Es gab keinerlei juristische Konsequenzen. Auch unser gesamtes Material konnten wir unbeschadet retten. Auf dem Weg zum Sammlungsort hatte ich wohlweislich bei einer Tankstelle eine Ladung Bierdosen mitgebracht. Auch das Feiern von Erfolgen ist ein wichtiger Teil der Aktionsplanung.
Es war an der Zeit, sich zu verabschieden. Einige der Aktivisten mussten direkt zurückreisen. Mit dem Rest wollten wir noch am selben Tag nach Ceuta fahren. Um 20:30 Uhr sollte dort eine große Kundgebung von VOX stattfinden, so hatten es uns die Spanier erzählt. Unser grober Plan war, ein gutes Gebäude auszukundschaften und während der Kundgebung auf diesem Gebäude mit Bengalos ein Banner zu enthüllen.
In einem typisch spanischen Lokal bestellten wir für zehn Leute eine riesige Paella mit Meeresfrüchten. Dummerweise hatten wir uns verkalkuliert, und die Küche arbeitete zu langsam. Noch bevor das Essen aufgetischt wurde, mußte ich mit vier Aktivisten – wir waren als Vorhut eingeteilt – aufbrechen.
Die Reise auf der Fähre nutzen wir, um Videos zu drehen. Als der Hafen von Algeciras langsam in der Ferne verschwand, kamen bei mir Erinnerungen an die Defend-Europe-Mission hoch. Doch diese nostalgischen Gefühle wurden von einer Hiobsbotschaft unterbrochen. Ein spanischer Aktivist erklärte uns, dass VOX angeblich aus Sicherheitsgründen die Demo abgesagt habe und Santiago Abascal bereits abgereist sei.
Er schilderte ein unangenehmes Lagebild: Angeblich hatten spanische Aktivisten der Gruppe Núcleo Nacional den Widerstand von lokalen islamischen Gangs auf den Plan gerufen. Die Hälfte der Einwohner von Ceuta sind nämlich nordafrikanische Muslime. Diese haben den spanischen Pass, wollen auch aus finanziellen Gründen nicht Teil Marokkos werden und lehnen sogar den Grenzsturm ab. Sie reagieren allerdings allergisch auf die Parole: „España cristiana y no musulmana“ (Spanien ist christlich, nicht muslimisch).
Angeblich, so berichtete uns Pablo, der spanische Verbindungsmann, sei sogar ein rechter Influencer in seinem Hotelzimmer von aggressiven Muslimen belagert und müsse unter Polizeischutz zum Hafen gebracht werden. Keine guten Aussichten!
Das Letzte, was wir wollten, war, in einen Konflikt lokaler Gangs zu geraten und unter Polizeischutz aus Ceuta eskortiert zu werden. Dazu häuften sich die Meldungen der Mainstream-Presse, dass bereits alle marokkanischen Migranten Ceuta verlassen hätten. Auf X wurde auch erste Kritik an unserer Aktion laut. Sogar ein AfD-Politiker diffamierte uns als „naiv“.
In der Enklave angekommen, traten wir also ins Ungewisse. Mit etwas unguten Gefühlen quartierten wir uns rasch in einem Café am Hafen ein und schickten einen Späher aus. Bis der Rest der Aktivisten eintraf, brauchten wir einen stabilen Plan. Die Spanier überlegten, zu dem Influencer zu gehen, um ihn aus einem Hotel zum Hafen zu eskortieren. Dazu hatte ich wenig Lust. Wenn die Lage wirklich krass war, sollte das lieber die Polizei machen.
Tatsächlich entlarvten sich diese Gerüchte als Übertreibung. Wir hörten von einer alternativen Kundgebung, die Einwohner von Ceuta auf einem Platz um 20:30 Uhr organisieren würden, und beschlossen, unseren ursprünglichen Plan dort umzusetzen. Zugleich berichtete unser Späher, daß angeblich auf einem Strand im Westen noch illegale Migranten lagern würden.
Mit wenig großen Erwartungen machten wir uns in einem Taxi auf den Weg. Ich war fest entschlossen, die Lage nicht drastischer zu zeichnen, als sie wirklich war. Wenn wir dort nur ein paar Versprengte und Illegale sehen würden, würde ich daraus keine große Sache machen. Allein kam es ganz anders.
Plötzlich änderte sich die Szenerie: Unser Taxifahrer weigerte sich, weiterzufahren. Militärfahrzeuge und Soldaten umstellten eine Szene wie aus Raspails Heerlager der Heiligen. Hunderte, wenn nicht Tausende junger Afrikaner und Araber lagerten am Strand.
Wir gingen sofort so weit vor, wie man uns ließ. Damit war die Lüge von Pedro Sánchez entlarvt! Meine Vermutung war bestätigt. Er hatte niemanden abgeschoben. Jene, die nach Marokko zurückgekehrt waren, waren freiwillig gegangen. Sie waren einem Aufruhr in sozialen Medien gefolgt und hat das Ganze wahrscheinlich als Mutprobe und Provokation Spaniens gesehen.
Im Gefolge dieses Grenzsturms, der mit Sicherheit auch geopolitische Hintergründe hat, gelangten allerdings Tausende Illegale auf spanisches Territorium. Sie wollten nicht gehen, sondern die Gelegenheit wahrnehmen, europäisches Festland zu erreichen.
Um das zu verstehen, muss man ein paar Hintergründe kennen. Spanien konnte eine Sonderregelung für Ceuta und Melilla aushandeln. Ein Gesetz von 2015 besagt, dass illegale Einwanderer, die über den Zaun eindringen, ohne Asylverfahren sofort zurückgeschoben werden können. 2020 bestätigte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, daß das nicht gegen das Non-Refoulement-Prinzip verstoße. Das gilt allerdings nicht für Migranten, die über den Seeweg nach Ceuta schwimmen. In einem Urteil eines Gerichts in Ceuta Ende Juli wurde maritimen Eindringlingen ein Asylverfahren zugestanden.
Genau darauf berufen sich jetzt wohl auch die Tausenden, die immer noch dort sind. Sánchez scheint sich nicht zu trauen, sie abzuschieben. Denn damit würde er einen Präzedenzfall schaffen, den zum Beispiel auch Italien und England für illegale Eindringlinge über den Seeweg nutzen könnten.
All das schoß mir durch den Kopf, und rasch produzierten wir zahlreiche Videos, um die Weltöffentlichkeit auf diesen Skandal aufmerksam zu machen. Und plötzlich eskalierte die vorher schon angespannte Lage. Eine Gruppe Migranten brüllte lautstark auf Soldaten ein. Zwischen sich hielten sie ein Tuch gespannt. Ich ging etwas näher und sah, daß darauf ebenfalls ein junger Araber lag. Sie behaupteten, er sei verletzt, und begannen dann immer lauter zu schreien.

Wir hielten Schritt und sahen, wie Dutzende der Illegalen rechts und links in Parks, Höfen, Cafés und dem Straßendschungel von Ceuta abtauchten. Binnen weniger Sekunden gingen die Aufnahmen von uns viral. Die Reise nach Ceuta war wichtig. Wir hatten mitgeholfen, Sánchez’ Lüge zu widerlegen.
Nun machten wir uns auf den Weg zurück an den Ort, an dem die Demonstration der Einheimischen stattfiden sollte. Immer noch waren wir etwas besorgt ob der angeblichen islamischen Gangs von Ceuta. Am Plaza de Los Reyes angekommen, bot sich uns ein gänzlich anderes Bild. Hunderte Spanier füllten den Platz bis zum letzten Zentimeter. Die Stimmung war aufgeladen und ausgelassen. „Viva España“, Parolen gegen Sánchez, die ich hier nicht wiedergeben will, und immer wieder „Remigración“.

Plangemäß hatten sich unsere Aktivisten auf erhöhter Position mit dem Banner platziert. Toni gab zahllose Interviews für spanische Fernsehsender, was ihn und den Save Europe Act schlagartig ins Zentrum der Aufmerksamkeit brachte. Es war ein einmaliges Erlebnis. Junge Frauen und Kinder jubelten uns zu, alte Menschen applaudierten begeistert. Sie konnten es kaum fassen, dass wir alle extra aus ganz Europa angereist waren, um sie zu unterstützen.
Schweren Herzens mußten wir uns wenig später von der Menge trennen, um unsere Fähre nach Algeciras zu erwischen. Der Rückweg war ein fest: Autofahrer hupten. Kinder winkten mit spanischen Fahnen und Wildfremde klopften uns auf die Schultern.
Der Grenzsturm bietet auch eine Chance, denn nun richtet sich die Aufmerksamkeit der Welt auf diese Stadt. Sánchez hat behauptet, dass alle Illegalen die Stadt verlassen hätten, und wurde der Lüge überführt. Wenn wir genügend öffentlichen Druck aufbauen und ihn dazu zwingen, diese tausend Afrikaner zurückzuschicken, können wir einen Präzedenzfall schaffen. Auch wer auf dem Seeweg ankommt, kann sofort zurückgebracht werden. Wenn Sánchez dies tut, kann auch Italien diesem Beispiel folgen.
Während wir in Ceuta unterwegs waren, fand in Utrecht eine große Kundgebung mit dem Save Europe Act-Banner und in Prag eine Unterschriftenaktion statt. Überall in Europa sind unsere Leute aktiv. Das Wochenende zeigte, wie rasche Mobilisierung, dynamische Aktionsplanung zum Erfolg führen. Ich bin stolz auf unsere junge Mannschaft und danke allen Unterzeichnern und Unterstützern, die diese und weitere Expeditionen möglich machen
