Die Bauernkriege – eine Chronik

PDF der Druckausgabe aus Sezession 126/Juni 2025

1524

 

Thü­rin­gen, Früh­jahr — Unter Tho­mas Münt­zer ent­wi­ckelt sich um Mühl­hau­sen her­um ein Zen­trum des Wider­stan­des und der städ­tisch-bäu­er­li­chen Oppo­si­ti­on gegen die Lehnsherren.

Baden, 23. Juni — Die Lage in der Land­graf­schaft Stüh­lin­gen spitzt sich zu, als die Lehns­her­ren mit­ten in der Ern­te­zeit schi­ka­nö­se Diens­te ein­for­dern. Dar­auf­hin orga­ni­sie­ren sich die Bau­ern und zie­hen im offe­nen Pro­test vor das Schloß. Dabei erhal­ten sie Unter­stüt­zung aus der refor­ma­to­risch gepräg­ten Stadt Walds­hut. Auf ihre For­de­run­gen geht Graf Sig­mund von Lup­fen nicht ein und for­dert ihre Unterwerfung. 

Baden, Juli — Der Auf­ruhr greift auf benach­bar­te Regio­nen über. Orga­ni­sier­te Bau­ern stel­len For­de­run­gen im Klett­gau, im Breis­gau, im Schwarz­wald und im Hegau.

Ober­schwa­ben, 10. August — Unter Georg Truch­seß von Wald­burg wer­den auf dem Tag des Schwä­bi­schen Bun­des, dem in der Regi­on die Auf­ga­be der Frie­dens­si­che­rung zukam, ers­te Gegen­maß­nah­men gegen den Auf­ruhr der Bau­ern ver­ab­schie­det und ein schlag­kräf­ti­ges Söld­ner­heer aufgestellt.

Baden, 2. Okto­ber — Bei der Hil­z­in­ger Kirch­weih tref­fen sich meh­re­re hun­dert Bau­ern aus dem Hegau und schwö­ren sich zu einer »Eid­ge­nos­sen­schaft« nach Schwei­zer Vor­bild ein. Kurz dar­auf zie­hen 3500 Bau­ern Rich­tung Furtwangen

 

1525

 

Ober­schwa­ben, Janu­ar — Ganz Ober­schwa­ben wird vom Auf­ruhr erfaßt. Die Bau­ern begin­nen, sich in Hau­fen zu orga­ni­sie­ren: So for­miert sich der Auf­stand in Süd­deutsch­land im Baltrin­ger Hau­fen, im See­hau­fen und im All­gäu­er Hau­fen. Meh­re­re zehn­tau­send Bau­ern, Bür­ger und Geist­li­che sam­meln sich, deren Ansin­nen nicht dar­in liegt, einen Krieg zu begin­nen, son­dern durch Ver­hand­lung mit dem Schwä­bi­schen Bund eine Ver­bes­se­rung ihrer Lebens­ver­hält­nis­se zu erreichen.

Ober­schwa­ben, 15. Febru­ar — Georg Truch­seß von Wald­burg wird zum obers­ten Feld­herrn des Schwä­bi­schen Bun­des ernannt. Er erklärt den Bau­ern im Hegau wegen Land­frie­dens­bruchs den Krieg. Durch sein beson­ders uner­bitt­li­ches und grau­sa­mes Vor­ge­hen gegen die auf­stän­di­schen Bau­ern erhält er den Bei­na­men »Bau­ern­jörg«.

Als wenig spä­ter die Schlacht von Pavia mit einer ver­nich­ten­den Nie­der­la­ge der fran­zö­si­schen Kriegs­par­tei endet, ste­hen den Habs­bur­gern und dem Schwä­bi­schen Bund wie­der Trup­pen zur Ver­fü­gung, die zuvor im habs­bur­gisch-fran­zö­si­schen Krieg um die Vor­herr­schaft in Ita­li­en gebun­den waren. Die Trup­pen begin­nen vor­sorg­lich, sich unter dem Truch­seß zu formieren.

Würt­tem­berg, 24. Febru­ar — Der mit der Reichs­acht beleg­te Her­zog Ulrich von Würt­tem­berg ver­sucht, den Auf­ruhr für die Rück­erobe­rung sei­nes Her­zog­tums zu nut­zen. Er star­tet einen Feld­zug mit Schwei­zer Söld­nern und wirbt auch um die Unter­stüt­zung der Bau­ern im Her­zog­tum. Sein Vor­ha­ben schei­tert, doch der Bund mit »gemei­nen Leu­ten« ist maß­ge­bend für den wei­te­ren Ver­lauf des auf­fla­ckern­den Krieges.

All­gäu, 7. März — Um ihre Inter­es­sen bes­ser gegen die Lehns­her­ren und den Schwä­bi­schen Bund durch­set­zen zu kön­nen, grün­den ober­schwä­bi­sche Bau­ern in Mem­min­gen die »Christ­li­che Ver­ei­ni­gung« und ver­ab­schie­den des­sen Bun­des­ord­nung, die ein rudi­men­tä­res poli­ti­sches Ord­nungs­mo­dell und Rege­lun­gen für die Bezie­hun­gen zwi­schen den ein­zel­nen Hau­fen beinhal­tet. Ver­schie­de­ne Bau­ern­hau­fen, wie der Baltrin­ger, der All­gäu­er und der See­hau­fen, sind nun in der Eid­ge­nos­sen­schaft organisiert. 

Würt­tem­berg, 9. März — Her­zog Ulrich, der sich inzwi­schen mit dem Bünd­nis des Hel­len Hau­fens zusam­men­ge­tan hat, zieht mit sei­nen Trup­pen vor Stutt­gart und bela­gert die Stadt. Für eine Bela­ge­rung hat er aller­dings zu wenig Trup­pen im Gefol­ge und muß wie­der abzie­hen. Er kehrt auf sei­ne Fes­tung Hoh­ent­wiel im schwä­bi­schen Sin­gen zurück.

Die Auf­stän­de wei­ten sich dar­auf­hin nach Rothen­burg o. d. Tau­ber, ins Neckar­tal und in den Oden­wald aus.

All­gäu, 20. März — Beim drit­ten Tref­fen der Christ­li­chen Ver­ei­ni­gung in Mem­min­gen wer­den unter Schrift­füh­rung des Hand­wer­kers ­Sebas­ti­an Lot­zer die »Zwölf Arti­kel« beschlos­sen. In ihnen wird das »gött­li­che Recht« gefor­dert. Als »freie Chris­ten­men­schen« ver­lan­gen die Bau­ern die Auf­he­bung der Leib­ei­gen­schaft, das Recht auf Jagd und Fisch­fang und die Ver­rin­ge­rung der Fron­diens­te an die Lehns­her­ren. Durch den Guten­berg­schen Buch­druck ver­brei­tet sich das Pam­phlet rasch über die süd­deut­schen Lan­des­gren­zen hin­weg. Auf die »Zwölf Arti­kel« wer­den sich von nun an alle kämp­fen­den Bau­ern­trup­pen berufen.

Würt­tem­berg, 4. April — Die ers­te Schlacht des Bau­ern­krie­ges bei Leip­heim endet mit einer Nie­der­la­ge des Leip­hei­mer Bau­ern­hau­fens gegen die Trup­pen des Schwä­bi­schen Bun­des und der Hin­rich­tung der Anfüh­rer. Infol­ge­des­sen unter­wer­fen sich vie­le Bau­ern des Baltrin­ger Hau­fens bedingungslos.

Der Auf­stand erreicht nun das Elsaß, wei­te­re Tei­le Würt­tem­bergs und das Hoch­stift Bam­berg sowie Würzburg.

Würt­tem­berg, 16. April — Auf­stän­di­sche Bau­ern des Oden­wäl­der Hau­fens stür­men die Stadt Weins­berg und neh­men die Burg ein. Der dor­ti­ge Amt­mann, Graf Lud­wig von Hel­fen­stein, und wei­te­re Ade­li­ge wer­den von den Bau­ern hin­ge­rich­tet und die Besat­zung und die Ade­li­gen der Burg Weins­berg massakriert.

Die Weins­ber­ger Blut­tat führt zur mas­si­ven Auf­rüs­tung der Her­ren und zur schwin­den­den Unter­stüt­zung der Bau­ern­an­lie­gen. Mar­tin Luther, der bis­lang die For­de­run­gen des gemei­nen Man­nes unter­stütz­te, ver­faßt sei­ne Schrift Wider die mör­de­ri­schen und räu­be­ri­schen Rot­ten der Bau­ern, in der er auch ein gewalt­sa­mes Vor­ge­hen gegen den Bau­ern­auf­stand fordert.

Ober­schwa­ben, 17. April — Im Ver­trag von Wein­gar­ten zwi­schen dem Schwä­bi­schen Bund unter dem Truch­seß von Wald­burg und dem zah­len­mä­ßig über­le­ge­nen See­hau­fen, den Bau­ern vom Boden­see, wird die Auf­lö­sung der Christ­li­chen Ver­ei­ni­gung fest­ge­legt, dafür wer­den gericht­li­che Ver­hand­lun­gen über die Beschwer­den der Bau­ern in Aus­sicht gestellt. Die Bau­ern­hau­fen erhal­ten gegen­über den adli­gen Trup­pen frei­en Abzug, müs­sen aber wie­der Abga­ben leis­ten und erober­tes Gut an die Besit­zer zurückgeben.

Würt­tem­berg, 18. April — Der Necker­tal-Oden­wäl­der Hau­fen nimmt unter der vor­über­ge­hen­den Lei­tung Götz von Ber­li­chin­gens die Reichs­stadt Heil­bronn ein.

Thü­rin­gen, 18. April — Der thü­rin­gi­sche Auf­stand beginnt im obe­ren Wer­ra­tal und mit Unru­hen in Ful­da. Der Hau­fen der Auf­stän­di­schen wächst auf mehr als zehn­tau­send Mann an.

Würt­tem­berg, 25. April — Der Würt­tem­ber­gi­sche Hau­fen nimmt Stutt­gart ein.

Würt­tem­berg, 4. Mai — In der Amor­ba­cher Erklä­rung wird eine ent­schärf­te Form der »Zwölf Arti­kel« durch Götz von Ber­li­chin­gen, Hans Ber­lin und Wen­del Hip­ler für den Neckar­tal-Oden­wäl­der Bau­ern­hau­fen for­mu­liert. Die­se Abmil­de­rung sieht ein Groß­teil der Bau­ern als Ver­rat der ursprüng­li­chen gemein­sa­men Zie­le. Ande­re Hau­fen wer­den ein­ge­la­den, sich in Heil­bronn zu einem Bau­ern­par­la­ment zu tref­fen, das aber nicht zustan­de kommt.

Würt­tem­berg, 8. bis 12. Mai — Der Würt­tem­ber­gi­sche und der Schwarz­wäl­der Hau­fen neh­men gemein­sam Her­ren­berg ein. Der Truch­seß greift zunächst wegen der guten Stel­lun­gen der Bau­ern nicht an. Nach­dem die Bau­ern die Stadt ver­las­sen und sich bis vor Böb­lin­gen zurück­ge­zo­gen haben, neh­men die Trup­pen des Truch­ses­ses die Bau­ern von den Stadt­mau­ern aus unter Beschuß. Die flie­hen­den Bau­ern wer­den über Kilo­me­ter ver­folgt, bis zu drei­tau­send Mann las­sen ihr Leben. Die Schlacht bei Böb­lin­gen been­det den Auf­stand in Württemberg.

Kurz dar­auf brin­gen bei Zabern im Elsaß Lands­knech­te Tau­sen­de Bau­ern um, obwohl frei­er Abzug gewährt wor­den ist.

Fran­ken, 14. Mai — In Würz­burg begin­nen die Bela­ge­rung und der Beschuß der fürstbischöf­lichen Mari­en­fes­tung durch ein Bau­ern­heer ­unter Anfüh­rer Flo­ri­an Gey­er von Gie­bel­stadt. Das Unter­fan­gen schei­tert weni­ge Wochen spä­ter, und das Bau­ern­heer unter­liegt den anrü­cken­den Trup­pen des Schwä­bi­schen Bundes.

Thü­rin­gen, 15. Mai — Unter dem Pre­di­ger Tho­mas Münt­zer sam­meln sich Tau­sen­de Bau­ern, die in einer Volks­ver­samm­lung bei Fran­ken­hau­sen mobi­li­siert wer­den sol­len. Die thü­rin­gi­schen Bau­ern wer­den durch ein hes­sisch-braun­schwei­gi­sches Fürs­ten­heer über­rannt und erlei­den eine ver­nich­ten­de Nie­der­la­ge. Zwölf Tage spä­ter erfolgt die Hin­rich­tung Müntzers.

Fran­ken, 2. Juni — Die Schlacht bei Königs­hofen in Fran­ken und die Ent­set­zung der Bela­ge­rung von Würz­burg enden mit dem Sieg des Schwä­bi­schen Bun­des mit dar­auf­fol­gen­den Mas­sen­hin­rich­tun­gen im Hoch­stift Würzburg.

All­gäu, 14./15. Juli — Die Schlacht bei Leu­bas endet mit einem Sieg des Schwä­bi­schen Bun­des und der Nie­der­la­ge der All­gäu­er Bauernhaufen.

Ober­schwa­ben, 4. Novem­ber — Im Hegau, wo vor einem Jahr die Pro­tes­te begon­nen haben, wird ein letz­ter Ver­such der Bau­ern niedergeschlagen.

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Sezession
DE58 8005 3762 1894 1405 98
NOLADE21HAL

Kommentare (0)