Ceuta – den Widerstand organisieren (2)

Die Stimmung am Parkplatz war ausgelassen. Die Aktion hatte gut funktioniert, zwar nicht perfekt, aber das Ziel war erreicht.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Es gab kei­ner­lei juris­ti­sche Kon­se­quen­zen. Auch unser gesam­tes Mate­ri­al konn­ten wir unbe­scha­det ret­ten. Auf dem Weg zum Samm­lungs­ort hat­te ich wohl­weis­lich bei einer Tank­stel­le eine Ladung Bier­do­sen mit­ge­bracht. Auch das Fei­ern von Erfol­gen ist ein wich­ti­ger Teil der Aktionsplanung.

Es war an der Zeit, sich zu ver­ab­schie­den. Eini­ge der Akti­vis­ten muss­ten direkt zurück­rei­sen. Mit dem Rest woll­ten wir noch am sel­ben Tag nach Ceu­ta fah­ren. Um 20:30 Uhr soll­te dort eine gro­ße Kund­ge­bung von VOX statt­fin­den, so hat­ten es uns die Spa­ni­er erzählt. Unser gro­ber Plan war, ein gutes Gebäu­de aus­zu­kund­schaf­ten und wäh­rend der Kund­ge­bung auf die­sem Gebäu­de mit Ben­ga­los ein Ban­ner zu enthüllen.

In einem typisch spa­ni­schen Lokal bestell­ten wir für zehn Leu­te eine rie­si­ge Pael­la mit Mee­res­früch­ten. Dum­mer­wei­se hat­ten wir uns ver­kal­ku­liert, und die Küche arbei­te­te zu lang­sam. Noch bevor das Essen auf­ge­tischt wur­de, muß­te ich mit vier Akti­vis­ten – wir waren als Vor­hut ein­ge­teilt – aufbrechen.

Die Rei­se auf der Fäh­re nut­zen wir, um Vide­os zu dre­hen. Als der Hafen von Alge­ci­ras lang­sam in der Fer­ne ver­schwand, kamen bei mir Erin­ne­run­gen an die Defend-Euro­pe-Mis­si­on hoch. Doch die­se nost­al­gi­schen Gefüh­le wur­den von einer Hiobs­bot­schaft unter­bro­chen. Ein spa­ni­scher Akti­vist erklär­te uns, dass VOX angeb­lich aus Sicher­heits­grün­den die Demo abge­sagt habe und Sant­ia­go Abas­cal bereits abge­reist sei.

Er schil­der­te ein unan­ge­neh­mes Lage­bild: Angeb­lich hat­ten spa­ni­sche Akti­vis­ten der Grup­pe Núcleo Nacio­nal den Wider­stand von loka­len isla­mi­schen Gangs auf den Plan geru­fen. Die Hälf­te der Ein­woh­ner von Ceu­ta sind näm­lich nord­afri­ka­ni­sche Mus­li­me. Die­se haben den spa­ni­schen Pass, wol­len auch aus finan­zi­el­len Grün­den nicht Teil Marok­kos wer­den und leh­nen sogar den Grenz­sturm ab. Sie reagie­ren aller­dings all­er­gisch auf die Paro­le: „Espa­ña cris­tia­na y no musul­ma­na“ (Spa­ni­en ist christ­lich, nicht muslimisch).

Angeb­lich, so berich­te­te uns Pablo, der spa­ni­sche Ver­bin­dungs­mann, sei sogar ein rech­ter Influen­cer in sei­nem Hotel­zim­mer von aggres­si­ven Mus­li­men bela­gert und müs­se unter Poli­zei­schutz zum Hafen gebracht wer­den. Kei­ne guten Aussichten!

Das Letz­te, was wir woll­ten, war, in einen Kon­flikt loka­ler Gangs zu gera­ten und unter Poli­zei­schutz aus Ceu­ta eskor­tiert zu wer­den. Dazu häuf­ten sich die Mel­dun­gen der Main­stream-Pres­se, dass bereits alle marok­ka­ni­schen Migran­ten Ceu­ta ver­las­sen hät­ten. Auf X wur­de auch ers­te Kri­tik an unse­rer Akti­on laut. Sogar ein AfD-Poli­ti­ker dif­fa­mier­te uns als „naiv“.

In der Enkla­ve ange­kom­men, tra­ten wir also ins Unge­wis­se. Mit etwas ungu­ten Gefüh­len quar­tier­ten wir uns rasch in einem Café am Hafen ein und schick­ten einen Spä­her aus. Bis der Rest der Akti­vis­ten ein­traf, brauch­ten wir einen sta­bi­len Plan. Die Spa­ni­er über­leg­ten, zu dem Influen­cer zu gehen, um ihn aus einem Hotel zum Hafen zu eskor­tie­ren. Dazu hat­te ich wenig Lust. Wenn die Lage wirk­lich krass war, soll­te das lie­ber die Poli­zei machen.

Tat­säch­lich ent­larv­ten sich die­se Gerüch­te als Über­trei­bung. Wir hör­ten von einer alter­na­ti­ven Kund­ge­bung, die Ein­woh­ner von Ceu­ta auf einem Platz um 20:30 Uhr orga­ni­sie­ren wür­den, und beschlos­sen, unse­ren ursprüng­li­chen Plan dort umzu­set­zen. Zugleich berich­te­te unser Spä­her, daß angeb­lich auf einem Strand im Wes­ten noch ille­ga­le Migran­ten lagern würden.

Mit wenig gro­ßen Erwar­tun­gen mach­ten wir uns in einem Taxi auf den Weg. Ich war fest ent­schlos­sen, die Lage nicht dras­ti­scher zu zeich­nen, als sie wirk­lich war. Wenn wir dort nur ein paar Ver­spreng­te und Ille­ga­le sehen wür­den, wür­de ich dar­aus kei­ne gro­ße Sache machen. Allein kam es ganz anders.

Plötz­lich änder­te sich die Sze­ne­rie: Unser Taxi­fah­rer wei­ger­te sich, wei­ter­zu­fah­ren. Mili­tär­fahr­zeu­ge und Sol­da­ten umstell­ten eine Sze­ne wie aus Ras­pails Heer­la­ger der Hei­li­gen. Hun­der­te, wenn nicht Tau­sen­de jun­ger Afri­ka­ner und Ara­ber lager­ten am Strand.

Wir gin­gen sofort so weit vor, wie man uns ließ. Damit war die Lüge von Pedro Sán­chez ent­larvt! Mei­ne Ver­mu­tung war bestä­tigt. Er hat­te nie­man­den abge­scho­ben. Jene, die nach Marok­ko zurück­ge­kehrt waren, waren frei­wil­lig gegan­gen. Sie waren einem Auf­ruhr in sozia­len Medi­en gefolgt und hat das Gan­ze wahr­schein­lich als Mut­pro­be und Pro­vo­ka­ti­on Spa­ni­ens gesehen.

Im Gefol­ge die­ses Grenz­sturms, der mit Sicher­heit auch geo­po­li­ti­sche Hin­ter­grün­de hat, gelang­ten aller­dings Tau­sen­de Ille­ga­le auf spa­ni­sches Ter­ri­to­ri­um. Sie woll­ten nicht gehen, son­dern die Gele­gen­heit wahr­neh­men, euro­päi­sches Fest­land zu erreichen.

Um das zu ver­ste­hen, muss man ein paar Hin­ter­grün­de ken­nen. Spa­ni­en konn­te eine Son­der­re­ge­lung für Ceu­ta und Mel­il­la aus­han­deln. Ein Gesetz von 2015 besagt, dass ille­ga­le Ein­wan­de­rer, die über den Zaun ein­drin­gen, ohne Asyl­ver­fah­ren sofort zurück­ge­scho­ben wer­den kön­nen. 2020 bestä­tig­te der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te, daß das nicht gegen das Non-Refou­le­ment-Prin­zip ver­sto­ße. Das gilt aller­dings nicht für Migran­ten, die über den See­weg nach Ceu­ta schwim­men. In einem Urteil eines Gerichts in Ceu­ta Ende Juli wur­de mari­ti­men Ein­dring­lin­gen ein Asyl­ver­fah­ren zugestanden.

Genau dar­auf beru­fen sich jetzt wohl auch die Tau­sen­den, die immer noch dort sind. Sán­chez scheint sich nicht zu trau­en, sie abzu­schie­ben. Denn damit wür­de er einen Prä­ze­denz­fall schaf­fen, den zum Bei­spiel auch Ita­li­en und Eng­land für ille­ga­le Ein­dring­lin­ge über den See­weg nut­zen könnten.

All das schoß mir durch den Kopf, und rasch pro­du­zier­ten wir zahl­rei­che Vide­os, um die Welt­öf­fent­lich­keit auf die­sen Skan­dal auf­merk­sam zu machen. Und plötz­lich eska­lier­te die vor­her schon ange­spann­te Lage. Eine Grup­pe Migran­ten brüll­te laut­stark auf Sol­da­ten ein. Zwi­schen sich hiel­ten sie ein Tuch gespannt. Ich ging etwas näher und sah, daß dar­auf eben­falls ein jun­ger Ara­ber lag. Sie behaup­te­ten, er sei ver­letzt, und began­nen dann immer lau­ter zu schreien.

Plötz­lich form­te sich aus der Kako­pho­nie eine Paro­le: „Alla­hu Akbar“. Wie ein Mann setz­te sich der Strand in Bewe­gung. Die Inva­so­ren stürm­ten los. Völ­lig hilf­los und taten­los sahen die Sol­da­ten dabei zu, wie die Mas­se in Rich­tung Stadt rann­te und unun­ter­bro­chen den isla­mi­schen Kampf­schrei skandierte.

 

Wir hiel­ten Schritt und sahen, wie Dut­zen­de der Ille­ga­len rechts und links in Parks, Höfen, Cafés und dem Stra­ßen­dschun­gel von Ceu­ta abtauch­ten. Bin­nen weni­ger Sekun­den gin­gen die Auf­nah­men von uns viral. Die Rei­se nach Ceu­ta war wich­tig. Wir hat­ten mit­ge­hol­fen, Sán­chez’ Lüge zu widerlegen.

Nun mach­ten wir uns auf den Weg zurück an den Ort, an dem die Demons­tra­ti­on der Ein­hei­mi­schen statt­fi­den soll­te. Immer noch waren wir etwas besorgt ob der angeb­li­chen isla­mi­schen Gangs von Ceu­ta. Am Pla­za de Los Reyes ange­kom­men, bot sich uns ein gänz­lich ande­res Bild. Hun­der­te Spa­ni­er füll­ten den Platz bis zum letz­ten Zen­ti­me­ter. Die Stim­mung war auf­ge­la­den und aus­ge­las­sen. „Viva Espa­ña“, Paro­len gegen Sán­chez, die ich hier nicht wie­der­ge­ben will, und immer wie­der „Remi­gra­ción“.

Plan­ge­mäß hat­ten sich unse­re Akti­vis­ten auf erhöh­ter Posi­ti­on mit dem Ban­ner plat­ziert. Toni gab zahl­lo­se Inter­views für spa­ni­sche Fern­seh­sen­der, was ihn und den Save Euro­pe Act schlag­ar­tig ins Zen­trum der Auf­merk­sam­keit brach­te. Es war ein ein­ma­li­ges Erleb­nis. Jun­ge Frau­en und Kin­der jubel­ten uns zu, alte Men­schen applau­dier­ten begeis­tert. Sie konn­ten es kaum fas­sen, dass wir alle extra aus ganz Euro­pa ange­reist waren, um sie zu unterstützen.

Schwe­ren Her­zens muß­ten wir uns wenig spä­ter von der Men­ge tren­nen, um unse­re Fäh­re nach Alge­ci­ras zu erwi­schen. Der Rück­weg war ein fest: Auto­fah­rer hup­ten. Kin­der wink­ten mit spa­ni­schen Fah­nen und Wild­frem­de klopf­ten uns auf die Schultern.

Der Grenz­sturm bie­tet auch eine Chan­ce, denn nun rich­tet sich die Auf­merk­sam­keit der Welt auf die­se Stadt. Sán­chez hat behaup­tet, dass alle Ille­ga­len die Stadt ver­las­sen hät­ten, und wur­de der Lüge über­führt. Wenn wir genü­gend öffent­li­chen Druck auf­bau­en und ihn dazu zwin­gen, die­se tau­send Afri­ka­ner zurück­zu­schi­cken, kön­nen wir einen Prä­ze­denz­fall schaf­fen. Auch wer auf dem See­weg ankommt, kann sofort zurück­ge­bracht wer­den. Wenn Sán­chez dies tut, kann auch Ita­li­en die­sem Bei­spiel folgen.

Wäh­rend wir in Ceu­ta unter­wegs waren, fand in Utrecht eine gro­ße Kund­ge­bung mit dem Save Euro­pe Act-Ban­ner und in Prag eine Unter­schrif­ten­ak­ti­on statt. Über­all in Euro­pa sind unse­re Leu­te aktiv. Das Wochen­en­de zeig­te, wie rasche Mobi­li­sie­rung, dyna­mi­sche Akti­ons­pla­nung zum Erfolg füh­ren. Ich bin stolz auf unse­re jun­ge Mann­schaft und dan­ke allen Unter­zeich­nern und Unter­stüt­zern, die die­se und wei­te­re Expe­di­tio­nen mög­lich machen

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

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