Presseschau, 6. November 2009

Auswahlpresseschau, erstellt aus diversen Zeitungen, Magazinen und Blogs. Schwerpunkte diese Woche: Merkels Rede vor dem amerikanischen Kongreß, Platzecks Waffen-SS-Vergleich und verschiedene Artikel zum Thema Identität.

 Gastbeitrag

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Staat, Demo­gra­phie, Wirtschaft

Doku­men­ta­ti­on
Ange­la Mer­kels Rede im US-Kon­greß im Wortlaut
Als ers­te deut­sche Regie­rungs­chefin hat Ange­la Mer­kel vor einer gemein­sa­men Sit­zung bei­der Kam­mern des US-Kon­gres­ses gespro­chen. Die Rede wur­de mit viel Applaus auf­ge­nom­men. Mer­kel sprach über die Wie­der­ver­ei­ni­gung eben­so wie über aktu­el­le welt­po­li­ti­sche The­men. WELT ONLINE doku­men­tiert ihre Äuße­run­gen im Wortlaut.

Angies Schul­mäd­chen­re­port
Von Thors­ten Hinz
Der deut­sche Pres­se­ju­bel, den die Rede Ange­la Mer­kels vor dem US-Kon­greß aus­ge­löst hat, ist mir unver­ständ­lich. Ich habe mich wäh­rend der Über­tra­gung für ihre Beflis­sen­heit geniert. Natür­lich muß eine Kanz­le­rin im Aus­land nett sein zu den Gast­ge­bern, erst recht, wenn es sich um das Par­la­ment des mäch­tigs­ten Lan­des der Erde handelt.
Es wäre aber inter­es­sant, ihre Geschich­te vom unter­drück­ten Aschen­put­tel, das sozu­sa­gen „ganz per­sön­lich“ vom Wei­ßen Rit­ter aus Über­see aus der kom­mu­nis­ti­schen Dra­chen­höh­le befreit wur­de, mit den Wort­bei­trä­gen abzu­glei­chen, die sie als FDJ-Funk­tio­nä­rin und Aus­tausch­wis­sen­schaft­le­rin in Mos­kau gehal­ten hat. Wahr­schein­lich ist der Unter­schied gering.

Ita­li­en
EGMR: Kru­zi­fix in der Schu­le ver­letzt Menschenrechte

Es regt sich Widerstand …
Pro­test in Italien
Kreuz­zug gegen Europa
Von Micha­el Braun, Rom
Abwe­gig, gra­vie­rend, skan­da­lös: Ita­lie­ni­sche Poli­ti­ker wet­tern gegen den Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te. Nach des­sen Urteil gegen Kru­zi­fi­xe im Klas­sen­zim­mer ver­bün­den sich Staat und Kir­che – und star­ten zum Kampf ums Kreuz.

Die Lin­ke, Geschichts- und Iden­ti­täts­po­li­tik, His­to­ri­sches (Zeit­ge­schich­te)

Bran­den­burgs Ministerpräsident
Platz­eck for­dert Ver­söh­nung mit Erben der SED
Kurz vor Beginn der Gedenk­fei­ern zum Mau­er­fall hat Bran­den­burgs Regie­rungs­chef Mat­thi­as Platz­eck (SPD) eine Ver­söh­nung mit den SED-Erben gefor­dert. Platz­eck lob­te in die­sem Zusam­men­hang ver­söhn­li­che Ges­ten des frü­he­ren SPD-Chefs Kurt Schu­ma­cher gegen­über der Waffen-SS.

His­to­ri­ker kri­ti­sie­ren Mat­thi­as Platz­eck für sei­nen SS-Vergleich
Arti­kel aus der „Mär­ki­schen All­ge­mei­nen“ und der WELT

Was wür­de Kurt Schu­ma­cher machen?
Von Ronald Gläser
Rot-Rot kommt. Jetzt auch in Bran­den­burg. In Ber­lin haben wir das ja alles schon erlebt: den Bruch einer gro­ßen Koali­ti­on und eine neue Regie­rung von SPD und Kom­mu­nis­ten. Klaus Wowe­reit und sei­ne Genos­sen haben 2001 den Ban­ken­skan­dal zum Anlaß genom­men, eine Koali­ti­on mit der dama­li­gen PDS zu bilden.
Mat­thi­as Platz­eck hat es nicht so ein­fach. Er hat kei­nen Ban­ken­skan­dal. Des­we­gen rät­selt ganz Deutsch­land, war­um er sich so ver­hält. Jetzt hat er eine merk­wür­di­ge Begrün­dung abge­lie­fert. In einem SPIE­GEL-Essay erklärt er, wir Deut­sche müß­ten es mit der „Ver­söh­nung ernst neh­men“ und die inne­re Ein­heit herstellen.
Die Zusam­men­ar­beit mit der Par­tei von Mau­er und Sta­chel­draht hält er dem­nach für eine Not­wen­dig­keit für die Her­stel­lung des inne­ren Frie­dens. Und das Gan­ze begrün­det er dann noch mit einem Gespräch, das Kurt Schu­ma­cher 1951 mit Ver­tre­tern von Waf­fen-SS-Ange­hö­ri­gen gehabt habe. Der SPD-Vor­sit­zen­de habe damals gefor­dert, „der gro­ßen Mas­se der ehe­ma­li­gen Ange­hö­ri­gen der Waf­fen-SS den Weg zu Lebens­aus­sicht und Staats­bür­ger­tum freizumachen“.

Frank­reich öff­net Archive
PARIS. Aus Anlaß des 20. Jah­res­ta­ges des Mau­er­falls öff­net Frank­reich sei­ne Archi­ve zu außen­po­li­ti­schen Vor­gän­gen der Jah­re 1986 bis 1989. Dies haben Außen­mi­nis­ter Ber­nard Kouch­ner und Euro­pa-Staats­se­kre­tär Pierre Lell­ou­che am Don­ners­tag in Paris angekündigt.
Nor­ma­ler­wei­se wären die­se Bestän­de noch fünf Jah­re gesperrt. Kouch­ner for­der­te die His­to­ri­ker auf, sich schnell an die Arbeit zu machen. Ziel die­ser vor­fris­ti­gen Öff­nung ist es, die Hal­tung der fran­zö­si­schen Füh­rung unter Prä­si­dent Fran­çois Mit­ter­rand zur deut­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung aufzuzeigen.

Söld­ner unter Afri­kas Sonne
In der Frem­den­le­gi­on kämpf­ten nach Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges Zehn­tau­sen­de Deut­sche – zuletzt im Alge­ri­en­krieg, der vor 55 Jah­ren begann. Sie töte­ten und star­ben für ein paar Cent Sold, das Recht auf Anony­mi­tät und für die Sache Frank­reichs. Einer der Legio­nä­re war der Ber­li­ner Horst Pahl. Von Kai Posmik

Land­nah­me und Überfremdung/Zuwanderung und Integration

Mul­ti­kul­ti
Ende einer Lebenslüge
Die Debat­te um die Äuße­run­gen des ehe­ma­li­gen Ber­li­ner Finanz­se­na­tors Thi­lo Sar­ra­zin hat gezeigt, wie sehr das The­ma Inte­gra­ti­on vie­len Deut­schen unter den Nägeln brennt. Wäh­rend das Pro­blem der Zuwan­de­rung seit Jahr­zehn­ten tabui­siert ist, sind in zahl­rei­chen deut­schen Groß­städ­ten unhalt­ba­re Zustän­de ent­stan­den. Doch immer mehr Fach­leu­te war­nen vor der fort­ge­setz­ten Mas­sen­ein­wan­de­rung nach Europa:

Ende einer Lebenslüge
Von Micha­el Paulwitz

Die Ver­nich­tung des Wes­tens: Inter­view mit dem fin­ni­schen His­to­ri­ker Timo Vihavainen

Sar­ko­zy star­tet Debat­te um natio­na­le Identität

Erzie­hung, Bil­dung, Sonstiges

Sprach­ent­wick­lung
Babys schrei­en in ihrer Muttersprache
Wie die ers­ten Schreie Neu­ge­bo­re­ner klin­gen, hängt auch von der Spra­che ihrer Eltern ab. Das Erler­nen der Spra­che beginnt schon im Mut­ter­leib, wie For­scher um Kath­le­en Wermke von der Uni­ver­si­tät Würz­burg her­aus­ge­fun­den haben. Daß Unge­bo­re­ne bereits im letz­ten Drit­tel der Schwan­ger­schaft Geräu­sche aus der Umwelt wahr­neh­men, ist schon län­ger bekannt.

Hei­ma­taer­de – Brueder
Für die­ses beson­ders schö­ne Musik­stück wur­de eine Text­pas­sa­ge aus der Shake­speare-Ver­fil­mung „Hen­ry V.“ von und mit Ken­neth Bra­nagh ver­wen­det. Die berühm­te Rede Hein­richs vor der Schlacht bei Azin­court (St. Crispin’s Day Speech) ist immer wie­der erhe­bend. Unbe­dingt anhören!

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