Dieser Gnadenstand glückseliger Unwissenheit war leider angesichts des allgegenwärtigen medialen Flächenbombardements nicht zu halten.
Die Kampagne roch von Anfang verdächtig ranzig, und es dauerte nicht lange, bis sie sich als plumper Manipulationsversuch erwies, dessen Dreistigkeit nur noch von seiner Dümmlichkeit übertroffen wurde. Sie offenbarte weniger die Abgründe “toxischer Männlichkeit”, wie sie selber in Anspruch nahm, sondern einmal mehr den durch und durch toxischen Zustand der Presse und ihrer Macher.
Ich erspare es uns, die inzwischen leidlich bekannte Story an dieser Stelle zu wiederholen. Kurz gefaßt wurde suggeriert, Herr Ulmen habe von seiner ehemaligen Gefährtin Frau Fernandes digital gefälschte pornographische Bildchen und Filmchen erstellt und diese im Netz zirkulieren lassen, was einer “virtuellen Vergewaltigung” gleichkäme und mit entsprechender Empörung zu begleiten sei.
Ein Verbrechen, so schrecklich, daß sich Frau Katharina Render von der BILD-Zeitung bemüßigt sah, es als “virtuellen Fall Pelicot” zu klassifizieren. Denn auch Fernandes habe es nun gewagt, “erhobenen Hauptes” aus “der Opferrolle bewußt an die Öffentlichkeit” zu treten, “nach all den Jahren des gesellschaftlichen Unter-den-Teppich-Kehrens”, “mit der gleichen Botschaft: Die Scham muss die Seite wechseln!”
Scham sollte sich vor allem bei Frau Render einstellen, die nicht davor zurückschreckt, die Fälle Fernandes und Pelicot auf eine Stufe zu stellen. Sie und andere nutzten die Story, um wie auf Knopfdruck das verworrene, aber überaus beliebte ideologische Strickmuster zu bedienen, wonach unschuldige und wehrlose “Frauen” an sich ständig Opfer von selbstherrlichen, sexuell aggressiven “Männern” an sich werden – Männer, deren Verhalten von einem angeblich gesellschaftlich akzeptierten, strukturellen Sexismus gedeckt sei, der eine “systematische Gewalt gegen Frauen” ermögliche, wobei der Begriff “Gewalt” äußerst großzügig definiert wird.
Dieser manichäische Phantomdiskurs ist ein Favorit der politisch-medialen Klasse und der öffentlichen Moralkampagnen. Ihre weiblichen Vertreter singen das Lied von dem herrschenden System der Männer, “die Macht über Frauen ausüben, sie klein machen, Druck ausüben, einschüchtern, bedrohen” (Beispiel), die männlichen Vertreter präsentieren sich öffentlich als schuldbewußte Schuljungen, die ihr tendenziell oder manifest toxisches Mannsein kritisch und selbstreflexiv hinterfragen (Beispiel). “Uns alle”, speziell “uns” Männer qua Mannsein soll das nun etwas angehen, was Herr Ulmen Frau Fernandes angeblich so alles angetan hat.
Mit diesem Narrativ lassen sich praktischerweise auch sämtliche Elefanten aus dem Raum wegrationalisieren, die etwas mit Ausländer- und Migrantengewalt gegen Frauen zu tun haben, und zwar konkreter und handfester Gewalt, nicht bloß “virtueller”. Das ist einer der Gründe, warum das moralisierende Getue der Leute, die es bedienen, besonders verlogen und widerwärtig ist. Statt konkrete Tatbestände ins Auge zu fassen, werden diese mit einer pauschalisierenden Rhetorik vernebelt, die die gesamte Mannheit einer strukturellen Verdrehtheit bezichtigt, analog zum ähnlich verlogenen “Rassismus”-Diskurs.
Dieses faule Framing aufzudröseln, wäre eine Aufgabe, die den Rahmen dieses Beitrages sprengen würde. Wo soll man da anfangen? Ja, es gibt viele Beziehungen und Partnerschaften, in denen Männer “Macht über Frauen ausüben, sie klein machen, Druck ausüben, einschüchtern, bedrohen”, aber auch ebenso viele, in denen Frauen mit Männern dasselbe tun, wenn auch mit anderen Mitteln, und nicht selten nutzen sie ihren gesellschaftlichen “Opferstatus” zu diesem Zweck.
Aber um diese Dinge analytisch in den Griff zu bekommen, bedarf es eines realistischen Bildes der männlich-weiblichen Dynamik, Anziehung und auch Aggression, was mit “woken” dogmatischen Vorstellungen nicht zu haben ist.
Das ganze klischeefeministische Gejammer über die böse “Objektivierung” von Frauen durch Männer übersieht völlig die Bereitschaft vieler Frauen, sich selbst zum Lustobjekt zu machen, was ihnen seit eh und je Macht über Männer und wirtschaftliche Vorteile verschafft hat.
Man kann nicht bloß über Männer klagen, die “Deep Fakes” von begehrten Frauen herstellen und teilen, und dabei über Frauen schweigen, die sich via “OnlyFans” verkaufen, “entwürdigen” und einschlägiger Nutzung zur Verfügung stellen (was manche Apologeten gar als eine Art von “Empowerment” hinstellen). Beides basiert auf ein- und denselben Triebwünschen, die nicht immer artig nach Konsens fragen und die man auch nicht zwingen kann, immer artig nach Konsens zu fragen.
Wie sieht es nun mit jenem apropos Fernandes-Ulmen aufgeworfenem Argument aus, wonach der mangelnde Schutz vor Entwürdigung vor allem von Frauen im Netz durch pornographische Bild- und Filmmanipulationen dringenden staatlichen Handlungsbedarf erfordert?
Der größte Witz an dieser absurden Kampagne ist zunächst, daß es offenbar gar keine Beweise dafür gibt, daß Herr Ulmen “Deepfakes” mit Frau Fernandes’ Konterfei hergestellt und verbreitet hätte. Der nächstgrößere, daß Frau Fernandes selbst nicht einmal behauptet, Herr Ulmen hätte das getan. Damit wäre dieser Geschichte jegliche Grundlage entzogen. Der Spiegel, der die ganze Nummer gestartet hat, macht aber à la Trump ungeniert mit seiner Kampagne weiter, als wäre nichts geschehen, und haut einen idiotischen Meinungsartikel nach dem anderen hinaus.
Hierzu einige Tatsachen, um das alles in rechte Licht zu rücken.
Ich entnehme den Nachrichten, daß Frau Fernandes aus welchem Grund auch immer ein “Promi” ist, und “Promi-Porno” (“Celebrity porn”) ist so alt wie das Internet. Früher hat man dafür Photoshop oder krudere Bildmanipulationsprogramme benutzt, etwa um Köpfe auf Körper zu setzen und dergleichen. Mit fortschreitender Technologie wurden im letzten Jahrzehnt auch Video-Manipulationen möglich, die “dank” KI zunehmend realistischer wirken. Dieses Genre wird voraussichtlich weiterhin blühen, man wird es kaum verbieten und noch weniger kontrollieren können.
Diese Technologien, die immer effektiver werden und immer einfacher zu bedienen sind, werden (wie praktisch alle audiovisuellen Innovationen) natürlich massiv zu pornographischen Zwecken genutzt. Diese Programme sind gigantische Wunscherfüllungsmaschinen, die inzwischen jeden noch so abseitige Neigung sichtbar und hörbar machen können. Und weil sehr viele Menschen sehr viele unerfüllte oder unerfüllbare Wünsche haben (etwa nach Sex mit “Promis”), besteht eine große Nachfrage nach diesen Technologien.
Das bedeutet auch, daß nun praktisch jeder von jedem Pornographie herstellen kann. Aber eben auch Fakes und Deep Fakes nicht-sexueller Art, zu guten wie bösen Zwecken. Man braucht nur das Bildnis oder die Stimme oder beides von einem beliebigen Menschen zu sampeln, und schon läßt sich das Material beliebig formen und manipulieren. Der Pool dafür ist inzwischen unendlich groß, da Millionen Menschen tagtäglich das Internet (insbesondere die sozialen Medien) mit Bildern füttern, mit denen sie sich selbst und andere präsentieren möchten.
Mit diesem Stoff haben sich virtuelle Ozeane gefüllt. Meistens sind es nur harmlose Scherzchen, die mit dieser Technologie getrieben werden, aber das Amüsement über diese Dinge ist der “Honigtopf”, um die Menschen massenweise an diese Fakes zu gewöhnen und sie zu deren Nutzung zu bewegen.
Hier eröffnen sich unendliche, erschreckende Möglichkeiten der politisch-medialen Manipulation, die jenseits von allem liegen, was sich ein Orwell oder Huxley im letzten Jahrhundert vorstellen konnten. Angesichts dessen ist die pornographische Nutzung womöglich noch die am wenigsten gefährliche Variante, aber auch hier kann man sich unschwer die psychologisch destruktiven Wirkungen auf Massen von Menschen, vor allem Jugendlichen, ausmalen.
Viele dieser Fakes werden nicht nur aus privat fetischistischen Gründen fabriziert, sondern oft tatsächlich, um andere Menschen zu entwürdigen, zu demütigen, zu verletzen, zu verhöhnen, oft aus Rachegründen nach einer zerbrochenen Liebesbeziehung, wenn nicht aus bloßer Boshaftigkeit oder Frustration. Das ist sehr schlecht und wird zurecht als eine Art von Cyber-Kriminalität gehandelt. Es ist wünschenswert, daß genuine Opfer solcher Dinge die Möglichkeit haben sollen, sich rechtlich zu wehren.
Aber das ist sehr schwierig, da das Internet im Guten wie im Schlechten schwer zu kontrollieren ist. Die Büchse der Pandora ist geöffnet worden, und die Übel, die ihr entsprungen sind, sind kaum mehr einzufangen.
Und damit kommen wir zum eigentlichen, fast schon beleidigend durchsichtigen Kern der Fernandes-Kampagne. Denn zufälligerweise hatte Justizministerin Stefanie Hubig ein “digitales Gewaltschutzgesetz” in Planung, das sich nun bequem an den herbeigeschriebenen Skandal um die “virtuelle Vergewaltigung” von Collien Fernandes anhängen ließ. Man wollte aus ihr eine “virtuelle” Madame Pelicot machen, um emotionale Zustimmung zu Gesetzesentwürfen zu erheischen, die vorgeben, Opfer “sexualisierter Gewalt” schützen zu wollen, de facto aber auf personale Repressionen zum Zwecke der Einschränkung der Meinungsfreiheit hinauslaufen.
Schlüssel dazu ist natürlich die “Klarnamenpflicht”, die, falls sie umgesetzt wird, garantiert (!) Frauen vor Stalkern und ähnlichem schützen würde. Nun, da es wohl jeder kapiert hat, wohin der Hase laufen sollte, distanziert sich Stefanie Hubig von einem solchen Ansinnen, während die Süddeutsche Zeitung das “Verschwörungsgemunkel” anprangert, das behauptet, nicht “Frauen werden geschädigt, sondern die armen Männer, denen jetzt eine Klarnamenpflicht im Netz auferlegt werden soll.”
Gaslichtern gehört eben wesenhaft zum toxischen Journalismus!
das kapital
Diese Art von toxischem Journalismus ist eine der Teilstrategien der Zerstörung. Flute die Medien mit Bullshit, dann haben die Menschen keine emotionalen Reserven mehr, um sich um das Wesentliche zu kümmern. Der durchschnittliche Menschen hat nur beschränkte Zeit und Kraft, um sich um das Wesentliche zu kümmern. Wenn er von den staatlichen Medien und den anderen gekauften Propagandamedien zugeschi**en wird, dann ertrinkt er in dieser Brühe und erkennt vor lauter Gestank das Wesentliche nicht (mehr). /// Der Dreck der Menschheit fließt in Kanäle. Aus Kanälen wiederrum empfangen wir unsere Fernsehprogramme. Werner Schneyder. (Für die Jüngeren zur Erläuterung älterer österreichischer Kabarettist, der u.a. mit Dieter Hildebrandt aufgetreten ist und für das ZDF auch als Sportmoderator unterwegs war.)/// Das Unwesentliche verdrängt die Schadenstiftung, der Deutschland und der Rest der Welt seit 1990 durch diverse Teilstrategien der Zerstörung von Parteien Politikern Regierungen und Akteuren im (wirtschschaftlichen) Hintergrund angefangen mit Epstein und Maxwell ausgesetzt sind. Energiewende ins Nichts seit 1998 als ein Beispiel. Macht alle fertig, die Leute aber wählen es trotzdem.