Hausaufgaben! Frontalunterricht! Talente stärken!

Ich lasse mich häufig vom „Staatsfunk“ umdudeln. Leute fragen, wie ich das aushielte. Na: sehr gut; ich weiß dadurch mithin, was die Leute beschäftigt. Die Normalo-Elite!

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

„Ein­ge­mach­te“ Pod­casts vom Schla­ge Kon­tra­funk, so löb­lich sie sein mögen, höre ich kaum. Mot­to: Ich weiß eh, was „wir“ denken.

Heu­te habe ich gleich drei (!! das müß­te einem Antai­os-Buch mal gesche­hen!) betu­lich-loben­de Rezen­sio­nen zu einem neu­en Buch gehört, Die Jugend malt wie­der Haken­kreu­ze der säch­si­schen Lokal­jour­na­lis­tin Manue­la Mül­ler.  Alle Rezen­sen­ten bekann­ten (leicht unter­schie­den im Aus­druck), das Buch immer wie­der „ent­setzt zur Sei­te gelegt“ zu haben: um “mal kurz durch­zu­at­men”. Es sei doch alles NOCH viel schlim­mer mit dem “Rechts­ruck”, als man es sich bereits dachte!

Kommt, bit­te. Die­se mani­pu­la­ti­ven Eska­la­ti­ons­stu­fen (“Ich kämpf­te mit den Trä­nen”, “Mir wur­de übel. So rich­tig übel”, “ab da wuß­te ich, was Panik ist” etcpp) sind sowas von aus­ge­lutscht! Ich hin­ge­gen „atme­te auf“, wenn die Frau Mül­ler selbst in ihrem sym­pa­thi­schen Dia­lekt zur Spra­che kam und hielt eher die Luft an, wenn die Radio­leu­te wie­der hyperventilierten.

Ein GANZ wich­ti­ges Ding für mei­ne Radio­leu­te in die­ser Sache ist, daß die sach­sen-anhal­ti­sche AfD „die Schul­pflicht ja abschaf­fen“ will. Das The­ma – Schu­le ver­stan­den als zuver­läs­si­ger Anti-Rechts-Agi­ta­tor – wird (ordent­lich ver­kürzt) rauf- und run­ter­ge­rit­ten, sprich: skandalisiert.

Sie bekom­men Schluck­auf, dabei darf man das in Ruhe the­ma­ti­sie­ren. Tat­säch­lich näm­lich ist der The­men­block „Schul­bil­dung“ im sach­sen-anhal­ti­schen Regie­rungs­pro­gramm (selbst­be­wußt nen­nen sie es nicht “Wahl­pro­gramm”) beson­ders stark:

Seit Jahr­zehn­ten sinkt in ganz Deutsch­land und Sach­sen-Anhalt das Bil­dungs­ni­veau. Grund­schü­ler kön­nen nicht mehr rich­tig lesen, schrei­ben und rech­nen. Das Abitur befä­higt nicht mehr zum Stu­di­um. Das Hand­werk sucht ver­zwei­felt Aus­zu­bil­den­de. Der viel dis­ku­tier­te Leh­rer­man­gel ist kei­ne Ursa­che der Kri­se, son­dern nur eine ihrer Aus­wir­kun­gen. Die Bil­dung ver­fällt nicht, weil es immer weni­ger Leh­rer gibt, son­dern, weil die Bil­dung ver­fällt, will nie­mand mehr Leh­rer wer­den. Auch und gera­de der Unter­richt, der statt­fin­det, taugt immer weni­ger. Die­se Kri­se ist kei­ne Kri­se des Gel­des, es ist eine Kri­se des Geistes.

Gut brüllt der Löwe, und er brüllt zurecht! Weiter:

Die AfD setzt der unge­bil­de­ten Bil­dungs­po­li­tik der Alt­par­tei­en eine gebil­de­te Bil­dungs­po­li­tik ent­ge­gen, die sich zur guten päd­ago­gi­schen Tra­di­ti­on bekennt und die Schu­le von allen nicht-schu­li­schen Auf­ga­ben befreit. Weder sozia­le und psy­cho­lo­gi­sche Betreu­ung noch Inte­gra­ti­on und Inklu­si­on, son­dern allein die Ver­mitt­lung von Kul­tur­tech­ni­ken (Lesen, Schrei­ben, Rech­nen) und Bil­dungs­gü­tern ist Auf­ga­be der Schu­le. Wir wer­den dafür sor­gen, dass im Unter­richt wie­der die bewähr­ten päd­ago­gi­schen Kon­zep­te ange­wen­det wer­den. Bil­dung bedeu­tet, sich Bil­dungs­gut anzu­eig­nen und fest­ge­steck­te Zie­le zu errei­chen. Der Leh­rer ist dabei nicht blo­ßer „Lern­be­glei­ter”, son­dern Auto­ri­tät und Vermittlungsinstanz.

Die Alt­par­tei­en glau­ben, etwas gegen die Bil­dungs­kri­se zu unter­neh­men, wenn sie schon die Grund­schu­len mit digi­ta­len End­ge­rä­ten über­schüt­ten. Dabei ist über­mä­ßi­ger und ver­früh­ter Umgang mit digi­ta­len Medi­en eine Ursa­che für den Bil­dungs­ver­fall. Allein der Umstand, dass die älte­ren Gene­ra­tio­nen, die tra­di­tio­nell unter­rich­tet wur­den, bes­ser gebil­det sind, als die jün­ge­ren Gene­ra­tio­nen, die zum Opfer diver­ser Refor­men wur­den, beweist die Über­le­gen­heit der tra­di­tio­nel­len Päd­ago­gik. Haus­auf­ga­ben, Fron­tal­un­ter­richt, regel­mä­ßi­ge Übungs­auf­ga­ben im Unter­richt, sys­te­ma­ti­sche Wie­der­ho­lung und Leis­tungs­kon­trol­le, umfang­rei­che Lek­tü­re – das sind die Instru­men­te, die unse­rem Schul­sys­tem wie­der auf die Bei­ne helfen.

Wenn ich schon „Fron­tal­un­ter­richt“ höre, leuch­ten mir die Augen! Oh, gibt es über­haupt noch die­se Leh­rer, die den Kin­dern begeis­tert erzäh­len kön­nen? Flam­mend für ihr The­ma? Dozie­rend aus Lei­bes­kräf­ten, mit Leidenschaft?

Ich – in der Ära „Team­work“ („erar­bei­tet gemein­sam Quel­le M1 und Quel­le M2“, *kotz­würg*) auf­ge­wach­sen, habe in Rest­be­stän­den noch Fron­tal­un­ter­rich­ter vom alten Schlag erlebt. Das war herr­lich. Das war auch streng. Du bekamst die gan­ze Geschich­te der Pip­pin­schen Schen­kung, der Mei­ose oder der Kon­ti­nen­tal­drift leib­haf­tig und frei erzählt – und muß­test es mit­schrei­ben (Nach­fra­gen gern gese­hen), um es in der Fol­ge­wo­che nach­voll­zieh­bar wie­der­ge­ben zu können.

Lie­ber Him­mel, DAS war Bil­dung! DAS waren Leh­rer, die brann­ten für ihr The­ma! Die Inhal­te, die Fra­ge­stel­lun­gen: bis heu­te ein­ge­mei­ßelt! Weck mich um sechs Uhr, und ich kann Dir alle Schrif­ten des Neu­en Tes­ta­ments in Rei­hen­fol­ge und unge­fäh­rem Inhalt wiedergeben!

Zum The­ma „Schul­bil­dung“ hat die AfD Sach­sen-Anhalt in ihrem Regie­rungs­pro­gramm 33 Unter­punk­te. Sämt­li­che sind mit einem Aus­ru­fe­zei­chen ver­se­hen (was iro­nisch kri­ti­siert wur­de) – gut so! Man muß mit Nach­druck for­dern, was einem sehr wich­tig ist.

Alle 33 Punk­te von „Hand­werk stär­ken. Talen­te früh­zei­tig erken­nen!“, über „Bil­dung statt poli­ti­scher Indok­tri­na­ti­on!“, “Leh­rer müs­sen poli­tisch neu­tral sein!“ bis zu „Schwim­men­ler­nen!“ sind unter­stüt­zens­wert; die Erläu­te­run­gen zu den ein­zel­nen Punk­ten sind valide.

Kom­men wir zum inkri­mi­nier­ten Unter­punkt 26, „Bil­dungs­pflicht statt Schul­zwang!“. Bit­te – was gibt es dar­an auszusetzen?

In allen Fra­gen zu Bil­dung und Erzie­hung der Kin­der müs­sen die Eltern das letz­te Wort haben. Wir wen­den uns ent­schie­den gegen alle Ver­su­che des Staa­tes, sich in die Erzie­hung der Kin­der ein­zu­mi­schen. Da die Schu­len immer weni­ger Bil­dung ver­mit­teln und immer stär­ker ver­su­chen, die Kin­der poli­tisch zu erzie­hen oder ihnen frag­wür­di­ge Lebens­an­sich­ten zu ver­mit­teln, ver­ste­hen wir Eltern, die ihre Kin­der selbst unter­rich­ten wollen.

Wir wer­den des­halb in Anleh­nung an das öster­rei­chi­sche Modell eine Wahl­frei­heit zwi­schen Schul- und Haus­un­ter­richt schaf­fen. Bedin­gung ist aller­dings, dass der Haus­un­ter­richt die glei­chen Qua­li­täts­stan­dards erfüllt wie der Schul­un­ter­richt. Alle Kin­der, die zuhau­se unter­rich­tet wer­den, müs­sen zur Kon­trol­le des Lern­fort­schritts halb­jähr­lich zen­tra­le Prü­fun­gen able­gen. Bleibt ein Kind zurück, muss es wie­der an die Schu­le. Das Recht auf Haus­un­ter­richt ist als Eltern­recht zu begrei­fen, die Bil­dung der Kin­der als Pflicht und der Schul­be­such als Ange­bot, das der Staat vor­hal­ten muss, das die Eltern jedoch nicht zwangs­läu­fig anneh­men müssen.

In mei­nen Ohren klingt das äußerst ver­nünf­tig. Ich selbst hät­te die Vari­an­te Haus­un­ter­richt aller­dings dan­kend abge­lehnt. Ich ver­mu­te, daß das auch über 95% der Sach­sen-Anhal­ter tun wer­den. Ver­mut­lich um die 99% gar.

Wo bit­te wäre also das gro­ße Pro­blem? Rigi­de ist (wie so oft) nicht die Alter­na­ti­ve. Rigi­de, auf­ge­regt und stur sind die ande­ren! Mehr lin­ke Leh­rer wer­den es jeden­falls ganz sicher nicht richten…

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (49)

Christa

29. Juli 2026 18:34

Was den Hausunterricht betrifft, bin ich zunächst skeptisch. Unter den genannten Bedingungen wäre er jedoch sinnvoll.
1. Die Rolle der "Nur-Hausfrau" erführe mehr gesellschaftliche Anerkennung, wenn die Kinder dadurch bessere Schulbildung  erhalten. Dafür müsste die Mutter aber eine entsprechende Vorbildung aufweisen. Oder es gibt eine Gouvernante, die das kann. 
2. Lehrer müssen heutzutage, (ebenso wie Polizisten) überwiegend  sozialpädagogische Aufgaben übernehmen. Ja, eine Folge der Migration. Elternsprechtage sind ein Witz geworden. Die Lehrer tun mir sehr Leid.
Die Hauptursache der schlechten Bildungslage liegt in den Händen der Regierungsveranrwortlichen begründet, die es einfach nicht können. Ein Beispiel aus meiner Heimat-Stadt: Die kommunale Verwaltung unterbreitet den Kommunalpolitikern im Jahr 2026(!) den Vorschlag, dass Migrantenkinder zumindest die deutsche Sprache beherrschen sollten, wenn sie in die Grundschule kämen. Dieser Umstand, der in einer linken Lokalzeitung thematisiert wurde, ist selbstredend. 11 Jahre nach Öffnung der Grenzen immer noch nichts geschehen.
Und waren Frauen in den 80ern  noch nicht zur Erwerbsarbeit genötigt. Darum sind es heutzutage eben nur zwei und nicht sechs Kinder. Dafür haben wir Migrantenkinder. Circulum virtuoso.
EK: Ich ging in den 70er- und 80er-Jahren zur Schule und erlebte es genau so. Das war nicht immer spaßig, hat aber Menschen geformt. 
 

Heinrich Loewe

29. Juli 2026 19:45

Es steht und fällt mit dem "Pädagogischen Eros". Mein Vater, selbst altgedienter Schulmeister, sagt: Er sieht bei einem Lehramtsanwärter nach einer Viertelstunde, ob das mit dem Beruf was wird oder nicht. DAS sind natürlich Faktoren, die ein parteipolitisches Wahlprogramm nur sehr bedingt liefern kann. Wie immer: Politik folgt Kultur...

Heinrich Loewe

29. Juli 2026 19:47

Steve Bannon hat mal erzählt, er hatte zusammen mit 60 (!) Kameraden in einer Klasse Frontalunterricht von einer Nonne - man konnte eine Stecknadel fallen hören.
DAS ist "Pädagogischer Eros".

ede

29. Juli 2026 19:54

Was soll man dazu sagen?
Korrekt und vollumfänglich d'accord. 

Laurenz

29. Juli 2026 20:22

@Christa ... Eltern, die keinen Bock mehr auf das Versagen von Schulen & im weiteren Sinne von Kultusministerien haben, können sich organisieren & sich beim Unterricht von Kindern mehrerer Familien abwechseln. Wenn man will, daß die eigenen Kinder angemessene Bildung erfahren, müssen sich doch eh hinsetzen & die Mangel-Bildung der Schulen kompensieren. In der Schule ist es dasselbe, wie im Sport oder beim Militär. Der langsamste bestimmt das Tempo. Deshalb funktioniert Inklusion mal 0.

ede

29. Juli 2026 20:46

 @Heinrich Löwe:
"Mein Vater, selbst altgedienter Schulmeister, sagt: Er sieht bei einem Lehramtsanwärter nach einer Viertelstunde, ob das mit dem Beruf was wird oder nicht."
Meines Erachtens das Großproblem in Schule und Kindergarten. 
Ich würde die Zugänge zu pädagogischen Studien rigoros ändern. Es werden Alma Hoppe Typen und Bauarbeiter gebraucht. Abiturnoten egal.
Im Kindergarten dito. Es braucht strenger und lieber Tanten die Spaß mit den kleinen Teufeln und Engeln haben, keine Akademiker. Abitur und Studium überflüssig. 
In meiner Schulzeit gab's noch reichlich Wehrmacht, Spätheimkehrer, gläubige Kommunisten, auch KZ, nur die Musiklehrerin war eine ganz liebe. Ich schäme mich heute dafür, ich habe mitgeärgert. 

RMH

29. Juli 2026 20:52

... und der Heino Bosselmann tritt bei solch einem Programm aus der AfD aus und distanziert sich (so ganz kann ich das Thema noch nicht begreifen).

Carsten Lucke

29. Juli 2026 21:23

Starker Text !
Wünschte, Heino Bosselmann läse ihn.
Aber der hat sich ja "erlöst".

Christa

29. Juli 2026 21:55

@Laurenz, theoretisch ist Ihr Vorschlag denkbar. Ich bin dabei! Praktisch scheitert er zur Zeit noch am fehlenden Gemeinsinn der Eltern. So jedenfalls ist das meine persönliche Erfahrung. Dort geht es darum, welches Kind Klassenbester wird (ich empfand das als ekelhaft) und nicht: "Wie kommen wir alle am besten durch?". Meine Söhne hatten keine Probleme, den niedrigen Standard zu überwinden (zumindest sagten sie es mir). Das Allgemeinwissen bildet sich zudem im Nachgang, durch jugendliche Neugier und Vorbildwirkung der Eltern. Steht im Elternhaus kein Buchregal, wird das Kind nicht darauf zugreifen können. Ein Buch ist Nahrung. Smartphones sind Junkfood.
Sollte diese Form der Befreiung vom schlechten Schulsystem, einschließlich dessen Doktrin real werden, dann kann es nur besser werden. Weil mehr Optionen zur Verfügung stünden. Die Curricula sind schon jetzt öffentlich einsehbar. Hin und wieder habe ich da reingeschaut. Da erkennt man schon, was selbstredend herausgestrichen werden darf.

Boreas

29. Juli 2026 22:40

Was Manu und ihrer Betroffenheitsmischpoke die achtsame Sprache verschlägt, wurde von Fritz-Martin Schulz, dem legendären Bundesführer des Nerother Wandervogel, schon vor 25 Jahren als zum Medienpopanz aufgeblähter normaler Trieb der Schuljugend erkannt, genau das zu machen, was von der Lehrerobrigkeit als schlimmstmögliche Verfehlung herbeihalluziniert wurde. Er war auch großer Befürworter wirklich männlicher Grundschullehrer und warnte in der frühen Digitalisierungsphase mit Prof. Dr. Spitzer vor der Bilschirmverblödung der Jugend.

Laurenz

29. Juli 2026 22:49

@Christa @L. ... ich kann da in der Praxis schlecht mitreden. Smartphones sind für mich denkbar wenig komfortabel. Es ist hanebüchen dämlich, keinen Rechner mit ordentlicher Tastatur zu benutzen. Ich kann Ihnen nur schildern, daß ich im täglichen Umgang mit dem Netz oder KI selbst wissen muß, sonst kann man nichts hinterfragen. Mir war es als junger Mensch nicht bewußt, welches Geschenk fürs Leben mir meine nicht immer so beliebte Kunstlehrerin, Frau Luise Bergert (im Gagern zu Ffm verabschiedet 1995), mir mit Ihren Lektionen in Kunstgeschichte machte. Dieser verbliebene Rest-Lehrstoff in meinem Hirn nach 45 Jahren, ist unbezahlbar, ein persönlicher Schatz, den ich nicht mit einer KI-Abfrage ersetzen kann. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Der Vergleich zu anderen Kindern ist dämlich, wenn alle nach den ersten 4 Jahren Schule kaum lesen können. Ich konnte schon mit 8 oder 9 Jahren Karl-May-Bücher fressen. Ob das altersgerecht war, ist ein anderes Thema. Das ist ein oder der Maßstab. Auch die Wahrnehmung von Zahlen ist überlebenswichtig. Kann ich als Kundschafter eine Kompanie & ein Regiment vor mir unterscheiden? 

Hedda

29. Juli 2026 23:27

Da die Zustände an den Schulen oft unhaltbar sind, ist ein Hausunterricht mit Prüfungen wünschenswert. Hier lassen sich Struktur und Regelmäßigkeit herstellen, kann ein systematischer Aufbau sowohl der Basis (Lesen, Schreiben, Grundrechenarten) als auch weiterführender Differenzierungen erfolgen. Vorbildung ist notwendig und es kommt auf die Kinder an. Es gibt Kinder, denen es leicht fällt, die nach der "Gundausbildung" als Selbstläufer lernen. Ist eine umfangreiche Bibliothek vorhanden, können sie sich austoben. Instrumentalunterricht, Sport, Chor, Garten- und Hausarbeit, Basteln und Malen ergänzen das Programm. Gemeinsames Vorlesen unterstützt. Konzert, Oper, Theater und Museen werden besucht. Das ist eine Vollzeitarbeit. Ich weiß nicht, ob sie funktioniert, wenn es Kinder schwerer haben.
Ein Punkt sind die sozialen Kontakte - über den Chor, das Orchester, den Sport lassen sie sich herstellen. Den Umgang mit Autoritäten lernt man beim Besuch von Vorträgen, später bei Gesprächsrunden (zuhören, denken, sprechen, klar, deutlich, mit Respekt). Das ersetzt keinen guten Unterricht, doch ist er nicht gegeben, muss man improvisieren.
So ungefähr haben wir's gemacht - nach Versuchen in verschiedenen Staats-, dann Waldorfschulen, einer ehem. Spezialschule für Mathematik. Über die Jahre sah man den Verfall, musste handeln, nahm den Nachwuchs über lange Phasen hinweg aus der Schule. Durch die Schulpflicht war das mit Risiken verbunden. Entfällt diese, wird das viele Eltern entlasten.

Ein gebuertiger Hesse

30. Juli 2026 00:35

@EK, erster Satz: "Umdudeln"? Habe ein neues Wort gelernt, wunnerbar.

Karl Otto

30. Juli 2026 07:54

Natürlich können das auch Anhänger irgendwelcher Sekten oder Muslime nutzen, die nicht wollen, dass ihren Kindern die gottlose Evolutionstheorie nahe gebracht wird. gebe zu bedenklen.

1Niedersachse

30. Juli 2026 08:01

@RMH
Stimmt, jetzt wo Sie es sagen...fällt es mir auch auf. Heino Bosselmanns letzter Beitrag datiert vom Februar diesen Jahres. Danach ist er anscheinend falsch abgebogen, wie früher schon einmal. Muss man nicht verstehen, nach all dem, was auch mit ihm persönlich passiert ist. Aber er hat auf mich - trotz seiner vielen guten Texte hier - immer schon einen leicht instabilen Eindruck gemacht. Merkwürdig und schade drum. Die Wahlmöglichkeit der Eltern zur Abschaffung der Schulpflicht bei gleichzeitiger Beibehaltung der Bildungspflicht ist zu begrüßen. Gerade bei dem ideologosch kontaminierten Bildungssystem im Shithole Germany.

Umlautkombinat

30. Juli 2026 08:20

Der Grossteil der 'nativen' englischsprachlichen Laender erlaubt und unterstuetzt homeschooling. Ich habe Freunde, die das in den USA mit ihren Kindern durchgezogen haben. In Neuseeland, wo ich einige Zeit gelebt habe, war das auch moeglich (dort kenne ich aber den Ablauf kaum). Australien mit seiner spezifischen Anforderung zu Fernunterricht zaehlt auch dazu.
 
Dinge wie der knowledge gap sind ueberall ein zu bewaeltigendes Problem. Die Loesungen sind und muessen vielfaeltiger sein als Zusammenschluesse von Eltern, die auch dort nicht die Regel sind. Je nach Bundesstaat gibt es z.B. sogar akkreditierte Lehrer, auf die man in nichtabgedeckten Themen zurueckgreifen kann. Generell existiert eine Infrastruktur, die das Problem schon im Ansatz beruecksichtigt. U.a. passend aufbereitete Stoffvermittlung, die teilweise sogar im Thema "blinde" Eltern voraussetzen kann, haeufiger aber Mitlernen als Mittel benutzt. Ein zeitlich passend gerastertes Pruefungssystem ist natuerlich unabdingbar. Ist aber alles generell kein Zuckerschlecken fuer die Eltern, in einem - als Land - komplett ohne solche Historie dastehenden Gebilde wie Deutschland wird es zusaetzlich schwer. Aber ja, ich begruesse das, obwohl ein paar richtig gute Lehrer nichts mit Gold aufwiegt. Fuer mich waren die schon praegend bis ins Universitaere hinein.

Laurenz

30. Juli 2026 09:18

@Umlautkombinat ... Nachdem Karl May Seine Zulassung als Lehrer verloren hatte, arbeitete Er als Hauslehrer.

RMH

30. Juli 2026 10:45

Die Schulpflicht ist doch eines der letzten Stücke Preußens und es ist schon bemerkenswert, wenn die AfD das "lockern" will und der versammelte, woke anti-preußische Rest daran fast schon sklavisch festhält.
Ich persönlich bin aufgrund der "Vielfalt" unserer aktuellen Gesellschaft auch dafür, dass die Schulpflicht die Regel bleiben sollte. Aber was sind Regeln schon, wenn man keine Ausnahmen definieren möchte?

Franz Bettinger

30. Juli 2026 11:50

Bin begeistert vom Programm der AfD. Denn Bildung ist der wichtigste Pfeiler der Demokratie. Weshalb die herrsch. Elitioten ja auch alles dransetzen, das Volk zu verblöden. "Bildungspflicht statt Schulzwang" gibt es in vielen westlichen Ländern, auch in NZ. Die offiz. Schule wird als Angebot, nicht als Pflicht gesehen. Ich kenne Eltern (in NZ), die ihre Kinder während des Corona-Schwindels aus der Schule nahmen, um sie nicht der dortigen Indoktrination auszuliefern. Klasse! 

tearjerker

30. Juli 2026 12:53

Schule ist der Ort, an dem Du zur Abwechslung nicht nur von alten Deppen umgeben bist. Immerhin.

Maiordomus

30. Juli 2026 13:11

Ehrllich gesagt hatte mal die Katholische Kirche eine ganz grosse Epoche, als sie zur Zeit des Kulturkampfes endlich ihre veralteten Klosterschulen zu teilweise hervorragenden Gymnasien reorganisierte, auch für Mädchen prima Schulen. Es waren Lehrpläne gegen den Zeitgeist, der wir eine Frau wie EK mitverdanken. Davon kann heute nur noch bedingt und vielfach überhaupt nicht mehr die Rede sein. Derlei Schulen hatten klar ihre Schattenseiten, wie Thomas Hürlimann mit seinem Roman "Der Rote Diamant" illustriert, der hier zurecht kontrovers diskutiert wurde mit mir als dessen Verteidiger. Bei satirischen Überzeichnungen werden dort pädagogische Verirrungen gezeigt, aber mit der Pointe der konstruktivsten und fruchtbarsten Darstellung einer gelungenen Griechisch-Stunde, bei der ein genialisches Original von Lehrer, Pater Erlebald, am Beispiel von Plutarch eine grandiose Lektion über den Zeitenwandel hält. Eine Lehrstunde auch für Kritik via allerbeste Gymnasialbildung, was manchen Internatsschrott quasi kompensiert.      

fw87

30. Juli 2026 13:12

Was ich am Frontalunterricht immer besonders gut fand, war sein "antitotalitärer" Aspekt. Man war nicht die ganze Zeit gefordert, konnte auch mal zum Fenster rausschauen oder sich gedanklich wegbeamen. Mit dem heutigen Fokus auf Gruppenarbeit, Evaluation und "Schüler unterrichten Schüler" versetzt man Kinder und Jugendliche in permanenten Stress und Wachsamkeitsmodus. Gestern las ich, dass Jugendliche heutzutage einfach Wörter erfinden, die keine Bedeutung mehr haben (sogenannte Jugendsprache) um sich dem Druck ständiger Bewertung zu entziehen. Es ist bedauerlich.
Eltern und Lehrer wollen heute keine Autorität mehr sein, sondern mehr der ältere Bruder. Anstatt auf der Gen Z herumzuhacken, was viele tun, sollte man sich Fragen, woher die Missstände kommen. Schon in den 50er-Jahren sprach Pater Kentenich von der "Gesellschaft der Vatermörder", will heißen vom Generalangriff auf Autorität und Verantwortung. Die heutige Schülergeneration ist nur das Opfer dieser grundfalschen Pädagogik. 

Bernard Udau

30. Juli 2026 14:22

Meine Erfahrungen beziehen sich nur auf Sachsen-Anhalt und Niedersachsen:
Die beschriebenen Reformen hören sich so an, als würden sie den Vorstellungen von deutlich mehr als der Hälfte von Lehrer-, Eltern- und Schülerschaft diametral entgegenlaufen. 
Hausaufgaben, üben, Leistungskontrolle, umfangreiche Lektüre, keine digitalen Endgeräte... Bei all' diesen Themen stoße ich in diesem Milieu teilweise auf völliges Unverständnis. 
Meine persönliche, abstrakte Diagnose: Schule und Bildung werden nicht mehr als Investition in das Individuum oder meinetwegen die Gesellschaft gesehen, sondern als Konsumgüter.
Man wird voll gegen den Zeitgeist gehen müssen, um da langfristig etwas zu ändern. Den betroffenen Akteuren in Sachsen-Anhalt wünsche ich nur das Allerbeste, aber zu Optimismus kann ich mich nicht durchringen.

lucianocali2

30. Juli 2026 15:47

Solange der Staat nicht gewährleisten kann, dass der schulische Erfolg nicht von der sozialen Stellung, der Bildung oder dem Einkommen der Eltern so unabhängig ist wie es in anderen Ländern durchaus erreicht worden ist, macht er sich mit einer Schulpflicht lächerlich. Wie EK schreibt, Heimunterricht betrifft ca 1  Prozent der Kinder, und der Staat soll ruhig alle halbe Jahre evaluieren. Den Beutelbacher Konsens inzwischen komplett ignorierende 'Demokratielehrer' und deren ideologische Dauerbeschallung sollten so unterlaufen werden können.

Beta Jas

30. Juli 2026 16:18

@fw87 Sie sind "Opfer" einer unbewussten Veränderung der Mentalität und Kultur der Menschen in diesem Land und anderen Ländern der westlichen Welt. Die Bildung ist auch deshalb so schlecht weil sie nicht die Disziplin mitbringen, da sie dies bei den Eltern nicht gelernt haben, denn Lehrern scheint es auch egal zusein und sie geben "gute Noten".
Wenn man dann aber ließt, das selbst Abiturienten nicht die Rechtschreibung perfekt beherrschen, muss man vom kulturellen Untergang einer Gesellschaft sprechen. Ich hab kein Abitur, bin aber jemand die sich Mühe gab in der Schule und der Schulabschluss damals, Real, hatte noch einen Wert gehabt, heute bekommt ihn "jeder" und das Abitur auch.

Monika

30. Juli 2026 16:46

Vielleicht kann man schon im Kleinen anfangen. Zwischen Schule und Elternhaus. Hier auf dem Land habe ich schon ein Märchenhaus gesehen. Dort bekommen Kinder von alten Frauen Märchen vorgelesen. ( Natürlich nicht von den Omas gegen rechts) . Das kommt gut an. Oder eine Waldschule, die Kindern die Natur nahebringt. Da ist einiges machbar, um die Bildungsmisere abzufedern. 

Laurenz

30. Juli 2026 16:55

Zu den politischen Äußerungen hier, möchte ich bemerken, daß das Herunterwirtschaften von Schulen & Lehrinhalten politisch gewollt ist. Wir sehen hier eine Besitzstandswahrung der herrschenden Klasse, wie sie sich in der Regelung des Beamtenrechts aus dem II. Reich zeigt. SPD-Granden, wie Schwesig, tun ihren Kindern das nicht an & schicken diese auf Privatschulen. Es geht hier um die allgemeine Proletarisierung des Volks. Da ich nur aus der theoretischen Ferne mit debattieren kann, unterstelle ich, heutige Großeltern müßten eigentlich bemerken, wie miserabel die eigenen Enkel ausgebildet sind.

Majestyk

30. Juli 2026 18:57

Von meiner Grundeinstellung her finde ich es richtig, wenn Eltern entscheiden dürfen, ob sie eine Präsenzschule nutzen oder nicht. Ich kenne selber Beispiele von Leuten, die im Ausland bewiesen haben, daß es auch anders geht.
Drei Haken hat die Sache. Zum einen lernt man an der Schule nicht nur Unterrichtsstoff, sondern wird auch durch Gleichaltrige sozialisiert. Jetzt könnte man einwenden, daß Schule zunehmend zur Konfliktzone wird. Nur werden die Kinder morgen womöglich in einer Konfliktzone leben. Irgendwann müssen Sie lernen sich in einer solchen zu behaupten. 
Zum anderen braucht es für den Verzicht auf die Präsenzschule ein entsprechendes Elternhaus. Zum einen, was die Bildung der Eltern angeht, zum anderen aber auch entsprechende ökonomische Möglichkeiten, wozu z.B. gehört auf ein Einkommen verzichten zu können. Manche könnten dies, tun es aber nicht und werden es so lange nicht tun, bis man der Ideologie den Garaus gemacht hat, die den Frauen einredete, Mutter sei minderwertiger als steuerzahlende Erwerbstätige. 
Der Einwand von Karl Otto, daß auch andere Gruppen den Wegfall einer Präsenzpflicht für sich nutzen könnten ist nicht von der Hand zu weisen. Was wollt Ihr oder die AfD mit denen machen? Die Preußen führten die Schulpflicht nicht ohne Grund ein. Die Reichen hatten damals schon Hauslehrer. Es ging aber auch darum, die unteren Schichten nach oben zu bringen, um brauchbare Arbeitskräfte und Soldaten zu haben. Akademiker gibt es selbst heute im Überfluß.

Majestyk

30. Juli 2026 19:01

@ Heinrich Loewe:
"DAS sind natürlich Faktoren, die ein parteipolitisches Wahlprogramm nur sehr bedingt liefern kann."
Bismarck soll gesagt haben:
"Mit schlechten Gesetzen und guten Beamten lässt sich immer noch regieren. Bei schlechten Beamten aber helfen uns die besten Gesetze nichts."
Ich vermute, das gilt auch für Lehrpläne und Lehrer.

Majestyk

30. Juli 2026 19:13

@ fw87:
"Man war nicht die ganze Zeit gefordert, konnte auch mal zum Fenster rausschauen oder sich gedanklich wegbeamen."
Ich war so ein permanenter aus dem Fenster Gucker. Habe manche Lehrer zur Weißglut gebracht, weil ich trotzdem alles mitbekommen habe. Eine Nonne meinte mal zu meiner Mutter, "ich würde den so gerne mal erwischen. Der schaut permanent zum Fenster raus und bekommt trotzdem alles mit". Meine Mutter: "Und wo ist das Problem? Dann lassen Sie ihn eben aus dem Fenster schauen."
Ich hatte es auch nie mit Hausaufgaben. Habe ich auf dem Gymnasium meist im Schulbus gemacht oder in den 5 Minutenpausen. Wurde nie erwischt. Hielt sogar mal einen Vortrag ohne Text und konnte sogar in meinem Vortrag zurückspringen. Probleme hatte ich nur, wenn es darum ging das Heft abzugeben, aber dafür hatte ich dann meine Mädels. Bei einer Lehrerin in der Oberstufe habe ich dann verhandelt, wie ist die Note ohne Heft und wie mit? Habe dann entschieden, daß mir die niedrigere Note reicht. 

Majestyk

30. Juli 2026 19:27

@ Beta Jas:
Nie Feuerzangenbowle gesehen oder andere Schulfilme?
Disziplinumgehung trennt die kreativen und renitenten vom Rest. 
Natürlich muß der Lehrer Disziplin vermitteln, umgekehrt müssen Schüler, vor allem Jungs, die nicht als Ja-Sager enden wollen, Disziplinierungsversuche mit allen Mitteln zu umgehen versuchen. 
Ich halte zwar auch nichts von diesen anti-autoritären Lehrern oder jenen, die auf Kumpel machen, auch nichts von Eltern, die bester Freund ihrer Kinder sein wollen, aber an Gehorsam fehlt es nicht in diesem Land, eher an Leuten, die selbstständig denken und widersprechen können.
 

Laurenz

31. Juli 2026 08:10

@Majestyk ... als in Preußen & kurz danach in Habsburg die Schulpflicht sukzessive über Jahrzehnte eingeführt wurde & Gestalt annahm, waren die jeweiligen Eltern, die nicht dem Adel oder dem Bürgertum entstammten, schlechter gebildet als Ihre Kinder, heute ist es umgekehrt. Das kann man so nicht vergleichen. ... @Maiordomus ... zur Zeit des Kulturkampfes (ich gehe davon aus, Sie meinen im II. Reich) war nicht immer alles so rosig, wie Sie es beschreiben. In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurden viele Seminaristen in Archäologie ausgebildet, weil man davon ausging, die Archäologie würde die Schrift beweisen. Als sich aber herausstellte, daß die Schrift nicht durch die archäologische Funde gestützt wird (bis heute nicht), verbot man um 1900 den Seminaristen sogar das Zeitunglesen. Natürlich etablierten die Jesuiten die besten Schulen, die jemals auf Mutter Erde standen. Aber die Prägung der Kinder durch die Jesuiten war so brutal, daß sich kaum einer dieser Geisteswelt, die auch in der Kurie nicht immer unumstritten war, dieser entziehen konnte. Freiheitliches Denken in der Schule zu lernen, ist was anderes. Ich kam mit 2 Jahren & 10 Monaten in einen Katholischen Kindergarten, in dem ich über 3 Jahre verbrachte. Ich kann mich heute noch an meinen 1. Tag erinnern.

ofeliaa

31. Juli 2026 08:47

Die Schulbücher (Mathe, Deutsch, usw.) mit nachhause nehmen dürfen oder müssen. Das wäre extrem wichtig. Es hat sich irgendwie eingebürgert, dass Schüler ihre Bücher in der Schule lassen, aber gleichzeitig kann man mit dem Rest der Schultunterlagen nicht auf Tests lernen. Ich lasse ein Kind doch nicht in einen Test gehen mit ausschließlich dem Wissen, das es irgendwie in der Unterrichtsstunde aufgeschnappt hat. Allein das schon, aber so Vieles mehr, was drunter und drüber geht. 

Le Chasseur

31. Juli 2026 08:56

Kinder ohne Smartphone lesen besser

Klaus Kunde

31. Juli 2026 10:29

Reminiszenzen aus längst vergangenen Zeiten. Lt. Schulentwicklungsplan betrug die Übergangsquote Grundschule - Gymnasium im Berliner Stadtbezirk Wedding 1968/1969 15,98%. Von den angetretenen Schülern in den siebten Klassen verblieben zur Abiturprüfung weniger als 50%, von denen noch etliche durchfielen. Auf unsere Schule bezogen erreichten somit etwa 8 von 100 Schülern des Bezirks das Bildungsziel Abitur. Gnadenlose Selektion formte die Überlebenden zu einer Härte, die sie das anschließende Studium fast wie ein Sanatoriumsaufenthalt empfinden ließ. Zudem ergab das 5. Haupt- und Prüfungsfach, Sport, bei den Jungs die Körperlichkeit von Zehnkämpfern. Adipöse Schüler gab es nicht. Mein Abi-Durchschnitt 1973 lag so um 3,2, niemand bestand besser als mit Note 2.
Wer wurde nun Lehrer? Unter Lehrer verstehe ich Lehrkräfte, die ab 1. Klasse Grundschule bis 10. Klasse Realschule unterrichten. Jene, die gerade mit Ach und Krach das Abitur geschafft hatten; Ausbildung seinerzeit noch an der Pädagogischen Hochschule Berlin. Schaffte jeder Trottel. Motiv? Verbeamtung, was denn sonst? Seinerzeit noch mit Eingangsamt A12, heute schon mit Eingangsamt Höherer Dienst. Bis in sechziger Jahre erhielt man A9.

fw87

31. Juli 2026 10:44

@Beta Jas: Tatsächlich muss man von einer allgemeinen, zum Teil drastischen Abnahme der Intelligenz unter den Schülern ausgehen. Natürlich wird gern ins Feld geführt, heute seien die Schüler agiler, würden schneller Muster erkennen und wären allgemein empathischer als früher. Wenn sich der Wortschatz von Schülern aber immer weiter reduziert und viele nicht mehr in der Lage sind, einen mehr als dreiseitigen Text sinnverstehend zu interpretieren, ist ein Verfall bestimmter intellektueller Fähigkeiten offensichtlich. 
Wenn Autorität angeblich "ein Ding aus der Vergangenheit" ist und Schüler am besten durch Schüler unterrichtet werden, muss man ganz grundsätzlich die Frage stellen, wofür man überhaupt noch Lehrer braucht. Es wäre dann konsequenter, Schulen nach dem Vorbild der Villa Kunterbunt ganz ohne Erwachsene einzurichten. "Die Schule muss den Schülern gehören!", heißt es doch von empathischen Lehrern.
Hier zeigt sich wieder die Tücke linker Bildungsideen: Der Lehrer bringt sich selbst zum Verschwinden, springt aber bei Bedarf aus der Kulisse, um den Schülern paternalistischer als je zuvor zu sagen, was sie zu denken haben. Es ist Rosinenpickerei: Man will die Schüler beeinflussen (genauer: manipulieren) ohne aber Verantwortung zu übernehmen. Es ist tatsächlich infantil.

Wuwwerboezer

31. Juli 2026 11:29

Rennicke hat in den 90ern gesungen: "Es sind nicht die Deutschen / die es sollten sein". Es sind zig Millionen Seelen inkarniert (worden), die aus dem Kulturstrom qua Indien über Ägypten über Griechenland über Florenz heraus gesehen in Mitteleuropa nichts aber auch nichts verloren haben. Damit meine ich keineswegs die Goldstücke, vielmehr all die sperrigen soooooo deutschen Philister, deren Homunkelseelen wohlig in das Vakuum reingesaugt wurden und die sich bei ihrem Zerstörungswerk am Kulturstrom so sauwohl fühlen - ebenso bei der widerrechtlichen Fehlleitung des Kulturstroms in Richtung Westen: deshalb kann der Kulturstrom nur von hinter (= vor) der Mauer aus wieder in seine vorgesehene, geordnete Bahn zurückgelenkt werden.

RMH

31. Juli 2026 13:52

Leider darf man in diesem Augiasstall D konstatieren, von allem, was nicht rund läuft und Verbesserungsbedarf hat, ist Schule das, was noch am ehesten halbwegs funktioniert (zumal sie auch noch nie perfekt war). Zumindest gilt das für Bayern und die dortigen Gymnasien. Geschenkt wird hier nichts, übertrieben geschliffen aber auch nicht. Ich gönnen den dortigen Schülern jetzt ihren Ferienanfang. Die Jugend ist kurz. Sie darf auch nicht mit seltsamen Anforderungen, die morgen schon out sind, zugemüllt werden (aktuell ist bspw das Fach Informatik so etwas, was von den Inhalten her bereits komplett überholt ist). Ein großer Teil meiner schulischen "Bildung" ist für mein Leben faktisch redundant. Und wer ehrlich ist, der wird das auch bei sich selber feststellen. Wenn man aktuelle Schlagzeilen aus Ceuta ansieht, die ein zweites 2015 in greifbare Nähe rücken, dann verdeckt liest, dass es immer mehr Fälle von Vergewaltigungen durch MiHiGrus gibt, dann ist Schule, so viel es da zu motzen & meckern gibt, noch eines der geringeren Probleme in diesem Lande & das liegt auch daran, dass die Mehrheit der Lehrer immer noch (! die auf Frühpension Pokernden werden immer mehr) jeden Tag früh um 8.00 Uhr im Klassenzimmer sind & sich den Kindern & Jugendlichen annehmen, die es überhaupt noch hierzulande gibt. So viel Respekt vorm Lehrkörper darf es noch geben.

Majestyk

31. Juli 2026 15:01

@ fw87:
"Es wäre dann konsequenter, Schulen nach dem Vorbild der Villa Kunterbunt ganz ohne Erwachsene einzurichten."
Könnte schneller kommen als man denkt, aber vermutlich anders. Neulich las ich einen Artikel mit dem Titel "Die Rolle der KI in der Lehrer:innenbildung". Von da ist es nur noch ein kleiner Schritt bis KI auch "Handwerkszeug" an der Schule wird, bzw. vielleicht den Unterricht gleich ganz übernimmt. 
Dass Schüler von Schülern unterrichtet werden ist auch keine reine Phantasie. Mittlerweile werden Schüler mancherorts als Hilfsschwimmlehrer ausgebildet und eingesetzt. Das könnte Schule machen und sich auch auf andere Bereiche ausdehnen. 
Konsequenter wäre es bei Lehrermangel vielleicht die Klassen wieder zu vergrößern, aber vermutlich ist die heutige Lehrergeneration dazu nicht ausreichend mental belastbar.
 
 
 

Christa

31. Juli 2026 16:09

@ofeliaa, an der Schule meiner Söhne wurde angeboten, die Bücher in den Regalen zwischenzuparken, um den Rücken der Kinder zu schonen. Selbstverständlich mussten sie ihre Schulbücher, die sie zum Bearbeiten der Hausaufgaben benötigen, mit nach Hause nehmen. Das hat bei uns eigentlich immer ganz gut funktioniert.
Die eigentliche Verblödung beginnt doch mit KI. Idiocracy!
Auch deshalb wäre eine außerschulische Form der Bildung notwendig. 

Joerg

31. Juli 2026 16:42

Man kann den Wert einer guten Schule, in der sich das Kind konstant gefordert und geschätzt fühlt, nicht überbewerten! Selbst im hohen Alter sprechen Menschen noch über ihre Lehrer, die doch nur wenige, aber so prägende, Jahre ihres Lebens begleitet haben. Wie mies sind die Linken, dass sie diesen Beruf ideologisch vergiftet haben. 
(Während meiner Schulzeit habe ich die alten Haudegen schätzen gelernt und halte sie in Erinnerung .Für die jungen frischen 68er Absolventen, die erstmals auf uns losgelassen wurden, habe ich dagegen nur Verachtung übrig.)

Majestyk

31. Juli 2026 19:35

@ RMH:
"Zumindest gilt das für Bayern und die dortigen Gymnasien."
Bayern ist nicht Deutschland. Ich sage nicht umsonst, daß ich nur ein NRW Notabi habe. Und dabei war ich an einer katholischen Schule und meine Eltern mußten die meisten Bücher selber kaufen. Dafür mußte ich die auch immer schleppen. Und da ich jenseits der Kreisgrenze und der Busstrecke wohnte, so einige Kilometer pro Tag. Mein Abi-Durchschnitt ist besser als der von Klaus Kunde, jener war aber hundertprozentig der bessere Schüler. Ich war zwar gerade in den ersten Jahren sehr von den Lehrern gemobbt worden, dafür in der Oberstufe umso fauler. Das Motto von mir und einem Schulkameraden "so viel wie nötig, so wenig wie möglich". Fürs Abi gelernt habe ich so gut wie gar nicht, meine Fächer waren Geschichte, Biologie, Mathe und Deutsch. Hätte lieber Englisch nehmen sollen, war mir aber nicht sicher, ob ich gut genug bin. Dabei gab es einen Lehrerwechsel und meine neue Lehrerin hat nur auf die Leistung geschaut und auf einmal stand ich 2. 
Bayern, BW, Thüringen, Sachsen mag OK sein. In NRW ist schon lange nichts mehr OK. Die anderen Länder hätten unser Abitur besser nie anerkennen sollen. Wir sind eine sozialdemokratische Kulturwüste. Deswegen gibt es hier auch weniger Brauchtumspflege als in Süddeutschland und nur noch die ganz Alten können die eigentlichen Dialekte. 

Majestyk

31. Juli 2026 19:43

@ Christa:
"Auch deshalb wäre eine außerschulische Form der Bildung notwendig."
Dafür wären andere Eltern notwendig. Diese leben es ihren Kindern doch meistens vor. Ging mal zu Beginn der Smartphone-Ära mit einer Frau aus, die zwei fast erwachsene Kinder hatte und mit der Tochter einen Kleinkrieg über Smartphone am Küchentisch führte. Dabei war sie selber unfähig das Teil mal einen kompletten Abend beiseite zu legen. Ich sehe Frauen, die schieben sogar Kinderwagen und daddeln die ganze Zeit. Bei allem, was man an Lehrern zurecht kritisieren kann. Deren Aufgabe kann es nicht sein alles zu korrigieren, was im Elternhaus schon schiefläuft. Dazu gehören z.B. auch adipöse Kinder. Die Lehrer verantworten doch nicht deren Fehlernährung. 
Ich hatte mal einen Krach im Bekanntenkreis. Wir haben damals öfters Schwarze Sau etc. gespielt. Die Frau meines Schulfreundes, ihres Zeichen Kindertherapeutin, war unfähig sich ohne Handy an den Tisch zu setzen, aber der Junior wurde gegängelt und sollte auf Medienentzug, wurde vor dem Besuch rundgemacht. Ich meinte nur "Der ist wie Du, der nimmt Dich zum Vorbild"
Meine eigene Generation besteht fast nur aus Pharisäern. Und jetzt werde ich vermutlich wieder einen Kopf kürzer gemacht. Nach meiner Beobachtung werden die Kinder hauptsächlich von den Müttern versaut. In meinem Bekanntenkreis hatten die Väter jedenfalls nie viel zu melden. 

Majestyk

31. Juli 2026 19:56

Wenn ich es recht überlege muß ausgerechnet ich diesmal die staatlichen Strukturen verteidigen. Diese Bevölkerung ist nicht mehr fähig innerhalb der Familien tradierte Werte zu vermitteln. Wer soll die Kinder zu Hause unterrichten, die hier mal debattierten Ostmullen? 
Nein, die AfD muß, wenn sie etwas ändern will, die Hoheit übers Bildungssystem erobern. Neue Lehrpläne, andere Lehrerausbildung, andere Lehrerrekrutierung. Wenn die Leute schon länger arbeiten sollen. So bis zur 8. Klasse kann jeder halbwegs gebildete Mensch bestimmte Aufgaben übernehmen. Lesen, rechnen, schreiben kann ich einem Kind auch beibringen. Und ich habe wirklich Geduld, habe dem eben erwähnten Junior Schach spielen beigebracht, mich öfters mit ihm hingesetzt und Matheaufgaben besprochen. Ich bin ja nun wirklich nicht gerade die Kirsche auf der Torte. Was ich kann, können sehr viele. 
Jetzt nur gegen die Präsenzpflicht zu wettern wird nur dazu führen, daß jene, die es sich leisten können sich dieser entziehen und die Schule so wie sie ist, die bleibt für den Rest, quasi Zweiklassenbildungssystem wie in Großbritannien. Ähnlich wie bei der Gesundheitsversorgung. Wer kann rettet sich in die PV, wir anderen können schauen, wo wir bleiben und die Importbürger mitversorgen.

Kurativ

31. Juli 2026 20:00

Frontalunterricht bedeutet übrigens nicht, dass einer vorne steht und 45min einen Vortrag hält bzw die Kinder bespasst. Man sollte die Schüler schon reichlich aktivieren. Heutzutage dürfte sich die Arbeit eines Lehrers dem eines Sozialarbeiters ähneln.
 

Dietrichs Bern

31. Juli 2026 20:55

Nun, als Vater von Kindern in einer Gesamtschule in NRW kann ich beitragen, dass meine mit 6 anderen die einzigen ohne Migrationshintergrund von 25 Schülern sind. Der Rest verteilt sich auf 14 Nationen. Versuche eine Sharia-Aufsicht zu etablieren, sowie ein Polizeieinsatz "weil Gruppen in Streit gerieten" gehört dazu, wie die Schulung zu queeren Gewohnheiten und dem Opferfest. Meine Tochter referiert beim Abendbrot über toxische Männlichkeit. Das ist die aktuelle Wirklichkeit. Das kann eine AFD gar nicht verschlechtern.

Christa

31. Juli 2026 22:55

@Majestyk: dito. Weiter oben schrieb ich ja, dass die Vorbildwirkung von den Eltern ausgeht. Dazu gehört bei Bengels insbesondere der Vati. Ohne Bücherregal im Haushalt und Eltern, die nur aufs Handy schauen, wird aus dem Kind selbstredend nichts. Lehrer sollen nicht Sozialarbeiter sein, die diese Fehler ausmerzen müssen. Ich stimme Ihnen da voll zu! Wir bräuchten einen Reset.

Jan

31. Juli 2026 23:30

Halte die Abschaffung der Schulpflicht für falsch. Bildungsferne Haushalte fallen noch weiter ab und bleiben sich selbst überlassen, was die Zahl der Analphabeten und Verwahrlosten nochmal deutlich steigern wird. Man sollte nur wegen linksgrünen Irrwegen im Schulsystem nicht gleich grundlegende Standards vom Tisch wischen.
@RMH, Carsten, Niedersachse bzgl. Bosselmanns "Erlösung":
Er publizierte auf rechten Seiten, weil nur hier fundamentale Kritik am Bildungsverfall geäußert werden konnte. An der Rechten hatte er ja mal einiges kritisiert. "Erlöst" hat er sich vor allem von der beruflichen und gesellschaftlichen Isolation. Dass ihn das indirekte Berufsverbot als Lehrer schwer zu schaffen machte, schimmerte in seinen Texten immer wieder durch. Bosselmann ist 62 und hat noch eine Lebenserwartung von +/- 20 Jahren. Ausgegrenzt im Plattenbau zu vergreisen und auf den politischen Tag X zu hoffen, war wohl keine Option. Nach der evangelischen Konvertierung bieten Kirche und Diakonie Gemeinschaft, Perspektive und Sinnstiftung im Hinblick auf das Lebensende. Kann die Entscheidung verstehen. Irritiert bin ich aber trotzdem, z.B. von folgende Aussage: Deutschland sollte offener für Migration sein und mehr für Integration tun. Ernsthaft? Ein finales Interview mit Bosselmann wäre interessant.
 

Laurenz

31. Juli 2026 23:36

@Wuwwerboezer ... deutsche Philister ... meinen Sie tatsächlich Philister oder Pharisäer? Pharisäer waren eine Jüdische Sekte, die für den Unterhalt des II. Tempels zu Jerusalem zuständig war. Mit der Zerstörung des Tempels durch die Römer, verschwand diese Sekte, wie auch die Urchristen/Nazarener 60 Jahre später mit dem Bar-Kochba-Aufstand die Bildfläche verließen. Philister waren ein Stamm am Mittelmeer, schätze um Byblos bis runter nach Galiläa herum, Nachfahren der Phönizier oder Seevölker, im Grunde also koloniale Europäer. 

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