Phasen der Geschichtspolitik

pdf der Druckfassung aus Sezession 4 / Januar 2004

von Karlheinz Weißmann

Der Begriff „Vergangenheitspolitik“ hat sich seit den achtziger Jahren durchgesetzt und bezeichnet die Nutzung der Geschichte zwecks politischer Legitimation. Gegenstand dieses Zugriffs kann jede Person und jedes Ereignis werden, falls es geeignet ist, der Rechtfertigung oder Verwerfung bestimmter politischer Auffassungen zu dienen.

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

Ver­gan­gen­heits­po­li­tik hängt zusam­men mit der „monu­men­ta­len“ (Fried­rich Nietz­sche) Auf­fas­sung von Geschich­te, die nicht oder nicht in ers­ter Linie Inter­es­se dar­an hat, wie es eigent­lich gewe­sen ist – auch wenn sie den Wahr­heits­an­spruch not­wen­dig erhebt –, son­dern dar­an, wel­che Effek­te sich durch Erin­ne­rung und Ver­ges­sen erzie­len las­sen. Ver­gan­gen­heits­po­li­tik muß des­halb Ein­zig­ar­tig­kei­ten behaup­ten und den his­to­ri­schen Kon­text auf­he­ben. Auch das wur­de am „Fall Hoh­mann“ exem­pla­risch deut­lich. Aller­dings zeig­te der Kon­flikt auch, daß Ver­gan­gen­heits­po­li­tik als Teil der Poli­tik nie­mals unum­strit­ten ist, son­dern herr­schen­de Deu­tungs­mus­ter der Geschich­te durch kon­kur­rie­ren­de in Fra­ge gestellt wer­den. Dabei ver­spricht die sach­li­che Argu­men­ta­ti­on nur begrenz­ten Erfolg. Ver­än­de­run­gen in ver­gan­gen­heits­po­li­ti­schen Kon­zep­ten sind nicht oder nicht nur das Ergeb­nis von Auf­klä­rung, son­dern las­sen sich auch zurück­füh­ren auf die Ver­schie­bung von Inter­es­sen­la­gen, atmo­sphä­ri­sche Ein­flüs­se, Mentalitätswandel.

Für die west­deut­sche Ver­gan­gen­heits­po­li­tik der Nach­kriegs­zeit stand immer die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem NS-Regime im Mit­tel­punkt, ohne daß die grund­sätz­li­che Bewer­tung die­ser Ära strit­tig gewe­sen wäre. Ent­ge­gen einer heu­te ver­brei­te­ten Auf­fas­sung sah die Bevöl­ke­rung Hit­ler und sein Regime kurz nach dem Zusam­men­bruch aus­ge­spro­chen nega­tiv. In Erhe­bun­gen, die die Besat­zungs­be­hör­den durch­führ­ten, zeig­te sich, daß die über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit die frü­he­ren Ver­hält­nis­se ablehn­te und die Ver­ant­wort­li­chen zur Rechen­schaft gezo­gen wis­sen woll­te. Das erklärt auch, war­um sogar die Nürn­ber­ger Pro­zes­se auf Zustim­mung stie­ßen. Die Ein­schät­zung wur­de erst in der fol­gen­den Jah­ren und nur teil­wei­se kor­ri­giert – die Umstän­de der Ent­na­zi­fi­zie­rung, der Okku­pa­ti­on über­haupt, die Ver­trei­bung, die Tei­lung und die Pro­ble­me des Wie­der­auf­baus – tru­gen dazu bei. Auch wenn man die Mei­nung für über­zo­gen hält, die West­deut­schen hät­ten die brau­ne Ver­gan­gen­heit in den fünf­zi­ger Jah­ren „kom­mu­ni­ka­tiv beschwie­gen“ (Her­mann Lüb­be), ist zuzu­ge­ben, daß die­se ers­te Pha­se die Ver­gan­gen­heits­po­li­tik nicht mit jener Aus­schließ­lich­keit auf die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Herr­schaft kon­zen­triert war wie die spä­te­ren Pha­sen und daß vor allem jede Art von Kol­lek­tiv­schuld­be­haup­tung auf ent­schie­de­nen Wider­spruch traf.
Die Grün­de dafür lagen in der Unmit­tel­bar­keit jener Erfah­run­gen, die die Deut­schen mit dem tota­li­tä­ren Regime und als Opfer ihrer mili­tä­ri­schen Geg­ner gemacht hat­ten. Die wie­der­um sahen sich im Kal­ten Krieg gezwun­gen, Rück­sicht auf „ihre“ Deut­schen zu neh­men, deren mili­tä­ri­sche Hil­fe sie wünsch­ten und mit deren Gerech­tig­keits­ge­fühl sie aus poli­ti­schen Grün­den zu rech­nen hat­ten. Bezeich­nend ist das Vor­ge­hen des Jus­tiz­mi­nis­ters Tho­mas Deh­ler (FDP), an des­sen Ableh­nung der NS-Dik­ta­tur kein Zwei­fel sein konn­te, der aber bei dem Ver­such der Alli­ier­ten, Druck durch neue Kriegs­ver­bre­cher­pro­zes­se aus­zu­üben, eine Tu-quo­que-Akte anle­gen ließ, in der Tau­sen­de von Ver­stö­ßen ame­ri­ka­ni­scher und bri­ti­scher Sol­da­ten gegen das Kriegs­völ­ker­recht fest­ge­hal­ten waren. Deh­ler durf­te sicher sein, daß die­se Art von „Auf­rech­nung“ all­ge­mei­ne Zustim­mung gefun­den hätte.

Was die Ver­gan­gen­heits­po­li­tik der fünf­zi­ger und frü­hen sech­zi­ger Jah­re kenn­zeich­net war aber nicht nur das dif­fe­ren­zier­te Bild der NS-Zeit, son­dern mehr noch das Bemü­hen, eine voll­stän­di­ge Ver­dun­ke­lung der deut­schen Geschich­te zu ver­hin­dern. Des­halb präg­te eine gewis­se „Behut­sam­keit“ alle offi­zi­el­len Stel­lung­nah­men: das ver­letz­te Selbst der Deut­schen soll­te nicht wei­ter beschä­digt wer­den, son­dern hei­len. Vie­le, gera­de vie­le aus­län­di­sche Beob­ach­ter, fürch­te­ten, daß eine dau­ern­de Demü­ti­gung unter Ver­weis auf die NS-Zeit die Deut­schen zu unkal­ku­lier­ba­ren Reak­tio­nen trei­ben wür­de, und es gab in Deutsch­land selbst gar kei­ne Stim­me von Gewicht, die in Fra­ge stell­te, daß das „Drit­te Reich“ nur ein Teil – und zwar ein klei­ner Teil – der Natio­nal­ge­schich­te gewe­sen sei und daß die­se Natio­nal­ge­schich­te ins­ge­samt einen Trost für das Desas­ter bie­te. Als die Katho­li­sche Aka­de­mie Bay­erns im Früh­jahr 1960 ein Sym­po­si­on zum The­ma „Gibt es ein deut­sches Geschichts­bild?“ ver­an­stal­te­te, äußer­te der His­to­ri­ker Hans Buch­heim, „… daß nicht die Idee der Nati­on und nicht das Prin­zip natio­na­ler Poli­tik zur Kata­stro­phe von 1945 geführt haben, son­dern erst deren tota­li­tä­re Per­ver­tie­rung“. Buch­heim ging sogar noch wei­ter und erklär­te, das Regime Hit­lers bie­te im Grun­de weni­ger eine Lek­ti­on in deut­scher Geschich­te als eine im Hin­blick auf die Geschich­te der Moder­ne und deren Fata­li­tä­ten: „Daß sich unse­re Jugend gegen die Ideen aus dem Inku­ba­ti­ons­be­reich des Natio­nal­so­zia­lis­mus als weit­ge­hend immun erweist, soll­te noch kei­nen Anlaß zum Opti­mis­mus geben. Denn, wenn sie auch auf natio­na­lis­ti­sche Phra­sen, anti­se­mi­ti­sche Het­ze, Volks­tums­ro­man­tik und der­glei­chen nicht mehr anspricht, so zeigt sie doch auch einen erschre­cken­den Man­gel an Ver­ständ­nis für Poli­tik. Was nützt ihre erfreu­li­che Bereit­schaft, die Wahr­heit über das Drit­te Reich zu hören, was nützt ihre Abscheu vor den Ver­bre­chen, die damals began­gen wor­den sind, wenn die­se mit der glei­chen Nei­gung zu unpo­li­ti­schem Den­ken und mora­li­schem Rigo­ris­mus ver­bun­den sind, die die Genera­ti­on ihrer Väter dem Natio­nal­so­zia­lis­mus ver­fal­len lie­ßen! Was nützt es, wenn sie das Drit­te Reich ver­ur­teilt, ohne zu ver­ste­hen, wie leicht auch sie selbst den Täu­schun­gen und der Ver­füh­rung tota­li­tä­rer Argu­men­ta­ti­on erlie­gen kann. Dies­mal sind ande­re Köder aus­ge­wor­fen, die Tak­tik aber ist die glei­che geblieben.“
Pro­phe­ti­sche Wor­te, aus­ge­spro­chen nicht von irgend jeman­den, son­dern von einem Mann, der zur Grün­der­ge­nera­ti­on des Mün­che­ner Insti­tuts für Zeit­ge­schich­te gehör­te und bei den Ausch­witz-Pro­zes­sen als Gut­ach­ter her­an­ge­zo­gen wur­de. Wie Buch­heim dürf­te zu Beginn der sech­zi­ger Jah­re noch eine Mehr­heit der west­deut­schen His­to­ri­ker gedacht haben, aber sie geriet zuneh­mend in Bedräng­nis. Dabei spiel­ten vor allem zwei Fak­to­ren eine Rol­le: Die Abschot­tung der Bun­des­re­pu­blik nach dem Mau­er­bau, ver­bun­den mit ihrer welt­po­li­ti­sche Mar­gi­na­li­sie­rung durch die Déten­te, und ein Genera­tio­nen­kon­flikt, in des­sen Ver­lauf sich die Kon­fron­ta­ti­on mit der NS-Ver­gan­gen­heit als aus­ge­zeich­ne­te Waf­fe der Jün­ge­ren im Kampf gegen die Älte­ren erwei­sen soll­te. Daß dabei eini­ge Älte­re eine wich­ti­ge Rol­le als Weg­be­rei­ter spiel­ten – Karl Jas­pers mit sei­ner Abhand­lung Frei­heit und Wie­der­ver­ei­ni­gung (1960), in der der Ver­zicht auf die natio­na­le Ein­heit als Buße für die Ver­bre­chen des NS-Regimes emp­foh­len wur­de, und Fritz Fischer mit sei­nem Buch Griff nach der Welt­macht (1961) über die angeb­li­che Kon­ti­nui­tät deut­scher Außen­po­li­tik von Wil­helm II. zu Hit­ler – sei nur am Ran­de erwähnt, im Kern ging es um den Ver­such der Drei­ßig- bis Vier­zig­jäh­ri­gen, mit einer bestimm­ten Art ver­gan­gen­heits­po­li­ti­scher Argu­men­ta­ti­on ihre eige­ne Deu­tungs­ho­heit nicht nur fach­wis­sen­schaft­lich, son­dern auch poli­tisch durchzusetzen.

Es ist zu Recht auf die Rol­le hin­ge­wie­sen wor­den, die in die­sem Zusam­men­hang Pri­vat­do­zen­ten und Hoch­schul­as­sis­ten­ten spiel­ten, die durch Stu­di­en­auf­ent­hal­te in den USA ent­schei­dend geprägt wor­den waren. Soweit es sich um His­to­ri­ker oder Poli­tik­wis­sen­schaft­ler han­del­te, lei­te­ten sie jenes „Umschrei­ben der Geschich­te unter dem Gesichts­punkt der demo­kra­tisch ver­faß­ten Gesell­schafts­ord­nun­gen des Wes­tens“ (Wolf­gang Momm­sen) ein, dem auf unte­rer Ebe­ne die Durch­set­zung einer Ideo­lo­gie ent­sprach, die als Sub­strat der ree­du­ca­ti­on die Vor­stel­lung ent­hielt, die gan­ze deut­sche Geschich­te sei ein Irr­weg gewe­sen, der am gege­be­nen Ziel – einer Gesell­schafts­ord­nung nach west­li­chem Mus­ter – vor­bei stracks in die Ver­nich­tungs­la­ger führ­te. Daß die Uni­ver­si­tä­ten von Ber­lin, Frank­furt und Hei­del­berg von der ame­ri­ka­ni­schen Besat­zungs­macht als Stät­ten der „Umori­en­tie­rung“ geplant waren und dann zu Aus­gangs­punk­ten der radi­ka­len Stu­den­ten­be­we­gung wur­den, war inso­fern kein Zufall, das eine hing mit dem ande­ren zusam­men. Die Über­tra­gung von Ver­satz­stü­cken des ame­ri­ka­ni­schen Hoch­schul­sys­tems trug dazu eben­so bei wie die Implan­ta­ti­on einer bestimm­ten Art des poli­ti­schen Den­kens, das sich durch den Glau­ben an die Mach­bar­keit aus­zeich­ne­te und durch die Fremd­heit gegen­über his­to­ri­schen Bedin­gun­gen. Bereits 1948 hat­te die bri­ti­sche Sei­te vor den Fol­gen jener „über­eif­ri­gen Reform“ gewarnt: sie schä­di­ge „… in ers­ter Linie die Gesell­schaft selbst. Der Scha­den ist um so gefähr­li­cher, als er erst nach Ablauf einer Genera­ti­on ganz zum Vor­schein kommt und dann kaum mehr zu behe­ben ist“ (Blau­es Gut­ach­ten zur Neu­ge­stal­tung des deut­schen Hoch­schul­we­sens).
Man darf die gro­ße gesell­schaft­li­che Umwäl­zung, die Mit­te der sech­zi­ger Jah­re begann, nicht als einen Pro­zeß vor­stel­len, der sich ohne Wider­stand voll­zog. Soweit die neue Ver­gan­gen­heits­po­li­tik offen anti­pa­trio­tisch war oder auf dem fuß­te, „was der rote Groß­va­ter erzählt“, blieb sie ohne Aus­sicht auf brei­te­re Zustim­mung. Anders war das mit dem Vor­schlag, die deut­sche Geschich­te zu „demo­kra­ti­sie­ren“, den sich vor allem der aus der SPD her­vor­ge­gan­ge­ne Bun­des­prä­si­dent Gus­tav Hei­ne­mann zu eigen mach­te und mit der Auto­ri­tät sei­nes Amtes durch­zu­set­zen such­te. In einer Anspra­che zum hun­derts­ten Jah­res­tag der Reichs­grün­dung schlug er eine Rei­he alter­na­ti­ver Erin­ne­rungs­da­ten vor: den Bau­ern­krieg an Stel­le der Refor­ma­ti­on, Blum an Stel­le von Bis­marck, 1919 an Stel­le von 1871, den Wider­stand des Pro­le­ta­ri­ats an Stel­le des­je­ni­gen der Offi­zie­re. Aber auch das traf noch auf wohl­be­grün­de­ten Ein­spruch. Für die Oppo­si­ti­on gab der CDU-Abge­ord­ne­te Richard von Weiz­sä­cker eine Stel­lung­nah­me ab, der zu Fol­ge das Bis­marck­reich die ein­zi­ge Form des deut­schen Natio­nal­staats war und des­sen Wie­der­her­stel­lung durch das Grund­ge­setz gebo­ten sei.
In sei­ner Rede zum 8. Mai 1985 unter­warf sich der­sel­be Richard von Weiz­sä­cker, nun sei­ner­seits als Bun­des­prä­si­dent, einem Geschichts­den­ken, das er in Per­son, aber eigent­lich das gan­ze bür­ger­li­che Lager, bis dahin als falsch und feind­lich bekämpft hat­te. Mit der Aner­ken­nung, daß man 1945 kei­nen „Zusam­men­bruch“, son­dern eine „Befrei­ung“ erlebt habe, war die ent­schei­den­de Keh­re der deut­schen Ver­gan­gen­heits­po­li­tik voll­zo­gen. Alles, was bis in die sech­zi­ger Jah­re unbe­strit­ten gewe­sen war und danach im Kon­flikt behaup­tet wer­den konn­te, wur­de bei­sei­te gescho­ben. An die Stel­le der alten tra­ten neue Axio­me zur Deu­tung der deut­schen Geschich­te: die­ser wohnt ins­ge­samt eine nega­ti­ve Ten­denz inne, ihre tra­di­tio­nell als wert­voll betrach­te­ten Aspek­te (etwa die Zeit der säch­si­schen oder der stau­fi­schen Kai­ser, die Refor­ma­ti­on, der Auf­stieg Preu­ßens, die Roman­tik, die Frei­heits­krie­ge, die natio­na­le Eini­gung) sind wert­los, wenn über­haupt, dann kann man sich nur an den – aller­dings regel­mä­ßig geschei­ter­ten – pro­gres­si­ven Ansät­zen ori­en­tie­ren, im Grun­de wäre es sowie­so bes­ser, die deut­sche Geschich­te auf zwei Epo­chen zu redu­zie­ren: die vor 1945 (Schreck­bild) und die nach 1945 / 1968 (Vor­bild); von den Deut­schen als „Volk“ ist nur dann zu spre­chen, wenn sie als Schuld- oder Haf­tungs­ge­mein­schaft auftreten.

Die Lin­ke, der ursprüng­li­che Trä­ger die­ses Kon­zepts, hat mit sei­ner Durch­set­zung allen älte­ren Vor­stel­lun­gen eines eige­nen Patrio­tis­mus und einer ent­spre­chen­den Ver­gan­gen­heits­po­li­tik abge­schwo­ren: ange­fan­gen bei den Ideen der tra­di­tio­nel­len Sozi­al­de­mo­kra­tie über die „natio­nal­re­vo­lu­tio­nä­ren“ Ansät­ze in Tei­len der APO bis hin zum Ent­wurf der Frie­dens­als gesamt­deut­scher Bewe­gung Anfang der acht­zi­ger Jah­re. Zuletzt war die Ver­su­chung über­stark, den Geg­ner mit dem Hin­weis auf his­to­ri­sche Ver­säum­nis­se nie­der­zu­hal­ten und die Mischung aus Anti­fa­schis­mus und Anti­pa­trio­tis­mus als letz­ten denk­ba­ren Kon­sens ange­sichts schwin­den­der ideo­lo­gi­scher Glaub­wür­dig­keit zu nutzen.
Die bür­ger­li­chen Geg­ner unter­war­fen sich der neu­en Art von Ver­gan­gen­heits­po­li­tik weni­ger aus Ein­sicht als aus Oppor­tu­nis­mus. Nach dem Eklat um Kohls Beru­fung auf die „Gna­de der spä­ten Geburt“ bei sei­nem Staats­be­such in Isra­el und dem geschei­ter­ten Ver­such, als Bun­des­kanz­ler an den Sie­ges­fei­ern der Alli­ier­ten in der Nor­man­die teil­zu­neh­men, nach der soge­nann­ten Bit­burg-Affä­re und der Aus­ein­an­der­set­zung um die Anspra­che des Bun­des­tags­prä­si­den­ten Phil­ipp Jen­nin­ger zum 9. Novem­ber 1988 wur­de eine Kurs­kor­rek­tur vor­ge­nom­men. Die erschien unum­gäng­lich, weil es eben kei­ne Mehr­heit für jene „geis­tig-mora­li­sche Wen­de“ gab, die nach der Regie­rungs­über­nah­me der schwarz-gel­ben Koali­ti­on ver­spro­chen wor­den war, und schon gar kei­ne Unter­stüt­zung für wei­ter­ge­hen­de ver­gan­gen­heits­po­li­ti­sche Vor­stö­ße (Franz Josef Strauß: die Deut­schen müß­ten aus „dem Schat­ten Hit­lers her­aus­tre­ten“, Alfred Dreg­ger: „Die Schuld liegt zurück.“). Die Uni­ons­spit­ze hat ent­spre­chen­de Kon­se­quen­zen gezo­gen, wie spä­tes­tens am Front­ver­lauf im „His­to­ri­ker­streit“ zu erken­nen war, der im Juni 1986 begann und sich bis zum Beginn der neun­zi­ger Jah­re erstreck­te. Dabei ging es im Kern weder um das „fak­ti­sche Pri­us“ des roten Klas­sen- gegen­über dem brau­nen Ras­sen­mord, noch um die „Sin­gu­la­ri­tät“ der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­bre­chen, son­dern um eine meta­po­li­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung, die mit der Nie­der­la­ge des bür­ger­li­chen Lagers ende­te. Des­sen Wei­ge­rung, die Grup­pe von Wis­sen­schaft­lern um Ernst Nol­te, Andre­as Hill­gru­ber, Klaus Hil­de­brand und Micha­el Stür­mer gegen die von Jür­gen Haber­mas geführ­te Kam­pa­gne zu decken, eta­blier­te eine Ver­gan­gen­heits­po­li­tik, die sich qua­li­ta­tiv von allen frü­he­ren unterschied.
Auch links wird heu­te zuge­ge­ben, daß erst seit der Ära Kohl „… von einer bewußt betrie­be­nen ‘Gedächt­nis­po­li­tik´“ (Hel­mut Dubiel) gespro­chen wer­den kann. Das Son­der­ge­setz gegen die „Ausch­witz­lü­ge“, die Ein­rich­tung beson­de­rer Gedenk­ta­ge (27. Janu­ar, 9. Novem­ber), die per­ma­nen­te päd­ago­gi­sche Aus­ein­an­der­set­zung, das alles hat sei­nen Ursprung in den acht­zi­ger Jah­ren eben­so wie die Kon­zen­tra­ti­on der öffent­li­chen Debat­te auf die ent­spre­chen­den The­men; um nur eini­ge der letz­ten Bei­spie­le zu nen­nen: die Aus­ein­an­der­set­zung um den Appell „Gegen das Ver­ges­sen“ (1995), die Gold­ha­gen-Kon­tro­ver­se über die Deut­schen als „wil­li­ge Voll­stre­cker“ (1996), der Kon­flikt um die Wehr­machts­aus­stel­lung (1997– 2000), der Streit zur Wal­ser­re­de bei der Ver­lei­hung des Frie­dens­prei­ses des Deut­schen Buch­han­dels (Herbst 1998), die Dis­kus­si­on über die Ent­schä­di­gung für Zwangs­ar­bei­ter (Som­mer 1999 / Win­ter 2000), die Debat­te um die „Holo­caust-Indus­trie“ (Win­ter 1999 / Früh­jahr 2000) und nicht zuletzt der andau­ern­de Zank um das Mahn­mal in Berlin.

Wenn von einer neu­en Qua­li­tät im Hin­blick auf die Ver­gan­gen­heits­po­li­tik gespro­chen wer­den muß, dann aber nicht nur wegen der Häu­fung, son­dern auch wegen der stei­gen­den Inten­si­tät der ver­gan­gen­heits­po­li­ti­schen Initia­ti­ven; die ist vor allem durch drei Merk­ma­le gekennzeichnet:

(1) Die Instru­men­ta­li­sie­rung, die sich his­to­ri­scher Argu­men­te ganz offen als Mit­tel im Kampf gegen den welt­an­schau­li­chen Feind bedient. So etwa beim „Auf­stand der Anstän­di­gen“ die Behaup­tung, daß „Ras­sis­mus und idio­syn­kra­ti­sche Frem­den­feind­lich­keit … mit Anti­se­mi­tis­mus und Holo­caust zwar nicht iden­tisch, aber doch irgend­wie in deren Nähe ange­sie­delt“ (Dan Diner) sei­en, was die Chan­ce eröff­ne­te, prak­tisch jede unlieb­sa­me Auf­fas­sung zu iso­lie­ren, da „Ras­sis­mus“, „Frem­den­feind­lich­keit“, „Anti­se­mi­tis­mus“ voll­kom­men ent­leer­te Begrif­fe sind, die aber „doch irgend­wie“ in die „Nähe“ der Juden­ver­nich­tung gehören.
(2) Die Emo­tio­na­li­sie­rung, die immer weni­ger wert auf Fak­ten legt, son­dern ganz auf Ein­füh­lung setzt. Als unlängst eine Lübe­cker Leh­re­rin Grund­schü­ler mit grü­nen Pfei­len mar­kier­te und ihnen ein angeb­lich amt­li­ches Schrei­ben vor­las, aus dem her­vor­ging, daß ihre Taschen beschlag­nahmt sei­en und sie so gezeich­net kein Geschäft oder Kino betre­ten dürf­ten, sah die vor­ge­setz­te Behör­de trotz der Eltern­pro­tes­te von einer Dis­zi­pli­nie­rung ab. Der ori­gi­nel­le didak­ti­sche Ansatz hat­te immer­hin die Betrof­fen­heit der Kin­der erhöht. Die gefühls­mä­ßi­ge Auf­la­dung hat selbst­ver­ständ­lich auch mit der kon­ti­nu­ier­lich wach­sen­den Macht der Bil­der zu tun. Wirk­lich ist, was gezeigt wird, unwirk­lich, was nicht gezeigt wird. Und die­ser Vor­gang wie­der­um steht in Ver­bin­dung mit der „Ame­ri­ka­ni­sie­rung“ (Peter Novick) des Holo­caust, jenem Pro­zeß, bei dem die Medi­en vor allem die Empa­thie­be­reit­schaft aus­nut­zen: „Wie auf den säku­la­ren Ratio­na­lis­mus der fran­zö­si­schen Auf­klä­rer der roman­ti­sche Idea­lis­mus folgt, so kün­digt sich in der Fas­zi­na­ti­on, die Kitsch und Tod für uns besit­zen, ein neu­es roman­ti­sches Zeit­al­ter an, das anti­ra­tio­nal, sen­ti­men­tal und kom­mu­ni­ta­risch sein wird.“ (Ian Buruma)
(3) Die Dog­ma­ti­sie­rung, die den Kern einer neu­en Zivil­re­li­gi­on bil­det. Wäh­rend die Funk­ti­ons­tüch­tig­keit von Bür­ger­re­li­gio­nen nor­ma­ler­wei­se dadurch gewähr­leis­tet wird, daß die Kult­ge­nos­sen den Kult vor­schrifts­mä­ßig voll­zie­hen – den Eid auf die Ver­fas­sung able­gen, die Hym­ne sin­gen, das Schul­ge­bet spre­chen –, ist im Fall der deut­schen Ver­gan­gen­heits­po­li­tik die Leh­re an die Stel­le der Pra­xis getre­ten. Das heißt, daß das Befol­gen der Regeln nicht genügt. Auch das war am Fall Hoh­mann deut­lich zu erken­nen, des­sen Eska­la­ti­on dadurch zustan­de kam, daß die Ver­wen­dung der rich­ti­gen For­meln das Miß­trau­en der Inqui­si­ti­on gera­de her­vor­rief und jeden­falls nicht vor der Aus­sto­ßung bewahr­te. Der Ange­klag­te war theo­lo­gisch unge­schult und kann­te kei­ne der not­wen­di­gen Distinktionen.
Natür­lich gibt es gegen die hier geschil­der­ten Ten­den­zen Wider­spruch. Die deut­lichs­te Absa­ge an die vor­herr­schen­de Form der Ver­gan­gen­heits­po­li­tik stammt ohne Zwei­fel von dem öster­rei­chi­schen Phi­lo­so­phen Rudolf Bur­ger, der vor zwei Jah­ren einen Essay mit dem Titel Die Irr­tü­mer der Gedenk­po­li­tik – Ein Plä­doy­er für das Ver­ges­sen ver­öf­fent­lich­te, in dem es abschlie­ßend hieß: „Real ist die Nazi­zeit so ver­sun­ken wie Kar­tha­go, das mumi­fi­zie­ren­de Geden­ken ver­zau­bert sie zum Mythos. … Wie die Din­ge lie­gen, wäre Ver­ges­sen nicht nur ein Gebot der Klug­heit, son­dern auch ein Akt der Red­lich­keit; und es wäre eine Ges­te der Pie­tät. Schlim­me Fol­gen hät­te es kei­ne, nur viel­leicht für das Geschäft.“ Die Aus­sicht dar­auf, daß sol­che Stim­men gehört wer­den, ist aller­dings gering. Bur­ger argu­men­tiert als Auf­klä­rer, und das macht die Schwä­che sei­ner Posi­ti­on aus; ent­schei­dend ist ja nicht, daß ver­ges­sen wird, son­dern was ver­ges­sen wird und wer das festlegt.

Wenn über­haupt ein Wan­del erhofft wer­den kann, dann auf ande­rem Wege. Wäh­rend bis­her alle Ver­su­che, das seit Mit­te der acht­zi­ger Jah­re vor­herr­schen­de Kon­zept der Ver­gan­gen­heits­po­li­tik direkt in Fra­ge zu stel­len, schei­ter­ten, weder die Wie­der­ver­ei­ni­gung als sol­che noch das Hin­zu­tre­ten beein­fluß­ungs­re­sis­ten­ter Mit­tel­deut­scher oder die Vor­stö­ße eini­ger „Nor­ma­li­sie­rungs­na­tio­na­lis­ten“ (Peter Glotz) zu irgend etwas führ­ten, wird man aber zuge­ste­hen müs­sen, daß die kri­sen­haf­te Zuspit­zung der Lage nicht nur Ver­än­de­run­gen in der öko­no­mi­schen und insti­tu­tio­nel­len Basis, son­dern auch im Über­bau erzwingt. Einer, der sol­che Kon­se­quen­zen früh­zei­tig abge­se­hen hat, war Ignaz Bubis, der ver­stor­be­ne Vor­sit­zen­de des Zen­tral­rats der Juden, der aus­ge­rech­net beim ers­ten Wahl­sieg der rot-grü­nen Koali­ti­on vor einer Revi­si­on des deut­schen Geschichts­bil­des warn­te. Bubis fürch­te­te vor allem die Unbe­küm­mert­heit der Lin­ken, die nie sich selbst, son­dern immer nur die ande­ren – etwa „die Deut­schen“ – als haft­bar für die Geschich­te betrach­te­te. Der ratio­na­le Kern die­ser Angst lag ohne Zwei­fel dar­in, daß die Her­aus­for­de­run­gen, denen die „Ber­li­ner Repu­blik“ zwangs­läu­fig aus­ge­setzt wird, mit den Mit­teln der bis dahin eta­blier­ten Ver­gan­gen­heits­po­li­tik nicht zu bewäl­ti­gen sind.
Frag­los kom­men Schrö­der und Fischer aus der anti­pa­trio­ti­schen Tra­di­ti­on, sicher ist Fischer der­je­ni­ge von bei­den, der sei­ne frü­he­ren Auf­fas­sun­gen bes­ten­falls in Rich­tung auf den links­li­be­ra­len Kon­sens kor­ri­giert hat, wäh­rend Schrö­der in dem Maß, in dem ihm die Mög­lich­keit ent­glei­tet, die poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Pro­ble­me mit­tels social engi­nee­ring zu lösen, auf eine neue Art emo­tio­na­ler Unter­füt­te­rung für das Gemein­we­sen setzt. Dabei kopiert er ein Modell, das seit län­ge­rem von allen mög­li­chen Bür­ger­initia­ti­ven genutzt wird, in der Hoff­nung, daß der Appell an die Tugen­den der Trüm­mer­frau­en und Kriegs­heim­keh­rer bewir­ken wer­de, daß ein Ruck durch die Deut­schen gehe. Sehr erfolg­reich war das alles nicht, zumal man ängst­lich den Ein­druck zu ver­mei­den such­te, hier wer­de eine Art neu­er Natio­na­lis­mus pro­pa­giert. Sol­che Vor­be­hal­te sind Schrö­der fremd, sei­ne bis­he­ri­gen Erfah­run­gen mit dem „eige­nen deut­schen Weg“ dürf­ten ihn in der Auf­fas­sung bestär­ken, daß die ver­gan­gen­heits­po­li­ti­schen Tabus, die man so wirk­sam auf­ge­rich­tet hat, für das eige­ne Lager gar nicht gel­ten. Sein Besuch der Pre­mie­re von Sön­ke Wort­manns Film Das Wun­der von Bern, die Erklä­rung, daß es eine „patrio­ti­sche“ Pflicht sei, die Haus­halts­po­li­tik der Regie­rung zu unter­stüt­zen, das alles sind Indi­zi­en für die Vor­be­rei­tung eines neu­en ver­gan­gen­heits­po­li­ti­schen Konzepts.
Aus­sicht auf Erfolg hat es, weil die Deut­schen auf einen ent­spre­chen­den Appell seit lan­gem war­ten, weil sie zer­mürbt sind von der Schuld­rhe­to­rik und weil die Oppo­si­ti­on kaum etwas ande­res anzu­bie­ten weiß. Aller­dings wäre der Preis für den Erfolg hoch. Hat­te der Anti­pa­trio­tis­mus immer­hin den Vor­teil, die Erin­ne­rung dar­an wach­zu­hal­ten, daß es eine deut­sche Geschich­te vor dem Jahr 1945 gab, wird der neue Patrio­tis­mus alles abtrei­ben, was an die fer­ne­re Ver­gan­gen­heit erin­nern könn­te. Wer dar­an zwei­felt, der soll­te sich vor Augen füh­ren, wie die Bun­des­re­gie­rung auf die Anlie­gen deut­scher Zwangs­ar­bei­ter oder auf den Plan für das Zen­trum gegen Ver­trei­bun­gen reagiert hat. Hier wird wohl der Ver­such gemacht, eine neue emo­tio­na­le Grund­la­ge für das Gemein­we­sen zu schaf­fen, aber die­ses Gemein­we­sen soll genau jene „Kon­struk­ti­on“ sein, als die man die Natio­nen zu betrach­ten lehrt: eine Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Wirt­schafts­ein­heit, deren psy­chi­sche Gesund­heit durch wohl erwo­ge­ne The­ra­pien oder die Ver­ab­rei­chung von Seda­ti­va gewähr­leis­tet wird.

Was gegen einen Erfolg Schrö­ders spricht, sind die schwin­den­den Grund­la­gen für eine Ver­gan­gen­heits­po­li­tik im bis­he­ri­gen Sinn über­haupt. Wie der Streit über die EU-Stu­die zum The­ma „Anti­se­mi­tis­mus“ schon zeigt, führt mut­wil­lig geschaf­fe­ne kul­tu­rel­le und eth­ni­sche Hete­ro­ge­ni­tät zu einer Frag­men­tie­rung, die jeden Ver­such der Iden­ti­täts­stif­tung aus­sichts­los macht. Nimmt man die Ergeb­nis­se der Unter­su­chung ernst, muß man die Ein­wan­de­rer aus dem isla­mi­schen Bereich als „Fein­de“ brand­mar­ken, was aber wie­der­um mit den Prin­zi­pi­en der bis­he­ri­gen – mul­ti­kul­tu­rel­len – Vor­ga­ben unver­ein­bar wäre; sieht man von der Exklu­si­on ab, droht das Anti­se­mi­tis­mus­ver­bot unhalt­bar zu wer­den; es sei noch ver­merkt, daß sich die­se Pro­blem­stel­lung seit gerau­mer Zeit abge­zeich­net hat, in Gestalt jener Neu­bür­ger, die par­tout kei­ne Ver­ant­wor­tung für die deut­sche Ver­gan­gen­heit (an der ihre Vor­fah­ren eben unbe­tei­ligt waren) über­neh­men wol­len und vor allem die gefor­der­te Ein­füh­lung ver­wei­gern. Ein ande­rer Sach­ver­halt, der gegen die Aus­sich­ten von Schrö­ders Modell spricht, ist die erkenn­bar wer­den­de Ten­denz des „dop­pel­ten Mei­nungs­kli­mas“ (Eli­sa­beth Noel­le-Neu­mann). Die Stel­lung­nah­men des peu­p­le réel in der Hoh­mann-Affä­re wichen so offen­kun­dig und so demons­tra­tiv von den­je­ni­gen der poli­ti­schen Klas­se ab, daß man dar­in einen Indi­ka­tor für den Umschwung der Stim­mung über­haupt sehen kann. Aller­dings sei vor all­zu gro­ßem Opti­mis­mus gewarnt. Um die Deu­tungs­ho­heit wird immer zwi­schen Eli­ten und Gegen­eli­ten gestrit­ten, tief­grei­fen­de Ver­än­de­run­gen gera­de auf dem Feld der Ver­gan­gen­heits­po­li­tik kom­men nicht natur­ge­setz­lich oder auf Grund von Mehr­heits­ver­hält­nis­sen zustan­de, die kön­nen nur unter­stüt­zend wirken.
In sei­ner berühm­ten und oft zitier­ten, aber sel­ten genau gele­se­nen Rede über das Wesen der Nati­on hat Ernest Ren­an die Nati­on nicht nur als Ergeb­nis eines „täg­li­chen Ple­bis­zits“ bestimmt, son­dern auch auf die Bedeu­tung hin­ge­wie­sen, die der „Kult der Ahnen“ – die Erin­ne­rung – und das Ver­ges­sen – „jeder Fran­zo­se muß die Bar­tho­lo­mä­us­nacht und die Mas­sa­ker des 13. Jahr­hun­derts im Süden ver­ges­sen“ – für das Leben der Nati­on haben, daß weder die Erin­ne­rung noch das Ver­ges­sen sich von selbst ver­ste­hen, daß es sich not­wen­di­ger­wei­se um Streit­fel­der han­delt. Wenn eine Par­tei in die­sem Streit ihren Anspruch auf­gibt, wird das, was sie für erin­nerns­wert hält, abge­räumt. Es gibt für die­sen Vor­gang zahl­lo­se Bei­spie­le, es gibt aller­dings auch zahl­lo­se Bei­spie­le dafür, daß die zähe und ent­schlos­se­ne Behaup­tung einer Min­der­hei­ten­po­si­ti­on im Mei­nungs­kampf zum Erfolg führt, weil die Ver­än­de­rung der Lage das eben noch Ver­fem­te in neu­em Licht erschei­nen läßt.

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