Lügt Physiognomie?

„Physiognomie lügt nie“. – Das ist nun bereits ein relativ oller Spruch, der sich aber häufig & treffend anbringen läßt. Ein rechtes, kerniges Bonmot.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Hat ja auch was für sich: Du siehst – bei den radi­kal Lin­ken – all die­se hoch­pro­ble­ma­ti­schen Visa­gen, in denen min­des­tens sie­ben schwe­re Pro­ble­me ein­ge­gra­ben sind. Es sind manch­mal klas­si­sche FASD-Gesich­ter, oder der flie­hen­de Kie­fer, die sin­ken­de Stirn, hef­ti­ge Asymmetrien.

Oder du siehst die­sen berühm­ten Pro­blem­po­ny, den sich Mäd­chen gern schnei­den, nach­dem sie als Frau­en mit 19 oder 24 aus dem Kaff in die Uni­ver­si­täts­stadt gezo­gen sind. (Wer sagt denn, daß Phy­si­gno­mie rein ange­bo­ren ist? Rich­tig: nur die Gen-Fetischisten!)

Du siehst, wie sich die Mund­win­kel ver­än­dern, wenn jemand links wird. Das klas­sisch hän­gen­de, “nega­ti­ve” Gesicht, ver­ur­sacht durch den Mus­cu­lus depres­sor angu­li oris ist aller­dings erst bei älte­ren Frau­en schmerz­haft sicht­bar und hat inter­es­san­ter­wei­se zwei syn­oy­me Volks­na­men: Mario­net­ten-Fal­ten und „Mer­kel-Fal­ten“. Man kann aller­dings offen­bar bereits in jun­gen Jah­ren den Anlauf dazu neh­men, mög­lichst ver­bit­tert zu wir­ken. Ich ver­zich­te auf Bild­be­wei­se. (Legi­on.)

Johann Cas­par Lava­ters (1741–1801) Phy­sio­gno­mi­sche Frag­men­te zur Beför­de­rung der Men­schen­kennt­niß und Men­schen­lie­be (= Mam­mut­werk) sind online ver­füg­bar. Lava­ter, ein Freund von Goe­the, ist nicht nur Vater der „Phy­sio­gno­mik“ – er selbst hat­te extrem dün­ne Lip­pen. Das weist stets (Mut­ter Tere­sa als eine Aus­nah­me von der Regel) auf man­geln­de Gene­ro­si­tät, ver­knapp­ten Eros und Selbst­be­züg­lich­keit hin – nur am Rande.

Lava­ters Werk ist hoch­in­ter­es­sant, aber den­noch eines der Eng­füh­rung, der man­geln­den Ambi­va­lenz. Denn natür­lich ist „Phy­sio­gno­mie lügt nie“ in Wahr­heit eine hoh­le Behaup­tung! Ernst Jün­ger und Carl Schmitt waren sehr klein, und wer wür­de von Joseph de Maist­re als einem „schö­nen Mann“ spre­chen? Und nie­mand wür­de die­sen Män­nern ihre Bedeu­tung absprechen.

Auch Sokra­tes war wohl früh Glat­zen­trä­ger mit Bauch. Er soll her­vor­quel­len­de Augen und extrem wuls­ti­ge Lip­pen gehabt haben.

Ähn­li­ches gilt für Frau­en: „Rein phy­sio­gno­misch“ wür­de man die Manage­ment­trai­ne­rin und Best­sel­ler­au­torin Vera Bir­ken­bihl (1946- 2011) für eine „lie­be Omi“, eine klas­si­sche Östro-Frau ohne geis­ti­gen Anspruch gehal­ten haben. Nichts weni­ger als das war sie. Sie war gera­de­zu das Gegen­teil von dem, wie sie aus­schau­te. Sie war eine Den­ke­rin, Mache­rin, ein Hirnwesen.

Oder Geor­ge Eli­ot (1819–1880), die tat­säch­lich wie eine „klas­si­sche Tran­se“ aus­sah, uns aber groß­ar­ti­ge Bücher hin­ter­las­sen hat (ohne Trans-Anti­zi­pa­ti­on). Phy­sio­gno­mie lügt also – manchmal.

So sind unse­re Seh­ge­wohn­hei­ten – die natür­lich auf Erfah­rungs­wis­sen (“Vor-Urtei­len“) beruhen.

Unse­re Phy­sis gibt Aus­druck von uns, ja, aber eben oft nicht ganz und auch nicht immer. Ich selbst bin eine gro­ße Freun­din von soge­nann­ten Vor­ur­tei­len. Ich nen­ne das Men­schen­kennt­nis. Eben­so gern bin ich eine Freun­din der Offen­heit, mich eines Bes­se­ren beleh­ren zu lassen.

Nun hat vor etli­chen Tagen die Juris­tin und Publi­zis­tin Lia­ne Bednarz fol­gen­den Tweet über Rena­te Kün­ast abgesetzt:

@EKositza hat mal gesagt, dass die Phy­sio­gno­mie auch etwas über den Cha­rak­ter sagt. Hier sieht man es. How on earth kann man als Frau ein so ver­bit­ter­tes Gesicht haben? Der­art nach unten gezo­ge­ne Gesichtszüge?

Ich bin mit Bednarz seit Jah­ren freund­schaft­lich ver­bun­den. Wir ken­nen uns gut, respek­tie­ren uns nicht bloß, wir mögen uns. Welt­an­schau­lich trennt uns hin­ge­gen man­ches, poli­tisch noch viel mehr. Da tren­nen uns gar Wel­ten! Wie gut, daß es sowas wie Waf­fen­still­stand gibt, denn genau das ist „Ver­stän­di­gung über die Gren­zen hinweg“.

Dies mag eine genu­in weib­li­che Sicht oder Her­an­ge­hens­wei­se sein: Aber es ist wohl mensch­lich. Das ist ech­ter Kitsch­krieg: sich in der Feu­er­pau­se die Hand zu rei­chen. Läuft. Man KANN sich mögen, ohne ein­an­der poli­tisch näherzurücken.

Sie, Lia­ne Bednarz, hat nach die­sem Tweet einen sol­chen Scheiß­sturm (vor allem mei­net­we­gen) kas­siert, daß ich es ihr hoch anrech­ne, daß sie ihn nicht schlicht gelöscht hat. Das wäre sehr ein­fach gewe­sen, viel­leicht sogar „poli­tisch klug“, da sie eine gefrag­te Inter­view­part­ne­rin im Haupt­strom ist.

Was sagt uns nun die Phy­sio­gno­mie? Heu­te gilt das Zeug natür­lich als „Pseu­do­wis­sen­schaft“ – was für mich durch­aus eine pseu­do­wis­sen­schaft­li­che Behaup­tung ist.

Ich lese wei­ter­hin gern aus Zorn­fal­ten, Mund­win­keln, Haar­an­sät­zen, Gang­mus­tern (Mate­ria­lis­ten gehen „nach außen“, Geis­tes­wis­sen­schaft­ler eher „nach innen“; beob­ach­te mal auf einem Cam­pus, wie Ger­ma­nis­ten lau­fen und wie BWLer!); aus ecki­gen oder run­den oder ova­len Gesich­tern, aus Kinn­grüb­chen und Bauch­for­men, aus strup­pi­gen oder dezen­ten Augenbrauen.

Das läuft eher intui­tiv, ich hab nie ein Line­al ange­legt. Und: Ich mache es rein aus Freu­de an der Erkennt­nis, an einer per­sön­li­chen Sta­tis­tik. Es gibt so eine Lust der Einordnung!

Etwas anders ver­hält es sich ja mit der Phre­no­lo­gie, die im Grun­de eine Schä­del­ver­mes­sung ist und stets auf „Ras­sen­un­ter­schei­dung“ ange­legt war. Das ist ein wich­ti­ger Unter­schied.  Der Unter­schied liegt – geschicht­lich – in der abso­lu­ten Schluß­fol­ge­rung. Wo Schä­del mit Gerä­ten ver­mes­sen wur­den, ging es um wert und unwert. Nie­mand – nie­mand außer­halb von unto­ten Nischen – hat heu­te sol­che Gedanken.

Ich betrach­te mein phy­sio­gno­mi­sches Hob­by, das ich gern & genüß­lich pfle­ge, als klei­ne Küchen­psy­cho­lo­gie. Die soll­te wohl erlaubt sein!

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (55)

ofeliaa

11. August 2026 20:48

So viel Energie zu haben, andere Menschen so einzuschätzen oder einzustufen, deutet glaube ich auf ein gutes, entspanntes Leben hin. Ich persönlich habe null Energie, andere Menschen überhaupt zu betrachten. Leider interessieren sie mich auch alle nicht mehr. Ich selbst gehe seit Monaten nun schon im Schlafanzug (ja), in Fake-Birkenstock oder Barfussschuhen raus. Menschen haben über mich von Kindesbeinen an schon alles gedacht und gesagt. Tussi, arrogante Person, konservative Spießerin, Mauerblümchen, Sexgöttin. Jeder bildet sich etwas anderes ein, auch abhängig davon, in welcher Lebensphase ich mich befinde. Früher waren viele neidisch und missgünstig. Ich will das anderen Leuten nicht antun. Ich hoffe, mich da immer beherrschen zu können..selbst in Gedanken.

Kositza: Tip: Einfach aufhören zu überlegen, was andere von Ihnen denken. Denn wie andere Sie einschätzen oder kategorisieren, kann Ihnen doch gar nichts anhaben?

Diogenes

11. August 2026 20:59

Physiognomie. Charimsa. Ausstrahl. Ausform. Naturgewalt in Gestalt! Informung. Was das ist? Kann man ganz konkret im Wahlkampf zwischen Siegmund und Holm unterscheiden. Der eine mit Blitz und Donner im Arsche Weitflüge machend und der andere mit "Habe Aufgehört bevor ich angefangen habe, Einschlaf-Schildkrötenbewegung". 
 
Der eine Wahlkampf .... und der andere irgendwie - also ob mich nicht interessiert, warum Begeisterung existiert! Holm läuft in den geläufigen Wahldingern wie eine Aufziehpuppe herum. Er ist nunmal keine Person die Stimmung macht. Nach Sachsen-Anhalt beleibt es wieder an Thürngen hängen, oder an Sachsen....

Maiordomus

11. August 2026 21:11

Zu dieser Thematik gab es eine epische Debatte betr. Lavater einerseits, dessen Physiognomik bzs. Physiognomischen Fragmente als Frühpsychologie Goethe beeinflusste, und Lichtenberg, der zumal wegen seiner persönlichen "Hässlichkeit" und seinem Buckel nicht physiognomisch, vor allem nicht ganzkörperphysiognomisch wahrgenommen werden wollte. Immerhin gehört die Thematik zu dem, was man später Phänomenologie nannte, notabene aller lebendigen und ev. unlebendigen Erscheinungen. Die Rassismus-Debatte führte dann dazu, die Überbewertung der Physiognomik in eine Unterbewertung zu verwandeln. Noch gut finde ich indes Goethes durchaus unbefangene Betrachtungsweise. Eher ironisch taucht das Thema im Faust auf, wo sich der Teufel über die Physiognomik , die Gretchen angeblich "meisterhaft" versteht, lustig macht, weil er sich tatsächlich durchschaut fühlte. Zur Thematik hat sich auch Nestroy geäussert in seinem Drama über Rothaarigen.   

Martha

11. August 2026 21:17

Da fällt mir spontan das Büchlein von Edward Dutton ein: "How to Judge People by What They Look Like". Es ist schon was dran an der Behauptung. 

RMH

11. August 2026 22:26

"Die sollte wohl erlaubt sein!"
Warum sollte es verboten sein? Die Sinnhaftigkeit darf aber jeder unterschiedlich beurteilen. Für mich erscheint es eher als typisch weiblich, die Mitmenschen laufend zu beobachten, einzuordnen, auszuchecken und dann registriert abzuheften. Manche(r) hat dann seine intuitiven, eigenen oder durchs Umfeld mitgeprägten Schablonen, andere finden sich teilweise bestätigt in dem, was sie woanders bereits niedergeschrieben finden, da es dann den Duft der Empirie verströmt. 
In der Antike hat man die Leber von Opfertieren genaustens inspiziert und daraus die Zukunft gedeutet - wenn man tiefer einsteigt, erscheint auch hier sogar "wissenschaftliche" Akribie am Werk gewesen zu sein. Jahrhundertelange Tradition, warum macht man das nicht mehr und hält es für Hokuspokus?
https://de.wikipedia.org/wiki/Leberschau
Ich sehe aber ehrlicherweise in all diesen Beobachtungsschemata nur wenig praktische Relevanz. Stört aber auch nicht. Fällt für micht unter Privatsache.

Ein gebuertiger Hesse

11. August 2026 22:35

Zwei Physiognomien, einmal den mit paarundzwanzig
und dann, als Van Gogh später bei Pialat, den Dorf-Idioten malend.

Laurenz

11. August 2026 22:53

Karl May war auch so ein Physiognomie-lügt-nie-Protagonist. Er teilte sogar Ethnien entsprechend ein, quasi die üble Volks-Physiognomie von Armeniern zB. Ich weiß nicht so recht. Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich quasi einen Hilfs-Schlachter vor mir & ich hätte nie auch nur eine Frau abkriegen dürfen. Außer die Mädels vielleicht, die auf martialische Typen stehen. Um aber diesen Eindruck nach außen aufrecht zu erhalten, dürfte ich nie den Mund aufmachen. Natürlich machen Kleider Leute. Als ich früher noch in Anzug-Uniform herumlief, wurde ich anders behandelt, als in meinem Funktionskleidung-Rentner-Outfit, was eher günstig ist. Da kommt keiner auf die Idee, daß es bei mir was zu holen gäbe. Und warum sollte man noch Frauen beeindrucken wollen? So bescheuert kann man gar nicht sein, sollte man zumindest mit 60 nicht mehr sein.

ede

11. August 2026 22:56

Jetzt habe ich tatsächlich geguckt, ob das wirklich so geschrieben wird. 
Physio Gnomie. Merkwürdiges Wort. Mimik und Gestik gehören wohl dazu, das erklärt dann schon schlüssig und gerichtsfest die blitzartige Zuordnung. 
Blöd und öde sieht nicht nur so aus, sondern ist in aller Regel auch selbiges. 

gluecklichetage

11. August 2026 23:18

Ihre beiträge hier sind eine herzensfreude ('a pleasure to read' würde man auf englisch sagen), lese sie (Sie) seit langem - überwiegend mit zustimmung, fast immer mit schmunzeln (waschechter Wessi-humor unserer generation, sehr selten gähnend ob des einen oder anderen kalauers, der Ihnen schon mal unterläuft - aber bei der "ausschüttung"? - würde mich nicht anders gehen! Dank jedenfalls für die heutigen lachfalten, ich kann sie gebrauchen!

MARCEL

12. August 2026 06:36

Kleine Ergänzung: Cesare Lombroso, italienischer Gerichtsmediziner. Seine These (gerafft): Verbrecher könne man an äußerlichen Merkmalen erkennen. 

Maiordomus

12. August 2026 07:20

@L. In Sachen Karl May scheinen wir uns zu verstehen. Der Autor ist viel stärker, als man annimmt, vgl. Donald-Duck-Deutsch-Texterin Erika Fuchs, eine der bedeutendsten deutschen Schriftstellerinnen überhaupt, von der deutschen Sprache geprägt. Ja, ich kannte die Physiognomik bei Karl May weit  früher als Goethes und Lavaters Physiognomische Studien, sicher schon mit etwa 10 Jahren. Dabei haben u.a. vor allem die Franzosen oft unangenehme Physiognomien, aber auch die "Bösen" im Nahen Osten, während  Deutsche eher offen und heiter dreinblicken. Es kann Ihnen aber nicht entgangen sein, dass es bei KM ein Kitschproblem gibt, so nach meiner Einschätzung die Bekehrung des sterbenden Winnetou mit seinem Bekenntnis "Winnetou ist ein Christ!" als ewigkeitliche Besiegelung der Freundschaft mit Old Shatterhand, dessen Niederstreckungsopfer immerhin stets wieder gesund zu sich kommen. Der Tod Winnetou und dessen Bekehrung scheinen mir endgültig zu dick aufgetragen, Wundere mich, dass Sie dies als "dezidierter Nichtchrist" dem stets umstrittenen Autor aus Hohenstein-Ernstthal, auch von Ernst Bloch verehrt, durchgehen lassen. Noch Test: Können Sie den vollen Namen von Halef Omar noch auswendig? Sonst kein echter Karl-May-Fan.  

Diogenes

12. August 2026 07:25

@Laurenz: War ein Lügner. Ein Schauspieler. Erkennen Sie den Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge?  

Monika

12. August 2026 07:25

Im Zeitalter aufgespritzter Lippen, operierter Nasen, digitaler Bildbearbeitung, Filter, Schminke usw. lügt Physiognomie fast immer, würde ich meinen. Wo sieht man noch echte Gesichter ? Und wenn man ins echte Leben taucht, erschrickt man fast, welche Physiognomien man sieht. Das ist wie mit der Handschrift, die etwas über den Charakter aussagen soll. Wer schreibt noch mit der Hand ? 

Raeuspern

12. August 2026 07:52

Bin gerade im Ostblock von Land zu Land unterwegs. Es ist faszinierend, wie sich das jeweilige gesellschaftliche Denken in Körpern und Gesichtern ausdrückt(ausformt).

RMH

12. August 2026 08:07

"Wer schreibt noch mit der Hand ?"
Zu der Zeit, als ich "wehrfähig" wurde, musste der Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer, zu dem auch ein Lebenslauf gehörte, noch ausdrücklich und insgesamt handschriftlich verfasst sein (was für mich keine Hürde gewesen wäre, aber ggf. für andere). Handschriftliche Lebensläufe wurden bis in die 90er Jahre ab und an verlangt. Heute hätte keiner mehr die Zeit, das Gekrakele zu entziffern. So änderen sich Zeiten und Bewertungen still und leise.
Graphologie ist dabei wie Physiognomie auch nur eine "Scheinwissenschaft", eine Art Erfahrungssammlung, aus der man gewisse Regeln oder Vorab-Einschätzungen ableiten mag aber, ob der tatsächlichen zu großen Ausnahme-von-der-Regel- Zahl, eben keine "Gesetzlichkeiten", schon gar nicht "Naturgesetzlichkeiten", ableiten kann. 
Fällt damit letztlich auch nur unter den Entertainment-Bereich.

Maiordomus

12. August 2026 08:18

Von den Physiognomik-Spezialisten unter den Germanisten an der Schwelle zur Gegenwart gehört der im Fernsehen beim ebenbürtigen Gespräch mit Reich-Ranicki zu seinem auch deutschlandweiten Profil gekommene Hebel-und Goethe-Preisträger Peter von Matt aus Stans, der Heimat von Winkelried, mit seinem Buch "Fertig ist das Angesicht". Befasste sich als bedeutendster Schüler und Assistent von Emil Staiger von Anfang an mit Physiognomik, eine der Hauptdisziplinen auch phänomenlogischer Literaturbetrachtung. Hervorragender Literatur-Erzähler und sackstark bei der Lyrik-Interpretation, hielt indes die Mehrheit seiner Landsleute für angeblich "dumm",  als sie 2014 zwar nur sehr knapp und vom Parlament nicht durchgesetzt die Masseneinwanderungsinitiative annahmen. Hervorragender Kenner u.a. von Droste, George, Heinrich Mann und Borchardt, an der Universität Zürich nicht mehr ersetzbar gewesen, nunmehr an seinem Heimatflecken Stans beigesetzt an der Seite seines Bruders Klaus von Matt, dem besten Kenner des führenden christlichen Schriftstellers der neueren Schweiz, Josef Vital Kopp (1906 - 1966), dessen Hauptwerk "Der Forstmeister" (1966) vor ein paar Monaten in Solothurn wieder vorgestellt wurde.     

Le Chasseur

12. August 2026 08:21

Als nächstes bitte einen Artikel zum Thema Looksmaxxing

Kositza: Oh, Sie beziehen nicht die Sezession!? Das Thema hatten wir jüngst ausführlich. Themenheft "Ich".

Hartwig aus LG8

12. August 2026 08:50

Hat zwar nicht direkt mit Pysiognomie zu tun, aber die Schubladenkriterien Frisur, Haarfärbung, Piercing, Tätovierung, Kleidung etc. funktionieren schon lange nicht mehr, wenn man Personen weltanschaulich bzw. politisch einordnen mag. Jedenfalls lag ich in den vergangenen Jahren oft daneben; in der Regel zu Gunsten unserer Seite ... aber zuweilen auch genau anders herum.

fw87

12. August 2026 08:51

Schon in der Bibel steht sinngemäß, dass Gesicht und Gang bereits alles über den Menschen verraten. Aus christlicher Sicht sind Körper und Seele eine Einheit. Der Zustand der Seele, Tugend oder Laster, drückt sich damit unweigerlich auch im Äußeren aus. "Jede Sünde hat ihre eigene Fratze", so hat es ein Pater einmal brutal ausgedrückt. 
Ich glaube, wir denken heute in Bezug auf andere zu rational, verdrängen oft das, was uns die Intuition sagt. Meine Erfahrung ist, schlechte Menschen hinterlassen ständig den Eindruck der Zwiespältigkeit, lösen kognitive Dissonanzen aus. Allein die Tatsache, dass man aus bestimmten Menschen nie schlau wird, ist definitiv ein schlechtes Zeichen und man sollte sie meiden, wenn man kann. Der Körper kann auch massive Warnsignale wie z. B. Atemnot, Übelkeit oder Kopfschmerzen in der Gegenwart eines anderen senden. Das sind eindeutige Signale, dass die Chemie überhaupt nicht passt. Auch die Physiognomie oder allgemeiner die "Ausstrahlung" kann unmittelbar anziehend oder abstoßend wirken. Da kann man vieles rational nicht aufdröseln. Es kann eine gewisse Demut erfordern, einem Gefühl zu folgen, von dem man nich weiß, warum es eigentlich da ist. Doch meistens fährt man besser damit. 

Umlautkombinat

12. August 2026 09:06

Ich bin (leichter Asperger) am autistischen Spektrum. Das initiiert eine bestimmte Forderung zur Komplexitaetsreduktion. Den groessten Teil meines Lebens nahm ich in einem Gespraech einen visuellen Ersteindruck und konzentrierte mich dann auf die Stimme. Das manifestiert sich als Zurseitesehen (gelegentlich machte irgendein Zaepfel  den Fehler, das als Unterwerfungsgeste interpretieren :-). Es gab auch eine Fremdschamkomponente, die das Verhalten verstaerken konnte.Meditation aenderte das irgendwann und ich geniesse die relativ neue Faehigkeit zu Anreicherungen und kontinuierliche Updates durch den optischen Sinn waehrend einer Konversation. Da ist etliches an Information, man darf aber nicht beim Standbild (Fotografie) verharren. Das erzeugt Fehler.  
pet peeve: "Materialismus"Man hat doch hier philosophischen Anspruch. Bitte mal gescheit verwenden (Primat der Materie, Geist an materiellen Traeger gebunden). Der einzige Autor, der mir gerade einfaellt der das versucht zu unterscheiden ist Lichtmesz, er verwendet Konsumismus wenn er die Vulgaerbedeutung meint. Ungelenk, aber ich weiss auch nicht besseres. Materialismus im echten Sinn ist formidabel (uebrigens kann auch jede Geisteswissenschaft aus dieser Weltanschauung heraus betrieben werden). Der zweite Sinn ist ein Sandsack. Manchmal vermute ich, dass seine auffaellige Bevorzugung die Auseinandersetzung mit dem real thing vermeiden soll.

Laurenz

12. August 2026 09:19

@Monika ... die Klasse der Fresse-Mutierten ist eine eigene Klasse mit Einheitsgesicht & das kippt auch ganz schnell in die Monster-Klasse. Man erkennt daran halt Idioten sofort, das ist doch schon mal was. ... @Ede ... Physio Gnomie ... Sie sind der Genius des Tages, Ede. Der Anglo-Amerikaner würde sagen, You made my day. Wenn Tim Kellner immer die ganzen linken Tiktok-Fressen präsentiert, wie gestern zB ens Grüne MP-Kandidat*außen in Sachsen-Anhalt, könnten wir doch für diese (menschlichen?) Zeigenossen den Begriff "Physioschratie" einführen. Habe ich jetzt mit Ihrer Hilfe ein neues Wort erfunden? Dudenkommission, hallo? Bitte eintragen. ... @Diogenes ... Lügner/Schauspieler ... falls Sie Karl May meinen, so war Er ein Kind Seiner Zeit. Ich kann nicht entscheiden, ob May Recht hatte oder ob wir jetzt doch alle gleich sind. Aktuell identifiziere ich mich als schwarzafrikanischer Professor in Europa. Mays proletarische Zeitgenossen sehnten sich nach einer besseren Welt, als jene, in der sie lebten, wobei es diese Welt gar nicht gab, außer auf dem Speiseplan Bismarcks. May gab dieser Sehnsucht nach Deutscher Romantik ein Medium, einen Punkt zum Festhalten. 

pasquill

12. August 2026 09:20

"Es gibt eine Gerechtigkeit auf Erden, die Gesichter wie die Menschen werden." (Hedwig Dohm)
Schopenhauer: Das Gesicht ist eine „Hieroglyphe, die sich (…) entziffern läßt“. Jeder Mensch überprüft im stillen Jeden, versucht, dessen „moralisches und intellektuelles Wesen aus seinen Gesichtszügen“ zu erkennen. Dies gelingt durch die „vollständige Persönlichkeit, schon äußerlich aus­gedrückt durch stark gezeichnete individuelle Physiognomie, welche die gesamte Korporisation mit begreift“. Am schönsten sind Mienen der Intelligenz und Bildung, sie reifen im Laufe des Lebens durch unzählige „charakteristische Anspannungen der Züge“, so dass „geistreiche Gesichter es erst allmälig werden“.
 

Laurenz

12. August 2026 09:42

@Maiordomus @L. ... Sie wissen doch, daß ich Autoren anders bewerte, als Sie & viele andere hier. Für mich zählt der Erfolg, die Reichweite. Karl May ist der größte Deutsche Autor aller Zeiten. Außer, Sie nennen mir einen aus Ihrem Fundus, der ebenfalls mit über mehr als 200 Mio. verkauften Einheiten aufwarten kann? Ihre kitschige Mission ging mir bei May schon früh auf den Senkel. Ich ignorierte beim Lesen den Kitsch einfach. Die Debatten über Glauben mit Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah (letztere alle nicht in Mekka waren) sind unterhaltsam amüsant, aber wie bei Guareschi (Don Camillo/Peppone) aus Heidnischer Sicht überflüssig, weil beide Positionen nicht wirklich einen Unterschied machen, auf einer Seite stehen. Mein Charakter schließt Zwänge aus, selbst wenn sie göttlich sind. Juristen nennen solche Leute Querulanten. Den Marvel-Effekt Mays, überlegene übermenschliche Bildung & überlegene Waffen nahm ich erst sehr spät als solchen wahr. May konnte halt einfach unterhaltsam schreiben, ein Profi. Da Mays Protagonisten für alle Schwierigkeiten Lösungen fanden, erzählte May quasi die Erlöser-Nummer neu. Wenn Sie so wollen, sind May-Werke eine völlig neues Deutsches Glaubenswerk. Sobald May das im Alter direkt formulierte, scheiterte Er.

Diogenes

12. August 2026 09:48

1/2 Menschenlesen. Wesen lesen. Wahrheiten erkennen. Warum laufen die Leute heute alle geduckt wie eine Ente auf ihr Zauberkästchen guckend? Da muss man gar kein Menschenkenner sein um zu wissen das diese Leute gerade in diesem Moment nur Scheiße in der Birne haben. Und auch sonst sehen sie ja 0815 aus. Als ob sie von ihrer "Haus-KI" (ergo dem System in dem sie um die Wette im Hamsterrad laufen) angezogen und auf die Straße gelassen wurden. Leute die die sich die Unterhose über den Bauch über das T-Hemd ziehen, die unmögliche Schuhe, Söckchen tragen, die sich in Gestik und Mimik wie Kleinkinder verhalten die gerade auf die Welt gekommen sind. 

Diogenes

12. August 2026 09:48

2/2
 
Wissen die eigentlich was ein Hut ist? Nein. Laufen mit ihrem scheißamerikanischen Käppi herum und haben dann auch selbstverständlich nicht den Anstand das Ding am Tisch sitzend abzuziehen als ob es mit ihrem Wasserkopf verwachsen ist. Ich könnte da grade rückgewandt wieder aufstehen und kopfschüttelnd gehen. Witzfiguren! Und das Schlimme! Die sind Abgeordnet! Gewählt! Die sollen Sachen, und Entscheidungen für uns machen! Hilfe! Ein Land das sich von Idioten regieren lässt darf sich über den gegenwärtigen Zustand nicht wundern...  Genauso wie wenn ich in einem Baum invasive Schädlinge ausetze und mich nach einem Jahr wundere warum der Wald abgestorben ist. Absichten lesen. Gesichter lesen. In  Bewegungen lesen. Warum koptze ich mich darüber hier aus? Sind ja auch alles Schauspielpuppen denen man ihre Programmierung in jedem 3. Satz ablesen kann und ihre "Fresse" gesehen zu haben! 

Majestyk

12. August 2026 10:03

Also ich war mal mit einer Frau zusammen, die sah von außen aus wie ein wunderschöner Engel...

Ein gebuertiger Hesse

12. August 2026 11:15

@ofelia
"Früher waren viele neidisch und missgünstig. Ich will das anderen Leuten nicht antun. Ich hoffe, mich da immer beherrschen zu können..selbst in Gedanken."
Doch, tun Sie genau das mal nicht - sich beherrschen. "Mißgunst" und "Neid" sind Fremdvorwürfe, die Ihnen in die Parade fahren wollen. Versuchen Sie mal diese Begriffe umzustülpen indem Sie dem, was in ihnen wohnt, einen Raum zu geben ohne auf die moralische Deutung zu schauen. 

ede

12. August 2026 12:43

@Majestyk, na, da kann ich mir nun gut vorstellen, wie Sie geguckt haben, so mit kleinen Pupillen und Spiralen im Blick.
Dem Herrgott beliebt es gelegentlich den Verstand auszuschalten. Warum auch immer. 

Beta Jas

12. August 2026 13:12

Physiognomie bedeutet nicht nur das Gesicht, sondern den gesamten Körper, den beurteile ich mit. Auch wenn Mann oder Frau – der Mensch – gekleidet ist, sieht man an der Körpersprache ebenfalls einiges zur Beurteilung. Kleidung machen Leute, sagte Gottfried Keller, Gesichter und Körper aber erst recht. Die Schädelvermessung war der Irrweg einer Zeit, aber das heißt nicht, dass es keine Unterschiede gäbe und Menschen als Angehörige von Völkern oder Gruppen auf verschiedenen Kontinenten, Gemeinsamkeiten sowie individuelle Merkmale zur Charakterisierung hätten, die man nicht aus dem Aussehen ableiten könnte.

Boreas

12. August 2026 13:36

Das Erfahrungswissen trügt nicht. Der legendäre Bundesführer des Nerother Wandervogel Fritz-Martin Schulz, durch unzählige Begegnungen geschult, hatte ein geflügeltes Wort der Beschreibung enttäuschender Gespräche bei leiser Vorahnung des Verlaufs: „Keine guten Gesichter.“ Und der nicht minder berühmte Wandervogelchronist Hans Blüher beschrieb es augenscheinlich in einem Text: „Ich war zur Tagung eines Wandervogelbundes eingeladen, die Meinungen schlugen hart aufeinander, auf der einen Seite standen Königstreue vom Landsknechtstypus, auf der anderen Seite Sozialisten von der radikalsten Färbung. Letztere hatten die rote Fahne gehißt, die anderen hatten sie runtergerissen. Die Diskussion war fruchtlos. Da stand ein junger Mensch auf und sagte: “Es mag so oder so richtig sein aber wir fühlen, daß die rote Fahne etwas Häßliches ist. Und seht sie euch an: es gibt keinen einzigen schönen Menschen auf jener Seite!“ Damit war die Frage entschieden.“ Es ist nicht überliefert, ob die schönsten Gesichter der Spezialdemokratie, Stegner, Eskens und Klingbeil; Großeltern bei den Sozialisten hatten, denkbar wäre es. Eine weitere Gestalt der Jugendbewegung, der Architekt Karl Buschhüter hatte neben grandiosen Entwürfen für Jugendburgen ein weiteres Steckenpferd: die Ohrendiagnostik. In selbstverlegten Pamphleten entwickelte er atemberaubendeaber auch zwerchfellerschütternde Beziehungen zwischen Ohrmuschelkrümmung und Charakter in guter Lavater-Tradition.

Diogenes

12. August 2026 15:03

@Boreas: Sie schreiben letztlich Sozialismus wie ich in mache, fühle, meine, befürworte, verstehe, als Teil dessen woraus wir sind - Wurzel greift nur, wenn der Stamm greifen kann. Alles Sonstige wird von Gezeit  gefressen. Vielleicht ist es dessen Anfang das "Nichts", weswegen M. Ende den Kindern Gesichte vermittelte? Es fängt an, mit Undacht Blasen! Keine Träume. Überall der Alb drin steckt. Der Quälgeist...

Karin Wendt

12. August 2026 15:19

Danke für den Beitrag.
Dass alles an uns "spricht" und wir mehr oder weniger bewusst in anderen "lesen", denke ich auch. Der Spruch von Bednarz ist aber dümmlich, für mich ein Zeichen von Verwahrlosung im Denken und Schreiben. Es ist natürlich schön, wenn man den verhassten Menschen auch hässlich findet. Das Hässliche ist hassenswert - so fügt sich alles wundersam und wunderbar. Privat ist so eine Äußerung nicht, und will es auch nicht sein. Mit Menschenkenntnis hat das wenig zu tun. Aber viel mit Verachtung und der Lust am Verächtlichmachen.

Majestyk

12. August 2026 15:59

@ ede:
"Dem Herrgott beliebt es gelegentlich den Verstand auszuschalten. Warum auch immer. "
Bei mir schon häufiger als gelegentlich. So gut meine Menschenkenntnis ansonsten ist, beim weiblichen Geschlecht hat sich mein Verstand früher komplett ausgeschaltet, manchmal sogar über Jahre. Nicht gerade ein Ruhmesblatt.
Worauf ich aber hinaus wollte, man kann den Charakter eines Menschen nicht am Äußeren festmachen. Dann schon eher am Lebensstil. Vom Äußeren aufs Innere schließen zu wollen halte ich für vermessen und ähnlich wie bei den Handschriften eher so pseudo-schlau. Nichts täuscht so sehr wie der erste Eindruck. Ganz im Gegenteil, Optik blendet. Da fallen mir ganz spontan diverse Politiker und Medienanschaffende als Beispiel ein.

Majestyk

12. August 2026 16:07

@ Karin Wendt:
"Mit Menschenkenntnis hat das wenig zu tun. Aber viel mit Verachtung und der Lust am Verächtlichmachen."
Schubladen verraten etwas über denjenigen, der sie aufzieht, nicht denjenigen der hinein gelegt wird. 

Karin Wendt

12. August 2026 16:23

Noch zu Bednarz: Ich bin selbst nicht auf x, es kann sein, dass ich das Ganze nicht richtig verstanden habe -. Wenn Bednarz nun ihre Äußerung als dekonstruktive Ironie gedeutet wissen will, gibt das ihr erster Post m.E. nicht her. Vllt sollte es aber gar auch nicht in Gänze verständlich sein. Ein Post jagt den anderen. Läuft.

Maiordomus

12. August 2026 16:41

@Laurenz. Wahrscheinlich ist Hermann Hesse unterdessen noch vor Karl May, notabene Sohn eines Missionars, wobei er selber ein Humanitär der sich nicht Verstanden-Fühlenden gewesen ist und einer der letzten Ritter der Romantik. Marx hat freilich , ähnlich wie Religions-Katechismen. gewiss vergleichbare Auflagen erreicht, trotz seinem "Zeitungsdeutsch", wie Egon Friedell es charakterisierte, sicher weniger fertig gelesen als jeweils Karl May und Hermann Hesse. Mir ist indes nicht bekannt, ob nicht doch einige Kolportageautoren doch noch ähnlichen Erfolg hatten, ausserdem mein Landsmann von Däniken ebenfalls weit vorne, aber eher bei 100 als 200 Millionen, privat ein Geizkragen , wollte bei Lesungen Bücher vielfach selber verkaufen, nicht etwa durch den ansässigen Papeteristen oder Kleinbuchhändler. Ihre Meinung zu Hesse würde mich übrigens als  literatursoziologische Zeugenaussage sogar mehr interessieren als diejenige über Theologen und Philosophen oder gar über Rudolf Steiner. Newton hatte im Vergleich zur Auflage übrigens die menschheitlich und weltweit grösste Wirkung. In St.Petersburg las man ihn lateinisch, weswegen es dort immer noch mehr gute Lateiner gab und gibt als heute an einer Durchschnitts-Universität bei uns. 

Karin Wendt

12. August 2026 16:50

@Majestik
Touché. Ich will mich - selbstkritisch - nicht davon freimachen. Aber journalistischer Stil und Umgang ist es doch nicht. Im Beitrag von Ellen Kositza geht es ja auch nur am Rande darum. Wollte die Debatte nicht zerfleddern.

Franz Bettinger

12. August 2026 16:52

Ich glaube nicht an Physiognomie, also die Vorstellung, dass sich aus dem äußeren Erscheinungsbild eines Menschen – insbesondere aus den Gesichtszügen – Rückschlüsse auf seinen Charakter od. die moralischen Eigenschaften ziehen lassen. Wenn ich mir die Helden der Wildwasser- & Kletter-Szene ansehe, sind manche optisch nur im Gegenlicht zu ertragen. Einige meiner Stars durften wegen Rundrücken oder Plattfüßen nicht mal zu den Gebirgsjägern (was eindeutig gg. die Musterungs-Qualität sprach). Helden sehen mMn nach meist nicht wie Helden aus. 

Le Chasseur

12. August 2026 17:26

@Maiordomus
Der meist übersetzte deutsche Schriftsteller ist Friedrich Engels.

quarz

12. August 2026 18:23

Laut aktuellem Forschungsstand ist es Menschen möglich, aus (bewegtem) Mienenspiel auf Persönlichkeitseigenschaften zu schließen, aber nicht aus statischem Gesichtsausdruck. Aber: KI kann es auch aus unbewegtem Gesicht. Die Information ist also offenbar bereits im statischen Ausdruck enthalten.

Diogenes

12. August 2026 18:32

@Majordomus: Warum müssen Sie das aussprechen? Sendungsbewusstsein? Das Miteilen? Ihr Spiegelbild des Gegenübers suchen? 
 
Irgendwie ist es dieser Tage, als ob man Wissen irgendwie verfestigen wollte. Selbst an "Nicht-Orten" wie diesem! 
 
Was ich meine: Haben Sie auch dieses Gefühl Ihrer Mitwelt Meldung zu machen "Hier bin ich. Lest das. Fort ich geh!" ... Dieses ich weiß nicht mehr was ist, obwohl ich keinen Scheißalkohol getrunken habe? Zeitsprung. Eben 13 Uhr. Jetzt 15 Uhr. Wo ist die 14. Stunde hin? Wie herausgenommen und wieder niedergesetzt. Ein Vögelchen das eh nichts begreift. 
 
Ich weiß nicht mehr... Da ist was im Gange. Wer kann Intuiton lesen? Etwas nicht "Greifbares"? Ahnung verspüren. Ahnen im Gegenwärtigen spüren? Eine Einsicht die schon mal "aufgenommen" wurde, in der Anlage, und jetzt abgespielt wird, weil sie in einem "Gesicht" gelesen wurde?  Kennt das noch wer? Diese Erfahrung? Ich meine Gespinne! Etwas wo einem vllt. der Ehepartner oder die Kinder/Enkel die Abwesenheit bestätigen? 

Laurenz

12. August 2026 20:01

@Karin Wendt ... da wir in einem dualen Universum leben, bedingen sich Haß & Liebe, Schönheit & Häßlichkeit, Sieg & Niederlage, Licht & Schatten. Das eine existiert nicht ohne das andere. Und wer polarisiert, wie zB die Christen, die das Gute für sich in Anspruch nehmen, erschaffen diese automatisch das Böse, weil sie es brauchen, um sich davon zu unterscheiden. ... @Franz Bettinger ... Du hast mit den Helden vollkommen Recht, die sehen nicht aus, wie die Typen aus Hollywood. ... @Maiordomus (& Le Chasseur) @L. ... Marx/Engels zählen nicht, denn, (ähnlich der Bibel), produzierten diese beiden nur Staubfänger für das Bücherregal. Von Hesse hatte ich nie viel gelesen. Was bei mir hängen geblieben ist, war "Unterm Rad". Nicht, daß Hesse hier unbedingt richtig liegen muß, aber Er hatte das Werk einfach glaubhaft & gut geschrieben. Gute Lehrer brauchen für Schüler individuelle Empathie, um ihnen Reife zu verpassen. Unterm Rad wirkte so ähnlich auf mich, wie passend unter einem ML-Artikel, der Film "Picknick am Valentinstag", den ich nachts spät, im Alter von 14 Jahren mit meiner Oma sah. Kein Film hat je mein innerstes mehr berührt, als dieser Film. https://de.wikipedia.org/wiki/Picknick_am_Valentinstag

Laurenz

12. August 2026 20:16

@EK ... nachdem ich jetzt die gut 40 Kommentare unter Ihrem Artikel gelesen habe, kann ich mich bezüglich der Physiognomie/-schratie noch nicht wirklich eindeutig zu einer Meinung durchringen. Das hat vielleicht damit zu tun, daß die von Ihnen beschriebene Wahrnehmung der anderen nicht komplett unsere Wahrnehmung der anderen umfaßt. Entscheidend für die nachhaltige Partnerwahl ist zB der unbewußte Geruch des anderen. Kann man jemanden riechen, die Stimme ertragen, oder nicht? Meist kann man jene schlecht ertragen, die genauso riechen, wie man selbst. Und was mag es noch an unbewußter Wahrnehmung geben, wenn man sich in die Sphäre eines Castanedas begibt. Castaneda dient hier nur als Beispiel für jemanden, der besonderen Fokus auf Wahrnehmung legt. Vielleicht hätte man, statt nach der Physiognomie, eher die Frage nach dem Vorurteil stellen können? Vorurteile, ob selbst gewonnen oder ererbt, besitzen einen großen Sinn, denn sie schützen einen & sparen Zeit. Man kann sich auch täuschen, das Vorurteil zum Fehlurteil mutieren lassen. Aber in der Wahrscheinlichkeitsrechnung wird das Vorurteil gewinnen, denn sonst hätte die Menschheit keine Vorurteile entwickelt.

Maiordomus

12. August 2026 20:51

@Le Chasseur. Was einfach so im Netz zu finden ist, sollte nicht schlechthin für bare Münze genommen werden. Las von Engels zumal seine Ausführungen über die Autorität, welche die Diktatur deutlich und unverhohlen begründen, seine eindrücklichen Ausführungen über den Weltuntergang, nach welchem die Materie sich danach "neu organisieren" werde;, seine Verhöhnung des homosexuellen Humanisten Karl Heinrich Ulrichs, dessen ethische Qualitäten ich um Welten über Marx/Engels setze. Kann mir aber nicht vorstellen, dass Engels real mehr Leser gewann als die wirklich grossen Autoren der Weltliteratur, die wirklichen Erfolg hatten, bis hin zu Kafka oder Selma Lagerloef. @Diogenes. Mir ist nicht völlig klar, was Sie meinen, ev. meine Kritik wegen VSA? Können wir beiseite legen, ist nicht so wichtig. Ich unterschätze die Physiognomik keineswegs, prüfte Schüler darüber, las Lavater u . Goethe mit 17 Jahren und die Herren von Matt standen mir zu Lebzeiten nahe, besonders der weniger bekannte. Mit @L wollte ich mal weniger auf Streitbasis diskutieren. Er nötigt wohl nicht nur mir Geduld ab, was natürlich auf Gegenseitigkeit beruhen kann. Grüsse Sie in diesem Sinne! Ihr MD.   

lucianocali2

13. August 2026 08:16

Liane Bednarz hat, intellektuell redlich wie sonst auch stets, Ellen Kositza als Quelle angeben, obwohl sie wusste, was das auslösen würde, und dass es viel dreckiges Wasser auf die klappernden Mühlen derer leiten musste, die ihre geistigen Berührungsängste allen zur Vorschrift machen wollen. Und diese Redlichkeit und dieser Mut ist LB auch physiognomisch anzusehen. Die ganze Gesichtswissenschaft ist ja keine Atomphysik. Sehen, daß die Mundwinkel einer verbitterten Linken von ihr selber täglich weiter heruntergezogen werden und warum und was das mit ihrer Politik zu tun hat, das ist schon alles und das soll man sich nicht verbieten lassen. 

Dietrichs Bern

13. August 2026 08:49

Das negative Echo für Frau Bednarz beruhte ja ausschließlich auf der Zielperson, intelligentere Linke schließen aus solchen Vorkommnissen, wie schnell man Trotzki oder Robespierre werden kann und kommen vielleicht zur Einsicht. Zur Physiognomie scheint mir: Kann, muss aber nicht. Wenn ich in die Geschichte blicke scheinen mir Herr und Frau Goebbels mit ihrem kalten, reptilienhaften als Beispiele für Menschen, die ohne Gefühlsregung sind. Moderne Beispiele sind sicher Brosius-Gersdorf oder Frau Buyx. Da würde es passen.

links ist wo der daumen rechts ist

13. August 2026 09:52

Und wieder so ein Häkelthema. Sind "Brigitte" und "Petra"-Leserinnen eigentlich eher links oder rechts oder unpolitisch Mainstream?
Und dann diese Kracher "Jünger und Schmitt waren zwar klein, aber...". Du meine Güte!
Wer mit wehrsporthaften Hünen leuchtturmgrosse Töchter zeugen will, nur zu, verschone uns aber mit diesem weiblichen Einfühlungsteekränzchen-Quatsch.

Kositza: Tut mir sehr leid, daß schon wieder so ein Frust-Tag für Sie ist, Kopf hoch, armer Alter!

Ein gebuertiger Hesse

13. August 2026 11:10

@Diogenes
"Eben 13 Uhr. Jetzt 15 Uhr. Wo ist die 14. Stunde hin? Wie herausgenommen und wieder niedergesetzt. Ein Vögelchen das eh nichts begreift."
Nimm die Laute der Tiere - Zwitschern usw. - als Zeichen für etwas, das IN DIR geschieht und sie lachen dich aus.

Karin Wendt

13. August 2026 11:19

@Laurenz
Das Gute anzustreben, heißt nicht, das Böse zu erschaffen. In Ihrer Beschreibung wäre ja bereits die Unterscheidung moralisch verwerflich. Unterscheidung bedeutet, dass die Erkenntnis des einen die Erkenntnis des davon Unterschiedenen bedingt, nicht es erschafft. Ich weiß nicht, ob ich Sie richtig verstanden habe. Aber mit einem dualistischen Weltbild und einer Ontologisierung des Bösen kommt man hermeneutisch nicht weit, ist beides ja auch nicht mehr Stand der Philosophie oder Theologie heute.

Diogenes

13. August 2026 11:24

@Ein gebuertiger Hesse
Tier-"Sprachen"? Wenn ein Tier sich dir mitteilt? Haben Sie diese Geschöpfe von Klein groß gezogen - Mit ihnen Gemeinschaften gebildet? Versucht das Sein durch ihre Sinne zu erfassen? Nein. Ich? Ich mache den Versuch! Ich muss nicht erst reaktonär im Sinnen er-fassen!
 
Wo stammen Sie übrigens aus Hessen her? Lesen wir nicht auch in der Wurzel die Anlage des Menschen? 

Ein gebuertiger Hesse

13. August 2026 14:40

@Laurenz
Main-Kinzig-Kreis. 
Und für Sie nen schönen Song zum WE.

Laurenz

13. August 2026 16:32

@Karin Wendt @L. ... Haben Sie nie Goethes Faust gelesen? Mephisto sagt es nur deutlich. "Ich bin Teil jener Macht, die stets das Böse will & stets das Gute schafft". Wenn alle nur gut wären, gäbe es nichts Gutes. Nur der diamtrale Pol erschafft Eigenschaften. Wenn alle schön wären, gäbe es keine Schönheit. Die Linke erschafft heute mehr Nazis als es historisch jemals gegeben hat. Ansonsten ist die heutige Linke völlig leer & hat nichts mehr zu bieten. Ohne diese virtuellen Nazis gibt es keine Daseinsberechtigung mehr für die Linke, Ende, aus. Das ist auch die Problematik, die Robin Alexander beschäftigt. Er weiß, daß er im Grunde arbeitslos ist. Die Marxisten, Leninisten, Trotzkisten, Maoisten wollten alle das Paradies der Werktätigen erschaffen. Sie erschufen die Hölle der Werktätigen, so, wie Sie, Frau Wendt. Ihresgleichen hat aus Deutschland die Hölle gemacht. Ihre Lösung ist, immer weiter Teddybären zu werfen, bis wir alle als Dhimmis vegetieren & abgemessert werden.

Laurenz

13. August 2026 16:44

@Maiordomus @L. ... Das mit dem Streiten sollten Sie bitte nicht so eng sehen. Auch, wenn ich im Grunde der Meinung bin, daß die Philosophen nach Platon keine Relevanz besitzen, spielt das doch keine Rolle. Wir sind doch keine Linken. Das Gefühl in der Debatte mit Ihnen ist ambivalent. Die eine Eigenschaft ist der Preis der anderen. Sie sind als lebendiges, wandelndes Lexikon natürlich kostbar, auch dann, wenn Sie Sich im Detail verlieren. Und es ist natürlich total nervig, wenn Sie auf der SiN anfangen, Schulnoten zu verteilen. Auch wenn das hier niemand braucht, so ist eine Persönlichkeit nicht teilbar. In menschlichen Beziehungswelten gibt es einerseits die süßen Kirschen, die aber nicht ohne saure Kirschen zu haben sind. Sie kommen einerseits nicht an der Kulturvernichtung durch die Mission vorbei, so wie ich nicht an dem Ergebnis der Kulturvernichtung vorbeikomme. Nur brauchen wir uns dann weder über das Morgen-, noch über das Abendland etwas vorzumachen. Moral findet nur im Kopf statt, nicht in einer kollektiven Realität. Der Terminus Interessen bleibt hier neutraler.

anatol broder

14. August 2026 01:11

ich war mal in einem vortrag eines professors für soziologie. der schlecht gekleidete spinner hat eine menge unsinn erzählt. irgendwann hat er die fassung verloren, weiss ich nicht warum. dabei brachte er ein neues argument vor: «schaut euch deren gesichter an!» ich fand sein gesicht nicht sonderlich klug.
mein letzter vortrag war bei einem professor für physik. der mann war ganz anders.

Wuwwerboezer

18. August 2026 12:27

Frau Esken hat sicher ihre verzogene Mundpartie

https://www.youtube.com/shorts/Zt3uwkVgkfY

infolge einer Op-Narbe im Torso (Blinddarm-Op o. ä.), welche ihre gesamte Körperstatik verzerrt hat. Bereits eine kleine Op-Narbe kann man sich vorstellen wie die Raffung mit einer Stecknadel an einem Gewand. Das - unbewußte - Ausweichen gegenüber dem Schmerz kommt hinzu (so daß z. B. Kaiserschnitt-Frauen oft gebeugt stehen und gehen, immerhin noch symmetrisch). Zusätzliches Riesen Tabu-Thema in der Medizin: Gewebe- bzw. insbesondere Faszien-Verklebungen / -Verwachsungen zumeist (wenn auch nicht immer) infolge von chrirugischen Eingriffen, welche die gesamte Körperstatik noch zusätzlich "schief" machen, lebenslang. Alle wissen es, niemand außer dem winzigen Kreis der Adhäsiolysten spricht darüber. Siehe die schönen Fotos:

https://www.mic-zentrum-frankfurt.de/www/operationen/adhaesiolyse.html

- W.