Sezession
2. Oktober 2009

Einen Türken einen Türken nennen

Götz Kubitschek / 19 Kommentare

In seinem Interview mit der Zeitschrift lettre international hat der ehemalige Berliner Finanzsenator und jetzigen Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin die These von der "Bereicherung" Berlins durch seine (vor allem) türkischen Einwanderer einmal kurz ausgeleuchtet und grundsätzlich infrage gestellt. Die Prügel, die er dafür bezogen hat, waren vorhersehbar in zweierlei Weise:

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

1. Die Sachargumente, die Sarrazin mit Klischees und verdichtet in Bilder vortrug, spielen in der Diskussion keine Rolle mehr. Debattiert wird allein die anscheinend untragbare, weil undifferenzierte Beurteilungshaltung Sarrazins. In der Tat:  Die unverblümte Sprache, die entschiedene Bewertung von Fakten und die Richtungsweisungen für eine Lösung der Probleme müssen wie ein Schock wirken auf jeden, der zwar von Bereicherung spricht, mit dem Schuleintritt des eigenen Kindes aber in einen ziemlich reichen, ziemlich homogenen Stadtteil abwandert.

2. Die Ausgrenzung Sarrazins aus dem Sachgespräch erfolgte - wiederum vorhersagbar - mit kriminalisierenden Begriffen und Verdächtigungen: "Ausländerfeindlichkeit" und "Rechtsradikalismus" sind Totschlagvokabeln und keine Argumente: Sie dienen der Bekämpfung und der Abschreckung. Und konsequent referiert heute die Welt, daß die Berliner Staatsanwaltschaft nun prüfe, ob es sich bei den Äußerungen Sarazins um Volksverhetzung handle. Wenn es auch bloß "ein Verdacht" ist: Wer will dem Verdächtigen da noch zur Seite springen?

Die Sache ist durch, Sarrazin hat sich ein wenig entschuldigt und bedauert, daß man seine Worte hat anders verstehen können, als er sie meinte. Ich habe den Eindruck, daß er - während er so Abbitte leistete - mit gekreuzten Fingern dastand. Das Entscheidende an seinen Worten ist ja gerade, daß man sie gar nicht falsch verstehen konnte, oder? Das folgende Beispiel spannt in knappen Worten (und pauschal, wie es sich für Veranschaulichungen anbietet) den Bogen von kultureller Nähe zu kultureller Distanz auf, ein Kriterium, das wir hier auch schon oft angeführt haben.

Eine große Anzahl der Türken und Araber

hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel, und es wird sich vermutlich auch keine Perspektive entwickeln.

Das gelte auch

für einen Teil der deutschen Unterschicht, die einmal in den subventionierten Betrieben Spulen gedreht oder Zigarettenmaschinen bedient hat.

Gibt es Unterschiede?

Die Vietnamesen: Die Eltern können kaum Deutsch, verkaufen Zigaretten oder haben einen Kiosk.

Die zweite Generation sei aber integrationswillig wie die Osteuropäer.

Die Deutschrussen haben große Probleme in der ersten, teilweise auch der zweiten Generation, danach läuft es wie am Schnürchen, weil sie noch eine altdeutsche Arbeitsauffassung haben.

Bei den Ostasiaten, Chinesen und Indern sei es dasselbe.

Bei den Kerngruppen der Jugoslawen sieht man dann schon eher 'türkische' Probleme. Ständig werden Bräute nachgeliefert: Das türkische Mädchen hier wird mit einem Anatolen verheiratet, der türkische Junge hier bekommt eine Braut aus einem anatolischen Dorf.

Bei den Arabern sei es noch schlimmer:

Meine Vorstellung wäre: generell kein Zuzug mehr außer für Hochqualifizierte und perspektivisch keine Transferleistungen mehr für Einwanderer.

Zudem würden die Türken versuchen, mit einer hohen Geburtenrate in Deutschland die Einheimischen zu übertreffen. Sarrazin:

Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung.

Ist das keine Gesprächsgrundlage?


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (19)

Klaus Allofs
2. Oktober 2009 10:35

Unbedingt auf facebook der Gruppe https://www.facebook.com/group.php?gid=8934253449 für Thilo Sarrazin beitreten.

Und auf https://fact-fiction.net/?p=2990 gibt es mehr von dem Interview.

Und natürlich auch das heft LETTRE KAUFEN. Damit die Wissen - solche THEMEN GEHEN.

los gehts.

Thomas
2. Oktober 2009 11:11

Sarrazin hat das höchste Tabu der Linken angetastet: die angebliche Gleichheit aller Menschen, Religionen und Kulturen. Kein Wunder, daß ihm der geballte Haß entgegenschlägt.

Die Kulturen sind eben nicht gleich und untereinander auch nicht in gleichem Maße kompatibel. Daß die von Schäuble als Beleg für das "Migrations"-Land Deutschland angeführte Eingliederung der Heimatvertriebenen in die BRD gelungen ist, liegt daran, daß diese dem gleichen Volk angehörten. Je unterschiedlicher die ehtnische und vor allem die kulturelle Verfaßtheit von Zuwanderern und autochtoner Bevölkerung ist, desto schwieriger die Eingliederung.

Auch die angebliche Gleichheit aller Religionen - je nach Gemütslage des naiven Betrachters seien angeblich alle gleich gefährlich oder gleich harmlos - ist Humbug. Es gibt in Deutschland keine Probleme mit Christen, Juden, Buddhisten, Asatru-Anhängern, Neo-Druiden oder Shintoisten sondern mit Muslimen.

Dies beim Namen zu nennen, die Gleichheitslügen der Linken als solche zu entlarven, einen nüchternen Blick auf die Wirklichkeit zu werfen und das politische Handeln dementsprechend auszurichten, bedeutet den Kern der linken Lebeneinstellung anzugreifen.

Natürlich sind Sarrazins Ausführungen eine Gesprächsgrundlage. Gesprächsbereitschaft ist aber nicht zu erwarten; dies würde die Infragestellung der eigenen Ideologie voraussetzen.

derherold
2. Oktober 2009 11:20

Dem Post von Kubitschek ist nur wenig hinzuzufügen !

1. Mit dem Verweis auf den IQ ist es nunmehr deutlich, daß "die da oben" sehr wohl wissen, worum es geht und keine Unwissenheit/ideologische Verblendung eysencksche Erkentnisse verhindert.

2. In einem Artikel der faz zu Thilo S. vom 30.09. gibt es einen Link auf einen "lettre"-Gesprächsauszug - dort findet man zwar keine "ausländerpolit. Analysen" aber eine erkennntisreiche Beschreibung der Entwicklung in Berlin. Sehr lesenswert.

Simon
2. Oktober 2009 11:35

Auf Fakten und Fiktionen gibt es einen Auszug des Interviews:

https://fact-fiction.net/?p=2990

karlmartell
2. Oktober 2009 11:52

Es hat in Deutschland schon einmal eine Zeit gegeben, in der sich niemand traute die Wahrheit auszusprechen. Heute sind wir wieder so weit.

Harm Wulf
2. Oktober 2009 17:05

Herr Sarrazin, der zur Elite der BRD zuzurechnen ist, kommt seiner Pflicht nach, die Wahrheit über die Zustaände in der BRD und deren voraussichtliche Entwicklung dem Volk mitzuteilen.

Immerhin! Wenigstens einer. Spät, eigentlich schon zu spät, aber besser spät als nie.

Wie jedoch nicht anders zu erwarten war, unterschlagen die BRD-Medien Sarrazins inhaltsschwerste Aussage:

"Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate."

Diese Wahrheit den deutschen BRD-Schafen selbst nur in Zitat-Form mitzuteilen, weigern sich die etablierten BRD-Drecksmedien, die sich damit ein weiteres Mal am Verrat an ihrem eigenen Volk durch Unterlassen schuldig machen. Die BRD-Schafherde soll eben partout nicht erfahren, wohin die Reise geht, die unser widerliches etabliertes BRD-Politikerpack uns eingebrockt hat.

Sarrazin hat es in diesem Interview zwar nicht ausgesprochen, aber er, wie auch andere BRD-"Eliten", wissen, dass die gesamtgesellschaftliche Entwicklung innerhalb der BRD auf einen Krieg hinaus läuft. Die demografische Schieflage in der BRD ist eine Tatsache. Und das Abartigste daran ist, dass diese BRD die orientalischen Armeen, die diesen "tollen" Staat einst in Stücke schlagen werden, mittels BRD-Kindergeld und allerlei sonstigen BRD-Sozial-Klimbim, das von hart arbeitenden ewig-dummen BRD-Schafen deutscher Ethnie erarbeitet wurde und noch wird, heranbrütet.

Solange der Deutsche seinen eigenen inneren Schafsgeist nicht besiegt und gegen den eines Wolfes eintauscht, wird es mit ihm weiter bergab gehen. Egal, ob er sich seines eigenen Niederganges bewußt ist oder nicht.

Hesperiolus
2. Oktober 2009 18:53

Ein überdies lesenswertes Gespräch, in dem unbekümmert um pc einige unleugbare Fakten auf den Punkt gebracht werden. Das ist erfreulich, soweit es Herrn Sarrazin aber bloß um ein effizienteres Abschöpfen des globalen Migrationskarussells geht, nicht um die grundsätzliche Infragestellung von umvolkender Einwanderung, als Gesprächsgrundlage zu wenig. Meinetwegen spricht hier ein aufgeklärter Patriot frei Schnauze, doch keiner dem aufgegangen ist, was Volk bedeutet. Sein ex oriente aufzerebralisiertes Wunsch-Berlin wäre auch nicht unbedingt meines. Bliebe ich lieber provinziell in schöpferischer Landschaft.

Artisan
2. Oktober 2009 22:00

Hesperiolus, da verlangen Sie vielleicht zu viel (für den Anfang)
;-)....das Thema der Einwanderung als Verwässerung des eigenen Volkes würde doch gar nicht verstanden, weil, wie Sie ja sagen, der Begriff Volk ja grundätzlich schon völliges Kopfschütteln oder Schulterzucken verursacht...
trotzdem nett (bezogen auf Sarazzin), daß überhaupt mal wieder einer aus dem sog. "Mainstream" das Maul aufmacht....den üblichen reflexartigen Medienzirkus weiter kommentieren muß man wohl nicht...

godeysen
2. Oktober 2009 22:59

Leser-Kommentare auf Focus online (erstaunlicherweise freigeschaltet, vermutlich so zahlreich, dass die Zensur aufgegeben hat) und an anderen Orten scheinen zu zeigen: Sarrazin hat ausgesprochen, was die Bürger denken. Trotzdem wählen alle CDU-CSU-FDP-SPD-Grün-LINKE, also Parteien, die genau diese Wahrheiten ausblenden. Seltsam. Schweigespirale?
Wirklich erschreckend sind wieder einmal die Symptome der Abschaffung der Gewaltenteilung: Politiker jaulen auf, und eilfertig prüft die Staatsanwaltschaft einen möglichen Verstoß gegen Gummiparagraph 130 StGB. Gut immerhin, daß die Vierte Gewalt nicht mehr ganz so einhellig mithetzt: WELT-Chefredakteur Thomas Schmid stärkt Sarrazin den Rücken.

Rudolf
2. Oktober 2009 23:53

@derherold

Wenn ich mir "die da oben" so anschaue, insbesondere diejenigen, die sich durch besondere Migrantenverherrlichung hervortun, dann zweifle ich stärker am Intelligenzquotienten der Roths, Laschets und Schäubles als an dem der "Migranten".

d.n.
3. Oktober 2009 17:43

Der Vorwurf, im Falle Sarrazin sei der Tatbestand der Volksverhetzung im Sinne des § 130 StGB verwirklicht, ist natürlich völlig haltlos. Es fällt hingegen auf, daß nunmehr zunehmend multikulti-kritischen Ansätzen nicht nur der Ruch des Unanständigen, sondern gar der des Kriminellen aufgesetzt werden soll: Wo es also vor ein paar Jahren regelmäßig noch bei Empörung, Betroffenheit und Backenaufpusten blieb, müssen heute medienwirksam der Staatsanwalt und die Justiz ins Spiel kommen…
(Wieso hält sich die Presse eigentlich hinterher stets so bedeckt, wenn feststeht, daß an den Äußerungen der Betroffenen strafrechtlich nichts auszusetzen ist?)

Apropos „einen Türken einen Türken nennen“: Hier ein ganz amüsantes Kabarettstück vom guten, alten Hallervorden: https://www.youtube.com/watch?v=SKwp8T8zTPI

derherold
3. Oktober 2009 18:40

@rudolf, mit "Intelligenz" hat das wenig zu tun.

Sollen wir wirklich unterstellen, daß ein Laschet an "zugewanderte Kernphysiker" glaubt oder nicht weiß, daß wir in Deutschland auf Kosten anderer Staaten(!) mittlerweile mehr als 20.000 ausländische Ärztinnen und Ärzte angeworben haben ?
Sollen wir glauben, daß der einstige Renommierverlag "Kiepenheuer&Witsch" über Nacht "unintelligent" geworden ist und der Lektor bei der Laschetschen Prosa nicht vor Lachen unter den Schreibtisch gerutscht ist ?

Ist der Kölner (Noch-)OBM Schramma dumm, naiv oder hatte er den Auftrag, buchstäblich "alles" zu tun, um der moslemischen Bevölkerung die rückhaltlose Unterstützung von Verwaltung und CDU zuzusichern ?

Ist "Migrantenverherrlichung" die negative Auswirkung von Naivität oder nicht vielmehr "Staatsräson" ?

Mann der DP
5. Oktober 2009 09:03

Was sollen immer diese Auszüge von Interviews? Allein das ist doch schon nicht korrekt!
Herrlich, das es einmal einen etablierten Politiker trifft :-)
Ob der jetzt auch solche "Strafen" bekommt wie ein Hähnel, Voigt u.a.
Hier sei einmal kurz an die Übersicht der Verurteilungen wegen Volksverhetzungen in den letzten Jahren gedacht.
Überhaupt: Man stelle sich vor, diese Äußerungen hätte jemand aus einer nationalen Partei getan... Die Folgen wären: Hausdurchsuchung, U-Haft, Gerichtsverfahren, Freiheitsstrafe und Geldbuße!
Man darf also gespannt sein. (Aber eigentlich auch nicht, nach dem, was hier schon alles gelaufen ist)

Sich selbst ein Urteil bilden:

Also sprach Sarrazin:
„Man muss aufhören, von ‚den’ Migranten zu reden. Wir müssen uns
einmal die unterschiedlichen Migrantengruppen anschauen. Die
Vietnamesen: Die Eltern können kaum Deutsch, verkaufen Zigaretten oder haben einen Kiosk. Die Vietnamesen der zweiten Generation haben dann durchweg bessere Schulnoten und höhere Abiturientenquoten als die Deutschen. Die Osteuropäer, Ukrainer, Weißrussen, Polen, Russen weisen tendenziell dasselbe Ergebnis auf. Sie sind integrationswillig, passen sich schnell an und haben überdurchschnittliche akademische Erfolge.
Die Deutschrussen haben große Probleme in der ersten, teilweise auch
der zweiten Generation, danach läuft es wie am Schnürchen, weil sie
noch eine altdeutsche Arbeitsauffassung haben. Sobald die
Sprachhindernisse weg sind, haben sie höhere Abiturienten- und
Studentenanteile usw. als andere. Bei den Ostasiaten, Chinesen und
Indern ist es dasselbe. Bei den erngruppen der Jugoslawen sieht man
dann schon eher ‚türkische’ Probleme; absolut abfallend sind die
türkische Gruppe und die Araber. Auch in der dritten Generation haben sehr viele keine vernünftigen Deutschkenntnisse, viele gar keinen
Schulabschluss, und nur ein kleiner Teil schafft es bis zum Abitur.
[…] Je niedriger die Schicht, um so höher die Geburtenrate. Die Araber
und Türken haben einen zwei- bis dreimal höheren Anteil an Geburten,
als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Große Teile sind weder
integrationswillig noch integrationsfähig. Die Lösung dieses Problems
kann nur heißen: Kein Zuzug mehr, und wer heiraten will, sollte dies
im Ausland tun. Ständig werden Bräute nachgeliefert: Das türkische
Mädchen hier wird mit einem Anatolen verheiratet, der türkische Junge
hier bekommt eine Braut aus einem anatolischen Dorf. Bei den Arabern ist es noch schlimmer. Meine Vorstellung wäre: generell kein Zuzug mehr außer für Hochqualifizierte und perspektivisch keine
Transferleistungen mehr für Einwanderer. In den USA müssen Einwanderer arbeiten, weil sie kein Geld bekommen, und werden deshalb viel besser integriert. Man hat Studien zu arabischen Ausländergruppen aus demselben Clan gemacht; ein Teil geht nach Schweden mit unserem Sozialsystem, ein anderer Teil geht nach Chicago. Dieselbe Sippe ist nach zwanzig Jahren in Schweden immer noch frustriert und arbeitslos, in Chicago hingegen integriert. Der Druck des Arbeitsmarktes, der Zwang des Broterwerbs sorgen dafür. Das sind Dinge, die man nur durch Bundesrecht ändern kann. Für Berlin ist meine Prognose düster, was diese Themen betrifft. Aber es kann in einer Stadt, in der man prächtig leben kann, gleichzeitig kompakte und wachsende, ungelöste Probleme geben. Genauso wird es in Berlin werden. […] Die Integration hat Stufen. Die erste Vorstufe ist, dass man Deutsch lernt, die zweite, dass man vernünftig durch die Grundschule kommt, die dritte, dass man aufs Gymnasium geht, dort Examen macht und studiert. Wenn man durch ist, dann braucht man gleiche Chancen im öffentlichen Dienst. So ist die Reihenfolge. Es ist ein Skandal, dass die Mütter der zweiten, dritten Generation immer noch kein Deutsch können, es allenfalls die Kinder können, und die lernen es nicht wirklich. Es ist ein Skandal, wenn türkische Jungen nicht auf weibliche Lehrer hören, weil ihre Kultur so ist. Integration ist eine Leistung dessen, der sich integriert. Jemanden, der nichts tut, muss ich auch nicht anerkennen. Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert. Das gilt für siebzig Prozent der türkischen und für neunzig Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin. Viele von ihnen wollen keine Integration, sondern ihren Stiefel leben. Zudem pflegen sie eine Mentalität, die als gesamtstaatliche Mentalität aggressiv und atavistisch ist. […] Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung. Ich habe dazu keine Lust bei Bevölkerungsgruppen, die ihre Bringschuld zur Integration nicht akzeptieren, und auch, weil es extrem viel Geld kostet und wir in den nächsten Jahrzehnten genügend andere große Herausforderungen zu bewältigen haben. […] Man stößt gegen viele Mauern der politischen Korrektheit, aber man merkt, dass der Ton an Deutlichkeit zunimmt, wir haben noch nicht verstanden, dass wir ein kleines Volk sind. Wir verstehen uns immer noch als ein großes Volk. 1939, als der Zweite Weltkrieg begann, hatte Deutschland 79 Millionen Einwohner, die USA 135, Russland 160 und England 50. Die Proportionen haben sich völlig verschoben. Wenn von unseren 80 Millionen praktisch dreißig Prozent im Rentenalter sind, sind wir bereits eine relativ kleine Bevölkerung. Wir sind näher an den Holländern und Dänen als an den USA. Dass diese kleinen Völker ihre Ausländer heute mit viel radikaleren Programmen als wir forciert integrieren, hat einen guten Grund. Heute muss man Sprachtests in den Botschaften machen, davor darf man gar nicht
einreisen. Sie haben spät angefangen, aber sie haben wenigstens
angefangen. Wenn die Türken sich so integrieren würden, dass sie im
Schulsystem einen anderen Gruppen vergleichbaren Erfolg hätten, würde
sich das Thema auswachsen. Der vietnamesische Kioskbesitzer wird immer
gebrochen Deutsch sprechen, weil er erst mit dreißig eingewandert ist
und ungebildet war. Wenn seine Kinder Abitur machen oder Handwerker
werden, hat sich die Sache erledigt. Türkische Anwälte, türkische
Arzte, türkische Ingenieure werden auch Deutsch sprechen, und dann
wird sich der Rest relativieren. So aber geschieht nichts. Die
Berliner meinen immer, sie hätten besonders große Ausländeranteile;
das ist falsch. Die Ausländeranteile von München, Stuttgart, Köln oder
Hamburg sind viel höher. Aber die Ausländer dort haben einen
geringeren Anteil an Türken und Arabern und mischen sich über breite
Ausländergruppen. Zudem sind die Migranten in den Produktionsprozess
integriert. Während es bei uns eine breite Unterschicht gibt, die
nicht in Arbeitsprozesse integriert ist. Doch das Berliner
Unterschichtproblem reicht weit darüber hinaus. Darum bin ich
pessimistisch. Wir haben in Berlin vierzig Prozent
Unterschichtgeburten, und die füllen die Schulen und die Klassen,
darunter viele Kinder von Alleinerziehenden. Wir müssen in der
Familienpolitik völlig umstellen: weg von Geldleistungen, vor allem
bei der Unterschicht. Ich erinnere an ein Dossier der ‚Zeit’ dazu. Es
berichtet von den zwanzig Tonnen Hammelresten der türkischen
Grillfeste, die die Stadtreinigung jeden Montagmorgen aus dem
Tiergarten beseitigt — das ist keine Satire. Der Neuköllner
Bürgermeister Buschkowsky erzählt von einer Araberfrau, die ihr
sechstes Kind bekommt, weil sie durch Hartz IV damit Anspruch auf eine
größere Wohnung hat. Von diesen Strukturen müssen wir uns
verabschieden. Man muss davon ausgehen, dass menschliche Begabung zu
einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich.
Der Weg, den wir gehen, führt dazu, dass der Anteil der intelligenten
Leistungsträger aus demographischen Gründen kontinuierlich fällt. So
kann man keine nachhaltige Gesellschaft bauen, das geht für ein, zwei,
drei Generationen gut, dann nicht mehr. Das klingt sehr stammtischnah,
aber man kann das empirisch sehr sorgfältig nachzeichnen.“
Man muss nicht jedes Wort von Sarrazin bejubeln. Aber selbst wer
dessen Meinung nicht teilt, darf sein Recht auf freie Rede
verteidigen. Auch und gerade die vermeintlich linksliberale Presse von
„Süddeutscher Zeitung“ bis „taz“, wo sonst gerne „Bürgerrechte“
verteidigt werden, wäre hier in ihrem Selbstverständnis gefordert.
Doch die deutsche Journaille hatte wieder einmal bereits den Anfängen
nicht gewehrt, als es zunächst nur Irre wie Horst Mahler traf.
Natürlich, Sarrazin hat mehr gesagt, als es in diesem Lande
zivilreligiös vorgegeben ist. Dafür verliert man „als Person des
öffentlichen Lebens“ seinen Job. Das ist klar, und auch Sarrazin
wusste das vermutlich. Dennoch könnte er sich verschätzt haben. In
einem Satz dieses in voller Länge lesenswerten Interviews sagte der
Noch-Bundesbanker: „Die Türkei ist das Land, wo man heute noch
bestraft wird, wenn man vom Völkermord an den Armeniern redet.“
Deutschland ist das Land, in dem man bald wieder weggesperrt wird,
wenn man über Sozialhilfeempfänger redet. Die Presse verdreht die
Kritik an sozialpolitisch gemachter Faulheit zur „Hetze gegen Arme“.
Sarrazins Worte werden nun in Berlin polizeilich überprüft. Er wird
entweder der vielleicht erste Deutsche seit dem Mauerfall sein, der
für das Aussprechen schlichter Wahrheit ins Gefängnis geht. Oder einer
der letzten, der mit Verleumdung und Jobverlust noch einmal gnädig
davonkommt.
Deutsche Journalisten jagen derweil weiter die Phantom-Gefahren.
Internet
Lettre International
03. Oktober 2009

Rudolf
5. Oktober 2009 17:53

@derherold

An eine großangelegte Verschwörung halte ich für wenig plausibel.

Einige wenige Politiker mögen die Gefahren der Überfremdung erkennen und versuchen, unauffällig dagegenzusteuern.
Der große Rest will aber lieber nicht sehen, wohin der Kahn Deutschland schippert, passt sich lieber an die neuen Gegebenheiten und beschäftigt sich mit irgendwelchen Phantomproblemen, à la Rechtsextremismus.

Gewiss wäre unsere "Elite" intellektuell gerade noch dazu in der Lage, das Überfremdungsproblem zu verstehen.
Es dankt einem aber keiner, hinsichtlich Multikulti "den Durchblick" zu haben, folglich ist es auch nicht schwer, in einer ignoranten Position à la Schäuble, Laschet, Schramma zu bleiben.

CL
5. Oktober 2009 20:50

Es hat in Deutschland schon einmal eine Zeit gegeben, in der sich niemand traute die Wahrheit auszusprechen. Heute sind wir wieder so weit.

Hubert
6. Oktober 2009 09:32

Man sollte aber auch zur Kenntnis nehmen, dass es Sarrazin nur darum geht, seine Batzen möglichst für sich zu behalten und keine Sozialleistungen zu bezahlen. Ob die Unterstützungsbedürftigen Türken oder Deutsche sind spielt für ihn letztlich keine Rolle. Es soll einfach nur jeder tüchtig schuften, damit die Banker weiterhin in Glamour und Gloria leben können. Was hat ein Banker für ein Recht, in dieser Weise Leistung von den Menschen einzufordern? Welche Leistung bringt er? Er schiebt virtuelles Geld hin und her, sonst nichts. Natürlich sind Banken heute notwendig, aber sie müssten unbedingt verstaatlicht werden.

derherold
6. Oktober 2009 13:56

Was hat denn Sarrazin - abgesehen davon, daß er auch dann Recht hätte - mit "Banker" zu tun ?

Sarrazin ist Karrierebeamter, der je nach Notwendigkeit mal in einem Fachministerium, mal bei der Treuhand, mal bei der Bahn oder der Bundesbank eingesetzt wird.

@rudolf, okay, es ist keine "Verschwörung", sondern plötzlich und unerwartet eintretende "Unintelligenz", die z-u-f-ä-l-l-i-g nahezu sämtliche Funktionsträger in Wirtschaft, Medien und Politik betroffen hat und die z-u-f-ä-l-l-i-g alle einem "Phantomproblem" nachlaufen... das z-u-f-ä-l-l-i-g jede Diskussion über Masseneinwanderung mundtotmachen soll.

KEINER, weder Schäuble, Laschet oder Schramma, ist "ignorant": Die wissen genau, was sie tun. Ob sie nun persönliche Karriereziele haben, sich als Getriebene der "normativen Macht des Faktischen" sehen (wie mgl.weise Schäuble) oder "Kurs halten" sollen.

Joachim Mader
6. Oktober 2009 14:31

Wie Sie zutreffend feststellen, gibt es keinerlei Ansätze für eine sachliche Auseinandersetzung mit entsprechender Diskussion der von Sarrazin angesprochenen Punkte.
Ich bin mir sicher, er wird vor allem deswegen von den Medien und anderen Leuten diffamiert, weil er die von der 68er-Generation zu verantwortenden heutigen Probleme klar beim Namen nennt.
Genauso ennt er auch klar und unmißverständlich die Besonderheiten der "Berliner Probleme". Die von Sarrazin angesprochene Ausländerproblematik ist nur ein Teil seiner Äußerungen.
Wir haben es mit einer erneuten Hexenjagd zu tun, so wie es sie auch im Falle von Martin Hohmann gab.

Rudolf
6. Oktober 2009 23:37

@derherold

Wer spricht denn von "zufällig" oder "plötzlich"?

Es ist aufgrund der geänderten Faktenlage opportun, sich so zu verhalten, wie es die genannten Herren und Damen tun.
Dazu kommt, dass zumindest einige von ihnen in einer 68er-Traumwelt leben, die sie sich vor Jahrzehnten zusammengezimmert haben und nicht willens sind, zu erkennen, dass ihre kindischen "Idealvorstellungen" mit der Realität nichts zu tun haben.

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