Leiden Antirassisten am Stockholm-Syndrom?

Vor einer Woche machte eine Meldung die Runde, die ich auch hier verzeichnen möchte: auf Druck der Grünen und der Linken soll nun ein in Hamburg herausgegebenes Pixi-Bilderbüchlein zum Thema "Politik und Demokratie" geändert werden, weil es, nach den Worten der GAL-Fraktionschefin Nebahat Güclü nicht genug "durchgegendert" ist,

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

ein “tra­di­tio­nel­les” Fami­li­en­bild prä­sen­tiert, außer­dem eine zu hohe Bleich­ge­sich­ter­quo­te hat, und damit “ras­sis­tisch” und “aus­gren­zend” ist. Auf Spie­gel-TV erschien ein Video, das man gese­hen haben muß, um es zu glauben.

[youtube:https://https://www.youtube.com/watch?v=kMpNa92uqi0]

Über die Phy­sio­gno­mien der Betei­lig­ten kann man sich kaum äußern, ohne die Anstands­gren­ze des Ad Homi­nem zu ver­las­sen.  Anstän­dig wür­de man nun zwar blei­ben, dafür aber den Ele­fan­ten im Zim­mer ver­schwei­gen. Außer­dem muß man schon ein Herz aus Stein haben, um ange­sichts einer sol­chen geball­ten Real­sa­ti­re nicht zu laut zu lachen oder zumin­dest am Früh­stück zu wür­gen. Was sich hier an ver­zopf­tem, säu­er­li­chen Res­sen­ti­ment und aggres­si­ver Betu­lich­keit einer­seits und pro­fil­lo­ser, mat­schi­ger Wider­stands­lo­sig­keit ande­rer­seits abzeich­net, spricht Bände.

Der Spie­gel-Kom­men­tar behan­delt das alles wie einen ein­zi­gen Witz. Aber so wie die Din­ge lie­gen, scheint der Antrag durch­zu­flut­schen wie das hei­ße Mes­ser durch die But­ter, ohne den gerings­ten Ein­spruch der SPD oder CDU, die sich statt­des­sen noch mit eige­nen Ergän­zun­gen (“Behin­der­te” gefäl­lig?) hervortat.Und in der Tat könn­te man fra­gen: war­um auch nicht? Ham­burg ist eine noto­risch durch­misch­te, “mul­ti­kul­tu­rel­le” Stadt, und in den Schul­klas­sen sitzt bestimmt eine Men­ge far­bi­ger Kin­der, die reprä­sen­tiert wer­den wol­len, und viel­leicht auch ein paar sexu­el­le Quo­ten­ab­weich­ler, die sich mit 10 Jah­ren schon eine alter­na­ti­ve Gen­der-Iden­ti­ty zurecht­ge­legt haben.

Mei­ne Lieb­lings­stel­le ist die, in der Neba­hat Güclü “von die­sem afri­ka­ni­schen Kind” erzählt,

das mich frag­te, das hat in die­ser Bro­schü­re eines die­ser Kin­der über­ge­malt, ein­fach braun über­ge­malt und sag­te: so jetzt paßt’s.

Dafür muß man natür­lich vol­les Ver­ständ­nis haben, es ist doch ganz klar, daß sich Kin­der und ande­re Men­schen eher mit Men­schen ihrer eige­nen Haut­far­be iden­ti­fi­zie­ren, nicht wahr? Oder hat Güclüs “afri­ka­ni­sches Kind” nicht viel­mehr “ras­sis­tisch” gehan­delt, weil es sich gewei­gert hat, die wei­ßen Kin­der als Men­schen unter Men­schen und sich selbst als Mensch unter Men­schen wahr­zu­neh­men? Schwie­rig, das einem Kind zu erklä­ren, denn offen­bar wird nie­mand far­ben­blind gebo­ren. Die ame­ri­ka­ni­sche Zeit­schrift News­week hat neu­lich berich­tet, daß sich bereits 6 Mona­te alte Babies “ras­sis­tisch” ver­hal­ten und nach Haut­far­be “dis­kri­mi­nie­ren”.  What’s a parent to do?

Es steht näm­lich noch ein ande­rer, viel grö­ße­rer Ele­fant im Zim­mer, und die Angst davor, ihn zu sehen, hat zu pathol­gi­schen Abwehr­re­ak­tio­nen und sozia­len Minen­fel­dern geführt. Näm­lich die schlich­te Tat­sa­che, daß das Bewußt­sein von Ras­sen­un­ter­schie­den in mul­ti­kul­tu­rel­len Gesell­schaf­ten noch gestei­gert (und nicht ein­ge­eb­net) wird.  Je mehr die Mul­ti­kul­tu­ra­li­sie­rung vor­an­schrei­tet, umso mehr wächst die gesell­schaft­li­che und media­le Obses­si­on mit “Ras­sis­mus” und “Frem­den­feind­lich­keit”. Und je stär­ker die Span­nun­gen sind, umso lau­ter wird das Man­tram der “Tole­ranz” geschrieen.

Tat­säch­lich wer­den uns die anti­ras­sis­ti­schen Slo­gans rund um die Uhr und aller­orts auf Pla­ka­ten, U‑Bahn-Bild­schir­men,  Auf­kle­bern, Post­stem­peln, in Kino- und TV-Spots um die Ohren gehau­en. Kein Ras­sis­mus! Kei­ne Frem­den­feind­lich­keit! Für Tole­ranz! Für Respekt! Gegen Gewalt!  Das kann auf die Dau­er nur den Effekt eines Deckels auf dem kochen­den Topf, eines roten Tuches und  einer gestei­ger­ten, und damit zuneh­mend rei­z­emp­find­li­chen Hyper­sen­si­bi­li­sie­rung haben.

Mit der mul­ti­kul­tu­ra­lis­ti­schen “Vielfalts”-Propaganda ver­sucht man Pro­ble­me zu bekämp­fen, die es ohne den Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus gar nicht gäbe.  Inzwi­schen haben sich auch in Deutsch­land “afro­deut­sche” Pres­su­re Groups gebil­det, die einen aggres­si­ven, gesell­schaftspal­ten­den Kul­tur­kampf gegen die nicht-far­bi­ge Noch-Mehr­heit betrei­ben. Es zeigt sich ana­log zu den ame­ri­ka­ni­schen Schwar­zen, daß die “Mischung” in der Regel stets zur Iden­ti­fi­ka­ti­on mit der schwar­zen Eltern­sei­te führt, was schon allein phä­no­ty­pisch wohl unver­meid­lich ist.  Deutsch­land ist dabei, sich unlös­ba­re Pro­ble­me zu impor­tie­ren, an denen sich die USA seit über 150 Jah­ren die Zäh­ne aus­bei­ßen – und die sich seit dem Amts­an­tritt Barack Oba­mas noch ver­schärft haben.

Hier hat sich eine Form von moder­nem Puri­ta­nis­mus ent­wi­ckelt, kom­plett mit den puri­ta­ni­schen Krank­hei­ten des Pha­ri­sä­er­tums, der Säu­be­rungs­wut, der Fremd­pro­jek­ti­on auf ande­re, und ja: der Into­le­ranz.  Hen­ry Mencken sag­te ein­mal, ein Puri­ta­ner sei ein Mensch, der in der quä­len­den Angst lebe, irgend­je­mand könn­te irgend­wo Spaß haben.  Man könn­te das leicht auf unse­re heu­ti­gen “Rassismus”-Besessenen umfor­mu­lie­ren.  Ein Anti­ras­sist ist jemand, der in der quä­len­den Angst lebt, irgend­wo könn­te irgend­wer irgend­je­man­den dis­kri­mi­nie­ren. Was in der vik­to­ria­ni­schen Zeit oder in man­chen Peri­oden des Mit­tel­al­ters der Sex war, ist heu­te die “Ras­se” oder der “Ras­sis­mus”.

Eine anti-ras­sis­ti­sche, indisch-deut­sche “Wis­sen­schaft­le­rin und Trai­ne­rin” schreibt etwa:

Die (Re)Produktion von Ras­sis­men bedarf daher kei­ner inten­tio­na­len bewuß­ten Hand­lung. Ras­sis­men wer­den von uns allen per­ma­nent und immer wie­der – und zumeist unbe­wusst und unge­wollt – (re)produziert. Aber auch die unbe­wuss­te und unge­woll­te (Re)Produktion ist gewalt­tä­tig und muss als sol­che erkannt und bekämpft werden.

Das erin­nert mich an ein Bibel­wort: “Wer eine Frau ansieht, sie zu begeh­ren, der hat schon mit ihr die Ehe gebro­chen in sei­nem Her­zen.” Man kann also nicht anders, als zu sün­di­gen. Man befän­de sich also, gemäß unse­rer oben zitier­ten For­sche­rin, in einem stän­di­gen Kampf mit der Erb­sün­de des bösen (“gewalt­tä­ti­gen”) uns inhä­ren­ten “Ras­sis­mus”.

Was sagt der Com­mon sen­se dazu? Im Grun­de weiß jeder­mann, daß Span­nun­gen (ob posi­ti­ver oder nega­ti­ver Natur) zwi­schen Men­schen unter­schied­li­cher Her­kunft und Haut­far­be genau­so unver­meid­lich sind wie der sexu­el­le Magne­tis­mus zwi­schen Mann und Frau. (Die Ana­lo­gie kann auch bei­des kom­bi­nie­ren: Die wei­ße Frau, die schwar­ze Män­ner attrak­tiv fin­det, ist nur die Kehr­sei­te der Frau, die sich vor ihnen ekelt.)

Wenn als “Ras­sis­mus” inzwi­schen schon das blo­ße Wahr­neh­men und instink­ti­ve, vor­be­wuß­te Bewer­ten von Ras­sen­un­ter­schie­den gilt, dann kann das nur eine uni­ver­sa­le Heu­che­lei zur Fol­ge haben – erst recht, wenn zusätz­lich behaup­tet wird, nur Wei­ße könn­ten “ras­sis­tisch” sein.  Ver­bis­se­ner “Anti­ras­sis­mus” ist heu­te vor allem eine Waf­fe im Pri­vi­le­gi­en- und Sta­tus­kampf ein­zel­ner Grup­pen oder Per­so­nen; für die Wei­ßen aber heu­te meis­tens ein Aus­druck der eige­nen Iden­ti­tätschwä­che, des Selbst­has­ses, aber auch der Feig­heit und Angst: wie­viel bleich­ge­sich­ti­ge Anti­ras­sis­ten lei­den an einer Form des Stockholm-Syndroms?

 

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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