Omur und Eckhart. Türke und Boomer

"Ich brauche diesen Auszeit jetzt. Genau diesen, genau jetzt. Ich werde in den nächsten Tagen vieles schweigen. Aber, haha, heute hatte ich Wein und Sie muß mich kennen ein wenig." Onur saß mir breitbeinig gegenüber und schmauchte einen fetten Zigarillo.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Er hat­te einen statt­li­chen Embon­point ange­setzt, er gefiel sich. Irgend­wann, da kann­te ich ihn schon „ein wenig“, also viel­leicht seit einer hal­ben Stun­de, frag­te ich ihn nach sei­nem Alter. Er zier­te sich über­trie­ben und hat­te eine Phi­lo­so­phie dazu, „weißt Du, was soll Alter nach Zahlen…“.

Unter Pfer­de­leu­ten duzt man sich immer und sofort. So will es die Regel.

Mit uns ritt Nadi­ne aus der Tsche­chei. Auch sie, neun­und­zwan­zig, „aus der inter­na­tio­na­len Gas­tro­no­mie kom­mend“ und daher poly­glott, lausch­te Onur. Wir begeg­ne­ten uns als Wan­der­rei­ter und hat­ten hier, im öst­li­chen Mit­tel­eu­ro­pa, einen Fünf­ta­gesritt gebucht. Heißt: Früh auf´s Pferd, am Nach­mit­tag abstei­gen, dazwi­schen sechs Stun­den in Schritt, Trab, Galopp durch Wäl­der und Felder.

Mit Nadi­ne kam ich auf ein Dop­pel­zim­mer, Nut­zung von Bad & WC zu viert. Onur hat­te „delu­xe“, also nicht nur Ein­zel­zim­mer. Er hat­te hin­zu 3x Mas­sa­ge, 1x Pedi­kü­re, 2x Sau­na gebucht.

Du wirst fra­gen, war­um macht Onur das. Hat er zuviel des Gel­des. Hat er. Aber er hat zuglei­chen gro­ßen Kum­mer, und weil er zu Zei­ten vie­les schwei­gen wird, sagt er nun an.

Onurs Vater ist im Juni 2026 ver­stor­ben, im Alter von 82. Sei­ne Mut­ter starb gleich drei Wochen spä­ter, „nur neun­und­sech­zig, aber weißt du, es ist die Sache mit schlech­te Gene oder gute Gene.“

Onur hat die guten Gene geerbt. (Sagt er.) Daher konn­te er auch den Trend der Wei­ter­ent­wick­lung beflü­geln, also den Auf­wind, in dem er sei­ne Genea­lo­gie sah. Sein Vater war Pfer­de­züch­ter gewe­sen in der Nähe von Izmir. Sehr erfolg­reich zu sei­ner Zeit, drit­te Gene­ra­ti­on, erzähl­te Onur, „aber ver­gan­ge­ne Zeit.“ Er, Onur, habe mit „Pfer­de­sa­chen“ auf­ge­hört und sei Geschäfts­mann gewor­den. Inter­na­tio­nal, aber noch tie­fer inter­na­tio­nal als Nadine.

Nun, der Tod des Vaters berüh­re ihn weit­aus tie­fer, als „ihr euro­päi­sche Ladies vor­stel­len wollt.“ Ein tür­ki­scher „Vater­tod“ sei etwas völ­lig ande­res als der Tod eines „euro­päi­schen“ Vaters. Die Euro­pä­er, so Onurs The­se, hät­ten pro Per­son maxi­mal ein Kind. Ein Ehe­paar also zwei Kin­der – nach­voll­zieh­bar und wahr, im Schnitt.

Bei ihm sei es völ­lig anders, und das könn­ten wir uns nicht vor­stel­len (ich sag­te dazu nichts): Sei­ne Eltern hät­ten zusam­men­ge­zählt elf Geschwis­ter. Er hät­te 32 Cou­sins und Cou­si­nen, hin­zu zwei Geschwis­ter. (Ich warf ein, daß das ein kras­ser demo­gra­phi­scher Nie­der­gang sei inner­halb zwei­er Gene­ra­ti­on. Er ging nicht drauf ein. Er woll­te ohne­hin bloß reden.)

Der Abschied von sei­nem Vater habe ihn extrem mit­ge­nom­men. Man möge sich mal so eine Beer­di­gung mit 250 Per­so­nen vor­stel­len. Ein gan­zes Leben – und wie er ihn ver­ehrt habe, den Vater! Wir Deut­schen (er gemein­de­te Nadi­ne ein) hät­ten GAR KEIN BEGRIFF VON DEM. Es folg­te ein Trak­tat über tür­ki­sche Vater­lie­be, und wie tief die säße.

Kein Tür­ke wür­de sagen: geh Alten­heim, Vater. Ihr Deut­sche seid in mei­nem Auge bekloppt.

Na gut, drit­ter Wein. Die­ser Ritt mit all sei­nem Luxus sei also auch als Abschieds­tour von sei­nem Vater, dem Pfer­de­züch­ter, zu verstehen.

Ich grei­fe vor: Onur schwieg die nächs­ten Tage tat­säch­lich. Nahe­zu völ­lig, als hät­te er ein Gelüb­de abge­ge­ben. Manch­mal ver­such­te Nadi­ne ihn auf­zu­hei­tern, ver­geb­lich. Er saß auf sei­nem Pferd wie ein Sack, ein trau­ri­ger Sack. Onur schwieg, versunken.

Damals, an jenem spä­ten Nach­mit­tag in Ost­mit­tel­eu­ro­pa, war­te­ten wir noch auf die bei­den deut­schen Mitreiter.

Eck­hart und Ani­ta hat­ten sich im Gewu­sel zwi­schen hap­ti­scher Land­kar­te und Goog­le Maps völ­lig ver­tan. Klas­si­sche Boo­mer, west­deutsch. Eck­hart ent­schied nach dem ers­ten über­fröh­li­chen „Hal­li­hal­lo“, daß wir alle mit­ein­an­der Eng­lisch spre­chen soll­ten. Das gebie­te die schie­re Höf­lich­keit, und „gera­de wir als Deut­sche…“ Eck­hart war der Typ, der einen Raum betritt und gewohnt ist, daß fort­an alle Augen ihm fol­gen. Laut, ker­nig, durch­aus charismatisch.

Nagut! Also nun in eng­lish! Damit hat­te auch nie­mand ein Pro­blem, außer Eck­hart und Ani­ta. „I know not ze Word, I have to zink how I can expla­ni­se…“ So it go ze foll­ou days.

Wir hat­ten dann am Abend eine Pro­be­reit­stun­de, damit unse­re Ritt­füh­re­rin Son­ja uns pas­sen­de Pfer­de für die kom­men­den fünf Tage zutei­len konn­te. Es kam zu sage und schrei­be fünf Stür­zen.  Son­ja hat­te der­glei­chen nie erlebt. Onur (sack­ar­tig) bekam eine Schon­frist (die er über­ste­hen wür­de): die bei­den Boo­mer muß­ten lei­der vom Ritt aus­ge­schlos­sen werden.

Und nun folgt die Geschich­te, war­um Boo­mer Boo­mer sind und was so abscheu­lich ist an ihnen. (Wobei ich ein­schrän­ken muß: Je näher du einer Per­son kommst, wenn du ihr stun­den­lang dein Ohr öff­nest – du wirst viel Mit­ge­fühl in dir erwe­cken und fest­stel­len: auch die­ser Mensch hat ein Schick­sal zu tragen.)

Eck­hart war stink­sauer. Er (der auf dem armem Pferd hing wie ein Zement­klotz, Hän­de hoch!) war näm­lich bereits in Grie­chen­land gerit­ten, auf Java, in der Mon­go­lei, „im Out­back“, in Mol­da­wi­en, „im Sou­thwest“ und eigent­lich über­all, und nie­mand hat­te je was dage­gen gehabt!

Hier nun schon, und er wür­de fort­an reich­lich über die­se per­sön­li­che Krän­kung schwa­dro­nie­ren. Stun­den­lang. Nun durf­ten die bei­den sport­li­chen Alten uns auf Draht­eseln beglei­ten, von Her­ber­ge zu Herberge.

Im Über­schwang (und wohl um ah!s und oh!s aus­zu­lö­sen, die aber aus­blie­ben, weil außer mir nie­mand so genau sei­nem Schwall lausch­te) hat­te Eck­hart erzählt, er sei ja „vor dem Krieg“ gebo­ren. Stell­te sich spä­ter her­aus – er war Jahr­gang 1944, wozu also über­trei­ben um fünf Jah­re? Gut, er sah nicht aus wie 82, eher wie 65. Sein Ehe­ge­spons, das drit­te, war 63.

Eck­hart und Ani­ta waren soge­nann­te Viel­ge­reis­te. Rei­sen war ihr Hob­by.  „Immer total indi­vi­du­ell, nichts mit so Kreuz­fahr­ten!“ Eck­hart wuß­te nicht nur alles. Er wuß­te alles bes­ser! Viel, viel bes­ser. Er hat­te bereits acht Bücher ver­öf­fent­licht. Erwähn­te er mehr­fach. Rei­se­ta­ge­bü­cher… ich hab nach­ge­schaut, er muß aus Eitel­keit ordent­lich drauf­ge­zahlt haben.

Wäh­rend der feis­te Onur nun all die Tage tat­säch­lich stur sein Schwei­gen hielt, plap­per­te der drah­ti­ge Eck­hart (drei Kin­der aus zwei Ehen, jeweils Kon­takt­ab­bruch) umso mehr. Klas­sisch: Er war damals („it was 2016?“-„no, it was 2017, in ze June“ – „no, it was in ze Dschul­ei“; die Ehe­part­ner strit­ten sich stets hef­tig über Details) irgend­wo, wo sich irgend­et­was ereig­net hat­te. Eck­art wie Ani­ta hat­ten ihre Han­dys parat, auf Weit­sich­tig­keit gestellt, und wir ande­ren beka­men Pho­tos und Rou­ten von anno­da­zu­mal gezeigt und durf­ten stau­nen. Ich sag­te Sachen wie „kraß, die­se unheim­li­che Wei­te!“, dabei lang­weil­te mich die­ser Stuff unheim­lich. Ich schau­te mir unglaub­lich vie­le unglaub­li­che Auf­nah­men an. Ich sah inter­es­san­te Vögel und inter­es­san­te Pflanzen.

Mein Lieb­lings­stück mit Eck­hart war das: Ich hat­te ein­mal erzählt, daß ich „süd­lich von Hal­le“ käme. Ander­mal, daß die Gegend „Saa­le-Unstrut“ sei. Irgend­wann erwähn­te ich, daß ich „bei Naum­burg“ wohnte.

Eck­hart, jäh: „Bit­te? Naum­burg? Da kom­me ich doch her!“ – Ich: „Nee… wirk­lich? Ihr kommt doch aus Köln?“ – Eck­hart: „Das ist ver­rückt!! Sie kennt Uta und Ekke­hart nicht, die Stif­ter­fi­gu­ren aus dem Naum­bur­ger Dom!“ Mit genau die­sem Spruch began­nen die letz­ten Tage. Was für ein Elend es doch sei, daß ich den Ekke­hart nicht kenne!

Eck­hart hat­te mir auch sei­ne poli­ti­sche „Sicht der Din­ge“ unge­fragt haar­klein dar­ge­legt. Er schlot­te­re vor Angst „wegen Sach­sen-Anhalt“. Als ich nach­frag­te, kam nichts zurück. Er war nicht der Typ, der Ant­wor­ten gab und auf ein Gespräch oder sogar auf eine Dis­kus­si­on aus war. Er hat­te ja sein Welt­bild, das genüg­te. Ver­mut­lich war des­halb Onur sein liebs­ter Gesprächs­part­ner: Der schwieg nach dem ers­ten Tag ein­fach. E. fiel es nicht ein­mal auf.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (65)

Alex Schleyer

13. September 2026 11:39

Diese Eckhardts und Anitas schwadronieren unglaublich gern und viel, leben im Altbau-Eigentum und fühlen sich mit ihrer Reiserei in Rente total weltoffen. In Wirklichkeit sind die aber noch nie in einem drogenverseuchten 30-Dollar-Motel im ländlichen Kentucky abgestiegen oder haben im Tausch gegen ein paar Englisch-Stunden mit nepalesischen Bergbauern in einer unbeheizten Hütte gefroren, weil sie sich gar nicht trauen würden, die Komfortzone wirklich zu verlassen und es sie auch gar nicht interessiert. Das sind die Typen, die auf dem Food Market in Bangkok mit Desinfektionsspray herumspritzen und über "ihre" Flüchtlinge wie über ihre Kinder reden, solange sie nicht im gleichen Kiez wohnen. Ich wäre Team Omur. 

Laurenz

13. September 2026 12:11

Hatte mal ne Freundin mit 3 Arabern (Pferde). Mit dem einen gingen wir mal spazieren & ließ mich überreden, aufzusitzen (ohne Sattel), das Pferd mit mir im Schritt. Nach 200 Metern bin ich herunter gepurzelt. War nicht so schlimm. So ein Araber hat nur ein Stockmaß von 1,65. Und am Waldrand war das eher Wiese als ein Weg. Franz Bettinger ist oder war Bergsteiger, erkundete neue Wildwasser. Manche betreiben Autorennen außerhalb einer Rennstrecke oder gehen in die Kirche. Irre & Wahnsinnige gibt es überall zuhauf. Man muß sich nur umschauen oder Artikel lesen.

RMH

13. September 2026 12:54

Der wesentliche Erkenntnisgewinn dieses Artikel ist, dass die Autorin, trotz mittlerweile einer gewissen Bekanntheit & "we google everyzing", offenbar inkognito reisen kann. Dass ist positiv & ich wünsche Frau Kositza, dass Sie das auch weiterhin tun kann. Der Eckhart ist noch Kriegsgeneration & kein Boomer. Aufgrund eigenen Falles in der Familie, Jahrgang 42, würde ich dem Herrn eine neurologische Untersuchung anraten. Bei unserem Familienmitglied war das ein auf den ersten Blick kernfitter, sehr schlanker Renter, der sein Leben lang sich bewegte & sich "gesund" ernährte, der aber immer steifer wurde, Probleme mit der Haltung bekam, etwas seltsam wurde (war aber immer der schweigsame Typ, daher keine Laberanfälle) & bei der Untersuchung in der Röhre kam dann die Wahrheit ans Tage, die selbst die Ärzte verblüffte, er war hochgradig dement. Gut, er war in fitten Jahren auch ein hochintelligenter Ingenieur, der entsprechend viel "abbauen" konnte, bis was auffgefallen ist, aber dann war das Ergebnis doch überraschend. Insofern sahen & hörten Sie, Frau Kositza, eventuell bereits das Rieseln vom Kalk. Sehe ich daher nicht als tauglich für Verallgemeinerungen.
@Alex Schleyer, klar, der edle Wilde ... die eigenen Landsleute sind nur Schwätzer ohne Ahnung & Erfahrung. Warum will man dann eigentlich dieses Land mit seinen Schwätzern retten?

heinrichbrueck

13. September 2026 13:03

"Ich wäre Team Onur." – Also Team Schleyer. 

Blue Angel

13. September 2026 13:54

Obwohl Buhmer wäre ich bei keinem der Vorgestellten im Team. Aber schön zu wissen, daß es tatsächlich verantwortungsbewußte Vorreiter gibt, denen das Wohl der Pferde was bedeutet, und daß Frau Kositza soviel Geduld und gute Nerven hat. "Mein" Pferd bei diesem Wanderritt zumindest hätte sich in größtmöglichem Abstand zu Eckhart und Omur bewegt...

Hartwig aus LG8

13. September 2026 14:06

Kositza,  ju meid mai dei.

anatol broder

13. September 2026 14:29

ich bedauere onur (mit n) aufrichtig. meine leidenschaft für musik bringt mich regelmässig in ähnliche lagen. vor einer woche verliess ich ein jazz-konzert bereits nach einer halben stunde, wobei ich dem kenner der deutschen kulturlandschaft die hässlichen einzelheiten erspare.

Karl

13. September 2026 14:56

Weder Team Omur noch Team Eckhart. Das Schema ist zu bequem und macht aus einer Begegnung zwei Schablonen. Eckhart in diesem Text ist ein klarer Typus: viel Gerede, wenig Zuhören, Komfortreise als Weltoffenheit, die eigene Biografie als fortlaufende Diashow. Solche Leute gibt es. Aber sie sind nicht „die" Boomer. Derselbe Mix aus Narzissmus, Anywhere-Attitüde und geschlossenem Weltbild sitzt genauso bei Jüngeren – oft noch schärfer. Bei manchem älteren Schwadroneur steht wenigstens noch irgendwo eine  Lebensleistung im Hintergrund. Altbau-Eigentum und Food-Market-Desinfektionsspray sind keine Jahrgangsmerkmale. Omurs Schweigen wirkt in der Szene würdevoll, weil es an Trauer gebunden ist. Das nimmt man ihm ab. Es macht ihn aber nicht automatisch zum Gegenentwurf. Wer wenig sagt, bietet wenig Angriffsfläche – fertig. Ob dahinter Standfestigkeit, Desinteresse oder nur eine andere Form von Selbstbezogenheit steht, bleibt offen. Man sollte aus der Abwesenheit von Peinlichkeit nicht gleich Charakter ableiten. Der interessante Punkt im Text ist nicht die Wahl zwischen Türke und Boomer, sondern dass Nähe bei beiden etwas Menschliches sichtbar macht – und dass man trotzdem nicht so tun muss, als sei der eine Typus die Lösung für den anderen.

Ein gebuertiger Hesse

13. September 2026 15:33

Haha! Großartig. Bitte noch mehr von diesen situativen Zeit-Bildern.

Noch ein Hesse

13. September 2026 17:14

Interessant. 1944 hätte ich jetzt auch nicht mehr unter die sog. Boomer gepackt - wobei ich den sehr us-amerikanischen Ausdruck sowieso nicht mag. Das Benehmen passt aber, leider. - Mäßiger Erkenntnisgewinn, aber sehr unterhaltsam geschrieben, für mich gerne mehr davon.

Adler und Drache

13. September 2026 17:39

Ich weiß nicht, ob es "phonophor" noch gibt; wenn ja, wäre dieser Text dort besser aufgehoben. Interessant ist er durch die Verweigerung des üblichen Empathiezolls bei der Schilderung der Menschen und ihres Charakters, die Autorin ist "unbestechlicher Beobachter" mit dem Leitspruch "Physiognomie lügt nie". Das ist an sich ein literarisches Programm und gibt dem Text diesen speziellen kühlen und distanzierten Unterton. Dabei gleitet die Darstellung nicht ins Ironische/Satirische (Gott sei Dank!!) und auch nicht ins politische oder sonstwie Wertende - vielmehr bleibt etwas in der Schwebe und damit in einer (nicht aufgelösten und evtl. nicht auflösbaren) Spannung. Man wird als Leser vor ein "Sosein", vor ein Segment der Wirklichkeit hingestellt, das weitgehend beziehungslos zu Kontexten, wie auf einer Bühne unter einem Lichtkegel präsentiert wird.  
Hatte die Schilderung der Begegnung mit der arabischen Großfamilie am Badesee noch eine finale "Moral", so wird hier darauf verzichtet. Allerdings bricht dieser Satz den Stil und damit die Spannung des Textes: Und nun folgt die Geschichte, warum Boomer Boomer sind und was so abscheulich ist an ihnen. Hier wird der Leser überflüssigerweise "eingenordet". Ich würde raten, darauf zu verzichten. Das Charakterbild ist stark genug und bedarf des Erzählerkommentars nicht.  
Kommt mehr davon? Diese Texte könnten so'ne Art "neue Kalendergeschichten" werden. Reizvoll!
 

Wuwwerboezer

13. September 2026 18:17

Die Grünen hatten ja Wahlkampfhelfer, junge Leute, aus München. Denen war anzumerken, daß sie schon mit "Lepra Kranken" in Kibera, mit "Waisen Kindern" in Kathmandu und mit streunenden Hunden in Bukarest "gearbeitet" gehabt hatten - aber eben noch nicht mit "Menschen in Sachsen-Anhalt"!

- W.

Liselotte

13. September 2026 20:03

Nicht so die angenehmste Gesellschaft, aber irgendwie auch kurios, die drei, vor allem, wie sie dann zusammenfinden. Aber Jg. 44 kann kein Boomer sein, in dem Jahr gab es wenige Geburten. Der Babyboom kam erst ab den 50ern, WIMRE. Eher ist er ein 68er - ja von denen leben auch noch einige; in den letzten 2 1/2 Jahrzehnten machten sie nicht mehr so ein Gewese um sich wie in den Jahrzehnten zuvor, aber der Hang zum Renommieren mit der Diashow paßt da schon. Dr. Allwissends gibt es wohl in jeder Generation einige, die den anderen auf die Nerven gehen. Onur hat nach meinem Eindruck diese brachiale türkische Übergefühligkeit, in aller Schwere, da ist so keinerlei Leichtigkeit drin. Entweder Redeschwall oder Schweigen - nicht sehr gesellig. Ich nehme an, Nadine war am Verträglichsten.

dojon86

13. September 2026 20:13

Nach meinem Dafürhalten sind Boomer die Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1950 und 1965. Eckart ist Jahrgang 1944, also kein Boomer. Er ist ein klassischer 68. Diese Jahrgänge waren zahlenmäßig schwach, ihr Berufsantritt fiel mir dem Wirtschaftsboom der 60ger zusammen, deshalb waren auch ihre Berufs- und Lebenschancen  weitaus besser als die der Jahrgänge davor und danach. Was übrigens nach meinem Dafürhalten ihre krausen Ideen ermöglichte. Wenn's dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis. Den klassischen Boomern, also den starken Jahrgängen zwischen 1955 und 1968 ging es dagegen nicht ganz so gut. Sicher, ihre Jugend war von einem beispiellosen Optimismus geprägt aber pünktlich mit ihrem Berufsantritt war der Nachkriegsboom zu Ende und der Arbeitsmarkt wandelte sich von einem Nachfrager-  zu einem Anbietermarkt. 

anatol broder

13. September 2026 20:42

@ rmh 12:54
ich habe von einer studie gehört, die mit alten nonnen in einem kloster durchgeführt wurde. sie waren trotz gemessener fortgeschrittener demenz in der lage, ihren gewöhnlichen tätigkeiten nachzugehen. die dafür erforderliche folgsamkeit scheint nicht die eigenschaft zu sein, die als erste verloren geht. vielleicht gilt sogar, dass die folgsamkeit zuletzt stirbt.

Franz Bettinger

13. September 2026 21:42

Heute war ich mit family zum Natur-Freunde-Haus eines Nachbardorfes geradelt. Wir aßen ausgezeichnete Leberknödel mit Sauerkraut & Soße. Auf unserem Holztisch stand auf ein Plastik-Schild: „Reserviert ab 17:00, Polizeistaats-Verein Saarbrücken“. Den anderen fiel's gar nicht auf. Ich musste's 2mal lesen und dann laut lachen. Auf dem Nebentisch stand dasselbe Schild nochmal. Nach dem Essen ging ich mit dem Reserviert-Zeichen rein an die Theke & hielt es der (osteuropäisch aussehenden) Inhaberin unter die Nase: „Kann man da beitreten?“ Sie sah mich schief an. „Keine Idee. Keine Ahnung!“ „Ich find das gut, euer Schild, großartig!“ sagte ich. Sie entspannte sich, lachte dann: „Wir auch!“ 1 paar Männer schlossen sich dem Lachen an. War'n schöner Tag.

tearjerker

13. September 2026 22:30

@dojon86: Die Jahrgänge 46 und 47 waren zahlenmässig schwach. Ab 48 deutlicher Aufwärtstrend. Der Jahrgang 44 liegt noch mit geschätzten 1,2-1,3 Millionen Geburten (offizielle Zahl für das erste Halbjahr 710k) bei einer Reichsbevölkerung von 75 Millionen (oder etwas weniger) relativ nah an den Werten, die die Boomerjahrgänge dann ab 1950 aufweisen. Davor (38, 37 etc) waren  die Zahlen noch deutlich höher und Massen von Volksdeutschen wie den Sudeten etc zwangssiedeln mit den Gören dann nach dem Krieg in der Bundesrepublik, die dann mit den jüngeren Eingeborenen ab den 60ger Jahren um Perspektiven und knapper werdende Positionen konkurrieren. Generation Eckart hatte richtig Druck, langfristig aber den Vorteil, dass man in der zweiten Hälfte der beruflichen Karriere weniger Konkurrenz durch die Nachgeborenen hatte (ab 72 deutlicher Abwärtstrend) und länger wichtige Positionen besetzen kann/konnte.

Ein gebuertiger Hesse

13. September 2026 23:26

In dem Artikel steckt übrigens ein Wort, das, würd ich mal annehmen, etwa 90 pourcent der hier Lesenden noch niemals gesehen haben. Kommt Leute, Hand aufs Herz, welches?

ofeliaa

13. September 2026 23:28

Das erinnert mich an meinen Urlaub gegen Hand in Spanien. Ich kam an und der Boomermann dort sprach drei Sätze mit mir und ich merkte, Mist, das ist ja ein Narzisst. In der folgenden Zeit auf deren Anwesen, versuchte ich dann verzweifelt, die Gesprächsthemen wenigstens ansatzweise mitzugestalten. Dies ging aber nur in so weit, dass ich seine Themen wieder aufgriff, die mich ansatzweise interessierten - wie zum Beispiel seine erlebte Nahtoderfahrung. Natürlich hat er mich zusätzlich krass angegeiert und zwar in Gegenwart seiner Frau, die eben auch dort lebte. Diese fing an, mich zu mobben und ihm immer wieder zu sagen, dass MICH doch seine Themen eh nicht interessierten, worauf mir nichts anderes übrig blieb, als zu beteuern, dass es mich doch sehr interessierte. Das alles bei 40 Grad, 3 Wochen. Natürlich gab es kaum Genuss in diesem Urlaub. Die beiden Personen haben sich wenige Tage nach meiner Abreise getrennt. Es gab auf Social Media noch heftige Dramen zwischen den beiden (Ja, die Boomer haben Instagram). Er ist momentan auf Weltreise, mit einer anderen Frau - und führt darüber einen Online-Blog "für die Familie". Das sind leider auch diese klassischen Momente, in denen ich mich frage, ob ich "die Deutschen" überhaupt mag. Es ist schon eine bestimmte Eigenart, die Deutsche haben, die mir krass unsympathisch ist. 

Boreas

14. September 2026 08:17

Ein gebuertiger Hesse13. September 2026 23:26In dem Artikel steckt übrigens ein Wort, das, würd ich mal annehmen, etwa 90 pourcent der hier Lesenden noch niemals gesehen haben. Kommt Leute, Hand aufs Herz, welches?
Embonpoint? Bierbauch.

dojon86

14. September 2026 08:43

@Tearjerker Ja, da haben sie recht. Da habe ich mich geirrt. Ich habe soeben die Zahlen für Österreich ergoogelt. (Österreich deshalb, weil ich die Verhältnisse Ende der 60ger Jahren schon bewusst mit erlebte) Der Geburtsjahrgang 1944 war tatsächlich recht stark. Erst 1945 ging es zurück um dann 1964 seine Spitze zu erreichen. Anfang der 60ger sah es jobmäßig in Österreich nicht ganz so gut aus. Trotzdem besser als heute. Ende der 60ger, als der JG 44 das Studium beendete, herrschten allerdings Traumverhältnisse. Man schrieb am Ende des Studiums drei Bewerbungen, bekam drei Zusagen und nahm die interessanteste. Es herrschte massiver Lehrermangel. Ein kompletter Jahrgang auf der Militärakademie bestand aus 15 angehenden Offizieren, mehr hatten sich nicht beworben. Heute nehmen sie von 5 sich Bewerbenden gerade einen. Stellen im Staatsdienst oder bei der Bahn konnten nicht besetzt werden. Man musste buchstäblich nehmen wer da kam. Meine Mutter war damals in leitender Position in einer Druckerei. Sie sagte, für einen AZUBI haben wir den roten Teppich ausgerollt. Bereits 10 Jahre später war alles völlig anders.

Maiordomus

14. September 2026 09:29

@Ofellaa. Ihre Pauschalisierung "Boomer" überzeugt nicht , aus deren Reihen Gründer auch von Oppositionspartei stammen, trotz Neigung älterer Generationen, Abstimmungsverhalten träge zu bewahren. Aus dieser Generation hat vorigen Sonnabend ein Alt-Oberst und AfD-Bundestagsabgeordneter der NZZ ein noch lesenswertes Interview gegeben: echter Realo mit West/Ost-Erfahrung, freilich nicht gerade im Stil von @L.. Aber mutmasslich ministrabel als zB. AfD-Verteidigungsminister unter BK Weidel.
@Kositza. Eckhart als Reiter? Für mich ist dieser Name zB. nicht mit dem fragwürdigen Politiker DE des frühen 20. Jhds. verbunden, eher mit dem mystisch orientierten Religionsphilosophen, geb 1260 nahe Gotha, Mitglied des Dominikanerordens. Früher zu Fuss bis Paris unterwegs, im Alter von 65 in Köln der Ketzerei angeklagt, erhielt der Bettelmönch vom Erzbischof Reitbewilligung, um sich in Avignon beim Papst zu verteidigen. Dorthin unterwegs ist Meister Eckhart 1328 verstorben: der vor Luther fast einzige deutsche Theologe, der das Dogma der Dreifaltigkeit verstanden hat als Modell für einen Weg der Seele zu Gott.    

Raffael

14. September 2026 09:36

" ... Momente, in denen ich mich frage, ob ich "die Deutschen" überhaupt mag." - solche Momente habe ich auch. Könnten wir bitte den Artikel noch mehr jenseits der reinen Phänomen- Skizze lesen und zu dem Kern des Ganzen vorzudringen versuchen?! Den Onur hat man ja schon oft getroffen in jedweder westdt. Großstadt, den Eckhart sowieso überall. Der Onur wäre mir (noch) sympathischer, wenn er die ganze Zeit geschwiegen hätte, dann wäre sein Standpunkt authentischer: Die Deutschen sind "Vatermörder" (ich übertreibe absichtsvoll). Jedenfalls kann der Orientale es schlicht nicht nachvollziehen, wie hierzulande mit der väterlichen Autorität umgesprungen wird, was zuletzt auf einem (deutschen) Gottesmord beruht. Der redeschwallige Eckhart dagegen ist gerade in seiner Fähigkeit, sich und das ganze Leben aus der Vogelperspektive betrachten zu können, authentisch und enthüllt den deutschen Wahnsinn nach 1945 bestens: Denn die Jahrzehntausende beweisen in jedem Totempfahl, in jeder Höhlenzeichnung, in jeder Tonscherbe, dass der Mensch kein Stück Vieh ist und die Transzendenz zu seinen Urbedürfnissen gehört. Redeschwalligkeit und Selbstperspektivität enthüllen ein gigantisches Vakuum unsererseits. 

Plus Ultra

14. September 2026 09:55

Was lässt sich dazu sagen? ofeliaa hat schon richtig festgestellt, dass das als typisch boomeresk wahrgenommene Verhalten das von Narzissten ist. Gibt es in dieser Generation überproportional viele Narzissten? Wahrscheinlich fallen jedem ein paar Beispiele dazu ein. Letztes Jahr hatte ich auch so ein Reiseerlebnis mit zwei Boomerpärchen. Anstrengend. Noch anstrengender aber, wenn man es in der eigenen Familie hat. Mein Vater entspricht auch ein bißchen diesem Bild, ist heute im Alter aber von auffälliger Unzufriedenheit. Nun, warum die Boomer? Manche haben noch die Nachwehen der Kriegszeit erlebt, wurden dann aber (jedenfalls die hier adressierten Westboomer) biographisch durch Wirtschaftswunder und politische Stabilität geprägt. Gleichzeitig aber ein Verlust an ideelen Werten, die kulturelle Identität wurde den Deutschen in dieser Zeit abgeschliffen. Wohlstand, Konsum und Hedonismus als neue Leitsterne. Ab den 60ern dann eine gesellschaftliche Aufladung mit linker politischer Ideologie, die schließlich hegemonial wurde. Voller Bauch und gutes, auf abstrakter Moral basierendes Gewissen. Das sind natürlich Verallgemeinerungen... aber. Natürlich war mein Vater auch immer links, und ist es weiterhin, heute aber desillusioniert. Wir erleben jetzt live den Niedergang der Boomerwelt und ihrer Werte. Das tut weh. Manchen. Andere hüllen sich in einen Schwall aus Selbstbezogenheit und merken gar nicht, dass sie dabei zur Karikatur verkommen.

Umlautkombinat

14. September 2026 10:00

Eigenart, die Deutsche haben

Ihre Geschichte gibt Eigenart allerdings nicht her, @ofeliaa. Das koennen Sie ueberall auf der Welt und mit vielen Nationalitaeten haben. Und zwar auch gelegentlich in einer Art, die Sie einen labernden Narzissten herbeisehnen lassen moegen.
 
Betrifft auch Generationen, Ihre eigene eingeschlossen. Kommen Sie mal in meinen Beruf mit so richtig wichtigen Nerds (obwohl i.M. etwas verunsichert wegen AI etc.). Gut, die haben auch ihr Mass an Soja-Soeren's dabei, das findet sich unter Boomern seltener. Aber mit ersteren sind Sie auch nicht so gluecklich, oder?

ramses44

14. September 2026 10:51

mein Senf dazu als 44er. Das Geschichtsbild, das in den 60ern, schulisch und in den FAZke-Medien verbreitet wurde, war von den Siegern in beiden deutschen Staaten vorgegeben. Mein Wegzug aus West-Berlin 1967 und 7 Jahre in Südfrankreich haben mein Deutschlandbild drastisch verändert. Mit diesen Einordnungen "Buhmern,..." kann ich nichts anfangen. Für mich zählt, wie steht jemand zu Darwin und zur naturwissenschaftlichen Revolution.

RMH

14. September 2026 11:20

Gibt es in dieser Generation überproportional viele Narzissten? Aus meiner Sicht nein. Sie hatten halt vielfach das Glück der stabilen, kalten Kriegsverhältnisse & im Westen eine gute Chance auf materiellen Wohlstand, insbesondere, wenn sie zu den damals noch wenigen gehörten, die einen Studienabschluss hatten. Wobei es ab den 80ern dann auch mit den sog. "Schwemmen" angefangen hat. Lehrerschwemme, Juristenschwemme etc. - irgendwie hat am Ende doch jeder nen job gefunden, auch wenn es Anfangs schwer war. In den 80ern war es auch nicht einfach, eine Lehrstelle für einen Ausbildungsberuf zu finden, von wegen "Traumjob" etc. - da waren  Kompromisse angesagt & dieses Gefühl, sich irgendwie "hoch gearbeitet" zu haben, der "Aufstieg", erzeugt dann bei Teilen von Boomern & GenX so eine gewisse Hochnässigkeit bzw. ein Bedürfnis, jüngeren "die Welt zu erklären". Macht aber den Narzissten noch nicht gleich aus. Bin selber gerade am Anfang der GenX geboren & stelle fest, dass die psychischen Erkrankungen & Suizide in meinem Generationen-Umfeld für meinen Geschmack recht hoch sind & mit zunehmenden Alter eher mehr, als weniger werden, auch bei Leuten, die eigentlich lange "aus dem gröbsten raus" sind. Von wegen Resilienz, die dieser Generation nachgesagt wird.

Maiordomus

14. September 2026 11:21

@Raffael. Was Sie über "jeden Totempfahl, jede Höhlenzeichnung" und quasi "jede Scherbe" schreiben, scheint mir die Basis zu sein eines jeden sinnvollen Engagements auf dieser Seite. 
"Boomer" bitte nicht auf jene Vollidioten reduzieren, auf die es historisch- langfristig nicht ankommt trotz des Schadens, den diese auch wegen der Sünden gegen das vierte Gebot Gottes angerichtet haben mögen, siehe derzeit "Der Spiegel" mit der systematischen "Nazi"-Reduktion der Generationen vor 1945. Wie waren die? Der hier nicht allseits geschätzte Hendrik M.  Broder hielt dazu an die Adresse der "Boomer" fest, so weit sie sich moralisch überlegen vorkommen: "Die waren genau so wie ihr!" Wobei letzteres die Antwort auf ein Pauschal-Urteil ist durch ein gleichwertiges Pauschal-Urteil.
Das vierte Gebot Gottes aber verdient es, als Zeugnis für Familie und Lebensbejahung, selbst von Nichtjuden und Nichtchristen ernst genommen zu werden. Die Verheissung lautete:  "Damit es dir gut gehe und du lange lebest auf Erden." 

RMH

14. September 2026 11:30

"in denen ich mich frage, ob ich "die Deutschen" überhaupt mag. Es ist schon eine bestimmte Eigenart, die Deutsche haben, die mir krass unsympathisch ist." 
@ofeliaa, da sind sie nicht alleine. Ich denke, es ist sogar ein typischer, deutscher Wesenszug, dass er andere Deutsche oft peinlich & unysmpathisch empfindet & sich gerne mit anderen streitet. Ich weiß nicht, ob bei anderen Völkern Nachbarschaftstreitigkeiten & Erbstreitereien, "Ghosting" von Familienmitgliedern etc., derart häufig vorkommen, wie bei uns. Gut, da ich neben einer Kleingartenanlage wohne, die mittlerweile von Osteueropäern dominiert wird, weiß ich aus eigener Anschauung, dass der Zoff über den Gartenzaun hinweg nicht unbedingt etwas exklusiv Deutsches ist. Selbst dieser Kulturraum trägt ihn dann sogar auf dem Rechtsweg aus und nicht mehr, was einem eher in den Sinn kommen würde, mit Fäusten. Aber evtl. wurden sie durch das Leben in D dekadent.

Ein gebuertiger Hesse

14. September 2026 13:00

@Boreas
"Embonpoint? Bierbauch."
Treffer. Das frz. "en bon point" (in gutem Zustand) für die Wampe ist ein wirklich freundlicher Euphemismus, mensch lächelt.

dojon86

14. September 2026 13:13

@Plus Ultra Die auffällige Unzufriedenheit habe ich bei mir und bei meinen Jahrgangskollegen auch erlebt. Ich glaube allerdings, dass das mehr mit dem Alter als mit dem Jahrgang zu tun hat. Ab ca. 70 kann man den allmählichen Funktionsverlust des Körpers nicht mehr verdrängen. Man weiß, was man bis jetzt nicht erreicht hat, wird man nicht mehr erreichen. Natürlich gibt es auch die politische Frustration. Man war immer links, oder bestenfalls linksliberal, man erkannte irgendwann, dass der Karren nicht dorthin fuhr, wo man glaubte, dass er fahren sollte. Aber nur eine Minderheit ist in der Lage, dem Unsinnsglauben seiner jungen Erwachsenenjahre lebewohl zu sagen. Nachdem man natürlich trotzdem wenn man nicht total gehirnbefreit ist, erkennt, dass die Sache schief läuft, muss wohl die AFD schuld an der realen Lage sein. Das erinnert mich irgendwie an diejenigen Alten, die ich in meiner Jugend noch reichlich kennenlernte, für die nicht das deutsche Wunschdenken, (die Ignoranz der geopolitischen Lage Deutschlands die zum Leisetreten zwingt) und die unmenschliche Besatzungspolitik im Osten am verlorenen Krieg schuld waren, (da hätten sie sich nämlich selbst fragen müssen, woran sie geglaubt hatten) sondern der böse Churchill und verräterische Offiziere in Wehrmacht und Abwehr. Zum Abschluss allerdings noch gesagt: Ich bin absolut sicher, dass sich auch die Klügeren der Generation Z in 50 Jahren fragen werden, wie in aller Welt es sein konnte, dass sie in ihrer Jugend einen derartigen Nonsense glauben konnten. 

Beta Jas

14. September 2026 15:16

@Noch ein Hesse 13. September 2026 17:14
Ich finde Artikel schwer zu lesen in denen von "Boomern" oder anderen linkssoziologischen Konstruktionen die Rede ist, die es so in der übrigen Welt nicht gibt. Was ist sind "Boomer" in Afrika? In der übrigen Welt gibt es keine "Boomer" oder eine "Generation Z", man findet sie nur in den Medien der westlichen Welt. Stelle mir gerade vor wie diese "Gesellschaftsarchitekten" an ihren Schreibtischen sitzen und sich lauter neue künstliche Gruppen, "Communitys", zur weiteren Zersetzung der Gesellschaften ausdenken und diese über die Medien als Multiplikatoren verbreitet werden.
Aber schön zu hören wie hämisch Menschen aus Völkern von anderen Kontinenten über die hiesige Demografie in Europa reden. Kenne ich auch aus Gesprächen mit Menschen aus anderen Regionen der Welt. Ich denke auch so; Das eine oder die zwei Kinder die man vielleicht noch kriegt, meistens eins, und mit diesen ist man dann auch noch überfordert obwohl sie überwiegend in der Schule oder der Kindertagesstätten sind. 
Dabei unterschlagen sie dann selbst das offensichtlich das destruktive Gift in ihren Gesellschaften selbst am wirken ist. Schlechte "Familienpolitik" ist dafür nicht verantwortlich sondern hauptsächlich das anmaßende Verhalten eines Teil der Gesellschaft.

Dietrichs Bern

14. September 2026 20:58

@ofeliaa: "Das sind leider auch diese klassischen Momente, in denen ich mich frage, ob ich "die Deutschen" überhaupt mag. Es ist schon eine bestimmte Eigenart, die Deutsche haben, die mir krass unsympathisch ist."
Im Grunde bergen diese beiden Sätze von Ihnen eine gute Begründung, warum einem "die Deutschen" wenig sympathisch sein können. 
 

heinrichbrueck

14. September 2026 22:59

1/2
Ein hoher Politiker wird von Petrus am Himmelstor empfangen. Petrus sagt: „Willkommen im Himmel. Bei bekannten Persönlichkeiten haben wir ein besonderes Verfahren: Du verbringst einen Tag in der Hölle und einen Tag im Himmel und dann kannst du dich für eines von beiden entscheiden.“
Petrus bringt den Mann zum Fahrstuhl zur Hölle. Die Tür öffnet sich und plötzlich steht der Mann mitten auf einem Golfplatz! Seine verstorbenen Freunde aus Wirtschaft und Politik winken ihn zu einem Glas Champagner heran und sie reden über die guten alten Zeiten. Mit am Tisch sitzt der Teufel in einem edlen Anzug. Er ist unwahrscheinlich nett und unterhaltsam.
Am Abend holt Petrus den Mann wieder ab und sagt: „Morgen ist es Zeit für den Besuch im Himmel. Danach mußt du dich für eines von beiden entscheiden.“
Den folgenden Tag verbringt der Politiker im Himmel. Überall sind fröhliche Seelen aus allen Klassen und aus aller Welt glücklich vereint. Im Nu ist die Zeit vergangen und Petrus fragt, wie der Mann von nun an die Ewigkeit verbringen will.

heinrichbrueck

14. September 2026 22:59

2/2
Der Politiker antwortet: „Ich hätte nie gedacht, das zu sagen, aber ich möchte in die Hölle. Dort war es unterhaltsamer und alle meine Freunde sind da.“
Also bringt ihn Petrus wieder zum Fahrstuhl. Als sich die Tür öffnet, ist es dort jedoch einfach nur sengend heiß und abstoßend. All seine Freunde sind zerlumpt und müssen unter Peitschenhieben Kohle in die Höllenöfen schaufeln.
Der Teufel kommt zum Politiker und legt den Arm auf seine Schulter. Der Politiker keucht entsetzt: „Was soll das? Gestern war es hier doch noch vollkommen fantastisch! Jetzt gibt es hier nur noch Hitze, Dreck und Elend.“
Der Teufel zuckt mit den Schultern und sagt: „Ganz einfach: Gestern war Wahlkampf und heute ist der Tag, nachdem du uns gewählt hast.“

Le Chasseur

15. September 2026 07:53

@Ein gebuertiger Hesse
"In dem Artikel steckt übrigens ein Wort, das, würd ich mal annehmen, etwa 90 pourcent der hier Lesenden noch niemals gesehen haben"
Gesehen nicht, aber gehört. Und zwar in dem Radio-Hörspiel "Das schaudererregende Abenteuer im Orient-Express" von Michael Koser.

Maiordomus

15. September 2026 09:29

dojon86: Zustimmung. Das Schlagwort "Boomer" als General-Charakteristik einer Generatation bitte sehr zurücknehmen!

Maiordomus

15. September 2026 09:44

@Kositza. Mit DE (oben betr. Eckhart) ist natürlich der früh abgegangene NSnahe Politiker Dietrich Eckhart gemeint.  Meister Eckhart wiederum erging es zur Zeit des 3. Reiches wie Paracelsus: Sie wurden je als jeweiliger "teutscher genius" verkauft, der eine als Gottsucher, der andere als Arzt, wobei letzterer ebenfalls als Gottsucher zu gelten hat. Noch bewegend für die Mentalitätsgeschichte scheinen mir jeweils die Abendmahls-Interpretationen des Schweizers Zwingli, stark als verschworenes Gemeinschaftserlebnis gesehen, Luther, "der Einzelne und sein Gott" wie später Kierkegaard, Paracelsus als Theoretiker von einer Art Nahrung im Austausch von Gott und Schöpfung. Darüber darf ich mich bald mit Freunden in Dresden unterhalten. 

bb

15. September 2026 11:07

>Kein Türke würde sagen: geh Altenheim, Vater. Ihr Deutsche seid in meinem Auge bekloppt.
Ne klar, irgendeine Frau aus seiner Verwandschaft wird sich schon um den Alten gekümmert haben.

Ein gebuertiger Hesse

15. September 2026 11:18

@Begriffs-Richtigsteller
Nein, den "Boomer" nicht zurücknehmen. Wir leben nicht in einer ausgerückten Blase. Jeder weiß, was der Begriff meint, und also warum ihn nicht benutzen? Keine Scheu vor Zeitgeist-Worten! Richtig perspektivieren kann man sie immer noch, aber das besser im zweiten Schritt nachdem man ihnen nicht ausgewichen ist.

Majestyk

15. September 2026 11:24

@ Beta Jas:
"Ich finde Artikel schwer zu lesen in denen von "Boomern" oder anderen linkssoziologischen Konstruktionen die Rede ist, die es so in der übrigen Welt nicht gibt."
Verwendet von der sogenannten alternativen Gegenelite. Arme Deutsche, nicht geliebt von den Linken und die Rechte würde sich am liebsten auch vom eigenen Volk distanzieren.
"Aber schön zu hören wie hämisch Menschen aus Völkern von anderen Kontinenten über die hiesige Demografie in Europa reden."
In der Natur ist es so, daß Neobiota einheimische Arten gerne verdrängen, je mehr sie sich ausbreiten und damit invasiv werden. Man denke an den Waschbären oder den japanischen Staudenknöterich. Letzten Endes gilt nach wie vor Nahrungskonkurrenz. Ein Territorium, welches eine Pflanze besetzt, kann nicht von einer anderen genutzt werden.
Ich traf noch keinen Kulturfremden, der nicht von sich aus zwischen Einheimischen und seiner Art unterschieden hätte. Man muß bei Ausländern nie raten, welcher Art sie sind. Die verraten es einem sowieso spätestens im zweiten Satz, um sich von den Deutschen abzugrenzen.
 

Plus Ultra

15. September 2026 11:51

@RMH "stelle fest, dass die psychischen Erkrankungen & Suizide in meinem Generationen-Umfeld für meinen Geschmack recht hoch sind"
 
Was jetzt keinesfalls gegen eine Häufung narzisstischer Charaktertypen spräche, da Depression die Kehrseite der Medaille narzisischer Grandiosität ist. Das kenne ich auch aus eigener familiärer Erfahrung zur Genüge. Es sind auch nicht allein die Anlagen die einen narzisstischen Charakter hervorbringen, sondern wie häufig spielen die Umstände in Erziehung und Sozialisation eine große Rolle. Daher ist es prinzipiell plausibel, dass das Aufwachsen in einem spezifischen gesellschaftlichen Umfeld eine Häufung bestimmter Charaktertypen bedingen kann. 
 
Bei politischen Gesprächen ist mir öfters etwas Kurioses aufgefallen. Wenn der beschriebene Typus anfängt, in selbstbezüglicher Manier seinen Redefluss abzurollen, breitet er dabei gerne wie selbstverständlich (unsereiner ist da etwas zurückhaltender) seine natürlich mainstreamige Sicht der Dinge aus. Dann kann bspw. auch schon mal die Klage über die immer mehr werdenden AfD Wähler kommen. Nur, auch wenn man nüchtern abweichende inhaltliche Standpunkte im Gespräch markiert, kommt der Gedanke, das Gegenüber könnte zu den schlimmen "Rechten" gehören, scheinbar gar nicht erst auf. Obwohl inzwischen 30% des Elektorats ausmachend, scheint es von vornherein ausgeschlossen, dass man so einem Ork oder Alien außerhalb irgendwelcher "rechter Aufmärsche" begegnen könnte.

Der Sinnierer

15. September 2026 12:12

Oma(r) lebt in seiner autoritär-fixierten Pascha- und Eckhart in seiner US-fixierten Konsumwelt, damit leben beide nicht (mehr) im 21. Jahrhundert, passend daß ausgerechnet sie quasi auf Bewährung teilnehmen dürfen, während den Frauen das nicht widerfährt und sozusagen die Welt gehört. Auslaufmodelle sind wir Männer geworden, oft nutzlos, und wie passen wir uns im 21. JH an statt von der Vergangenheit zu schwärmen? Was haben wir noch zu bieten? Ich versuche schon meinen vier Jungs einzutrichtern möglichst alles zu können, aber wie im Artikel ersichtlich leiden wir Männer an Selbstüber- und Fehleinschätzung. Beide Figuren sind tragisch, wie die meisten von uns - zu Recht - abgehängten Männern.

Plus Ultra

15. September 2026 12:28

@dojon86 "Ich glaube allerdings, dass das mehr mit dem Alter als mit dem Jahrgang zu tun hat. Ab ca. 70 kann man den allmählichen Funktionsverlust des Körpers nicht mehr verdrängen"
 
Sicher nicht falsch, zumal speziell mein Vater immer sehr sportlich war, und das dann natürlich besonders schmerzt. Ein auffällig beschleunigter körperlicher Abbau setzte allerdings erst nach einer gewissen Impfung ein, wobei diese Einsicht konsequent abgewehrt wird... aber das ist ein anderes Thema.
 
Generell würde ich sagen, dass das Schwinden körperlicher Kräfte bevorzugt dann zu Unzufriedenheit und Sinnkrise führt, wenn kein stabiles inneres Selbst aufgebaut wurde, und natürlich macht auch das Fehlen transzendenter Sinnquellen anfälliger dafür. Die Boomer dürften wohl jene Generation sein, die weltanschaulich erstmals mehrheitlich säkular orientiert ist. Würde ich schätzen, vielleicht stimmt es auch nicht. Wirklich religiöse Menschen sind hier meiner Erfahrung nach aber die Ausnahme, das erschien mir bei der Großelterngeneration noch anders. 
 
Ich würde weiterhin vermuten, dass religiös begründete Demut auch vor der Anmaßung narzisstischer Selbstüberhöhung schützen kann... wobei ich hier leider auch ein Gegenbeispiel kenne. Säkulare Heilsversprechen sind jedenfalls besonders anfällig dafür, sang- und klanglos in sich zusammenzustürzen. Und das erleben wir aktuell mit der linksliberalen Utopie einer durch abstrakte Werte zusammen gehaltenen Menschheitsfamilie.

Eo

15. September 2026 12:33

@Maiordomus
.
Das schaffende Prinzip
und die geschaffene Welt stehen miteinander in Wechselwirkung ...  Denn letzteres ist ohne ersteres nicht denkbar.
.

Dietrichs Bern

15. September 2026 14:51

@Der Sinnierer: "Beide Figuren sind tragisch, wie die meisten von uns - zu Recht - abgehängten Männern." Ich mutmaße mal, Sie meinen das als Groteske. Diese Welt wird nach wie vor männlich dominiert und regiert und in  Westeuropa stehen wir erst am Anfang des Verschwindens von Frauen aus dem öffentlichen Raum.

Der Sinnierer

15. September 2026 15:53

@Dietrichs Bern
Die Meßlatte für einen Mann ist die seines Gegners, und dieser ist im 21. Jahrhundert nicht der andere Mann, wiewohl bzw vor allem nicht die Frau, sondern die Technik, das KI-Monstrum. Eine Frau kann immer auf ihre Rolle als Lebenserschafferin zurückfallen und sich dann in dieser Rolle in gewisser Hinsicht sanft ausruhen im Schoß ihrer Kinder, der Mann aber, was ist seine Rolle? Weltenerschaffer? Eroberer? Entdecker? Und wer sein Feind und damit seine Meßlatte? Onur und Eckhart, um nun einmal nicht parodienhaft ihre Nomina wiederzugeben, sind nicht nur Alteisen, sondern massiv oxidierter Altschrott.

Majestyk

15. September 2026 16:59

@ Dietrichs Bern:
Die Welt wird immer männlich dominiert werden. Marginalisiert wurden die Männer ja nicht beim Großkapital oder der Hochfinanz, sondern nur beim Fußvolk. Der Feminismus kam ja nicht von selbst nach oben, sondern eher so als willkommene Abrißbirne von allem Überlieferten. Und so wirklich zur Entfaltung kam der Feminismus ja nur in einem Kulturraum oder hat schon mal jemand was vom chinesischen Feminismus gehört?

Ein gebuertiger Hesse

15. September 2026 18:41

@Majestyk
Kennen Sie - und auch alle anderen - den? Raussuchen, anschauen und ein wenig Glauben an die schundhaftige Menschheit wiedergewinnen.
 

Dietrichs Bern

15. September 2026 19:11

@Der Sinnierer: Wir wissen alle nicht, ob das aktuelle Fracksausen der Ki-Chefs vor ihrem Geschöpf real oder zweckgebundene Show ist. Wenn ja, kann auch die Frau sich auf gar nichts zurückziehen. Außerdem haben Sie - sollte die Ki nicht übernehmen - die Figur des Onur vollkommen falsch eingeschätzt. Onur ist der Mann Westeuropas für die nähere Zukunft, sehen Sie sich einfach um. Und auch da ist die weibliche Perspektive eher mau.

Dietrichs Bern

15. September 2026 19:17

@Majestyk: Auch hier, gilt das zunächst, was ich bereits zur Ki gesagt habe. Wenn die Ki beherrschbar bleibt, wird der westliche Feminismus durch den Islam abgelöst, mit allen Trans und was weiß ich. China (Japan auch) ist ein gutes Stichwort, was sowohl Feminismus als auch Islam angeht. Vielleicht ein Überlebenskonzept.

ede

16. September 2026 00:50

Heiter erzählt. Das hätte ich echt nicht gedacht, dass welche Reiturlaub buchen die nicht reiten können und vom Pferd fallen. 

Maiordomus

16. September 2026 08:18

@Dietrich. Feminismus durch Islam abgelöst? Es wird immer muslimische Gemeinschaften geben, auch Länder, in denen der Islam herrscht. Aber in dem Ausmass, in welchem nicht nur in westlichen Ländern Frauen Selbstbestimmung erreicht haben, wird dieser in den wenigsten zivilisierten Ländern in der Art von Afghanistan und Saudiarabien die Herrschaft erlangen, wohl auch nicht im Iran mit seiner intelligenten Bevölkerung wohl je die Herrschaftszeit des Kommunismus in Osteuropa erreichen. Ohnehin scheint mir auch die "Islamisierung" Deutschlands über Ghettos hinaus langfristig kein wirkliches Problem, zumal der Toleranzbegriff der Grünen sich unter Bedingungen von Meinungsfreiheit und freier Wahlen sowie ihre sonstigen objektiven Irrtümer sich nicht durchsetzen werden. Letzteres bestätigt nicht zuletzt der Umkehrtrend von Wahlresultaten überall dort, wo es gelingt, bisherige Meinungsdiktaturen zu relativieren. Schon 35 und mehr Prozent nächsten Sonntag sogar in einem kleinen Bundesland wie Me-Vopo könnten abermals ein Signal in diese Richtung geben. Doch kommt in überlebenden Zivilisationen der Feminismus überall an seinen Grenznutzen.      

Gimli

16. September 2026 09:01

@maiordomus: Welche objektiven Irrtümer der GRünen meinen Sie (will kein Derailing betreiben, aber klar: so eine knallige Aussage mal eben so nebenbei triggert mich :-)Zum Thema Feminismus und Islam: Sie alle haben meines Erachtens ein sehr unflexibles Feinddenken. DER Islam ist genauso übergriffig wie ein konservativ-reaktionäres Christentum (es war). Die Geburtenraten in muslimischen Ländern folgen ziemlich genau dem Trend im Westen, wo bzw wenn Bildung (der Frauen) und Wohlstand steigen. Die GRünde dieser Korrelation tun hier nichts zur Sache. Man darf auch erwarten, dass ein mit Gewalt zu verbreitender Islam nicht im Sinne wohlhabender Individuen liegt, eher im Sinne eizenler Fanatiker mit MAchtinstinkt (und so viel Gerissenheit, dass Sie andere motivieren sich für sie opfern; wie praktisch). 
Länder wie die USA - und jetzt auch wieder unter Donald J Numb - betreiben eine Außenpolitk (in der Sache, mit Waffen, mit Finanzpolitk), die allen Autokraten und Fanatikern in die Hände spielt. Auch ohne Christ zu sein überzeugt mich hier die Jesuanische Nächstenliebe, das Perfideste (langfristige) "Instrument" gegen alle Gegner. Davon ist hier - wie ich finde - wenig zu spüren, wenngleich über Religion und Gott ganz schön oft geschrieben wird.

Dietrichs Bern

16. September 2026 09:32

@Maiordomus: Nun, als Überlebensprinzip meinte ich den Umgang China und Japans mit sowohl Islam als auch Feminismus - wobei ich natürlich nicht Frauenrechte per se, sondern die moderne Ausprägung mit Gendergaga und Gaza-Fantum meine. Was Ihre Zuversicht in Wahlergebnisse angeht, scheint Frau Schwesig vielleicht sogar die AfD wieder zu überholen und in Berlin regieren die Clans mittlerweile sowieso. Im übrigen hat Ruud Kopmanns den Zuwachs alleine der Syrer Community auf 30 Mio für die nächsten Jahrzehnte taxiert. Nuzt nichts, die Realität zu leugnen.

RMH

16. September 2026 09:43

"Das hätte ich echt nicht gedacht, dass welche Reiturlaub buchen die nicht reiten können und vom Pferd fallen. "
@ede, 
manche müssen erst alt werden, um vom hohen Roß zu fallen  ;)

dojon86

16. September 2026 12:24

@Gimli Sie haben recht. Die Geburtenraten in vielen (nicht allen) moslemischen Ländern sinken unter das Erhaltungsniveau. (z. B. Iran und Türkei) Was sie aber vergessen, ist, dass es bei uns und auch in all diesen Ländern Subgruppen gibt, deren Geburtenrate nicht sinkt. Wozu das führt, kann man deutlich in Israel sehen. Orthodoxe Juden und radikale Zionisten bekommen seit Jahrzehnten deutlich mehr Kinder als säkulare Juden. Das wirkt sich natürlich langfristig auch auf die vom Volk gewünschte Politik aus. Die Regierungen Israels werden von Jahr zu Jahr radikaler. Auf die Meinung der tendenziell immer mehr schrumpfenden Bevölkerungsschicht der Säkularen muss immer weniger Rücksicht genommen werden. Ich nehme an, dass auf der Gegenseite, also den palästinensischen Arabern ähnliche Mechanismen am Werken sind. Freilich, in unseren Medien werden sie niemanden finden, der diese Entwicklung thematisiert. Ist ja auch weitaus bequemer, wieder mal einen säkularen Tel Aviver Juden zu interviewen, der genau so denkt, wie man selbst.

Maiordomus

16. September 2026 13:36

@Gi. Jesuanische Nächstenliebe" v. Bergpredigt setzt Willen zum Zeugnis bis zum Tode voraus, in der Art eines Kolbe, welche Entscheidung aber ein Familienvater unter seinen polnischen Kollegen schwerlich hätte treffen dürfen. Halten Sie linke Wange hin, wenn Ihnen einer auf die rechte schmiert?
@Grüne Irrtümer? Ich respektierte ehem. Schüler als unterdessen zurückgetretenen grünen Stadtrat, u.a. Leser v. Logik der Forschung v. Popper. Aber keinen, der Bedingungen der Falschheit von Klimatheorien nicht so genau angeben kann wie Einstein die Bedingungen der Falschheit seiner nicht als bewiesen behaupteten Theorie, so betr. "Rotverschiebung v. Spektrallinien im Gravitationspotenzial". Bei meistzitiertem Klimawissenschaftler meines Landes fehlt publiziertes Spitzenwissen naturwissenschaftlicher Erkenntnistheorie auf Niveau Quine. Postulate v. Pariser Abkommen beruhen auf Konsens-Objektivität, letzteres einst Basis der Prozesse gegen WettermacherInnen wie Kepplers Mutter. Ich studierte jahrelang für ca. 5000 Euro meteorologiegeschichtliche Literatur ohne Resultate, für die ich Milliarden zu investieren Verantwortung übernähme. 
 

Maiordomus

16. September 2026 14:08

@Gimli. @"Islam genau so übergriffig." Theokratie. Eine solche wurde von den Päpsten Gregor VII, Innozenz III. u. Bonifaz VIII. angestrebt, aber mit Ausnahme v. "Canossa" und kurzzeitig Innozenz durchwegs gescheitert. Katholisches System ist zweihäusig: geistlich ist nicht weltlich, Kaiser nicht Papst, Kirche nicht Staat. Dieses Spannungsfeld konnte nie aufgehoben werden, was u.a. Luthers Reformation ermöglichte, auch Reformation in der Schweiz, wobei aber Fanatiker wie Müntzer ihrerseits Theokratie anstrebten. Wo im Islam gab es Fundamentalkritiker wie Franz v. Vittoria und Las Casas gegen die Unterdrückungsmethode der Missionierung? Hexenprozesse waren permanent umstritten, vgl. nicht nur Spee. Es gibt Vorrang der Gewissensentscheidung bei Augustin, der sich aber praktisch nicht an diesen Denkschluss hielt. Christliche Religion bleibt diejenige, die von ihren Potentaten verübtes Unrecht regelmässig theoretisch und praktisch durch einige ihrer bedeutendsten Theologen und Denker kritisierte. Grösster theol. Irrtum der Gegenwart bleibt aber nach wie vor Verbindung Kirche - Staat. U.a. Putin! Doch gab immer noch zu viele Opfer der Religion!   

Maiordomus

16. September 2026 14:18

@Dietrichs Bern. Alles andere als ein Weiterregieren von Schwesig wäre eine Überraschung. Fast fürchte ich, ein zu schnelles Regierenkönnen der Opposition würde der Sache eines wirklich langfristigen Umdenkens weniger dienen als der zum Nachdenken ermutigende Aufweis des Zeugnisses von Millionen schmerzlich Betroffener,  dass die bisherige Politik falsch gewesen sein muss. Richtige Politik zu machen ist aber, schon von den äusseren Bedingungen her, schwieriger, als falsche Politik zu erkennen. Der Weg von der Einsicht zur Praxis, das zeigt immer wieder die Geschichte der Demokratie, die Politik überhaupt,  nimmt oftmals Generationen in Anspruch.    

heinrichbrueck

16. September 2026 14:38

@ Maiordomus
Wer garantiert eigentlich, daß derjenige, der morgen die Gegenbewegung wählt, kulturell und politisch noch dieselben Grundannahmen hat wie derjenige, der heute die bestehende Ordnung in Frage stellt? 

RMH

16. September 2026 16:19

"Ich nehme an, dass auf der Gegenseite, also den palästinensischen Arabern ähnliche Mechanismen am Werken sind.
Natürlich, es gibt ja nicht ohne Grund das Schlagwort vom Geburten Jihad. Und auch hierzulande wird das Prinzip gepredigt. Erdogan sagte zu den Türken in Westeuropa:
"Macht fünf Kinder, nicht drei, denn ihr seid Europas Zukunft."

Dietrichs Bern

16. September 2026 18:37

@Maiordomus: Nun, eine Weiterregierung Schwesigs hielt ich zwar auch für wahrscheinlich, aber ein ähnliches Ergebnis oder gar besser als die AFD, würde doch die Frage aufwerfen, welche Realität diese Wähler noch wahrnehmen. Rein propagandistisch werden wir "das Ende des Siegeszuges der AFD" getrötet bekommen. Zweifel, ob die Partei schon jetzt wirklich für eine Regierung reif ist, teile ich auch - ich nehme auch zumindest Unbehagen bei Herrn Kubitschek darüber war. 
Die andere Frage ist aber, wieviel Zeit noch für einen Wandel der Politik bleibt. Ich habe schon einige Artikel darüber gelesen, dass bspw. der Kampf gegen die organisierte Kriminalität - wie in Schweden- verloren geht. Man nehme Stade als Beispiel.

dojon86

16. September 2026 19:33

@Maiordomus Las Casas war zweifellos ein Mann, der es verdient hat erinnert zu werden. Doch hat er die Missionierung an sich nie kritisiert. Im Gegenteil. Er fand die Eroberungs- und Herrschaftsmethoden der Conquistadoren, die er in scharfen Worten kritisierte, für die Missionierung, wie er sie sich vorstellte, kontraproduktiv. Wahrscheinlich verdanken wir es Männern wie ihm, dass die in Südamerika trotzdem noch immer zahlreiche indianische Bevölkerung zumindest oberflächlich für das Christentum in seiner katholischen Form und somit für den Westen gewonnen wurde.

Majestyk

16. September 2026 22:09

@ Dietrichs Bern:
"würde doch die Frage aufwerfen, welche Realität diese Wähler noch wahrnehmen."
Das frage ich ich mich in Bezug auf meine Mitmenschen seit vielen Jahren. Mit Dekadenz alleine kann ich mir das ganze weltfremde Denken nicht erklären. Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis, die Deutschen werden mehrheitlich so regiert, wie sie es verdienen. Rausreden gilt nicht. 
@ RMH:
Erdogan sagte zu den Türken in Westeuropa:"Macht fünf Kinder, nicht drei, denn ihr seid Europas Zukunft."
Nicht erst Erdogan. Turgut Özal änderte extra das Erbrecht in der Türkei und rief die Türken in Deutschland auf, die hiesige Staatsbürgerschaft anzustreben um mitbestimmen zu können. Und die deutsche Regierung ließ sich das gefallen. Warum man bis heute mit der Kritik an Türken, die sich ja selber als anders definieren, alleine steht ist mir so unbegreiflich, wie der Glaube aus Türken würden irgendwann mal Deutsche werden. Mir geht die deutsche Ausländerliebe sowas von auf den Senkel.

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