Der Schülerwettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung (Bpb)

ist dieses Jahr im Grunde ganz in Ordnung. Natürlich pflegen unsere generell partnerarbeitsgeplagten Töchter angesichts der geforderten Teamarbeit ...

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

ein­mal mehr das bekann­te Ernst-Jün­ger-Zitat her­vor­zu­kra­men: „Man kann sich heu­te nicht in Gesell­schaft um Deutsch­land bemü­hen; man muß es ein­sam tun…” Aber gut: Der ideo­lo­gi­sche Team­ar­beits­wahn ist ein ande­res Thema.

Zum Bpb-Pro­jekt, das nun im 39. Jahr statt­fin­det: Mir wür­den aus dem Steg­reif ein Dut­zend erwart­ba­rer pc- The­men (Migran­ten­schick­sa­le, Men­schen mit Behin­de­run­gen, gleich­ge­schlecht­li­che Lie­be etc.) ein­fal­len, die hier aber nicht auf der Aus­wahl­lis­te der zu bear­bei­ten­den Vor­schlä­ge stehen.

Statt­des­sen dür­fen sich die ange­spro­che­nen 5.–12.-Klässler um The­men wie “Mau­er­fall”, “Wahl­recht”, “Van­da­lis­mus” oder “Fair play? Ein Blick in Chi­nas Spiel­zeug­fa­bri­ken” küm­mern. Ja, doch – das alles hät­te mich als Schü­le­rin auch interessiert.

genderfleißHeu­te fin­de ich etwas ande­res inter­es­sant: die­ses mir unbe­kann­te typo­gra­phi­sche Sym­bol, das die Wett­be­werbs­un­ter­la­gen durch­zieht. Nach Lek­tü­re erschloß ich, wenn auch vage: Das Zei­chen zeigt einen sti­li­sier­ten, weit geöff­ne­ten Mund, drü­ber ein Augenpaar.

Soll ver­mut­lich hei­ßen: Hier soll geplau­dert wer­den, an den sol­cher­art mar­kier­ten Stel­len gilt es „O‑Töne“ ein­zu­fan­gen. Aber, hach, mit­nich­ten! Die teil­neh­men­de Toch­ter höhn­te: „Wer ist denn hier der/die Genderspezialist/in?“ und ver­wies auf die Legen­de, die ich im Eifer über­se­hen hatte:

männleinweibleinNa gut. Soll sein. Im ver­gan­ge­nen Früh­jahr hat­te das Euro­päi­sche Par­la­ment ja eine Bro­schü­re her­aus­ge­ge­ben, die fest­leg­te, wie „geschlech­ter­ge­rech­te Spra­che“ in offi­ziö­sen Tex­ten aus­zu­se­hen hat­te. Ein gewis­ser Frei­raum wur­de gelas­sen. Hier, bei der Bpb also ein Pik­to­gramm, das – recht bese­hen – ein Männ­chen (mit brei­ten Schul­tern) neben einem Weib­lein (mit Rock)darstellt. Oder vice ver­sa: einen Herrn im schot­ti­schen Kilt neben einer Foot­ball­spie­le­rin, why not? Wenn´s jeman­den glück­lich macht?

Man kann drü­ber lächeln, den Lese­fluß stört´s nur unwe­sent­lich. Als pein­li­che Zeit­geist-Bucke­lei wirkt sol­cher Gehor­sam dennoch.

Und rich­tig blöd wird’s dann, wenn die pein­li­che Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit gar nicht durch­ge­hal­ten wird. In der Bpb-Bro­schü­re ist bei­spiels­wei­se von einer „Gewin­ner­lis­te“ und einer „Sie­ger­ur­kun­de“ die Rede – was in die­sen Fäl­len beson­ders nach­läs­sig erscheint. Gehen die Patri­ar­chen der Zen­tra­le etwa davon aus, daß es sich kaum um Gewin­ne­rin­nen bzw. Sie­ge­rin­nen han­deln wird? Kla­rer Fall von Dis­kri­mi­nie­rung via Geschlecht!

Die Ver­wir­rung geht wei­ter, wenn man sich im Netz die offi­zi­el­le Pres­se­mit­tei­lung zum Wett­be­werb durch­liest. Hier ist zunächst artig (aller­dings ohne das schö­ne Pik­to­gramm) von „Schü­lern und Schü­le­rin­nen“ die Rede. Anschlie­ßend jedoch mono­se­xu­ell von „Leh­rern“ und – beson­ders bit­ter- von „Exper­ten“. Aha. Das Frau­en Bescheid wis­sen könn­ten, wird nicht in Betracht gezo­gen, oder wie? Auch auf der Netz­prä­senz www.schuelerwettbewerb (an sich ein geschlech­te­run­ge­rech­ter Titel!) ist die Rede unein­heit­lich. Ver­wir­rung & Dis­kri­mi­nie­rung allent­hal­ben! Krampf, laß nach!

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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