„Eingemachte“ Podcasts vom Schlage Kontrafunk, so löblich sie sein mögen, höre ich kaum. Motto: Ich weiß eh, was „wir“ denken.
Heute habe ich gleich drei (!! das müßte einem Antaios-Buch mal geschehen!) betulich-lobende Rezensionen zu einem neuen Buch gehört, Die Jugend malt wieder Hakenkreuze der sächsischen Lokaljournalistin Manuela Müller. Alle Rezensenten bekannten (leicht unterschieden im Ausdruck), das Buch immer wieder „entsetzt zur Seite gelegt“ zu haben: um “mal kurz durchzuatmen”. Es sei doch alles NOCH viel schlimmer mit dem “Rechtsruck”, als man es sich bereits dachte!
Kommt, bitte. Diese manipulativen Eskalationsstufen (“Ich kämpfte mit den Tränen”, “Mir wurde übel. So richtig übel”, “ab da wußte ich, was Panik ist” etcpp) sind sowas von ausgelutscht! Ich hingegen „atmete auf“, wenn die Frau Müller selbst in ihrem sympathischen Dialekt zur Sprache kam und hielt eher die Luft an, wenn die Radioleute wieder hyperventilierten.
Ein GANZ wichtiges Ding für meine Radioleute in dieser Sache ist, daß die sachsen-anhaltische AfD „die Schulpflicht ja abschaffen“ will. Das Thema – Schule verstanden als zuverlässiger Anti-Rechts-Agitator – wird (ordentlich verkürzt) rauf- und runtergeritten, sprich: skandalisiert.
Sie bekommen Schluckauf, dabei darf man das in Ruhe thematisieren. Tatsächlich nämlich ist der Themenblock „Schulbildung“ im sachsen-anhaltischen Regierungsprogramm (selbstbewußt nennen sie es nicht “Wahlprogramm”) besonders stark:
Seit Jahrzehnten sinkt in ganz Deutschland und Sachsen-Anhalt das Bildungsniveau. Grundschüler können nicht mehr richtig lesen, schreiben und rechnen. Das Abitur befähigt nicht mehr zum Studium. Das Handwerk sucht verzweifelt Auszubildende. Der viel diskutierte Lehrermangel ist keine Ursache der Krise, sondern nur eine ihrer Auswirkungen. Die Bildung verfällt nicht, weil es immer weniger Lehrer gibt, sondern, weil die Bildung verfällt, will niemand mehr Lehrer werden. Auch und gerade der Unterricht, der stattfindet, taugt immer weniger. Diese Krise ist keine Krise des Geldes, es ist eine Krise des Geistes.
Gut brüllt der Löwe, und er brüllt zurecht! Weiter:
Die AfD setzt der ungebildeten Bildungspolitik der Altparteien eine gebildete Bildungspolitik entgegen, die sich zur guten pädagogischen Tradition bekennt und die Schule von allen nicht-schulischen Aufgaben befreit. Weder soziale und psychologische Betreuung noch Integration und Inklusion, sondern allein die Vermittlung von Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen) und Bildungsgütern ist Aufgabe der Schule. Wir werden dafür sorgen, dass im Unterricht wieder die bewährten pädagogischen Konzepte angewendet werden. Bildung bedeutet, sich Bildungsgut anzueignen und festgesteckte Ziele zu erreichen. Der Lehrer ist dabei nicht bloßer „Lernbegleiter”, sondern Autorität und Vermittlungsinstanz.
Die Altparteien glauben, etwas gegen die Bildungskrise zu unternehmen, wenn sie schon die Grundschulen mit digitalen Endgeräten überschütten. Dabei ist übermäßiger und verfrühter Umgang mit digitalen Medien eine Ursache für den Bildungsverfall. Allein der Umstand, dass die älteren Generationen, die traditionell unterrichtet wurden, besser gebildet sind, als die jüngeren Generationen, die zum Opfer diverser Reformen wurden, beweist die Überlegenheit der traditionellen Pädagogik. Hausaufgaben, Frontalunterricht, regelmäßige Übungsaufgaben im Unterricht, systematische Wiederholung und Leistungskontrolle, umfangreiche Lektüre – das sind die Instrumente, die unserem Schulsystem wieder auf die Beine helfen.
Wenn ich schon „Frontalunterricht“ höre, leuchten mir die Augen! Oh, gibt es überhaupt noch diese Lehrer, die den Kindern begeistert erzählen können? Flammend für ihr Thema? Dozierend aus Leibeskräften, mit Leidenschaft?
Ich – in der Ära „Teamwork“ („erarbeitet gemeinsam Quelle M1 und Quelle M2“, *kotzwürg*) aufgewachsen, habe in Restbeständen noch Frontalunterrichter vom alten Schlag erlebt. Das war herrlich. Das war auch streng. Du bekamst die ganze Geschichte der Pippinschen Schenkung, der Meiose oder der Kontinentaldrift leibhaftig und frei erzählt – und mußtest es mitschreiben (Nachfragen gern gesehen), um es in der Folgewoche nachvollziehbar wiedergeben zu können.
Lieber Himmel, DAS war Bildung! DAS waren Lehrer, die brannten für ihr Thema! Die Inhalte, die Fragestellungen: bis heute eingemeißelt! Weck mich um sechs Uhr, und ich kann Dir alle Schriften des Neuen Testaments in Reihenfolge und ungefährem Inhalt wiedergeben!
Zum Thema „Schulbildung“ hat die AfD Sachsen-Anhalt in ihrem Regierungsprogramm 33 Unterpunkte. Sämtliche sind mit einem Ausrufezeichen versehen (was ironisch kritisiert wurde) – gut so! Man muß mit Nachdruck fordern, was einem sehr wichtig ist.
Alle 33 Punkte von „Handwerk stärken. Talente frühzeitig erkennen!“, über „Bildung statt politischer Indoktrination!“, “Lehrer müssen politisch neutral sein!“ bis zu „Schwimmenlernen!“ sind unterstützenswert; die Erläuterungen zu den einzelnen Punkten sind valide.
Kommen wir zum inkriminierten Unterpunkt 26, „Bildungspflicht statt Schulzwang!“. Bitte – was gibt es daran auszusetzen?
In allen Fragen zu Bildung und Erziehung der Kinder müssen die Eltern das letzte Wort haben. Wir wenden uns entschieden gegen alle Versuche des Staates, sich in die Erziehung der Kinder einzumischen. Da die Schulen immer weniger Bildung vermitteln und immer stärker versuchen, die Kinder politisch zu erziehen oder ihnen fragwürdige Lebensansichten zu vermitteln, verstehen wir Eltern, die ihre Kinder selbst unterrichten wollen.
Wir werden deshalb in Anlehnung an das österreichische Modell eine Wahlfreiheit zwischen Schul- und Hausunterricht schaffen. Bedingung ist allerdings, dass der Hausunterricht die gleichen Qualitätsstandards erfüllt wie der Schulunterricht. Alle Kinder, die zuhause unterrichtet werden, müssen zur Kontrolle des Lernfortschritts halbjährlich zentrale Prüfungen ablegen. Bleibt ein Kind zurück, muss es wieder an die Schule. Das Recht auf Hausunterricht ist als Elternrecht zu begreifen, die Bildung der Kinder als Pflicht und der Schulbesuch als Angebot, das der Staat vorhalten muss, das die Eltern jedoch nicht zwangsläufig annehmen müssen.
In meinen Ohren klingt das äußerst vernünftig. Ich selbst hätte die Variante Hausunterricht allerdings dankend abgelehnt. Ich vermute, daß das auch über 95% der Sachsen-Anhalter tun werden. Vermutlich um die 99% gar.
Wo bitte wäre also das große Problem? Rigide ist (wie so oft) nicht die Alternative. Rigide, aufgeregt und stur sind die anderen! Mehr linke Lehrer werden es jedenfalls ganz sicher nicht richten…