Diese Ausschreitungen in Frankreich sind ein Vorgeschmack auf die heiße Phase des Bevölkerungsaustauschs in ganz Europa.
Sie nur ökonomisch (wie es der Staatsfunk und ähnliche Medien beharrlich tun) zu analysieren, wäre verfehlt. Selbstverständlich gibt es Mißstände. Insgesamt krankt Europa, Frankreich voran, an Überalterung und Staatsverschuldung. Doch daß diese Mißstände derart eskalieren, liegt am ethnoreligiösen Zunder, den man sich in den letzten Jahren importiert hat.
Die dreifache Frontlinie, die Europas Staaten wie ein Graben durchtrennt, wird hier sichtbar. Erstens ist es ein Generationenkonflikt zwischen der perspektivlosen Jugend und einer satten Boomergeneration. Zweitens liegt ein Konflikt zwischen Wohlhabenden und Armen vor. Drittens einer zwischen Einheimischen und Migranten. Diese drei Frontlinien verlaufen nicht exakt gleich, aber sie überlagern sich.
Jean-Luc Mélenchon erkannte das früh und positionierte sich auf der Seite des migrantischen Linkspopulismus.
Die radikale, marxistische und postmarxistische Linke verbrüdert sich mit der religiösen und ethnischen Identitätspolitik. Dafür verbreitet sich seit kurzem der Begriff „Islamomarxismus“. Er ist provokant. Aber beschreibt er auch die Wirklichkeit?
Zunächst muß man unterscheiden. Frankreich hat reale soziale Probleme: Staatsverschuldung, Jugendarbeitslosigkeit, marode Schulen und eine tiefe Krise der politischen Repräsentation. Wer diese Ursachen ignoriert und jede Demonstration schlicht zum ethnischen Aufstand erklärt, macht es sich zu einfach. Auch ohne Überfremdung gäbe es in Frankreich derzeit wohl soziale Proteste, die – frankreichtypisch – hitziger ausfallen würden als in Dänemark oder Island.
Ebenso falsch wäre es jedoch, diese Ausschreitungen nur als sozialen Protest zu interpretieren und mit der ökonomistischen Brille zu betrachten. Linke Demonstranten, militante Linksradikale und opportunistische, migrantische Plünderer bilden eine natürliche Interessengemeinschaft. Revolutionäre Sehnsüchte, Beutegier, Abenteuerlust und die Suche nach Adrenalin verbinden sich.
Warum der Staat nicht durchgreift, erklärte dieser Pariser in einem erhellenden Tweet, für alle, die des Englischen mächtig sind.
Das Muster ist bewährt und verstärkt sich mit jeder Wiederholung: Linksliberale starten einen politischen Protest. Linksextremisten entführen ihn und laden ihn militant auf. Migranten mobilisieren sich organisch über Social Media und nutzen die Gelegenheit zu Plünderung und Zerstörung.
Aus Angst vor einem toten jungen Afroaraber aus den Banlieues oder einem linken Demonstranten aus gutem Hause hält sich der Staat zurück. Immerhin brandschatzen hier zwei geschützte Klassen.
Derselbe Staat verbietet zeitgleich jede rechte Organisation, die nicht bei drei auf dem Baum ist. Nur in Frankreich wurde die Identitäre Bewegung bisher verboten. Nur in Frankreich wurde die friedliche Banneraktion, die derzeit mit dem „Save Europe Act“ durch Europa tourt, zweimal verboten. Das Hexagon ist ein Freiluftgefängnis für europäische Patrioten und ein Laissez-faire-Disneyland für Linke und Maximalpigmentierte.
Akut nützen diese Ausschreitungen Le Pen. Macron steht als unfähig da und Mélenchon als entlarvt. Gezielt fährt Le Pen ihren Kurs der „Entdämonisierung“ weiter, umgarnt islamische Wähler (“Ja, der Islam ist mit der Republik vereinbar, ich habe es zehnmal gesagt!”) und schlägt Kapital aus dem Umstand, daß sie diesmal keinen starken Herausforderer von rechts hat.
Der Grund für Le Pens Angebot an muslimische Staatsbürger ist offensichtlich. Über 10 % des Elektorats sind bereits Muslime. Diese wählten bisher bei jeder Wahl im zweiten Wahlgang mit absoluter Mehrheit ihren Gegenkandidaten. Mit aller Kraft versucht sie daher, eine gemäßigte Law-and-Order-Plattform aufzubauen. Die Ausschreitungen verstärken ihre Position deutlich, da in ihnen die Alternative zu Le Pen sichtbar wird.
Analysiert man die beiden Grundströmungen unter den grellen Bildern der Exzesse, so zeigen sich aus meiner Sicht zwei große Kraftlinien.
- Unter den einheimischen Teilnehmern dominiert eine harte linksrevolutionäre Doktrin: Antifa-Parolen, Kommunistenfahnen, antikapitalistischer Umsturz. Sie sehen die Migranten als revolutionäres Potenzial und die Plünderungen als revolutionäre Lage. Sie hoffen auf eine Eskalation des Chaos und die Gründung eines im weiteren Sinne marxistischen Alternativsystems.
- Unter den weitgehend ideologiefreien migrantischen Teilnehmern gibt es, wenn überhaupt, den Islam als einheitliche Klammer. Nicht alle (vor allem die Afrikaner nicht) sind Muslime. Aber die antikoloniale, gewaltaffine Schlagseite des Islamismus wird gerne angenommen. Allahu-Akbar-Rufe, Palästinaflaggen und Palitücher liefern das ethnoreligiöse Kolorit.
Zusammen bilden sie ein Phänomen, das ich mangels eines besseren Begriffs als „Islamomarxismus“ (nach „Islamogauchisme“) bezeichne.
Zwischen beiden Strängen bestehen erhebliche Widersprüche. Marxismus und politischer Islam teilen weder dieselbe Gesellschaftsordnung noch dasselbe Menschenbild. Dennoch können sie sich bei konkreten politischen Forderungen begegnen. Die Israelkritik und das Entflammen des Nahostkonflikts erzeugten einen mobilisierenden Mythos, der sich exakt in der Schnittmenge beider Bereiche positionierte.
Der Einwand gegen den Begriff ist bekannt: Jean-Luc Mélenchon sei kein klassischer Marxist. Das ist richtig. In einer umfassenden Kritik hat Bruno Wolters Mélenchons Politik auf Laclau und Mouffe zurückgeführt. Sie lockern die marxistische Nomenklatur weiter auf und gaben ihren Sanctus zu strategischer Identitätspolitik und simplem Populismus. Aus Klassenkampf wird ein Kampf um politische Identität, Anerkennung und Hegemonie.
Mélenchons “La France insoumise” ist ein Beispiel für diese Entwicklung. Traditionelle linke Wähler, urbane Akademiker, junge Aktivisten und migrantische Mobs werden in einer identitären Strategie miteinander verkettet. Doch selbstverständlich stehen Laclau und Mouffe ebenso wie Mélenchon immer noch in der breiteren Tradition des Marxismus. Der linke Kern von LFI sieht sich in der Rolle antiimperialistischer und antikapitalistischer Revolutionäre, die eine klassenlose Gesellschaft errichten wollen. Die Migranten sind dafür das naheliegende revolutionäre Subjekt und der Postmarxismus eine ideologische Adaption zur Selbstvergewisserung. Der Begriff „Marxismus“ ist also mangels aussagekräftiger Ersatzbegriffe gerechtfertigt. Kommen wir zum Islam.
Laut einer Ifop-Erhebung stimmten 2022 rund 69 Prozent der befragten muslimischen Wähler für Mélenchon. Das ist ein bemerkenswerter Erfolg. Entscheidend dafür ist weniger die soziale Frage, mit der alte linke Parteien auch hausieren gehen, sondern die Geopolitik. Durch seine klare antizionistische Haltung und die empörten Reaktionen des Establishments schärfte Mélenchon ein revolutionäres, pro-islamisches Profil, das ihn zum Kandidaten des Banlieus machte.
Linke Zoomer, die ebenso wie ihre rechten Gegenparts den Zionismus weitgehend ablehnen, fühlen sich davon auch eher angesprochen als von den verstaubten Sozialisten. Denn Israelsolidarität ist, bis auf wenige „antideutsche“ Ausnahmen in der BRD und Österreich, stark establishment- und „boomercodiert“.
Der Mob, der die letzten Tage Frankreich heimsuchte, ist auch nicht streng islamisch. Aber der Islam bleibt derzeit die einzige denkbare identitäre Klammer für zahlreiche Migrantenmilieus, die sowohl Marxismus als auch Postmarxismus herzlich wenig angehen.
Hier bieten sich zahlreiche ideologische Vorbilder. Antiimperialistische Theoretiker wie Malcolm X sahen etwa im kämpferischen, arabisch dominierten Islam eine Alternative zum pazifistischen, westlich und weiß aufgefassten Christentum.
Ob es ideologisch paßgenau ist, ist zweitranging. Es hat sich in in der Realität bewährt. Das islamomarxistische Zweckbündnis steht. Es feiert von Saint-Denis bis Berlin große Wahlerfolge. In einer ersten Phase richtet sich die Stoßrichtung gegen die alten sozialistischen Platzhirsche.Mit Antizionismus (Free Palestine), Radical Chic (Antifa) und Populismus (Billige Mieten) rollen gewiefte Volksaustauschtribunen wie Mélenchon, oder Migranten wie Mamdani, Elif und Co. die alte Linke auf.
Die zweite Phase wäre die schrittweise Machtergreifung im Staat durch die ethnische Wahl. Das endlose Potential an Ersetzungsgeburten und ‑einwanderung aus ihren migrantischen Wählerstimmenbatterien ist die antidemokratischen Geheimwaffe des Islamomarxismus.
Sie haben einen mächtigen „Biohack“ gegen die alten Eliten entdeckt. Allahu Akbar fusioniert mit Alerta.
Zu dieser schleichenden demografischen Erdrosselung der Demokratie kommt die Herrschaft des Mobs. Eine straff organisierte linksterroristische Straßentruppe kann jederzeit das migrantische Chaospotential entfesseln und den Staat lahmlegen.
Der Islamomarxismus verfügt so über einen „bewaffneten Arm“, dem nur er Einhalt gebieten kann, sofern man ihn mit Geld und Macht besticht.
Dazu wachsen im Hintergrund die Netzwerke mit Clans, organisierter Kriminalität und Moscheegemeinden. Die Polizei wird unterwandert. Staatsanwälte, Beamte und Polizisten werden so systematisch bestochen oder unter Druck gesetzt.
Doch was am Ende folgt, kann auch keinem Marxisten gefallen. Gelingt es der Remigrations-Allianz nicht, den Islamomarxismus zu stoppen und ihm die demografische Frage aus der Hand zu schlagen, platzt auch der Traum einer klassenlosen Gesellschaft.
Denn langfristig bildet der islamisch-migrantische Flügel aufgrund seiner demografischen und militanten Macht dem stärkeren Teil. Wie nach den Revolutionen in Algerien und im Iran und der Farbrevolution in Ägypten folgt keine sozialistische Weltrepublik im Kleinen, sondern eine Variation des islamischen Staates.
Die Linken, die dachten, daß sie islamische Großfamilien als nützliche Idioten für ihren modrigen Traum einer kommunistischen Revolution mißbrauchen können, werden merken, daß sie selbst die nützlichen Idioten waren. Am Ende übertönt Allahu Akbar das Alerta und die Demografie verschlingt Demokratie.
Das Gute ist: Wir wurden gewarnt. Die ethnischen Schocks von Berlin und Paris wecken wohl bald auch den die eingefleischtesten Liberalkonservativen und Altlinken auf.