Kondomgötter

Mein Geburtstag fällt nicht nur mit dem meines Namensvetters Woody Allen zusammen, was unangenehm genug wäre, sondern obendrein mit dem jährlich begangenen Weltaidstag.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Als Her­an­wach­sen­de war mir das peinlich.

Zusätz­lich zum The­ma sen­si­bi­li­siert wur­de ich nun, als mir mei­ne Toch­ter das kos­ten­lo­se Schü­ler­ma­ga­zin Spie­ßer hin­hielt und mich zur dort pla­ka­tier­ten aktu­el­len „Aids-Wer­bung“ befragte.

„Guck mal, ein Wett­be­werb! Was ist noch mal die­se BzgA?“ Wir schau­en uns einen dunk­len Strand mit Spu­ren eines soge­nann­ten Lie­bes­aben­teu­ers an. Sie liest vor: „‘Damit der Urlaub per­fekt wird, Kon­do­me am bes­ten noch vor der Abrei­se ein­kau­fen.’ – Aha, und bis zum 29.12. soll man da eige­ne Lie­bes­ort-Moti­ve ein­rei­chen. Wie machen das sol­che Leu­te eigent­lich, pho­to­gra­fie­ren die da sozu­sa­gen live? Kön­nen oder sol­len wir Sechst­kläß­ler und da auch betei­li­gen? Und was gäbs dabei eigent­lich zu gewin­nen?“ Bra­ves Mäd­chen, gute Fra­gen, ja.

Letz­te­re zumin­dest ist mit einem klick auf die bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­el­le Sei­te leicht zu beantworten:

Und das könnt ihr gewinnen:

1. – 3. Preis: Ihr seid live beim Foto­shoo­ting eines mach’s mit-Lie­bes­or­tes dabei – inklu­si­ve Anrei­se mit der Bahn sowie Über­nach­tung und Früh­stück für 2 Per­so­nen. Ort und Datum des Foto­shoo­tings wer­den noch bekanntgegeben.

4–10. Preis: Freut euch auf ein tol­les Überraschungspaket.

Ja, das sind in der Tat ver­dammt coo­le Prei­se. Beim Ver­hü­tungs­wett­be­werb ein­ge­reicht haben bis­lang ein paar hun­dert „Mit­ma­cher“. Live ist da natür­lich nichts, wo kämen wir hin, lebens­nah gleich­wohl, und natür­lich super­wit­zig und frech. („R(h)einstecken“ etc., sie­he auch Bild). Dadurch zeich­nen sich ja bereits die offi­zi­el­len Bil­der der „Liebesort“-Kampagne aus: Voll­ge­rotz­te (?) Taschen­tü­cher neben der Matrat­ze, ein Schlüp­fer im used-Look neben einem Apfel­griebsch auf dem Früh­stücks­tisch, usw, usf. Im Kom­men­tar­be­reich der mach´s mit – Sei­te begrün­den die jun­gen Leu­te (in der Über­zahl offen­kun­dig aus diver­sen sog. LRS-Grup­pen rekru­tiert) auch mutig, wie sie “Kon­do­me ins Spiel brin­gen” und wie sie das ihrem „Part­ner“ so kom­mu­ni­zie­ren. Das ist ver­nünf­tig. Es muß und soll­te auch gar nicht jeder Kin­der zeugen.

Und neben­bei, aber doch dazu: Ich habe aller­größ­te Sym­pa­thien zu jener Fami­lie Dudek aus Nord­hes­sen, die soeben eine Vor­stra­fe kas­siert hat, weil sie ihren Kin­dern den Schul­be­such vor­ent­hält. Man lese: Die­se (sie­ben­fa­chen) Eltern (die ihr Recht auf Hartz IV ganz kon­se­quent nicht in Anspruch neh­men) haben den Haus­un­ter­richt ihrer Kin­der minu­ti­ös doku­men­tiert (was die Obrig­keit nicht inter­es­siert), die Kin­der sind meß­bar her­vor­ra­gen­de Schü­ler – und nun gilt das Ehe­paar als „Eife­rer“ und wird mit Gefäng­nis­haft bedroht.

Die durchs Fami­li­en­mi­nis­te­ri­um gespon­ser­te Aids­wer­bung, mit der wir Schul­kin­d­el­tern uns aus­ein­an­der­set­zen müs­sen und das Urteil gegen jene Fami­lie zusam­men erge­ben ein Bild von Absurdistan.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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