Sezession
22. Oktober 2009

Michel Friedman prüft Sarrazin

Erik Lehnert

Berlin multikulturellMichel Friedman dürfte neben Alan Posener einer der letzten sein, die Sarrazin für einen "abscheulichen" Rassisten halten. Sonst hat sich das Blatt doch sehr zu Gunsten von Sarrazin gewendet. Und weil Friedman den Sarrazin so abscheulich findet, hat er sich in seiner Sendung "Friedman schaut hin" Sarrazins Berlin vorgenommen. Gestern Nacht kam die Sendung auf N24, hier kann man sie sich anschauen. In einigen Sequenzen der Sendung, insbesondere in den letzten zwei Minuten, bin ich zu sehen.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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Ich hatte also die Gelegenheit, Friedman ein wenig für die Lage der Deutschen zu sensibilisieren. Und das kam so: Donnerstag letzter Woche rief mich ein Bekannter aus Hamburg an und berichtete davon, daß Friedman gerade diese Sendung drehe und noch Leute suche, die Sarrazin verteidigen könnten. Er habe überall herumtelefoniert, aber keiner könnte oder wollte. Ich sagte zu und fuhr in die Sonnenallee, die fest in arabischer Hand ist.

In einer "Galerie", die alle Arten von arabischem Edelkitsch anbot, traf ich auf die Fernsehleute, die gerade damit beschäftigt waren, Friedman im Gespräch mit mehreren türkischen Frauen zu filmen. Mein Gespräch mit Friedman sollte in einer arabischen Teestube stattfinden und entsprach meinen Erwartungen. Friedman kannte das ganze Sarrazin-Interview vermutlich gar nicht, sondern hatte sich mit den Skandalzitaten aus der Bildzeitung zufriedengegeben. Wir sprachen ca. 15 Minuten miteinander. Friedman argumentierte immer ad hominem und wich aus, sobald es um Fakten ging. Das Übliche also, das so üblich vielleicht nicht gewesen wäre, wenn er gewußt hätte, daß ihm mit mir ein gelernter Sezessionist gegenübersaß.

Ich muß allerdings sagen, daß die Gesprächsfetzen recht fair zusammengeschnitten sind. Daß ich das Schlußwort habe, finde ich auch nicht schlecht. Insgesamt ist die Sendung, wenn man bedenkt, daß Friedman Sarrazin als ressentimentgeladenen Dummkopf darstellen wollte, nach hinten losgegangen.

Die einzigen beiden Deutschen, die inteviewt werden, haben keine Glatze und geifern auch nicht. Und die Ausländer, die sich Friedman vornimmt, sind entweder nicht integriert (gleich die erste Frage Friedmans belegt das schön, sind als Frauen der lebende Beweis, daß es mit der Integration hapert, ereifern sich über die bösen kulturalistischen Deutschen oder wollen Sarrazin "plattmachen", wenn er mal an ihre Schule kommt. Wiederum das Übliche also, aber gerade deshalb: bizarr.


Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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