Kritik der Woche (91) : Der Kanzler und die Intellektuellen

von Dirk Brockschmidt -- Als Helmut Kohl und François Mitterrand den greisen Ernst Jünger zu seinem 90. Geburtstag in Wilflingen besuchten, überreichte der Schriftsteller dem deutschen Kanzler ein Exemplar seines kurz zuvor erschienenen Kriminalromans Eine gefährliche Begegnung. In das Buch schrieb Jünger: »Zur Erinnerung an eine ungefährliche Begegnung«.

Die Wid­mung war, wie Peter-André Alt, Pro­fes­sor für Neue­re Deut­sche Lite­ra­tur­wis­sen­schaft und Ver­fas­ser der maß­geb­li­chen Schil­ler-Bio­gra­phie, zeigt, bewußt dop­pel­deu­tig gehal­ten. Jün­ger trau­te Kohl auf ästhe­ti­schem und phi­lo­so­phi­schem Gebiet wenig zu; unge­fähr­lich konn­te die Begeg­nung nur des­halb blei­ben, weil der Kanz­ler auf die­sem Ter­rain kein wirk­li­cher Gesprächs­part­ner war.

Die Begeg­nung, die Jün­ger in sei­nem Tage­buch nicht erwähnt, ist mehr als eine hüb­sche Anek­do­te; sie for­mu­liert die zen­tra­le Fra­ge von Alts umfang­rei­cher Mono­gra­phie Die Kanz­ler und die Intel­lek­tu­el­len: Was suchen Geist und Macht bei­ein­an­der, und wie ver­hal­ten sie sich, wenn sich ihre Wege kreuzen?

Das Ver­hält­nis zwi­schen Kanz­lern und Intel­lek­tu­el­len war in der Bun­des­re­pu­blik sel­ten har­mo­nisch. Ade­nau­er hielt die geis­ti­ge Welt auf Distanz, Erhard bemüh­te sich um Ein­bin­dung, und Kie­sin­ger über­schätz­te sei­ne geis­ti­ge Auto­ri­tät. Wil­ly Brandt such­te die Nähe von Schrift­stel­lern und Publi­zis­ten. Bei Hel­mut Schmidt ent­stan­den Freund­schaf­ten, die die Gren­zen zwi­schen Pri­vat­heit und Poli­tik aufhoben.

Auf dem Höhe­punkt des RAF-Ter­rors lud der Kanz­ler Hein­rich Böll, Max Frisch, Sieg­fried Lenz und den Suhr­kamp-Ver­le­ger Sieg­fried Unseld ins Kanz­ler­amt ein, um sich über die Lage aus­zu­tau­schen. Hel­mut Kohl blieb der kul­tu­rel­len Eli­te wegen sei­ner hemds­är­me­li­gen Art fremd, wäh­rend Ger­hard Schrö­der Intel­lek­tu­el­le und Künst­ler für sei­ne poli­ti­sche Selbst­dar­stel­lung zu nut­zen wußte.

Bei Ange­la Mer­kel und Olaf Scholz ver­än­der­te sich die Art des Aus­tau­sches; er wur­de schnell­le­bi­ger und digitaler.

Aus der Per­spek­ti­ve des Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­lers rekon­stru­iert Alt die­se Bezie­hun­gen. Sei­ne erzäh­le­ri­sche Stär­ke zeigt sich dar­in, daß er poli­ti­sche und geis­ti­ge Kon­stel­la­tio­nen durch Begeg­nun­gen, Gesprä­che und Anek­do­ten sicht­bar macht und aus sol­chen Minia­tu­ren grö­ße­re, vom Kon­flikt um poli­ti­sche und kul­tu­rel­le Legi­ti­ma­ti­on gepräg­te Zusam­men­hän­ge her­vor­tre­ten läßt.

Er beschränkt sei­ne Dar­stel­lung nicht auf die links­li­be­ra­le Intel­li­genz; kon­ser­va­ti­ve und rech­te Intel­lek­tu­el­le fin­den ihren Platz, dar­un­ter Armin Moh­ler und Cas­par von Schrenck-Not­zing. Alt begeg­net die­sen Autoren und ihrer intel­lek­tu­el­len Leis­tung mit deut­li­cher Skep­sis; die­se Skep­sis tritt umso stär­ker her­vor, je näher das Buch an die Gegen­wart heranreicht.

Alts Dar­stel­lung führt zu einem fast tra­gi­schen Befund: Der klas­si­sche Intel­lek­tu­el­le, der mit eige­nem geis­ti­gen Anspruch in die poli­ti­sche Öffent­lich­keit tritt und sei­ne Auto­ri­tät aus der Distanz zur Macht bezieht, scheint zu ver­schwin­den. An sei­ne Stel­le tritt zuneh­mend die schnell­le­bi­ge und aus­ge­höhl­te Figur des Medi­en­in­tel­lek­tu­el­len, der auf jede Ent­wick­lung reagie­ren muß.

Eine frü­he Aus­prä­gung die­ser Ent­wick­lung hat Axel Schildt in Medi­en-Intel­lek­tu­el­le in der Bun­des­re­pu­blik beschrie­ben; heu­te scheint sie sich fort­zu­set­zen. Er ist weni­ger durch die Unab­hän­gig­keit vom poli­ti­schen Betrieb als durch die Ein­bin­dung in die Mecha­nis­men media­ler Öffent­lich­keit bestimmt. Sei­ne Wir­kung beruht auf der Fähig­keit, Debat­ten mög­lichst rasch zu beset­zen. Damit ver­än­dert sich das Ver­hält­nis von Geist und Macht.

Der Medi­en­in­tel­lek­tu­el­le muß anschluß­fä­hig sein, schnell reagie­ren und sich leicht kon­su­mier­bar prä­sen­tie­ren. Sei­ne Inter­ven­tio­nen sind stär­ker auf den Takt von Nach­rich­ten und sozia­len Medi­en abge­stimmt als auf das Durch­drin­gen eines gesell­schaft­li­chen Pro­blems. Was an Reich­wei­te gewon­nen wird, kann an geis­ti­ger Tie­fe ver­lo­ren gehen.

Alt erzählt nicht nur von Geist und Macht, son­dern macht sicht­bar, wie sich die Figur des Intel­lek­tu­el­len wan­delt. Der klas­si­sche Intel­lek­tu­el­le konn­te der Macht aus der Distanz wider­spre­chen; der Medi­en­in­tel­lek­tu­el­le wirkt – bere­chen­bar – inner­halb des media­len Sys­tems, das die poli­ti­sche Macht beglei­tet, kom­men­tiert und her­vor­bringt. Die­se Nähe zur Öffent­lich­keit ist sei­ne prä­gen­de Stär­ke – und sei­ne begren­zen­de Schwäche.

Peter-André Alt: Die Kanz­ler und die Intel­lek­tu­el­len. Geschich­te einer unbe­que­men Bezie­hung, Mün­chen  2026. 811 S., 48 € – hier bestel­len

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Sezession
DE58 8005 3762 1894 1405 98
NOLADE21HAL

Kommentare (34)

Ein gebuertiger Hesse

13. Oktober 2026 09:51

Mit anderen Worten?, der Medien-Intellektuelle von heute ist umso mehr ein Mitmacher, Mitläufer.

Dietrichs Bern

13. Oktober 2026 11:16

An Bord der Landshut waren nicht nur einfach Entführer, sondern Menschen die die Gewalt, die sie ausübten, genossen. Sie töteten den Flugkapitän und übergossen Passagiere, selbst Kinder mit brennbaren Flüssigkeiten, damit diese, je nach Entwicklung der Entführung möglichst schnell angezündet werden konnten. Warum Helmut Schmidt in dieser Situation Schwätzer einlud, die das Kutursubstrat dieser Terroristen bildeten, bleibt sein Geheimnis. Vielleicht erklärt sich der Zustand unseres Landes aus diesem Gesprächsangebot und der folgenden absoluten Meinungsführerschaft der Schwätzer.

Wuwwerboezer

13. Oktober 2026 12:45

„Kein Begriff erhelle deine Welten,
Keine Gutschrift soll, kein Eid soll gelten.
Und berichtet sei in ungelesnen
Zeitungen von Dingen, nie gewesnen.
Keine Straße soll dein Land verbinden,
Keine Post soll den Empfänger finden!
Rost wird ganze Industrieanlagen,
Weil ein Zahnrad mangelt, niedernagen!“
 
- Hacks 1983 ad Honecker, er hat von Merz noch nichts geahnt!

Majestyk

13. Oktober 2026 14:04

Als ob dieses Nähe suchen, je was anderes gewesen wäre als Selbstdarstellung und der Versuch sich durch den Kontakt mit dem anderen aufwerten wollen.
„Wenn Sie etwas ganz besonders Dummes hören wollen, muss man einen Schriftsteller nur nach seiner politischen Meinung fragen.“ hat angeblich Marcel Reich-Ranicki gesagt. Den mochte ich zwar auch nicht sonderlich, aber warum sollte jemand politische oder gesellschaftliche Fragen besser beantworten können, nur weil er prominent ist? 
Wenn Adenauer Intellektuelle auf Distanz hielt, hatte dies wohl Gründe. War ja auch noch nicht lange her, da hatten Intellektuelle die Nähe zu Hitler gesucht. Nach dem was ich gelesen habe, wußte Adenauer um die Verführbarkeit jener Leute. Deswegen war er aber garantiert nicht der schlechtere Kanzler. Adenauer war ja Realpolitiker und kein Romantiker oder Ideologe. 
Dass Linke und Sozen sich für intellektuell halten ist nicht neu, auch nicht der Wunsch von Intellektuellen nach Weltrettung und Gerechtigkeit, weswegen Künstler eben meistens links sind. Kann denn jemand erklären, was Schriftsteller gehaltvolles zur Bekämpfung des RAF-Terror beitragen konnten? 
Anspruchsvolle Themen wie Finanzen, Steuern oder jetzt Digitalisierung, da läßt man lieber unabhängige Experten zu Wort kommen. Aber wer ist Experte und wer ist unabhängig? Und welcher Politiker gesteht sich selber ein, keine Ahnung zu haben?

Beta Jas

13. Oktober 2026 17:46

Der Intellektuelle von links, damals wie heute, begleitet die Politik, die er für richtig hält. Grundlegende Kritik ist kaum zu erwarten sondern nur Tipps für die Herrschaften. Wird auch bei der AfD so sein, wenn sie tatsächlich regieren sollte und Intellektuelle von Rechts ihren "Senf" artikulieren werden um zu verhindern, das die neue Herrschaft zusammenbricht.

Old Linkerhand

14. Oktober 2026 04:21

Bei Politik und Kunst fallen einem immer die Medicis ein, Wechselwirkungen nicht ausgeschlossen. Ernst J.  war mit 90 mitnichten ein Greis und die Idee für das Treffen kam von Francois M. Der Erfolg aller deutschen Nachkriegspolitiker beruht auf ihrer Ungefährlichkeit, daher auch die Widmung. Ansonsten scheint das wieder mal ein Buch für die Tonne zu sein, wie fast alles, was dieses Land zu bieten hat.

H. M. Richter

14. Oktober 2026 11:25

@Wuwwerboezer
Von Hacks durchaus - oben von Ihnen mit Auslassung Auslassung zitiert:
"Keine Post soll den Empfänger finden,
Und nichts soll in deinen Telefonen
Als ein Brausen und ein Grausen wohnen." -,
gesprochen aber als Ulbricht an Honeker.
Und endend schließlich mit:
"Während ab die Blätter, die entfärbten,
Von den Bäumen gehn, den schmutzverderbten.
Gräßlich hören in den Meiereien
Wird das Volk das Vieh nach Futter schreien
Oder, unterm Dung verborgen, kleine
Ferkel finden, kleine tote Schweine."
 

lucianocali2

14. Oktober 2026 11:48

Rechte Intellektuelle haben im Kanzleramt keinen Zutritt mehr, was Merz liest, das weiß keiner mehr und will keiner wissen, Ernst Jünger wird es nicht sein.
Linksintellektuelle wie Jagoda Marinic bekommen Verdienstorden nur dann, wenn ihre grundsätzliche Kuschbereitschaft gegenüber der 'zivilgesellschaftlichen' Rahmenerzählung feststeht.
Am tatsächlichen Gespräch aller Lager interessierte Journalisten wie Liane Bednarz wird kein Steinmeier je für ihr Tun ehren.
Wer soll also wen denn noch warum ins Kanzleramt einladen?
Erich Fried hat noch mit dem Neonazi Michael Kühnen Briefe gewechselt. Heute würde ihn das den Verlag kosten. 
Zwergenrepublik. Geliefert wie bestellt. 

Majestyk

14. Oktober 2026 12:25

@ Dietrichs Bern:
Manchmal möchte ich Ihnen wirklich die Hand schütteln. Ich bin ja in einer Familie aufgewachsen, in der es zwei Säulenheilige gab, Willy Brandt für meinen Vater und Helmut Schmidt für meine Mutter. Mit zunehmendem Alter habe ich mich von beiden immer mehr emanzipiert. In meiner Wahrnehmung war das die Zeit als die echte Umerziehung Fahrt aufnahm und man begann Traditionen zu zersetzen. Man kann natürlich bis Versailles zurückgehen oder bis zum Wiener Kongreß. Aber der kulturelle und sittliche Niedergang Westdeutschlands begann mit der Übernahme des Kanzleramts durch die SPD. Die ganzen Reformpakete der sozialliberalen Koalition waren nichts anderes als ein Bruch mit dem Bewährten. Es waren später ja auch Brandts Enkel, die mit den grünen Faschingskommandanten das Zepter schwangen.

Laurenz

14. Oktober 2026 13:20

@Majestyk ... Adenauer führte die Bundeskanzlei auf dem Niveau eines Bürgermeisters & Vaterlandverräters/Separatisten, war am Ende bei seinesgleichen noch unbeliebter, als der LüFri jetzt beim Volk. Außerdem hatte Adenauer linksextreme Anwandlungen, weil er die wichtigste Politik, die abstrakte Währungspolitik, in der Bundeskanzlei ansiedeln wollte, was Vocke 1957 über Erhard, dem erklärten Feind Adenauers, verhinderte. Hier beim DB-Artikel zeigt sich das ganze katastrophale Desaster einer literarisch-kulturellen Perspektive auf Politiker. Das betrifft genauso Ernst Jünger. Jünger hätte als Widmung besser was Belangloses geschrieben. Denn Kohl war der gefährlichste Kanzler der Deutschen Nachkriegsgeschichte, der auch noch mit seinem liebsten Erbfeind Mitterrand, um die Worte Herzogs über Kinski zu gebrauchen, bei Jünger aufschlug. Die Gefahr resultierte aus dem Schicksal Kohls, die Wiedervereinigung organisieren zu müssen & zu leisten. Kohl hätte die Franzosen einfach nur täuschen müssen. Aufgrund der geldpolitischen Ahnungslosigkeit, die Kohl in keiner Weise von Literaten & Intellektuellen unterscheidet, gab Kohl die Deutschmark auf, was nie hätte passieren dürfen. Auch Kohls Machtstruktur in der Union, bis in die Ortsverbände hinein, konnte einfach so von einer kadergeschulten Merkel übernommen werden. Kohl fehlte schlicht das machtpolitische Verständnis für den Job, Dummheit = Gefahr.

tearjerker

14. Oktober 2026 15:16

Frundsberg-Günter und CIC-Willy. Das ragt.

Artabanus

14. Oktober 2026 16:29

Der Mensch ist ein schwaches Wesen. Ein einzelner Mensch sollte niemals zuviel Macht besitzen. Die Römer wussten das noch und hatten ein ausgeklügeltes System um zu große Machtkonzentration zu verhindern, welches lange Zeit auch gut funktionierte bis es gewaltsam beendet wurde. Der Kanzler der BRD hat eine viel zu große Macht und Verantwortung, der ein normaler Sterblicher schlicht nicht gewachsen ist. Das ist der Grund weshalb praktisch jeder Kanzler scheitern muss. Hinzu kommt, dass aufgrund der Parteiselektion praktisch nur ungeeignete Kandidaten ins Amt gelangen. Während der Bonner Republik fiel dies nicht so sehr auf, da die Grundrichtung der Politik durch die Umstände praktisch vorgegeben war. Nach der Wiedervereinigung wurden unsere Regierungschefs "kreativ" und setzten allerhand Furzideen in die Tat um. Das Ergebnis sieht man heute.

Gimli

14. Oktober 2026 16:34

@ Beta Jas
Souverän argumentiert "Wird auch bei der AfD so sein, wenn sie tatsächlich regieren sollte und Intellektuelle von Rechts ihren "Senf" artikulieren werden um zu verhindern, das die neue Herrschaft zusammenbricht." gegen den Strom hier. 
bzw: passiert doch schon auch ohne Regierungsämter. 
Ich habe nichts gegen Literaten und Philosophen im Austausch mit Machttechnokraten. Fand seinerzeit auch die Idee einen Parlamentdichters charmant. 

identitaer

14. Oktober 2026 17:38

Ja ich finde es daher ausgesprochen lobenswert wie die AfD auch ihr Intellektuelles Vorfeld bespielt und sich zum Beispiel in Schnellroda zeigen auf Sommerfeste etc oder auch bei Antaios und anderen Rechts alternativen Verlagen veröffentlichen. Das zeigt doch das die AfD in Bezug auf Metapolitik und Öffentlichkeitsarbeit deutlich mehr tut als es etwa der zumindest für mich als Zoomer klar spötisch bennenbare Kanzlerwahlverein CDU der immer busness as usuell Intellektuell hohl und ohne Anziehungskraft blieb.Ich will auch nicht sagen dass Intellektuelle im Zentrum der Macht wenn Sie dahin wollen nie Risiken eingehen (wie man von Platon bis zu DDR Intellektuellen wie Christa Wolff etc.) und tyrannische Politik geht auch heute gern technokratisch wie etwa der Fall Drosten während Covid sehr genau zeigte oder älter und langlebiger solche Leute wie Habermas und Günther Grass deren Einfluss generell verheerend war. Gerade dass die "Frankfurter Schule" als "Intellektuelle Gründung" der BRD gilt hatte und hat stets verherrende  Folgen was das Ungleichgewicht im Linken Mainstream und ihre Linken Hagiographischen Mythen angeht (man sehe das bei Andre Alt das Grass als ehemaliger Waffen SS Soldat gepriesen wird und in dem höchsten Tonen gelobt wird während ein Armin Mohler als Buhmann darstellt nur weil der halt bei der Waffen SS freiwilig war und nicht zur SPD und für die Reducation trommelte sondern eben Rechts sich engagierte).

Mitleser2

14. Oktober 2026 18:22

Ah, gimli, da hat Ihnen ein Rechter wieder mal ein Brocken hingeworfen, den Sie natülich gerne aufgelesen haben. 

Majestyk

14. Oktober 2026 19:24

Ach Laurenz, hören Sie doch mal auf mit Ihrem Geschimpfe über Adenauer und Vaterlandsverrat. Wir sind doch hier nicht als Schwarzer Kanal auf Sendung. Kleiner haben Sie es eh nicht, oder? Sie verweisen doch immer auf Realpolitik. Was hätten Sie Laurenz denn persönlich getan, mit hunderttausenden fremden Soldaten in einem Land, welches einer Trümmerwüste glich?
Was die Aufgabe der D-Mark angeht stimme ich zu, weiß natürlich nicht, wieviel Nötigung es hinter den Kulissen gab. Vermutlich hätte man besser erst einmal mit zwei Staaten weitergemacht statt Währung und Grenzen zu opfern. Ein Kohl-Sympathisant war ich nie und sehe es genauso, Merkel brauchte im Kanzlerwahlverein nur in dessen Fußstapfen treten..
Die Souveränität in Währunsgfragen ist aber auch der AfD nicht mehr so wichtig. Es steht jetzt schon zu befürchten, daß selbst nach einem Regierungswechsel niemand den Funktionärsversorgungsapparat Brüssel antasten wird. Also mal die Kirche im Dorf lassen. 

RMH

15. Oktober 2026 08:28

"Ernst Jünger ...  ein Exemplar seines kurz zuvor erschienenen Kriminalromans Eine gefährliche Begegnung."
Mit dem Krimi "eine gefährliche Begegnung" hat E. Jünger einen sehr guten Kriminalroman geschrieben (Lese-Tipp für den Urlaub oder einen Tripp nach Paris) und seinen Kritikern gezeigt, dass er deutlich mehr drauf hat, als Tagebuch & Essay & parabelhafte Erzählungen. Er hat mal eben allen gezeigt, dass er auch Stoff schreiben kann, welcher das Zeug zum kommerziellen Erfolg hatte (das Buch selber erlebte schnell mehrere Auflagen bei Klett-Cotta, ist aber wohl mittlerweile eingestellt), er also seine Karriere auch als Belletristik- Autor erfolgreich hätte machen können, wenn er diesen Weg eingeschlagen hätte - hat er aber nicht. Und so bleibt das Buch eine Ausnahme im Werk von Jünger. Eine, die man nicht außer Acht lassen braucht.
Im Übrigen interessiert mich das besprochene Buch nicht. Jeder Hof hat seine Narren, seine Flüsterer, seine Strategen, seine Intriganten, sein Theater, seine Feigenblätter, seine Meuchler. Sog. Intellektuelle sind immer irgendwo in diesem Umfeld, in diesem Biotop zu finden und es sei es auch nur als Besucher. Das Thema ist mithin so neu und so interessant wie der Sack Reis in China.

H. M. Richter

15. Oktober 2026 10:29

@Majestyk
„Vermutlich hätte man besser erst einmal mit zwei Staaten weitergemacht statt Währung und Grenzen zu opfern.“
 
 
Die Fortführung der Zweistaatlichkeit war unter den Bedingungen, die nach dem 9. November 1989 entstanden waren, ausgeschlossen. Vermutlich hätte nur ein Putsch in Moskau mit Sturz von Gorbatschow daran etwas ändern können. Insofern existierte ein Zeitfenster, welches Kohl bewußt war.
 
 
Eine persönliche Erinnerung: Anfang 1990 waren im Osten die Hotelbetten knapp. So kam es, daß der Historiker Hans Mommsen von mir für einige Tage beherbergt wurde und ich seinen unbändigen Zorn über eine sich abzeichnende Vereinigung erleben mußte. Doch selbst er sah ein, daß diese unausweichlich geschehen würde. "Noch nie gab es das in der Geschichte der Menschheit, daß sich ein Staat weggeworfen hat“, schleuderte er mir wutentbrannt im abendlichen Gespräch entgegen.

Laurenz

15. Oktober 2026 12:28

@RMH ... Sie beschreiben das Problem um die Intellektuellen & die, die sich dafür halten, wie zB Poschardt, ganz gut mit dem Satz ... Jeder Hof hat seine Narren, seine Flüsterer, seine Strategen, seine Intriganten, sein Theater, seine Feigenblätter, seine Meuchler. Sog. Intellektuelle sind immer irgendwo in diesem Umfeld, in diesem Biotop zu finden & sei es auch nur als Besucher. ... Umso älter ich werde, umso mehr manifestiert sich in mir reinste Verachtung für diese Schmarotzerkaste. Nicht, daß ich Stalinist wäre, der meint, alle Intellektuellen beseitigen zu müssen, aber ich habe nur Respekt vor verkauften Büchern, heute Downloads oder Klickzahlen. Allerdings ist es das fundamentale Vedienst GKs & Seiner Strategie, dieses Feld über viele Jahre bearbeitet -, die Rechte von ihrer verstaubten Rückwärtsgewandheit befreit - & das Skinhead-Image im Vorfeld beseitigt zu haben. Hierdurch entstand überhaupt erst die offensichtliche linke Verweigerung zum Diskurs, zeigte sich das Potemkin'sche Dorf einer linken intellektuellen Schicht. Auf die Idee, das so durchzuziehen, muß man erstmal kommen. Das aus eigener Kraft auch noch umzusetzen, ist nicht nur quasi eine epochale Leistung.

tearjerker

15. Oktober 2026 12:57

@RMH: Natürlich wanzten sich Autoren wie Grass auch aus Geltungssucht an die Hohen Ämter an, aber ein viel grösserer Impuls war und ist in der Bundesrepublik das Finanzielle, wurde der kulturelle Betrieb doch unter der Schirmherrschaft des Staates mit immensen Mitteln ausgebaut. Fernsehen, Theater usw sähen ohne direkte oder indirekte staatliche Förderung ganz anders aus, boten in den 60ger bis 80ger Jahre aber noch die weitaus grössten Platformen um die eigene Reichweite anzuschieben. Da lud Willy halt den Nobelpreisautoren zum Getränk, weil WinWin. Neue Kanäle wie das Internet haben das nur noch verstärkt, balgt sich doch eine immer grösser werdende Schar der Kulturellen um die Etats, was die Tonalität verschärft und die Anbiederei an die öffentlichen Geldgeber bis zum Peinlichen aufbläst. Gleichzeitig vermischt sich das auf unangenehme Weise mit dem Anspruch sich für was Besseres halten zu wollen. Die Status/Dünkel/Eitelkeit-Aspekte sind auch in den Links/Rechts-Diskussionen zentral.

Old Linkerhand

15. Oktober 2026 13:57

Kenne Peter Hacks nur als Eduard Eschschloraque, finde das Gedicht aber gelungen. Wer Albert Camus "Die Pest" gelesen und verstanden hat, wird nimmer mehr Terrorist. Dürfte klar sein, gelle.

Old Linkerhand

15. Oktober 2026 14:12

Kann mich noch gut an das Interview im Anschluss nach dem Treffen erinnern. Kohl erzählte irgendwas von persönlicher Begegnung. Jünger widersprach ihm heftigst, er habe dem Treffen nur zugestimmt, weil Kanzler und Staatspräsident empfangen wurden , nicht aber die Personen Kohl und Mitterrand .

Ein gebuertiger Hesse

15. Oktober 2026 20:01

Kohl ... Man googele mal dessen Namen + Wohnhaus. Wer möchte dort in der Bonner Republik + später gelebt haben? 

Dietrichs Bern

15. Oktober 2026 21:25

@Majestyk: Was die Säulenheiligen angeht, war bei uns eher Schmidt das Thema - im Grunde erinnere ich mich zwar an erregte Diskussionen auf Familienfeiern, denen ich als Kind und Jugendlicher eher wenig Interesse entgegengebracht habe, aber Politik hatte auch nicht diesen Stellenwert wie heute.
Für mich ist der Abstieg der Politik in, das was wir heute kennen, untrennbar mit dem Aufstieg der Grünen verbunden, zunächst mit dem Einzug in den Bundestag und dann vor allem mit der Regierungsbeteiligung in NRW. Was das angeht ist es aus meiner Sicht von besonderer Tragik, dass der Fall der Grünen unter die 5 % Hürde und die mutmaßliche Bedeutungslosigkeit, nur durch Bündnis 90 als Bestandteil der Wiedervereinigung aufgehalten wurde. 

Mitleser2

16. Oktober 2026 08:34

@Dietrichs Bern: Ja, die Grünen. Ursache allen Übels. Gibt's ja auch nur hier nennenswert. Und jetzt in UK als krasse Antisemitismuspartei. Bei den Neurechten ist der Hauptfeind aber die Liberalen. Muss man nicht verstehen. Aber jedem das Seine.

Majestyk

16. Oktober 2026 14:20

@ Dietrichs Bern:
Die Geschichte erzählt sich, die DDR ging unter. Das Land in dem ich aufwuchs in meiner Wahrnehmung schrittweise ebenfalls, auch wenn der Name weiterlebte. Ihrer Beobachtung stimme ich zu. Ohne Mitwirken der großen Zwei hätte sich dennoch nie grüne Politik durchgesetzt. Prinzipiell ist diese Ideologie aber ein weiterer "Meilenstein" deutschen Denkens. Entscheidend war aber auch, daß die SPD nach Schmidt und auch die CDU unter Kohl anfing sich feministischen Spielregeln zu unterwerfen, wodurch ja nicht nur Frauen zu Ersatzmännern werden, sondern schlimmer noch, charakterschwache Männer beim Aufstieg begünstigt. 
@ Mitleser2:
"Bei den Neurechten ist der Hauptfeind aber die Liberalen. Muss man nicht verstehen."
Doch, ich verstehe das. Der Hauptfeind der Autoritären waren schon immer die Liberalen, siehe 1848. Ob die Autoritären nun egalitär denken oder in ständischen Kategorien ist unerheblich. Die Ablehnung des Liberalismus, einer freien Lebensweise oder auch des Prinzips Auf- und abstieg nur durch Leistung und nicht durch Ideologietreue oder Geburtsrecht eint Links- wie Rechtsautoritäre. Merkt man auch daran, wer international von beiden als Satan gebrandmarkt wird. Und dann gibt es ja noch was Trennendes. Liberale denken einen Staat vom Individuum aus, Linke und Rechte tun das nicht, sie denken im jeweiligen Kollektiv. Merkt man schon am ständigen Gebrauch des Wortes "wir".

Majestyk

16. Oktober 2026 14:38

@ tearjerker:
"ein viel grösserer Impuls war und ist in der Bundesrepublik das Finanzielle, wurde der kulturelle Betrieb doch unter der Schirmherrschaft des Staates mit immensen Mitteln ausgebaut."
Deswegen heißen die bei uns ja auch Kulturschaffende. Ich persönlich baue ja gerne noch ein "an" hinter Kultur ein. Braucht man hier aber nicht zu diskutieren. Das Prinzip würde auch nach einer Wende nach rechts nicht geändert. Ich persönlich finde Metzger, Bäcker oder Bierbrauer ja förderungswürdiger. Deutsche Wurst, deutsches Brot und deutsches Bier sind auch Kulturgüter und dabei sogar politisch neutral. So ein deutsches Bier kann von jedem getrunken werden.
@ Old Linkerhand:
"Wer Albert Camus "Die Pest" gelesen und verstanden hat, wird nimmer mehr Terrorist."
Aber nur wenn man linke Schlagseite hat und mit Terrorismus sympathisiert. Anscheinend halten viele die Résistance ja noch immer für echte Freiheitskämpfer und nicht für die kommunistischen Radikalen und Terroristen, die sie tatsächlich weitgehend waren. Jene verklärte Résistance bekämpfte ja nicht nur die nach Kriegsrecht reguläre und völlige legale Besatzung (Frankreich hatte sich ja ergeben, anders als Polen), sondern auch politische Feinde unter den Franzosen. Alles andere ist Nachkriegsromantik.

Diogenes

16. Oktober 2026 14:51

1/2 @Mitleser2 
 
Definieren Sie jetzt wer wessen Feindbild ist oder möchten Sie das nicht - die Egozentrik des eigenen Weltgesichts/Gedichts - außen vorgelassen denjenigen überlassen die sich selbst so bezeichnen?
 
Antijudaismus wird es immer geben, genauso wie es Antideutsche immer geben - die einen sind es aus religiös-ideologischen Gründen und die anderen aus Neid auf die Errungenschaften und Leistungen jenes Volkes (wessen Volk gemeint ist überlasse ich dem Gedankengang des Lesers). Jedenfalls meint dieses ganz und gar völlig ausgehöhlte Wort "Antisemitismus" (weil es inflationäre Anwendung durch ungebildete oder bösartige Menschen - die Masse - findet) nicht nur Juden, sondern auch beispielsweise Palästinenser (zu den Semiten gehörend). 

Dietrichs Bern

16. Oktober 2026 16:31

@Mitleser2: Nun, die Grünen sind letztlich in Politik gegossene Weltanschauung, die es so in weiten Teilen der Welt gibt, nur unter anderem Namen. Im Grunde geht es um die Verneinung von Leben, Schönheit, Schaffenskraft, Anstand, Fleiß, Bildung, Herkunft - eigentlich alles, was menschliche Existenz ermöglicht. Diese Weltanschauung ist ohne Wirtskörper, nicht selbst überlebensfähig. 
Die Gegnerschaft zwischen Rechts und Liberal ist beidseitig undurchdacht. Der Liberalismus ist nicht zur Erzeugung seiner Grundlagen fähig, der (rechte) Staat wird ohne Liberalismus zwangsläufig totalitär. 

Laurenz

16. Oktober 2026 18:45

@Dietrichs Bern @Mitleser2 ... der (rechte) Staat wird ohne Liberalismus zwangsläufig totalitär. ... Umgekehrt wird ein Schu draus. Der Staat wird durch Liberalismus totalitär.

Ein gebuertiger Hesse

16. Oktober 2026 18:48

@Dietrichs Bern
"der (rechte) Staat wird ohne Liberalismus zwangsläufig totalitär."
Können Sie das bitte näher ausführen? (Sie haben sich da einen argumentativen Elfmeter hingelegt, der allerdings aus dem eigenen Feld gespielt werden muß.)

Dietrichs Bern

16. Oktober 2026 21:25

@Ein gebürtiger Hesse @Laurenz: Der Staat von dem ich rede, respektiert die Freiheit seiner Bürger soweit wie möglich und regelt seine Einflussnahme auf Wirtschaft, Justiz, Verteidigung, Infrastruktur auf Notwendigkeiten die die Funktionen sichern und ein Recht des Stärkeren ausschließen. Das bedeutet z. b. Konkret Festschreibung einer Staatsquote deutlich unter 50 Prozent, echten Bürokratieabbau, Auflösung von fast allen Ministerien, Reduzierung des Parlaments usw. 
Nochmal @Laurenz: Die tief verwurzelte Überzeugung, alles besser zu wissen als der Einzelne ist totalitär und antiliberal. Deshalb irren Sie.

Old Linkerhand

17. Oktober 2026 08:17

Liberale und Linke vereint der Mut der Ahnungslosen. Manche hier argumentieren wie diese genitalverstümmelten nordafrikanischen Mütter, die jetzt unbedingt wollen, daß ihre Töchter die gleiche Tortur durchleiden.

dojon86

17. Oktober 2026 08:46

@Majestyk Der Liberalismus ist eindeutig der Hauptgrund für die multikulturelle Zerlegung Deutschlands. Wer die Menschen nur als atomisierte Individuen sieht, dem ist es auch egal, ob da mal ein paar Millionen zuziehen. Wenn man ein Grundstück hat, ist das doch wunderbar weil das steigert den Wert desselben. Das belebt doch Wirtschaft und Immobilienmarkt. Kultur (im umfassenden Sinn) ist ja etwas Kollektives und damit ohnehin einem liberalen Freigeist suspekt. Die billigere Arbeitskraft ist die Bessere. Das ist doch urliberales Gedankengut. Jetzt nutzen die Linken die Ergebnisse der Massenmigration z. B. in Berlin aus. Ein so ein Pech aber auch. Das hätten sich die Liberalen aber denken können, dass das passieren wird, als sie anno 1970 den Import türkischer Gastarbeiter bejubelten. Wer unsere durch liberale Ideen geformte nahe Zukunft sehen will, der blicke nach Frankreich oder England. Im übrigen schätze ich die Diskussionsplattform, die uns hier zur Verfügung gestellt wird, außerordentlich. Ich habe aber allmählich den Eindruck, dass sich die Diskussionsthemen immer mehr in Richtung Wolkenkukucksheim verschieben.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.