Und die Männlichkeit stirbt nicht in der Welt …

Das Verlagshaus Gruner + Jahr hat im Oktober drei neue Männermagazine auf den Markt gebracht: GALAMEN, Business Punk und BEEF!.

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

Das ist zunächst nicht schlecht. Schlim­mer wären drei neue „MenschInnen“-Zeitschriften. Was ver­ra­ten nun die neu­en Maga­zi­ne über das aktu­el­le Män­ner­bild? Ein Blick hin­ein offen­bart eine gro­ße Unsi­cher­heit im Selbst­ver­ständ­nis des Mannes.

„Unser Heft rich­tet sich an eine moder­ne und auf­ge­klär­te Män­ner­ge­nera­ti­on, die das Leben mit einer natür­li­chen Form der Selbst­ver­ständ­lich­keit genießt“, behaup­tet GALAMEN-Chef­re­dak­teur Peter Lewan­dow­ski. Jedoch wird den Lesern kei­ner­lei selbst­ver­ständ­li­che Männ­lich­keit ver­mit­telt. Viel­mehr ste­hen mode­be­wuß­te Alles­kön­ner im Mit­tel­punkt, die ihren Frau­en das Win­deln­wech­seln abneh­men, aber beruf­lich trotz­dem höchst erfolg­reich sind. Die Titel­ge­schich­te dreht sich um Brad Pitt, der die Inkar­na­ti­on die­ses Typs sein soll.

Die kon­ser­va­ti­ve Flan­ke deckt eine Repor­ta­ge von Mar­cus Luft über den ZDF-Mode­ra­tor Stef­fen Sei­bert ab. Der 49-jäh­ri­ge kon­ver­tier­te Katho­lik lebt mit sei­ner Frau und drei Kin­dern in Wies­ba­den. „Wer­te wie Fami­lie, Gebor­gen­heit, Treue“ sei­en ihm sehr wich­tig, aber er genießt auch ger­ne mal das Leben und „tanzt bis mor­gens um fünf“. „Man kann sein Glück ruhig in der kit­schi­gen Pri­vat­heit fin­den – die eige­ne Läs­sig­keit muss dadurch aber noch lan­ge nicht ver­lo­ren gehen“, faßt Luft Sei­berts Lebens­phi­lo­so­phie zusammen.

GALAMENNeben aller­hand typi­schen Kli­schees fin­det man in dem Maga­zin dann noch ein Inter­view über Penis­ver­län­ge­run­gen mit dem Der­ma­to­lo­gen Bert­hold Rzany – selbst­ver­ständ­lich inklu­si­ve „Mess­lat­te“, an der jeder Mann über­prü­fen kann, ob er genug in der Hose hat. Die­se Über­prü­fung der eige­nen Männ­lich­keit sei ins­be­son­de­re Rech­ten emp­foh­len. Denn der fran­zö­si­sche Skan­dal­au­tor Michel Hou­el­le­becq hat in sei­nem Roman Ele­men­tar­teil­chen anschau­lich gemacht, daß klei­ne Geschlechts­tei­le ein häu­fi­ger Grund für Ras­sis­mus sind. Nach­dem der Prot­ago­nist Bru­no erschreckt fest­stellt, wie klein sein Glied ist, ver­faßt er ein ras­sis­ti­sches Mani­fest gegen die „Neger“. Weh­ret also den Anfän­gen! Prü­fen Sie des­halb mal selbst­kri­tisch, ob Ihr abstru­ses Welt­bild nicht das Resul­tat kör­per­li­cher Män­gel ist. GALAMEN hilft Ihnen auf jeden Fall.

Wesent­lich auf­schluß­rei­cher als GALAMEN und das Män­ner-Koch­ma­ga­zin BEEF! ist jedoch Busi­ness Punk. Die­ses mit einer Auf­la­ge von 100.000 gestar­te­te Maga­zin mit dem Mot­to „Work hard. Play hard.“ ist vor­ran­gig an Män­ner zwi­schen 25 und 39 adres­siert, die anders sein und trotz­dem jede Men­ge Koh­le ver­die­nen wol­len. Busi­ness Punks wür­den sich mit Erfolg gegen Tra­di­tio­nen auf­leh­nen, durch Extra­va­ganz und Unkon­ven­tio­na­li­tät Auf­merk­sam­keit auf sich zie­hen und die­se dann in Geld umwan­deln, erklärt man uns in meh­re­ren Arti­keln. Richard Bran­son, der Grün­der des Vir­gin-Impe­ri­ums, sei der Pro­to­typ die­ser Spe­zi­es. Das „Ent­fant ter­ri­ble der bri­ti­schen Wirt­schaft“, dem unter ande­rem Flug­li­ni­en, Raum­schif­fe und TV-Anbie­ter gehö­ren, habe „mit so viel unver­schäm­ter Lust Erfolg“, daß dies jeder auf­stre­ben­de jun­ge Mann nach­ah­men müsse.

Die­se Stra­te­gie wird in dem Heft fast durch­weg als himm­lisch ein­fach ange­prie­sen. Nur an einer Stel­le darf Media Markt-Grün­der Wal­ter Gunz aus der Rei­he tan­zen und mit „Gärt­ner-Kon­ser­va­tis­mus“ die hei­le Welt der Busi­ness Punks ein­trü­ben: „Jeder Quer­den­ker muss sein Hand­werk ken­nen, immer wie­der an sich arbei­ten. Es ist wie mit einem Gar­ten, der nur schön ist, wenn man ihn stän­dig pflegt.“

Wäh­rend die Mehr­zahl der Tex­te in Busi­ness Punk Geld, Sex und Auf­merk­sam­keit als wich­tigs­te Wer­te abfei­ern, gelingt es Tomo Mir­ko Pavlo­vic mit einem Por­trait über US-Prä­si­dent Barack Oba­ma an den Kern der pro­ble­ma­ti­schen Züge des heu­ti­gen Män­ner­bil­des vor­zu­drin­gen. „Barack Oba­mas Männ­lich­keit und Rei­fe wir­ken befreit von allen tes­to­ste­ron­ge­steu­er­ten Ego­a­t­ta­cken, federnd leicht und unan­greif­bar schwebt er von Ter­min zu Kon­fe­renz, in sich ruhend, fast unmensch­lich beherrscht“, stellt Pavlo­vic zunächst fest. Außer­dem wir­ke der ers­te schwar­ze US-Prä­si­dent selbst­kri­tisch, lern­fä­hig, intel­lek­tu­ell, „las­ziv wie distan­ziert, stets läs­sig und streng zugleich“.

Oba­mas Popu­la­ri­tät führt Pavlo­vic auf des­sen „Dis­si­mu­la­ti­on“ zurück. Die­sen Begriff ver­wen­det er in Anleh­nung an den Phi­lo­so­phen Jean Baudril­lard, der dar­un­ter das stän­di­ge Leug­nen und Ver­ste­cken eigent­lich vor­han­de­ner Qua­li­tä­ten ver­stand. Die meis­ten Poli­ti­ker und Unter­neh­mer wür­den männ­li­che Macht und Dau­er­po­tenz simu­lie­ren. Oba­ma hin­ge­gen ver­ber­ge sei­ne Mäch­tig­keit hin­ter einer unschul­di­gen Mas­ke, die ihn ver­hält­nis­mä­ßig schmäch­tig erschei­nen läßt. Folgt man der Argu­men­ta­ti­on von Pavlo­vic, dann ist die Zurück­nah­me von Männ­lich­keit das Erfolgs­re­zept für das her­vor­ra­gen­de Image des Frie­dens­no­bel­preis­trä­gers 2009.

Das Pro­ble­ma­ti­sche am heu­ti­gen Män­ner­bild ist damit ent­tarnt: Gesell­schaft und Öffent­lich­keit wün­schen sich heu­te Dis­si­mu­lan­ten, die ihre wah­ren Qua­li­tä­ten und Stär­ken ver­ste­cken. Män­ner sind gefragt, die alles kön­nen, aber dies ja nicht zu sehr beto­nen. „Oba­ma deu­tet sei­ne heim­lich gezüch­te­ten Mus­keln nur an“, beschreibt Pavlo­vic die Mas­ke­ra­de des US-Präsidenten.

Nor­ma­le Män­ner soll­ten sich dar­an kein Bei­spiel neh­men. Nur indem man(n) so ist, wie man eben ist, strahlt man ech­te Authen­ti­zi­tät aus und ver­kör­pert etwas Unverwechselbares.

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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