Manuskripte willkommen?

Der Antaios-Buchversand macht Pause, die Mitarbeiter sind im Urlaub, am 10. August geht es weiter. Zeit für Sichtungen also. Eine KI-Anfrage beschied mir dies:

Bei Buchverlagen werden über 95 %, oft sogar 98–99 % der unverlangt eingereichten Manuskripte nicht gedruckt.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Tja, was soll man dazu sagen? Daß Ver­la­ge nicht hell­sich­tig sind? J.K. Row­lings Har­ry Pot­ter- Manu­skript wur­de von einem Dut­zend Ver­la­ge abge­lehnt, bevor es ange­nom­men wur­de und die Bücher sich mil­lio­nen­fach ver­kauf­ten. Einer der ange­schrie­be­nen Ver­la­ge soll Row­ling sogar dies geant­wor­tet haben:

Hören Sie auf zu schrei­ben und suchen Sie sich einen rich­ti­gen Job.

Ver­mut­lich hat sich die­ser Ver­lags­mit­ar­bei­ter eini­ge Jah­re spä­ter so rich­tig wütend in den Hin­tern gebissen.

Bei einem befreun­de­ten Ver­lag gab es vor vie­len Jah­ren Ähn­li­ches. Ich möch­te Titel & Umstän­de nicht benen­nen, es war damals ein brand­neu­er Life­style, etwas eso­te­risch. Der Freund­ver­lag hat­te damals die Zei­chen der Zeit nicht erkannt – und damit ent­ging ihm ein Mil­lio­nen­ge­schäft, da die­ses Buch (und zwei Nach­fol­ge­bän­de), woan­ders publi­ziert, mona­te­lang auf der Best­sel­ler­lis­te stand.

Es gibt unge­zähl­te ähn­li­che Bei­spie­le. Vom Win­de ver­weht von Mar­ga­ret Mit­chell kas­sier­te 38 Ableh­nun­gen, ver­kauf­te sich dann etwa 30 Mil­lio­nen mal und gewann den Pulit­zer-Preis. (Von der Zunei­gung Goeb­bels‘ und Hit­lers zum Stoff mal zu schweigen.)

Ste­phen Kings Car­rie soll sei­ne Ehe­frau aus der Müll­ton­ne gebor­gen haben. 30 Ver­la­ge hat­ten es abge­lehnt – es wur­de zu sei­nem Durch­bruch. Ähn­lich mit Herr der Flie­gen / Lord of the Flies von Wil­liam Gol­ding: x‑fach abge­lehnt, heu­te Schul­stoff. Das kann passieren!

Bei Antai­os gehen zwi­schen fünf und zwan­zig Manu­skrip­te pro Monat ein – zwan­zig, wenn wir gera­de „in den Medi­en“ waren oder eine Ver­an­stal­tung wie die Bücher­mes­se Sei­ten­wech­sel gelau­fen ist. Weni­ger, wenn weni­ger los ist.

Wir nun haben eine ande­re „Ver­öf­fent­li­chungs­po­li­tik“ als die gro­ßen Publi­kums­ver­la­ge. Bei­spiels­wei­se arbei­ten wir nicht mit Agen­tu­ren zusam­men, die bereits „vor­sor­tiert“ haben. Und: Unse­re Publi­ka­tio­nen lie­gen weder im loka­len Buch­han­del aus, noch wer­den sie von Haupt­strom­me­di­en bespro­chen. Gera­de die­se Tat­sa­chen sind emi­nent bei unse­rer… soll ich sagen “Ableh­nungs­po­li­tik”?

95% Ableh­nung unver­langt ein­ge­reich­ter Manu­skrip­te kommt aber unge­fähr hin. Ich will es erklä­ren. Denn nichts dar­an ist „arro­gant“ – auch wenn ich den Ein­rei­chern oft nur knapp beschei­de, daß ein Ver­öf­fent­li­chungs­an­ge­bot nicht „in unser Ver­lags­pro­gramm passe“.

Gut die Hälf­te der ein­ge­reich­ten Schrif­ten ist „auto­bio­gra­phisch“:

  • Als Säug­ling die Flucht mit­er­lebt, danach Aus­bil­dung zum Ver­wal­tungs­fach­an­ge­stell­ten, neben­bei eine gewis­se Poli­ti­sie­rung inklu­si­ver wil­der Wort­wech­sel am Arbeits­platz, dann Unru­he­stand – das ist so der Klassiker.
  • Oder: Im sat­ten Wes­ten groß­ge­wor­den, in der spä­ten Ära Kohl gemerkt, daß „Deutsch­land nicht wirk­lich sou­ve­rän“ ist, her­nach hef­ti­ger wer­den­de Strei­te­rei­en mit der Ehe­frau (die den Grü­nen zuneigt), dann Schluß­strich, dann Good­bye Ger­ma­ny, hel­lo Thailand.
  • Oder: Wie ich in den Nuller­jah­ren an der Uni poli­ti­siert wur­de und dann durch viel­fäl­ti­ge Dia­lo­ge her­aus­fand, daß die­se Ideo­lo­gien eigent­li­che alle Mist sind.
  • Oder: „Ich bin nun 83 und habe mir eine kohä­ren­te Phi­lo­so­phie erar­bei­tet, die alle Din­ge des Lebens umfaßt. Zum Erst­ein­druck emp­feh­le ich Ihnen Kap. 5 [87 Sei­ten], das den Punkt Arbei­ter­schaft abhan­delt. Ich war bis 2018 SPD-Mit­glied und weiß bei Gott, wovon ich rede.“

Ich neh­me den Drang, so etwas nie­der­zu­schrei­ben, ernst. Hin­ter all die­sen Geschich­ten ste­hen nicht nur ech­te Erfah­run­gen, son­dern auch die Mühe, die­se Erin­ne­run­gen mona­te- oder jah­re­lang in eine Ord­nung und zu Papier zu brin­gen – von der emo­tio­na­len Arbeit mal ganz zu schweigen.

Ich erhal­te Manu­skrip­te von Leu­ten, die mir schrei­ben, sie hät­ten andert­halb Jahr­zehn­te an „die­sem Stoff“ geses­sen! Mir ist klar, wie brüs­kie­rend dann ein schnö­des “Dan­ke! Aber nein dan­ke” wir­ken kann. Oft ist der Stoff ja wirk­lich ergrei­fend, und dann tut’s mir auch leid, nicht sehr aus­führ­lich dar­auf ein­ge­hen zu kön­nen und wenigs­tens in eine inni­ge Mail­freund­schaft einzusteigen.

Nun: Es gibt kei­ne unin­ter­es­san­ten Men­schen, allen­falls unin­ter­es­sier­te Leser. Aber auch letz­te­re gilt es in Schutz zu neh­men. Denn: Fast jeder Mensch kann mit ulki­gen Schnur­ren und selt­sa­men oder gar erschüt­tern­den Bege­ben­hei­ten aus dem eige­nen Leben auf­war­ten. Plötz­li­cher Tod im Bekann­ten­kreis, jähe Erkennt­nis­se, radi­ka­le Lebens­wen­den, der Wunsch, „dies mal alles schrift­lich zusam­men­zu­fas­sen“ – das ist sehr häufig.

Ich rate jedem, der die­se Ambi­ti­on ver­spürt, alles auf­zu­schrei­ben, dann um 15% – 25% zu kür­zen (wich­tig) und es dann für die Nich­ten, Nef­fen und Enkel aus­zu­dru­cken. Ich selbst gie­re nach Lebens­er­in­ne­rung mei­ner Leu­te, die vor mir waren. Ich hab sie früh auf Kas­set­ten auf­ge­nom­men oder sie mir schrift­lich geben lassen.

50% des ein­ge­reich­ten Schrift­tums sind also auto­bio­gra­phisch. Blei­ben 50%. Viel dar­un­ter ist „moder­ne Literatur“.

Punkt 1: Wir ver­kau­fen zeit­ge­nös­si­sche Bel­le­tris­tik sehr schlecht. Schau­en Sie sich Fall und Auf­stieg der Fami­lie Gott­mann an, war ein Ver­such, es gelang nur halb. Ich fin­de den Roman wirk­lich gut. Er ist rasant, hin­ter­fot­zig und viel­sa­gend zugleich, jeden­falls äußerst gekonnt run­ter­ge­schrei­ben. Ich ver­mu­te, wäre er in einem der gro­ßen Publi­kums­ver­la­ge erschie­nen, hät­te er in Buch­hand­lun­gen aus­ge­le­gen, hät­te er Wel­len geschla­gen. Bei uns nicht. Wir ver­kau­fen immer noch die ers­te Auf­la­ge. Wir haben eine Sachbuchleserschaft.

Punkt 2: Man denkt sich als Ein­rei­cher von Manu­skrip­ten viel­leicht so, pah, Schrei­ben kann doch jeder! (So sind die Zei­ten, daß sie das nahe­le­gen.) Aber das stimmt nicht. Nicht jeder, der wahn­sin­nig gern liest, ist auch ein Autor. Das wird lei­der oft ver­wech­selt. Eine tol­le Idee für eine auf­re­gen­de Geschich­te zu haben reicht lei­der nicht aus. Schrift­stel­le­ri­sche Qua­li­tä­ten zu haben – das ist eine Gabe! Eine seltene!

Blei­ben die ech­ten „Sach­bü­cher“. Oft errei­chen mich Manu­skrip­te, die bereits ein „fer­ti­ges Cover“ haben, „durch­kor­ri­giert“ und schon “gesetzt” sind. Das ist lieb­ge­meint, aber so läuft es nicht. So läuft es übri­gens in kei­nem ein­zi­gen Verlag.

Der gang­ba­re Weg wäre: Man reicht einen Text ein. Für die Sezes­si­on, oder für den Blog hier. Einen „Auf­riß“ zum gewähl­ten The­ma, irgend­was zwi­schen 8.000 und 20.000 Zeichen.

Das wird begut­ach­tet, viel­leicht gedruckt oder gepos­tet, und womög­lich wird dar­aus dann ein gan­zes Buch mit 188 oder 314 Sei­ten, oder ein 96seitiges kaplaken.

Falls ich nun Illu­sio­nen ver­nich­tet habe, tut es mir leid. Aber dies ist eben die Wahr­heit über das Verlegertum.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (71)

Ernestina

23. Juli 2026 09:14

Also, ehrlich gesagt, ich bewundere jeden, der den Mut hat, unter solchen Bedingungen ein Manuskript einzureichen. Monatelange, manchmal sogar jahrelange Arbeit ist das eine. Viel bedeutsamer ist jedoch die Tatsache, dass der Autor sich im Manuskript selbst aussagt, ja, sich darin ganz schenkt. Die Ablehnung des Manuskripts muss sich daher für einen feinfühligen Menschen wie die Ablehnung der eigenen Person anfühlen. Deshalb: Auch ich schreibe, würde mich aber  niemals dem Urteil eines Verlags unterwerfen.
Vor einigen Jahren habe ich meine ostpreußische Familiengeschichte verfasst und sie Interessenten innerhalb der Kreisgemeinschaften zugänglich gemacht. Ist sehr gut angekommen!

Frieda Helbig

23. Juli 2026 09:21

Es soll auch nicht schlechte rechte autobiographische Erzählungen geben, erzählt man sich auf X :-)
Gruß und gute Erholung.

RMH

23. Juli 2026 09:47

Das war ein sehr schöner Blick "inside". Danke. Das Autobiografische oder autobiografisch Beinflusste ist immer das Naheliegende, was Menschen zum Schreiben bringt (früher gab es auch viele, die Tagebücher geschrieben haben, vermutlich komplett aus der "Mode"). Leider ist es in der Tat so, dass sich kein großes Publikum für so etwas finden lässt, aber gerade die älteren Generationen, Boomer, GenX (so wie ich), wissen es doch längst: Auf sie hat wirklich niemand jemals im Leben ernsthaft "gewartet" & dennoch wurde einem von der Kulturindustrie/ den Medien vorgegaukelt, man sei irgendwie "individuell" & solle das bitte zum Ausdruck bringen (gerne über Konsum). Als Arbeitsbiene wohlgelitten, aber ersparen sie uns bitte ihre eigene Person, so in etwa kann man vieles in der Realität Erlebte dann zusammenfassen. Insofern überrascht es nicht, das hier ein Schwerpunkt an Manuskripten existiert. Nur, wer, außer Angehörigen & Freunden, will schon eine Boomer oder GenX Biopic lesen? Richtig ist der Rat, für kommende Generationen der eigenen Familie zu schreiben. Da hätte ich auch gerne von meiner Familie mehr erfahren, gibt aber nur wenig Schriftliches. Im hohen Alter hat der eine oder andere aber auch mal gut erzählt.

das kapital

23. Juli 2026 09:54

Danke für die Ermutigung und Wegweisung. Verlage müssen sich rechnen, auch in der "rechten" Nische. Ihr als Familienbetrieb kriegt das mit einem treuen Stamm-publikum , treuen Schriftstellern und Unterstützern bemerkenswert gut hin. Wenn ich mir die Büchermesse Seitenwecfhsel von Frau Dagen in Halle anschaue, freue ich mich, dass auch die sich neuen Raum erobern, die in Frankfurt und Leipzig in die Schmuddelecke verbannt werden. /// Als Autor musst Du meist lange durchhalten, bevor Du bestehen kannst. Die "modernen" kostenlosen Medien verdrängen viel Gedrucktes, was vor 20 Jahren sich noch gut verkaufen ließ. Die schrumpfenden Druckauflagen der Tages- und Wochenzeitungen sprechen da Bände. Ihr nutzt natürlich auch die modernen Medien, um eure Botschaften, eure Bücher, eure Themen und eure Autoren unter das Volk zu bringen. /// Doris Lessing als Beispiel hat, als sie schon gut etablierte Autorin war, ein Manuskript unter anderem Namen eingereicht und diverse Absagen einkassiert Nur einen älteren Lektor erinnerte das an "die junge" Doris Lessing und sein Verlag hat es dann herausgebracht. /// Den noch verkannten Autoren sei  empfohlen, wie der ältere Clint Eastwood eine junge Autorin ermutigte durchzuhalten. Tatsächlich ein echter Held im Sozialleben.  :-) 

stimmviech

23. Juli 2026 10:21

Da ich mal selbst ein Buch verfaßt und völlig problemlos bei BOD veröffentlichen konnte,kann ich diesen Weg nur jedem anderen Hobbyautor auch empfehlen. Wem es nicht ums Geld geht sondern um Weitergabe seiner Lebenserfahrung ist dort genau richtig. Obwohl mein Thema ein wenig kontrovers war und ist,hat mir kein Lektor reingeredet. 

Kositza: Aber dort muß man für die Veröffentlichung bezahlen, oder? Sowas kommt bei uns natürlich nicht in Frage!

Laurenz

23. Juli 2026 10:38

Vor 2017 hatte ich mal die Idee, ein Buch über die gescheiterte Deutsche Nachkriegsgeschichte zu schreiben. Den Titel hatte ich schon, "Unser Krampf". Das hätte aber viele Jahre Arbeit mit Recherche gemacht. Hätte das Thema irgendwen interessiert? Ich hätte auch jemanden mit Kompetenz gebraucht, der mich auf das wesentliche reduziert, schwierig, das von irgendwem zu erwarten. 2017 war ich ein Jahr auf Hatebook. Dort gewann ich eine gute Bekannte, die bis jetzt 5 Bücher geschrieben hat, 2 davon hatte ich lektoriert, Bezahlung in Naturalien. Diese Bücher werden mit hundert anderen Autoren in Hobbyverlagen verlegt. Der Druck kostet Geld, welches die Autoren selbst hinlegen müssen. Werbung auf Hatebook oder sonstwo ist extrem teuer. Vorlesungen finden meist in Altersheimen oder kirchlichen Veranstaltungen statt. Mit Übernachtung & Sprit kostet das mehr, als man Bücher vor Ort verkaufen kann. Gefühlt gibt es mehr Schreiberlinge als Leser. Dasselbe gilt für Musikproduktion. Nur, daß es noch wesentlich teurer ist, gute Musik zu produzieren, als Bücher zu schreiben. Wenn Musik & Literatur eine Krankheit wären, hätte sie sich pandemisch in die Gegenwart verbreitet. Ich debattiere viel lieber als zu schreiben, das wird aber schriftlich gemacht, noch schicken wir keine 100 Sek.-Podcasts ein. Das zwingt einen, vorab gedanklich einen Faden zu entwerfen, kein Fehler. Mir reicht es, wenn Autoren dann & wann auch (unterbewußt) einen meiner Gedanken aus meinen Kommentaren aufgreifen. Mein Name muß nicht verewigt werden.

Le Chasseur

23. Juli 2026 11:20

@Ernestina"Also, ehrlich gesagt, ich bewundere jeden, der den Mut hat, unter solchen Bedingungen ein Manuskript einzureichen. Monatelange, manchmal sogar jahrelange Arbeit ist das eine. Viel bedeutsamer ist jedoch die Tatsache, dass der Autor sich im Manuskript selbst aussagt, ja, sich darin ganz schenkt. Die Ablehnung des Manuskripts muss sich daher für einen feinfühligen Menschen wie die Ablehnung der eigenen Person anfühlen."
Man fragt sich, wieviele Meisterwerke für immer ungelesen in einer Schublade oder auf einer Festplatte schlummern, weil der Verfasser bzw. die Verfasserin sich nicht traut, damit an die Öffentlichkeit zu gehen.
Andrerseits: Harald Schmidt wurde mal gefragt, ob er nie mit dem Gedanken gespielt hätte, sich als Autor zu versuchen. Seine Antwort: Nein, weil er der Ansicht sei, wenn man nicht mit den Besten mithalten kann (sein Beispiel war, glaube ich, Thomas Mann), dann sollte man die Schriftstellerei bleiben lassen. Jeder Mensch hätte ja nur eine bestimmte Zeit zur Verfügung. Und die Zeit, die er für die Lektüre eines mittelmäßigen Buches verwendet, steht ihm nicht mehr für die Lektüre eines erstklassigen Buches zur Verfügung.

Boreas

23. Juli 2026 11:23

@Laurenz Ihre saftigen Kommentare und Denkanstöße für andere Diskursteilnehmer sind neben den Netztagebüchern von GK und ML ein Hauptgrund für mich, hier mitzulesen. Das Potential zur Autorschaft ist bei Ihnen ausgeprägt, ich würde sofort ein Buch von Ihnen kaufen, egal, ob Sachbuch oder Prosa. Ansonsten hat der großartige Umberto Eco im "Foucaultschen Pendel" mit der Beschreibung der Verlage Garamond und Manuzio alles gesagt zum zeitgenössischen Verlagswesen. Antaios ist natürlich Team Garamond. Es wäre interessant zu erfahren, ob ein hier abgelehntes Manuskript woanders erfolgreich reüssierte. Selbst wurden mir schon zwei Sachbuchmanuskripte zur Weiterleitung an den Verlag angetragen. ("Du kennst doch den Kubitschek, das wäre doch was für Antaios." / Sachbuch zum Beweis, das der Klimawandel nicht menschengemacht ist). Da kann man natürlich nur höflich ablehnen. Macht nur weiter so wie bisher. Leseschulden werden eh nie getilgt.

Laurenz

23. Juli 2026 11:26

@EK ... Aber dort muß man für die Veröffentlichung bezahlen, oder? Sowas kommt bei uns natürlich nicht in Frage! ... Das ist der Punkt. In der Musik gibt es natürlich auch Verlage. Und solange Autor & Komponist noch nicht 70 Jahre tot sind, haben die da auch die Hand drauf. Ich fragte mal nach einer Robert-Stolz-Partitur. Da waren die ganz empfindlich. Ansonsten ist in der Literatur ein Profi-Verlag nichts anderes, als eine Plattenfirma oder Label.

Andreas J

23. Juli 2026 11:59

Interessant finde ich, das belletristische Verlage mit dem Anspruch auftreten, ihre Autoren würden Gesellschaftdiagnosen stellen, hinter Fassaden Blicken, einen schönen Schein entlarven etc. Oft ist man daher in Verlagsprospekten auch den (wohlinszeniert) ernsten, anklagenden bis vorwurfsvollen Blicken dieser Autoren ausgesetzt. Ich halte das alles für PR-Fake, weil gleichzeitig ein Ozean des nicht Sagbaren, 100 Elefanten im Raum usw. durch die Verlags- und Feuilletonfilter gegangen sind, bis (überspitzt formuliert), nur noch traurige Kinderaugen, Diskriminierte und sonst wie Benachteiligte als Romanpersonal übrig bleiben. Man liest, Migration wäre z.B. ein Trendthema in Romanen. Ich persönlich kenne keinen einzigen migrationskritischen Roman. 

Alex Schleyer

23. Juli 2026 12:05

Als jemand, der selbst im Verlagswesen gearbeitet hat, weiß ich, daß die Mehrheit der eingereichten Manuskripte furzlangweilig sind. Die x-te Geschichte der schlesischen Oma, irgendeiner Frontverschiebung 1942 oder warum wir verblöden aus der Feder eines 67jährigen pensionierten Beamten läßt sich bestenfalls noch im Altersheim oder an frühvergreiste Füchse auf bestimmten Verbindungshäusern verkaufen. Anderseits ist mir der "Markt" auch bekannt. Ich habe selbst mehrere Bücher geschrieben, davon eines im Antaios-Verlag selbst (super Zusammenarbeit!), während die anderen als unpolitische Sachbücher dann irgendwann trotz guter Verträge doch nicht erscheinen durften, weil die Verlage hinter meine echte Identität gekommen sind. So bleiben auch meine Buchideen auf dem geistigen Dachboden liegen.

das kapital

23. Juli 2026 12:49

@stimmviech und Kositza Selbstveröffentlichen bei BOD und anderen ist inzwischen eine Alternative für "kleine" Autoren, die sich nicht bis zum 42. Verlag durchkämpfen wollen. Falls dein erstes Buch auf eigene Kosten so ein Erfolg werden sollte, bekommst du die Aufmerksamkeit, die dein zweites Buch in einen Verlag bringt. Die Kosten online sind auch vertretbar (ich glaube bei 500 Euro geht es los). Die reinen Zuschussverlage sind da deutlich teuerer und damit teils auch unseriöser. Von Kosten um die 8.000 Euro ist da teils auch die Rede. Manche der Lektoren dort wollen dann auch noch schwarz bezahlt werden, je nachdem. ///Der Büchermarkt wird gefühlt "überschwemmt" und ausgereizt bis zum letzten.Es wird soviel gedruckter Müll produziert, dass sich jeder Autor fragen möge, ob sein Geschriebenes wirklich für die Ewigkeit ist. /// "Ich bin ein drittklassiger Schriftsteller in einer Zeit, die von fünftklassigen Schriftstellern beherrscht wird." Hans Wollschläger. Gott hab ihn seelig. /// Die spannende Frage für das Forum ist doch, soweit Neigung besteht, selbst zu veröffentlichen, was von Thema Umfang und Qualität in euer Programm passt. Die Entlarvung des linksextremistischen zerstörerischen Zeitgeistes auf jeden Fall.

Laurenz

23. Juli 2026 13:05

@Boreas @L. ... In den knapp 10 Jahren meiner SiN-Kommentare habe ich mir angewöhnt, nur noch kastriert zu schreiben. Dazu hat mich die Redaktion quasi erzogen & ich bin ok damit. In jedem 20. oder 30. Kommentar gelingt mir mal eine überdurchschnittlich gute Formulierung. Wenn GK Illner in den Kaplaken verlegt, so unterstelle ich, daß GK wieder mal Bock hatte, jemanden in der Tiefe zu fördern. Insoweit ich Illner überhaupt verstehe, finde ich Ihn gut. Anhand historischer, politisch gesellschaftlicher Artikel, debattiere ich leidenschaftlich gerne. Ich denke, ich habe das ererbt. Aber bei philosophischen Themen, die ich oft als belanglos erachte, wird das schon schwieriger. Aber, die SiN, auch wenn sie zu mehr Reichweite verändert wurde, ist eine rechts-philosophische Plattform. & um Unabhängigkeit zu wahren, kann Sich GK auch nicht auf einen dicken Sponsor einlassen. Die Unabhängigkeit ist in einer Niesche auf Kante genäht & muß daher eine Auswahl treffen, die einerseits den Laden finanziert & andererseits den Status erhält. Was sollte ich denn schreiben? Prosa? Zum 100ksten x eine Familiengeschichte, die im Gegensatz zu Thomas Mann, eher kleinbürgerlich ausfällt? Oder mein Leben als informeller Gigolo, der gar nicht so aussieht & jetzt als quasi-Eremit lebt? Die rechts-populistischen Medien von Achgut bis Tichys, Compact oder sonstwer, verkaufen Bücher, die am Fließband geschrieben werden, ganz zuvorderst Sarrazin. 

Christa

23. Juli 2026 13:23

Vielen Dank für diese wohlwollenden Hinweise Frau E.K. 
In meinem privaten Umfeld hat es den einen oderer anderen Bekannten gegeben, der meinte, seine (Absturzbiographie) gerne veröffentlichen zu wollen. Das wäre nichts, was mich persönlich interessieren würde. Anders verhält es sich mit Biographien, die die Situation der nichtjüdischen Deutschen während der 20er- bis 40er-Jahre beschreiben (Geschichte der Vertriebenen, z. B. meine verehrte Großmutter, also diese Generation betreffend). Ein junger Mann erzählte mir jüngst, dass im Schulunterricht X-Mal der böse NS inkl. KZ-Gedenkstättenbesuche anstanden, ohne jemals eine Kontextualisierung vorzunehmen. Das sähen die Lehrpläne nicht vor, so der Lehrer. Aussgenommen sind hiervon - wie wir wisssen - die sog. Opferperspektiven, davon gibt es ja reichlich.
Zu Ihrem Verlag: Man bekommt eine wertschätzende Absage, wenn für den einegreichten Text keine Chance besteht. Bei anderen Verlagen bekommt man entweder eine arrogante oder gar keine Absage.
Ihnen vom Verlag einen erholsamen Urlaub gewünscht.
 

lucianocali2

23. Juli 2026 13:51

Inhaberin meines Stammcafés malt, stellt andere Künstler aus und hat mir 3 Mal Lesungen ermöglicht aus meinem werdenden Roman. Wenn man einigermaßen vortragen kann, guter Weg, auf kleinem Raum vor 4o Leuten zu erproben, wie die Resonanz ist. Und davon Videos auf Instagram zu stellen. Oder kleine Auszüge von 90 Sekunden auf den eigenen WhatsApp-Status. Kommen kurze Ausschnitte gut rüber, hat das Ganze Aussicht, nicht langweilig zu sein? So ist man von vornherein in der Öffentlichkeit. Der Ehrgeiz bleibt hoch, das Feedback hilft, sauber zu arbeiten. Man darf nur Kommentare zu Werdendem nicht fürchten. 

Laurenz

23. Juli 2026 13:52

@Boreas @L. (2) ... Was ich mir vorstellen könnte, ist ein Buch, welches in Form einer Debatte, eines Podiums geschrieben ist. Mit @Franz Bettinger kann ich mich herzlich fetzen. Allerdings steht @Franz Bettinger, so wie ich Ihn kenne & schätze, nur in Seinen Fachgebieten, Medizin & Selbstmord-Sportarten, wie Klettern oder Wildwasser mit den Füßen auf dem Boden der Tatsachen. Wenn solch ein Buch unserem Szene-Genre etwas bringen soll, dann muß diese literarische Debatte im Bereich des Machbaren liegen. Dann brauche ich einen nüchternen Gesprächspartner. Da fallen ML, BK, TvW alle raus, viel zu akademisch. Und MS hat keine Zeit.

Umlautkombinat

23. Juli 2026 14:34

Gut, dass die Kommentare hier ueber das Engere hinaus gehen.
Es gibt keinen Ersatz fuer Selbertun. Ein ausschliesslicher Leser kann das nicht verstehen. Das staendige Erhoehen des Anspruches an die Inhalte seiner Nahrung stehen letztlich seiner eigenen Kreativitaet immer mehr im Wege und laesst sie verkuemmern. Wer ein guter Programmierer sein will muss programmieren (auch im AI-assistierten Zeitalter). Wer ein guter Mathematiker sein will, muss sie betreiben, umsetzen, anwenden, testen, nicht nur immer abstraktere Theoreme von anderen lesen. Usw., usf., sonst bleibt alles Wissen aus zweiter Hand und er bleibt immer fester eingezwaengt in der ausschliesslich rezeptiven Richtung. Die der eigenen Aktion verharrt unentwickelt.
 
Was Buecher betrifft, habe ich mir beigebracht, auch mal selbst eins zu binden. Leimen, Faden, Deckel, Einbandmaterialien, Praegeschrift - alles sehr meditative Dinge. Erstmal natuerlich teurer und indiskutabel unter Effizienzbegriffen. Darum geht es ja aber gerade auch nicht.
 
Das Aussetzen auesserer Meinung gegenueber hat einen eigenen Wert, ist aber eben kein Muss. Wer es nicht vertraegt (oder ueberhaupt so oeffentlich sein moechte), macht es halt anders.

Ein gebuertiger Hesse

23. Juli 2026 14:38

Godard hatte mal gesagt, daß er bei einem Buch, gleich welchem, zunächst nur die erste und die letzte Seite lese. Und danach entschieden habe, ob er alles andere dazwischen auch lesen mag. Gut, ganz so anarchisch kann man als Verlag, der ein Manuskript reingereicht bekommt, nicht rangehen. Und dennoch, wenn der Verlag auf ein Manuskript zurückblickt, daß er entweder herausgebracht hat oder auch nicht, wird er, denke ich, doch merken, daß der Anfang und das Ende durchaus spielentscheidend waren für die Annahme/Ablehnung. Oder?

Kositza: Die ersten zwei drei Seiten zeigen, ob es ein interessanter Stoff ist und ob der Autor gut schreiben kann. Das Ende spielt dafür eigtl. keine Rolle.

Der Gehenkte

23. Juli 2026 14:45

Der schöpferisch veranlagte und begabte Mensch hat kein Recht dazu, etwas von der für die Selbstkultivierung notwendigen Zeit zugunsten der Schöpfung zu stehlen.
Nicht so wichtig ist es, daß du jeden Tag schreibst; wichtiger ist, daß du jeden Tag liest. Für die Bildung solltest du immer Zeit haben, jeden Tag.
Denn es ist nicht sicher, daß du deinem Vaterland und der Menschheit nützlich bist, wenn du etwas erschaffst; dazu bedarf es göttlicher Gnade. Sicher aber ist, daß du sowohl dir als auch deinem Vaterland und den Menschen hilfst, wenn du dir jeden Tag Zeit zu deiner seelischen Bildung nimmst, jeden Tag einen Abschnitt aus einem Werk eines der außergewöhnlichen schöpferischen Geister liest, eine Wahrheit oder ein Wissen genau erkennst.
Es ist nicht wichtig, viele Schriftsteller in einer Gemeinschaft zu haben, aber es ist wichtig, daß es viele Leser gibt. Es ist nicht wichtig, daß du das Schöne und Wahre formulierst, wichtiger ist, daß du es kennenlernst.
(Sándor Márai)

Gracchus

23. Juli 2026 16:42

Huch - seltsamer Zufall: ich hatte gestern Abend noch überlegt, EK eine Leseprobe zuzusenden.
@Laurenz: dann sollten Leser demnächst fürs Lesen bezahlt werden ...

Maiordomus

23. Juli 2026 16:54

@Gracchus. Eine Leseprobe könnte ja auch mal bloss der Entwurf zu einer Kolumne sein. Nimmt sie denselben nicht an, ist es vielleicht immer noch Anregung zu einer redaktionellen Kolumne zum Thema bzw. von den dafür "Eingesetzten". Habe schon gefühlt länger keinen Beitrag mehr von HB gelesen, der stets ausserordentlich in die Tiefe geht ohne primär tagespolitisch zu sein.    

Beta Jas

23. Juli 2026 17:55

@Christa
Ich würde mir wünschen, es reicht jemand ein gutes Manuskript für ein Sachbuch bei Antaios ein, in dem es um Geschichtsbetrachtung geht und der Nationalsozialismus und Faschismus aus einer klugen rechten Analyse heraus als politische "Entartung" kritisch vernichtet werden würde, ohne dabei Linksextremen nach dem Maul zu schreiben und auch zugleich das heutige linksextreme destruktive Wirken durch Missbrauch der Geschichte beschrieben wird. 
Die Zeit war böse, wie Sie hier mit leicht ironischem Unterton schreiben. Ich verstehe zwar das man genervt sein kann von der redundanten Art mit der der Zeit gedacht wird, einfach keine Woche ohne Dokumentationen im ÖRR oder bei Spiegel TV über die Zeit. Mich nervt aber auch die demonstrative Verharmlosung in rechten Kreisen, die infantile Züge manchmal trägt, und wenn man den Hals damit nicht vollkriegt, wird einiges auch einiges weg geleugnet.
Wirds sowas geben? Ich würde dieses Sachbuch direkt bestellen und hoffentlich würden junge Menschen des Volkes auch damit erreicht und kluge einordnende Gedanken zur Geschichte erhalten. Aber auch mehr Bücher von Frauen wären begrüßenswert, wo sind sie überhaupt.

Ein gebuertiger Hesse

23. Juli 2026 18:00

@Gracchus
"Huch - seltsamer Zufall: ich hatte gestern Abend noch überlegt, EK eine Leseprobe zuzusenden."
Na, machen Sie doch. 

Laurenz

23. Juli 2026 18:20

@Gracchus ... seltsamer Zufall: ich hatte gestern Abend noch überlegt, EK eine Leseprobe zuzusenden. ... Sie können diese auch jederzeit mir schicken, ich lese gerne gegen. Für Sie betreibe ich den Aufwand, jeden Absatz 5x zu lesen. Ich sage Ihnen dann auch, ob es scheiße ist oder nicht. Natürlich rein aus Sicht eines Konsumenten & nicht eines Literatur-Kritikers, wie EK oder SD.@L. ... dann sollten Leser demnächst fürs Lesen bezahlt werden. ... In der Musik gab es das indirekt schon, in der Literatur wohl auch. Aber bisher bezieht sich das "pay to play" eben nur auf die Bezahlung von Verlegern, Veranstaltern, sonstwas, seitens des Künstlers. Aus Sicht der Werbeplattformen ist schon ein verschenktes Buch eine Art Bezahlung. Wenn Sie so wollen, müßten Nutzer/Leser einer Plattform, wie Facebook, an den Gewinnen von Meta beteiligt werden. Ich kann mir schon vorstellen, daß zukünftig Buchleser verbilligten Eintritt ins Freibad oder ähnliche Boni erhalten.

RMH

23. Juli 2026 18:31

"bei einem Buch, gleich welchem, zunächst nur die erste und die letzte Seite lese. Und danach entschieden habe, ob er alles andere dazwischen auch lesen mag."
@Ein gebuertiger Hesse,
in Thomas Bernhardts Werken "Beton" und "Das Kalkwerk" dreht sich viel um die Qualen der Protagonisten, die um den jeweils ersten Satz ihrer Werke ringen, da dieser ja der alles entscheidende ist, der Rest ist dann nur noch Niederschrift.
@Grachus, Unveröffentlichtes in der Schublade? Respekt.

heinrichbrueck

23. Juli 2026 18:49

"Oder mein Leben als informeller Gigolo, der gar nicht so aussieht, & jetzt als quasi-Eremit lebt?" - Gute Idee.
Das hohe schriftstellerische Können eines Chevalier de Seingalt (Casanova - 12 Bde.) könnte als Vorbild dienen. 
Thomas Mann gehört zum literarischen Hoch-Gesindel der Moderne. 
Über Thomas Mann schrieb Hedwig Courths-Mahler, er sei "außerordentlich begabt", doch schreibe er leider nur über "Verfall, immer wieder Verfall". Ein Roman solle "doch erquicken und stark und frisch machen, aber nicht krank und nervös."
Nagib Machfus empfahl angehenden Autoren nachdrücklich, sich eine feste berufliche Existenz außerhalb des Schreibens aufzubauen. Mahfuz’ Warnung vor dem reinen Berufsschriftsteller spiegelt eine fundamentale Skepsis gegenüber jenem Typus von Autor wider, den Thomas Mann verkörperte: dem bürgerlichen Repräsentanten, dessen gesamtes Dasein untrennbar mit der Ästhetisierung von Verfall und Morbidität verbunden ist. Nagib Mahfuz lehnte diese romantisch-europäische Vorstellung vom "morbiden, leidenden Genie" (Dekadenzbeschreiber TM) ab. Teilnahme am echten Leben - Schutz vor elitärer Isolierung. Der Vergleich (Buddenbroocks - Kairo-Trilogie) offenbart, wie fundamental unterschiedlich sie den Grund für diesen Niedergang deuten. 

Klaus Kunde

23. Juli 2026 19:03

Ich selbst hatte die Ehre und das Vergnügen für den einflußreichsten Autorenblog des Landes (so in Selbstdarstellung) als Gastautor Artikel zu verfassen, die auch veröffentlicht wurden. Das waren Texte, zunächst für mich selbst verfaßt, um der drohenden Altersverblödung etwas entgegenzusetzen. Erst mein Bekanntenkreis riet mir, meine Machwerke einer kritischen professionellen Hinterfragung zu unterziehen. Zu meiner Überraschung zeigte man sofortiges Interesse, riet mir allerdings sogleich, besser nicht unter Klarnamen zu publizieren, um mögliche unangemeldete Hausbesuche der Antifa zu vermeiden. Themen beispielsweise: Chronik des gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Niedergangs meines Stadtteils, zeitgeschichtliche Darstellungen nebst Analysen, Allerweltsprobleme des Alltags.
Aus meiner beruflichen Erfahrung war mir bewußt, daß eine bloße sachliche Darstellung, zwar schnell zu Papier gebracht, völlig unzureichend bleiben muß, wenn die Diktion keinen Unterhaltungswert bietet. Grob geschätzt würde ich meinen, der Zeitaufwand, Inhalte für die geschätzte Leserschaft anziehend lesbar zu gestalten, lag bei etwa 90 %. Der Blog hat längst auf professionellen Journalismus umgestellt, so daß meine Mitarbeit nicht länger von Nöten ist. Macht nichts, ich weiß, ich kann es. Für Sezession würde es nicht langen.

ofeliaa

23. Juli 2026 21:22

Ich denke noch Jahre später über dumme Bemerkungen oder unwissende Aussagen meinerseits nach, das ist Schmach genug. Bevor ich jemandem meine Gedanken und Aussagen freiwillig schriftlich geben würde, würde ich eher vom Hochhaus springen. Ich habe gestern den neuen Göring-Film angesehen und dort wurde erwähnt, dass es über 1000 Konzentrationslager gab. Hätte man mich bei einer Straßenumfrage nach der Zahl gefragt, hätte ich auch 6 Lager getippt. Und nein, diese Aussage dient nicht dazu um die tatsächliche Anzahl in Frage zu stellen, sondern dient tatsächlich nur dazu, meine krasse Unwissenheit zu veranschaulichen. Ich lebe und handle in 90% aller Fälle aus reiner Intuition und Gespür für den Menschen. Ich liege damit sehr oft rein intuitiv richtig und oftmals geht damit sogar ein Gespür für Politik einher, aber das ist alles. Für Bücher oder Manuskripte reicht soetwas auf keinen Fall und sollte es auch niemals. 

Ein gebuertiger Hesse

23. Juli 2026 22:14

Hier geht's ja mal wieder ab. Und das kurz vor dem Wochenende! 
So, Vorschlag: alle von ihren Manuskripten Betroffenen (das ist wohwollend gemeint), reichen diese ein und halten sich aber - gerad, was die Kürzungen angeht - an das von EK Genannte. 

Christa

23. Juli 2026 23:16

@Beta Jas, sic! 
In 10 Jahren sind meinerseits zwei Forschungsarbeiten in größerem Umfang entstanden, die sich sich ausschließlich um den Antisemitismusdiskurs drehen. Der ist in Deutschland schon sehr speziell 😔
Jenseits dieser Polarität erscheint ein rechts-konservativer Blick mehr als notwendig.  Tatsächlich überlegte ich zu habilitieren. Dafür muss aber (selbst im Feld der Philosophie oder Politikwissenschaft) das linke Narrativ stoisch aufrecht erhalten werden. Ich wurde bereits scharf dafür kritisiert, mich nicht vom Rechtsextremismus zu distanzieren. Existiert in Deutschland eine Universität, die daran interessiert ist, einen neutralen Blick auf das Ganze zu nehmen? Erik Lehnert hätte andernfalls längst einen Lehrstuhl angeboten bekommen (vermute ich). 
Nun bleibt zumindest die Möglichkeit, im einsamen Kämmerchem zu beginnen. Heute kamen reichlich Anregungen in diesem Blog. "Book on Demand" ist eine Variante, wie jemand oben schrieb. Die fachliche Beratung zum Thema (neben dem Lektorat) ist aber wichtig, um die Qualität eines Sachbuches erheblich zu verbessern. Das kan ein kostenloses BOD wohl kaum leisten.
Denkbar wäre beispielsweise, mit einem Sammelband zu beginnen. 

Blue Angel

23. Juli 2026 23:43

Völlig klar, daß ein Verlag nur dasveröffentlichen kann, von dem auszugehen ist, daß es keine Verluste bringt sondern einen ausreichend großen Markt findet. Autoren, denen abgesagt wird, sollten sich daher nicht "als Person abgelehnt" fühlen.  - Trotzdem hat man eine Art schlechtes Gewissen, wenn man ein eingesandtes Werk (in meinem Fall früher ab und zu, zusammen mit meinem Mann, ein musikalisches) aus o. g. Gründen nicht veröffentlichen kann. besonders wenn´s eigentlich ansprechend ist. 
Selbst hatte ich früher mal davon geträumt ein Sachbuch (nichts Politisches) zu schreiben. Dafür hätte es aber Beziehungen innerhalb der betreffenden Szene bedurft und heute gibt´s dazu jede Menge "Tutorials" o. ä. in unsozialen Medien. Kaum noch jemand (außer Antaios-Kunden und Sezessionisten) liest Bücher, insbesondere der betreffenden Sparte. Sollte also nicht sein und die Zeit anders genutzt werden. Gut so.

Ein gebuertiger Hesse

24. Juli 2026 01:54

@ofeliaa
"Ich lebe und handle in 90% aller Fälle aus reiner Intuition und Gespür für den Menschen. Ich liege damit sehr oft rein intuitiv richtig und oftmals geht damit sogar ein Gespür für Politik einher, aber das ist alles."
Und ist das nicht genug?
Gehen Sie manchmal spielen, in Kasinos, also den echten Läden? Probieren Sie es mal. Mit Ihrer intuitiven Nase könnten Sie dort was reißen. 
 
 
 
 

Diogenes

24. Juli 2026 07:54

@ofeliaa: Wenn solch Machwerke der eindeutigen Widersache dt. Souveränität in Denken und Handlung nationalpolitischer Staatsgegenwart Ihr Weltsehen beeinflussen können, erklärt das zumindest Ihre bisherigen Kommentare hier. Nationalflucht in irgend ein Pseudoersatzkonstrukt lässt allerdings Deutschlands Herzen erlöschen, bis sie eiskalt und der dt. Selbstbehauptung gleichgültig u. feindselig gesinnt.
 
@EK: Ich lese u.a. gerade Adrian Tchaikovskys "Retter der Zeit". Die ersten 2-3 Seiten waren langweilig (wenn man den Vorgänger kennt). Aber nach dem man sich vorarbeitet, baut sich eine Spannungswelle durch unterschiedlichen Zeitebenen zwischen denen Jahrtausende liegen auf. Ab und zu braucht es mehr Anlauf um Einzusteigen in Anderswelten. 
 
Schreibfertigkeit ist das eine, sie dient ja nur als künstlerischer Ausdruck der Welt seine Idee darzustellen. In dem Fall durch Schriftwerk. Je mehr ich der Wort- u. Sprachideen im Lauschen, Lesen, Schreiben Ergründung suche, desto kleiner wird deren Auswahl an Gewändern, weil dieses oder jenes nur Geplätscher im Seichten oder Echos des Widerhalls sind und sie alle nur Alltägliches im Kreise drehen bezwecken. Den Geist an scharfkantigen Konturen von Eis und Spiegelbild entlang lenken muss schneidend/eindringend sein. 

Diogenes

24. Juli 2026 08:24

@Ein gebuertiger Hesse: Nicht jeder Mensch ist Materialist (Nihilistischer Hedonist?) und teilt als weltbegreifenden Lebenssinn dessen Ruhmes- u. Gewinn-Laufradmaschine und deren zerstörerisches Suchtverhalten anderen Menschen gegenüber. Mancher ist ohne dies in der Welt zufrieden. Kann das der im Endlichen haftende Hirnfilter mit seiner Alpha-Omega-Schablone begreifen? Unendlichkeit des Universums muss intuitiv begriffen sein. Wer die Welt alleine nur durch Messen und Abwiegen versteht, könnte genauso gut nur maschinelles Werkzeug sein – eine Rechenmaschine die Leben simuliert, aber sich dessen nicht bewusst ist (nicht „gegenwärtig ist“, denn Leben ist Bewegung und Vergangenheits-, Gegenwarts- und Zukunftsform. Nur Menschenegozentrik geht in allem von zeitlichen Anfang/Ende aus). 

Franz Bettinger

24. Juli 2026 09:42

@Beta Jas: Sie wollen eine Analyse „jener bösen Zeit", die das Ergebnis belegt, das Sie schon kennen? Wozu? Sie sind doch bereits im Vollbesitz der Wahrheit. Sie „wissen“ ja, wie es war. Wozu dann noch eine Analyse? Was, wenn diese, wäre sie ehrlich und als solche erlaubt, zu anderen Schlüssen käme? Wenn Sie ein solches Ergebnis ausschließen wollen, dann wollen Sie in Wirklichkeit etwas anderes. Dann wollen Sie eine weitere Propaganda-Schrift. Dann wollen Sie Schläge in die gleiche Kerbe, die unserem Volk zum Verhägnis wurden. Dann wollen Sie sich nur bestätigt sehen. Analysieren Sie doch selbst! Wie? Indem sie alles lesen, was Ihnen verboten ist. Fangen Sie an mit David Irving’s „Churchill’s War“! Lernen Sie essen, indem Sie selbt kauen. Gute Erholung! 

das kapital

24. Juli 2026 10:24

@ Christa Nein, BOD und Co können das Lektorat nicht ersetzenDa ist mehr Sorgfalt bei der eigenen Schreibarbeit von vorneherein gefragt.Jeder aber hat ein paar halbwegs sachkundige Freunde, die bereit sein werden, das eigene Manuskript ohne Bezahlung durchzusehen und einige hilfreiche Anmerkungen zu machen. Der Empfängerhorizont sollte schon einbezogen werden, bevor man sich über BOD outet. Wenn das Zeug den Freunden gar nicht gefällt, sollte man es auch nicht veröffentlichen. Wenn Anmerkungen kommen, hat man einen Ansatz, sein Manuskript so zu verbessern, zu vervollkommnen, dass es für einen größeren Leserkreis passt. Da geht schon was.

t.gygax

24. Juli 2026 10:32

@heinrichbrueck
sezession macht richtig Freude! Ich hätte nie gedacht, dass Hedwig Courths-Mahler, die ich noch nie gelesen habe, einen  solch scharfen literaturwissenschaftlichen Blick hat. Diese Aussage über Herrn Thomas Mann, über den sich auch Benn gekonnt und  spöttisch äußerte, stimmt exakt-und ist noch zu gut. Ich halte Herrn Mann ( den ich im Studium der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft gründlichst bearbeiten musste...) für einen total überschätzten Autor. Seine gekünstelte Sprache ist unerträglich, was er allerdings gut verstand, war es, seine Wort- und Satzblöcke geschickt miteinander zu verknüpfen.Ich versuchte nach Jahren wieder den "Zauberberg " zu lesen, hoffnungslos. Dieses  pseudointellektuelle Geschwätz erfundener Figuren/Karikaturen hat nichts mit dem Leben, der Wirklichkeit zu tun. Da ging ich in mich, und las mal wieder Knut Hamsuns "Die Stadt Segelfoss", herrlich! Da ist man mitten im Leben drin, obwohl eigentlich alles so banal und alltäglich ist, aber es lebt!!! Und sprachlich war Hamsun mit der seltsamen Einarbeitung des historischen Präsens ( Zeitenwechsel  mitten im Satz, das muss man erstmals hinkriegen!!) diesem Herrn Mann weit überlegen. Und dabei schreibe ich noch gar nichts zu den Aussagen des Herrn Mann im amerikanischen Rundfunk, die seinen Charakter offenbaren...lassen wir das.

das kapital

24. Juli 2026 10:41

@ Franz Bettinger , Beta Jas und andere Lässt sich auf dem Narrativ der ewigen und einzigartigen Schuld eine gute Zukunft für Deutschland und die Deutschen aufbauen? Nein, sondern dieses Narrativ verhindert den geistigen Wiederaufbau und den künftigen Erfolg dieses Landes. /// Die USA machen das nicht so. Massenmmord in Hiroshima und Nagasaki. Niemand aber pflegt dort das Narrativ einer ewigen einzigartigen Schuld. Ganz im Gegenteil, die letzten 80 Jahre lang wurde weiterhin von den USA aus Massenmord und wurden weltweit Gewaltorgien organisiert. Die Narrative der ewigen Schuld der Deutschen dienen ausschließlich dazu, 80 Jahre US-Massenmord weltweit kritiklos möglich zu machen. Wir sind das Rohmaterial für die Ambitionen anderer. Eigene Ambitionen sind den Deutschen längst ausgetrieben worden. ///  Auch Chinas KP pflegt den Mythos Mao. Mao war ein irrer skrupelloser Massenmörder, Großer Sprung nach vorn und Kulturrevolution etwa 60 Millionen tote Landsleute. Kein Bekenntnis ewiger Schuld sondern "Liberalisierung". Heute ist die Herrschaft verfeinert und funktioniert - wie auch in der EU und Deutschland - ohne Massenmord. /// Jeder kann wissen, das Dritte Reich war ein Dreck. Schon der Nationalste der Nationalen kann das verstehen angesichts der Verluste. Gute Zukunftsgestaltung ist aber wichtiger und geht nur ohne übertriebenen Schuldkult.

Christa

24. Juli 2026 10:58

@Franz Bettinger, ich mische mich mal ungefragt in Ihre Argumentation ein. Es gibt unterschiedliche Blickrichtungen auf die Zeit des Nationalsozialismus. Die Antifa kennt nur eine. Dieser Blick ist forschungsseitig nahezu ausschließlich männlich geprägt. Was ich damit sagen will ist, dass eine weibliche Perspektive vielleicht zu ergänzenden Schlüssen kommt. Mit dem Ziel, den Vorfahren mehr Respekt zu zollen. Es geht doch nicht darum, irgendwelche linken Narrative zu bestätigen, sondern darum, dem In-der-Welt-sein eine andere Perspektive zu geben. 

RMH

24. Juli 2026 11:16

.... und da startet sie wieder, die nächste, tausendmal durchgekaute Endlosschleife.
Wenn solches Wiedergekäue der Inhalt mancher Manuskripte ist, brauchen sich deren Autoren nicht zu wundern, wenn es ne Absage gibt.
Originalität, was "Neues" oder so noch nicht Gelesesenes ist die Klippe, an der das Meiste scheitert. Kein Wunder, in vermutlich 300000 Jahren Geschichte des sich anmaßend "sapiens" nennenden homo, ist vemutlich fast alles schon milliardenfach schon mal gedacht und erlebt worden - und bereits millionenfach niedergeschrieben worden. Wer suchet, der findet, wer meint, das Rad neu erfinden zu müssen, der schreibt halt was "creativ" nieder. Das soll nicht verächtlich verstanden werden - ich habe Respekt vor jedem, der sich hinsetzt, seine Gedanken sammelt und etwas zu Papier oder heutzutage in den Rechner bringt (dank Spracherkennung muss man nicht mal mehr tippen, was ich selbst dennoch für Foren wie diese hier tue).

stimmviech

24. Juli 2026 12:41

@Kositza Ja klar, ein Kaplaken- mein Buch wäre von der Länge so ungefähr eins- kostete ca. 800,- . Und 23,- Euro jährlich für den Datenerhalt. Aber warum schreibe ich ein Buch und mache nicht einfach eine Webseite? Weil das Buch das beste Medium ist, einen Text zensursicher in die Welt zu bringen und der Welt zu erhalten. Das sollte jedem Hobbyautor etwas Geld wert sein. Verkauft habe ich seit 2011 gut 100 Bücher, 200 nochmal selbst gekauft und über die Bücherschränke verteilt. 

NC472

24. Juli 2026 13:38

Als vor allem in Englischsprachigen Nischen Bereichen aktiver Inhalts Produzent von Texten, Filmen und Musik würde ich nie auf die Idee kommen meine Erzeugnisse an Verlage, Studios oder andere Informationsverteilungs Netzwerke des 20. Jahrhunderts zu schicken und um Zusammenarbeit betteln, für keine Form von finaziellen Anreizen; DMs von solchen Netzwerken die um Zusammenarbeit betteln bekommen das Bild einer Katze, die ihnen den Mittelfinger zeigt. Sorry es so offen im Kommentarbereich des Blogs eines Verlages sagen zu müssen, aber ich glaube nicht, dass dieser Wirtschaftszweig die nächsten 10-30 Jahre überleben wird. Der bestehende Markt stirbt einfach weg und die Marktpenetration in die relevanten demographischen Gruppen unter 40 ist lachhaft. In einer barrierefreien Informations Produktions und Distributions Umwelt sind sie einfach obsolet und oft rufschädigend für den Inhaltsproduzenten; kurzeitig vielleicht finanziel lukrativ und einfacher aufgrund von Outsourcing verschiedener Mikro Organisations Aspekte, aber langfristig ein Verlust an Reputation.Das einzige was ich glaube was Antaios für sich hat, was es von anderen Verteilungsnetzwerken unterscheidet und sein stärkstes Asset ist, dass es aufgrund seines Aussenseiterstellung den Ruf von Authentizität genießt, und das ist genau was der relevante demographische Markt will und bezahlt, Authentizität — nicht die verfälschte Konsens Plastik Welt des 20. Jahrhunderts, die ist raus und kommt nicht wieder.

Kositza: Ogott, Sie bräuchten nicht nur ein Lektorat, sondern erstmal ein Korrektorat. Normalerweise verbessere ich Typos von Kommentatoren stillschweigend, aber hier... pardon

Waldgaenger aus Schwaben

24. Juli 2026 13:46

Was gerade ganz heiß diskutiert wird, sind KI-genierte Werke. Ich habe in Chat-GPT folgenden Prompt eingegeben:
Ich möchte ein Sachbuch über die Chancen und Risiken des erstarkenden Rechtspopulismus in Deutschland schreiben. Der Fokus soll auf den Chancen liegen. Gib mir einen Pitch und eine Gliederung in zehn Kapitel.
Pitch:
Der Rechtspopulismus wird in Deutschland häufig entweder als existentielle Bedrohung der Demokratie oder als notwendiges Korrektiv eines selbstzufriedenen politischen Establishments beschrieben. Beide Sichtweisen greifen zu kurz.
Dieses Buch untersucht nüchtern, welche gesellschaftlichen Funktionen rechtspopulistische Bewegungen tatsächlich erfüllen können und wo ihre Grenzen liegen. Es fragt, warum Millionen Bürger sie unterstützen, welche Defekte des politischen Systems dadurch sichtbar werden und ob demokratische Institutionen gerade durch diese Herausforderung widerstandsfähiger werden können....
Statt moralischer Urteile bietet das Buch eine politikwissenschaftliche Analyse der Frage, ob Rechtspopulismus eine Krankheit der Demokratie oder eine ihrer Selbstheilungskräfte sein kann.
1/2

Waldgaenger aus Schwaben

24. Juli 2026 13:47

2/2
 
Die Kapitelgliederung ist zu umfangreich, um hier als Kommentar zu erscheinen. Sieht aber nicht schlech aus.
Sie kann hier angeschaut werden:
https://chatgpt.com/share/6a634de2-cc54-83ed-94e1-dfd092d60f10
Mit KI-Hilfe wäre das Buch schätzungsweise in 100 Stunden druckreif.  Die gesamte Literatur Belletristik und Sachbuch steht vor gewaltigen Umwältungen

Martha

24. Juli 2026 15:20

Es gibt eine Alternative zum Bücherschreiben: Viele rechte Internetseiten suchen gute Autoren. Natürlich muß man dort auch im gleichen Umfang sieben, doch der Aufwand für einen Artikel ist viel geringer. Manchmal ist ein Artikel gut, muß aber noch überarbeitet werden. Manches Buch kann man auch in einem Artikel zusammenfassen oder einzelne Aspekte herausarbeiten. Kurzprosa wäre ebenfalls einen Versuch wert, anstatt einen ganzen Roman zu schreiben. Auf jeden Fall sollte man es selbst versuchen und sich niemals abschrecken lassen. 

Carsten Lucke

24. Juli 2026 19:38

@ Maiordomus
Sie fragten nach Heino Bosselmann - habe eben Erschütterndes gelesen :
https://www.evangelisch.de/inhalte/257507/24-07-2026/heino-bosselmann-weg-von-der-afd-hin-zur-kirche
 

Sandstein

24. Juli 2026 22:36

@Carsten Lucke
danke für den Hinweis, das ist tatsächlich überraschend. Hatte mit HB via Email privaten Austausch, das ist sicher 1 Jahr her. Habe mich ihm immer verbunden gefühlt und egal welchen Weg er gewählt hat, ich wünsche ihm alles Gute. Viel mehr bleibt nicht zu sagen. HB, falls du das lesen solltest: Gott mit Dir!

Laurenz

24. Juli 2026 22:43

@Das Kapital, Franz Bettinger, Beta Jas & Christa ... Nationalsozialismus, Kolonialismus, Grüner Neo-Kolonialismus, Neo-Feudalismus, Bolschewismus, was auch immer Sie meinen, debattieren, analysieren, ausarbeiten zu müssen, so, wie hier kommentiert wird, begründet sich kein wissenschaftlicher Ansatz. Wissenschaft kennt keine Moral. Wissenschaft stellt anhand von Quellen, Funden fest & muß anhand von (ökonomischen) Zahlen, Plausibilität zeigen. Auch Politik kennt keine Moral, sie benutzt sie nur. Schuldzuweisungen beweisen politische Absichten, die mit religiöser Argumentation untermauert werden. Wer historisch & politisch moralisiert, will bescheißen. Im Regelfall manipuliert jeder Staat seine eigene Geschichte. Das führt dann auch zu Konflikten, wie aktuell zwischen Polen & der Ukraine. Einzig wir suhlen uns als moderne Flagellanten in irgendeiner Sündhaftigkeit. Wenn wir schon sonst keine Weltspitze mehr in irgendwas sind, dann sind wir es in der Bürokratie & im Aufbau des Weltmoralhauptamts zu Berlin. @Christa ... eine weibliche Sicht der Dinge soll was bringen? Nur die kleine Minderheit an Frauen, die in der Lage ist, beim Denken den Uterus abzuschalten, ist hier akzeptabel. Eine große Masse an Frauen in gesellschaftlich politische Verantwortung zu bringen, endet im Selbstmord von Nationen. Hier ist es auch zweckdienlich, EK-Artikel zu lesen. Nicht, daß EK Ihre 7 Kinder nicht lieben würde, wie jede andere im Geist gesunde Mutter. Aber diese Anzahl an Kindern erzwingt im Alltag rein zwangsläufig organisatorisch eine Inkaufnahme von Distanz. 

Laurenz

24. Juli 2026 23:04

@Martha ... Es gibt eine Alternative zum Bücherschreiben ... Sobald Schrift digitalisiert wird, oder im Netz steht, verwischt die Kontur des Buches, ja ganzer Kapitel. In der einer prognostizierten Theorie würden alle Antaios-Kaplaken digital zu einem Werk veschwimmen. ... Viele rechte Internetseiten suchen gute Autoren. ... Das erscheint mir nicht plausibel. Es gibt weltweit tausende rechter Kanäle & Web-Seiten, die alle, um zu existieren, ein rechtes Info-Business betreiben müssen, also eine Art Crowdfunding (Finanzierung durch die Masse der Konsumenten). Hier wird, gemäß @CI, (durch die Linke) der Begriff Rechts arg weit gefaßt. Alle, die von den linken Standard-Haltungen abweichen, sind rechts, im Grunde eine weltweite Mehrheit. Schauen Sie Sich die Masse, auch an ex-linken Autoren, wie Dr. Sylke Kirschnick oder Wolfgang Herles an, die bereits alle aus dem alten Framing gefallen sind & sich in den ehemals konservativ-alternativen - & jetzt im nagelneu-rechten Bereich zwangsweise aufhalten. Klicken Sie einfach mal bei Tichys oben auf Autoren. ... @Carsten Lucke @Maiordomus ... HB ist Katholik geworden, quasi ein Überläufer oder jetzt doch nicht? Gibt es mehrere Spielarten des Katholizismus? In meiner armen Heidenseele türmen sich nun Fragen über Fragen....

Franz Bettinger

24. Juli 2026 23:19

@Christa: Ohne es zu wollen, stellen Sie hier Fallen auf. Wollen Sie wirklich jemanden, dem man 2 Hände auf den Rücken gefesselt hat, in den Boxring schicken, in dem noch obendrein der Schiedsrichter bestochen ist? Es gibt in D keine Meinungsfreiheit. Es gibt sattdessen strafabewehrte Tabus, für deren Bruch man ins Gefängnis geht. Deshalb sollten Sie mit Ihren histor. Gewissheiten vorsichtig sein. Die Forschung zum Thema 3. Reich ist weder männlich noch weiblich, wie Sie meinen, sie ist schlicht beschränkt, total unfrei, geknebelt, und deshalb sind ihre Resultate in wesentlichen Teilen falsch. Wir müssen es dabei auch bewenden lassen. 

Gracchus

24. Juli 2026 23:33

@Carsten Lucke: Das ist ja krass. Dieselbe Frage wie MD hatte ich mir auch schon gestellt. 

Waldgaenger aus Schwaben

24. Juli 2026 23:45

Ein großes Forum für Hobbyautoren ist dsfo.de . Dort kursieren Zahlen von 2000 -5000 zu 1 bei unverlangt eingesandten Manuskripten. Das gilt aber nur für Publikumsverlage. Bei kleinen und mittleren Verlagen ist die Chance zwar größer, aber es wird wohl von Autoren verlangt, sich selbst am Marketing zu beteiligen, heißt: das Buch im Verwandten- und Bekanntenkreis zu verkaufen und bei Buchhandlungen Klinken zu putzen.
Agenturen, die überwiegend mit Publikumsverlagen zusammenarbeiten erhalten auch massenweise Manuskripte und sortieren vor. Am Ende dürfte die Erfolgsquote über diesen Weg auch nicht viel höher sein.
Zu den Alternativen für Hobbyautoren:
1. Druckkostenzuschussverlage sind Abzocker, die alles an Manuskripten annehmen, was reinkommt, vom Autor sehr viel Geld verlangen (5000 – 10 000€) und nichts oder wenig dafür tun. Kein Lektorat, kein Marketing, Druck nur bei Bestellungen. Finger weg! Geld fließt vom Verlag zum Autor und nie umgekehrt. Manche DKZV verlangen nicht direkt Geld, sondern eine Mindestabnahme von Büchern. Hier auch: Finger weg!
1/2

Waldgaenger aus Schwaben

24. Juli 2026 23:46

2/2
2. Dienstleister. Das sind seriöse Unternehmen, die Lektorat, Coverdesign, Korrektorat, Beratung, Satz, etc. gegen Geld anbieten. Wem es das wert, sein Buch für 5 – 10 Euro pro Normseite professionell lektorieren zu lassen, soll tun,  sich aber bewusst sein, dass es kein return-of-invest gibt. Die Chancen einen Verlag zu finden, erhöhen sich nur minimal.
3. Self-publishing Plattformen, wie BOD, tredition, KDP. Dort ist es theoretisch möglich, sein Buch veröffentlicht zu kriegen, ohne einen Cent zu bezahlen. Die Unternehmen verdienen ihr Geld an den verkauften Exemplaren. Da dort alles weitgehend automatisiert ist, und der Autor sein Werk als druckreifes pdf hochlädt (oder epubli für E-Books), haben sie initial keine Kosten (Nur Fixkosten für server etc.). Viele SP-Plattformen, oder alle, bieten Dienstleistungen (siehe 2) an, die dazu gebucht werden können, aber nicht müssen.

Majestyk

25. Juli 2026 01:17

@ NC472:
"In einer barrierefreien Informations Produktions und Distributions Umwelt"
Was soll das sein? Wer bietet die Infrastruktur und warum? Entstehen da keine Kosten und wer trägt diese? Und wie kommt der von Ihnen produzierte Inhalt zu mir? Welche Algorithmen braucht es dazu? Und warum ist nicht professionell aufbereiteter Inhalt besser? Authentizität beinhaltet noch lange nicht Qualität und schließt auch keine Wahrnehmungsfehler aus. 
@ Waldgänger aus Schwaben:
Ihnen ist aber schon aufgefallen, daß die KI nur Gefälligkeitsschreiber ist und man jener eigentlich alles entlocken kann? Ein solches Buchprojekt wäre zu begrüßen. Das könnte hier im Kommentariat aber auch als Gemeinschaftsarbeit entstehen. Jeder hat so seine Spezialgebiete, zu denen er etwas beisteuern kann. Das wäre dann wirklich mal ein greifbares Ergebnis und ein echter Debattenbeitrag.
Ja, KI wird den Markt verändern, ob KI zur Aufklärung beitragen wird oder eher ein Projekt der Gegenaufklärung ist bleibt abzuwarten.
@ Martha:
"Viele rechte Internetseiten suchen gute Autoren."
Generell suchen viele Seiten Autoren, nur will keine Seite Autoren bezahlen. Muß jeder für sich entscheiden, ob er sich das als Hobby leisten will. Persönlich glaube ich, daß nicht alles von jedem erzählt werden muß. 
 

Majestyk

25. Juli 2026 01:19

Ich habe selber mal angefangen, Jugenderinnerungen meines Vaters aus der Kriegs- und Nachkriegszeit zu sammeln und aufzubereiten. Mit schwebte dabei ein biographisch eingefärbter Roman vor, mit heiter-bitteren Episoden. Krieg und Nachkriegszeit aus der Sicht eines Kindes. Für meinen Vater war die Zeit tatsächlich mehr Abenteuer als Entbehrung.
Irgendwann ist mir klar geworden, daß es solche Geschichten schon gibt, ich persönliche Geschichten vielleicht gar nicht in der Öffentlichkeit sehen möchte und ich vermutlich Jahre brauchen würde, um den Roman so zu gestalten, daß ich selber diesen würde lesen wollen, falls mir das überhaupt gelingen könnte. Ich vermute mal, ich wäre als Glossenschreiber eher geeignet, denn als Romancier.

Majestyk

25. Juli 2026 02:07

@ Franz Bettinger, Beta Jas:
Ich vermute, Sie reden aneinander vorbei. Hoffe ich zumindest. Sie Franz Bettinger schreiben vom Krieg, dessen Ursachen und den Verantwortlichen. Diesbezüglich ist es angebracht vieles zu hinterfragen. Natürlich ging es nie um das System Hitler. Der lieferte nur die ideale Steilvorlage für die Propaganda der Gegner. Die Briten interessierten sich nicht für Polen oder hat dessen Schicksal nach dem Krieg noch jemanden gejuckt? Die US-Regierung interessierte sich bestimmt nicht für deutsche Juden. Amerikanische Juden durften bis in die 1960er in vielen US-Staaten nicht einmal in Country-Clubs und rangierten in der Wahrnehmung kaum über den Negern. Schön thematisiert in Filmen wie "Miss Daisy und ihr Chauffeur" oder "Tabu der Gerechten". Niemand zerbombt kurz vor Kriegsende ein Land, welches er befreien will.Sie Beta Jas hinterfragen, warum viele Rechte Probleme haben die NS-Zeit als Schandfleck zu betrachten, trotz totalitärem Geist im Innern. Warum haben sich Millionen von einer Wohlstandskurve haben blenden lassen? Warum sind heute so viele Deutsche verblendet, trotz Abwärtstrend? Folgsamkeit gegenüber der Herde ließ sich wunderbar während der letzten großen Grippewelle beobachten. Woher kommt sowas? Ich habe es da einfacher, für mich waren die Nationalsozialisten Linke. Nicht wegen des Worts Sozialismus, sondern weil die unfähig waren Mensch als Individuum zu sehen, statt nur als Teil eines Kollektivs. Für mich macht genau das Links aus. Herdendenken vs. Individualität.

Rheinlaender

25. Juli 2026 06:59

@Carsten Lucke
Für erschütternd halte ich es im Zusammenhang mit der Meldung vor allem, dass die evangelische Kirche die Frage der Bekehrung hier offenbar primär von der politischen Einstellung abhängig macht. Als Bekehrter sollte man (ich spreche aus eigener Erfahrung) skeptisch sein, wenn zuerst politische Glaubensbekenntnisse von einem gefordert werden, denn das bedeutet, dass man nur eine andere Partei gefunden hat, nicht aber die Kirche. Daran, dass hier eine echte Bekehrung stattgefunden hat, habe  ich ansonsten keine Zweifel. Man konnte in den letzten hier veröffentlichten Texten deutlich herauslesen, dass hier etwas in Bewegung ist.

Guilelmia

25. Juli 2026 08:31

Zur Sache: Eine Alternative zu Books on Demand ist die GRIN Publishing GmbH, die ich selbst vor Jahren für die Publikation eines Textes über Gottfried Benn nutzte. Damals gab's dort keinerlei Unterstützung und überhaupt kein Lektorat.

RMH

25. Juli 2026 09:35

Das H. Bosselmann ein Suchender ist, zeigte sich in seinen Texten. Das er als eher "Preuße" dann nicht dem rechts-konservativen Trend des konservativ katholischen folgte, sondern beim Protestantismus landete, auch nachvollziehbar - aber bei einer Einheit der EKD? Da muss dieser vom Kopf her komplett verfaulte Körper doch noch ein paar lebendige Fingerglieder haben, die regional vor Ort sich entfalten konnten (ich habs nicht mehr erlebt & habe die lange, evangelisch-lutherische Tradition meiner Familie beendet, selber ausgetreten, meine Kinder, als letzte noch fruchtbare Zweige der einstmals großen Familie, wurden katholisch & ich bin damit im Reinen). Ich wünsche H.B., dass er jetzt nicht als Vorzeige-"Bekehrter" medial benutzt (!) wird, sondern auch davon etwas hat. Bspw. dass er an einer Schule unter kirchlicher Trägerschaft wieder Lehrer sein darf (für mich wäre das ein Beweis, dass die Kirche nicht mit H.B. nur spielt).
Unabhängig davon: Das letzte Lebensdrittel sollte der Spiritualität gehören, insbesondere, wenn einem durch Aufwachsen in einem atheistischen Staat oder einer atheistischen Familie der Zugang dazu in jungen Jahren verbaut wurde. Evtl. publiziert H.B. noch einmal einen Artikel, wäre schön.

Le Chasseur

25. Juli 2026 10:21

@RMH
"Evtl. publiziert H.B. noch einmal einen Artikel, wäre schön."
Oder mehrere.

Christa

25. Juli 2026 10:49

Okay @Laurenz, weder vom fehlgeleiteten Staat, noch von dessen speziellen Art, unliebsame Politiker und "unseriöse" Wissenschaftler als Geschichtsrevisionisten und Antisemiten zu diffamieren, und auch sonst lasse ich mir den Mund nicht verbieten. Das wäre ein Novum. Ich werde weiter hierzu publizieren und zumindest korrigierend versuchen, bei jungen Menschen den Eindruck zu bestätigen, dass die zwölf Jahre "Vogelschiss" nicht alles waren. Den Holocaust negiert man deshalb selbstverständlich nicht. Insofern es Jugendliche überhaupt noch interessiert. Die haben, weiß Gott, ganz andere Probleme zu bewältigen.
Wenn dem dann so ist, steht morgen der Verfassungsschutz oder sonst wer vor meiner Haustür. 
 

Christa

25. Juli 2026 11:06

@Rheinländer, seit wann ist die Kirche nicht politisch? Nur bei den von mir sehr wertgeschätzten Zeugen Jehovas habe ich persönlich erlebt, dass es anders sein kann. Wenn die Chöre vor der Kirche für die Demokratie (merke: nicht Theokratie!) singen und ständig von der Wahl der AfD warnen, ist die Botschaft, die davon ausgeht, klar. 
@Waldgaenger aus Schwaben, der Dr. Kovac Verlag ist nahezu kostenlos. Zwar kein Lektorat, jedoch hohe Sichtbarkeit der Werke.  Ich denke, das ist das allerwichtigste Argument. Für Antaios dürfte letztgenanntes insbesondere gelten.

das kapital

25. Juli 2026 11:16

@ EK Danke für Ihre Geduld auch mit NC472, der ja vielleicht am 1. April 1972 geboren ist und Nicolaus Correkturbedürftig heißt ;-) Ein bisschen Selbstüber-schätzung steckt da schon auch mit drin. ///  Generell ist es natürlich so, dass sich die Medienarbeit strukturell heftig verändert hat und weiter verändern wird. Wer sich mal die Druckauflagen von Tages- und Wochenzeitungen ansieht, der weiss, dass vieles davon dem Tode geweiht ist. Aktuell zu erleben bei Burda. Wenn ich mir Königin Sylvia im Netz anschauen kann, dann brauche ich / dann braucht der Markt keine Burdablätter mehr. Youtube Videos verdrängen oft schon aktuelle Sachbücher, deren Auflagen schrumpfen und werden teils auch zum eigenständigen Geschäftsmodell - z.B. Alexander Raue Vermietertagebuch, der jetzt gerade so auf die 500.000 Abonenten zugeht. /// Dennoch sind vertrauenswürdige Verlage als Wegweiser und zur Qualitätssicherung völlig unverzichtbar angesichts des auch uferlosen Mülls, der sich im Netz verbreitet. Das Netz ist nicht nur eine Chance für alle, sondern auch ein gigantischer Müllhaufen woker und sonstiger schlechter Ideen. /// Getretener Quark wird breit, nicht stark. - Goethe. Verlage wie eurer helfen dem geneigten Leser, den getretenen Quark zu vermeiden. Danke dafür.

das kapital

25. Juli 2026 11:31

 @ Majestyk "Ich habe es da einfacher, für mich waren die Nationalsozialisten Linke. Nicht wegen des Worts Sozialismus, sondern weil die unfähig waren Mensch als Individuum zu sehen, statt nur als Teil eines Kollektivs." Das ist ja nun ein Punkt, der sich schon durch viele Diskussionen zieht. Grundprinzipien des "echten" Sozialismus sind doch aber wohl u.a. 1) die Internationale, also komplette Weltenrettung 2) Entmachtung des Kapitals 3) Generelle Enteignung und Verstaatlichung. Das alles hat das Dritte Reich nicht umgesetzt. Kein Zweifel, dass es am 30. Januar 1933 bei der NSDAP noch überzeugte Sozialisten aktiv waren. Die Funktionsträger der SA sind dann aber Mitte 1934 niedergemetzelt worden und handfeste Konservative und Erzliberale auch. Das Konzept des Dritten Reiches war ein Deutschland in den Grenzen Europas, nicht eine Herrschaft der Arbeiterklasse weltweit. Die haben einen Teil des Kapitals enteignet und umverteilt. Wer 10 Prozent umbringt und an 90 Prozent verteilt, hat 90 Prozent Freunde und 10 Prozent Zentralfriedhof. Kriegswirtschaft kriegen wir ja heute auch wieder mit Merz und Pistorius. Umverteilt aber wird in die Gegenrichtung.

H. M. Richter

25. Juli 2026 11:43

Wäre Heino Bosselmann während seines Wehrdienstes an der innerdeutschen Grenze eines Tages oder Nachts vom Grenzturm gestiegen und hätte seine Dienstwaffe abgelegt, weil er das, was von ihm verlangt worden war, nicht länger mit seinem Gewissen hätte vereinbaren können, wäre es für seine Vorgesetzten wohl eine ebenso große Überraschung gewesen wie für manchen Leser der hier weiter oben von Carsten Lucke verlinkte Artikel. 
 
RMH hat bereits kluge, einfühlende Worte dazu gefunden, für die ich ihm danke.
 
Die Begegnung mit dem lebendigen Christus kann bei einem Menschen vieles ins Wanken bringen. Bei manchem vielleicht auch zu viel auf einmal.
 
Ich könnte hier jetzt von einem Freund erzählen, der als verdienstvolles, jahrzehntelanges Kirchenvorstandsmitglied aus seiner Gemeinde gedrängt wurde, als er Landtagsabgeordneter der AfD geworden war, tue dies aber nicht, sondern sende Heino Bosselmann Segenswünsche in der Gewißheit, daß er auch Zukünftiges einer Prüfung dergestalt unterziehen wird, wie er dies mit Vergangenem – gerade auch hier auf SIN – stets tat.

das kapital

25. Juli 2026 11:44

@ Majestyk 2 "Für mich macht genau das Links aus. Herdendenken vs. Individualität." Individualismus ist erzliberal, nicht "rechts". Hatte Herr Mohler als "Rechter" nicht selbst den liberalen Individualismus verworfen? Muss ich dann auch nochmal nachschauen. Sind alle Faschisten Linke? War Mussolini ein Linker? General Franko? Stroessner in Paraguay? Bei Franko ist doch wohl klar, dass der Abwehrkampf gegen ihn von erklärten Linken geführt worden ist. "No pasaran" . Sie dürfen nicht durchkommen. Und das Dritte Reich hat ihn unterstützt, z.B. durch die Bombardements in Guernica. Wenn die Nazis "Linke" waren, warum haben die dann nicht ihre linken Freunde unterstützt und Franko und seine rechten Truppen bombardiert und niedergemetzelt? Dadurch hätten die bei ihren linken Freunden doch prachtvoll punkten können und hätten einen großartigen Partner für die europaweite Umsetzung ihrer "linken" Konzepte gewonnen? /// Doch, es gibt auch kollektive Strukturen von rechts. Sie haben da eine gefestigte andere Grundüberzeugung, die mit dem echten Geschehen nicht wirklich gut zusammenpasst. Der "Ständestaat" in Österreich war auch kein "linkes" Konzept.

Waldgaenger aus Schwaben

25. Juli 2026 11:54

Ertschreckend finde ich im Artikel über Bosselmann den letzten Satz:
Der Abschied von AfD und Neuer Rechter sei wie eine Erlösung, das Christentum eine Inspiration zu einem sinnvollen Leben, sagt er. Der Verfassungsschutz gibt zu dem Thema keine Einschätzung ab.
Wie kommt das"Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) gGmbH" dazu, sich beim Inlandsgeheimdienst über die politische Gesinnung und Religion eines Bürgers zu erkundigen und dem Geheimdienst damit zugleich einen Gesinnungswandel des Bürgers zu melden? Ich vermute mal, in der DDR wäre die evangelische Kirche nicht von sich aus auf die Stasi zugegangen. Einzelne IMs vielleicht, aber nicht die Kirche als Organisation.

das kapital

25. Juli 2026 12:01

@ Franz Bettinger "Die Forschung zum Thema 3. Reich ist weder männlich noch weiblich, wie Sie meinen, sie ist schlicht beschränkt, total unfrei, geknebelt, und deshalb sind ihre Resultate in wesentlichen Teilen falsch. Wir müssen es dabei auch bewenden lassen. " Da klingt ein wenig Angst vor staatlicher Verfolgung mit.Jeder im Forum hier darf sich sicher sein "Feind liest mit". Das heißt, es sollte hier nicht so ausgeführt werden, dass die Verleger in Verlegenheit geraten. Das ändert aber nichts daran, dass wahrheitsgemäß vorgetragen werden darf und soll./// Geschichte ist immer die Geschichte der Sieger. Die sähe dann eben auch ganz anders aus, wenn die "Bösen" 1941 in Moskau einmarschiert wären und es heute noch halten könnten. Das wahrhaft Böse wäre aber auch dann von Übel, wenn es durch die Wehrmacht gesiegt hätte. Massenmord und Holocaust werden nicht dadurch gerechtfertigt, dass er irgendjemand zum Sieg verhilft. Die USA sind genauso wenig gerechtfertigt. Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Agent Orange in Vietnam. 1,3 Millionen Tote Zivilisten durch den "Krieg gegen den Terror". Das sind die Sünden der moralisch verrotteten "Sieger".

nom de guerre

25. Juli 2026 12:05

@ Carsten Lucke Vielen Dank für den Link! Ich hatte mich schon seit einiger Zeit gefragt, warum von HB keine Texte mehr erscheinen. Inhaltlich habe ich mich fast immer an ihnen gerieben, kalt gelassen haben sie mich eigentlich nie. Schon deshalb ist das jetzt schade. Erstaunlich finde ich (und meine das nicht spöttisch), dass jemand auf der Suche nach Gott ausgerechnet in der evangelischen Kirche fündig geworden ist. Ihm alles Gute!

Kurativ

25. Juli 2026 12:24

Mich drängt nichts und ich habe auch keine "Unvollendete" in der Schublade. Sachtexte kosten viel Arbeitszeit und lange Prosa würde ich anderen nicht zumuten, wie auch ich selber nicht von solcher traktiert werden möchte. Als Leser kann ich mir am ehesten noch humorvolle Beiträge vorstellen (Bauzeit). Bei Kurt Hättasch (Fangschuss) sehe ich für die Gemeinschaft einen dokumentarischen Nutzen. Ansonsten frage ich mich, was jemand dazu veranlasst unaufgefordert lange Texte zu verfassen und diese unter die Menschen bringen zu wollen. Vielleicht eine Liebe zur Sprache, den Wörtern und den Bildern, welche beim Lesen langer Texte im Kopf entstehen. Oder psychische Konflike, welche man durch Schreiben von sich wegschreiben möchte. Den Vorteil von Prosa gegenüber sachlichen Beschreibungen sehe ich schon. Man taucht in die Situation ein. Wenn ich die Liste der gelesenen Bücher rückwärts durchgehe, dann erinnere ich mich an kürze Texte mit Erkenntnisgewinn, wie "Bargeld für Hitler" oder "Polen 1939".

dojon86

25. Juli 2026 14:31

@Majestyk Nach meiner Erfahrung schließt sich Individualismus und Mitlaufen mit der Herde keineswegs aus. Radikalindividualisten landen natürlich nicht aus Überzeugung bei der Herde sondern aus Opportunismus. Der übliche Radikalindividualist kennt in letzter Konsequenz keine Loyalität außer zum Ich. Somit scheidet als Bezugspunkt Familie, Dorf, Stamm, Nation, Religion, oder last but not least der Menschheit aus. Es bleibt Verteidigung des jeweiligen Trends aus Nützlichkeitserwägungen. Und da haben wir auch schon die sogenannte Mitte der Gesellschaft. Deren Mitglieder, im der Masse Radikalindividualisten ohne Zugehörigkeit zu irgendetwas, verteidigen den Trend weil die Kosten für das gegen den Strom Schwimmen zu hoch und mögliche Gewinne daraus zu unwahrscheinlich wären. Und weil das noch bequemer ist und zur Vermeidung psychischer Dissonanzen, glauben sie auch daran. Ich erinnere mich, übrigens die Memoiren eines Mannes gelesen zu haben, dessen Vater, ein überzeugter Nationalsozialist nach dem Krieg zu seinem Sohn sagte, er habe den Eindruck, außer ihm wäre niemand in seiner Kleinstadt Nazi gewesen. Voila, da haben wir den Kern des Problems.

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