Joachim Feyerabend: Das Abendland als Kalifat

Eine Rezension von Felix Dirsch

Joa­chim Feyer­abend: Das Abend­land als Kali­fat. Jahr­hun­dert­ziel des Islam für Euro­pa, Reinbek/München: Lau 2015. 170 S., 18 €

Neu­es von der Isla­mi­sie­rungs­front, die rasant an Stär­ke zunimmt! So könn­te man die­se neue Ver­öf­fent­li­chung schlag­wort­ar­tig beti­teln. Joa­chim Feyer­abend läßt einen dezi­diert christ­li­chen Hin­ter­grund erken­nen. Daher räumt er den kul­tu­rel­len Aspek­ten einen grö­ße­ren Stel­len­wert ein als dem – von den Iden­ti­tä­ren beson­ders beton­ten – Gesichts­punkt des migra­ti­ons­be­ding­ten Bevölkerungsaustausches.

Der Publi­zist erin­nert an die welt­wei­te Chris­ten­ver­fol­gung und the­ma­ti­siert den zuneh­men­den Ver­lust der christ­li­chen Iden­ti­tät in den Län­dern des soge­nann­ten Abend­lan­des. Vor dem Hin­ter­grund einer sol­chen Dia­gno­se geht Feyer­abend bekann­ten Fak­ten nach. Der Islam ist in der Tat eine »hei­ße Reli­gi­on« (Rüdi­ger Safran­ski). Das zeigt sich unter ande­rem in einem stär­ke­rem Bevöl­ke­rungs­wachs­tum, das zusam­men mit der immer mas­si­ve­ren Ein­wan­de­rung erheb­li­che Kon­se­quen­zen nach sich zieht. Isla­mis­ti­sche Stra­te­gen kön­nen ange­sichts die­ser Ent­wick­lung durch­aus rea­lis­ti­sche Plä­ne schmie­den, die euro­päi­schen Län­der in einem »lan­gen Marsch«, den der Ver­fas­ser beschreibt, zu übernehmen.

Bei­spie­le für die spür­ba­re Über­le­gen­heit der Isla­mis­ten und ihres reli­giö­sen Hin­ter­grun­des wer­den von Feyer­abend in Hül­le und Fül­le prä­sen­tiert, beson­ders im Abschnitt über »Schat­ten­jus­tiz«. Kom­ple­men­tär dazu pro­ble­ma­ti­siert er die Schwä­chen des Wes­tens, vor­nehm­lich des­sen Aus­zeh­rung durch Ent­christ­li­chung und durch die blo­ße Domi­nanz eines see­len­lo­sen Kon­su­mis­mus. Sym­bol für die­se Pro­zes­se ist die explo­die­ren­de Zahl der Moscheen sowie die gleich­zei­tig schrump­fen­de Men­ge an Kirchen.

Mehr als bloß unter­schwel­lig ist spür­bar, daß Ver­lag und Ver­fas­ser danach trach­ten, die arti­ge Mit­te nicht zu ver­las­sen. So heißt es, die durch mili­tan­te Isla­mis­ten erzeug­ten Bedro­hun­gen rie­fen Ängs­te her­vor, die den »rech­ten Unter­grund« schür­ten. Was damit gemeint ist, wird nicht erläu­tert. Die wohl beab­sich­tig­te Anspie­lung auf das NSU-Phan­tom ist eher schlecht gelun­gen. Die »Hoge­sa«, von der man seit den Aktio­nen im Herbst letz­ten Jah­res nur noch wenig hört, wird pau­schal als »gewalt­be­reit« abge­kan­zelt, was deren Vor­ge­hens­wei­se nicht ent­spricht. Wo Rechts­extre­me einen Bür­ger­krieg her­auf­be­schwö­ren, den sie man­gels Mas­se gar nicht zu füh­ren imstan­de wären, bleibt Geheim­nis des Ver­fas­sers. Insi­nu­ie­ren lässt sich frei­lich viel. Pole­mik wer­de nicht betrie­ben, heißt es am Anfang aus­drück­lich. Die­ses Ver­spre­chen wird im Text eingelöst.

Fazit: Auf man­ches Wis­sens­wer­te wird hin­ge­wie­sen. Der Duk­tus ist ver­ständ­lich, die Bot­schaft klar und ein­dring­lich for­mu­liert. Ganz ohne Hasen­fuß-Atti­tü­de, die auch im letz­ten Kapi­tel über den »Umgang mit dem Islam« deut­lich wird, geht es jedoch nicht. Bloß nicht »Panik­ma­cher« (Patrick Bah­ners) sein wie Thi­lo Sar­ra­zin oder Heinz Busch­kow­sky! Immer­hin schafft es der Autor, Was­ser in den ver­meint­li­chen Wein der schäd­lich-infan­ti­len Will­kom­mens­kul­tur zu gie­ßen. Für die Rol­le eines Spiel­ver­der­bers im semi­of­fi­ziö­sen Bereich der Islam­kri­ti­ker reicht es allemal.

Das Abend­land als Kali­fat von Joa­chim Feyer­abend kann man hier bestel­len.

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