Volkmar Weiss: Keine Willkommenskultur für Douglasien im deutschen Walde?

Volkmar Weiss: Keine Willkommenskultur für Douglasien im deutschen Walde?, Neustadt an der Orla: Arnshaugk 2017. 164 S., 22 €

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Hand auf’s Herz: Beschrei­ben Sie bit­te eine Dou­gla­sie! Sie wis­sen nicht genau –? Nun, nach Lek­tü­re die­ses in vie­ler­lei Hin­sicht eigen­tüm­li­chen Dou­gla­si­en­bu­ches wer­den Sie jeden­falls den Stamm beschrei­ben kön­nen. Der ist auf dem Titel abge­bil­det. Der höchs­te Baum Deutsch­lands, das erfah­ren wir rasch, ist eine Dou­gla­sie. Sie wur­de auf den Namen Wald­traut vom Mühl­wald getauft, wächst im Breis­gau, ist sechs­und­sech­zig Meter hoch, Jahr­gang 1910. Der Autor Volk­mar Weiss (Jahr­gang 1944), Gene­ti­ker und Sozi­al­his­to­ri­ker, war seit 1990 bis zu sei­ner Pen­sio­nie­rung Lei­ter der Deut­schen Zen­tral­stel­le für Genea­lo­gie Leip­zig. In lin­ken Krei­sen wird er als »Ras­se­hy­gie­ni­ker« geschol­ten. Sar­ra­zin hat­te sich auf sei­ne For­schun­gen bezo­gen, Weiss’ Buch Die IQ-Fal­le (2000) war ein furio­ser Best­sel­ler. Neben­bei beschäf­tigt sich Weiss sam­melnd und for­schend mit Neo­phy­ten, er ver­öf­fent­licht seit Jahr­zehn­ten in Fach­ma­ga­zi­nen zu pflanz­li­chen Neusiedlern.

Was die hier zu bespre­chen­de Publi­ka­ti­on betrifft: Es ist nicht ganz ein­fach her­aus­zu­fin­den, wor­um es eigent­lich geht und an wel­chen Kreis sich die­ses Buch rich­tet. Was wäre die The­se, die Auf­ga­ben­stel­lung des Buches? Der rote Faden ist viel­fach auf­ge­fä­chert. Aber: Jedes Fäd­chen dient der Erqui­ckung! Sogar die pos­sier­li­chen: Weiss teilt mit, daß sei­ne Enke­lin­nen Töch­ter eines im Bos­ni­en­krieg deser­tier­ten Alba­ners sind. Der ist seit Jah­ren nun deut­scher Staats­bür­ger. (Ein Gleich­nis!) Im Anhang fin­det sich ein »offe­ner Brief« von Weiss an die Prä­si­den­tin des Bun­des­am­tes für Natur­schutz. Hier geht es dar­um, daß jenes Amt eine Bro­schü­re über »Natur­schutz und Rechts­ra­di­ka­lis­mus« (2015) ver­öf­fent­licht hat­te, in der Weiss von dezi­diert lin­ken Autoren ver­un­glimpft wird. Viel Stoff also! Unterm Strich will der Autor uns sagen: Die Links­grü­nen plä­die­ren für eine Will­kom­mens­kul­tur gegen­über Aus­wan­de­rern, sind dabei aber in bota­ni­scher Hin­sicht völ­lig inkon­se­quent. Das mag nach einer neben­säch­li­chen Fra­ge­stel­lung klin­gen, ist in Wahr­heit aber zün­den­der Lese­stoff. Wie sich Weiss in die (his­to­ri­sche) For­schungs­la­ge bege­ben hat: Ein Ver­gnü­gen! Wir lesen wei­te Stre­cken dar­über, wie ton­an­ge­ben­de For­scher und Poli­ti­ker sich in den letz­ten 140 Jah­ren zu Neo­phy­ten, ins­be­son­de­re zur wirt­schaft­lich ergie­bi­gen Dou­gla­sie posi­tio­niert haben. Etwa Hein­rich von Salisch in sei­ner Forst­äs­the­tik vor gut hun­dert Jah­ren: »Die viel­ge­rühm­te Dou­gla­sie kann den Ver­gleich mit der Fich­te nicht aus­hal­ten, hin­ter deren Schön­heit sie zurück­bleibt, weil das Rin­den­kleid auch im Alter sich nicht rötet. (…). Ich bin der Mei­nung, daß die frem­den Holz­ar­ten zu den uns­ri­gen nicht recht pas­sen, ohne daß ich im ein­zel­nen dies ungüns­ti­ge Urteil immer zu begrün­den wüß­te.« Auch Raoul Fran­cé schrieb etwas spä­ter gegen die »Fremd­lin­ge aus Über­see im deut­schen Wal­de« an. Ähn­lich der Stutt­gar­ter Ober­bür­ger­meis­ter i.R. Hein­rich von Gauß, der 1911 jede Pflan­ze als stö­rend brand­mark­te, »die der ein­hei­mi­schen Vege­ta­ti­on fremd ist und deren frem­der Ursprung uns zum Bewußt­sein kommt.« Der­ar­ti­ge Stim­men: Legi­on! Sie sind es, man mag stau­nen, bis heu­te. Noch jüngst ätz­te der BUND (Bund für Umwelt- und Natur­schutz in Deutsch­land) gegen »stand­ort­wid­ri­ge und fremd­län­di­sche Baum­ar­ten.« Wahr­haft pit­to­resk ist eine Fund­stel­le von 2016, die Weiss auf­ge­tan hat: Im Sihl­wald bei Zürich haben Asyl­be­wer­ber aus Eri­trea gehol­fen, eine Flä­che von etwa 23 Hekt­ar von fremd­län­di­schen inva­si­ven »Pro­blem-pflan­zen« zu befrei­en. Weiss zitiert einen Zei­tungs­ar­ti­kel: »Vie­le frei­wil­li­ge Hel­fer ermü­de­ten ver­ständ­li­cher­wei­se.« Anders die Asyl­be­wer­ber: »Sie arbei­te­ten gewis­sen­haft, aus­dau­ernd, effi­zi­ent und ohne kla­gen­de Wor­te. Schnell war ihnen klar, wel­che Pflan­zen ent­fernt wer­den müs­sen und wel­che nicht.« Natu­re wri­ting (man den­ke an Peter Wohl­le­bens Ver­kaufs­schla­ger oder an die popu­lä­ren Natur­kun­den des Matthes&Seitz-Verlags) ist der­zeit höl­lisch ange­sagt. Hier wäre ein in jeder Hin­sicht beson­ders tol­les Exponat.

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Volk­mar Weiss’ Kei­ne Will­kom­mens­kul­tur für Dou­gla­si­en im deut­schen Wal­de? kann man hier bestel­len.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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