Kritik der Woche (88): Die Macht der Moral

von Claus Wolfschlag - Die politisch-weltanschauliche Spaltung der Gesellschaft ist unübersehbar. Cancel Culture oder Gewalt gegen rechts sind nur die offensichtlichsten Merkmale.

Hier­zu­lan­de wird die Spal­tung vor allem durch die drei Links-Par­tei­en im Bun­des­tag, eine die­sen weit­ge­hend nahe­ste­hen­de Jour­na­lis­ten­schaft und eine Heer­schar “anti­fa­schis­ti­scher” Lohn­schrei­ber mit ihrer auf­ge­bläh­ten, schein­wis­sen­schaft­li­chen “Anti-Rechts”- und “Anti-AfD”-Literatur befeuert.

Die Ver­schär­fung die­ses Pro­blems, das zudem maß­geb­lich von den USA aus­geht, zwingt zumin­dest eini­ge Publi­zis­ten, sich damit zu beschäf­ti­gen und nach Erklä­run­gen zu suchen. Phil­ipp Anton Men­des 2020 erschie­ne­nes Buch Wider­stand: War­um zwi­schen lin­ker und rech­ter Poli­tik eine Schlacht der Gene wütet gehört in die­se Kate­go­rie. Nun hat der New Yor­ker Psy­cho­lo­gie-Pro­fes­sor Jona­than Haidt mit Die Macht der Moral einen umfas­sen­den Bei­trag zugesteuert.

Haidts Buch ist nicht immer ein­fach zu lesen, beschäf­tigt es sich doch aus­gie­big mit Moral­phi­lo­so­pie, Ver­hal­tens­bio­lo­gie, Gene­tik und Urge­schich­te. So kreist es um die Fra­ge, ob Moral ange­bo­ren, aner­zo­gen oder durch Inter­ak­ti­on mit ande­ren Men­schen spie­le­risch erwor­ben wird. Auch die Rol­le der Moral zur Lösung inne­rer Grup­pen­span­nun­gen wird angesprochen.

Zudem bear­bei­tet das Buch die Fra­ge nach der Ent­ste­hung unse­rer poli­ti­schen Leit­bil­der. Den Ursprung sieht Haidt nicht in der Ratio, son­dern der Emo­ti­on ver­or­tet, wes­halb auch Dis­kus­sio­nen auf der Ratio-Ebe­ne oft müßig sei­en. Häu­fig wer­den emo­tio­na­le Reak­tio­nen erst nach­träg­lich mit mora­li­schen Argu­men­ten zu ratio­na­li­sie­ren versucht.

Da der Mensch über ein stän­di­ges inne­res „Sozio­me­ter“ ver­fü­ge, das sei­nen Selbst­wert durch das Ver­hält­nis zur Gesell­schaft berech­ne, sei für die meis­ten Men­schen der Anschein und das eige­ne sozia­le Anse­hen wich­ti­ger als das Stre­ben nach Wahr­heit. Die Gesell­schaft nutzt die­se Angst vor dem Anse­hens­ver­lust als ste­tes Macht­in­stru­ment. Das führt dazu, daß Men­schen oft nur das sehen, was sie sehen wol­len, lügen, sich selbst belü­gen und dafür dann bestä­ti­gen­de Bewei­se suchen. So bil­den sich poli­ti­sche Mei­nun­gen weni­ger nach dem per­sön­li­chen öko­no­mi­schen Nut­zen als nach der Bestä­ti­gung der sozia­len Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit. Das “gut wir­ken” steht vor dem “gut handeln”.

Gegen Ende wer­den Haidts For­schungs­re­sul­ta­te plas­tisch nach­voll­zieh­bar. Der Autor arbei­tet sechs mora­li­sche Grund­la­gen von Poli­tik heraus:

Die Mora­li­tät von Lin­ken und Libe­ra­len fußt dem­nach vor allem auf zwei bis drei die­ser Grund­la­gen, die jenen als poli­ti­scher Antrieb und Bewer­tungs­maß­stab die­nen. Es sind die­se Für­sor­ge vs. Scha­den, Frei­heit vs. Unter­drü­ckung und – schwä­cher aus­ge­prägt – Fair­neß vs. Betrug. Das bedeu­tet, daß zum Bei­spiel das Enga­ge­ment für “Geflüch­te­te”, pre­kä­re Rand­grup­pen oder sexu­el­le Min­der­hei­ten aus einer tie­fen indi­vi­du­el­len Für­sor­ge-Moral ent­steht. Rob­ben­ba­bys oder Flücht­lin­ge aus Dar­fur neh­men in die­ser Welt­sicht eine wich­ti­ge­re Rol­le ein als die Sta­bi­li­tät des eige­nen Landes.

Haidt spricht von einer “Boo­mer-Psy­cho­lo­gie” der 70er bis 90er Jah­re, die “Moral” mit “sozia­ler Gerech­tig­keit” oder “Gleich­heit” gleich­setz­te. Tra­di­tio­nel­le Bin­dun­gen oder Auto­ri­tä­ten wer­den als Unter­drü­ckung wahr­ge­nom­men, denen gegen­über man sich zu eman­zi­pie­ren habe, um zur “Frei­heit” des per se guten Indi­vi­du­ums zu gelan­gen. Liegt bei Lin­ken die Gewich­tung pri­mär auf der Fair­neß-Moral, so steht bei Libe­ra­len der Frei­heits-Gedan­ke im Vor­der­grund. Posi­tio­nen, die die­sen Prio­ri­tä­ten­set­zun­gen poli­ti­schen Han­delns nicht fol­gen wol­len, wird vor allem von Links jede Mora­li­tät abge­spro­chen. Des­halb bemü­hen sich gro­ße Tei­le der lin­ken For­schung auch nur her­aus­zu­ar­bei­ten, was mit Kon­ser­va­ti­ven psy­chisch “nicht stimmt”, weil sie kei­ne lin­ken Posi­tio­nen vertreten.

Die­se Abwer­tung ver­weist Haidt in den Bereich der geis­ti­gen Kurz­sich­tig­keit, denn Kon­ser­va­ti­ve ver­fü­gen eben­falls über einen aus­ge­präg­ten mora­li­schen Kompaß. Auch sie stre­ben nach einer gut funk­tio­nie­ren­den Gesell­schaft. Im Gegen­satz zu Lin­ken aber sind bei ihnen die mora­li­schen Grund­la­gen gleich­mä­ßi­ger ver­teilt. Sie fußen dem­nach stär­ker auf den Grund­la­gen Loya­li­tät vs. Ver­rat, Auto­ri­tät vs. Umsturz und Hei­lig­keit vs. Entweihung.

Das meint, daß auch Kon­ser­va­ti­ve indi­vi­du­el­le Für­sor­ge für Schwä­che­re ken­nen, aber dabei stets die Fol­gen und Gefah­ren für das Gemein­we­sen im Auge behal­ten, dem sie sich zu Loya­li­tät ver­pflich­tet füh­len. Sie befür­wor­ten eine natür­li­che Auto­ri­tät, da die­se not­wen­dig sei, die ent­fes­sel­ten Antrie­be der nega­tiv bewer­te­ten mensch­li­chen Natur unter Kon­trol­le zu hal­ten. Und für sie besitzt die Hei­lig­keit des Lebens einen hohen Stel­len­wert. Dies beinhal­tet einen tie­fen Ekel gegen destruk­ti­ve Aus­wüch­se eines libe­ra­len Lais­sez-Fai­re. Kon­ser­va­ti­ve haben ein Gespür dafür, was edel, rein, erha­ben oder schmut­zig und ent­wür­di­gend ist. In klei­nen Tei­len fin­det sich das aller­dings auch bei der Lin­ken, zum Bei­spiel in der Fra­ge des Nah­rungs­mit­tel­kon­sums oder der Umweltverschmutzung.

Letzt­lich, so deu­tet Haidt an, sei­en poli­ti­sche Posi­tio­nen weit­ge­hend erb­lich vor­ge­ge­ben. Zudem zieht er das Resul­tat, daß die Lie­be zur “Mensch­heit” in der Pra­xis aus evo­lu­tio­nä­rer Sicht unwahr­schein­lich ist. So blei­be stets doch nur die Lie­be zur einer Grup­pe ein­an­der Ähnlicher.

– –

Jona­than Haidt: Die Macht der Moral: War­um Poli­tik und Welt­an­schau­un­gen unse­re Gesell­schaft spal­ten, Ham­burg 2026, 480 S., 28 Euro – hier bestel­len

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Kommentare (65)

Dietrichs Bern

29. August 2026 13:09

Im Grunde gebricht es diesem Werk, wie allen, deren Geburtsort der Elfenbeinturm ist, an erlebter Realität. Was über den Konservativen allgemein gesagt werden kann, ist eine Lebensdummheit und ein ewiges Versagen beim Ziehen von Grenzen zivilisatorischer Mindeststandards gegen Orks, seien sie rot oder braun. 

Majestyk

29. August 2026 13:29

für sie besitzt die Heiligkeit des Lebens einen hohen Stellenwert
Und warum ist dann das Recht auf Abtreibung in der Verfassung von Alaska verankert? Warum gibt es für dieses Recht nicht einmal juristische Einschränkungen durch Fristen, warum brauchen Minderjährige nicht einmal eine Genehmigung der Eltern und warum werden die Kosten von Medicaid getragen? Sind die Republikaner, die in Alaska dominieren keine Konservativen? Warum haben sich die Bürger von Montana und Kansas sogar per Volksentscheid für ein Recht auf Abtreibung entschieden? In Montana ist sogar Sterbehilfe legal.
Von welchen Konservativen wird hier geredet? CDU, CSU, Tories, ÖVP, US-Republikaner? Ich wüßte gerne eine einzige gesellschaftliche Position zu Themen wie Homosexualität, Feminismus, Stammzellenforschung Zuwanderung, Islam, die Konservative sagen wir mal in den letzten 30 - 40 Jahren gehalten haben? Die Bundesrepublik existiert seit 77 Jahren. 53 Jahre stellte die CDU den Kanzler. Warum ist die BRD dann keine konservative Republik? Warum haben Konservative keine Abwehrmechanismen installiert, die das Staatsgebilde vor politischer Vereinnahmung und Fremdeinflüßen schützen und den Bürger vor Übergriffigkeit des Staates? Welches Politikfeld läßt sich mit konservativer Positionierung gewinnen, wo es längst reaktionäre Maßnahmen braucht? Welche Antwort finden Konservative in Bezug auf Staatsquote, Behördenwachstum, staatliche Markteingriffe und Gesinnungsterror? Können Konservative auch Abrißbirne?

das kapital

29. August 2026 13:39

"Die politisch-weltanschauliche Spaltung der Gesellschaft ist unübersehbar. Cancel Culture oder Gewalt gegen rechts sind nur die offensichtlichsten Merkmale." Wann in der deutschen oder in der Weltgeschichte gab es eigentlich ein n i c h t gespaltene Gesellschaft? Als Karl der Sachsenschlächter dort im 8. Jahrhundert Massenmord organisierte? Im 30jährigen Krieg? Zu Bismarcks Zeiten angesichts von Sozialistengesetzen und Kampf gegen die '"transmontanen" Katholiken, die Rom und Gott mehr gehorchten als dem Kaiser? /// Zugegeben, Deutschland hat zwischen 1945 und 1990 besser funktioniert und war weniger gespalten als heute. Kein woker Dreck, Leistungsorientierung, keine grenzenlose Umverteilung. An der Mauer war Deutschland gespalten. Innerhalb des Westens nicht so merklich. Amis, Allierte, NATO und EWG hatten Deutschland "einkassiert" und brauchten es zur Verteidigung gegen den bösen stalinistisch sozialistischen Ostblock. Deutschland als verlorene Nation war innerhalb des Westens nicht so sehr gespalten. Es gab einen "Radikalenerlass". Das war die Brandmauer gegen links. Keine SED hörigen Kommunisten im öffentlichen Dienst. Das war es. Der Ostspion Günter Guillaume, der Brandt zu Fall gebracht hat, war der lebendige Beweis, dass der Westen schutzbedürftig war. Heute aber werden die bundesweit 30 Prozent Anhänger der blauen Partei behandelt wie der letzte Dreck.

Ein gebuertiger Hesse

29. August 2026 16:12

Jesses, Herr Wolfschlag. Alles richtig und so, aber ... zur Abwechslung/späten Stunde? 

Carsten Lucke

29. August 2026 17:40

"Letztlich, so deutet Haidt an, seien politische Positionen weitgehend erblich vorgegeben."
Aha - die volle Ration Schwachsinn !
Ich bin mindestens rechts/reaktionär und eine meiner Töchter mindestens links/progressiv - sollte ich da jetzt einen Vaterschaftstest machen lassen ?!!
Solche unkommentierten "Zitate" gehören nicht hierher !

Dieter Rose

29. August 2026 17:45

drei Mal Daumen hoch                                         

Majestyk

29. August 2026 18:07

@ Dietrichs Bern:
"Was über den Konservativen allgemein gesagt werden kann, ist eine Lebensdummheit und ein ewiges Versagen beim Ziehen von Grenzen zivilisatorischer Mindeststandards "
Nach meinem Dafürhalten definiert sich konservativ über einen Bezugspunkt. Der Konservative in Berlin Anfang der 20er Jahre vermißte seinen Kaiser, der Konservative Anfang der 90er in Ostberlin den Erich. Konservativ ist man in Bezug auf jene gesellschaftliche Ordnung, die man kennt. Bestenfalls können Konservative etwas bewahren, sie können sich aber nicht wie Entrepreneure Neues erdenken. Wäre es nach Konservativen gegangen, Autos hätten niemals die Droschken abgelöst. Jene zivilisatorischen Mindeststandards, die gerade erodieren, verdankt die Welt doch nicht Konservativen früherer Zeiten. 
Als Konservative des 18 u. 19 Jh. den Fürsten noch die Stiefel leckten, erkämpften Liberale Demokratie, Gewaltenteilung, Gleichheit vor dem Gesetz, Redefreiheit, Berufsfreiheit, Bürgerrechte und das moderne staatliche Bildungswesen des 19 Jh.
All diese Errungenschaften sollen gerade revidiert und durch autoritäre Bevormundung oder Neofeudalismus und Gegenaufklärung (s. proprietärer Zugang zu Versorgungsleistungen u. Bildung) ersetzt werden. Genau dafür steht der Linksglobalismus. Von Scheinkonservativen ist keine Gegenwehr zu erwarten. Und bei Rechten stehen liberale Errungenschaften auch nicht allzu hoch im Kurs. Für die zivilisatorischen Mindeststandards sieht es m.E. ziemlich düster aus.

Mitleser2

29. August 2026 18:43

Wenn die Konservativen so toll sind, warum haben wir dann hier den heutigen Zustand? Und warum sind in der konservativen USA die "Elite"-Unis scharf linkswoke? Deutschland ist natürlich zusätzlich ein Sonderfall mit der Historie und dem Schultkult. Siehe Trittin mit seinem SS-Vater. Der braucht den Deutschland-Hass als Kompensation.

Laurenz

29. August 2026 19:44

@Das Kapital ... mehr spalten als Deutschland & Korea kann man ein Land nicht, was schreiben Sie da? Die Zeit, die Sie für unseren Westen zwischen 1950 & 1990 beschreiben, war durch die geostrategische Notwendigkeit bestimmt, Stabilität zu wahren. Wer hat das bestimmt? Die Amis. Und man bürdete uns sehr wohl das Türkei-Abkommen auf. Dagegen kam kein Kanzler & kein Parlament an. Genauso zwang man uns über Bretton Woods bis 1973 den US$ zu stützen. Brandt wurde von den Amis nicht ernst genommen & startete den Ruin der Sozialkassen. Hätten sich die Alt68er nicht auch in den USA durchgesetzt, wäre das bei uns auch nicht möglich gewesen. Das von Ihnen benannte Zeitfenster war rein geopolitisch bestimmt. Dasselbe gilt auch für unseren Teilnehmer @Majestyk. ... Adenauer hätte Neutralität erzwingen müssen. Aber das wollte Adenauer gar nicht. Optionen waren nur dann möglich, solange 2 Weltmächte zuständig waren. Sobald beide Deutschen Staaten konstituiert waren, entschieden beide Staaten nichts mehr von Belang selbst.

fw87

29. August 2026 20:15

Tatsächlich ist es so, dass viele Linke Anderdenkende als psychisch krank betrachten, letztlich. Dadurch ist dann aber das Phänomen des Andersdenkenden selbst verschwunden. Denn der Andersdenkende würde ja denken wie man selbst, hätte er seine psychische Krankheit nicht. So zeigt sich die Grundgestimmtheit des Linken, seine fixe Vorstellung, dass "im Grunde genommen", "bei Lichte besehen", jeder so denkt wie er selbst. Das zerlegt jedoch völlig den Mythos von der Empathie als angeblicher Kernkompetenz der Linken. Wer bei abweichenden Meinungen sofort psychische Krankheiten als Hilfshypothese heranziehen muss, um das unerklärliche erklärlich zu machen, der hat eben gerade kein Einfühlungsvermögen. Das alles ist sicher einer der Gründe, warum eine politische Auseinandersetzung mit Linken fast nicht möglich ist. Der Linke müsste dafür erst einmal anerkennen, dass er Gegner hat, dass es tatsächlich Menschen gibt, die völlig anders denken und fühlen wie er selbst. Mit anderen Worten: Er müsste seine tiefsitzende Empathielosigkeit überwinden. 

Beta Jas

29. August 2026 20:29

Wenn Linksextremisten sich kümmern, sich „sorgen“, dann zum Preis des Diebstahls der eigenen finanziellen Substanz. Seit Jahrzehnten wird Entwicklungshilfe finanziert auf Kosten Deutschlands und anderer Länder Europas, und als würde dieser Diebstahl nicht reichen, können diese Menschen – Frauen und Männer aus diesen Völkern – auch noch kommen. Die gesamte Hilfe aus einer angeblichen Humanität heraus ist Böswilligkeit und gegen die Existenz des gesamten Kontinents gerichtet.

Ordoliberal

29. August 2026 21:10

Konservativ ist doch nur ein anderes Wort für unpolitischer Spießer. Man ist entweder libertär oder autoritär. Libertär kann man nur auf eine Weise sein, autoritär dagegen auf hundert verschiedene Weisen. Ein Staat, der bevormundet, erzieht, fürsorgt, umverteilt - also autoritär ist - kann das im Namen vieler erfundener Autoritäten tun: Götter, Geister, Nation, Reich, Rasse, Gemeinwohl, Gleichheit. Faktisch tut er es jedoch immer zur Privilegierung von Minderheiten wie Pfaffen, Beamte, Funktionäre, Offiziere, Reiche, Arme, Ausländer, Schwule, Faulpelze oder dämliche Weiber. Wer einen autoritären rechten Staat will, ist nicht politisch reifer oder gewiefter als der Libertäre. Er hat nur eine andere Minderheit im Auge, die er privilegieren will, als der Linke. Sozialpatrioten unterscheiden sich darin in nichts von den von ihnen so verabscheuten Liberallalas, Globalisten, Christsozialen, Sozialisten oder Muslimen.

das kapital

29. August 2026 21:28

@ Laurenz Das Umlageverfahren wurde 1957 eingeführt. Adenauer und Erhard haben die Rentenkasse ruiniert, nicht Brandt. Wäre damals ein Rentenfonds angespart worden, wie in Norwegen, dann wären alle Renten durch die Aktiensprünge des Wirtschaftswunders abgesichert worden. /// Die Spaltung der deutschen Nation hat doch von 1945 bis 1990 bestens funktioniert, oder? Der Blickwinkel ist bloss: der Westen des gespaltenen Deutschlands hat in sich und aus sich selbst heraus besser funktioniert als das wiedervereinigte Deutschland, das nun komplett den Plünderern aus den USA ausgeliefert ist.

Dietrichs Bern

29. August 2026 21:37

@Majestyk: Ich würde behaupten, dass Auto, Glühbirne und Computer eher auf Konservative zurückgehen, einfach schon deshalb, weil der Linke - schon bevor der Begriff existierte - an der Nutzung fremden Fleißes zu erkennen ist und war. Konservative Werte, wie Fleiß, Anstand und Ehrgefühl, Familiensinn und Eigenverantwortliches Leben sind mir auch im klassischen SPD-Umfeld vermittelt worden und haben für mich universelle Bedeutung, auch durchaus als zivilisatorischer Mindeststandard. Wo ich zustimme ist, dass es für die Zukunft dieser Standards eben schlecht aussieht, weil die o. g. Werte eben von niemandem verteidigt werden.

Diogenes

29. August 2026 22:50

"... Robbenbabys oder Flüchtlinge aus Darfur nehmen in dieser Weltsicht eine wichtigere Rolle ein als die Stabilität des eigenen Landes."
 
Diese Weltsicht - sie ist nicht los-gelöst sondern fest-verknüpft mit einem Typus den wir auf die Bezeichnung "Antideutscher" geprüft haben. Sie versuchen methodisch und systematisch uns einzureden es gebe keine Menschenvölker und Menschennationen - keine Menschenrassen (Tierrassen dagegen schon ...) - in all ihren unterschiedlicher Typologie und Be|merk|malung!

Adler und Drache

29. August 2026 23:45

@ Majestyk
Sind die Republikaner, die in Alaska dominieren keine Konservativen?
Gute Frage, die mich schon länger beschäftigt. Ich denke, dass der amerikanische Konservatismus ganz anders ist als der unsere. Ich denke, es gibt da keine in unserem Sinne "Konservativen", woher sollen die auch kommen?  Es gibt Rechte, ja, aber das ist etwas anderes. Die haben grad mal 200 - 300 Jahre Geschichte auf dem Buckel, und in dieser Zeit gab es eine Handvoll grundlegender Umwälzungen. Wie soll man da konservativ werden können? 
Oder wie soll es in den Niederlanden Rechte geben? Die müssten dann ja deutschgesinnt sein. Ich meine, deren Hymne fängt mit einem Bekenntnis zum Deutschsein an. 
Also, nein, ich denke, man sollte da nicht unseren Maßstab anlegen. Gestern waren sie gegen uns, heute sind sie vielleicht grad mal für uns, und morgen? Man kann von Rubio grad Geld abstauben für den Kampf gegen links. Das ist gut, dennoch sind es sehr unterschiedliche Ausgangspositionen.   
 
 

Majestyk

30. August 2026 00:37

@ Mitleser2:
"Und warum sind in der konservativen USA die "Elite"-Unis scharf linkswoke?"
Glaubt man Berichten ist das Universitätswesen in den USA genauso links wie hierzulande, mit wenigen Ausreißern. Eigentlich logisch, die USA hatten ja auch ihre 68er, de dann durch die Institutionen marschiert sind. 
Letztendlich entspringt linkswoke dem akademischen Mileu. Der Westen hat ein Problem mit seinen Akademikern und Intellektuellen. Bestimmte linke Sichtweisen können eigentlich nur entstehen, wenn man mit realen Problemen eher wenig zu tun hat. Der Überbuddha der Linken hatte ja zeitlebens auch nie eine Fabrik von innen gesehen und wußte über Arbeit zu philosophieren. 

Karl Otto

30. August 2026 07:22

Das große Verdienst dieses Buches (zuerst erschienen 2013) ist, dass es endlich mal eine naturalistische Erklärung politischer Ideologien bzw. Ihrer Anhänger bietet, ohne metaphysisches Geschwurbel. Haidt führt die politische Ausrichtung von Personen auf evolutionär entwickelte Verhaltensweisen zurück, insgesamt 5: Care/Harm, Fairness/Cheating, Loyalty/Betrayal, Authority/Subversion, Sanctity/Degradation,  Liberty/Opression. https://en.wikipedia.org/wiki/Moral_foundations_theory
Bei Linken dominiert die erste, ihnen geht es immer um Gerechtigkeit (worunter Gleichheit verstanden wird). Bei Rechten kommen auch die anderen hinzu; Loyalität zur eigenen Gruppe, Unterordnung unter Autoritäten, Respekt für Heiliges, usw.
Das "moralische Menü" der Rechten ist also breiter aufgestellt als das der Linken, daher realistischer.

Karl Otto

30. August 2026 07:39

Haidt illustriert das sehr schön mit dem Beispiel eines Zwillingspaares. Sie wachsen im gleichen Körper der Mutter heran, wobei das Gehirn des Bruders etwas sensibler für Bedrohungen ausfällt, und mit einer Neigung, neue Erfahrungen eher zu meiden. Das der Schwester zeigt die gegenteiligen Tendenzen. Sie wachsen im gleichen Haus auf und besuchen die gleiche Schule, schaffen sich aber unterschiedliche Welten. Zukünftige Progressive werden von ihren Lehrern beschrieben als neugierig, gesprächig und selbstbewusst, aber auch aggressiv und ungehorsam. Demnach wird aus dem Bruder eun guter Schüler, aus der Schwester eine Rebellin, die ständig mit den Lehrern streitet. Beim Wehcsel auf die weiterführende Schule haben sie bereits unterschiedliche Interessen entwickelt, die Schwester engagiert sich politisch, der Bruder in der Kirchengemeinde. Sie geht nach New York und studiert Lateinamerikanistik, er studiert an der lokalen Uni Betriebswirtschaft und wird Bankangestellter.  

Karl Otto

30. August 2026 07:49

2. Teil: Die Schwester wird Anhängerin von Obama, der Bruder schließt sich den Republikanern an. 
"Ihre unterschiedliche Gene gaben ihnen unterschiedliche Entwürfe ihres Denekns, die sie dann unterschiedliche Wege führten. Als Erwachsene sind sie sehr unterschiedliche Menschen, und man vermeidet, über Politik zu sprechen, wenn sich die Familie trifft." (Meine Paraphrase und Übersetzung von Haidts Text)
So kommen Biologie (Tendenz zur Offenheit für neue Erfahrungen oder Neigung, Risiken zu vermeiden) zusammen mit der Umwelt, die darauf verstärkend reagiert.

Laurenz

30. August 2026 08:22

@Das Kapital @L. ... gegen das Umlageverfahren ist per se erstmal nichts zu sagen. Gegen die Fremdbelastung der Rentenkasse ist gravierend etwas zu sagen, wie auch Stände aus der Rentenversicherung rauszulassen. Warum müssen Freiberufler, Selbständige & Beamte nicht solidarisch sein? ... @FW87 & Beta Jas ... Sie, FW87, nehmen Linke & einstige linke Inhalte ernst. Das ist tödlich. Moral bleibt einfach nur ein Herrschaftsinstrument. Kein professioneller Linker nimmt das, was er selbst sagt, für voll. Warum tun Sie es? Wie Beta Jas es beschreibt, alle linken Inhalten von BLM, Diversity, Equality, das Weltsozial-Hauptamt, Genderkacke, Klima-Sünder, etc. dienen rein der Destabilisierung. Weiße Linke sehen sich quasi als globale Führungselite. Dazu braucht man auch kein Hirn haben. Ein geistig 9-jährige kann in einem linken Umfeld, ohne auch nur den Hauch von Bildung, Professor oder Deutscher Welt-Innenminister werden. Nur die Haltung muß stimmen.

das kapital

30. August 2026 08:34

"Konservative Werte, wie Fleiß, Anstand und Ehrgefühl, Familiensinn und Eigenverantwortliches Leben sind mir auch im klassischen SPD-Umfeld vermittelt worden und haben für mich universelle Bedeutung, auch durchaus als zivilisatorischer Mindeststandard. /// @ Dietrichs Bern Es war einmal. Welcher heutige SPDler steht aber im Jahre 2026 für diese zivilisatorischen Mindest-standards ein? Keiner! In der CDU und CSU auch nicht mehr. Die zivilisatorischen Mindeststandards werden am ehesten von den Blauen vertreten. Nicht von allen, aber doch von den meisten, die prägend sind, angefangen mal mit einer Beatrix von Storch. Gerade deshalb wird unterhalb der zivilisatorischen Mindeststandards derart abartig auf die AfD eingedroschen. Weil sie dort stark ist, wo andere die Mindeststandarfs aufgegeben haben und bewusst zerstören. /// Sven Hüber, der Duzfreund von Nancy Faeser, ist eines der Beispiele dafür. Die widerrechtliche versuchte Existenzvernichtung gegen Compact eine andere. Haben sich Hüber und Faeser vorher dazu ausgetauscht, wie sie dort die zivilisatorischen und rechtlichen Mindeststandards unterschreiten wollten? Woidke ist nur deshalb noch Ministerpräsident, weil Faeser und ggf. auch Hüber Compact wenige Wochen vor den Landtagswahlen weggeholzt haben.

Laurenz

30. August 2026 09:17

@CW ... Herr Dr. Wolfschlag, das, was Sie anhand der Arbeit Prof. Dr. Haidts versuchen zu beschreiben, wirkt auch nach einem Tag & dem Lesen der Kommentare zwar korrekt, aber immer noch sehr oberflächlich. Vielleicht ist die Soziologie auch der falsche Erklärungsweg, weiß ich aber nicht. Sie verzichten auch völlig auf die Herkunft der gesellschaftlich spaltenden Moral. Propaganda gab es in Heidnischen Zivilisationen (Caesar/Pharaonen) schon immer, plakative Moral nicht. Caesar beschrieb im Gallischen Krieg hemmungslos, wie 1 Mio. Gallier von geschätzen 8-10 Mio. Einwohnern Galliens Opfer & 1 Mio. Gallier versklavt wurden. Moral hielt erst mit der Christianisierung & Islamisierung unter Nutzung Hebräischer Dialektik Einzug in unseren Kulturkreis. Philosophisch am prägnantesten beschreibt Goethe die desaströse, unehrliche Wirkung der Moral anhand Mephistos im Faust. Mit der totalitär sozialistischen Machtergreifung der Christen im Röm. Reich ging es kulturell & staatspolitisch abwärts. Während im Heidnischen Reich ca. 20% alphabetisiert waren, senkten die Christen durch Monopolisierung des Wissens (in Klöstern) die Alphabetisierungsquote auf 1-2%. Es ist eben leichter über bildungsfernen, dummen Mob & Adel zu herrschen, als über aufgeklärte Bürger. Die linken Juntas im heutigen Westen besorgen das informell durch permanentes Senken der Standards & durch Inklusion. Die Bankerte der klügeren Linken gehen auf Privatschulen.

Laurenz

30. August 2026 09:20

@CW (2) ... Insofern bleibt Moral immer nur Schmieren-Theater als Herrschaftsinstrument, welches kein professioneller Linker ernst nimmt & die hohen moralischen Standards gelten immer nur für die Ausgegrenzten. Die Ausgegrenzten sind alternativlos unabdingbar. Die KI sagt, die Soziologen nennen das "Othering". Wie Mephisto indirekt sagt, die Guten müssen die Bösen erschaffen, um sich von Ihnen zu unterscheiden. Ich persönlich denke, ohne das Ventil einer Opposition, wie der AfD, wäre die Gefahr einer gewaltsamen Revolution oder eines Bürgerkriegs wesentlich größer, als jetzt.

RMH

30. August 2026 09:59

Ich denke, "Moral" (man beachte den lat. Ursprung "mos", welches noch keinen univers Anspruch beinhaltet) hat etwas Konservatives, da sie immer auf etwas Überkommenen, Erlernten aufbaut, aber gleichzeitg ist sie auch wandelbar, formbar. Moral kann jeder Mensch haben, der empathisch ist & in einem Verbund aufgewachsen ist, wo er Regeln lernte (früher: Familie). Selbst vermeintlich "keine Regeln", also das, was linke mit dem Antiautoritären versuchten, mündet dann wieder in Regeln & zwar in solche, die sich in dem anarchistischen Haufen bilden. Der Mensch ist in der abs. Masse eben kein Einzelgänger. Sein "Egoismus" hat meist Gruppenbezug oder Folgen für die Gruppe. Der Mensch ist nur als "Gruppe" evolutionär erfolgreich gewesen, bei Binnenwettbewerb innerhalb der Gruppen. Das lässt sich noch weiter ausführen, aber fast alle polit Strömungen haben Gemeinsamkeiten, daher ist es auch keine Abweichung von irgendw. genet. Erbe, wenn Dt. so gern sozial sein wollen, egal ob rechts oder links interpretiert oder Kinder von vermeintlich "Rechten" jetzt links sind, Wenn sich L. Neubauer über ihren Uropa, der in Partei & SS Karriere machte, schämt, dann sieht sie nicht, wie sie damit eigentlich genau von eben seinem Stamme ist.

RMH

30. August 2026 10:02

@Laurenz,
Römer, Heiden, Mayas, Azteken - alle hatte ihre Moral. Moral kommt nicht vom christlichen, es gibt aber christliche Moral. Bitte etwas genauer argumentieren.

Le Chasseur

30. August 2026 10:02

@ Majestyk"Sind die Republikaner, die in Alaska dominieren keine Konservativen?"
Nein, das sind Sozialdarwinisten. 

RMH

30. August 2026 10:26

"Adenauer und Erhard haben die Rentenkasse ruiniert, nicht Brandt." @das kapital,das ist Quatsch. Die Rentenk. wurden durch die totale Niederlage Ds, dessen Kriegsschulden, Inflation, Demontage, Crash & Zerschlagung des Landes ruiniert. Wenn 1957 auf ein auf normalen Versicherungsgrds aufbauendes System, dass die Beitragszahler die Schadensfälle finanzieren, umgestellt wurde (so wie in den anderen Zweigen der Sozialvers. auch, wo es auch nur Puffer-Rücklagen gibt) dann geschah das aus dem zwingenden, fiskalischen Bedürfnis der leeren, durch Krieg (!) ruinierten Rentenk. heraus. Oder hätte man Schulden für die Rente aufnehmen sollen? Nachdem man bereits für den kriegsbed. Lastenausgleich auf das Sachvermögen der Bürger zurückgreifen musste, war das der in der Tat schlaueste Weg. Auch die DDR hat D eine leere Kasse in die Wiedervereinigung mitgebracht. Wie sonst könnten DDR-Rentner/innen Bezüge bekommen, wenn nicht andere dafür Beiträge bezahlen? Das Umlageverfahren aller Sozialvers-zweige wird erst dann unseriös, wenn man daraus keine echten, maßgeblichen Rücklagen in guten Zeiten bildet & damit im Kern versicherungsfremde Leistungen finanziert. & damit haben in D wohl alle Parteien gearbeitet, mal mehr, mal weniger & deshalb brauche diese Kreise jetzt eine massive Ohrfeige, welche die Wähler in SA ihnen hoffentlich geben.

Le Chasseur

30. August 2026 10:49

@Laurenz
"Ich persönlich denke, ohne das Ventil einer Opposition, wie der AfD, wäre die Gefahr einer gewaltsamen Revolution oder eines Bürgerkriegs wesentlich größer, als jetzt."
Das glaube ich nicht. Die Wahlbeteiligung läge allerdings nur noch bei 50 Prozent.
Ansonsten gilt die alte Regel: In Deutschland gibt es keine Revolution, weil man dafür den Rasen betreten müsste.

das kapital

30. August 2026 11:12

@ Laurenz. Doch. Gegen das Umlageverfahren ist angesichts der Demografie viel einzuwenden. Adenauers naive Vorstellung war "Kinder kriegen die Leute immer." Machen sie aber nicht. Wenn nicht genügend Einzahler da sind, dann funktioniert es auch nicht mehr. Norwegen hat satte und sichere Renten. (Natürlich auch wegen der satten Ölvorkommen.) Deutschland hatte aber die Gelegenheit, im Wirtschaftswunder auch die Ressourcen zu sichern. Das Aktien- und Wertpapiervermögen ist aber nicht geschaffen worden, um die Renten bei sinkenden Geburtenraten abzusichern. Das ist - siehe Vergleich zu Norwegen - , eine der wesentlichen Ursachen des Rentenverfalls. /// Daneben gibt es noch andere. Der Bundespräsident zahlt nicht in die Rentenversicherung ein, die Bundesregierung nicht, die Staatssekretäre nicht, die Landesregierungen nicht, die EU Kommission nicht, die Abgeordneten in Brüssel, in Berlin, in den Ländern nicht. Die sollten gefälligst als erste einbezogen werden. Nur dann werden sie Mitverantwortung für funktionierende staatliche Renten tragen. Sonst nicht. Sonst geht denen das alles am A. vorbei. Die haben ihre Sonderbehandlung.>2

das kapital

30. August 2026 11:22

@ Laurenz 2 Die EU Abgeordneten lassen sich ihre Sonderbehandlung auch gerne ein zweites Mal vom Steuerzahler auszahlen, wenn sie einmal ihre Rentenver-mögen versemmelt haben. "Der Pensionsfonds für ehemalige Abgeordnete des Europäischen Parlaments steht vor der Pleite. Im bis 2009 aktiven Fonds sind nach internen Berechnungen noch 23,17 Millionen Euro vorhanden, berichtet die "Bild". Pro Jahr werden damit allerdings Pensionen in Höhe von rund zehn Millionen Euro finanziert, langfristig gibt es demnach einen Bedarf von 126 Millionen Euro. So entsteht eine Lücke von mehr als 100 Millionen Euro." /// Bei Selbständigen ist es ja nun so, dass die ein höheres wirtschaftliches Risiko tragen, als Angestellte oder Funktionäre in Parteien Regierungen oder Parlamenten. Vorangig wäre es, auch Beamte in der deutschen Rentenversicherung zu versichern. Denn die sind durch staatliche Leistungen von vorneherein vollständig abgesichert. Kein Beschäfti-gungsrisiko. Kein Risiko des Vermögensverfalls in Coronazeiten oder bei staatlichen Zwangsmaßnahmen. Die Beamten plündern die Selbständigen in unverschämter Weise aus, beginnend mit der geplanten Zuckersteuer für Leitungswasser. Ihre Privilegierung gegenüber normalen Arbeitnehmer ist in Zeiten des wirtschaftlichen Verfalls der Rentenversicherung und der Gesamtgesellschaft nicht mehr zu rechtfertigen. Einzahlen jetzt !

Gracchus

30. August 2026 12:06

@Majestyk: Ich bezweifle, dass in der Verfassung von Alaska wörtlich ein Recht auf Abtreibung verankert ist, ich vermute eher, dass das von Richtern da hineingelesen wurde. 
Verstehe ich Sie ausserdem richtig, dass Sie meinen, die Zivilisation habe erst mit dem Liberalismus begonnen? Wenn Sie liberal sind, warum stört Sie dann ein liberales Abtreibungsrecht? 

Gracchus

30. August 2026 12:14

@Ordoliberal: Leider unterschlagen Sie, dass der Libertäre die (Minderheit der) Privateigentümer (an Grund und Boden) privilegiert. Mit dem Schutz des Privateigentums sind sämtliche politischen Fragen für den Libertären "erledigt". Wenn das mal eine "politische" Theorie ist!

Gracchus

30. August 2026 12:16

fw87: Die Pathologisierung erfolgt doch auf beiden Seiten des Spektrums. 

Majestyk

30. August 2026 12:23

@ Adler und Drache:
Von San Marino (1600) abgesehen, haben die USA (1789) die älteste noch gültige Verfassung der Welt. Danach rangiert Norwegen (1814). Die Siedler in den USA kamen ja nicht mit leerem Geist und ohne Vorgeschichte. Nach meinem rein persönlichen Eindruck besteht der Unterschied zwischen amerikanischen und europäischen Konservativen im Wesentlichen aus drei Punkten. Die amerikanischen Konservativen sind überwiegend wirtschaftsfreundlicher, im konservativen Lager gibt es in den USA deutlich mehr libertäre Ideen und wesentlich mehr Mißtrauen gegenüber staatlicher Gewalt, insbesondere der des Bundesstaates. Amerikanische Konservative sind eher liberalkonservativ und befürworten einen Minimalstaat, europäische Konservative sind gerne mal sozialkonservativ und befürworten meist einen autoritären Staat. 
Sieht man schon bei Vorstellungen über die Rentenversicherung. Warum sollte jemand einzahlen müssen, wenn er sich anders absichern will und bereit ist die Risiken zu tragen? Und wie kann man sich nach Corona und dem radikalen Wertverlust der Rente noch hinstellen und staatliche Kontrolle von Sozialversicherungen befürworten, wo eigentlich längst klar geworden sein müßte, daß eben jene staatlichen Einflüße und die Kontrolle durch die Regierung, die vermeintlichen Solidarkassen ruiniert haben? Echte Solidarkassen wären selbst verwaltet, so wie Solidalgo oder Samarita. Die ersten Unterstützungskassen der Arbeiterbewegung funktionierten auch noch so.

Majestyk

30. August 2026 12:28

@ Adler und Drache:
Im Übrigen sind in den USA die Kirchen voller als in Europa, insbesondere Westeuropa. In Frankreich und Deutschland gehen weniger als 5 Prozent der Christen regelmäßig in die Kirche, in den USA sind es 25 Prozent. Finnland und Norwegen landen bei 2 Prozent, selbst die katholischen Spanier und Italiener nur bei 10 Prozent. Fester im Christentum verankert sind Polen und Rumänen mit 30 Prozent.
Während in Deutschland die zwei großen Amtskirchen längst linkswoke sind und gerne mal Regenbogen flaggen und intensive "Flüchtlingspolitik" betreiben, ist die Kirchenlandschaft in den USA diesbezüglich gespalten. Es gibt auch einen großen, sehr konservativen evangelischen Block, der zudem über politischen Einfluß verfügt.

Laurenz

30. August 2026 12:38

@RMH @L. ... Nietzsche bezeichnete das, was Sie meinen, als "Umwertung aller Werte", den Übergang von Heidnisch-Römischer Herrenmoral in den Christlich-Jüdische Sklavenmoral. Aber, wie Sie wissen, versuche ich Philosophen zu vermeiden. Und Christen würden die Römische Herrenmoral nicht als solche (Moral) respektieren, akzeptieren.

Gracchus

30. August 2026 12:40

@Laurenz:
1. Ich dachte, Schrift und Alphabetisierung sei ihrer Ansicht von Übel gewesen. Es gab keine "christliche Machtergreifung" im römischen Reich. Ebenso wenig eine aktiv betriebene "Monopolisierung des Wissens" durch Klöster. Durch den Zusammenbruch des weströmischen Reichs ist folglich auch die Infrakstruktur für Bildung zusammengebrochen. Wie sah es denn im oströmischen Reich aus?
2. Was soll hebräische Dialektik sein? Die Genesis-Geschichte besagt, dass der Mensch durch das Essen vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse sich der Erfahrung von Gut und Böse aussetzt (die Gott ihm "ersparen" wollte) und sich die eigene Definitionsmacht über Gut und Böse anmasst. Die Definition von Gut und Böse erfolgt dann nicht nach universell göttlich gerechten Maßstäben, sondern entlang der eigenen Gruppen- sprich Egointeressen, so dass "die anderen" böse sind, "wir" gut - der Mechanismus, den Sie beschreiben, ist also die Sünde bzw. dessen Folge. 

Laurenz

30. August 2026 12:48

@Le Chasseur @L. ... In Deutschland ist Hunger der Maßstab für Revolution oder nicht Revolution. ... @Ordoliberal ... Der Ordoliberale setzt auf die Entstaatlichung. Das würde, wenn überhaupt, nur funktionieren, wenn man die Geldmenge rabiat einschränkte. Denn, wenn Sie das nicht tun, sind es die private Polizei & oligarche Paramilitärs, welche die Macht übernehmen. Deswegen förderten ja die Oligarchen Hayek & Mises. Und um neue Oligarchen zu verhindern, führen die Oligarchen den formalen oder informellen Bolschewismus (Verbot des Privateigentums) ein, siehe Klaus Schwab. Ich verstehe nicht, was an der liberalen Systematik der Bolschewisierung nicht zu verstehen ist. Ich bemerke nur seit Jahren, daß Sie, Ordolibaral, es manisch nicht verstehen oder nicht verstehen wollen. Es gibt keinen liberalen Staat. Milei ist nur ökonomisch etwas liberaler, politisch in keiner Weise.

Karl

30. August 2026 12:56

@Carsten Lucke 29. August 2026 17:40
Politische Einstellungen sind teilweise erblich mitbedingt – aber nicht im Sinne eines „Politik-Gens“. Vor allem Zwillings-, Familien- und Adoptionsstudien kommen hier zu einem relativ konsistenten Bild. Zwillingsstudien vergleichen eineiige Zwillinge (nahezu identisches Erbgut) mit zweieiigen (im Schnitt 50 % gemeinsame Gene), die in derselben Familie aufgewachsen sind. Sind sich eineiige Zwillinge in einer Eigenschaft deutlich ähnlicher, spricht das für einen genetischen Anteil an den Unterschieden in der Bevölkerung. Für politische Ideologie, Konservatismus/Liberalismus, Autoritarismus liegen die Schätzungen der Erblichkeit meist zwischen etwa 30 und 60 Prozent. In einer großen Auswertung über 12.000 Zwillingspaare aus fünf Staaten und mehreren Jahrzehnten lag der gewichtete Mittelwert genetischer Einflüsse bei rund 40 Prozent (Hatemi PK et al. Genetic influences on political ideologies... Behav Genet. 2014 ;44:282-94) 
Gene wirken über psychologische Dispositionen, die mit politischer Orientierung zusammenhängen: Persönlichkeit, vor allem Offenheit und Gewissenhaftigkeit, Autoritarismus und Unterschiede in der Bedrohungswahrnehmung und dem Bedürfnis nach Ordnung. Diese Eigenschaften sind selbst mäßig bis stark erblich. Studien zur Neurobiologie politischer Einstellungen fanden wiederkehrende Muster. 

Majestyk

30. August 2026 12:56

@ Gracchus:
Meine Formulierung war in dem Punkt unpräzise. Das Recht basiert auf dem Artikel über das Recht auf Privatsphäre und natürlich hatte Ihr Berufsstand die Finger drin, namentlich der Alaska Supreme Court mit einem Urteil von 1997. Seit 1997 hatte der Gesetzgeber aber jede Menge Zeit tätig zu werden. In Alaska gibt es zwischen 1200 und 1800 Abtreibungen jährlich, entspricht einer Abtreibungsrate von knapp über 8 Prozent. In Deutschland enden fast 15 Prozent aller gemeldeten Schwangerschaften mit einer Abtreibung. Damit liegt Deutschland nicht einmal vorne. In Pakistan liegt die Quote bei 30 Prozent, Vietnam 40 Prozent und unangefochtener Spitzenreiter ist Grönland mit 50 Prozent. Da ist also noch Luft nach oben. 
Ich habe eindeutig nachlesbar nicht geschrieben, daß die Zivilisation mit dem Liberalismus begann. Geschrieben habe ich von liberalen Errungenschaften als Antwort auf die zivilisatorischer Mindeststandards von Dietrichs Bern. Mein Kommentar ist diesbezüglich eindeutig.

Gracchus

30. August 2026 12:59

@Laurenz:
3. Dem Mephisto-Zitat kann man auch eine "orthodoxere" Wendung geben. Es steht aber im Kontext mit Umdeutungen des Genesis-Mythos z. B. bei Hegel, wonach das Essen vom Baum als emanzipatorischer Akt aufgefasst wird. Dadurch wird das "Böse" gewissermassen notwendig, um das "Gute" hervorzubringen. In der Folge wird auch die "Figur" des Judas positiv, weil sein Verrat die Erlösung durch Jesus Christus erst ermöglicht hat - Borges hat dies in einer Kurzgeschichte auf die Spitze getrieben, in der er einen Theologen erfindet, der in Judas die eigentliche Inkarnation Gottes sieht.

das kapital

30. August 2026 13:07

"Wenn Sie liberal sind, warum stört Sie dann ein liberales Abtreibungsrecht?" Wie ist es denn um die Freiheit und die Rechte des Kindes bestellt? Wo ist denn da die Güterabwägung zwischen 9 Monaten Schwangerschaft und niemals leben? Abtreibung ist nicht "liberal", sondern menschen- und lebensfeindlich. Tötung der Schwächsten der Gesellschaft kann niemals freiheitlich sein.

heinrichbrueck

30. August 2026 13:11

Haidt:
Menschen haben unterschiedliche moralische Intuitionen.
Christentum:
Es gibt einen moralischen Maßstab, der über der irdischen Ordnung steht.
Libertarismus:
Individuelle Freiheit und Nichtaggression haben Vorrang.
Konservatismus:
Ordnung, Kontinuität, Gemeinschaft und überlieferte Bindungen haben besonderes Gewicht.
Universalismus:
Die moralische Gleichheit aller Menschen hat Vorrang.
Und dann fragt jemand: "Wer entscheidet eigentlich, welche dieser Moralen die politische Ordnung bestimmen darf?" Darauf gibt es keine völlig moralneutrale Antwort. 
Wenn eine Regierung vorhersehbar weiß, daß eine bestimmte Politik eine große Zahl unschuldiger Bürger schweren Schäden aussetzt, kann sie sich dann allein auf eine moralische Pflicht gegenüber den Begünstigten dieser Politik berufen? 
Wer definiert, wer innerhalb einer Gruppe als guter Mensch gilt? Wer die moralische Identität einer Gruppe kontrolliert, besitzt außerordentliche Macht. 

Gracchus

30. August 2026 13:14

Seit ich mich mit den Thesen des Philosophen und Neurowissenschaftlers Ian McGilchrist ("The Master and his Emissary") ein wenig befasse, scheint mir die Definition verblüffend einfach:
Rechts = Dominanz der rechten Gehirnhälfte (Master)
Links = Dominanz der linken Gehirnhälfte (Emissary).
 
 

Dietrichs Bern

30. August 2026 13:14

@das Kapital: Ich sehe es auch so, dass die SPD von Klüssendorf als Paradebeispiel nichts mehr mit dem gemein hat, was man früher einmal mit der Partei verbunden hat, bin aber skeptisch was Ihre positive Wertung der AFD angeht. Wenn ich an die Verbände von Bremen, Bayern, NRW denke, scheint man sich ja mit Begeisterung selbst zerstören zu wollen und wenn man ehrlich ist, ist Herr Siegmund eine ziemlich einsame Lichtgestalt in der Partei. Insgesamt ist die Lage im Land so, das die AFD ja die einzige Partei ist, die die Probleme wenigstens benennt und deshalb profitiert. Aus eigenem Zutun sehe ich da eher wenig.

Gracchus

30. August 2026 13:18

@Karl Otto: Mir scheint, statt eine naturalistischen Erklärung zu liefern erzählen Sie einen mit naturalistischen Ingredienzen angereicherten, im Ergebnis aber etwas simplen Entwicklungsroman. 

RMH

30. August 2026 13:18

@Gracchus, bin zwar nicht Mr Majestyk, möchte aber dennoch auf Deinen Beitrag antworten.
"Ich bezweifle, dass in der Verfassung von Alaska wörtlich ein Recht auf Abtreibung verankert ist, ich vermute eher, dass das von Richtern da hineingelesen wurde. " So scheint es zu sein. Der aktuelle, republikanische Governeur, Mike Dunleavy, also ein offiziell "Konservativer", wollte daran etwas ändern, kam damit aber nicht durch.
"Wenn Sie liberal sind, warum stört Sie dann ein liberales Abtreibungsrecht?"
Es ist nicht anti-liberal, wenn man gegen Abtreibungen ist, eine Zulassung von Abtreibungen ist entgegen der landläufigen Floskel auch nicht zwingend "liberal". Auch des BVerfG geht bei seiner (bislang gültigen) Auffassung zur Abtreibung von liberalen Grundrechten der Frau und des ungeborenen Kindes aus, wägt diese gegeinander ab und kommt zu seinem bekannten Ergebnis. Was ist daran also unliberal, wenn man bspw. zu einer anderen Abwägung, noch stärker pro Kind, kommt?

RMH

30. August 2026 13:20

@Gracchus 2:
"die Zivilisation habe erst mit dem Liberalismus begonnen."
Fairerweise wird von zivilsatorischen Mindeststandards geschrieben & nicht allgemein von Zivilisation. Und hier kann man wiederum - wie viele Konservative - sehr zugesptitzt argumentieren, die Zivilisation ist nur etwas, was übrig bleibt, wenn man bereits keine eigene Kultur mehr hat. Ist der Zeitpunkt, an denen liberale Freiheitsrechte ihren Siegeszug durch die europäische (& us-amerikanische) Geschichte angetreten haben, also ein Aufschwung oder eher bereits ein Verfall, der Beginn des Untergangs der abendländischen Kultur, ein Zeichen von Dekadenz? 
Ich sehe es "vermittelnd": Mit dem Abzeichnen des Ende des christlichen Abendlandes ist Liberalismus mit seinen liberalen Abwehr-& Grundrechten als Fortsetzung des bereits mit dem Christentum zum Schauplatz der Heilsgeschichte gemachten Individuums zum Mindeststandard für eine lebenswerte "Zivilisation" geworden.

Mitleser2

30. August 2026 13:20

@Chasseur: "In Deutschland gibt es keine Revolution, weil man dafür den Rasen betreten müsste."
Das ist ein Mythos. Die Frage ist eine andere: Warum gibt es eigentlich fast nur linke Revolutionen? bzw. mir fällt gar keine Rechte ein.
 

RMH

30. August 2026 13:21

"die Zivilisation habe erst mit dem Liberalismus begonnen."
Fairerweise wird von zivilsatorischen Mindeststandards geschrieben und nicht allgemein von Zivilisation. Und hier kann man wiederum - wie viele Konservative - sehr zugesptitzt argumentieren, die Zivilisation ist nur etwas, was übrig bleibt, wenn man bereits keine eigene Kultur mehr hat. Ist der Zeitpunkt, an denen liberale Freiheitsrechte ihren Siegeszug durch die europäische (und us-amerikanische) Geschichte angetreten haben, also ein Aufschwung oder eher bereits ein Verfall, der Beginn des Untergangs der abendländischen Kultur. 
Ich sehe es "vermittelnd": Mit dem Abzeichnen des Ende des christlichen Abendlandes ist Liberalismus mit seinen liberalen Abwehr-& Grundrechten als Fortsetzung des bereits mit dem Christentum zum Schauplatz der Heilsgeschichte gemachten Individuums zum Mindeststandard für eine lebenswerte "Zivilisation" geworden.

Majestyk

30. August 2026 15:17

@ Laurenz:
"Adenauer hätte Neutralität erzwingen müssen. Aber das wollte Adenauer gar nicht."
War ja auch richtig so, erst recht bei hunderttausenden fremden Soldaten im Land. Neutralität gibt es meistens nur auf dem Papier und eher so als Geschäftsmodell à la Helvetia. Stalins Angebote glichen einem Geschenk der Danaer. Als selbsternannter Chefstratege des Kommentariats sollten Sie dies zumindest nicht unterschlagen. Zudem brauchte der entstehende Kalte Krieg und die heiße Variante in Korea die Westdeutschen in eine Position als Ingenieursbüro und Werkbank notwendig zu werden. Beide deutsche Staaten verdanken ihre Position im jeweiligen Block jenem Zerwürfnis zwischen Ost und West. Mehr als die Legendenbilder zugeben wollen. 
Selbstverständlich hatten die Anwerbeabkommen bezüglich Gastarbeiter geopolitische Ursachen, ich erwähnte selber mehrfach eine entsprechende Monographie. So ganz ungelegen kamen die billigen Arbeitskräfte und willige Mieter und Konsumenten dem deutschen Kapital und der bürgerlichen Mitte aber nicht. Auch das gehört zur Wahrheit. Spätestens nach den Dissonanzen zwischen Washington und Ankara, eher schon Eiszeit, hätten die Deutschen auch anders reagieren können. Und die Einbürgerung der Fremden oder die Änderung des Staatsbürgerrechts, die sind eindeutig auf deutschem Mist gewachsen. Verteidiger des traditionellen Staatsbürgerrechts geraten ja selbst hier unter Verdacht Unmenschen zu sein. 
 

Gracchus

30. August 2026 16:44

@RMH:
"Abtreibung": Ich habe @Majestyk ja nur gefragt. Von einem liberalen Standpunkt ist es nicht zwingend, aber möglich, ein Recht auf Abtreibung zu vertreten.
"Zivilisation": @Majestyk: "Und bei Rechten stehen liberale Errungenschaften auch nicht allzu hoch im Kurs. Für die zivilisatorischen Mindeststandards sieht es m.E. ziemlich düster aus."
Da hab mich nur gefragt, ob das heißen soll: Ohne liberale Errunggenschaften keine zivilisatorischen Mindeststandards? Oder besteht zwischen den Sätzen kein Zusammenhang? 
 
 

Gracchus

30. August 2026 16:57

@RMH: Das hängt natürlich davon ab, was man als Zivilisation begreift. Diese Unterscheidung von Kultur klammere ich aus. Man kann eine wichtige Spur in der Entwicklung oder dem Bau des neuzeitlichen Nationalstaats mit seinem physischen Gewaltmonopol begreifen. Die Liberalisierung erfolgt erst, wenn der Staat dieses Gewaltmonopol etabliert und durchgesetzt hat. Der Leviathan des Hobbes' beruhte zwar auf einem Vertrag, kannte aber noch keine liberalen subjektiven Abwehrrechte. Insoweit sehe ich darin eine notwendige Reaktion auf die Machtfülle des Staates. Das liberale Vertragsdenken bis hin zu Rawls sehe ich als regulative Idee, mehr nicht oder immerhin, da die Vergesellschaftung nicht ohne Gewalt abläuft bzw. aufgrund vorherigen Konsenses. 
 

Le Chasseur

30. August 2026 17:06

@Mitleser2
"Warum gibt es eigentlich fast nur linke Revolutionen? bzw. mir fällt gar keine Rechte ein."
Da gibt es einige, z.B. 1936 in Spanien oder 1973 in Chile. Man spricht dann allerdings meistens nicht von Revolution, sondern von Putsch, weil sich die neuen Machthaber in aller Regel nicht auf eine breite Unterstützung durch die Bevölkerung stützen.

Eo

30. August 2026 17:38

.
Denke mal, daß Moral
und damit die Vorstellungen, was Moral ist bzw. wie diese zu sein hat, sowohl genetisch bedingt ist wie auch durch das Milieu bestimmt wird. Nun, das ist nicht sonderlich aussagekräftig, daher also eine Frage, die ich vor etlichen Jahren schriftlich an Sloterdijk nach der Lektüre von dessen 'Schrecklichen Kinder der Neuzeit' gerichtet habe, nämlich: Kippen Gesellschaften, Staaten und Völker zwangsläufig ins Chaos, wenn der Bastardfaktor einen gewissen Schwellenwert übersteigt ?  Habe leider darauf keine Antwort erhalten.
.

Dietrichs Bern

30. August 2026 19:34

Ich möchte nochmals auf die zivilisatorischen Mindeststandards zurückkommen, auf die ich ja kein Copyright habe, die ich aber hier in dieser Diskussion zuerst verwendet habe. Meiner festen Überzeugung nach, ist die Familie wie sie christlich definiert ist, also weder mit dem Pater familitas noch mit einem Muslim als Vorstand mehrerer Frauen, kombiniert mit einem preußischen Arbeitsethos und Freiheitsbegriff (nach seiner Facon) und eben Anstand und Ehrgefühl, die letztlich erfolgversprechenste Existenzform für den Menschen. Alles andere führt zu den Ergebnissen die sichtbar sind. Ich sehe niemanden, der dafür kämpft. 

Majestyk

30. August 2026 20:15

@ Mitleser2:
"Das ist ein Mythos. Die Frage ist eine andere: Warum gibt es eigentlich fast nur linke Revolutionen? bzw. mir fällt gar keine Rechte ein."
Natürlich nur ein Mythos oder Klischee. In Deutschland gab es schließlich auch Bauernkrieg oder die Revolution von 1848. Was war die Reformation im Kern anderes als eine Revolution? Die Deutschen können Revolution durchaus. Revolution ist mehr als nur Fackel + Heugabel. Weiß nicht, ob Rechte nie revolutionieren, ich würde sagen, die Kolonialisten waren 1976 rechter als die Getreuen der Krone, vielleicht war das aber eher eine Art von Putsch.
Dass Rechte, Konservative etc. sich mit Revolution schwerer tun finde ich aber logisch. Revolution lebt von Ansprache ans Kollektiv. Revolutionäre Ideen müssen Massen begeistern können. Mit rationalem Denken wird das schwieriger.

das kapital

30. August 2026 20:59

@ Dietrichs Bern Nirgendwo strahlen alle und jeder. Ich halte es da aber mit einer älteren blauen Kommunalpolitikerin : Wer soll Deutschland retten, wenn nicht wir? Deutschland hat sich so sehr verfinstert, dass es ohne Blaulicht nicht mehr geht. Wir sind einer unfassbar irren und unverschämten Politik ausgesetzt, es geht so sehr an die Substanz, dass auch die zu dunkel Blauen gebraucht werden, um was zu verbessern. Von einem Höcke möchte ich nicht regiert werden. Ein gewiefter Taktiker und Rhetor ist er aber schon. Von Siegmund lasse ich mich gerne regieren und hoffe, er schafft sich ein Umfeld, durch das die schmalen Spielräume genutzt werden, die das Land trotz EU, Bundesregierung, Nordstreamsprengern und Migrationsfolgenleugnern hat. Wirtschaftlicher Sachverstand in Exzellenz wäre besonders gefragt, damit Sachsen Anhalt nicht völllig unter die Räder kommt. /// Im Übrigen hat die AfD viele überzeugende Leute auf Bundesebene, wenn auch der wirtschaftliche Sachverstand auf Landesebene teils zu wünschen übrig lässt. Wie z.B. Beatrix von Storch Merz aus der Hüfte heraus erledigt hat, freut mich bis heute.

Franz Bettinger

30. August 2026 21:58

@Mitleser2: Rechte Revolutionen (Def: Links = sozialistisch, egalitär. Rechts = Privateigentum, individuelle Freiheit): 1. Allen voran der Amerikan. Freiheitskrieg 1775-1783. Gekämpft wurde für EigentumsRechte & Schutz vor willkürlicher staatlicher Macht. Die US-Verfassung setzte auf individuelle Rechte, Privateigentum, Begrenzung staatlicher Macht. - 2. Glorious Revol. (1688) in England. Sie begrenzte die Macht der Krone & stärkte Parlament & EigentumsRechte. - 3. Die Bauern-Aufstände in der Schweiz 1653 und in Deutschland 1524 - 4. Die Vendée-Konter-Revolution 1793. - 5. Chile 1973 Generalstreik, dann Militär-Putsch gegen Allende. usw usw.

Le Chasseur

30. August 2026 22:24

@das kapital"Ich halte es da aber mit einer älteren blauen Kommunalpolitikerin : Wer soll Deutschland retten, wenn nicht wir?"
Wer, wenn nicht wir?
Wo, wenn nicht hier?
Und wann, wenn nicht jetzt?
https://youtu.be/607cTw1bnaw?si=1Ou7ymp4yYVjh8EY

Gracchus

30. August 2026 23:36

@Laurenz: Haben Sie sich eigentlich noch nicht gefragt, was an dem römischen Glauben an das fatum, dem freilich auch die Götter unterworfen sind, genau Herrenmoral sein soll? Und warum sind die antiken Römer untergegangen, die deutsche Herrenmoral war auch eher kurzlebig? Während es weiterhin Juden gibt, denen unterstellt wird, die Finger an der Weltherrschaft zu haben?
Heidegger, ein anderer Philosoph, sah im Judentum genau umgekehrt den Willen zur Macht verkörpert und damit einhergehend den neuzeitlichen Willen zur technisch-rationalen Naturbeherrschung, den Machenschaften, derweil die griechische techne ihm zufolge auf etwas ganz Anderes abzielt ... Darauf muss man erst mal kommen. 
Beide eint wiederum, das "Heil" in einem unpersönlichen Prinzip zu suchen, dem fatum (Nietzsche) oder dem Sein (Seyn - Heidegger). 

das kapital

31. August 2026 08:47

@Gracchus und Laurenz Herrenmoral? Wille zur Macht? Haben wir doch bei der EU und Bundesregierung. Was immer die Idioten wollen, wir wissen es besser.Pfizer Korruption mit 35 Milliarden Geldverschwendung ohne Dokumentation. Für diese Korruption erhält unsere Brüsseler "Herrenrasse" in Gestalt von Ursula von der Leyen den Karlspreis in Aachen. Jacques Baud einknasten ohne Urteil, ohne Beweise, ohne Straftaten, kein Problem. Die Brüsseler Herrenrasse setzt um, was Macchiavelli und Nietzsche ihr eingepflanzt haben. /// Die Blackrock "Herrenrasse" regiert Deutschland Europa und den Rest der Welt. Nordstream wird wegge-sprengt und die Epsteinfreunde machen so fette Gewinne. Die Kriege im Persischen Golf und Trump produzieren täglich fette Kursbewegungen, die sich die Weltherrenrasse bestens zunutze machen kann. Jaja, Friedensgespräche mit dem Iran. Jaja, wir haben als Amis die Straße von Hormus bestens im Griff. Ach nee, krachbumm, doch nicht. Da ist ja schon wieder ein Öltanker weggeschossen worden. Den Waffenstillstand in der Ukraine haben "wir von der Herrenrasse" auch verboten. Mehr als eine Million Tote seit April 2022. Aber was solls. Gibt eh zuviele überflüssige Esser. Beseitigt die Überflüssigen, dann gehört die Zukunft euch. Das ist die Moral der Macht der "Herrenrasse".

Mitleser2

31. August 2026 09:20

@Bettinger: Ihre Beispiele sind ok, aber alle halt schon ziemlich alt. Und der Allende-Putsch war CIA. Das mag ich nicht positiv sehen, selbst als Rechter. Mir ging es bei der Frage mehr um das 20/21. Jh.

Karl Otto

31. August 2026 11:23

@Graccchgus: Naturalistisch bedeutet auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen beruhend. Und genau das leistet Haidt, ohne marxistische Dialektik oder metaphysisches Geschwurbel. 

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