Kritik der Woche (89): Bastardmoderne

Jan A. Karon war mal aufstrebend im Mainstream. Als Kind polnischer Einwanderer 1992 in Ludwigshafen geboren, studierte er in Heidelberg und Oregon Politik, Literatur und Geschichte, engagierte sich kulturpolitisch in Tel Aviv und St. Petersburg, bevor er in Berlin bei ZDF, Zeit und rbb doch recht politisch korrekt und nicht minder zeitgeistig seiner journalistischen Leidenschaft nachging.

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Doch es kam zum Bruch: The­men, die man nicht „groß“ machen durf­te, Restrik­tio­nen, die ihm nicht ein­leuch­te­ten, schließ­lich: die schlei­chen­de Ent­frem­dung von einem Betrieb, der mit dem poli­ti­schen Kom­plex eine ideo­lo­gi­sche wie öko­no­mi­sche Zweck­ehe einging.

Das behag­te Karon nicht, er scher­te aus. Und lan­de­te 2021 beim Medi­en­un­ter­neh­men Nius, wo er – mit Björn Harms und Jens Win­ter – eine dezi­diert rech­te Min­der­heits­frak­ti­on unter einer libe­ral-liber­tä­ren Regie for­mier­te und reich­wei­ten­star­ke Repor­ta­gen und Ana­ly­sen produzierte.

Im Früh­som­mer nun kün­dig­te Karon (wie auch Harms) beim Impe­ri­um, das Ex-Bild-Grö­ße Juli­an Rei­chelt ver­ant­wor­tet. Das mag auch mit vor­lie­gen­der Publi­ka­ti­on Bas­tard­mo­der­ne zusam­men­hän­gen, die als Band 2 der Rei­he „Edi­ti­on Tumult“ der gleich­na­mi­gen Dresd­ner Zeit­schrift erschie­nen ist. Denn dar­in geht Karon über das hin­aus, was im Nius-Kos­mos sag- und trag­bar erscheint.

Bas­tard­mo­der­ne – das ist für Karon jene Epo­che, die für Nie­der­gang und Zer­fall steht. Glau­bens­ver­lust, gebro­che­ne Wahr­heits­sys­te­me, Eli­ten­ster­ben, Infan­ti­li­sie­rung und links­li­be­ral-zivil­re­li­giö­se Über­for­mung der Ver­hält­nis­se stün­den für eine „Late Stage BRD“, einen Spät­zu­stand der Bun­des­re­pu­blik, in der die Fas­sa­den eines einst­mals funk­tionablen Gemein­we­sens an alte Stär­ke erin­nern. Ansons­ten herr­schen „Still­stand, Para­ly­se, Agonie“.

Karon schreibt dies vol­ler Wut, Zorn und Lei­den­schaft; Sezes­si­on-Lesern dürf­te inhalt­lich vie­les ver­traut erschei­nen. Aber er hat ja den Vor­teil, daß er als Rei­chelt-Zög­ling, als der er vie­len gilt, und der Hun­dert­tau­sen­de in den Sozia­len Medi­en erreicht, neue Ziel­grup­pen ver­sor­gen kann, die nie­mals auf „neu­rech­te“ Denk­wei­sen sto­ßen würden.

Er läßt dabei kaum einen Stein auf dem ande­ren: luzi­de Libe­ra­lis­mus- und Kapi­ta­lis­mus­kri­tik auf Höhe der Zeit, die er mit einer radi­ka­len Lin­ken­schel­te und hoch­ak­tu­el­len Bei­spiel­fäl­len aus Kul­tur, Fuß­ball und All­tag kop­pelt, so daß die Ana­ly­se ihren Platz im Leben jedes ein­zel­nen Lesers fin­det – der prak­ti­sche Repor­ta­ge­pro­fi Karon ent­deckt hier sei­ne theo­rie­af­fi­ne Sei­te und ver­bin­det bei­des zu einer ziem­lich ori­gi­nel­len Mix­tur, die zudem – wie von Karons Nius-Publi­zis­tik bekannt – in einem sehr per­sön­li­chen, sehr spe­zi­el­len Ton daherkommt.

Das, was Karon aus­for­mu­liert, ist eine radi­ka­le, durch­aus unver­söhn­li­che Kri­tik an den Ver­hält­nis­sen, die ihn selbst – ganz sub­jek­tiv – aus sei­ner vor­ge­zeich­ne­ten Main­stream-Kar­rie­re­bahn kata­pul­tier­ten. Karon weiß, daß er recht hat, was sein Selbst­be­wußt­sein stärkt und den Lesern, die an ihrer Zahl ste­tig wach­sen, wuch­tig ver­mit­telt wird.

Reicht Auf­klä­rung, Ana­ly­se, Ankla­ge? Karon warnt:

Die Mit­te wird zur Bes­tie, die um sich schlägt, weil sie kei­ne Argu­men­te mehr hat, aber eine rech­te Macht­op­ti­on nicht mit der eige­nen anti­fa­schis­ti­schen DNA ver­ein­ba­ren kann.

Das scheint zutref­fend, aber hier hat Karon eine Leer­stel­le: Es gibt kei­ner­lei posi­ti­ve Ten­denz, kein vor­ge­schla­ge­ner oder auch nur ange­deu­te­ter Aus­weg führt aus der Malai­se. Das mag man damit erklä­ren, daß Karon eben ein Jour­na­list, kein Akti­vist oder Poli­ti­ker ist. Aber wenn er schon erfolg­reich Nius-Leser über Nius hin­aus­führt – dann wäre eine Per­spek­ti­ve poli­ti­scher Ver­än­de­run­gen durch den Ein­zel­nen wie auch durch orga­ni­sier­te Gemein­schaf­ten hilfreich.

Ein wenig über­ra­schend ist da, auch ange­sichts der sonst übli­chen, distin­gu­iert-fein­geis­ti­gen Linie der Tumult-Her­aus­ge­ber­schaft, das Ende des Vor­wor­tes zum Werk Jan A. Karons. Dar­in schreibt Frank Böckel­mann, „jedes Mit­tel ist gerecht­fer­tigt und jedes apo­ka­lyp­ti­sche Ereig­nis will­kom­men, wenn sie ver­hin­dern, dass wir zugleich über­all und nir­gends wei­len“. Die­se ver­ant­wor­tungs­frem­de Apo­dik­tik („jedes“) führt nicht zwin­gend zum Besseren.

– – –

Jan A. Karon: Bas­tard­mo­der­ne, Uhin­gen 2026. 275 S., 19 € – hier bestel­len.

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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Kommentare (52)

Laurenz

4. September 2026 10:29

Wieder einer, der vom Paulus zum Saulus mutiert ist, weil er nicht an Magengeschwüren in jungen Jahren verrecken will.

Karl

4. September 2026 12:31

Die Besprechung fällt erstaunlich schonend aus. Dass jemand Liberalismus, Kapitalismus, Überfremdung und den Verfall der Innenstädte anklagt, ist auf dieser Seite des politischen Spektrums weder neu noch originell. Das Genre der Verfallsdiagnose ist bestellt: von kulturkritischen Werken bis zu Baberowski und Poschardt. Neu ist vor allem der Bote – ein ehemaliger ÖRR-Mann mit NIUS-Hintergrund, der denselben Befund in Reportageton und Talkshow-Gestus verpackt und damit Milieus erreicht, die SiN nicht lesen würden. Das erklärt die Aufmerksamkeit. Es erklärt noch nicht den Hype. Seine öffentlichen Auftritte machen diesen Hype schwer nachvollziehbar. In Podcasts und Runden wirkt Karon oft, als müsse er in jedem Satz beweisen, der Scharfsichtigste am Tisch zu sein. Zustimmung gilt für ihn offenbar als Schwäche, Konsens steht unter Verdacht. Es wird stets noch ein Haar in der Suppe gefunden, eine Nuance, an der man sich abarbeiten kann, um das eigene Profil zu schärfen. Dies wirkt unsolidarisch und ermüdend. Wer dauernd den Dissens sucht, auch dort, wo er taktisch unnötig ist, produziert Reichweite, aber wenig Bündnis. Kaiser merkt zu Recht an, dass der Weg hinaus fehlt. Man könnte ergänzen: Auch die Form seiner Auftritte liefert keinen. Eine Kritik der Moderne, von jemandem, der sich vor allem als Dauerwiderspruch gegen alle Mitdiskutanten inszeniert, ist eine befremdliche Diagnose. Dass dieser Habitus in der Besprechung weitgehend ausgespart bleibt, ist bedenklich.

Old Linkerhand

4. September 2026 12:43

Bastardmoderne ist ein treffender Begriff, auch weil Bärbel Bas und ARD drin stecken. Trotzdem werde ich das nicht lesen, weil alles schon sehr lange auf dem Tisch liegt. Es wurde eben schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.

Mitleser2

4. September 2026 13:16

"Denn darin geht Karon über das hinaus, was im Nius-Kosmos sag- und tragbar erscheint."
Ich verstehe diese unterschwellige NIUS-Kritik nicht. Alleine was die zu Stade gebracht haben. Auch Rechte sollten NIUS und Apollo schätzen, und nicht als liberal-libertär diffamieren. Und wenn man ins Parteipolitische geht: Es wird in Gesamtdeutschland niemals AfD-Mehrheiten nur mit SolPat-Konzepten geben.

Monika

4. September 2026 14:34

Danke für die Rezension ! Ich halte dieses Buch für ein sehr, sehr wichtiges Buch. Es ist geeignet als Diskussionsgrundlage für Lesekreise. Wenn der Autor den Begriff BASTARDMODERNE geprägt hat, wovon ich ausgehe, dann ist ihm damit ein absolut passender Begriff für die Nachfolgezeit der Postmoderne ( im Westen) gelungen. Dieser Begriff wird bleiben als Kennzeichnung eines Systems, das "wir nie wollten" und welches den Moment beschreibt, in "dem wir nicht aus einem Alptraum erwachten, sondern in einem Alptraum" ( Karon). Daß dies überhaupt bemerkt wird und wir darüber reden können, ist m.E. der  Verdienst des Buches. Es ist verständlich, daß Karon keine Lösungen anbietet. Die können erst infolge erarbeitet werden. Vielleicht folgt ja auch noch ein Buch. Karon ist Jahrgang 1992, ein Vertreter der jüngeren Generation. Wer sich als Linker wirklich  auf das Buch einläßt, muß damit rechnen, daß seine heile Welt zerstört wird. 

Plus Ultra

4. September 2026 14:36

Karon trifft den Nagel auf den Kopf wenn er sinngemäß konstatiert, dass der Westen in seiner derzeitigen Konfiguration nicht mehr reparabel ist. Es muss einen radikalen Bruch geben. Entweder das, oder es folgt der Untergang jener Völker, Länder und Kulturen, die Träger des zur "Bastardmoderne" mutierten Projekts "liberaler Universalismus" geworden sind. Nicht unbedingt bedeutet es den Untergang dieses Projektes selbst, da es in seiner dominant gewordenen radikal universalistischen Ausformung keiner gewachsen Bestände mehr bedarf... zumindest in der Theorie. In der Praxis wird es sich, wenn es nicht innerhalb des Westens selbst rechtzeitig gestoppt wird, bei fortschreitendem inneren Zerfall in einem sich bereits abzeichnenden Ringen mit konkurrierenden globalen Ordnungsmodellen wiederfinden. Es wäre also höchste Zeit die Notbremse zu ziehen, allerdings nicht mit Leuten, die im Kern immer noch dem gescheiterten Paradigma anhängen, dabei aber meinen, bestimmte daraus folgende Konsequenzen vermeiden zu können. Daher ist Karons Weggang von Nius konsequent. 

ofeliaa

4. September 2026 15:26

Was will man auch sonst tun? Wenn von dt. Steuergeld Wohnungen in der Ukraine statt in Deutschland gebaut werden. Klar muss man schreiben um nicht an einem Magengeschwür zu verrecken. Habe manchmal das Gefühl, wir sind einfach nicht wütend genug, nicht kollektiv, immer noch nur Einzelne - oder sind wir zu wütend? Wird es uns auffressen? Wir können dem Irrsinn ja nur zusehen und beiwohnen, und jeden einzelnen Tag Entscheidungen von ganz oben beobachten, die unabänderlich und gleichzeitig verrückt sind, und uns dann als Konsequenz nahe an die eigene Psychose bringen. Haareraufend, in stummem Schrei verharren wir, während unser Land stirbt. 

Majestyk

4. September 2026 16:20

@ Mitleser2:
Noch immer nicht begriffen? Freiheitliche sind aus rechter Sicht größere Feinde als Sozialisten. Die Rechten wollen genauso autoritär gestalten wie früher die Blaublütigen und heute die Linken. Ideen, die den Einzelnen staatlicher Macht entziehen sind verpönt. Abweichende Ansichten gelten als Ketzerei. Glauben Sie wirklich ernsthaft, die Rechten würden den Einfluß der Parteien generell, das Berufsbeamtentum, Konkordat, Rundfunkzwang oder Gewerkschaftszwang, den Zugriff des Staates auf die Sozialversicherungen ernsthaft antasten? Auch unter rechts, wird willfähriges Leben belohnt, als falsch deklariertes Leben bestraft, das Seilschaltprinzip und die Günstlingswirtschaft bleibt erhalten. Es geht immer nur ums Kollektiv, der Mensch (zumal wenn er nicht richtig reinpaßt) bleibt auf der Strecke. 

Ein gebuertiger Hesse

4. September 2026 16:32

Gäbe es sowas wie ein "Modernes Antiquariat" für zeitkritische Aufklärungsbücher seitens der Rechten, würden so etliche Titel schon nach 4 Monaten dort landen. 

Gracchus

4. September 2026 17:25

Buch nicht gelesen, aber ich mag den Karon-Sound. Es kommt ja nicht nur drauf an, was jemand sagt, sondern auch wer und wie. "Eine Perspektive politischer Veränderung" - da die Kritik offenbar die Lebenswelt betrifft und somit über den politischen Bereich hinausgeht, ist sowas nicht zu erwarten. Sich die eigene Ratlosigkeit einzugestehen, ist ja auch was.

Gracchus

4. September 2026 17:33

@Karl Otto: Ich kenne zwar nur eine Diskussionsrunde mit Karon - kürzlich im Kontrafunk -, kann das Verhalten, das Sie ihm ankreiden, aber da nicht bestätigen. Vielleicht bewegt er sich im ideologischen Niemandsland.
@Mitleser2: Nius und Apollo würde ich auch - auch wenn ich mit der Linie natürlich nicht konform gehe - nicht abqualifizieren, da beide ab und an was Investigatives zustande bringen und Meinungsfreiheit durchaus ernst nehmen. 

Gracchus

4. September 2026 17:34

@Majestyk: Was haben Sie denn schon wieder? 

Mitleser2

4. September 2026 17:58

@Majestyk: Ich hab's schon begriffen. Deswegen muss man's den dogmatischen Rechten ja immer wieder aufs Brot schmieren. Wegen Benedikt Kaiser wähl ich die AfD nicht. Aber TeamFreiheit ist auch keine Option. Außer die schaffen es, die FDP zu beerben. Dann könnte ich drüber nachdenken.  

Laurenz

4. September 2026 18:37

@Karl & Co. ... man könnte meinen, Benedikt Kaiser & Tim Kellner hätten Sich mit Artikel & Sendung abgesprochen. https://youtu.be/dLhw-BEUSY0 Von Beginn der Sendung nimmt Kellner das Thema auf, Poschardt & Reichelt. Auch Lanz ist dabei, die Seiten zu wechseln. Tichys & Achgut wechselten, veranlaßt durch den Corona-Faschismus, aus dem Lager der ewigen Bonner-Republik-Fetischisten ins oppositionelle Publikanten-Lager (nette Wortschöpfung-Neologismus, oder?). Daß Linke am linksextremen Staat Kritik üben, fing 2010 mit dem Buch "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin an. Bei Jürgen Elsässer kann man heute noch Seine marxistische Herkunft an Seiner Israel-Feindlichkeit festmachen. Jetzt kann man sich trefflich die Frage stellen, meinen diese einstigen Linksextremen (Kritiker) das alle so oder wechseln sie die Seiten, weil sie den Epochenwechsel des Zeitgeistes frühzeitig gerochen haben & diesen überleben wollen? Sie, Karl, haben beim Grundsatz-Zweifel Karons Unrecht. Permanenter Zweifel ist die Mutter aller Wissenschaften. Die Politik im Westen ist deswegen dysfunktional, weil Zweifler grundsätzlich als Nazis diffamiert werden.

Laurenz

4. September 2026 19:10

@Majestyk @Mitleser2 ... Können wir uns darauf einigen, die ersten 20 Jahre der Bonner Republik als christlich-konservativ einzuordnen? Dann war es der Liberalismus dieser konservativen Herrschaft, welcher den Aufstieg der Alt68er ermöglichte. Irgendwer mußte den Scheiß auch finanziert haben. Die SPD war als Verlagshaus nach dem Krieg durch die Briten privilegiert & kaufte ab 1971 bürgerliche Regionalzeitungen auf. Die Union hatte zugeschaut. In den letzten 3-4 Jahrzehnten hat die SPD die gesamte Deutsche Justiz unterwandert. Wie kam es dazu, daß die beiden größten Deutschen Honigfallen aller Zeiten, Friede Springer & Liz Mohn, den Merkelator langfristig unterstützten? Wenn Broder manchmal scherzhaft Merkel als "Erichs Rache" bezeichnete, ist das nur lustig, also Komödie, weil ein Kern Wahrheit darin steckt. Wie, Majestyk, wollen Sie die Linke zukünftig gesellschaftlich schachmatt setzen? NGOs verbieten? Publizierende Oligarchen, wie Springer & Mohn, sind reich. Wollen Sie die weiter machen lassen? Was also schlagen Sie vor? Man kann vielleicht Volksentscheide & Direktwahlen so wasserdicht in der Verfassung implementieren, daß da keiner so schnell rankommt. Ich warte auf Ihre konkreten Vorschläge.

Liselotte

4. September 2026 22:47

@Laurenz: ich grüble die ganze Zeit, wie Sie das meinen. War Saulus denn noch jung, als er Paulus wurde? Und dann wieder zurück von Paulus auf Saulus (neuartig), müßte er auf alle Fälle etwas älter sein? Und wovon kommt denn nun der Helicobacter Pylori? Manchmal gerät mein Geist bei solchen Kurzkommentaren ins Abschweifen...

Raeuspern

4. September 2026 23:03

Danke @Laurenz. Gerade heute mit meinem eher links-mainstreamigen Schwager über Zweifel gesprochen und wie mich der Staat durch die rücksichtslose Einordnung dieser Zweifel in den Corona Jahren endgültig verloren hat. Er hat den Punkt verstanden.
 

Maiordomus

5. September 2026 05:15

@Mitleser 2. "Wegen Benedikt Kaiser wähle ich die AfD nicht." Habe den Mann sogar mal vortragen hören. Sein Herkunftsansatz ist nicht der meine. Kann aber von aussen nur sagen, dass er ein anständiger, kluger,  kommunikationsfähiger Mann ist. Würde wegen einem oder mehreren von hier auch nicht die Partei wählen, wenn die repräsentativ wären. Über alles gesehen scheinen Sie aber keine Ahnung von einer Volkspartei zu haben, wenn es einen oder mehrere wie BK nicht leiden mag. Und zumal auch wenn Ordo-Liberale oder Rechtsliberale nicht mal mehr toleriert würden, oder halt auch nicht Linksrechte. So kann man für einigermassen regierungsfähige Politik oder wenigstens mit den Rändern der Andersausgerichteten keine Bündnisse machen und insofern auch auf praktischer Ebene nichts ändern. Ohnehin gibt es halt zu viele Leute, die noch nie praktisch politisch gearbeitet haben, wobei die kommunale Ebene des Zusammenraufens ein prima Trainingslager wäre und bleibt. Zugleich ist einzusehen, dass nicht genuin Rechtsnationale wie Sarrazin oder Massen unvergleichliche Erfahrung haben und intelligent sind, so wie ich im persönlichen Kontakt den aus der Politik ausgeschiedenen Peter Glotz (als gelehrten Mann) auch mit vernünftiger, zum Teil lehrreicher politischer Urteilsfähigkeit kennenlernen konnte. Kannte sogar Leute, die vernünftig "ökologisch" denken können. Das ist prinzipiell nicht unmöglich!  

dojon86

5. September 2026 07:34

@Majestyk Der Begriff Freiheit ist ein leeres Triggerwort. Jemand, der 9/10 seines Einkommens für seine Familie ausgibt, ist nicht frei. Genauso wenig wie jemand, der 2/3 seines Lebens um 05:30 per Wecker aufsteht, obwohl ihm 08:30 lieber wäre. Natürlich haben sie im Kern recht. Der Staat ist eine Räuberbande die immer unverschämter absahnt. Und außerdem gibt er dieses Geld nicht für eine glänzende Infrastruktur sondern für alles Mögliche sinnlos aus. Aber die meisten AFD Wähler wählen nicht deshalb diese Partei, weil die AFD gegen diese Räuberei auftritt, sondern sie wählen sie deshalb, weil das Deutschland, dass sie kannten, verschwindet. Und an diesem Verschwinden hat eine liberale Wirtschaftspolitik einen massiven Anteil. Ein Beispiel aus meiner ehemaligen ländlichen Wohnumgebung in Grenznähe  in Österreich. Ursprünglich war es klar, dass die Gemeinden bei der Auftragsvergabe lokale Unternehmer bevorzugten. Und das war natürlich Korruption aber trotzdem im Sinne der Bürger. Nach der Ostöffnung wurde das mehr und mehr abgebaut. Resultat. Die Löhne stagnierte  und sanken also der facto. Im Servicebereich arbeiteten nur mehr Leute von jenseits der Grenze, Automechaniker hatten nur mehr Scheinwerkstätten und ließen die Arbeit 20 km weiter machen. Etc. Die Bioösterreicher hauten ab in die Staatsverwaltung und pendelte in den Wasserkopf Wien. Das Ergebnis von "No borders". Das Resultat einer liberalen Vorstellung von Gesellschaft. Und weil das jeder in dieser Gegend begreift, wählt keiner eine liberale Partei.

Rudolf Kayser

5. September 2026 07:37

Der politisch rechte Traum steht und fällt mit der Bereitschaft zum Verzicht auf Globalismus und einer Abkehr vom Materialismus: Wer wäre wirklich bereit für Binnensouveränität, Binnenmarkt und Lokalismus. Niemand. Wer wäre bereit, für totale Binnensouveränität, den technologisch und materialistisch definierten Fortschrittsbegriff der "Moderne" und des 'Wohlstands" einzutauschen gegen Würde. Der Tausch Moderne gegen Würde verlangt auch eine Änderung der Definition von dem, was Wohlstand bedeutet. Gedankenexperiment, obwohl hinkend und nicht direkt übertragbar: Der rechte Traum, konsequent verfolgt, ergäbe ein Deutschland als ungefähre Mischung, sagen wir ca 50 Prozent amish people - mentalität und ca 50 Prozent technologische Cleverness und Ingenieurskunst zur Umwandlung einer Wegwerfgesellschaft in eine Überlieferungsgemeinschaft. 

RMH

5. September 2026 08:26

Kann mit dem Begriff "Bastardmoderne" nichts anfangen. Wann hatten wir jemals eine "reinrassige" Moderne? Evtl. in den Sozialismus/Marxismus Experimenten von 1917 bis 1989? Teil der Moderne war es doch stets, dass sich Dinge & Ordnungen auflösen & Teile des Alten weiterleben, weiterverblassen, Neues sich ausbildet & vieles davon sich nur noch als kurzlebig erweist, wobei die Halbwertszeit für Kurzlebigkeit sich stetig steigert (Akzeleration?). Denke, dem Autor geht es eher um ein provokatives Schlagwort, um seine Kritik abzuladen. Die Beschreibung von Verfall, Dekadenz & Auflösung ist vermutlich seit mindestens 150 Jahren bzw. deutlich länger, ein Hauptsujet der Intellektuellen in Europa, wenn nicht Kritik generell das Metier des Intellektuellen ist. Das es heute so viel zu beklagen & kritisieren gibt, ist zu einem Teil (natürlich gibt es auch andere Gründe) dem Umstand geschuldet, dass es D über 80 Jahre geschafft hat, einmal nicht Hauptkriegsschauplatz in Europa zu sein, die "Friedensdividende" aber gerade gnadenlos verzockt bzw abgerippt wird. Was in der Tat "neu" ist, dass es seit einigen Jahrzehnten wieder Masseneinwanderungsbewegungen nach Europa gibt (gab es Zuzug Fremder in dieser Verhältnismäßigkeit seit der Zeit der sog. "Völkerwanderung" schon einmal?).

Mitleser2

5. September 2026 09:11

@Maiordomus: Sie haben mich offensichtlich missverstanden. Natürlich wähle ich AfD. Aber eben nicht, weil es dort die SolPat-Position von BK gibt. Sondern aus vielen anderen Gründen. Der Ausgangspunkt war aber eh ein anderer: Dass insbesondere hier auf SiN von den meisten Kommentatoren liberal-libertär diffamiert wird. Und das ist nun mal die SolPat-Quintessenz.

Laurenz

5. September 2026 10:17

@Rudolf Kayser ... politisch rechte Traum ... glaube, da täuschen Sie Sich. Ich lese jetzt schon mindestens 10 Jahre das, was Götz Kubitschek von sich gibt. Ich lese Ihn lieber, als ich Ihm zuhöre, wobei das ansonsten keine Rolle spielt. Bei Lesen ergibt sich automatisch, daß GK sich bereits überlegt hat, war er sagen will. Wenn Roger Köppel GK interviewt, muß GK sich erst überlegen, was Er sagt. Jemand, wie Höcke, ist im Reden professionell geübt, ein Verleger nicht unbedingt. Ansonsten gehe ich mit allen Äußerungen GKs, sagen wir, zu 85% d'accord. Das ist eine extrem hohe Quote. Das weiß man, wenn man mal den Wahl-o-mat bemüht hat. GK träumt nicht, jedenfalls nicht für uns, steht immer mit beiden Füßen auf dem Boden des Machbaren. Niemand bekommt den Geist in die Flasche oder die Übel der Welt in die Büchse der Pandora zurück. Fragen Sie die KI nach dem Gleichnis zwischen Bismarck & einem Lokführer. Bismarck war der König des Machbaren.

Gracchus

5. September 2026 10:24

@RMH: Nach meinem Verständnis heißt Bastardmoderne eine illegitime, ungewollte Moderne, die ihr Versprechen individueller Freiheit und individueller Selbstverwirklichung für die Masse nicht mehr einlösen kann. 

Monika

5. September 2026 10:29

@ RMH vielleicht sollte man ein Buch gelesen haben, bevor man seine Meining kundtut. Bei Karon folgt Bastardmoderne zeitlich auf die Postmoderne, den Begriff Bastard erklärt er ebenfalls genauer mit zwei Bedeutungen. Jede Generation hat zudem ihre eigenen Erfahrungen mit Zerfallserscheinungen. Der Autor ist Jahrgang 1992. Die Älteren und Alten mögen den "Untergang des Abendlandes" lesen oder das Heerlager der Heiligen. Die Liberalismuskritik bei Karon deckt sich mit den sozialpolitischen Analysen von Manfred Kleine-Hartlage ( Die liberale Gesellschaft und ihr Ende) . Karon ist auch kritisch gegenüber Marxismus u. Sozialismus, seine Eltern sind bereits vor dem Mauerfall von Polen in den Westen ( Ludwigshafen) gezogen. Dem einen System entflohen um im Westen ganz vor die Hunde zu gehen ? Hoffentlich nicht. Liberalismus u. Sozialismus sind zwei Seiten einer Medaille. Beides Selbsterlösungsideologien. Darüber ist zu reden.Die Sticheleien zw. Neurechten libcons, Libertären, Konservativen sind doch albern. Das läßt sich alles klären. Das Buch ist auf jeden Fall anregend geschrieben und jeder kann mitreden. Allerdings sollte er das Buch auch gelesen haben. 

Valjean72

5. September 2026 10:32

@Mitleser2: "Ich verstehe diese unterschwellige NIUS-Kritik nicht."
----
Und mir ist es vollkommen unbegreiflich wie jemand hier Partei für das Medium von Julian Reichelt ergreifen kann.
Er hat 2015/2016 als BILD-Chefredakteur den "Welcome-Refugees-Wahn" massgeblich mitbefeuert. 
Zur Corona-Zeit war er ebenfalls das Sprachrohr der Regierung und trat für einen Impfzwang, sowie für Grundrechtseinschränkungen für Skeptiker ein.
 
In einem Blogartikel bezeichnete er die Bombardierung der mit Flüchtlingen überfüllten Dresdner Innenstadt als richtig.
 
Vor der BTW sprach er sich für F.Merz aus und später attackierte er B. Höcke auf schäbige Weise.
 
Diesem Mann ist grundsätzlich nicht zu trauen.

Gracchus

5. September 2026 10:48

@dojon86: Richtig. Die Debatten sind etwas ermüdend. Liberalismus und Sozialismus sind tote Ideologien. Wenn Karon den Verlust von Heimat und Bindungen beklagt, dann ist der Liberalismus nicht die Adresse, wo man nach der Behebung des Problems sucht, man findet dort einen Teil der Ursache. 
Es ist vermutlich einem flachen Rationalismus geschuldet, gegenstrebige Fügungen (Heraklit) nicht denken zu können. Das Bedürfnis nach individueller Freiheit und Autonomie steht dem Bedürfnis nach Gemeinschaft, Geborgenheit, Anerkennung gegenüber. Beides ist legitim. Letzteres hat den Vorrang. Der Mensch ist ein soziales Wesen, ein Neugeborenes kann nicht allein überleben, ein Individuum kann sich allein nicht fortpflanzen. Für den Liberalen ist das ein Skandal - ich überspitze -, aus dem sich seine Maschinenträume generieren. 
 

Carsten Lucke

5. September 2026 11:26

@ Laurenz  10.17
Es zu bemängeln, daß jemand sich erst überlegen muß, was er sagt, scheint mir ein sehr origineller Ansatz für Kritik zu sein. Er paßt aber zu Ihnen !

dojon86

5. September 2026 12:54

@Rudolf Kayser Amish und Hochtechnologie.  Ja das wäre der rechte Traum gewesen. Und vielleicht auch mein Jugendtraum. Darum waren bei den Urvätern der Grünen auch manche mit rechtsextremer Vergangenheit. Aber das Komplettpaket der rechten als auch der linken Intellektuellen war niemals mehrheitsfähig. Im Endeffekt kam immer eine Karikatur heraus.

Waldgaenger aus Schwaben

5. September 2026 13:22

Der Rezension nach ein Buch so sinnvoll und notwendig wie der Ruf "Wir gehen unter! Wir werden alle sterben!" auf einem sinkenden Schiff. Dabei werden gerade, hoffentlich morgen schon, die ersten Rettungsboote zu Wasser gelassen. Um beim Bild zu bleiben: Sarah Wagenknechts BSW, dem Benedikt Kaiser nicht immer gänzlich abhold war, zeigt gerade wie man Löcher in Rettungsboote hackt, bevor sie zu Wasser gelassen werden.

Plus Ultra

5. September 2026 13:48

@Mitleser2 "Ich verstehe diese unterschwellige NIUS-Kritik nicht."
Der Punkt ist, dass es bei NIUS und anderen die so ticken, Shlomo spricht hier von Westextremen, nicht um die Verteidigung Deutschlands oder Europas, des Abendlands und seiner Völker, Werte und Kulturen geht, sondern um die Verteidigung dessen, was in einem sehr sehenswerten Beitrag des YT Kanals PaxTube als "Fake Westen" bezeichnet wird.
https://youtu.be/4aiK93lGu5Q?is=uIpVjqh2cDUWv7by
Das, was heute als der "Westen" und "westliche Werte" bezeichnet wird, ist demnach ein gekaperter Begriff, der ab 1945 mit einem neuen Inhalt gefüllt wurde. Nicht mehr Europa und seine Völker und Kulturen sind gemeint, sondern die US amerikanische Weltordnung mit ihrem einseitigen Verständnis von "Liberalismus", und außerdem eine dogmatische Parteinahme für Israel. Diese Modell ist nicht nur nicht identisch mit dem Interesse am Erhalt der abendländischen Zivilisation, sondern steht diesem Ziel sogar gleichgültig bis feindlich gegenüber. Ich erinnere hierbei übrigens auch an Äußerungen von Reichelt, wo er die Bombardierung von Dresden und sogar die Vertreibung von Teilen seiner eigenen Familie rechtfertigt.

anatol broder

5. September 2026 14:02

schulhof: du hurensohn, alter.
sin: du bastard, moderne.

Majestyk

5. September 2026 14:05

@ dojon86:
"Die Bioösterreicher hauten ab in die Staatsverwaltung und pendelte in den Wasserkopf Wien."
Und was hat das mit einem liberalen Markt zu tun? Bei mir gäbe es nur Minimalverwaltungen, wo man keineswegs mehr verdienen könnte als durch echte Arbeit. Mal abgesehen davon, daß ich persönlich noch nie geschrieben habe, daß ein jeweiliger Binnenmarkt nach außen geöffnet werden muß. Dieser europäische Binnenmarkt mit all seinen Subventionen ist ja genau das Gegenteil eines freien Marktes. 
Wenn ein Mensch für seinen Lebensunterhalt arbeiten muß, dann ist das keine Frage von Freiheit, sondern eine Selbstverständlichkeit. Nicht selbstverständlich ist, daß er von seinem Arbeitsertrag nicht einmal die Hälfte behalten darf und er sogar dafür Abgaben entrichten muß, weil es auf ein Grundstück regnet oder das Tier von dem sein Essen stammt angeblich schädliche Gase pupst.
In nur vier EU-Staaten kann man von der staatlichen Rente leben, Rumänien, Tschechien und mal gerade so in Polen und Spanien. Das vom Staat bzw. Suprastaat organisierte Leben ist wahlich eine Erfolgsgeschichte. 
@ Mitleser2:
Ich wähle AfD auch trotz der SolPats und nicht wegen jenen. Deren Einfluß wird gefühlt aber immer größer.

Majestyk

5. September 2026 14:20

@ Laurenz:
"NGOs verbieten?" 
Muß man meist gar nicht. Es reicht, denen den Finanzhahn abzudrehen, z. B. auch das Stiftungsrecht zu ändern. Aus ausländischen NGOs, die einem nicht passen, kann man austreten. Trump macht es vor.
Juristisches Personal kann man vom Bürger wählen lassen. In vielen europäischen Ländern, aber auch in Kanada ist Richtern oder Staatsanwälten eine Parteizugehörigkeit untersagt. Sollte man auch für hohe Militärs einführen. Die Unabhängigkeit der Justiz könnte man durch ein anderes Budgetrecht stärken. Die BRD ist ein Beispiel für Gewaltenvernetzung, statt Teilung.
Medienkonzentrationen kann man kartellrechtlich bekämpfen. Der ÖRR gehört in der Form, vor allem der Gebührenzwang eh abgeschafft. In Rundfunkräten könnten normale, parteiungebundene Bürger sitzen. Finanzspritzen an klamme Medienunternehmen dürfte es nicht geben. Ebenso nicht diese Dauersubvention des Kulturmarktes. 
Das Bildungswesen gehört grundlegend reformiert. Es braucht Studiengebühren, die man meinetwegen über Steuern zurückzahlen kann. Fördern sollte man was man braucht, nicht Orchideenfächer. Die würden sich auch nicht lohnen, wenn die Bürokratie nicht so aufgeplustert wäre und man die Unternehmen nicht gleichfalls zwingen würde Gerechtigkeitsbürokraten einzustellen. Im Grunde gehören alle Gesetze und Verordnungen der letzten 50 Jahre auf den Prüfstand und 80 Prozent kann man mindestens schreddern.

Majestyk

5. September 2026 14:24

@ Laurenz:
"Bismarck war der König des Machbaren."
Wenn Bismarck der König war, dann war Adenauer unter ungleich schlechteren Bedingungen der Kaiser.

Majestyk

5. September 2026 14:34

@ RMH:
"Was in der Tat "neu" ist, dass es seit einigen Jahrzehnten wieder Masseneinwanderungsbewegungen nach Europa gibt (gab es Zuzug Fremder in dieser Verhältnismäßigkeit seit der Zeit der sog. "Völkerwanderung" schon einmal?)"
Noch etwas ist neu. Zur Zeit der Völkerwanderung gab es Staaten in der Form, wie wir diese kennen noch gar nicht. Unsere Völkerwanderung wird in weiten Teilen gesteuert und von europäischen Staaten, bzw. deren Bündnis mindestens mal durch Unterlassung von Gegenmaßnahmen unterstützt, durch Anwerbung und Subventionierung von NGOs aber auch mit Steuergeldern finanziert. 
Wir alle werden durch Steuergesetze dazu genötigt unsere eigene Marginalisierung, Enteignung, Entrechtung, Verdrängung Ausdünnung zu finanzieren. Und ein Großteil der Bürger applaudiert noch dazu und diffamiert jeden der Kritik an diesen Zuständen übt. Das ist nicht nur neu, das ist ideologischer Wahnsinn im Endstadium.

Maiordomus

5. September 2026 15:51

doj86. Verstehe ich Sie richtig, dass es in der FPÖ aus ihrer Sicht keine liberalen Elemente mehr gibt? Immerhin schätzte ich Österreichs rechten Fernseh-u. youtubeVideo-Oberschwätzer, den bekennenden Schwulen, als relativ liberal ein, zumindest betr. Wirtschafts- und Sozialpolitik.
@Mitleser2. SolPat=Abkürzung, die sich ohne Publikationen von BK wenigen erschliesst, wenigstens nicht unsereinem, der in Jugend und Studentenjahren noch Röpke gelesen hat. Dieser war im heutigen Sinn nicht neoliberal, eher konservativ mit bejahender Sicht des Mittelstandes, ohne den meines Erachtens auch FPÖ kaum Wahlen gewinnen kann, für die AfD ebenfalls relevanter als das heute kaum mehr existierende, weil verwöhnt gewordene Lumpenproletariat.                     @GK Würde Ihnen mutmasslich näher stehen, wollten Sie sich mit den älteren Theorien von Christlichsozialen auseinandersetzen, so dem berühmten, im Alter von einiges über 100 Jahre vor ca. 30 Jahren verstorbenen Jesuiten, der konstruktiv über Zusammenspiel von Solidarität und Subsidiarität nachdachte. U.a. besuchte @Monika Vorlesungen von ihm. Wie hiess er gleich?     

Maiordomus

5. September 2026 16:05

@L. Sie sehen richtig, dass GK beim Interview mit Köppel rhetorisch und inhaltlich nicht seine Normalform erreichte. Die beiden passen nun mal nicht zusammen. Köppel versucht konservativ, rechts, liberal und sogar "christlich" bzw. theologisch und auch intellektuell zu sein. Es gelingt ihm aber selten. Die Bücher, die er fast täglich vorstellt, sind fast immer nur angelesen, und selbst über Neutralität oder russische Geschichte scheint er nur bedingt eingearbeitet zu sein bei manchmal durchaus interessanten Kontakten. Für die Volksabstimmung über die Wiederherstellung der Neutralität wirkt er kontraproduktiv im Gegensatz zur Neuen Zürcher Zeitung in der Zeit des 2. Weltkrieges, welche trotz klarer Haltung das internationale Geschehen weit zurückhaltender kommentierte und damit den Interessen der Schweiz den Vorrang gab im Vergleich zu journalistischem Bedürfnis, Aufsehen zu erregen.   

Ein gebuertiger Hesse

5. September 2026 17:35

@Raeuspern
Klingt gut nach Aug in Aug. Und klingt nach gutem Schwager.

Laurenz

5. September 2026 22:21

@Carsten Lucke @L. ... Hab gar keine Kritik geübt. Schätze, 40% der Zeitschrift Sezession werden vom (arbeitslosen) politischen Gegner & VS bestellt. Können Sie Sich an Hangar-7 mit Kubitschek, Broder & den 3 Hanswursten (04.04.2019) erinnern? Die Hanswurste fokussierten auf einen einzigen Satz aus allen! Publikationen GKs. Was für eine lächerliche ABM-Maßnahme, die aber die Systematik verdeutlicht. GK muß Sich also immer überlegen, was Er sagt oder uns hier sagen läßt. Köppel verfügt über 474k YouTube-Abos, eine Hausnummer. Jemand, der polarisiert, wie GK, spricht dann über Stunden überlegt. Ich konsumiere aber mehr GK, als jeden Politiker, inkl. Höcke. Das GK-Angebot ist aber begrenzt, weil Er meist (unterstelle ich) was anderes macht, als Reden schwingen, Artikel/Bücher verfassen. Ich bin Nachrichten/Artikel-Lese-Profi. Habe immer 10 politisch unterschiedliche Seiten offen & kann mit einem Blick, das Interessante, Neue, Dämliche, Ausgelutschte selektieren. Klicke permanent auf YouTube >> nach vorne. Bei mir dauert eine 15 Min.-Tim-Kellner-Schau max. 5 Min. Bin vielleicht kein tachistkopischer Leser, aber fast. Das Kommentieren hier ist einfach, schreiben ist nicht reden. Wenn ich anfange zu reden, muß ich viel mehr aufpassen, weil sich mein Charakter genauso gerne reden hört, wie dies zB beim Narziß Poschardt der Fall ist. Bei Podiums-Moderationen ist GK immer flüssiger, weil Er einerseits Fragen vorbereitet hat & andere reden. Da ist immer Zeit, die nächste Frage, auch aus dem Affekt, bereits formuliert zu haben.

Laurenz

5. September 2026 22:34

@Maiordomus @L. ... sehen richtig, dass GK beim Interview mit Köppel rhetorisch und inhaltlich nicht seine Normalform erreichte. ... Ich sehe das gar nicht so. Wie wäre es, wenn Sie bei Köppel sitzen würden? Ich erachte auch Ihre Kritik an Köppel nicht ganz als treffend. Journalismus ist nur bedingt eine Frage von Bildung. Deswegen sind Sie, Maiordomus, ja auch kein Journalist. Aber Sie rochen den Braten fast. Man merkte sofort, Köppel liest nicht oder besser gesagt, nie, auch nicht ab & an, auf der Sezession mit. Deswegen klangen für uns SiN-Leser mindestens 20% der Fragen Köppels unsinnig, sinnlos, weil wir über einen gewaltigen Informationsvorsprung verfügen. Aber das wußte GK vorher. Mich fragt keiner nach einem Interview, aber ich könnte auch keines geben. Denn, ich würde sofort meinem Gegenüber Schwachsinnsfragen mit Gegenfragen um die Ohren hauen, vor allem bei Fragen der Moral. Im Falle Köppels, die Schweizer lebten schon immer davon, tausenden Mafia-Bossen & Gangstern Asyl zu gewähren, zumindest solange sie Geld haben.

Paavo

5. September 2026 23:12

Ergänzend zur obigen Besprechung habe ich noch diese Buchbesprechung von Werner Olles zum besprochenen Buch gefunden. Olles Besprechung finde ich insofern interessant und relevent, weil sie nicht einfach mit der üblichen konservativen oder rechten Kulturkritik gleichzusetzen ist sondern um eine weitere Perspektive ergänzt: Während Kaiser das Buch aus der heutigen "Neuen Rechten" heraus bewertet, kommt Olles aus einer ehemals linksradikalen, inzwischen nationalrevolutionären Position mit traditionalistischen und antikapitalistischen Elementen. Das macht seine Zustimmung zu Karons Kapitalismus- und Modernisierungskritik besonders aufschlußreich. Auch deshalb, weil hier ein gewisser Vergleich zweier unterschiedlicher Stränge der zeitgenössischen Rechten ermöglicht wird. : Bastardmoderne, Werner Olles: https://wir-selbst.com/2026/07/10/bastardmoderne/

Diogenes

5. September 2026 23:22

@Majestyk"Wenn Bismarck der König war, dann war Adenauer unter ungleich schlechteren Bedingungen der Kaiser."
 
Und der Einäugige ist der König unter den Blinden. Schon (un)interessant was hier für belangloser Einsatzkommentar veröffentlich wird, während tiefergreifendes im "Nichts", wie es Ende in "Die Unendliche Geschichte" skizziert, schwindet (die Menschen können sich aus der Bahn Geworfenes ohne 0815 vorstellen, festgegakt im Materialismus) die Gabe der Vorstellung und wird ersetzt durch Werbung und Einrede von Externen Mechanismen. Arme Welt. Armes Deutschland. "Sei leichtfüßig, denn du schreitest auf den Träumen und Wirklichkeiten derer, die vor die wahren!" 

Maiordomus

6. September 2026 06:53

@Zu 5. Sept. 15.51: Meinte mit "würde Ihnen mutmasslich näher stehen" nicht GK (Kubitschek), sondern BK, Benedikt Kaiser, den Theoretiker des "Solidarischen Patriotismus", eine Orientierung, die zu respektieren ist. Regte aber an, sich vermehrt mit Klassikern christlichsozialen Gedankengutes auseinanderzusetzen, u.a. mit den zwar Jahrzehnte zurückliegenden päpstlichen Enzykliken, die sich aus dem Spannungsfeld zwischen Subsidiarität und Solidarität ernsthaft mit der sozialen Frage auseinandergesetzt haben. Dass man heutige deutsche Bischöfe bei politischen Stellungnahmen nicht mehr ernst nehmen kann, den braven Herrn Arnold inbegriffen, der von der Akademie Meissen in die sächsische Staatskanzlei wechselte, ändert nichts daran, dass es einst von dieser Seite Bedenkenswertes zur Sozialpolitik gab. "Christlichsozial" war mal erfolgreich. 
Zu heute: Bei den einen, so CDU, ist es eine lost-lost Konstellation, bei anderen geht es in Richtung win-win. Eine Stimme "zu viel" über dem absoluten Mehr wäre nicht unproblematisch, weil bei Streit/Unzufriedenheit ein einziger "Meutherich" alles platzen lassen könnte, ein paar Sitze "zu wenig" eine vielleicht komfortablere Ausgangslage. Erwartungen scheinen mir noch etwas (zu) euphorisch.  

Diogenes

6. September 2026 07:55

"Er läßt dabei kaum einen Stein auf dem anderen: luzide Liberalismus- und Kapitalismuskritik auf Höhe der Zeit, die er mit einer radikalen Linkenschelte und hochaktuellen Beispielfällen aus Kultur, Fußball und Alltag koppelt, so daß die Analyse ihren Platz im Leben jedes einzelnen Lesers findet – der praktische Reportageprofi Karon entdeckt hier seine theorieaffine Seite und verbindet beides zu einer ziemlich originellen Mixtur, die zudem – wie von Karons Nius-Publizistik bekannt – in einem sehr persönlichen, sehr speziellen Ton daherkommt."
 
Kritik an der der int. Hochfinanz (Kritik am Kapital und dessen Ismus-Trägern) ist wie die Kritik an der Obrigkeit (darf nicht sein im Deutschen Denken = sonst "Nazi", also "Das Böse") - sie ist sauer, schneidend, ätzend. Am Grunde wo die Wurzel wächst, ist Kritik anzusetzen. Ach, "Nius" ist nicht für spezielle Tonhöhen bekannt, sondern grobschlächtig: "Stock im Arsch habende politische Dogmatiker/PRsten". Der Bildmann macht halt sein Ding! Ich zähle "Nius" zu den "U-Booten", also nicht ernst zu nehmen... Zurück zum Hamsterrad, dem Gefängnis, das Grenzen als allg.  Erziehungsdoktrin des jeweiligen Systems setzt. -Geht es darum? Oder geht es nur um die Person? Wenn ich letzten's öfter böse "verrückt/klang", dann liegt das an persönlichen Schicksalsschlägen/Verlusten. Ich nenne das auch nicht böse sondern "ernst"! 

Mitleser2

6. September 2026 07:59

@Valjean72, Plus Ultra: Sie schreiben über Schlachten der Vergangenheit. Sind Sie der Meinung, niemand könne sich ändern? Und unabhängog von der Person Reichelt, wollen Sie die Nützlichkeit (und ja, Wichtigkeit) von NIUS und Apollo für die rechte Sache bestreiten? Und wenn ja, was möchten Sie denn stattdessen?

dojon86

6. September 2026 08:07

@Majestyk Sie haben das Recht einer Nation, ihren Binnenmarkt zu schützen, nie bestritten. Das stimmt wohl. Allerdings ist das eigentlich ein illiberaler Standpunkt und nur durch einen Staat zu gewährleisten. Was übrigens die Höhe der staatlichen Rente betrifft. Ich weiß, da sind die Verhältnisse in Deutschland schlecht. In Österreich kann man von einer staatlichen Rente durchaus leben. Sicher, man muss seine Konsumgewohnheiten anpassen. Ich verzichtete auf mein Auto und leiste mir dafür eine nicht ganz billige Jahreskarte für den gesamten ÖPNV in Österreich, mache kaum Urlaub im Ausland (letzteres fällt mir zugegeben nicht ganz leicht) und lebe von der staatlichen Rente nicht so schlecht. (Ich war kein Beamter)

dojon86

6. September 2026 08:19

@Maiordomus Natürlich gibt es in der FPÖ noch rechtsliberale Elemente. Diese sind an der Spitze der Partei, obwohl zahlenmäßig schwach, durchaus einflussreich aber nicht mehr bestimmend. Ich weiß nicht, ob ihnen bewußt ist, dass bei der Gründung der FPÖ diese in der Mehrzahl aus ehemaligen NSDAP Mitgliedern bestand. Aber das liberale Element  bringt keine Wählerstimmen. Die Masse der Wähler sind mittlerweile bioösterreichische Arbeiter. Und die wählen die FPÖ sicher nicht wegen sondern trotz einiger weniger Rechtsliberaler an der Spitze. 

Rudolf Kayser

6. September 2026 08:37

@laurenz, Ich wollte hier garnicht auf GK im Speziellen Bezug nehmen oder ihm Träumerisches unterstellen oder überhaupt Träumerisches schlecht machen. Mir ging es nur darum, anzudeuten, dass die Moderne oder die Bastardmoderne, und das gilt auch seit Bismarck, eben ein diabolisches Angebot macht: Horizontüberschreitung macht glücklich, reich, wohlständig und bedeutend. Technologie, Dampfmaschinen, Lokomotiven lösen unsere Probleme. Weltmeisterschaft schlägt Ortsmeisterschaft. Es muss ein (zentralistisch) gedachter Kaiser oder ein Bismarck sein, der uns eint, der uns rettet. Das Reich deutscher Nation musste eben "römisch" sein etc.  Mit Ortsmeisterschaft gibt sich der Deutsche nie zufrieden. Das wurde alles schon zig mal analysiert. Und besser gesagt. Weil er immer Weltmeister sein möchte, meistert er seinen Ort nicht. Und vielleicht gibt es die amish people nur deshalb so bewundernswert lange, weil sie als Deutschsprachige in die Welt gezogen sind. Durch einen Akt maximaler Grenzüberschreitung als Auswanderer kamen sie erst dahin, wo sie immer schon waren.  Erst in der maximalen Heimatlosigkeit und in der Fremde konnten sie erfahren, was ein echter Ort wirklich ist. Und was es heisst, seinen Ort zu meistern, statt Weltmeister sein zu wollen. 

Laurenz

6. September 2026 09:03

@Mitleser2 @Valjean72 ... völlig richtig, Mitleser2, niemand ändert etwas, außer, wenn er muß. Das gilt für Reichelt, wie für den Wähler. Merkel mußte bisher nichts ändern. Nius hat eine Reichweite von 589k Abos bei YouTube. Aber angesichts der Kohle, die Gotthardt da reinsteckt, ist das eher mal dürftig. Nius arbeitet schwer defizitär. Gotthardt ist Ehrenvorsitzender des Wirtschaftsrats der CDU in Rheinland-Pfalz & der besondere Spezi unserer Weinkönigin. Der heute rechtspopulistische Ton von Nius bringt natürlich auch Ärger mit der Union. Aber, wenn sich Reichelt der Propaganda des ÖRR anschließen würde, könnte er gleich den Laden zumachen. Insofern darf man sehr wohl die Authentizität von Nius in Frage stellen. ...

Maiordomus

6. September 2026 09:12

@Diogenes. Natürlich darf Adenauer, von Schumacher als "Kanzler der Alliierten" beschimpft, nicht überschätzt werden, aber noch viel weniger unterschätzt. Er war tatsächlich echt schlau und in komplexen Situationen berechnend, dabei konsequent das situativ Beste für Deutschland herausholen wollend, was ihm häufiger gelungen ist als misslungen. Vom internationalen Ansehen her als deutscher Politiker unerreicht, auch nicht von Brandt, von dessen "Kniefall-Politik" sich Deutschland ausser Sympathiepunkten nie was kaufen konnte. Bei Adenauer ging es so gut wie immer um handfeste Interessen. Selbst die Wiedergutmachung an die Juden verkaufte er unverfroren und beinahe zynisch unter diesem Titel. Einen grösseren Unterschied zum Adenauer-Bus als Adenauer selber gibt es kaum, wiewohl es stimmen mag, dass er bei schneller Wiedervereinigung eine zu linke und zu preussische Ex-DDR fürchtete, selber eher ein konservativer westlicher Zentrist war als ein Deutschnationaler. Papen schätzte er 1933 als dumm und verantwortungsunfähig ein, wiewohl dieser dank zwar bedeutenden Redenschreibern 1934 in Marburg immerhin die Rede seines Lebens hielt. Sie ersparte diesem in Nürnberg eine Gefängnis-Strafe.   

Plus Ultra

6. September 2026 10:57

@Mitleser2 Die Nützlichkeit der genannten Portale für die "rechte Sache" will ich grundsätzlich nicht bestreiten, da es unbestreitbar Schnittmengen in der Programmatik gibt, und speziell NIUS große Reichweiten generieren kann. Allerdings sollte das Verhältnis des rechten Lagers zu diesen Akteuren strategischer Natur sein. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass sie nicht wirklich auf "unserer Seite" stehen. Mit "uns" meine ich alle, für die das deutsche Volk an erster Stelle steht. Das ist bei diesen "Westextremen" nämlich nicht der Fall. Sie stehen auf der Seite des "Westens", ihre Loyalität gehört zuerst dem Hegemon und dessen Macht- und Werteordnung. Deutschland wird nur als Ableitung dessen, nur weil und nur solange wir Teil des "Wertewestens" sind, unterstützt. 
 
Diese Leute vertreten ausdrücklich keinen ethnokulturellen Volksbegriff, unsere gewachse Kultur ist ihnen egal. Daher sind die Äußerungen Reichelts über Dresden und die Vertreibungen auch nach seiner politischen Wendung gefallen, er vertritt das nach wie vor. Weiterhin bemerkte hier jemand kürzlich, dass die Islamisierung eine Folge der Amerikanisierung des Landes ist. Deswegen geht es auch nicht um "Schlachten der Vergangenheit". Deutschland und Europa hätten im Zuge der sich herausbildenden multipolaren Weltordnung die reale Möglichkeit, sich aus der US Hegemonie zu lösen. Allerdings nicht, wenn wir solche Westextremen in die vielleicht demnächst regierende rechte Wahlpartei hineinwirken lassen. 
 

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