Sezession
10. Dezember 2009

Larmoyanz und Verwesung (II)

Gastbeitrag / 29 Kommentare

von Martin Böcker

Freilich. Mit Widerspruch war zu rechnen. Natürlich auch in dem Ausmaß und der Schärfe. Die Bissigkeit einiger Antworten läßt auch die Vermutung zu, daß sich vielleicht die Richtigen angesprochen fühlten. Allerdings: Da die Geburtenrate und die Zuwanderung nunmal besorgniserregende Ausmaße angenommen haben, ist die Gegenrede durchaus berechtigt.

Denn wir leben in einer ungewöhnlichen Phase der deutschen Geschichte. Es ist auch mir nicht entgangen, daß deutsche Frauen nur noch so wenige Kinder zur Welt bringen, daß die nächste Generation in Westdeutschland um ein Drittel und in Ostdeutschland knapp um die Hälfte kleiner sein wird, als ihre Vorgänger-Generation. Ich weiß auch, daß die Bevölkerung in Deutschland bis 2050 auf knapp 75 Millionen Menschen schrumpfen wird - wenn jährlich 200.000 Menschen zuwandern.

Ohne Zweifel werden der Geburtenrückgang und eine derartige Zuwanderung das Volk verändern. Aber das wissen wir ja nicht erst seit gestern. Der aufmerksame Leser neurechter und rechtskonservativer Medien weiß das doch spätestens seit den 90ern. Nur: Wie lange sollen wir uns denn noch verdutzt und empört die Augen reiben? Wie lange soll man denn noch daran kaputt gehen, daß Deutschland ethnisch nicht so homogen sein wird, wie man es gerne hätte. In dieser Hinsicht geht es vielleicht tatsächlich um die Aufrechterhaltung dessen, was als Etikett bezeichnet wird, was aber durchaus auch die Bezeichnung „Kultur“ oder „kulturelle Leistungen“ verdient hätte. Und in dieser Hinsicht gilt es nun mal zu retten, was zu retten ist. Und da geht noch einiges, das ist einfach so.

Da wir nunmal unsere Kinder in diese Welt setzen, ist es - auch bei wütender Trauer - unsere Verantwortung, dem gemischten Volk, welches das Deutsche ablösen wird, ein deutsches Gesicht zu geben. Denn vieles von dem, was wir mit Gerechtigkeit verbinden (zum Beispiel Umverteilung, politische Teilhabe, Rechtssicherheit, Strafverfolgung) hängt am Staatlichen. Und damit in Deutschland am Deutschen. Natürlich ist auch hier die Gegenrede möglich, in Schlagworten: EU, Volkscharakter, NATO, Dekadenz, die Liste ist ohne Ende. Nur wären wir da wieder beim Jammern.

Insofern hätte die Botschaft des Textes nicht „Klagt nicht, es ist doch alles in Butter“ lauten sollen. Die Botschaft sollte vielmehr heißen „Klagt nicht, sondern versucht etwas zu ändern“. Diese Aufforderung provoziert natürlich die Gegenfrage „Ja was denn, bitteschön?“

Dies sei hiermit zur Debatte gestellt.


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Kommentare (29)

Alexander
10. Dezember 2009 09:07

Selbstredend müssen 'Jammerrechte' sich in erster Linie selbst ändern - zumindest in den Augen jemandes , der 'sich gedanklich multipliziert und sagt: Stellt uns neben die Jungmänner aus der Türkei, dem Libanon, Nigeria – wir bieten ihnen eine Identität, die sie nicht abschlagen können', dem es in erster Linie um ein subjektiv empfundenes Wohlbefinden geht, der findet, die Zuwanderer entsprächen 'moralisch, ästhetisch und ökonomisch' durchaus unserem arithmetischem Mittel.

'Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben' spricht der Stoiker und blinzelt. Was ist schon Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern?. 'Können wir und nicht auch in einem Melting Pot den Bauch noch recht ordentlich vollschlagen?' fragt der deutsche Jungmann, winkt seine darob angeekelten Landsmänner zu den Futtertrögen und wundert sich herablassend stirnrunzelnd über deren Starrsinn.

Aber: Für die Konservation unerträglicher Zustände sind diese sich nunmal zu schade. Die von Ihnen, Herr Böcker, hingenommene, absehbare ethnische und kulturelle Zukunft Deutschlands wirkt auf weniger erlebnisorientierte, sondern in größeren Zusammenhängen denkende junge deutsche Männer, mit einem sich von Ihrem sehr unterscheidenden ästhetischen Empfinden, lähmend.

Ich mutmaße, Sie betrachten den Wunsch eines Rechten nach Erhalt ethnischer Homogenität unter gegebenen Umständen als den 'tyrannische[n] Wille[n] eines Schwer-Leidenden [...], welcher das Persönlichste, Einzelnste, Engste, die eigentliche Idiosynkrasie seines Leidens noch zum verbindlichen Gesetz und Zwang stempeln möchte und der an allen Dingen gleichsam Rache nimmt, dadurch daß er ihnen sein Bild, das Bild seiner Tortur aufdrückt, einzwängt, einbrennt.'

Mir jedoch geht es lediglich darum, dass ich meinen Kindern die Möglichkeit - nur die Möglichkeit - geben möchte, so zu leben, wie es mir nach meinem ästhetischen Empfinden überhaupt erträglich erscheint. Deshalb bin ich von das von Herrn Kubitschek durch den Titel dieses Magazins suggerierten Fernziels einer Sezession gerade so sehr angetan. Dass man die sich uns aufgedrängten Massenzuwanderer nicht ohne weiteres wieder los wird, ist wohl jedem bewusst. Aber warum sollte man Zufriedenheit über diesen Zustand kommunizieren, statt eine, möglicherweise unrealistische, aber gerechtfertigte Maximalforderung zu stellen?

Übrigens spricht die von Ihnen gutgelaunt-unreflektiert hingeworfene Verabsolutierung Ihres eigenen ästhetischen Empfindens Bände.

Dass Sie jedoch die Ästhetik überhaupt als Kriterium des Wertes oder Unwertes möglicher Zukünfte erkannt haben, lässt hoffen. Bis Ihnen klar wird, dass es nicht 'ein', sondern 'das' Kriterium ist, würde ich an Ihrer Stelle hier zumindest bis Sie mit Ihrem Studium fertig sind, mehr lesen als Schreiben. Gegen Konsum haben Sie doch nichts?

Timotheus
10. Dezember 2009 09:09

Wenn man der ganzen Sache ein deutsches Gesicht geben wollte, dann müsste man wohl bei dem Großteil der Deutschen anfangen. Viele meiner Altersgenossen sind halt auch nur noch insofern Deutsche, als sie noch überwiegend Deutsch sprechen. Da weiß kein Mensch etwas über Arminius, Prinz Eugen oder die Nibelungen. In meiner Heimat wissen die Leute nichtmal, ob sie Rheinländer oder Westphalen sind. Viele geben sich als "Nordrhein-Westfalen" aus.

Es wird alles überhaupt nur gehen, wenn die deutsche Kultur eben attraktiver ist, als ihre "Konkurrenzprodukte". Wie das zu erreichen ist, ist aber eher eine Frage, die im täglichen Leben und nicht auf konservativen Internetseiten entschieden wird.

d.n.
10. Dezember 2009 11:36

Was wir tun können?

Zunächst einmal die Illusion aufgeben, daß „wir“ – die Rechte – gegenwärtig überhaupt etwas verändern können. Die Weichen sind auf absehbare Zeit gestellt. Tiefe Veränderungen können erst aus einer gesellschaftlichen Eigendynamik erwachsen. Und hier sind die Realität und die Alltagserfahrungen der Deutschen auf unserer Seite.

Solange die Verteidigung des Ist-Zustandes jedoch für viele noch eine lebensfähige Option darstellt, heißt es für dir Rechte vor allem: wahrgenommen werden, präsent sein, glaubwürdig bleiben; kurzum: eine Alternative bilden.

Für mich persönlich heißt das: sich nicht am Niedrigen beteiligten, nicht auf das Vorübergehende vertrauen und den süßlichen Versuchungen des Zeitgeistes widerstehen. Nicht jammernd, sondern trotzig.

Sugus
10. Dezember 2009 11:37

"Denn vieles von dem, was wir mit Gerechtigkeit verbinden (zum Beispiel Umverteilung, politische Teilhabe, Rechtssicherheit, Strafverfolgung) hängt am Staatlichen. Und damit in Deutschland am Deutschen."
Verstehen Sie nicht, Herr Böcker, daß gerade das durch die "Umvolkung" gefährdet ist? In Ludwigshafen waren nach dem Brand türkische Ermittler aktiv, mit dem Segen (!) unseres Innenministers. Ausländer vor Gericht haben "Migrantenbonus". In die deutsche Verwaltung will man gezielt "Migranten" reinstopfen - Menschen, die in ihren Heimatkulturen Korruption und Klientelismus quasi als natürlich kennengelernt haben.

Honoré de la Canardière
10. Dezember 2009 12:07

Den 2. Beitrag zu dieser Kernfrage habe ich als enttäuschend kurz und oberflächlich empfunden. Gut, es werden vor allem Reaktionen darauf erwartet, aber es geht hier um das Wesentliche, das sich mit ein paar Schlagwörtern kaum zusammenfassen läßt.

Der ehemalige französische Innenminister und Giscard d’Estaings Mentor, Michel Poniatowski, gab eins seiner Bücher den Titel „Die Zukunft ist nirgendwo niedergeschrieben“. Wie recht hat er; waren auch nicht die meisten davon überrascht, als die Mauer fiel? Zahlreiche andere Beispiele sind in der Weltgeschichte zu finden. Aus einem einfachen Grund: Kein „Futurist“ verfügt über alle nötigen Daten über einen künftigen Zeitraum, so daß er umfassend beschreiben könnte, wie sie tatsächlich und genau aussehen wird.

75 Millionen Deutschen im Jahre 2050 statt 82 Millionen heutzutage? Mag sein; ob das wirklich eine Katastrophe bedeutet, ist dahingestellt. Vielmehr sollte hinterfragt werden, was für Deutsche werden es sein? Werden sich die hiesigen Einwanderer weiterhin vermehren? Oder auch sie ähnlich wie gegenwärtig die Einheimischen lieber ein 2. (oder ein 3.) Mal in Urlaub fahren, statt Kinder zu bekommen? Werden die Auswanderer auch so zahlreich das Land verlassen? Oder könnte wieder das deutsche Vaterland irgendwie mehr Anziehungskraft auf sie ausstrahlen?

Viel heftiger noch als alle oben gestellten Fragen ist folgende: Kann es zu einer Massenrückführung von fremdartigen Zuwanderern kommen?

Ja, ich weiß, das scheint heutzutage noch im Bereich der Märchenwelt zu liegen, aber nochmals: Was wollen wir eigentlich? Das Wesentliche erhalten, oder nur zusehen (weinerlich oder nicht), wie es sich auflöst und verschwindet?

Das Nötige zu tun wird nur mit einem eisernen Willen geschehen. Der ist gegenwärtig noch nicht gegeben, aber was nicht ist, kann immer noch werden.

Kann sein, daß eine oder sogar mehrere Türen neulich aufgeschlagen worden sind: Die deutlichen Worte eines Sarrazin, die Volksabstimmung in der Schweiz. Vor ein paar Tag äußerte sich der französische Minister und OB von Nizza Estrosi: « Minaretten gehören nicht in der Architektur unseres Land. In Nizza wird es keine Minaretten geben. »

Anläßlich einer Debatte über die nationale Identität fällt dagegen dem Staatspräsidenten Sarkoléon I. nichts Besseres ein, als die „Vermischung“ (métissage) gegen das Nebeneinander von Kulturen zu preisen. Bekanntlich hat der kleine nervöse Kerl zweifelhafter Abstammung sein Leben nach Geld und Macht ausgerichtet. Ist ihm auch nie aufgefallen, daß diese „Vermischung“ fast nirgendwo stattgefunden hat? In den USA nicht; auch in der Hölle unserer Großstädte bleiben Mischehen die Ausnahme und sind sehr oft zum Scheitern verdammt: Was verbindet mehr zwei Menschen als die Gemeinsamkeiten?

Es kann sehr wohl sein, daß das künftige Europa für fremdartige Zuwanderer viel weniger schmackhaft aussehen wird. Dazu muß unbedingt ein politischer Wille vorhanden sein. Er ist es (noch) nicht, aber, noch einmal, was nicht ist, kann immer noch werden. Es muß sogar werden.

Also, was tun? Sich selbst und Deutschland treu bleiben: Kinder bekommen, und vor allem, ihnen viel Zeit widmen. Die Ernte ist Goldes wert, alle Beteiligten werden es schätzenlernen, in die Ewigkeit.

derherold
10. Dezember 2009 12:24

So ganz neu sind die Böckerschen Gedanken nicht, da sie bereits vor fünf, sechs Jahren von HaHa Knütter formuliert wurden.

Ich behaupte, daß die kulturelle Integration von Einwanderern Mitte der 80iger Jahre mindestens(!) so weit fortgeschritten war heute. Angesichts der These, daß Anpassung/Integration/Assimiltation nur auftritt, solange dies als vorteilhaft für die eigene Person wahrgenommen wird, ist - unabhängig von allen "Identitäts-Angeboten" - ein weitere Fortschritt unwahrscheinlich: kein melting pot, sondern stärkere Ausdifferenzierung von (Wohn-)Gebieten.

"Deutschland" hat über pekuniäre Elemente hinaus keine attraktive Identitätsangebote für eine bäuerliche Mentalität zu machen. Zu mindest keine, die über Brasilien und Brasilianisierung hinausgehen.

Sezession ? Man schaue sich einfach den englischen wikipedia-Beitrag zu New England an, Stichwort: demographics.

Die Alternative
10. Dezember 2009 12:50

Da wir nunmal unsere Kinder in diese Welt setzen, ist es – auch bei wütender Trauer – unsere Verantwortung, dem gemischten Volk, welches das Deutsche ablösen wird, ein deutsches Gesicht zu geben.

Das ist ein alter Irrtum. "Polonisieren" funktioniert nicht. Das Volk, sein Blut, ist das Gesicht. Nicht sein Verhalten, seine Traditionen, Einstellungen, Moden oder der Stand der Bildung oder Moral. Das alles ändert sich. Das Volk aber ist aus den Kräften entstanden, die an diesem Ort wirken. Blut und Boden gehören eben doch zusammen. Wie sonst sind die Völker wohl entstanden?

Die Kräfte wirken fort. Sie lassen sich von den Irrtümern der Menschen nicht beeindrucken.

Wenn Menschen hier einströmen, die für einen anderen Ort geschaffen sind, dann ist es nicht unsere Aufgabe, sie umzuformen (auch können wir es gar nicht), sondern sie zur Umkehr zu bewegen, an den Ort, an den sie gehören. Klingt radikal. Ist es vielleicht auch. Aber das ist der einzig natürliche Umgang mit den Kräften der Natur.

Menschen, die entgegen ihre Natur leben, werden sich nie wohlfühlen. Sie werden sich nicht anpassen, oder an dem Werk teilhaben, das die Einheimischen vollbringen. Sie stören den Frieden und das Gemeinleben. Wer etwas Höhres respektiert, der muß die Völker respektieren. Einschließlich des Rechts auf Unversehrtheit.

Und dafür muß man auch mal kämpfen, wenn das Leben denn einen Sinn haben soll.

Schumann
10. Dezember 2009 14:20

Gut, Böckler hatte wirklich interessante Interviews geführt...
Aber warum wird jemand mit solchen merkwürdigen Ansichten als Stammautor der Sezession aufgenommen? Seine Ausführung zum Thema Ethnomorphose bringen uns nicht wirklich weiter, schließe mich dem 1. Kommentar an, das alles wirkt in erster Linie lähmend.
Wenn eine Sezession der ethnischen Deutschen nicht auf irgendeine Weise gelingen sollte (und dieses "Wie" sollte hier diskutiert werden), dann wird das Leben in diesem Multikulti-Dreckhaufen einfach keinen Sinn mehr machen. Ihr könntet z.B. in eurem Ort eine Bürgerinitiative zwecks humaner Rückführung von arbeitslosen Türken gründen...Macht einfach irgendwas, aber hört auf euch dem Zeitgeist zu unterwerfen!

Rudolf
10. Dezember 2009 15:36

Man könnte auf Idee kommen, dass, solange der Massenzuwanderung über die Grenzen und durch den Kreißsaal nicht Einhalt geboten wird, man sich Anstrengungen um Deutschland schenken kann (und vielleicht sogar sollte) und man vielleicht selbst über 'Migration' nachdenken sollte.

.exe
10. Dezember 2009 16:10

Voilà, es ist doch alles gesagt:

Ein schwieriger Punkt ist die notwendige Reduzierung des Ausländeranteils. Die Rückführung nichtintegrierter Einwanderer ist staatlicherseits machbar (einem Staat ist prinzipiell sehr wenig unmöglich). Das kann über Rückreiseanreize, staatlichen Druck, harte Kriterien wie Sozialhilfeabhängigkeit oder Spracherwerb und so weiter betrieben werden. Jedenfalls ist es das, was Caldwell mit »Regierungshandeln« und »brutaler Indifferenz« meinte: Der deutsche Sozialhilfeempfänger ist eben immer noch einer von uns, und die Erziehungskraft unseres Volkes reicht – wie oben beschrieben – derzeit noch nicht einmal für die eigenen Leute aus. Wir und die anderen oder Wir und Nicht-Wir, das ist bei allen fließenden Rändern der Maßstab.

Quelle: Sezession 33, S. 51

Olaf
10. Dezember 2009 18:35

Die Problematiken, die Martin Böcker aufwirft, sind von großer Bedeutung. Nur jammern hilft nichts, und blinder Aktionismus ala Schumann: Bürgerinitiative zur Türkenrückführung, was ja völlig weltfremd ist, bringt's auch nicht.

Martin Böcker hat richtig erkannt, dass die Umvolkung realistisch betrachtet nicht mehr aufzuhalten ist. Übrigens in ganz Westeuropa nicht. Also entweder man unternimmt das Projekt Sezession im wörtlichen Sinn, Weißmann hat ja auch schon mit der Idee von Traditionskompanien usw. eine grundlegende Theorie geliefert, oder man versucht Migranten eine deutsche Identität zu vermitteln, was die meisten Rechten ablehnen würden und ganz prinzipiell für unmöglich und sinnlos erachten (Ein Pferd, welches im Kuhstall geboren wurde, bleibt trotdem ein Pferd). Martin Böcker, so lese ich seine Beiträge, sieht das anders. Natürlich sind ethnische Sezession und Multi-Ethnie /Ethnomorphose völlig inkompatible Perspektiven, man kann nicht selbst die ethnische Sezession üben und die Zugewanderten zur Annahme der deutschen (oder sonstwie gemeinsamen) Identität überreden. Kann / will / muss man mit Migranten zukünftig ein Reich, einen (lebenswerten) Staat bilden?

Hier muss man für sich eine Entscheidung treffen.

eo
10. Dezember 2009 18:47

----Larmoyanz und Verwesung (II)----

Wie kann man
nur so eine Titelzeile machen ?!
Je länger ich darüber nachdenke, um so
ätzender finde ich sie in ihrer langweiligen Schlichtheit.
Hat da der weise Doktor in aller Kürze eine
Diagnose gestellt, um den Patienten
gehörig zu schocken ? Um dann
ungelenk eine fahrige Therapie
hinterherzuschicken ? Der
Weg des Würfelzuckers
kann es jedenfalls
nicht sein; denn
der kostet uns
die Identität.

R.M.
10. Dezember 2009 19:19

Eben, es ist schon alles gesagt. Genug Möglichkeiten sich zu wehren gibt es auch. Warum also solche Beiträge? Einen Generator für neue Besucher der Internetseite hat SiN nicht nötig.

P.S.: Bitte vorigen Beitrag ignorieren. Buchstabendreher.

Thorsten
10. Dezember 2009 21:06

Herr Böcker, ich melde mich zum Dienst. Ich möchte Ihnen bei Ihrem Versuch etwas zu ändern, den Sie sicher irgendwo vorbildhaft betreiben und aus dem Ihre Provokation sicher rührt, helfen. Oder schreiben Sie vielleicht nur?

Schumann
10. Dezember 2009 21:40

@ Olaf
in der Tat muss man sich hier entscheiden. "Aktionismus" zielt darauf ab, durch gezielte, provozierende Aktionen das Bewusstsein bestimmter Zielgruppen zu verändern. Was ist daran verkehrt? Dass man beispielsweise mit einer lokalen Bürgerinitiative zur Rückführung bestimmter Migranten das Poblem letztlich nicht lösen kann ist auch mir völlig klar. Aber: es wäre doch schon mal ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Auf jeden Fall besser als diese zur Verwesung neigende Larmoyanz...

Toni Roidl
10. Dezember 2009 22:08

Wenn die Linken '68 mit der gleichen phlegmatischen (oder von mir aus »melancholischen«) Resignation zu Werke gegangen wären wie die »Jammerrechten« heute, hätten wir aktuell keine Probleme. Ich wünsche mir, dass die Linken in 30, 40 Jahren dasselbe zu ihren Verzweifelten über uns sagen.
Auswandern (wie Rudolf erwägt) finde ich das Allerletzte. Da sollte man sich lieber bei seiner Kommune um eine Stelle in der Ausländerbehörde bewerben...

Cupido
10. Dezember 2009 22:32

Es ist wirklich traurig mitanzusehen, wie sich hier eine vermeintlich eingeschworene Gemeinde um die ultima ratio herumwindet, die im Abschieben alles Nichtdeutschen besteht.

Völlig unabhängig vom Realismus solcher Vorhaben: Es zeigt, daß Sie offenbar nicht mehr weiterwissen als mit der Rasse zu kommen. Mir wäre es viel lieber, ein dem Heiligen Röm. Reich vergleichbares Gebilde zu besitzen, unabhängig davon, ob evtl. ein paar andere Rassen (Juden, warum nicht?) da mitmitschen. Aber in die Kirche geht von Ihnen sicherlich schon lange niemand mehr..

Als gottlosem Nihilist bleibt es somit nur noch bei einem ethnischen Totschlagargument. Traurig, aber eine solche Recht wird - zu Recht - nie etwas erreichen.

lieber_aal
10. Dezember 2009 22:41

Wenn man mal die ganzen Nabelschaukämpfe zwischen "guten" (d.h. aufgeklärten, gemäßigten) Rechten und "radikalen" Rechten, die hier leicht weinerlich gegen die Marginalisierung im eigenen Lager und um die von ihnen (zuweilen etwas großspurig) beanspruchte Definitionshoheit kämpfen, beiseite lässt, muss man sich doch im Grunde die Frage stellen, ob nicht die netten Ausländer und die angemessene Einstellung und Verhaltensweise diesen gegenüber den eigentlichen Knackpunkt der Diskussion darstellen. Gegen jugendliche Schlägertypen, Dealer, Sozialhilfeexperten in der 3. Generation und muslimische Fundamentalisten im eigenen Land zu sein, ist ja keine besondere Kunst, das wäre wohl jeder, bei dem die Selbsterhaltungstriebe noch halbwegs funktionieren. Ebenso wie eine klare Kritik an einer viel zu laxen Vergabe des deutschen Passes angemessen erscheint. Dennoch: Im Alltag kommt wohl niemand mehr um den Kontakt mit ausländischen (oder ausländischstämmigen) Menschen herum, egal ob man nun Arztpraxen, den Friseur, Supermarkt oder Kfz-Mechaniker besucht. Wie begegnet man eigentlich (als fundamentalistischer Nationalist) solchen Leuten, wenn diese einem selber in jeder Hinsicht freundlich und positiv begegnen? Heuchelt man dann Freundlichkeit und hat dabei die gewünschte forcierte Heimreise im Kopf? Oder bittet man darum, ersatzweise vom biodeutschen Kollegen bedient zu werden?

Jens
10. Dezember 2009 22:56

"[...] ist es – auch bei wütender Trauer – unsere Verantwortung, dem gemischten Volk, welches das Deutsche ablösen wird, ein deutsches Gesicht zu geben."

Sagen kann man sowas natürlich immer schön... Klappt aber nicht, solange die soziale Hängematte, Kindergeld und der Migrantenbonus bestehen. Anreiz besteht für die meisten Muslime eigentlich gar keiner, die eigene Identität ist rundum gefestigt, Schuldkomplexe sind nicht vorhanden. Stattdessen der explizit unnachgiebige Wille die eigene Identität im als "fremd" empfundenen Land nicht zu verlieren.
Grad neulich gelesen: Ca. 85 % der Türken sind der Meinung, die Deutschen sollten mehr (!!!) Rücksicht auf ihre kulturellen Eigenheiten nehmen. Von der Möglichkeit einer Identifikation mit Deutschland als Heimat oder gar Assimilation kann also keine Rede sein. Wo kein Wille ist, da ist auch kein Weg. Zumal man schon auch konkrete Vorschläge machen müsste, wie das Geben eines "deutschen Gesichts" (gerade in derartigen Fällen) überhaupt aussehen soll, sonst bleibt's leider bei einer leeren Phrase und Wunschträumerei.

Thatcher
11. Dezember 2009 05:55

Es sieht so aus, als stünde die Rechte am Scheideweg zwischen Resignation und Radikalisierung. Böcker und Paulwitz mögen resignieren, so wie bereits vor Jahrzehnten die "konservative" CDU resigniert hat.

Man kann sich allerdings auch ein wenig Gedanken um die tieferen Gründe der Misere machen, die alle europäischen, und sogar weltweit alle weißen, Gesellschaften anscheinend gleichzeitig getroffen hat, und ebenso anscheinend nirgendwo den Bevölkerungen zur Entscheidung vorgelegt wurde. Für mich steht nach zwei Jahren Materialsichtungen, Insiderberichten und Austausch mit anderen Ursachenforschern inzwischen fest, was übrigens für den intelligenteren Teil der Linken schon lange Konsens ist: Das wurde uns von irgendwelchen Ideologen eingebrockt, die viel zu viel Macht, Kapital und politischen Einfluß haben. Und diese haben dazu die '68er eingespannt wie Kutschpferde - nur deswegen haben diese debilen Phantasten, die nicht einmal eine Pizzeria leiten könnten, es überhaupt in hohe und höchste Staatsämter schaffen können. Massive Protektion. So ähnlich wie damals in der Anfangszeit der DDR alles andere außer der Gruppe Ulbricht von der Macht ferngehalten wurde, nur weniger offensichtlich und von der Presse mit wohlwollendem Schweigen bedacht. Die wirklichen Verursacher bleiben lieber im Hintergrund. Auf Veranstaltungen wie den Treffen von Doha, Davos und Aspen, bei der Bilderberg-Gruppe, auf der Welt-Umweltkonferenz von Rio (Ökologismus), dem Welt-Frauenkonferenz (Gender Mainstreaming) und jetzt dem Wahnsinn von "Hopenhagen" (totalitäre Weltklimareligion) werden die "Politpuppen" in der herrschenden Ideologie gefestigt.

Man wird von ganz alleine radikaler, wenn man merkt, wie perfekt das alles ineinandergreift, wie lückenlos der Elitenkonsens und wie undurchdringlich die political correctness inzwischen ist, die diesen ideologischen Konsens vor Hinterfragung durch "böse, ewiggestrige, patriarchale, faschistische rechte Besitzstandswahrer" bereits ist. Da ist, so wie es scheint, wenig zu machen. Doch dank des Internet braucht man sich nicht mit der eigenen Unwissenheit abfinden, sondern kann sich über die Hintergründe informieren. Das sollte jeder tun und in seinem Wirkungsbereich Interesse an diesen Fragen wecken. Und wenn es auch nicht mehr unser aller Sache ist, etwas zu ändern - vielleicht fällt der nachfolgenden Generation etwas ein, wie die Substanz der deutschen Nationen gegen diesen perfiden Vernichtungsangriff verteidigt werden könnte. Nur sich einfach damit abfinden und das uns willkürlich angetane Unrecht einfach hinnehmen sollte man nicht.

Hannibal
11. Dezember 2009 09:51

@ lieber_aal,

ich denke, Sie treffen den Punkt.

Das ethnodeutsche Wolkenkuckucksheim, dass einige hier aus einer vorgeblich guten alten Zeit herbeiphantasieren wollen, wird es so nie mehr geben. Die absolute Unfähigkeit, sich flexibel und schöpferisch neuen Realitäten zu stellen, darf nicht Markenzeichen einer "neuen" Rechten werden. Wobei ich mich frage, inwieweit die teilweise in bzw. zwischen den Zeilen zu lesende völkische Engstirnigkeit "neu" sein soll.

Die Antwort auf die Frage des lieben aals, wie die völkischen Hardliner mit konkreten Menschen des dort beschrieben Typs umgehen wollen, würde mich auch interessieren. Machen wir uns nichts vor, es gibt in vielen Freundeskreisen den integrierten Persisichstämmigen, die Kinder asiatischer Zuwanderer, den koptischen Ägypter mit positivem Bezug zu Deustchland. Sollen diesen Menschen auf Ewig aus der Nation ausgeschlossen werden? Erzählen sie diesen Menschen als erstes von der vermeintlichen Exklusivität ihres biodeutschen Reservats und treiben sie damit geradezu in die ABwendung von dem, was sie als deutsch bezeichnen?

Mit Verlaub, so können Sie handeln, wenn sie in Ostbrandenburg nen einsamen Bauernhof betreiben. Anderswo führt es zu recht in die gesellschaftliche und politische Isolation.

.exe
11. Dezember 2009 10:58

@ aal, Hannibal, Cupido und andere:

Wohin sollen denn Ihre permanenten Unterstellungen führen? Ihre reflexhaften Schlußfolgerungen, nach denen eine existentiell ausgerichtete Ausländerpolitik mit Ariergesetzen beginnt und – logisch! – mit Auschwitz endet, ist doch nur Ihrem Mangel geschuldet, einen Text auch einmal zu Ende zu lesen. Stattdessen argumentieren Sie rein emotional und individuell, genau wie C. Roth.
Den konkreten Plan zur politischen Umsetzung gibt es noch nicht, er kann auch nur von von einem handlungsfähigen und -willigen Staat im Rahmen seiner Möglichkeiten entworfen und umgesetzt werden. Nicht anders. Und solch ein Staat sollte hier doch Minimalkonsens sein, oder steht der bei Ihnen auch zur Disposition, weil zu engstirnig und altbacken?

Patricius
11. Dezember 2009 11:08

ich denke, der lieber_aale trifft so ziemlich gar nix, da er in seiner wahrlich typisch liberalen Denke völlig am Punkt vorbei zielt.

„Völkische Hardliner“ kann ich hier im Übrigen weit und breit nicht erblicken, Sie etwa?
Manch einer scheint hier ein grundsätzliches Verständnis von Volk und Nation, dass sich nicht an dem Idee einer Staatsnation orientiert mit platter Xenophobie auf individueller Ebene zu verwechseln.
Warum sollte man einem Menschen prinzipiell in der persönlichen Begegnung hasserfüllt (oder was weiß ich) gegenüberstehen, nur weil man in dem Gegenüber einen Italiener/Türken/Iraner etc. und eben keinen Deutschen sieht.
Das Denken im engen Rahmen der Individualität ist als Ansatz für derartige Problemstellungen, wie wir sie hier diskutieren, absolut ungeeignet. (Aber das einem Liberalen verständlich zu machen kommt wohl der Quadratur des Kreises nahe)
Und auf ewig(!) irgendwelche Individuen(!) aufgrund biologischer Inkompatibilität aus der Nation „ausschließen“ will hier auch niemand. Was hier auf Widerstand stößt, ist der Versuch, die vorpolitischen Grundlagen (zu denen auch das Ethnische gehört) unserer Volksnation, durch zeitgeistiges Geschwätz auszuhöhlen und in letzter praktischer Konsequenz zu zersetzen.
Und nochmal für die Begriffsstutzigen: Etwas nicht zu hassen, ist noch keine hinreichende Bedingung dafür, es einzudeutschen.
Das sind die grundlegenden Fragen.
Eine ganz andere ist der Status quo, und die Handhabung von Zuwanderung in unser Land. Da kann man dann im Einzelnen darüber diskutieren, ob und wann ein Individuum eine „Bereicherung“ ist bzw. uns „nützt“, „schadet“ etc. Wenn Zuwanderung bzgl. Quantität und Qualität und die damit verbundene ideologische Flankierung (Integrationsromantik, Nationalitätsrelativismus) Gefahr laufen, die oben genannten Grundlagen, wenn man so will die Schätze unserer Nation, zu zerstören (und dass ist hier und heute der Fall!), dann heißt es auf der Hut zu sein, und wenn nötig sich dagegen zu stellen! Auch wenn man auf verlorenem Posten kämpft, und das ist keine völkische Romantik.

Die Alternative
11. Dezember 2009 11:13

Das ethnodeutsche Wolkenkuckucksheim, dass einige hier aus einer vorgeblich guten alten Zeit herbeiphantasieren wollen, wird es so nie mehr geben.

Wie kommt man auf so eine Äußerung? Ganz einfach: Wer behauptet, die "Zukunft sei unabwendbar" bastelt sich die allerfeinste Ausrede, in der Gegenwart nicht handeln zu müssen. Das ist beste "Demokratenart".

Aber selbst das ist irrelevant.

Wie in diesem Buch schön dargestellt, würde - selbst wenn man die in Restdeutschland lebenden volksfremden Gruppen nicht ausführen würde - bei Unterbleiben von jeglichen Wanderungen (ins Land und im Land) schon mittelfristig die völkische Charakteristik wieder voll ausgeprägt werden. Der wahre Grund für Evolution ist eben nicht "Zufall", sondern sind die am jeweiligen Ort wirkenden Kräfte.

lieber_aal
11. Dezember 2009 12:47

Na, das ist ja ein tolles Geschrei hier. Fühlen sich etwa einige auf den Fuß getreten? ;-)

Zu dem oben beworbenen Buch (Kurzbeschreibung, siehe Amazon-Seite, einfach zu schön):
"Mit dem Buch gibt der Autor der Menschheit die Instrumente zur Lösung aller aktuellen und künftigen Probleme an die Hand."

Die Lösung aller drängenden Menschheitsprobleme habe ich zwar leider nicht anzubieten (sondern nur eine verstockte liberale Denke im Stil von C. Roth und Konsorten), aber immerhin doch die Frage, wie denn nun - wenn man die individuelle zwischenmenschliche Ebene scharf von der prinzipiellen Ebene trennt (was sicher eine legitime Sichtweise ist, das muss ich schon einräumen) - denn seitens der Puristen konkret weiter vorgehen möchte. Dazu liest man ja trotz aller Heldenepen in eigener Sache eher wenig hier.

M.L.
11. Dezember 2009 13:19

In Teil 1 war noch die Rede von einer angeblich "großen" und "mächtigen" Nation, die imstande sei, auch noch die Diversesten aufzusaugen, nun wird konzediert, daß die Lage vielleicht doch um einiges prekärer ist, ja daß im Grunde nichts mehr daran zu ändern ist, daß das deutsche Volk in absehbarer Zukunft von einem "Mischvolk" abgelöst wird.
Das einzugestehen, und dann noch darauf zu hoffen, wir verbliebenen Verwalter der deutschen Kulturgüter noch eine wie auch immer geartete Prägekraft haben könnten, gegenüber Menschenmassen, die sich weder dazu veranlaßt noch genötigt sehen, ist mit Verlaub eine abenteuerliche Vorstellung. Was soll denn dieses zu erwartende "Gemisch" zu einem "Volk" machen? Was es zusammenhalten, binden, einigen? Eine "translatio rei publicae foederalis" etwa?

Auch haben "deutsche Gesichter" einen anderen Genpool zur Grundlage, das ist auch nicht unerheblich, und darf wohl gesagt werden, ohne daß gleich wieder mit dem aus antiquieren Zusammenhängen stammenden Wort "völkisch" hantiert wird.

All das wirft ein bezeichnendes Licht auf den diffusen "Larmoyanz"-Vorwurf des ersten Teils. Das könnte auch ein Grüner formulieren: Heul nicht, weißer Mann, daß Du abtreten mußt und deine Enkel einen dunklen Teint haben und ein Kopftuch tragen und sich womöglich in Dir nicht mehr wiedererkennen werden. Das ist der Gang aller Dinge, der Weg allen Fleisches. Deutsche, wollt ihr ewig leben? Tröstet euch: Die Schulklasse aus Mulatten und Türkischstämmigen wird ja vielleicht Deutsch sprechen und Goethes als einen großen Freund des Islams gedenken, während draußen der Muezzin von Berlin zum Gebet ruft. Natürlich ist auch eine solch kultivierte Idylle und Metamorphose eine illusorische Vorstellung.

Unterm Strich, Böcker beim Wort genommen, geht es also doch nur eine möglichst reibungslose Schlüsselübergabe. Not with a bing, not even with a whimper. Und dann ausgerechnet den Gegnern und Kritikern dieses leisen Ab- und Beiseitetretens, das gewiß einer ehemals "großen Nation" unwürdig ist, "Defätismus" vorzuwerfen, ist schon ziemlich absurd und unüberlegt.

MacEleven
11. Dezember 2009 13:36

...die Kritik an Böckers Artikel erachte ich als berechtigt, jedoch beschleicht auch mich von Zeit zu Zeit das ungute Gefühl, dass sich zuweilen und gern in Theoriefindung und, ja, in Larmoyanz geübt wird. Die gesellschaftlichen Unzulänglichkeiten und Probleme sind hier sattsam bekannt, nur statt die Suhle trockenzulegen, wird innig darüber gesprochen, wie am besten in sie hineinzuspringen wäre - oder dass sie früher kleiner war.

Nach innen braucht's ohne Zweifel Programmatik, nur nützt mir das schöne Bewusstsein um die richtige Philosophie nichts, wenn in der Realität allein die Rolle des melancholischen Betrachters übrig bleibt. Die Zukunft wäre für mich also über den Status Quo und pragmatisch zu gestalten -Rückführungsszenarien gehören nicht dazu, da das "Sich-Abarbeiten" an Utopien verbunden mit dem "Sich-Wärmen" am trügerischen Lagerfeuer der guten alten Zeit den aktuellen Erfordernissen nicht gerecht wird... Ich schliesse mich somit gern Hannibal an.

Andreas Lehmann
11. Dezember 2009 15:28

Alles ändert sich wenn der Ernstfall eintritt. Den Ernstfall denken ist richtig und notwendig, und das tun im Grunde nur die Rechten.

Bevor dieser aber nicht eintritt sind wir dazu verdammt zuzuschauen wie morsches bricht. Es ist schlimm, aber es ist eben ganz einfach so.
Es ist so wie zuzusehen wie die eigene Frau vergewaltigt wird. Kein Mann kann das ertragen, und kein Mann kann das verlängern wollen.

Richtig ist das wirken im ganz kleinen und das außergewöhnliche Wirken im großen. Ersteres betrifft natürlich die Familie, das Umfeld und Clubs bzw. Verein. Letzteres ist alles was, wie es Gomez-Davila in etwa ausdrückte, "uns an den Mythos erinnert". Alles ist richtig was aus Plastik Eisen macht. "Shock and awe!"

Ich halte daher auch "gewöhnliche" Aktionsfelder für nutzlos. Um es einmal ganz klar zu sagen. Es ist Augenwischerei (wenn auch gut gemeint). Politisches Engagment, Bürgerinitiativen und ähnliches sind unter diesen Umständen nicht nur von vorneherein zum scheitern verurteilt, sie stärken das wohlig-trügerische Gefühl im (wohl hauptsächlich süd- und norddeutschen Bürgertum) das die Verhältnisse doch nicht so schlimm seien. Sie verlängern etwas, was jetzt fallen muß! Und wenn es keinen anderen Grund gäbe als die abstoßende Häßlichkeit dieser Mißgeburt, es würde ausreichen.

Die bürgerlich-konservative Beschwichtigungsrede (wie man sie auch hier hört) mag wohlgemeint sein und gediegen: sie ist falsch.
Und ab dem Zeitpunkt wo sie zum bestimmenden gesellschaftlichen Element wird ist sie immer falsch. Sie wird aufgrund ihres, ihr innewohnenden Hangs zum Ausgleich, erst ein Opfer der Jugend und dann der Gesellschaft (wenn diese ungezügelte Jugend das Ruder übernimmt). Das im 20. Jahrhundert durch die Ausschaltung der elitär-aristokratischen Oberschicht an die Macht gekommene Bürgertum hat in allen Staaten versagt. Das man mich nicht falsch versteht, ich bin kein National-Revolutionär oder ähnliches. Es geht darum daß das Bürgertum als Substanz einer Gesellschaft hervorragend ist, aber zum herrschen ungeeignet. Wie jetzt einige Konservative auf unsere dramatische Situation reagieren bestätigt das.

"Ja und was soll denn dann nach dem Zusammenbruch kommen?" Wissen wir auch nicht, spielt zum jetzigen Zeitpunkt, in unserer Situation der Ausweglosigkeit auch keine Rolle. Nichts ist schlimmer als das dahinsiechen, und was sich jetzt im Namen der EU ankündigt wird höchstens noch viel schlimmer sein.

Wenn der Knoten um den Hals weder gelöst noch gebrochen werden kann, muß er zerschlagen werden. Aus purem Lebenswille und ohne den Masterplan für danach.

Andrenio
26. Dezember 2009 14:53

Ist die Diskussion schon ausgelaufen?
Wer in Memel/Klaipeda an einem Backsteingebäude den verwitterten Namen "Raiffeisen" erkennt, findet in der Umgebung niemanden mehr, der damit etwas anfangen könnte. Die litauische Sprache ist noch voll von Lehnwörtern aus Zeiten der direkten Nachbarschaft mit dem Deutschen. Selbst denen, die Deutsch als Fremdsprache erlernten, fällt der Zusammenhang nicht mehr auf, assimiliert ist "Schlagbaumas" und "Sturmmannas". Junge Historiker aus Litauen studieren die Infrastruktur im
Memelland zur Kaiserzeit und wundern sich nicht, warum es nach der Übernahme 1923 der Regierung in Kaunas nicht gelang die Kleinlitauer auf ihre Seite zu ziehen; die Ausstrahlung Preussens war zu stark. Heute ist das Gebiet eine gute Anschauung, was passiert, wenn das Deutschtum verschwindet und die Nachfolger dem Deutschtum wohl gesinnt sind. Die Kinder der Elsässer, mit denen ich täglich zu tun habe, weigern sich ein Wort deutsch zu sprechen, obwohl das Familieneinkommen in Deutschland erwirtschaftet wird. Deutsch sei einfach uncool, wird als Grund genannt. Tragen unsere jungen Sezessionisten dazu bei, dies zu ändern?

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