Massenpsyche – das Phänomen Siegmund

In Sachsen-Anhalt und jenseits der Grenzen dieses Bundeslandes gehen aus politischen Gründen seit Wochen hunderttausende Menschen zuversichtlich gestimmt zu Bett - und sie stehen morgens ebenso zuversichtlich wieder auf.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek leitet den Verlag Antaios

Grund dafür ist ein kol­lek­ti­ver Stim­mungs­wan­del. Aus­lö­ser die­ses mas­sen­psy­cho­lo­gi­schen Vor­gangs ist Ulrich Sieg­mund, der Spit­zen­kan­di­dat der AfD im Land und viel­leicht bald der ers­te Minis­ter­prä­si­dent aus den Rei­hen der AfD. Wer Sieg­mund auf einem der Fami­li­en­fes­te oder einer der Sim­son-Tou­ren erlebt hat, die in Sach­sen-Anhalt den Wahl­kampf der AfD prä­gen, weiß, was damit gemeint ist: Die Men­schen glau­ben dar­an, daß er die poli­ti­sche Wen­de in Gang set­zen könn­te. Sie wol­len Teil eines ener­gie­ge­la­de­nen, kraft­vol­len Auf­bruchs sein und ver­stär­ken ihn durch ihre Teil­ha­be. Die poli­ti­sche Kon­kur­renz steht rat­los und ohn­mäch­tig vor die­sem sich selbst ver­stär­ken­den Phänomen.

Auch auf dem 2. Bun­des­kon­greß der AfD-Jugend war das ges­tern in Mag­de­burg zu beob­ach­ten. Die­ser Kon­greß war mit knapp 400 Dele­gier­ten gut besucht, er war pro­fes­sio­nell orga­ni­siert und auf ein knap­pes Arbeits­pen­sum ange­legt, das ohne Über­ra­schun­gen und Kon­flik­te bewäl­tigt wur­de. Man konn­te einem geöl­ten Betrieb dabei zuse­hen, wie er sich wei­ter kon­so­li­dier­te und an den Stell­schrau­ben nachjustierte.

Die Stim­mung änder­te sich, als mit­ten im Nach­mit­tag Sieg­munds Ankunft ange­kün­digt wur­de. Aus dem Saal drän­gen­der AfD-Nach­wuchs stand Spa­lier, applau­dier­te spä­ter ste­hend minu­ten­lang und bil­de­te zuletzt eine Schlan­ge, um zum Sel­fie und zur Unter­schrift zu kom­men: SPIE­GEL-Cover sorg­sam in Klar­sicht­fo­lie mit­ge­führt, T‑Shirts, irgendwas.

Ste­hen­der Applaus jun­ger Par­tei­mit­glie­der aus allen Tei­len Deutsch­lands, meh­re­re Male muß­te Sieg­mund sei­ne knap­pe Rede unter­bre­chen. Er bespiel­te die Kla­via­tur so, wie man es von ihm erwar­ten durf­te, und er hob, indem er Stim­mung mach­te, vor allem auf die Bedeu­tung der Gestimmt­heit für die Bewäl­ti­gung der gro­ßen poli­ti­schen Auf­ga­ben ab: Vol­ler Hoff­nung an die Arbeit zu gehen sei  alle­mal bes­ser, als für Rück­zugs­ge­fech­te zu wer­ben und die Gren­zen des Mach­ba­ren zu eng zu ziehen.

“Alles ist mög­lich” – das ist aus Sicht der lebens­er­fah­re­nen und poli­tisch wachen Indi­vi­du­al­psy­che eine stei­le Behaup­tung: Sie möch­te argu­men­ta­tiv über­zeugt wer­den, möch­te dif­fe­ren­ziert ant­wor­ten und wird nicht in allem zustim­men. Aus Sicht der Mas­sen­psy­che ist es hin­ge­gen die Umwand­lung ver­zwei­fel­ten Wider­stands in eine Sie­ges­zu­ver­sicht, die im Moment und dar­über hin­aus kei­ne Dif­fe­ren­zie­rung mehr kennt und jedem ein­zel­nen im Saal inner­halb von Mil­li­se­kun­den riet, die Bewe­gun­gen, die Begeis­te­rung, den Adre­na­lin­schuß mit­zu­neh­men und dadurch die Stim­mung zu verstärken.

Nichts ande­res ist im Wahl­kampf die Auf­ga­be eines Poli­ti­kers. Die­se Pha­se, die­ser Arbeits­ab­schnitt muß frei gehal­ten wer­den von dif­fe­ren­zier­ter Argu­men­ta­ti­on, Ambi­va­lenz und zuviel Rea­li­täts­sinn. Es gibt nicht nur eine roman­ti­sche, son­dern auch eine poli­ti­sche Ver­zau­be­rung der Welt. Die aus­ge­klü­gel­te Pro­gram­ma­tik hat kei­nen Anteil dar­an, das Bild, der Film, die Insze­nie­rung, der Sog, die Stei­ge­rung, das Momen­tum haben das hin­ge­gen schon. Des­halb spielt das Film­kunst­kol­lek­tiv rund um Simon Kau­pert eine so wich­ti­ge Rolle.

Sieg­mund hat begrif­fen, daß es für die Mobi­li­sie­rung und die Aus­rich­tung von Mas­sen in einer Mas­sen­de­mo­kra­tie auf die Ober­flä­che ankommt. Das meint nicht, daß es kei­ne tief­grei­fen­den, mani­fes­ten Pro­ble­me und Ver­wer­fun­gen im rea­len Leben gäbe. Man kann mit­tels Sug­ges­ti­on, Pro­pa­gan­da und über­sprin­gen­dem Fun­ken nicht alles ver­kau­fen, schon gar nicht in einem poli­ti­schen Sys­tem, das zwi­schen die Auf­wal­lung, die begeis­ter­te Stim­mung noch eine letz­te Nacht, einen Gang ins Wahl­lo­kal und die Ein­sam­keit in der Wahl­ka­bi­ne mon­tiert hat – aus Grün­den. Am Ende soll es eben doch die Indi­vi­du­al­psy­che sein, die den Stift führt.

Natür­lich tut sie es nicht. Aber es ist den­noch ein Unter­schied, ob man auf Ver­an­stal­tun­gen gemein­sam akkla­miert und dadurch wählt, oder ob es jeder ein­zel­ne ist, der einen zwar kur­zen, aber den­noch büro­kra­ti­schen Pro­zeß absol­vie­ren muß, bis sei­ne Stim­me in der Wahl­ur­ne liegt. Beim indi­vi­du­el­len Wahl­gang muß die Stim­mung durchtragen.

Ver­mut­lich ist es bes­ser, in der Pha­se der Aus­rich­tung hun­dert­tau­sen­der Wäh­ler auf den Wahl­tag nicht in lan­ge Pod­casts zu gehen, in denen es dif­fe­ren­ziert zugeht und in denen man auf das Nach­fra­gen und Nach­boh­ren reagie­ren muß. Kon­kret: Sieg­mund bei Ben ungeskrip­tet lag des­we­gen in der Logik des Wahl­kampfs, weil die Reich­wei­te abseh­bar unfaß­bar groß wür­de und weil Ben nicht wirk­lich kri­tisch nach­hakt, son­dern erzäh­len läßt. Sieg­mund bei Kosu­b­ek: bes­ser nach der Wahl, Till­schnei­der bei Amann unframed auch: Bei­de For­ma­te erzie­len kei­ne wahl­re­le­van­te und wäh­ler­in­ter­es­san­te Reich­wei­te; aber die Aus­sa­gen in die­sen For­ma­ten kön­nen den gegen die AfD anschrei­ben­den Medi­en etwas von dem Fut­ter geben, nach dem sie so ver­zwei­felt suchen.

Auch das ist ja ein inter­es­san­tes The­ma: Am Ran­de des Jugend-Bun­des­kon­gres­ses kam es zu vie­len Gesprä­chen mit gründ­lich rat­lo­sen Jour­na­lis­ten. Über den SPIEGEL schüt­tel­te man uni­so­no den Kopf. Viel­leicht hat­te man sich von die­sem Leit­me­di­um einen nicht argu­men­ta­ti­ven, son­dern mas­sen­psy­cho­lo­gisch rele­van­ten Angriff auf den Sie­ges­zug erhofft – und kei­ne Titel­sei­te, die Sieg­mund aus der Luft pflü­cken, signie­ren und unters Volk wer­fen konnte.

Aber auch über die poli­ti­sche Kon­kur­renz der AfD fiel kein gutes Wort, so, als ver­zie­he man es denen nicht, deren abseh­ba­re Auf­ga­be es seit min­des­tens einem Jahr ist, zum “Phä­no­men Sieg­mund” ein wirk­mäch­ti­ges Gegen­bild zu ent­wer­fen und im Spiel “Alle gegen Einen” nicht nur als pani­sche Ver­hin­de­rer anzutreten.

Dies zuletzt, und viel­leicht ist das ein Schlüs­sel: Sieg­mund hat der Kon­kur­renz sogar das Ost-West-Argu­ment aus der Hand genom­men. Als er im “Alten Thea­ter” in Mag­de­burg zur Par­tei­ju­gend sprach, begrüß­te er die West­teil­neh­mer mit dem Hin­weis, daß man sich in Sach­sen-Anhalt von den Här­ten erho­len kön­ne, AfD-Mann in Ham­burg, Hes­sen und dem Rhein­land zu sein. Er mach­te dar­aus aber kei­ne Grund­satz­fra­ge, er frag­te nicht nach dem grund­sätz­li­chen Unter­schied zwi­schen einer Ost- und einer West-Sozia­li­sa­ti­on, son­dern beton­te, daß auch der Wes­ten längst auf­ge­wacht sei und die alte Herr­schaft abzu­schüt­teln begin­ne, und daß es ihm sowie­so ums gan­ze Land gehe: um die Rück­erobe­rung der gan­zen groß­ar­ti­gen Hei­mat, bis in den letz­ten Win­kel. Fre­ne­ti­scher Applaus.

Was wird abge­löst inner­halb der AfD? Die Vor­stel­lung, man müs­se sich erklä­ren, sogar recht­fer­ti­gen; die Nei­gung, auf Fair­neß zu pochen, auf das, was einem in einer Demo­kra­tie zuste­he; die Stim­mung aus Wut, Ver­zei­flung und Wider­stands­ap­pell. Sieg­mund läßt an sei­ner Zuver­sicht, daß man sie­gen wer­de, so oder so, kei­nen Zweifel.

Bezeich­nend war, daß spä­ter, als die Ver­an­stal­tung vor­bei war, drau­ßen die Jour­na­lis­ten wie­der zu mun­keln began­nen: ob nicht Sieg­mund dadurch, daß er auch über das Sze­na­rio einer ver­fehl­ten abso­lu­ten Mehr­heit gespro­chen habe, für das Schei­tern schon vor­bau­en woll­te? Und: Wie die inner­par­tei­li­che Kon­kur­renz sich entwickle?

Schei­tern … mit über 40 Pro­zent … Das muß man sich auf der Zun­ge zer­ge­hen las­sen. Sinn­ge­mäß sag­te Sieg­mund im Saal, daß eine Regie­rung aus CDU und Lin­ker und noch irgend­wem eher über kurz als über lang zu einem Auf­stand jener CDU-Tei­le füh­ren wer­de, denen es nicht nur um Macht und Ver­hin­de­rung um jeden Preis gehe. Er und sei­ne Par­tei wür­den die Zeit für den Auf- und Aus­bau außer­par­la­men­ta­ri­scher Struk­tu­ren nut­zen, also für das, was jen­seits aller Ergeb­nis­schwan­kun­gen ste­hen bleibt und an sich schon das Land verändert.

Außer­dem wer­de man alles tun, um in Thü­rin­gen oder Sach­sen oder Bran­den­burg den Auf­schlag durch­zu­brin­gen – eben ein, zwei Jah­re spä­ter. Aufs Gan­ze gese­hen sei es näm­lich uner­heb­lich, wo es begin­ne. Haupt­sa­che, es begin­ne end­lich. Was genau, wie genau, mit wem noch­mal, und: Was geht über­haupt? Uner­heb­lich in der jet­zi­gen Pha­se, wirk­lich uner­heb­lich. “Alles ist mög­lich!” – mehr Bot­schaft ist bis zum Wahl­tag nicht nötig. Sie paßt auf die Ober­flä­che eines Pla­kats und dort­hin, wo es im Kopf um Emo­tio­nen geht.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek leitet den Verlag Antaios

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Kommentare (10)

ofeliaa

30. August 2026 19:41

Ich denke politisch und gesellschaftlich zuversichtlich werde ich dann, wenn Merz endlich abtritt und an seine Stelle kein Klingbeil oder anderer Verschnitt tritt. Doch dann steht noch die Durchsetzung der Remigration an, die Verhinderung der Turboeinbürgerungen, die Unterlassung finanzieller und anderer sozialstaatlicher Leistungen für Ausländer, sowie massive und weitreichende Gesetzesänderungen. Dann ... könnte man das erste mal überhaupt wieder frei atmen. 

Joerg

30. August 2026 19:54

Man muss bedenken, dass der aktuelle MP Schulz nicht einmal gewählt wurde, sondern die Position von seiner Beutegemeinschaft geschenkt bekam. Sowas war und ist in "unserer Demokratie" ohne Widerspruch möglich. Wir können dagegen jede Unterstützung gebrauchen, die wir bekommen können. Egal ob Julian Reichelt, H.-G. Maßen, Anthony Lee...oder tausende anonymer Internet Aktivisten, die jedes Siegmund Interview hochtreiben - der aktuelle Hype ist einfach wunderbar!

Joerg

30. August 2026 20:01

Am Markt wird sich auch ganz schnell herumsprechen, dass man gutes Geld mit AfD-positiver Darstellung verdienen kann.Benjamin Berndt dürfte bisher durch die beiden Interviews mit Björn Höcke und Ulrich Siegmund eine mittlere sechsstellige Summe verdient haben. (Selbst der Spiegel hat mit seinem Hetz-Titelblatt wahrscheinlich signifikant mehr Printexemplare durch die Siegmund Fans verkauft.)

RMH

30. August 2026 20:21

"Siegmund bei Ben ungeskriptet lag deswegen in der Logik des Wahlkampfs, weil die Reichweite absehbar unfaßbar groß würde und weil Ben nicht wirklich kritisch nachhakt, sondern erzählen läßt."
Mit dieser mehr oder weniger unbearbeiteten Wiedergabe der Hauptkritik an Ben Ungeskripted würde ich mir, wenn ich Benjamin Berndt wäre, es ab jetzt 2 x überlegen, ob ich noch jemanden aus der neurechten- &/oder AfD-Blase einlade.
"er fragte nicht nach dem grundsätzlichen Unterschied zwischen einer Ost- und einer West-Sozialisation"
Was ja in der Tat vor einer GD, deren Höchstalter bei 35 liegt, auch etwas albern wäre. Wer, der heute max. 35 ist, hat noch eine klare, erste Hand BRD/ Mitteldtl.-Sozialisation? Insgesamt hat Siegmund die Euphorie & die anderen sagen sich, wie weiland G. Schröder, Mehrheit ist Mehrheit & hiefen mit Leihstimmen fast schon tot gesagte, wie die Grünen, für die Mehrheit an Sitzen im Landtag über die 5% Hürde. Hier stellt sich die NACH der Wahl einmal zu diskutierende Frage, ob es wirklich so gut war, das BSW so zu demontieren, wie es geschehen ist, denn das hilft der AfD in SA kurzfristig nicht, aber ggf. den anderen AfD Landesverbänden.

Dietrichs Bern

30. August 2026 20:30

Erneut vielen Dank für die diffenzierte Darstellung, ohne Fangehabe und mit dem notwendigen Realismus. Siegmund könnte das Problem eines Christian Lindner erleiden, weil alle Parteichefs wie Condotierres bewertet werden, bei denen für Gefolgschaft Beute erwartet und Prinzipien geringgeschätzt werden., wodurch man vielleicht Kompromisse schließt, die einen letztlich vernichten. Es bleibt spannend.

das kapital

30. August 2026 21:17

6.9. 18 Uhr Hurra, Siegmund müsste schießen, Siegmund schießt und Tor ! Tor! Tor! Mit handfester zugewandter Selbstdarstellung und ohne scharfe Rhetorik lassen sich Mehrheiten schaffen. Die Menschen erkennen so sehr, wie sie von Merz und anderen Würstchen belogen zerstört und in die Irre geführt werden. Das ist fast schon selbsterklärend. Siegmund siegt für ganz Deutschland obwohl er ja erstmal "nur" in Sachsen-Anhalt siegen wird. Die Gegner haben sich, beginnend mit Sven Hüber auf das Allererbärmlichsten entlarvt. Es ist an der Zeit, die Mauerschützen abzuwählen. Die dürfen nicht länger in Deutschland mitbestimmen und regieren. Sie sind nicht die Deiche, sondern die blutrote Sturmflut der Verelendung.

Laurenz

30. August 2026 22:30

Es funktioniert ja nur deswegen ganz gut, weil die AfD in Sachsen-Anhalt oder in Thüringen gut zusammenarbeitet. Fehler sind nicht schlimm, weil menschlich. Ich bin bereits zufrieden, wenn Siegmund die 40% knackt. ... @Joerg ... Reichelt ist der Büttel seines Investoren. Lee agiert produktiv, aber parteilos, kein Fehler. Maaßen ist extrem gefährlich. In meiner üblichen Korrespondenz mit @Franz Bettinger hatte ich bezüglich Maaßens letzte Woche einen harten Disput. Maaßen agierte als VS-Chef bis 2018 gegen die AfD. Danach versuchte Maaßen durch die Abspaltung der Werteunion der AfD Stimmen wegzunehmen, wenn ich mich recht erinnere, in Thüringen. Der Mann ist ein Trojanisches Pferd. Franz Bettinger meinte, jeder könne sich ändern. Meine Antwort war die Gegenfrage, ob Er Sich das auch bei Angela Merkel vorstellen könne? AfD-Leute auf wichtigen Posten müssen verläßlich sein. Maaßen wird das in diesem Leben nie mehr sein.

Le Chasseur

30. August 2026 22:37

@Joerg
"Man muss bedenken, dass der aktuelle MP Schulz nicht einmal gewählt wurde, sondern die Position von seiner Beutegemeinschaft geschenkt bekam."
Der MP wird vom Landtag gewählt, nicht vom Volk. Angenommen, Höcke würde morgen vom Thüringer Landtag zum MP gewählt - würden Sie das dann auch kritisieren? Dafür, dass die CDU die Schlafmütze Schulze zum MP gemacht hat, bekommt sie am Sonntag die Quittung.
@ofeelia
Das wichtigste ist die Normalisierung der Beziehungen zu Russland.

Andreas J

30. August 2026 22:50

Während die Spiegel-Attacke auf Siegmund scheiterte, konnten in diesem Wahlkampf bisher gleich zwei alternative Medien (Apollo News, Compact) einen prominenten AfD-Gegner sowie eine Grünenpolitikerin vermutlich effektiv schwächen. Interessant ist die Frage, ob die Digitalisierung, bzw. die mit ihr einhergehende Faktenbasiertheit und Informationstransparenz als notwendiges Substrat (zukünftiger) politischer Umschwünge betrachtet werden kann. Auch die Wahlniederlage der Grünen nach Senkung des EU-Wahlalters (= mehr netzaffine Wähler) könnte damit zusammenhängen. 
 

omega

30. August 2026 23:01

Vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt: Ich glaube, dass Siegmund den Stein ins Rollen bringen könnte – nicht weil eine einzelne Person alles verändern kann, sondern weil durch ihn etwas in Bewegung geraten könnte, das durch mehrere richtige Entscheidungen immer mehr Dynamik entwickelt.
Dass es ihm „sowieso ums ganze Land“ geht, finde ich besonders interessant. Vielleicht muss eine Veränderung nicht überall gleichzeitig beginnen. Vielleicht braucht sie zunächst einen Ort, an dem sie tatsächlich machbar ist.
Ich frage mich deshalb, ob der Osten nicht der realistischere Ausgangspunkt sein könnte. Den Osten zu verändern, halte ich für machbar. Zu glauben, man könne den Westen Deutschlands aus seinen bestehenden Strukturen herauslösen und grundlegend verändern, wäre dagegen vielleicht naiv. Aber wenn der Stein erst einmal rollt, muss der Osten nicht das Ende sein, sondern könnte der Anfang sein.
Und vielleicht liegt genau darin mein Verständnis von „Alles ist möglich“: Nicht jede Idee muss heute schon realistisch erscheinen. Entscheidend ist, ob sie etwas in Bewegung setzen kann. Vielleicht kann eine zunächst absurde Idee etwas zum Einsturz bringen, das lange als unveränderbar galt – und gleichzeitig den Raum schaffen, etwas Neues aufzubauen.