Ein eher unbedeutender Journalist (aus der linken NGO „Correctiv“) leidet an dem, was man „Onomatolalie“ nennt: nämlich den zwanghaften Drang, immer wieder bestimmte Wörter oder Wortgruppen auszusprechen. Das Symptom ist medizinisch ganz gut erforscht.
Es geht oft einher mit Hirnschädigungen und neuronalen Störungen wie dem Tourette-Syndrom. Darüber sollte man nicht spaßen – ohnehin über nichts, was Krankheitswert hat.
Aus dieser Rücksicht bleibt sein Name hier auch ungenannt. Der steuerfinanzierte Typ wird nicht müde, Woche für Woche (auf Twitter) triefenden Haß über die „völkische Trachtengruppe Schnellroda“ zu verbreiten. Ich zähle etwa 50 entsprechende, völlig gleichlautende Einträge aus seiner „Feder“. Es ist sein Tic, und vor allem muß er selbst mit dieser tristen wie phantasielosen Manie klarkommen. Uns, die wir gemeint sind, kann es nichts anhaben.
Er, dieser Typ, schlägt bis zur Ohnmacht gegen einen zentnerschweren Boxsack, der einfach unbeweglich bleibt. Uns – denen mit den legendären „Trachten“ und dem “völkischen Bewußtsein”, haha, bitte wo? – bleibt nur Fremdscham und die Frage, ob der Kerl keine Freundin hat, die ihn besänftigend berät?
Er ist dabei keineswegs der einzige, der uns fehlerhaft und in diskreditierender Absicht das Attribut “völkisch” anhängt.
Im Herbst 2016 hatten bei der damaligen Debatte um “völkisch” nicht wir, sondern hatte Frauke Petry, damals Wortführerin der AfD, das Wort noch vehement verteidigt.
Wenn es damit zu tun hat, dass es um das Volk geht, was ist daran per se negativ?,
fragte sie. Daher sollte daran gearbeitet werden, “daß dieser Begriff wieder positiv besetzt ist”. Letztlich sei “völkisch” ein zugehöriges Attribut zu “Volk”, argumentierte Petry.
Daß war so gutgemeint wie naiv und geschichtsvergessen. Und übrigens auch nicht up-to-date.
Gehen wir mal ad fontes: Armin Mohler behandelt die “Völkischen” in seinem Hauptwerk Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932 (1950, man sollte es gelesen haben, gerade diese von Karlheinz Weißmann hervorragend erweiterte “Handbuch”-Fassung) als eine von fünf Strömungen innerhalb der sogenannten Konservativen Revolution (KR) der Weimarer Zeit. Sie bilden eine eigene Gruppe neben Jungkonservativen, Nationalrevolutionären, Bündischen und der Landvolkbewegung.
Die Völkischen sind stark biologistisch und germanisch-mythisch orientiert, mit zentralen Themen wie Rasse, Blut, Boden, völkische Erneuerung und Abgrenzung vom „Fremden.”
Mohler grenzt sie aber vom Nationalsozialismus ab: Er sieht sie als ältere, teilweise vor-nazistische Strömung, die nicht vollständig im NS aufging und teilweise sogar mit ihm konkurrierte oder von ihm abgelehnt wurde.
In Mohlers Darstellung sind die Völkischen also die biologistischste und „erdhafteste“ Fraktion der Konservativen Revolution. Die “Völkischen” sind in seinem Opus Magnum die erste Gruppe, aber:
Es ist nicht zu verkennen, daß die Völkischen selbst sich sukzessive vom weltanschaulichen Kern des revolutionären Konservatismus entfernten und am Ende kaum noch jemand eine Deckungsgleichheit behauptete. Die Ursachen lagen in der fortdauernden Zerstrittenheit des Lagers, im Alter der Protagonisten, der eigentümlichen Starrheit ihrer Ideologien.
Mohlers Darstellung der “Völkischen” macht in der vorliegenden Ausgabe gerade einmal 15 Seiten aus, wohingegen Weißmanns kommentierte Bibliographie zu Literatur über die Völkischen sowie zur Eigenliteratur der “völkischen Systembauer” (etwa Hans Hauptmann, der Jesus der Arier. Ein Heldenleben schrieb; oder Wilhelm Erbt, der eine Weltgeschichte auf rassischer Grundlage verfaßte), der “Ariosophen” (Guido von List, Jörg Lanz von Liebenfels), der völkischen Antisemiten und Antimaurer, der weiblichen Völkischen, der völkischen Reformer (etwa Paul Schultze Naumburg), der “Deutschgläubigen” und anderen völkischen Untergruppen ganze 70 Seiten umfaßt. Weißmann:
Bei den Völkischen ist das Mißverhältnis zwischen dem Umfang des Stoffes und der vorliegenden kritischen Bearbeitung am größten. Sie haben eine Flut an eigener Literatur produziert, die ein einzelner gar nicht überblicken kann; sie sind das an der KR, was am angreifbarsten ist und darum auch von ihren Feinden am häufigsten zitiert wird.
Was haben wir – „Schnellroda“ und der zugehörige Bedeutungsraum – nun damit zu tun? Nun, so gut wie nichts. Wenn man die Sezessionen der letzten zweieinhalb Jahrzehnte durchblättert, wird man zahlreiche affirmative Bezugspunkte zu den Jungkonservativen (Arthur Moeller van den Bruck, Othmar Spann, Edgar Julius Jung, Georg Quabbe) finden wie auch zu den „Nationalrevolutionären” vom Schlage der Gebrüder Jünger, Ernst Niekisch, Ernst v. Salomon.
Mit den „Völkischen“ fremdeln wir eher. Weniger aus Berechnung (weil es uns irgendwie schaden könnte) denn aus natürlichem Instinkt. Die Zusammenstellung Mohlers und Weißmanns über den völkischen Flickenteppich (nicht alle Völkis betrachteten Rasse als obersten Wert, nicht alle waren Antisemiten) liest sich äußerst spannend – in diesen Kosmos gehören auch der Erfinder der “Welteislehre” Hanns Hörbiger und die These eines Hermann Wirth, wonach die “nordische Rasse” im Polargebiet als “Kulturbringer- und Herrenrasse” entstanden sei. Mit Mohler kommen wir nicht umhin, diesen Ast der KR einen “erkennbar wahnhaften Zug” zu attestieren.
Dies alles jedoch, diese Zuordnung: Achtzig Jahre alt! Längst haben sich die Begrifflichkeiten verändert. Wehe dem, der „jungkonservativ“ von damals mit der „Jungen Union“ von heute verwechselt! Von einer „Landvolkbewegung“ (die wenig zu tun hat mit den jüngeren “Bauernprotesten”) spricht ohnehin keiner mehr – die sind ähnlich passé wie andere Etiketten Mohlers.
Das Zertifikat „völkisch“ (heutiger Sprachgebrauch: „Das ist so‘n Völki“) hat sich aber stabil erhalten innerhalb der Neuen Rechten. Und nur in seltenen Fällen sind damit die “Ludendorffer” gemeint, die es tatsächlich noch heute gibt und gelegentlich Tanz- und Vortragsabende veranstalten.
Was ist also so ein “Völki”? Zunächst einmal ist er durchaus ein Guter. Er ist ehrgeizig, fleißig, will etwas schaffen. Eine Familie, ein Haus. Selten ist er Akademiker, noch seltener Geisteswissenschaftler. Ingenieurberufe hat man häufiger.
Er – unser Völki – hat normalerweise eine freundliche Frau mit langem Rock, viele Kinder und einen großen Garten. Er sagt “Handfunk” und “Weltnetz”. Der Völkische hat wenig Ambiguitätstoleranz. Er kennt nur wahr oder falsch, da ist wenig Spielraum, weil er sich fest an seine Weltanschauung hält. Daher – weil er eine Infiltrierung und Manipulation seiner Kinder fürchtet, er ist ein eher mißtrauischer Typus – betreibt er oft Homeschooling (das er anders nennt).
Er trägt Tactical Pants mit ganz vielen Taschen. Und in einer davon steckt stets ein Zollstock; er ist handwerklich meist sehr versiert.
Er ist häufig Eugeniker. Falls es ihn schlecht trifft (behindertes Kind, psychische Erkrankung etc.), findet er sehr gute spirituelle Gründe, warum es doch gehen mag. Zum Glück. Aber christlich ist nichts daran. Der Völkische von heute kann Christen nicht leiden.
Nichts ist eigentlich verkehrt an unserem Völki. Es ist eine Ausprägung, die sein darf, die gar im Schnitt sympathischer ist als der heutige Durchschnittsbürger. Allein: Die Neue Rechte ist so nicht. Sie ist nicht völkisch.