Sezession
23. Oktober 2009

Über „Die Päpstin“

Ellen Kositza

habe ich für die heute erschienene Junge Freiheit eine Kritik geschrieben. Obwohl zurückhaltende Bewertungen des Films, soweit ich sehe, dominieren: „Durchfallen“ wird so ein Film nicht, dafür sorgt schon das Publikum der Großkinos. Gemessen am sonstigen Programm dieser Lichtspielhäuser ist "Die Päpstin" einigermaßen anspruchsvoll. Ein glatter, hübscher Kostümfilm, nicht mehr, nicht weniger.
Mich hat bei der Pressevorführung erstaunt, wie sehr der Grundton des Populärfeminismus, der diese Märchenverfilmung durchzieht, die anwesenden Journalisten hingerissen hat.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Bei jeder Szene, wo Johanna Wokaleks smart-frühmittelalterliche Frauenpower ausbricht oder wo tumbe Patriarchen frauenfeindlich losblöken, kreischte das Publikum auf, wahlweise freudig oder hämisch. Ich hörte mit Grauen, wie auf manchen Kinosesseln Hände hemmungslos auf Schenkel klatschten, wenn auf der Leinwand wieder eine Alphamädchen-Pointe gerissen wurde. Daß die Emanzipation Stammtischniveau erreicht hat – auch eine Erkenntnis!

Wie zahlreiche Ritter-Filme der jüngeren Zeit wurden Teile der "Päpstin" bei uns um die Ecke gedreht, auf Burg Querfurt. Meine Kinder und ich durften als Statisten mitwirken. Ein Heimspiel! Es war anstrengend und lustig zugleich, am „Set“ waren wir „die Blondies“, die Agenturdamen waren hingerissen von den artigen Kinderchen. Ich war gleich für mehrere Termine „gebucht“ worden, auch später in Magdeburg sollte ich als besenschwingende Burgmagd zugegen sein.

Dann kam per Anruf eine Absage: alle Termine gestrichen; „wir mußten umdisponieren.“ Ich fragte nicht nach, so wichtig war´s nun auch nicht. Erst Monate später hörte ich von einer Bekannten aus der Kostümschneiderei, daß die „Blondies“ für einen Eklat am „Set“ gesorgt hätten. Man habe mich – unbedeutende Statistin! – „gegoogelt“ und entdeckt, daß ich an „einem Verlag für Naziliteratur“ beteiligt sei. Aaah! Klar, daß so was „gar nicht geht“. Fast habe man sich von mir reinlegen lassen.

Na gut, nun also ohne mich. Sicher ist, ich hätte diesen Film unterwandert und seine Aussage verformt, vermutlich derart, daß die Kreischdamen in der Pressevorführung nichts zu lachen gehabt hätten. Unter zdf.de gibt´s einen vierminütigen Trailer, in dem wenigstens meine Kinder hübsche Komparsen abgeben.


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (0)

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.