Sezession
16. September 2009

Der Schülerwettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung (Bpb)

Ellen Kositza

Wettbewerbist dieses Jahr im Grunde ganz in Ordnung. Natürlich pflegen unsere generell partnerarbeitsgeplagten Töchter angesichts der geforderten Teamarbeit einmal mehr das bekannte Ernst-Jünger-Zitat hervorzukramen: „Man kann sich heute nicht in Gesellschaft um Deutschland bemühen; man muß es einsam tun..." Aber gut: Der ideologische Teamarbeitswahn ist ein anderes Thema.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Zum Bpb-Projekt, das nun im 39. Jahr stattfindet: Mir würden aus dem Stehgreif ein Dutzend erwartbarer pc- Themen (Migrantenschicksale, Menschen mit Behinderungen, gleichgeschlechtliche Liebe etc.) einfallen, die hier aber nicht auf der Auswahlliste der zu bearbeitenden Vorschläge stehen.

Stattdessen dürfen sich die angesprochenen 5.-12.-Klässler um Themen wie "Mauerfall", "Wahlrecht", "Vandalismus" oder "Fair play? Ein Blick in Chinas Spielzeugfabriken" kümmern. Ja, doch -- das alles hätte mich als Schülerin auch interessiert.

genderfleißHeute finde ich etwas anderes interessant: dieses mir unbekannte typographische Symbol, das die Wettbewerbsunterlagen durchzieht. Nach Lektüre erschloß ich, wenn auch vage: Das Zeichen zeigt einen stilisierten, weit geöffneten Mund, drüber ein Augenpaar.

Soll vermutlich heißen: Hier soll geplaudert werden, an den solcherart markierten Stellen gilt es „O-Töne“ einzufangen. Aber, hach, mitnichten! Die teilnehmende Tochter höhnte: „Wer ist denn hier der/die Genderspezialist/in?“ und verwies auf die Legende, die ich im Eifer übersehen hatte:

männleinweibleinNa gut. Soll sein. Im vergangenen Frühjahr hatte das Europäische Parlament ja eine Broschüre herausgegeben, die festlegte, wie „geschlechtergerechte Sprache“ in offiziösen Texten auszusehen hatte. Ein gewisser Freiraum wurde gelassen. Hier, bei der Bpb also ein Piktogramm, das - recht besehen – ein Männchen (mit breiten Schultern) neben einem Weiblein (mit Rock)darstellt. Oder vice versa: einen Herrn im schottischen Kilt neben einer Footballspielerin, why not? Wenn´s jemanden glücklich macht?

Man kann drüber lächeln, den Lesefluß stört´s nur unwesentlich. Als peinliche Zeitgeist-Buckelei wirkt solcher Gehorsam dennoch.

Und richtig blöd wird's dann, wenn die peinliche Geschlechtergerechtigkeit gar nicht durchgehalten wird. In der Bpb-Broschüre ist beispielsweise von einer „Gewinnerliste“ und einer „Siegerurkunde“ die Rede – was in diesen Fällen besonders nachlässig erscheint. Gehen die Patriarchen der Zentrale etwa davon aus, daß es sich kaum um Gewinnerinnen bzw. Siegerinnen handeln wird? Klarer Fall von Diskriminierung via Geschlecht!

Die Verwirrung geht weiter, wenn man sich im Netz die offizielle Pressemitteilung zum Wettbewerb durchliest. Hier ist zunächst artig (allerdings ohne das schöne Piktogramm) von „Schülern und Schülerinnen“ die Rede. Anschließend jedoch monosexuell von „Lehrern“ und – besonders bitter- von „Experten“. Aha. Das Frauen Bescheid wissen könnten, wird nicht in Betracht gezogen, oder wie? Auch auf der Netzpräsenz www.schuelerwettbewerb (an sich ein geschlechterungerechter Titel!) ist die Rede uneinheitlich. Verwirrung & Diskriminierung allenthalben! Krampf, laß nach!


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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