Frankreich brennt – wegen Islamomarxismus?

Diesmal brannte nicht die Notre-Dame, sondern das Rathaus von Limoges. Ein ethnischer Schock breitet sich von Frankreich nach ganz Europa aus. Die von Mélenchon gestarteten „Schülerproteste“ eskalieren in ethnische Ausschreitungen oder „Race Riots“, wie man sie in den USA nennen würde.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Die­se Aus­schrei­tun­gen in Frank­reich sind ein Vor­ge­schmack auf die hei­ße Pha­se des Bevöl­ke­rungs­aus­tauschs in ganz Europa.

Sie nur öko­no­misch (wie es der Staats­funk und ähn­li­che Medi­en beharr­lich tun) zu ana­ly­sie­ren, wäre ver­fehlt. Selbst­ver­ständ­lich gibt es Miß­stän­de. Ins­ge­samt krankt Euro­pa, Frank­reich vor­an, an Über­al­te­rung und Staats­ver­schul­dung. Doch daß die­se Miß­stän­de der­art eska­lie­ren, liegt am eth­nore­li­giö­sen Zun­der, den man sich in den letz­ten Jah­ren impor­tiert hat.

Die drei­fa­che Front­li­nie, die Euro­pas Staa­ten wie ein Gra­ben durch­trennt, wird hier sicht­bar. Ers­tens ist es ein Gene­ra­tio­nen­kon­flikt zwi­schen der per­spek­tiv­lo­sen Jugend und einer sat­ten Boo­mer­ge­ne­ra­ti­on. Zwei­tens liegt ein Kon­flikt zwi­schen Wohl­ha­ben­den und Armen vor. Drit­tens einer zwi­schen Ein­hei­mi­schen und Migran­ten. Die­se drei Front­li­ni­en ver­lau­fen nicht exakt gleich, aber sie über­la­gern sich.

Jean-Luc Mélen­chon erkann­te das früh und posi­tio­nier­te sich auf der Sei­te des migran­ti­schen Linkspopulismus.

Die radi­ka­le, mar­xis­ti­sche und post­mar­xis­ti­sche Lin­ke ver­brü­dert sich mit der reli­giö­sen und eth­ni­schen Iden­ti­täts­po­li­tik. Dafür ver­brei­tet sich seit kur­zem der Begriff „Isla­mo­mar­xis­mus“. Er ist pro­vo­kant. Aber beschreibt er auch die Wirklichkeit?

Zunächst muß man unter­schei­den. Frank­reich hat rea­le sozia­le Pro­ble­me: Staats­ver­schul­dung, Jugend­ar­beits­lo­sig­keit, maro­de Schu­len und eine tie­fe Kri­se der poli­ti­schen Reprä­sen­ta­ti­on. Wer die­se Ursa­chen igno­riert und jede Demons­tra­ti­on schlicht zum eth­ni­schen Auf­stand erklärt, macht es sich zu ein­fach. Auch ohne Über­frem­dung gäbe es in Frank­reich der­zeit wohl sozia­le Pro­tes­te, die – frank­reich­ty­pisch – hit­zi­ger aus­fal­len wür­den als in Däne­mark oder Island.

Eben­so falsch wäre es jedoch, die­se Aus­schrei­tun­gen nur als sozia­len Pro­test zu inter­pre­tie­ren und mit der öko­no­mis­ti­schen Bril­le zu betrach­ten. Lin­ke Demons­tran­ten, mili­tan­te Links­ra­di­ka­le und oppor­tu­nis­ti­sche, migran­ti­sche Plün­de­rer bil­den eine natür­li­che Inter­es­sen­ge­mein­schaft. Revo­lu­tio­nä­re Sehn­süch­te, Beu­te­gier, Aben­teu­er­lust und die Suche nach Adre­na­lin ver­bin­den sich.

War­um der Staat nicht durch­greift, erklär­te die­ser Pari­ser in einem erhel­len­den Tweet, für alle, die des Eng­li­schen mäch­tig sind.

Das Mus­ter ist bewährt und ver­stärkt sich mit jeder Wie­der­ho­lung: Links­li­be­ra­le star­ten einen poli­ti­schen Pro­test. Links­extre­mis­ten ent­füh­ren ihn und laden ihn mili­tant auf. Migran­ten mobi­li­sie­ren sich orga­nisch über Social Media und nut­zen die Gele­gen­heit zu Plün­de­rung und Zerstörung.

Aus Angst vor einem toten jun­gen Afro­ara­ber aus den Ban­lieues oder einem lin­ken Demons­tran­ten aus gutem Hau­se hält sich der Staat zurück. Immer­hin brand­schat­zen hier zwei geschütz­te Klassen.

Der­sel­be Staat ver­bie­tet zeit­gleich jede rech­te Orga­ni­sa­ti­on, die nicht bei drei auf dem Baum ist. Nur in Frank­reich wur­de die Iden­ti­tä­re Bewe­gung bis­her ver­bo­ten. Nur in Frank­reich wur­de die fried­li­che Ban­ner­ak­ti­on, die der­zeit mit dem „Save Euro­pe Act“ durch Euro­pa tourt, zwei­mal ver­bo­ten. Das Hexa­gon ist ein Frei­luft­ge­fäng­nis für euro­päi­sche Patrio­ten und ein Lais­sez-fai­re-Dis­ney­land für Lin­ke und Maximalpigmentierte.

Akut nüt­zen die­se Aus­schrei­tun­gen Le Pen. Macron steht als unfä­hig da und Mélen­chon als ent­larvt. Gezielt fährt Le Pen ihren Kurs der „Ent­dä­mo­ni­sie­rung“ wei­ter, umgarnt isla­mi­sche Wäh­ler (“Ja, der Islam ist mit der Repu­blik ver­ein­bar, ich habe es zehn­mal gesagt!”) und schlägt Kapi­tal aus dem Umstand, daß sie dies­mal kei­nen star­ken Her­aus­for­de­rer von rechts hat.

Der Grund für Le Pens Ange­bot an mus­li­mi­sche Staats­bür­ger ist offen­sicht­lich. Über 10 % des Elek­to­rats sind bereits Mus­li­me. Die­se wähl­ten bis­her bei jeder Wahl im zwei­ten Wahl­gang mit abso­lu­ter Mehr­heit ihren Gegen­kan­di­da­ten. Mit aller Kraft ver­sucht sie daher, eine gemä­ßig­te Law-and-Order-Platt­form auf­zu­bau­en. Die Aus­schrei­tun­gen ver­stär­ken ihre Posi­ti­on deut­lich, da in ihnen die Alter­na­ti­ve zu Le Pen sicht­bar wird.

Ana­ly­siert man die bei­den Grund­strö­mun­gen unter den grel­len Bil­dern der Exzes­se, so zei­gen sich aus mei­ner Sicht zwei gro­ße Kraftlinien.

  1. Unter den ein­hei­mi­schen Teil­neh­mern domi­niert eine har­te links­re­vo­lu­tio­nä­re Dok­trin: Anti­fa-Paro­len, Kom­mu­nis­ten­fah­nen, anti­ka­pi­ta­lis­ti­scher Umsturz. Sie sehen die Migran­ten als revo­lu­tio­nä­res Poten­zi­al und die Plün­de­run­gen als revo­lu­tio­nä­re Lage. Sie hof­fen auf eine Eska­la­ti­on des Cha­os und die Grün­dung eines im wei­te­ren Sin­ne mar­xis­ti­schen Alternativsystems.
  2. Unter den weit­ge­hend ideo­lo­gie­frei­en migran­ti­schen Teil­neh­mern gibt es, wenn über­haupt, den Islam als ein­heit­li­che Klam­mer. Nicht alle (vor allem die Afri­ka­ner nicht) sind Mus­li­me. Aber die anti­ko­lo­nia­le, gewalt­a­ffi­ne Schlag­sei­te des Isla­mis­mus wird ger­ne ange­nom­men. Alla­hu-Akbar-Rufe, Paläs­ti­na­flag­gen und Pali­tü­cher lie­fern das eth­nore­li­giö­se Kolorit.

Zusam­men bil­den sie ein Phä­no­men, das ich man­gels eines bes­se­ren Begriffs als „Isla­mo­mar­xis­mus“ (nach „Isla­mo­gauchis­me“) bezeichne.

Zwi­schen bei­den Strän­gen bestehen erheb­li­che Wider­sprü­che. Mar­xis­mus und poli­ti­scher Islam tei­len weder die­sel­be Gesell­schafts­ord­nung noch das­sel­be Men­schen­bild. Den­noch kön­nen sie sich bei kon­kre­ten poli­ti­schen For­de­run­gen begeg­nen. Die Isra­el­kri­tik und das Ent­flam­men des Nah­ost­kon­flikts erzeug­ten einen mobi­li­sie­ren­den Mythos, der sich exakt in der Schnitt­men­ge bei­der Berei­che positionierte.

Der Ein­wand gegen den Begriff ist bekannt: Jean-Luc Mélen­chon sei kein klas­si­scher Mar­xist. Das ist rich­tig. In einer umfas­sen­den Kri­tik hat Bru­no Wol­ters Mélen­chons Poli­tik auf Laclau und Mouf­fe zurück­ge­führt. Sie lockern die mar­xis­ti­sche Nomen­kla­tur wei­ter auf und gaben ihren Sanc­tus zu stra­te­gi­scher Iden­ti­täts­po­li­tik und simp­lem Popu­lis­mus. Aus Klas­sen­kampf wird ein Kampf um poli­ti­sche Iden­ti­tät, Aner­ken­nung und Hegemonie.

Mélen­chons “La France inso­u­mi­se” ist ein Bei­spiel für die­se Ent­wick­lung. Tra­di­tio­nel­le lin­ke Wäh­ler, urba­ne Aka­de­mi­ker, jun­ge Akti­vis­ten und migran­ti­sche Mobs wer­den in einer iden­ti­tä­ren Stra­te­gie mit­ein­an­der ver­ket­tet. Doch selbst­ver­ständ­lich ste­hen Laclau und Mouf­fe eben­so wie Mélen­chon immer noch in der brei­te­ren Tra­di­ti­on des Mar­xis­mus. Der lin­ke Kern von LFI sieht sich in der Rol­le anti­im­pe­ria­lis­ti­scher und anti­ka­pi­ta­lis­ti­scher Revo­lu­tio­nä­re, die eine klas­sen­lo­se Gesell­schaft errich­ten wol­len. Die Migran­ten sind dafür das nahe­lie­gen­de revo­lu­tio­nä­re Sub­jekt und der Post­mar­xis­mus eine ideo­lo­gi­sche Adap­ti­on zur Selbst­ver­ge­wis­se­rung. Der Begriff „Mar­xis­mus“ ist also man­gels aus­sa­ge­kräf­ti­ger Ersatz­be­grif­fe gerecht­fer­tigt. Kom­men wir zum Islam.

Laut einer Ifop-Erhe­bung stimm­ten 2022 rund 69 Pro­zent der befrag­ten mus­li­mi­schen Wäh­ler für Mélen­chon. Das ist ein bemer­kens­wer­ter Erfolg. Ent­schei­dend dafür ist weni­ger die sozia­le Fra­ge, mit der alte lin­ke Par­tei­en auch hau­sie­ren gehen, son­dern die Geo­po­li­tik. Durch sei­ne kla­re anti­zio­nis­ti­sche Hal­tung und die empör­ten Reak­tio­nen des Estab­lish­ments schärf­te Mélen­chon ein revo­lu­tio­nä­res, pro-isla­mi­sches Pro­fil, das ihn zum Kan­di­da­ten des Ban­lieus machte.

Lin­ke Zoo­mer, die eben­so wie ihre rech­ten Gegen­parts den Zio­nis­mus weit­ge­hend ableh­nen, füh­len sich davon auch eher ange­spro­chen als von den ver­staub­ten Sozia­lis­ten. Denn Isra­els­o­li­da­ri­tät ist, bis auf weni­ge „anti­deut­sche“ Aus­nah­men in der BRD und Öster­reich, stark estab­lish­ment- und „boo­mer­co­diert“.

Der Mob, der die letz­ten Tage Frank­reich heim­such­te, ist auch nicht streng isla­misch. Aber der Islam bleibt der­zeit die ein­zi­ge denk­ba­re iden­ti­tä­re Klam­mer für zahl­rei­che Migran­ten­mi­lieus, die sowohl Mar­xis­mus als auch Post­mar­xis­mus herz­lich wenig angehen.

Hier bie­ten sich zahl­rei­che ideo­lo­gi­sche Vor­bil­der. Anti­im­pe­ria­lis­ti­sche Theo­re­ti­ker wie Mal­colm X sahen etwa im kämp­fe­ri­schen, ara­bisch domi­nier­ten Islam eine Alter­na­ti­ve zum pazi­fis­ti­schen, west­lich und weiß auf­ge­fass­ten Christentum.

Ob es ideo­lo­gisch paß­ge­nau ist, ist zweit­ran­ging. Es hat sich in in der Rea­li­tät bewährt. Das isla­mo­mar­xis­ti­sche Zweck­bünd­nis steht. Es fei­ert von Saint-Denis bis Ber­lin gro­ße Wahl­er­fol­ge. In einer ers­ten Pha­se rich­tet sich die Stoß­rich­tung gegen die alten sozia­lis­ti­schen Platzhirsche.Mit Anti­zio­nis­mus (Free Pal­es­ti­ne), Radi­cal Chic (Anti­fa) und Popu­lis­mus (Bil­li­ge Mie­ten) rol­len gewief­te Volks­aus­tausch­tri­bu­nen wie Mélen­chon, oder Migran­ten wie Mamda­ni, Elif und Co. die alte Lin­ke auf.

Die zwei­te Pha­se wäre die schritt­wei­se Macht­er­grei­fung im Staat durch die eth­ni­sche Wahl. Das end­lo­se Poten­ti­al an Erset­zungs­ge­bur­ten und ‑ein­wan­de­rung aus ihren migran­ti­schen Wäh­ler­stim­men­bat­te­rien ist die anti­de­mo­kra­ti­schen Geheim­waf­fe des Islamomarxismus.
Sie haben einen mäch­ti­gen „Bio­hack“ gegen die alten Eli­ten ent­deckt. Alla­hu Akbar fusio­niert mit Alerta.

Zu die­ser schlei­chen­den demo­gra­fi­schen Erdros­se­lung der Demo­kra­tie kommt die Herr­schaft des Mobs. Eine straff orga­ni­sier­te links­ter­ro­ris­ti­sche Stra­ßen­trup­pe kann jeder­zeit das migran­ti­sche Cha­ospo­ten­ti­al ent­fes­seln und den Staat lahmlegen.

Der Isla­mo­mar­xis­mus ver­fügt so über einen „bewaff­ne­ten Arm“, dem nur er Ein­halt gebie­ten kann, sofern man ihn mit Geld und Macht besticht.

Dazu wach­sen im Hin­ter­grund die Netz­wer­ke mit Clans, orga­ni­sier­ter Kri­mi­na­li­tät und Moschee­ge­mein­den. Die Poli­zei wird unter­wan­dert. Staats­an­wäl­te, Beam­te und Poli­zis­ten wer­den so sys­te­ma­tisch besto­chen oder unter Druck gesetzt.

Doch was am Ende folgt, kann auch kei­nem Mar­xis­ten gefal­len. Gelingt es der Remi­gra­ti­ons-Alli­anz nicht, den Isla­mo­mar­xis­mus zu stop­pen und ihm die demo­gra­fi­sche Fra­ge aus der Hand zu schla­gen, platzt auch der Traum einer klas­sen­lo­sen Gesellschaft.

Denn lang­fris­tig bil­det der isla­misch-migran­ti­sche Flü­gel auf­grund sei­ner demo­gra­fi­schen und mili­tan­ten Macht dem stär­ke­ren Teil. Wie nach den Revo­lu­tio­nen in Alge­ri­en und im Iran und der Farb­re­vo­lu­ti­on in Ägyp­ten folgt kei­ne sozia­lis­ti­sche Welt­re­pu­blik im Klei­nen, son­dern eine Varia­ti­on des isla­mi­schen Staates.

Die Lin­ken, die dach­ten, daß sie isla­mi­sche Groß­fa­mi­li­en als nütz­li­che Idio­ten für ihren mod­ri­gen Traum einer kom­mu­nis­ti­schen Revo­lu­ti­on miß­brauchen kön­nen, wer­den mer­ken, daß sie selbst die nütz­li­chen Idio­ten waren. Am Ende über­tönt Alla­hu Akbar das Aler­ta und die Demo­gra­fie ver­schlingt Demokratie.

Das Gute ist: Wir wur­den gewarnt. Die eth­ni­schen Schocks von Ber­lin und Paris wecken wohl bald auch den die ein­ge­fleisch­tes­ten Libe­ral­kon­ser­va­ti­ven und Alt­lin­ken auf.

 

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

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