen müssen ...
Jesus war nicht verheiratet - das weiß ich (mal die Brautmystik ausklammernd), und darauf bezog sich mein "ich schon". 
Die (kanonischen) Evangelien schildern schon Rivalitäten zwischen den Aposteln; es gab und gibt Machtkämpfe in der Kirche; wem erzählen Sie das?
Der biblische Kanon stand im 4. Jhd. fest und ist somit aus der Kirche entstanden, nicht die Kirche aus dem Kanon. Ihr Biblizismus ist daher ziemlich behämmert. Auch in der Schrift selbst sagt Jesus nicht: "Gehet hin und schreibet und leset". Mit den Schriftgelehrten, den damaligen Theologen lag er im Clinch; seine Botschaft war für jeden Analphabeten bestimmt. 
 

RMH

17. Juli 2026 01:41

Der Wert des Katholizismus liegt nicht beim Landpfarrer & der mehr oder weniger existierenden & uninteressierten Gemeinde. Er liegt in seinem Ordnungsrahmen, seinem (alten) Ritus & den Sakramenten (schreibe ich als Nicht-Katholik). Und wenn nur 1 Mensch noch die Taufe, die Kommunion & die Sterbesakramente erhält, ist die Kirche immer noch da. Das echte, traditionelle Katholische blüht heute wie eine Rose in einer Ruine. Schöner, als die Ruine noch keine war, aber bereits am Verfallen war. Insofern hat auch die Ruine ihren Zweck.

Laurenz

17. Juli 2026 07:02

@Frdnkndr (2) ... laut Castaneda sind 98% der Menschheit sogenannte "Boring Fucks" (Castaneda, Don Juan & Don Genaro Selbst auch), die mit ihrer Energie haushalten müßten, während 2% (Crack-Sourcerers, Don Julian) bei ihrer Zeugung mit Lebensenergie überfrachtet wurden & sich quasi alles erlauben können. Falls Ihnen das reicht, fein. Man bemerkt bei Carlos Castaneda unterschwellig sehr wohl, daß Er christlich-katholisch sozialisiert wurde. Wenn Sie mehr wissen wollen & die Redaktion es erlaubt, fragen Sie. Bin überzeugt, man kann die Bücher auch bei Antaios bestellen. Falls die Bücher nicht verfügbar sind, kann ich Ihnen auch meine schicken.

Gracchus

17. Juli 2026 12:40

@Laurenz: Ihre Recherchen sind nur etwas schludrig, und Ihre Schlüsse ideosynkratisch.
Das Christentum beansprucht Wahrheit und Allgemeingültigkeit, das mag anmaßend sein, meinetwegen. Hier stellen Sie Allgemeingültigkeit beanspruchende Behauptungen, wie die "Wir wissen nicht (...)" oder "Gott schreibt & redet nicht". Also bitte an die eigene Nase fassen.
Der Titel einer meiner liebsten mystischen Texte lautet "Die Wolke des Nichtwissens". Wenn ich christlichen Predigern zuhöre, gerade die, die laufend mit der Bibel winken, frage ich mich auch oft, woher wissen sie das? Können sie nicht so sprechen, dass Ehrfurcht vor dem Mysterium Gottes mitschwingt? Wie der Hl. Paulus sagt, wir sehen in einen dunklen Spiegel.
 
 
 

Gracchus

17. Juli 2026 12:48

@Monika: Ich hatte mich schon gewundert, wie das sein kann, dass Ihr Kommentar meinem zuvorkommt.
Anselms Onkel kenne ich nicht. Anselms Zeit  scheint überschritten. Die Leute von heute verlangen wieder "festere Speise". 
Tja, mit Erbauungsliteratur ist das so eine Sache. Ich las zuletzt den Bruder Lorenz, dem Küchengehilfen, der nur wenige Texte hinterlassen hat. Das hat mir in seiner Schlichtheit sehr gefallen. Das passt auch zu Maria David Totah, dem Waschzettel nach zu schließen. 
 
 

FraAimerich

17. Juli 2026 13:32

Will nicht viel dazu beitragen, daß hier nun tatsächlich noch "tantrische" Themen und das Bindu-Mysterium nebst Glanz und Elend sexueller Enthaltsamkeit diskutiert werden. Literatur dazu gibt es jede Menge, auch unter dem Schlagwort "innere Alchemie". Einen brauchbaren, recht sachlichen Überblick im Rückgriff auf den Daoismus und die zugrunde liegende Symbolsprache findet man hier.
 
Wer sich für das Spannungsfeld aus Sexualität, Glaubensfragen und Nihilismus im Umfeld der Action française interessiert, vor dicken Wälzern nicht zurückschreckt und Spaß daran hat, antiquarisch seltene Bücher zu erjagen, möge unbedingt "Weder Gott noch Teufel" von Lucien Rebatet (1903-1972) ganz oben auf seine Suchliste setzen - oder zum problemlos erhältlichen französischen Original "Les deux étendards" greifen.

Monika

17. Juli 2026 14:41

@ Gracchus / "Da alles, was in der technischen Welt geschieht, auf globaler Ebene geschieht, ist der einzelne Mensch heute gleichsam dem gesamten Universum ausgesetzt. Nicht nur, daß heute alle wirtschaftlichen, politischen, kulturellen und sozialen Bemühungen auf das Planetarische gehen, daß unter der Herrschaft der Technik die Welt zusammenschrumpft und eine unlösbare Einheit aller Kontinente und Rassen sich anbahnt; nicht nur, daß in alle bisher geschlossenen und den einzelnen umschließenden Gemeinschaftsbildungen und -bindungen wie Familie, Volk, Kulturkreis, nachdem die Technik sie unwiderruflich aufgesprengt hat, die Einflüsse der ganzen Welt einströmen und so ein globales Weltgefühl im Entstehen ist, nein, der einzelne als einzelner ist dank der Technik, ihres zeitüberwindenden Nachrichtenwesens und ihrer distanzüberwindenden Verkehrsmittel gleichsam im gesamten Universum anwesend und das gesamte Universum in ihm." Das schrieb Sturmius Grün bereits 1954 als Zeitgefühl des entwurzelten Menschen, der kein Gefühl für das Mysterium mehr hat und zum Menschen "in der Glaubenskrise " geworden ist. Das Buch "Verkündigung in der Glaubenskrise der Zeit" war in den 50er Jahren stark verbreitet ähnlich wie das "Einfache Leben" von Ernst Wiechert. 

Monika

17. Juli 2026 15:01

@ Gracchus Ja, die Zeiten sind so heillos, daß es wieder "festerer geistlicher Speise" bedarf. Mit spirituellem Geplänkel und einem Baumarktbuddha im Vorgarten ist es nicht mehr getan. Der Rückgriff auf die Alten ist durchaus sinnvoll. Es ist sehr tröstlich, daß wir auch nur Nachkommende sind. Zu den ernsteren Autoren zähle ich auch Marie Noël aus Frankreich. Da ist auch nicht viel übersetzt . https://de.wikipedia.org/wiki/Marie_No%C3%ABl

Ein gebuertiger Hesse

17. Juli 2026 15:31

@FraAimerich
Mit Verlaub, aber wer bitte in seinem Leben braucht denn sexuelle Enthaltsamkeit? Und wenn, warum sollte er/sie/man diese für wichtig halten? 
Okay, auf den Tankstellen hinter den Raststätten-Klos sieht es, im Osten wie im Westen, auch nicht groß anders aus.

Maiordomus

17. Juli 2026 16:17

"Tagebuch des Landpfarrers" gilt es in die damalige Blüte christlicher Literatur in Perspektive zu setzen, nicht "einordnen", wie Blödmedien sagen: 1936 erschien"vie de Jésus" von Mauriac (Nobelpreis 1952), über den der Schweizer Rechtsintellektuelle J. Schwarzenbach ein Buch schrieb, das Ausführungen von @L auf Null bringt, siehe noch zentrales Jesusverständnis bei Bernhard von Clairvaux, das mittelalterliche Passionsmystik eröffnet, auch Herzensmystik mit säkularisierter Bedeutung v. "Herz" in abendländ. Literatur: "Man sieht nur mit dem Herzen gut" (St. Exupéry). 1936 erschien in Deutschland das von NS stärkstverrissene Werk v. R. Schneider, "Das Inselreich" als Programm v. eschatologischem Humanismus, Bergengruens "Grosstyrann und das Gericht", damals schrieb der frz. Theologe Henri de Lubac sein Buch "Catholicism", gedruckt 1943 (!), Basis für informierte Debatte über das Thema. Dabei bleibt Teilhard mit Vision des kosmischen Christus u. Geschichtsbild mit Blick auf Jahrmillionenen mit der Überwindung v.zyklischem Denken noch über Heidegger hinaus naturw. orientierter Theologe v. Sein u. Zeit, eine Art Kepler der Theologie. Franz. Katholizismus steht für enormes intellektuelles Niveau. Siehe Pascal, Abélard, Fénelon, Saint-Martin, Lamennais, Maritain, zu schweigen die Blüte der Sorbonne v. Albertus, Thomas, Eckhart bis Faber Stapulensis Auseinandersetzung mit Luther.          
 
 

Ein gebuertiger Hesse

17. Juli 2026 17:36

"Le sex" (das Geschlecht, nicht der Akt), ohne Bernanos im Hintergrund wäre dieses Ding nicht möglich gewesen für einen erstaunlichen Film. Er besteht aus zwei Hälften.  In der einen ..., nein, lest auch das mal selbst durch und schaut beide Version. Einmal seht ihr eine Sitzgruppe, wo denen einen ein Typ erzählt (als Schauspieler, wie auch die Frauen Schauspielerinnen sind), wie er jahrelang auf Pariser Frauenklos rumgeschüffelt hat, und dann das Gleiche von der Erzählung des "Betroffenen", des "Täters" und um ihn herum Frauen, keine Schauspielerinnen, wie sie dem gegenübersitzen und sich dazu verhalten. 
Der "Witz" ist, daß die geschauspielerte Variante VOR der echten kommt.
ML, was hältst du von dem?
 

Maiordomus

17. Juli 2026 17:54

PS 2: Zum franz. Katholizismus gehört Ketzerisches, oft mehr als nur toleriert, vgl. "Gallikanismus" bzw. die Sonderwege des franz. Katholizismus, der sich wenig dreinreden liess als "älteste Tochter der Kirche". Doch kommt "Ketzer " von Katharer, ein trauriges Kapitel, aber ähnlich wie die Täufer Abgrenzung herausfordernd. Fragt sie nur wie? "Ihr habt wortwörtlich bewiesen, dass die Kirche die Hölle ist" vermerkt ein Heiliger im Drama "Innozenz und Franziskus". 
Kaum beachtet wird die Konversion Rousseaus zum Katholizismus. Sie gipfelt im 4. Buch des "Emile" als "Aufzeichnungen eines savoyardischen Vikars", oft gelesen als Programm liberaler Theologie. In Wirklichkeit eine Art "Ecône ohne Scheuklappen." Der Vikar postuliert, was das Buch auf den Index brachte, Freiheit des Christenmenschen über Luther hinaus. Aber: Er tastet den religiösen Tagesablauf und die Liturgie niemals an! Das sollte zu denken geben. Dabei wäre Rousseau, auf den sich St. Just bei Hinrichtung des Königs berief, wohl mit Sicherheit guillotiniert worden, hätte er die Revolution noch erlebt! Siehe seine Verfassung von Korsika. Nicht Frankreich als Zentralstaat ist das Modell, sondern Appenzell als direkt-demokratische ländliche Volksrepublik ohne Hauptstadt!

Ein gebuertiger Hesse

17. Juli 2026 18:15

Und weil diese Gelegenheit nicht wiederkommen wird, nicht nur auf SiN nicht,
... was hält man überhaupt von diesem Typen Jean Eustache, der sich 1981 - zweiter Jahrgang der Nouvelle Vague - mit 43 Jahren durch einen Pistolenschuß ins Herz aus dem Leben gebracht hat, Idiot? Und seinen Filmen? Und dazu, was von diesem Werk so ausströmt, immer noch?

Gracchus

17. Juli 2026 19:22

Bieten Sie, @Fra Aimerich, wie @Laurenz auch an, das beworbene Werk an Interessenten wie mich zu schicken?

Gracchus

17. Juli 2026 19:27

@Ein gebuertiger Hesse
Bei Fra Aimerich lese ich zwar nix, dass irgendwer Enthaltsamkeit brauche, aber wer so fragt wie Sie: Sie - in Ihrem Sündenbabel namens Berlin. Für dieses WE ist das Berghain gestrichen!

heinrichbrueck

17. Juli 2026 19:37

@ Maiordomus
"Es wird uns gut tun, heute zu denken: der Herr ist mit unseren Migranten im mare nostrum, der Herr ist mit ihnen, nicht mit denen, die sie ablehnen." (Papst Franziskus)
Spitzenwissen ist gefragt. 

frdnkndr

17. Juli 2026 20:55

@Laurenz und FraAimerich
Vielen Dank für Ihre Erklärungen, Angebote und Verweise.

Laurenz

17. Juli 2026 23:30

Am Ende können Sie keine Debatte ertragen. Antik-Marxisten sind nicht besser als Kultur-Marxisten.

RMH

18. Juli 2026 01:16

@Gracchus, melde von der Sündembabel Berlin Front die Vernichtung von Drinks/Cocktails im Wert von 100 Euro in der Bar Rum Trader in Old School West Berlin.  DIe Nachtruhe trittj etzt ein. Die Lage ändert sich dadurch  nicht.

Diogenes

18. Juli 2026 02:14

@Maiordomus "..als "älteste Tochter der Kirche". .." Ach, ist der abrahamistische Tripode mit seinem christlichen Ausläufern in Armenien/Äthiopien nicht das "Eternum" der Originals und keine verfälschte Kopie, dessen, was in den sog. "Nag Hammadi"-Überlieferungen übersetzt wurde? An die Widersache des Dogmas (Lehrmeinungen infrage stellen, mehrere Standorte und deren Perspektiven in der Weltschau auf die Wirklichkeit abgleichen), sei Kirchhoffs Giordano Bruno: Leben, Werk und Selbstzeugnisse (Philosophische Monographien) empfohlen. Bruno nennt es Lebendiges Universum. Das Bewusstseinsfeld (das was Sie Gott nennen) war, ist und wird immer sein, das im Endlichen wurzelnde Gehirn ist nur der Filter, der den Prozess des Lebens separiert (Hochschaukelnder Erkenntnisgewinn um sein Ganzes selbst zu erkennen/zu wiederholen?).
 
Klar, pickt sich des Dogmas Schnabel nur Wohlgesinntes und zur eigenen, hist. vertretenen Wahrheit passendes, heraus. Es fehlt an Theosophie; der übergeordneten Leidenschaft sich nicht selbst auf die Vorgabe von Dogmen zu begrenzen/verlassen, sondern des Herakles "Nonplusultra" zu fordern. Wahrheitssuche heißt für das Volk in Europas Mitte nicht Absolutismen in Form religiös-zentrierter Personenkulte nach alt-cäsarischen Vorbild zu huldigen. Oder warum das Hermannsdenkmal? Es geht doch nicht alleine um einen militärischen Sieg der Mannen selben Blutes ("Germanen"), sondern darum den romanisierenden Materialismus mit seinem Vielvölkerstaatswesen Grenzen zu setzen. 

Gracchus

18. Juli 2026 11:16

@Laurenz: Ich habe doch mit Ihnen diskutiert, aber korrekt, ich bereue es. Sie klingen, als hätten Sie wieder zu einem verbalen Rundumschlag angesetzt, und das hat die Redaktion nicht durchgehen lassen - irgendwie lernen Sie es nie!
Um die Sache ein- für allemal aus der Welt zu schaffen, biete ich Ihnen ein Duell im Morgengrauen an. Ort: Flughafen FfM. Die Wahl der Waffen obliegt Ihnen. Zu meinem Sekundanten bestimme ich den Gefreiten @RMH, falls er nicht wieder in einer Bar versackt ist. Da ich mit dem ICE anreise, ist Pünktlichkeit nicht garantiert. Bitte um Nachsicht! 
 
 

Gracchus

18. Juli 2026 11:31

@Diogenes: Der Titel "Älteste Tochter der Kirche" ist eine feststehende Redewendung, aus dem gewisse Sonderrechte abgeleitet wurden, wie @Maiordomus ja schreibt. Den Rest Ihres Kommentars verstehe ich leider nicht ganz. Giordano Bruno war doch Romane. Ein reiner Idealismus, wie er Ihnen vorschwebt, bewirkt materiell wenig. Der Mensch ist ein Wesen aus Fleisch und Blut, kein freischwebender Geist, das Christentum die Religion des inkarnierten Logos. Darauf zu beharren, wie Bernanos, macht einen nicht zum Materialisten

Maiordomus

18. Juli 2026 12:23

@brueck/ Diogenes. Sie haben über "Spitzenwissen" nichts zu korrigieren, incl. abrahamitische Religionen, weil "älteste Tochter der Kirche" nur Selbstbezeichnung der franz. Kirche im Zusammenhang mit Gallikanismus war, nicht wissenschaftliche Kirchengeschichte, worüber Leute, welche alte Sprachen nicht können, wohl besser schweigen sollten, wenn ich Ihnen schon mit ähnlicher Münze antworten wollte. Desgleichen Giordano Bruno, seit Jahrzehnten Basis meiner Forschungen, siehe seine Berufung auf Paracelsus, ferner war Danteforscher Scartazzini bester Bruno-Kenner der Schweiz, versteht man ohne G. Bruno den "Züri-Putsch" (1839) nicht usw. Aber franz. Katholizismus incl. ketzerischer Abweichungen bleibt intellektuell Weltspitze, und der für Kirche verpönte Lamennais erklärt Debatte hier, bei der @L mangels Quellenwissen ausfällt, weil er das Problem des religiösen Indifferentismus erfasst hat: Hauptgrund für Missverständnisse hier, so solche, für die Dreifaltigkeit, Leib-Christi-Verständnis, Messe, angebliche Unsterblichkeit "gleich gültig" bleibt mangels Grundwissen und andere, bei denen "Verständnis" dogmatisch eingefroren ist usw. Unter Niveau von Erasmus niemals zurückgehen! Für Rechte gibt es kein polit. Verständnis ohne theol. Grundwissen, meinte sinngemäss Carl Schmitt. SiN = Theorie-Organ?  

Maiordomus

18. Juli 2026 12:55

Kompliment an Kommentariat: Wenn es hier Leute, gibt, die Robert Bresson, nebst Bergman, Dreyer (siehe Lichtmesz) und Tarkowski wohl tiefschürfendsten Filmemacher mit theol. Fragestellung, passt das in ernsthafte Theoriedebatte. Wer hingegen Romane mit Quellen verwechselt, geht unter Niveau von Hausfrauen, die vor 70 Jahren Bücher an Bahnhofkiosken erstanden. Gehört wohl zur Reichweite des Forums.
@Brück. Respektierte viele Ihrer Beiträge, aber für polit. Bergpredigt, die als Programm für staatliches Handeln absolut und definitiv ausfällt, haben Sie sich die 1000 Stunden der meditativen Vertiefung nicht genommen. Sonst wäre klar: Vatikan nimmt Europas unausschaffbare Schwerkriminellen auf, und spricht dann die von diesen Massakrierten heilig. @"Gott in Frankreich": bei 10 Jahren Befassung mit europ. Mystik, bei mir waren es deren 60, sehen Sie, dass einzigartige u.a. psychologischen Errungenschaften der franz. Literatur mit ein Ertrag der hochentwickelten franz. Spiritualität sind. Zur Abkürzung können Sie die "Pensées" v.B. P. lesen, Ihre Enkel den "Kleinen Prinzen".      

Maiordomus

18. Juli 2026 13:24

@Diogenes. Weil ich Ihnen zum Teil heftig widersprach, scheint mir klar, dass Ihr Hinweis auf die Theosophie in die Tiefe geht. Das ist genau der Grund, warum der nebst Boehme bedeutendste Theosoph Deutschlands, Franz von Baader, zutiefst von französischer Spiritualität geprägt war. Geistvoll zitierte er, als Kritiker katholischer Kirchendiktatur, Saint-Martin und Lammenais, die im Gegensatz zu dem, was @Monika über einen Dauerschreiber von hier sagt, echte Ketzer waren, weil sie aus der Tiefe verstandener Doktrin heraus die wahren Widersprüche blosslegten. Bei Widersprüchen handelt es sich oft, siehe Bergpredigt an die Adresse v. @Brück, um echte Dilemmata. Was Reinhold Schneider in seinem Gesamtwerk als die Tragik des Christentums erfasste, freilich vor ihm sogar noch radikaler und brillanter der spanische Existenzphilosoph Miguel de Unamuno, den der spanische Bürgerkrieg in ein Dilemma stürzte. Wenngleich nicht so konsequent wie seinerzeit Orwell im Katalanischen Tagebuch, das linker Heldengeschichte für immer den Todesstoss versetzte. Unamuno war aber wohl der geniale Existenzphilosoph nach Kierkegaard im Dilemma zwischen Glauben und Unglauben, ein Dilemma, das trotz aller Banalitäten die Diskussion hier noch relativ interessant macht, geistigen Aufwand vielleicht allseitig lohnend.   

Majestyk

18. Juli 2026 15:38

@ Laurenz:"Am Ende können Sie keine Debatte ertragen. Antik-Marxisten sind nicht besser als Kultur-Marxisten."
Beim Humor hapert es gleichermaßen. Linke können ja auch nur über andere lachen. 

Maiordomus

18. Juli 2026 18:47

@Zum Kompliment an Kommentariat: Gemeint natürlich, "wenn es hier Leute gibt, die Bresson (usw.) kennen und schätzen". Dabei kann man, selbst wenn man diese Filmautoren bereits kennt, Herrn Lichtmesz als wertvollen zumindest potenziellen "Vordenker" schätzen lernen. Seine Beiträge haben so gut wie immer theoretisches Niveau. Dass daneben auch über praktische Politik diskutiert werden soll, natürlich echt kontrovers wie bei "geistigen" Debatten auch, gehört mit dazu. Es ist unbestritten, dass zumal Nicht-Spitzen-Akademiker in Sachen praktischer Vernunft in vielen Fällen ihre Vorteile buchen können, zumal dann, wenn echte praktische Kompetenz in Verbindung mit Erfahrung vorliegt. Sogenannte oder vermeintliche Akademiker sozusagen allein regieren zu lassen, zu meinen, diese hätten auch praktisch recht, führt zu Resultaten, die schlimmer herauskommen können als wenn man Analphabeten entscheiden liesse. Letztere bleiben kompetent darüber, ob es einem in einem System wohl sei oder doch nicht. So wie der Patient bei einer Debatte "Haben Sie Zahnweh?" im Vergleich zum Zahnarzt evidente Vorteile hat, falls dieser behauptet: theoretisch können Sie unmöglich Zahnweh haben! 

heinrichbrueck

18. Juli 2026 22:35

@ Maiordomus
Als Petrus im Garten Gethsemane Jesus mit dem Schwert ("Kurzschwert") verteidigen wollte, wies Jesus ihn zurecht: »Wer das Schwert nimmt, der soll durch das Schwert umkommen« (Matthäus 26,52). 
Antwort 1: kulturell-spirituelle Vertiefung,
Antwort 2: philosophisch-existenzielle Vertiefung,
Antwort 3: theoretisch-politische Vertiefung mit Blick auf praktische Vernunft. (Wie Sie schreiben: 60 Jahre Mystik.) Kann man machen. Ich werde jetzt aber nicht anfangen, über 20000 Seiten Breviarium Monasticum pro Jahr zu absolvieren. Ganz sicher nicht. 
Man kann Ihre Gedanken so formulieren: Wenn schon die engsten Begleiter Jesu ihn während seines Wirkens immer wieder mißverstanden haben – obwohl sie ihn persönlich kannten und seine Lehre unmittelbar hörten –, wie kann später jemand behaupten, das Christentum vollständig verstanden zu haben?
Asylprobleme sind keine christlichen Probleme. Der Mensch ist doch mehr von dieser Welt, auch wenn er etwas anderes denkt. 

Ein gebuertiger Hesse

18. Juli 2026 23:19

Die Weltwahrnehmung der Bresson-Filme ist eine echte Feuerprobe für alle Neu-Rechten. 

Diogenes

18. Juli 2026 23:44

Roman? Autor des empfohlenen Buches ist der eher marxistische Jochen Kirchhoff der zur Lebzeiten gerne den ideologischen Begriff "Faschistoid" auf Unbequemes anwendete. Nichtsdestotrotz hat Kirchhoff G. Brunos Widersache gegen romanische (und damit auch romaniserte Gallisch-Keltisch/Französische) Irrlehre/Dogmatik in Ausdruck gebracht.
 
Außerdem nähere ich mich nur an, weil ich am Anfang von freundlicher Natur bin. Aber irgendwann, dann, auch nicht mehr; nämlich dann, wenn der Gegenüber meint, er könne in Sprachdiktion übergehen und die Rede in seinem Sinne hier und dorthin lenken. Ob Sie dann in Ihrer religiösen Blase dies, das oder jenes als Widersache an Ihren Huld zollenden Theologen-Werkern ansehen, oder als "heidnische" Auslöschung missbilligen, obliegt jenen, die in mehr als einem Raum diesem Widerhall Stimme leihen. Aber als Feind der diabolischen Heute- und Falschkirchen-Orga und deren Kontroll- u. Herrschsucht, meine ich deren einbetoniertes Alldogma an Irrlichtern an austauschbarer Beliebigkeit/Antiästhetik als Wesensmangel festzumachen.
 
Spiritualismus ist nicht gleich Religion, sowie Dogma nicht gleich Freigeist ist, der frei davon reist und Schöpfertum unabhängig davon aufgrund seines Menschenschlages leistet (Ario und Theo sind wohl als Geschwister weniger in Höhenlüften schwebendes Verhängnis, als so mancher Selbstbetrug durch materialistische Selbsteingrenzung.

Gracchus

19. Juli 2026 18:16

@Monika: Ein Buch von Marie Noel hab ich jetzt zufällig bei meinen Eltern gefunden ("Begegnung mit Gott"). Dem Klappentext nach: Harter Tobak. 

Maiordomus

20. Juli 2026 09:18

@heinrichbrueck. Dass die eigenen Anhänger ihn nicht verstanden haben zu Lebzeiten, liegt nahe, aber indem es in der Bibel dokumentiert wurde, war es ein Weg zu besserem Verständnis in der Nachwelt. Sie haben mich indes ganz falsch verstanden, sofern Sie glauben, es seien für ein religiöses Leben 20 000 Seiten Mystik zu lesen, es sei denn, man wolle Mystik wissenschaftlich verstehen. Im Prinzip würden das Vaterunser, richtig übersetzt, verstanden u. betend gelebt, u. 10. Gebote genügen. Einige der grössten Mystiker waren Analphabeten, so der Schweizer Klaus v. Flüe, auch Franz v. Assisi wenig belesen. Ihre 3 Vertiefungen verweisen indes in die richtige Richtung, ich nehme an , dass wir uns verstehen können. Nur wenn Sie die Bergpredigt über das hinaus, was Sie rein persönlich direkt zu vollziehen vermöchten, intellektuell ergründen wollen, gar die Heilige Dreifaltigkeit, vielleicht noch am ehesten von der nicht glaubensverpflicht Schule von Kyoto wissenschaftlich verstanden, müssten Sie wohl jahrelange Denkarbeit investieren. Nachdenken über "Gott und die Seele" (Augustinus) kann Lebensinhalt sein, muss es aber nicht. "Eine Suppe kochen" kann nach Eckhart bedeutsamer sein.     

Raffael

21. Juli 2026 18:45

(In der Hoffnung, der Laurenz schaut hier in diesen Strang nicht mehr rein, denn er wägt meine Beiträge oftmals mit falschen Gewichten ...)
Gute Landpfarrer - seien sie gut katholisch oder solide lutheranisch - wären lebenswichtig für dieses Land; zwei Dutzend davon (ein Dutzend für West-, das andere für Ostdeutschland) würden genügen, um uns zu retten. Das Unheil in den Großstädten wird sich nicht mehr einrenken lassen, wie schon in der Spätantike auch nicht mehr; damals waren die "Universitäten" und ihr ganzer Beibau gnostisch verrückt geworden, heute sind sie woke verrückt. Dem französischen Landpfarrer Johannes Maria Vianney soll der Teufel einmal zugeflüstert haben: "Wenn es von deiner Sorte nur fünf Stück gäbe, mein Reich auf Erden wäre am Ende." 
Überlege gerade, ob es auch Sinn machen würde, von guten Landimamen zu sprechen - denn dass dieses Land künftig (viel!) muslimischer werden wird, ist doch klar. Ich denke: Nein, es gibt wohl eher keine Landimame, denn der Islam ist keine Inkarnationsreligion, Allah bekleidet sich nicht mit dem Fleisch eines Menschen, er lebt somit nicht auf dem Lande.

Maiordomus

22. Juli 2026 06:41

@Raffael. Der Pfarrer von Ars, ein wahrer geistlicher Dorftyrann, französischer Meister im Verbieten von Tanzanlässen, wird im Vergleich zu nicht heiliggesprochenen Landpfarrern überschätzt, etwa dem Jurassier Pierre Blanchard, der auch im Raum Rottweil wirkte, u.a. Meditationen über das Korn schrieb und trotz seiner eher unpolitischen Haltung eine Symbolfigur wurde des jurassischen Widerstandes gegen Bern zur Zeit des Kulturkampfes, war, wie nicht wenige, die aus politischen Gründen nicht heiliggesprochen werden konnten. Der Landpfarrer von Bernanos war jedenfalls kein zweiter Vianney, allerdings noch viel weniger der savoyardische Vikar bei Rousseaus Emile, welches Buch ich auch wegen dieses Profils eines sog. "liberalen" Pfarrers mit immerhin einzigartiger Ehrfurcht gegenüber Brevier und Messe, ich zur Besinnung empfehlen würde. In Ecöne liegt dieses Buch natürlich nicht auf, dafür spirituell durchaus gehaltvolle Literatur aus vorkonziliarer Zeit, antiquarische französische Drucke. Ich kaufte mehrere bei meinem letzten Besuch vor Ort an einem Sonntag, da Seminaristen sehr schön unter einem Baum musizierten.