15. Oktober 2009

Schläfenmassage mit Sarrazin

von Götz Kubitschek / 27 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Man kann empört oder betont sachlich oder wirklich interessiert oder schlicht kalt fragen, warum es mit den Aussagen von Herrn Sarrazin läuft, wie es läuft -- am Ende wird die Antwort lauten, wie sie seit dem Historikerstreit auf solcherlei Debatten-Verläufe lautet:

Die Zeiten sind, wie sie sind. Es gelten nicht die Paradigmen derer, denen die Überfremdung Alpträume bereitet, und auch nicht die jener, die in den Millionen ausländischer Sozialhilfeempfänger eine Bereicherung unserer Kultur sehen.

Es gelten viel mehr die Diskursgesetze der Gesprächsverhinderer, die von sich selbst eines mit Sicherheit behaupten können: Die erfahrbare Wirklichkeit in Deutschland steht ihnen so sehr entgegen, daß eine offene Debatte über diese Wirklichkeit die multikulturell-emanzipatorische Ideologie zertrümmern würde.

Und so gibt es nur eine einzige Aufgabe: Erzwingt die Debatte! Auf unserer Seite steht die wahrnehmbare Wirklichkeit. Etwas Vergleichbares ins Feld zu führen ist denen nicht möglich, die in der zugewanderten Unterschicht weiterhin die Rettung unserer Sozialsysteme und die buntfärbung der preußischblauen deutschen Einheitskultur erkennen wollen.

Dennoch: Ich sehe das entspannt und nehme Fälle wie den Sarrazins zur Schläfenmassage. Wenn nämlich vor 40 Jahren jemand prognostiziert hätte, daß eines Tages der Innenminister persönlich sich bei ein paar Indern entschuldigen würde, die bei einer ziemlich alltäglichen Auseinandersetzung auf dem Müggelner Stadtfest den Kürzeren zogen -- jeder hätte diesen Visionär zum Spinner erklärt. Aber er hätte recht behalten, wir sind heute dort, wo aus einer durch nichts gedeckten Behauptung eine ganze Kampf-gegen-rechts-Maschinerie durchfinanziert wird.

Ist das nicht ermutigend? Wenn also beispielsweise heute einer behauptete, daß bereits in zehn Jahren eine starke rechte Partei die nichtgeführte "Debatte Sarrazin" als eine der geistigen Breschen wird bezeichnen können --

-- ach, du Spinner.
(Bloß, Männer: Machen muß es trotzdem einer.)

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (27)

semprefidele
15. Oktober 2009 18:18
Noch einmal CHarles Alexis Henri Clérel de Tocqueville, 1840 über die USA:

In den demokratischen Republiken geht die Tyrannei anders zu Werk; sie geht unmittelbar auf den Geist los.

Der Machthaber sagt hier nicht: "Du denkst wie ich, oder du stirbst", er sagt:

"Du hast die Freiheit, nicht zu denken wie ich, aber von dem Tag an bist du ein Fremder unter uns.

"Du wirst deine Bürgerrechte behalten, aber es wird dir nichts mehr nützen.

"Du wirst unter Menschen wohnen, aber deine Rechte auf menschlichen Umgang verlieren.

"Wenn du dich einem unter deinesgleichen nähern willst, so wird er dich fliehen wie einen Aussätzigen; sogar wer an deine Unschuld glaubt, wird dich verlassen, sonst meidet man auch ihn.

"Gehe hin in Frieden, ich lasse dir das Leben, aber es ist schlimmer als der Tod."
Nico
15. Oktober 2009 20:26
Beim Übersetzen eines Textes von Petron bin ich heute über einen gewissen Laokoon gestolpert und musste sofort an "uns" denken. Dieser Laokoon wollte die Trojaner vor dem Pferd warnen, doch als er es mit einem Speer zu durchbohren versuchte, glitt dieser einfach ab. Laokoon ließ sich davon nicht entmutigen und griff zur Doppelaxt. Diesesmal brachte er die versteckten Soldaten zum stöhnen. Immerhin! Naja, genützt hat es ja bekanntermaßen nichts und Laokoon und auch seine beiden Söhne wurden von Seeungeheurn getötet.
Zugegeben, so schwarzmalen will ich die Situation nicht! Doch weiß ich nicht, mit welcher Waffe wir gerade auf das schädlich gefüllte Pferd losgehen. Ist Sarrazin der Speer? Oder schon die Streitaxt (immerhin schnauft das Pferd ja schon in Gestalt politisch korrekter Wahrheitsverweigerung-das hat es allerdings schon öfter getan)? Oder weder noch?
Und wir sollten bedenken, dass nach der Streitaxt nicht Schluss sein darf:-) Nach dem Schlag mit dieser muss die erwähnte Parteigründung stehen...hoffentlich bald!
AFG
15. Oktober 2009 20:40
Wenn eine heutige rechte Partei jetzt beginnen würde sich hinter Sarrazin zu stellen, wäre dieser schnell aus der politischen Landschaft verschwunden.
Wenn wir als unzählige Einzelpersonen damit anfangen würden, wäre der Effekt in 10 Jahren gleich Null. Keine zugeordnete Organisation bringt keine konstante Medienpräsens, die ein Erinnern des Volkes an uns möglich macht.
Rein hypothetisch bleibt uns der Eintritt in die bereits bestehende Partei SPD. Und das explizit für Sarrazin unter Ausschluss der viel zu mächtigen Parteilinken. Dies ließe sich meiner Meinung nach in der Tradition Eberts, Niekischs, Schumachers (und ein wenig in der Schmidts) gewissermaßen legitimieren.
Ich weiß auf wie viel Gegenstimmen ich hier treffen werde. Dieser Gedanke ist aber, so wenig er auch zu erwarten war, keine fixe Idee sondern etwas, das mir schon vor längerer Zeit auf der Suche nach der richtigen Partei einfiel.
Aber keine Angst, ohne rechtskonservativen Rückhalt werde ich nicht die SPD unterstützen, in diesem Sinne:
Diskutieren sie bitte diesen Gedanken.
Martin Böcker
15. Oktober 2009 21:50
"Man muss sich nämlich darüber im Klaren sein, dass es kein schwierigeres Wagnis, keinen zweifelhafteren Erfolg und keinen gefährlicheren Versuch gibt, als sich zum Leiter eines Staats aufzuwerten und ein neue Ordnung einzuführen; denn jeder Neuerer hat alle die zu Feinden, die von der alten Ordnung Vorteile hatten, und er hat an denen nur laue Verteidiger, die sich von der neuen Ordnung Vorteile erhoffen."

(Niccolò Machiavelli, Der Fürst)

Aber ich bin trotzdem optimistisch. ;-)
corvusacerbus
15. Oktober 2009 21:54
"...Bloß, Männer: Machen muß es trotzdem einer". Und am besten, Männer, reden wir mal nicht drum herum, bringt er eine Menge flüssige Mittel mit und wenn es geht auch einen direkten Zugriff auf Massenmedien, also am besten er besitzt welche. Man muß es ansonsten nicht treiben wie Cavaliere Berlusconi, aber vom Italiener ist zu lernen, daß sich Außenseiter des politischen Betriebes nicht mit Argumenten und guten Worten an die politische Macht bringen, und ganz sicher keine auf der politischen Rechten in Deutschland. Es bleibt festzuhalten, daß es eine unglaubliche Diskrepanz zwischen der inhaltlichen Unterstützung nationaler, rechter und konservativer Positionen im Volk gibt - man muß sich nur umhören und mit den Leuten reden - und ihrer institutionellen Trägerschaft. Gibt's verdammt nochmal keinen (einfluß-)reichen Gönner der/des Rechten? Aber halt, wo die Verzweiflung groß ist, wächst auch die Hoffnung: Im großen, na gut, langen ZEIT-Gespräch heute mit Müntefering wittert einer der Interviewer Zeitgeist und weist darauf hin, Bodo Hombach wende gerade den WAZ-Konzern nach rechts... Bodo Hombach als Spindoktor der Rechten und Vorschubleister für neues Denken? Nach dem Motto, was gut ist für die Auflage, muß gemacht werden und dann mache ich es am besten gleich selbst? Das könnte ein tolles Stück politische Dialektik werden und man sollte entsprechende Entwicklungen im Mainstream - ganz entspannte Aufklärung mit Schläfenmassage - im Auge behalten.
Martin
15. Oktober 2009 22:57
AFG,

an Ihren Gedanken (SPD) habe ich schon vor Sarrazin und dem Debakel der SPD bei der Bundestagswahl gedacht, denn die gute alte SPD als durchaus staatsbejahende Partei mit den von Ihnen genannten Ahnherrn, insbesondere Schumacher, bietet sich da, von außen betrachtet, an. Und da wären wir schon beim "aber":

Wenn man die Außenbetrachtung verlässt, dann merkt man, dass die SPD im Inneren so durch und durch der political correctness erlegen ist, dass man vermutlich schon beim ersten "flotteren Spruch", wirklich nichts, aber auch gar nichts mehr in der Partei erreichen würde. Diese zum großen Teil gegebene "Links-Spießigkeit" ist ja auch eines des Kernprobleme, die diese Gruppierung hat.
Thorsten
16. Oktober 2009 00:05
Eben, einer muß es machen. Und es ist wahrscheinlich, dass wenn er es gut angeht, er verdammt viele findet, die bereit sind sich in den Dienst zu stellen, für was auch immer. Eine Jahrhundertgestalt werden wir jedoch schon benötigen, in diesen harten Zeiten. Dann ist alles möglich. Also weiter warten und bereit halten. Wenn wir umsonst warten wird es eines Tages nur noch mit der Politik der anderen Mittel funktionieren. Bereit halten und Clausewitz lesen. Masse ist nicht alles, da mag der Musel schnackseln wie er will.
Andreas Lehmann
16. Oktober 2009 10:01
Werter Herr Kubitschek,

nehmen wir mal an es gäbe in zehn Jahren besagte rechte Partei. Und nehmen wir weiters an es wäre gar nicht mal ein Haufen von Spinnern und geheimdienstlich finanzierter Spione, sondern eine ordentliche Truppe.
Nehmen wir also an wir wären ungefähr auf dem Stand von Holland, Frankreich, Österreich oder Italien (wo ja jeweils mindestens eine solche Partei exsistiert). Was würde das denn ändern? Was haben denn diese Parteien tatsächlich an der Misere ihrer Vaterländer geändert? Ein Schritt vor, und die Linke geht parallel -mindestens- zwei Schritte zurück.

Sind dort die Probleme mit Ausländern, der Bürokratie, den Finanzen oder der kulturell-gesellschaftliche Verfall geringer?

Sie sind es nicht und sie können es in einem demokratischen System auch nicht werden. Die Demokratie, wie alles was auf Egalitarismus und Kollektivismus beruht, steuert unweigerlich auf den Verfall zu. Eine rechte Partei würde diesen notwendigen Reinigungsprozess nur unnötig verlängern, und damit auch unsere Leidenszeit. Das Bürgertum ist auf den Ausgleich angelegt, es kann der Hure Demos nicht abschwören und ist ab einer gewissen "Gefahrenstufe" kein Verbündeter mehr, das wussten schon unsere Vorväter in den Freikorps. Deshalb kann auch die Junge Freiheit die Probleme nur bis zu einer bestimmten Grenze hin benennen.

Ich halte Sie gewiss nicht für einen Demokraten, aber wenn Sie die demokratischen Hoffnungen schüren (wie in den unzähligen bürgerlich-konservativ-liberalen Käseblättern) machen Sie sich mitschuldig.

Die Rechte hat die intellektuelle Kraft, die Tollkühnheit und den Schneid, die Demokratie (und manch andere "Errungenschaft" von 1789) als das zu demaskieren was sie ist: einer der Hauptgründe für den abendländischen Verfall in Staat, Kirche, Gesellschaft und Wirtschaft. Sie ist, in ihren gesellschaftlichen Spielarten bzw. Erscheinungsformen (Mitbestimmung, Mitsprache) eine einzige Philosophie der Mittelmäßigkeit und eine Anbetung des Schlechten, Hässlichen und Bösen. Sie kann sich nur ernähren wie der Parasit vom Wirt.

Gruß!
Andreas Lehmann





"Die Demokratie hat für das Seltene keinen Sinn. Wo sie es nicht leugnen und entfernen kann, haßt sie es. Selbst eine Ausgeburt mediokrer Köpfe und ihres Neides, kann sie auch als Werkzeug nur mediokre Menschen gebrauchen."
Jacob Burckhardt

"Die Demokratie ist auf einer so kindischen Sammlung an Trugschlüssen aufgebaut, daß sie von einem starren System von Bannsprüchen verteidigt werden muß, damit sie nicht schon ein Schwachsinniger zu Fetzen disputieren kann."
H-L Mencken

„Denn Wählen ist heute Ausdruck mechanischer Zusammenfassung, ist Gewaltherrschaft der Verantwortungslosen. Vom Wählen lebt aber die Partei, die seelenlose Maschine, die das Leben unlebendig macht, Geist und Seele ertötet, die Minderwertigkeit an die Spitze trägt. Nichts verdient so sehr den baldigen Untergang als die Partei. Wer sie mit Feuer und Schwert austilgt, vollbringt ein frommes Werk!“
E.J. Jung

"Der Demokrat erstarrrt, wenn er von der ungewöhnlichen Koalition Kenntnis erhält, die ihn bedroht, wenn er entdeckt, daß die Klassik des Sophokles sich mit der Romantik Kierkegaards verbündet hat, um ihn zu verurteilen.
Wenn er bei diesem Unterfangen den bischöflichen Pomp Bossuets mit dem dionysischen Atheismus Nietzsches paktieren sieht."
Don N.G. Davila


"Die Demokratie, Tochter Satans, stellt uns in ihrem Triumphe und als Denkmal ihrer Weisheit eine Welt von Trümmern und Ruinen dar; dagegen ist ihr das Bauen und Erhalten auf ewig versagt; ein Fluch liegt auf all ihren Unternehmungen, ihr Beginnen gleicht demjenigen des Sisyphus in der Fabel, der dazu verdammt war, immer und ewig einen Mühlstein den Berg hinaufzuwälzen, der aber stets wieder herunterrollte und oft die Arbeiter zerschlug, nichts ist von Dauer, alles mißlingt und stets muß wieder von vorne angefangen werden, Konstitutionen, Gesetze, Reglemente u.s.w. sind einem beständigen Wechsel, einer ewigen Revision unterworfen, und der spätere Versuch ist allemal noch schlechter als der frühere; unaufhörlich wird gebaut und niedergerissen, wieder gebaut und abermal niedergerissen, denn die Demokratie als Geist der Zerstörung kann ihre eignen Schöpfungen nicht leiden, oder vielmehr es ist ihr das Schaffen und Erhalten auf ewig versagt." Karl Ludwig von Haller
lukas rudi
16. Oktober 2009 11:12
Die Jahrhundertgestalt ist nicht in Sicht. Es sind viele besondere Gestalten, die auf ihrem Platz für die konservative Sache einiges bewegen und vorbereiten. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien genannt: KUBITSCHEK, WEISSMANN, MENZEL, STEIN, HERRE, TIMKE, NITZSCHE, BEISICHT, KOSITZA, HERMAN, KUBY ...
Aber keine dieser Persönlichkeiten wird sich selbst als die politische Zentralgestalt (à la Haider) sehen wollen. Sie haben jeweils andere Aufgaben und Berufungen. Die meisten sind Publizisten, die das Ganze positiv begleiten und fördern, oder es sind Politiker auf der regionalen Ebene, die im kleinen modellhaft für rechtskonservative Politik stehen.
AFG
16. Oktober 2009 12:21
Martin:
Sie haben natürlich recht.
Fakt ist aber, dass wir eine Plattform brauchen um uns öffentlichkeitswirksam profilieren zu können. Meine Frage ist es jetzt, ob die politische Korrektheit (mit dem Beispiel Sarrazin) eventuell nicht doch in der SPD leichter zu durchbrechen ist als in anderen Parteien. Die Möglichkeit einer Parteineugründung sei dabei mal ausser Acht gelassen.
Immerhin ist Sarrazin (soweit ich weiß) noch nicht aus der SPD ausgeschlossen worden. Und das auch trotz seiner stets nicht politisch korrekten Äußerungen (z.B. in zum Thema Hartz 4).
Toni Roidl
16. Oktober 2009 12:36
Lieber GK, ein Beitrag ganz nach meinem Geschmack! Danke! Dann mal los...
Martin
16. Oktober 2009 13:05
Thorsten,

Sie schreiben:

"Eine Jahrhundertgestalt werden wir jedoch schon benötigen, in diesen harten Zeiten."

Die wird sich aber nicht so leicht finden lassen - und hier sehe ich auch ein Problem bei vielen rechts-konservativen:

Das warten auf eine Lichtgestalt oder dass sich Barbarossa aus dem Kyffhäuser bewegt ...

m.a.W.: Dann kann man noch sehr lange warten ...

Sinnvoller wäre es aus meiner Sicht, wenn man einfach einmal in die Fläche des Landes geht und versucht, ein Netzwerk von vielen kleinen Clubs zu organisieren ... die kann man am Anfang ja im Stile von Debating-/ Service- Clubs organisieren, nur eben ausgerichtet auf ein konkret deutsches Ziel ... "Deutschland Clubs" eben.

Wenn man dann ein funktionierendes Netzwerk hat, dass auch Gelder aufbringen kann, kann man daran gehen, dass man in Richtung Parteigründung denkt. Und bei einem guten, großen Netzwerk braucht man dann auch keine "Lichtgestalt" mehr, die voran geht - so etwas hat schließlich auch keine einzige andere Partei in diesem Land.

Daher: Es hilft kein Messias, man kann sich nur selbst helfen ...
Patricius
16. Oktober 2009 16:18
Ja, einer muss es machen!
Aber was?
Wie schon die Debatte über Zuwanderung/Integration etc. gezeigt hat gibt es nicht einmal unter "uns" Einigkeit.
Daher die Frage WAS?
Ich weiß nicht, ob ich da allein stehe, aber es reicht mir einfach nicht, dass immer davon gesprochen wird, wie man am besten "ans Ruder" gelangt, aber was dann konkret zu tun wäre bleibt ungewiss.

Selbst von den "Härtefällen"(S. Sarrazin) abgesehen, bleibt es doch dabei, dass unsere "Disteln für Hagen" einem Herrn Özil stets fremd bleiben werden/müssen.
Also steht die Frage: Abschied von Hagen und Hinwendung zu einem "neuen" u. "patriotischen"Deutschland à la "Sammy Deluxe"(S. Blaue Narzisse), oder doch unbeirrbar und treu zum Eigenen stehen und damit leben, dass man wohl für noch längere Zeit ziemlich allein ausharren muss.
Rudolf
16. Oktober 2009 16:31
Ach, auf die Entstehung irgendwelcher rechter Parteien setze ich keine Hoffnung.
Wenn die bunte Multikultirepublik, die den dumpf-farblosen Teutonen Kultur und Vielfalt brachte, ungemütlicher wird, werden halt die etablierten Parteien etwas mehr nach "law & order" rufen und der Michel wird sich davon beruhigen lassen.
Wahrscheinlich werden die Linken sogar rechter als die Rechten sein, denn die dürfen das ja.
derherold
16. Oktober 2009 16:55
Die Jahrhundertgestalt sollte allerdings darauf verzichten, Auto zu fahren ... ;-)

Das "Hinein in die ..." hat doch schon von Stahl probiert und ich glaube nicht, daß "man" die Geschicke einer Partei in eine Richtung schieben kann, ohne daß es entsprechende Nutznießer/Unterstützer gibt. Daß ein intellektuelles und moralisches Leichtgewicht wie Özdemir Bundesvorsitzender der Grünen werden kann, sollte Beweis genug sein.

Das derzeitige Regime (wertfrei gemeint) hält sich am Ruder, weil es Wahrheiten konstruieren und Widersprüche abkaufen kann. Weil es "länger gemeinsam lernen" propagieren und Privatschulen vermehren kann. Sollte die "Kriegskasse" (Verschuldung) das auch weiter hergeben, wird es *so* weitergehen.

Jede Parteigründung ist ein Schuß in den Ofen. Dafür ist die Großwetterlage nicht da.
M.
16. Oktober 2009 19:06
Wenn also beispielsweise heute einer behauptete, daß bereits in zehn Jahren eine starke rechte Partei die nichtgeführte „Debatte Sarrazin“ als eine der geistigen Breschen wird bezeichnen können –


Wenn ich einen Verfassungsschützler zitieren darf:

"Es ist mir scheißegal, ob 20, 40 oder 60% der Deutschen gegen dieses System sind. Solange keine Alternative da ist, ist das völlig ungefährlich. Und sollte eine Alternative auftreten, werden wir es in die Tonne kloppen. Wir werden dafür sorgen, daß es niemals eine Alternative gibt."
Vulture
16. Oktober 2009 23:17
Mal ne dumme Frage an die Gelehrten hier: Gibt es eigentlich historische Beispiele, dass Politik gezielt zur Verhinderung größerer Völkerwanderungen gemacht wurde und dabei erfolgreich war? Jetzt kommt mir aber nicht mit Römern und Germanen oder sowas! Nichts was offene militaerische Auseinandersetzungen beinhaltete.
eo
17. Oktober 2009 22:24
Nun,
noch ist
nicht aller Tage
Abend, und Sarrazin,
den ich für einen der letzten
Preußen halte, ist schon
einmal ein Anfang,
um dem Schleier
der Lüge und
der Verkleisterung
stellenweise aufzureißen.
Das Dummsprech dieser Leute,
die vielen blödsinnigen sprachlichen
Polkor-Verrrenkungen müssen parodiert
und der Lächerlichkeit preisgegeben werden;
in der Gestalt neuer kesser Sprüche
und witziger Formulierungen,
die dann von selber von
Mund zu Mund weiter
gegeben werden -
mit eim kurzen
Augenzwinkern
und eim fast obszönen
weil verschwörerischen Lächeln.
Damit schwindet die Akzeptanz dieser
hohlen Phrasen und Begriffe im Volk immer
mehr und das bloße ernsthafte Aussprechen bestimmter
Dummsprech-Vokabeln wie zB. 'Jugendliche
mit Migrationshintergrund' sorgt dann
bei Teilen des Publikums für ein
genervtes Zucken oder führt
gleich zu Witzeleien unter
einigen der Zuhörer.
Weil mich diese
obengenannte, unschöne
Bandwurmformulierung seit Anbeginn
überaus nervte, bin ich vor gut drei Jahren auf
die Idee verfallen, darauf sprachlich zu
reagieren. So kam es dann zur
Abkürzung Mihigru, die mir
wegen des schrägen
Klangs überaus
treffend für
den gemeinten
Sachverhalt erschien.
Und da es leicht zu erschließen
war, mußte man 'Mihigru' auch nicht
extra erklären. Im ersten Jahr
ließen sich die Treffer bei
Gugel fast noch an
einer Hand
abzählen,
aber als ich letztens
'Mihigru' eingab, wurden schon
um die 10.000 Treffer angezeigt. Schon
erstaunlich, welche Verbreitung
dieses neue Wort in nur
einem Jahr jetzt
erzielt hat. Um noch
einmal oben anzuknüpfen -
steter Tropfen höhlt den Stein und
irgendwann fällt auch der Tropfen, der das
Faß zum Überlaufen bringt. Übrigens, 2012 ist wieder
mit eim Sonnenflecken-Maximum zu rechnen.
Das hat nicht bloß Einfluß auf den
Funkverkehr, sondern teilt
sich auch den Menschen
mit. Sie werden
infolgedessen unruhiger
und auch mutiger. Wer das für
esoterischen Quark hält, dem
sei gesagt, das vorletzte Maximum
war 1989 und zwar zur
Oktobermitte, kurz
bevor Honecker
zurücktrat ....
Johannes
17. Oktober 2009 22:37
Vulture: Das moderne Japan ist ein gutes Beispiel dafür. Interessant dazu: http://www.berlin-institut.org/interviews/als-auslaender-ist-man-in-japan-nur-gast.html .
Lapidarium
18. Oktober 2009 13:49
Einerseits Verbündete (Netzwerk, Debatier-Clubs), ja. Aber dafür die 'Plattform' - die platte Form - der soeben entlarvten demokratischen Öffentlichkeit zu nutzen, widerspricht sich selbst. Es stünde den Konservativen, Rechten auch gut, das Bündnische zu pflegen. Kein Mächtiger kommt ohne Geheimhaltung aus. Wenn schon nicht Verschwörung, so doch Verschworensein, Aufeinander-Eingeschworensein. Hier aber plaudert man alles aus, als würden die Dienste das nicht sofort für ihr eigenfesKalkül nutzen. Rein in die SPD: Der Weg durch die Instanzen (APO lässt grüßen) setzt bestenfalls den Speckgürtel des Opportunisten an, im Normalfall Amnesie der heren Absicht, im schlimmsten Fall lebender Tote durch Rufmord.
Andererseits Verbündete: Haben diejenigen, die sich hier zu Wort melden, schon mal für sich nach Persönlichkeiten/Personen Ausschau gehalten, die die doch recht homogene Szene der Rechten, Konservativen an den Rändern Randlage bereichern könnte? Es ist nur die Frage, wer könnte sie ansprechen? Mir fielen da einige Dutzend ein, auch kleinere Organisationen, Vereine. Doch weiß ich nicht, ob man ihrer stillen Arbeit nicht eher schadet, wenn man sie an das Konservative anbindet oder anschließt. So tun sie einfach ungestört ihre Sache, ohne bekennenden Charakter, aber mit Haltung. Wenn sich beispielsweise Heino hinstellt ("hier steh ich und kann nicht anders") und deutsche Volks-und Stimmungslieder schmettert, so ist er Zeit seines Lebens, ebenso gut wie Sarrazin im Überraschungsangriff, unbequem. Mit Heino kann man sogar Gleichgesinnte schocken. Das hat Sarrazin: Wie Heino spricht er das Volk an, unmittelbar und schockt.
Vielleicht sind viele Strategien nötig, subcutan, subversiv ebenso wie unverhohlen, direkt, diplomatisch ebenso wie attackieren. Allen aber ist gemeinsam: Unverdrossenheit: "Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz".
Hondo
18. Oktober 2009 15:16
Die „wahrnehmbare Wirklichkeit“ einzelner Personen liefert Alltagshypothesen und ist immer gut für Simplifizierungen. Ein Herr Sarrazin hat schon mit seinem Speiseplan für Hartz-IV Empfänger eine geistige und moralische Bankrotterklärung abgegeben und sehr viel anders kann man sein letztes Interview auch nicht sehen. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den von ihm angesprochenen Problemen verlangt mehr als ein paar populistische und polemische Äußerungen. Aber das kann man von solch einem sturen Zyniker auch nicht erwarten. Dass so etwas hier „abgefeiert“ wird, bestätigt mein Vorurteil, dass es sich bei der auf Sezession.de vorgegebenen Haltung um nicht mehr als eine prätentiöse Ernsthaftigkeit handelt.
Lapsus
18. Oktober 2009 20:57
Zu ergänzen wäre: In die 'Ahnenreihe' von Heino passt Christian Bruhn, Udo Jürgens... Bitte weiter ergänzen. So schüfe man Kreuz- und Querverbindungen zwischen Schwergewicht und Leichtsinn, aufgefangen vom elastischen Netz...
Lapsus
19. Oktober 2009 00:02
Lieber Hondo,
die 'wahrnehmbare Wirklichkeit' liefert dann keine Hypothesen mehr, sobald man sie selbst ausprobiert. Herr Sarrazin ging in seinem Speiseplan nicht einmal weit genug. Haushalt, Haushaltführung, Resteverwertung, ausgewogener Speiseplan mit preiswertem einheimischen Lebensmitteln wurden gar nicht berücksichtigt. Wovon reden wir eigentlich, wenn wir von Nachhaltigkeit, regionaler Küche, Vermeidung von CO-2-Ausstoß sprechen? Genügsame Küche, Haushalten - das Haus halten, ist das verwerflich? Mein Etat liegt unter dem von Sarrazin. Doch leide ich keinen Mangel. Es ist eine Frage des Handhabens und nicht des Habens. Das Problem ist doch, dass den Mitteloseren nicht beigebracht wird, auf welche Weise sie ihren Speisplan abwechslungsreich gestalten können. In allen Ländern dieser Erde gibt es ein bis zwei Grundnahrungsmittel. In unseren Breitengraden sind das Brot und Kartoffeln. Ich weiß -zig schmackhafte Kartoffelgerichte. Ist es wirklich zynisch, die Beköstigung nach der Haushaltkasse zu richten?
corvusacerbus
19. Oktober 2009 11:42
Zwischenruf zum Thema "Politik zur Verhinderung größerer Völkerwanderungen..." (vgl. Vulture und Johannes): Der Hinweis auf Japan paßt, und einer auf Korea, Vietnam und China (damit sind nur die wichtigsten und offensichtlichsten Beispiele genannt) paßte auch. Dort gibt es keine Einwanderung, die biologisch und kulturell auch nur in Reichweite eines Herrschaftsanspruchs kommen könnte, wie es der politische Islam in Europa tut. Das funktioniert nicht nur, weil die politischen Eliten es so wollen, sondern weil sie sich erkennbar in Übereinstimmung mit dem Willen des Volkes befinden. Nämliches gilt für die Einwanderung von Schwarzen. Das mag einem im Übrigen gefallen oder nicht, aber es gehört ja zum Komment auf SiN, nicht politisch korrekt drum herum zu reden, sondern die Dinge zu benennen, wie sie sind und wer jemals asiatische Geschäftspartner über "Neger" hat reden hören - sie tun das relativ ungeniert im vertrauten Umfeld - bekommt einen lebendigen Eindruck dieses allgemein verbreiteten und alt hergebrachten rassischen Selbstbewußtseins asiatischer Kulturen. In den asiatischen Hauptländern will man den Islam als fünfte Kolonne des Scharia-Kalifats nicht- basta. China wehrt aus dieser grundlegend strategischen Bedeutung der Abwehr jeder Islamisierung auch die separatischen Bestrebungen der Uiguren kraftvoll ab (hoffentlich gelingt es ihnen!). China zieht aus der strukturellen Wahrheit und Wirklichkeit der weltweiten Umma, die jede regionale oder nationale Islamisierung als Element weltweiter Machtverbreiterung und Schritt zur Machtergreifung versteht. Dabei geht es nicht um kindische Verschwörungsphantasien, sondern das ist so festgelegt im Koran, den Hadtithen und der Scharia und im Islam gibt es keine textkritische und historische oder historisierende Distanzierung bzw. Verleugnung der eigenen Quellen, ob das irgendein Dialogidiot so begreift oder nicht. - Ich empfehle zurzeit jedem die Lektüre der Schweizer WELTWOCHE, die sich im Zusammenhang mit der Anti-Minarett-Initiative seit Wochen und für die kommenden Wochen intensiv mit der Frage "Wieviel Islam wollen wir in der Schweiz" auseinandersetzen.
Vulture
19. Oktober 2009 21:11
Danke Johannes! Interessant, dass auch in Japan die selbe Theorie bezüglich Demografie und Einwanderung von den UN und gewissen (in dem Artikel nicht näher bennannten) Organisationen betrieben wird, ohne dass über mögliche negative Folgen gesprochen wird. Der Befragte Pro-Einwanderer hat ja offensichtlich keine Bedenken - wie üblich. Interessant auch, wie man so etwas anstellt: Die UNO als Dritte-Welt-Organisation, welche eine Menge verarmte Bevölkerung loszuwerden gedenkt, um sich länger vor aktiver Problemlösung drücken zu können, muss in den Industrieländern nur die geeigneten naiven Gutmenschen rekrutieren, und schon wird dieses Anliegen zum Selbstläufer. Dies sind am besten Leute die sich regelmässig Urlaube im Ausland leisten können oder in einem gebildeten internationalen Wohn- und Arbeitsumfeld zu Gange sind. Die eigenen positiven Erfahrungen werden dann bei diesen Herrschaften mangels Menschenkenntnis automatisch zur Rosa Brille der Verallgemeinerung. Menschenrechtsorganisation beitreten, fertig, los!
Johannes
20. Oktober 2009 16:19
Hab mich selbst mal mit einem Japaner auf Italienisch über die dortige Einwanderungspolitik unterhalten können, das Gespräch brachte ähnliches zutage. Mittlerweile steuert das Land aber einen anderen Kurs an. Das dürfte am fallenden Yen liegen (bin da aber nicht auf dem aktuellen Stand) und an der eben von Dir beschriebenen Verwechslung von (Pseudo)moral und Politik, besonders bei der Uno. Für einen Vorbürgerkrieg ist Japan dank seiner zahlreichen Ballungsräume bzw. der sehr hohen Bevölkerungsdichte besonders prädestiniert.
Dort gibt es dann eben auch keine Rückzugsräume mehr. Von daher: möge das Land der aufgehenden Sonne möglichst lang von den multikulturellen Segnungen verschont bleiben...
Hondo
21. Oktober 2009 23:09
Lieber lapsus,
nichts gegen regionale Küche, nur sind regionale Lebensmittel auf Berliner Wochenmärkten erheblich teurer (natürlich vollkommen zu Recht) als Produkte beim türkischen Gemüsehändler. Auch mein Etat liegt unter dem von Sarrazin - wenn du weißt was ich meine. Und das ist dann genau das Zynische. Sarrazins Thesen sind so krude wie selten etwas und durch nichts weiter gedeckt als seine Ressentiments. Diese decken sich wiederum herrvorragend mit den Ressentiments des "Pöbels" den er so gerne kritisiert. Widerlegen können das natürlich auch keine Journalisten oder Publizisten auf Internet-Blogs oder in Tages- und Wochenzeiten. Da kann man kommentieren, zustimmen, ablehnen oder sich empören - über die Thesen wie über die Reaktionen. Widerlegt werden muss so etwas an anderer Stelle.

Und wenn hier von Gesprächsverhinderern die Rede ist, sollte man einen Gesprächsverhinderer nicht vergessen, Herrn Sarrazin. Sich ein paar Rohdaten besorgen, selektiv etwas herausgreifen, Kategorien wie Unterschicht und Fertilität unpräzise verwenden und dann die eigene schon vorher feststehende Westentaschentheorie darüberstülpen ist nur eine andere Form der Gesprächsverweigerung. Eignet sich herrvorragend um Wind zu machen.

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