Sezession
25. November 2009

Sarrazins Behauptungen I

Erik Lehnert / 10 Kommentare

Studie15Die Sarrazin-Studie ist im Druck. Sie enthält neben der ausführlichen Darstellung des Verlaufs der Kampagne gegen Sarrazin (Chronik eines politisch korrekten Fehlschlags) auch eine eingehende Überprüfung der Behauptungen Sarrazins. Daraus vorab zwei Beispiele. Die Nachweise für die genannten Fakten und Zahlen sind nur in der Druckfassung enthalten. Wer die Studie noch nicht bestellt hat, kann das hier und hier tun.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

  • Sezession

1. Sarrazins Behauptung zur Negativauslese:

Eine große Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt, deren Anzahl durch falsche Politik zugenommen hat, hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel, und es wird sich vermutlich auch keine Perspektive entwickeln.

Fest steht, daß Ausländer in Berlin wesentlich häufiger arbeitslos sind (20,7 Prozent), als Deutsche (14 Prozent). Türken stellen mit 23,8 Prozent die größte Ausländergruppe in Berlin. Wie hoch die Arbeitslosenquote der einzelnen Migrantengruppen in Berlin ist, wird nicht gesondert erhoben. Deutschlandweit war die Arbeitslosenquote von Ausländern 2007 mit 20,3 Prozent „etwa doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung“. Und auch unter den Erwerbslosen sind Migranten zudem deutlich überrepräsentiert. Von den deutschlandweit insgesamt 3,6 Millionen Erwerbslosen 2007 hatten 1,05 Millionen einen Migrationshintergrund. Von den 3,7 Millionen Hartz IV-Empfängern waren 2007 1,3 Millionen Migranten. Mit Obst- und Gemüsehandel dürfte Sarrazin gemeint haben, daß Türken und Araber es auf Grund ihrer durchschnittlich niedrigeren Bildung schwerer auf dem Arbeitsmarkt haben und eher in „einfachen“ Berufen ohne notwenige Ausbildung unterkommen. Auch hier geben ihm die Zahlen recht. Ausländer und Migranten verfügen über eine erheblich schlechtere schulische Ausbildung als Deutsche. So waren 2007 von den 2,3 Millionen Personen in Deutschland ohne Schulabschluß 1,4 Millionen Migranten und nur 0,9 Millionen Deutsche. Während in Deutschland 2007 7,3 Prozent aller Schulabgänger ohne Schulabschluß blieben, lag die Zahl unter den ausländischen Schulabgängern mit 16 Prozent mehr als doppelt so hoch.

2. Sarrazins Behauptung zur demographischen Dynamik:

Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate.

Von den 2007 in Deutschland geborenen 684.862 Kindern hatte nachweislich nur rund die Hälfte (338.684) einen deutschen Vater und eine deutsche Mutter, der Rest hatte mindestens einen Elternteil mit Migrationshintergrund, bzw. war die Nationalität des Vaters unbekannt. (Dabei darf nicht vergessen werden, daß Türken hierzulande die größte Zuwanderergruppe stellen.) Zum Vergleich: 1995 hatten von den 765.221 in Deutschland geborenen Kinder noch 506.847 zwei deutsche Elternteile. Hinzu kommt, daß die Geburtenrate von Türken in Deutschland höher ist, als die der Einheimischen. Die durchschnittliche Kinderzahl in Deutschland lag 2008 je Frau bei 1,38. Nach Angaben des Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung bekommen „Araber und Türken im Schnitt je zwei Kinder pro Familie“. Laut dem Mikrozensus 2008 des Statistischen Bundesamtes weisen unter den Zuwanderinnen „vor allem Frauen türkischer Herkunft Besonderheiten im generativen Verhalten auf. Sie sind deutlich seltener kinderlos als der Durchschnitt der zugewanderten Frauen“. Zudem sei „der Anteil der Frauen mit Migrationserfahrung an allen Müttern mit 4 oder mehr Kindern überdurchschnittlich hoch und hat sich von 14 Prozent bei den älteren Frauenkohorten (1933 bis 1943) auf 42 Prozent bei den 1964 bis 1973 geborenen Müttern erhöht“. Insgesamt wird sich die höhere Geburtenrate unter Ausländern und Migranten vor allem in Hinblick auf die demographische Alterung der Deutschen langfristig auf die Bevölkerungsstruktur hierzulande auswirken. Dies zeigt sich auch an den aktuellen Zahlen: Von den 4,6 Millionen in Deutschland lebenden Männer zwischen 65 und 75 Jahren haben 4,1 Millionen keinen und etwa 0,5 Million einen Migrationshintergrund, was einem Verhältnis von rund 8:1 entspricht. Von den 1,75 Millionen unter Fünfjährigen haben 1,17 Millionen keinen und 0,58 Million einen Migrationshintergrund. Hier liegt das Verhältnis schon bei rund 2:1. Bei den Frauen in den gleichen Altersgruppen sehen die Zahlen wie folgt aus: 65 bis 75 Jahre: 10,7:1. Unter Fünfjährige: knapp 2:1. Erwähnt seien hierbei auch die Städte, in denen die unter Fünfjährigen zu über 60 Prozent über einen Migrationshintergrund verfügen. So zum Beispiel Nürnberg (67 Prozent), Frankfurt/Main (64,6 Prozent), Düsseldorf (63,9 Prozent) und Stuttgart (63,6 Prozent).


Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

  • Sezession

Kommentare (10)

Toni Roidl
25. November 2009 12:22

Wenn also mal wieder jemand fragt, was man gegen die feindliche Übernahme unserer christlich-abendländischen Kultur durch den Islam tun kann (wie in aktuellen Diskussionen benachbarter Blogs um Aufkleber, Info-Bierdeckel, Ortsgruppen etc.), kann man nur sagen: Kinder kriegen!

Martin
25. November 2009 15:13

Wenn also mal wieder jemand fragt, was man gegen die feindliche Übernahme unserer christlich-abendländischen Kultur durch den Islam tun kann (wie in aktuellen Diskussionen benachbarter Blogs um Aufkleber, Info-Bierdeckel, Ortsgruppen etc.), kann man nur sagen: Kinder kriegen!

Ja, und Hartz IV nur noch für Deutsche und EU- Bürger ...

eleonoraduse
25. November 2009 15:48

.....und ich hoffe ,Sie haben auch dazu beigetragen.Immerhin habe ich leider nur vier.Und frei nach dem Motto:Deutschland muß leben und wenn wir lieben müssen..

Lukas B.
25. November 2009 16:19

"außer für den Obst- und Gemüsehandel" Tja, das kommt davon, wenn man keine Würstchen isst ;)

Man sollte einfach mal die Gesetze durchsetzen, die schon existieren. Ich persönlich habe es auch erlebt, dass die Türken sich einfach nicht integrieren...Wir würden doch auch nicht unser Deutschtum im Ausland verlieren, wenn wir eine eigene Großgruppe stellen würden. Da fehlt einfach die notwendige Not die fremde Kultur aufzunehmen und zum großen Teil auch anzunehmen.
Die Türken sich nichts anderes als wir. Man muss es einfach mal sagen. Sie wollen, wie wir, die eigene Kultur erhalten. Blos wir müssen die Überlegenheit wiederherstellen in unserem Land, damit wir nicht schleichend Osmanen werden! Diese Überlegenheit müsste sich halt in einer Art Gruppenzwang äußern, ganz nach dem Motto: Verdammt...Ich komme hier nicht weiter mit meiner türkischen Tradition...Ich muss deutsch werden, sonst gehe ich hier zu Grunde.

Volker
25. November 2009 16:30

Es ist doch schon verwunderlich, wieviele "engagierte, intellektuelle Rechte" sich gegen eigene Kinder aussprechen, aber über "die sich wie Karnickel vermehrenden" Ausländer schreien ... immer wieder bei einschlägigen Treffen erlebt ... und nächste Woche wohl wieder ... Irgendwie fällt mir da immer Maschke ein:
"Ich schlage meine Frau nicht, ich saufe nicht, ich gehe korrekt & pünktlich meiner Arbeit nach, ich lüge & betrüge nicht. Aber am Abend, da gehe ich in mein Kämmerlein & lese Carl Schmitt"

Olaf
25. November 2009 16:51

Solche Studien sind die wirklich sinnvolle Arbeit des IfS.

Rudolf
26. November 2009 00:59

Im Grunde weiß jeder, der mit offenen Aufen durch die Welt (bzw. westdeutsche Städte geht), dass Sarrazin Recht hat.
Der Rest will es lieber gar nicht wissen.

Toni Roidl
26. November 2009 08:33

Ja, da macht euch mal keine Sorgen...

»Deutschland muß leben und wenn wir lieben müssen..« haha, echt lustig!

martin harrell
26. November 2009 19:09

Tut mir leid, aber in dieser BRD, deren Zukunft nur immer duester ist, moechte ich keine Kinder in die Welt setzen.

Ausserdem haette ich Angst, dass meine Kinder mich einst wg. JF-Lektuere anzeigen...ueberspitzt ausgedrueckt...

Michael Kohlberg
9. Dezember 2009 23:19

Warum werden Warner vor Überfremdung und Islamismus wie Thorsten Hinz oder Dr.Udo Ulfkotte nicht in Sendungen wie Will oder Plasberg eingeladen? Stattdessen sind unser M.Friedman (Vergangenheit ist bekannt) oder andere Mainstream-Vertreter in "Hart aber fair" jetzt öfters vertreten. Seitdem es keine anderen Meinungen als die von der Obrigkeit gesteuerte gibt, sehe ich und meine Bekannten diese Sendung nicht mehr an. Wir könnten auch den "Schwarzen Kanal" von E.v.Schnitzler sehen, das wäre die gleiche Richtung.

Antwort: Kritische Stimmen zum Islam oder der Politik Israels passen nicht in die von der Politik verordneten Richtung. Wer Kritik äußert, kommt in die Nähe des § 130 "Volksverhetzung". Das ist ein Instrument um Kritiker evtl. anzuklagen. Auf Einspruch von Westerwelle wurde die illegale Besetzung von Ost-Jerusalem durch Israel so verkauft, das dies gar kein Unrecht ist. Was haben wir im September nur für eine Regierung, die Handlanger Israels ist, gewählt?

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.