Martenstein markiert die Freilaufzone

von Wiggo Mann -- Harald Martenstein wechselte nach einem Vierteljahrhundert von der Zeit zur Bild. Seit wenigen Tagen schreibt er dort in Nachfolge von Franz-Josef Wagner eine tägliche Kolumne.

Der Gewinn für rech­te Stand­punk­te in Deutsch­land ist gerin­ger, als vie­le sich erhof­fen. Der Wech­sel zeigt eben nicht, wie radi­kal die Zeit abge­rutscht, son­dern wie links die Bild gewor­den ist: Denn Deutsch­lands wich­tigs­te digi­ta­le Nach­rich­ten­quel­le hat sich mit ihrer Chef­re­dak­teu­rin klar gegen die AfD positioniert.

Das läßt sich durch die Aus­wer­tung der Ver­öf­fent­li­chun­gen bele­gen. Mar­ten­steins Enga­ge­ment bei Bild ist also der Ver­such, die Repu­ta­ti­ons­lü­cke zwi­schen CDU und AfD zu erhal­ten, um die CDU zu schützen.

Mar­ten­stein gelang bei sei­nem Wech­sel zwi­schen den Ver­lags­häu­sern ein PR-Coup. Denn zum Start beim Sprin­ger-Ver­lag durf­te er im Ham­bur­ger Tha­lia-Thea­ter eine viel beach­te­te Rede zum The­ma AfD hal­ten. Sei­ne Rede war ein­ge­bet­tet in die Auf­füh­rung einer fik­ti­ven Gerichts­ver­hand­lung namens „Pro­zess gegen Deutsch­land“ – eine Idee des Schwei­zers Milo Rau, den die Thea­ter­sze­ne für sei­ne Arbeit an der „Schnitt­stel­le von Kunst und lin­kem Akti­vis­mus“ inter­na­tio­nal lobt. Auf der Büh­ne des Tha­lia-Thea­ters ging es über drei vol­le Tage um die Fra­ge, ob man die popu­lärs­te deut­sche Par­tei, die AfD, ver­bie­ten soll.

Das Event brach­te dem Tha­lia-Thea­ter, einem zu 74 % vom Steu­er­zah­ler finan­zier­ten Unter­neh­men, neue Auf­merk­sam­keit. Auch wenn Geschwo­re­nen­ge­rich­te in Deutsch­land seit 1924 nicht mehr zuläs­sig sind, ent­schied nach drei Tagen „Ver­hand­lung“ am Ende in guter Hol­ly­wood-Manier eine „Jury“ auf der Büh­ne über die AfD.

Was war die Auf­ga­be von Harald Mar­ten­stein? Der Autor war für eines der Plä­doy­ers enga­giert wor­den. Er soll­te die AfD ver­tei­di­gen und gab sich mehr als 15 Minu­ten red­lich Mühe. Man kann Mar­ten­stein gut zuhö­ren. Er ist mit zuneh­men­dem Alter immer ange­neh­mer im Auf­tritt, hat eine tra­gen­de Stim­me und sam­mel­te alle Argu­men­te, die man gegen ein Par­tei­ver­bot struk­tu­rell und inhalt­lich zusam­men­tra­gen kann. Er tat das zum Unmut der Thea­ter­be­su­cher, die mit Mit­tel­fin­ger und Buh-Rufen erkenn­bar Mühe hat­ten, Ham­bur­ger Con­ten­an­ce zu bewahren.

Selbst­ver­ständ­lich änder­ten Mar­ten­steins Gedan­ken nichts am vor­her­seh­ba­ren Urteil der Jury. Sie ent­schied mit Stimm­ver­hält­nis 5:2, daß die AfD „ver­fas­sungs­wid­rig im Sin­ne der Men­schen­wür­de“ sei. Des­halb soll sie (4:3) von der staat­li­chen Finan­zie­rung abge­schnit­ten wer­den. Gan­ze 6 Jury-Mit­glie­der (1 Ent­hal­tung) den­ken, daß die Par­tei zu Gewalt „auf­sta­chelt“. Mit Stimm­ver­hält­nis 5:2 sol­len die Ver­fas­sungs­or­ga­ne beauf­tragt wer­den, ein Ver­bot zu prüfen.

Die Reak­tio­nen in Pres­se und Social-Media-Kanä­len auf Harald Mar­ten­steins Plä­doy­er waren geteilt. Nicht über­ra­schend ist, daß die aus­ge­trock­ne­ten Leit­me­di­en der Ver­gan­gen­heit ihn nun end­gül­tig has­sen. Mar­ten­stein stand schon bei der Zeit immer im Ver­dacht, ins­ge­heim ein Rech­ter zu sein.

Der inves­ti­ga­ti­ve Spie­gel ent­hüll­te jetzt anläß­lich sei­nes AfD-Vor­trags, war­um der Ver­dacht sich bestä­tigt habe:

Das Unter­kom­ple­xe tri­um­phier­te auch in der Rede von Harald Mar­ten­stein, vor­ge­tra­gen mit pathe­ti­schem Tre­mo­lo und hei­li­gem Furor.

Soweit. So vor­her­seh­bar. Inter­es­san­ter ist dage­gen die Reak­ti­on aus dem rech­ten Spek­trum. Mar­ten­steins Rede wird in vie­len kon­ser­va­ti­ven Medi­en als klug und ein­drück­lich (Cice­ro) beschrie­ben. Sie rei­ße „den Mäch­ti­gen die Mas­ke vom Gesicht“, fin­det die Welt­wo­che. Es gibt bereits eine Peti­ti­on, die für einen Bun­des­prä­si­den­ten Mar­ten­stein wirbt. Und AfD-Poli­ti­ker wie Bea­trix von Storch lei­ten bei X die Video­auf­zeich­nung des Vor­trags begeis­tert wei­ter, wäh­rend man sich fragt: Da wird Kaf­kas „Pro­zess“ live insze­niert – und nie­man­dem fällt es auf?

Die plas­ti­sche Dar­stel­lung des „Steh­plat­zes im Salon“ für eine ver­meint­li­che Außen­sei­ter­par­tei auf einer deut­schen Thea­ter­büh­ne – und nie­mand aus der stra­te­gisch den­ken­den rech­ten Bubble erin­nert dar­an, daß wir „kei­ne Betei­li­gung am Dis­kurs“ wol­len, „son­dern sein Ende als Kon­sens­form“ (Kubit­schek)?

Was das satu­rier­te Bür­ger­tum im Tha­lia-Thea­ter erle­ben durf­te, war kein Befrei­ungs­schlag, son­dern ein Schlag ins Gesicht des deut­schen Vol­kes. Es war nicht die Vor­ah­nung und War­nung vor gelenk­ter Demo­kra­tie (wie Mar­ten­stein an einer Stel­le anmerk­te), son­dern viel­leicht ihr bis­lang klars­ter Ausdruck.

Ein von den Kar­tell­par­tei­en seit Jahr­zehn­ten durch­gän­gig gesteu­er­tes Bun­des­land finan­ziert ein regie­rungs­treu­es Thea­ter-Hap­pe­ning weit­ge­hend aus Steu­er­mit­teln, um einem lin­ken Regie­ak­ti­vis­ten und einer ehe­ma­li­gen SPD-Jus­tiz­mi­nis­te­rin als Prot­ago­nis­tin die Chan­ce ein­zu­räu­men, den poli­ti­schen Geg­ner mit einem „Jury-Urteil“ vor Publi­kum aus dem demo­kra­ti­schen Pro­zeß zu drän­gen. Wow. Wenn das nicht der Aus­weis kon­trol­lier­ter Oppo­si­ti­on ist – was dann?

Und was soll die Beweih­räu­che­rung eines ein­ge­bet­te­ten 15-Minu­ten-Vor­trags dar­an ändern, wenn selbst füh­ren­de AfD-Poli­ti­ker die Meta-Ebe­ne des Ver­rats nicht erken­nen und still erdul­den, daß sie wie­der ein­mal zum Spiel­ball des Par­tei­en­kar­tells wurden?

Nein, die AfD wird nicht ver­bo­ten wer­den. Das ist mitt­ler­wei­le klar. Aber dar­um geht es dem Sys­tem nicht mehr. Die AfD als kon­trol­lier­te Oppo­si­ti­on unter ein paar Strei­chel­ein­hei­ten von net­ten, intel­li­gen­ten Leu­ten wie Mar­ten­stein ist viel wert­vol­ler für den Erhalt der Rahmenbedingungen.

Wenn wir von Mar­ten­stein ler­nen wol­len, dann etwas, das er uns nicht bei­brin­gen woll­te und soll­te: Wir müs­sen die zuge­wie­se­ne Frei­l­auf­zo­ne ver­las­sen. Das ist Auf­ga­be aller Kräf­te in Vor­feld und Par­tei, die das Land wirk­lich ret­ten wollen.

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Kommentare (40)

RMH

17. Februar 2026 12:22

Hurra, es wurde ein Haar in der Suppe gefunden! Menschen, die Martensteins Rede positiv rezipierten, haben den Gesamtkontext übersehen, in dem sie gehalten wurden.
"Nein, die AfD wird nicht verboten werden. Das ist mittlerweile klar. Aber darum geht es dem System nicht mehr."
Das ist reines Wunschdenken, genährt von offenbarer Unkenntnis der fachjuristischen Debatten, welche die Straßen zum Verbot nun wahrlich zur Autobahn, frisch geteert, ausgebaut haben. Für ein Verbotsverfahren mit 99% Erfolgswahrscheinlichkeit fehlt eigentlich nur noch 1 letzter Baustein & das ist die Übernahme einer Regierung in einem Bundesland. Aktuell sind wir bei 85% (frei aus der hohlen Hand geschätzt). Der Antrag wurde zurückgehalten, weil es ein paar kritische Worte von den USA gab, aber nachdem man sich von dort ja nichts mehr sagen lassen will & sich bei der SiKo offiziell abgenabelt hat, wird auch das keine Grenze mehr sein. Kontrolliert (= mehr als nur überwacht) ist im Übrigen jede Partei, die über einen Nischenkontext hinaus agiert, selbst die Etablierten. Der legalistische Ansatz hat nun einmal diese Folge.

RMH

17. Februar 2026 12:23

PS: Im Übrigen gehe ich davon aus, dass Martenstein der AfD sehr bald auch noch ein paar mehr als warme Worte mitgeben wird, was alleine schon dem Umstand geschuldet ist, dass er als Kolumnist nach allen Seiten auszuteilen hat. Bin mithin kein Marteinstein-Fanboy, aber wenn einer mal was halbwegs korrekt sagt, dann akzeptiere ich das.

Mitleser2

17. Februar 2026 12:57

Es ist alles gesagt. Und auch klar, wo der Feind steht (ja, der FEIND), und was er will. Wenn die AfD das nicht lernt, ist ihr nicht zu helfen.

Monika

17. Februar 2026 13:07

Das mag alles stimmen und stimmt wohl auch. Nur, was folgt auf diese markigen Worte ? Was wäre der Befreiungsschlag? Was wäre ein Durchbruch, was wäre das Ende der Konsensform? Wie läßt sich die Metaebene des Verrats, die Freilaufzone verlassen ? Auf dem Weg zur Regierungsbeteiligung sicher nicht, denn da wird die AfD eingebunden und noch mehr "kontrollierbar" als in einer Opposition. Dann lieber Fundamentalopposition wie einst die Grünen ( Fundis gegen Realos) ? Wie es ausging, sieht man. Spaltet Martin Sellner die AfD, fragt die BILD . Ja, er wird sie spalten. Man redet abfällig über den "Remigrationsprediger". Vermutlich ist auf dem Weg der Politik nicht mal mehr ein Blumentopf zu gewinnen. https://www.bild.de/politik/inland/zoff-um-remigrations-so-tief-spaltet-rechtsextremist-sellner-die-afd-6981fa456f72c99c11b1a77b

Plus Ultra

17. Februar 2026 13:08

Martenstein hat lauter Dinge ausgesprochen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, und dabei auch keinen explizit rechten Standpunkt eingenommen, was er danach selbst so eingeordnet hat. Das hat allerdings schon gereicht, um das Publikum und die linken Leitmedien aus der Fassung und in Rage zu bringen. Einige besonders "Gutmeinende" haben  im Vorfeld schnell noch abgesagt, man will ja nicht mit "Nazis" auf einer Bühne stehen. Wenn das ganze, in diesem Fall buchstäbliche Theater also etwas zeigt, dann wie sehr in Deutschland die Maßstäbe inzwischen verrutscht sind. Die implizite psychologische Botschaft für AfD und Umfeld ist klar: schaut nur, der linke Mob will euch vernichten. Kommt doch zu uns herüber, wir meinen es gut mit euch. Natürlich solltet ihr schon ein paar Regeln einhalten (unsere Regeln), aber dann ist alles gut. Dann dürft ihr euren Stehplatz einnehmen, und solange ihr euch gut benehmt, auch ein bißchen mitspielen. Demokratische Grundrechte sollen also unter Vorbhalt zugeteilt werden. Onkel Martenstein als "Good Cop", der den linken Kettenhund in Zaum zu halten versucht. Wobei das ganze kein Spiel sein dürfte, die hegemoniale politische Linke ist wirklich so radikal. In Frankreich wurde kürzlich ein rechter Aktivst durch die Antifa gelyncht (so formuliert durch die taz), war wohl nur eine Frage der Zeit.
Besonders entlarvend für das Hamburger Spektakel: ein gewisser Erik Ahrens ist auf seinem "race to the bottom" offenbar auch im "Prozess" angehört worden, und weigerte sich sein Statement auf Deutsch (Sprache der Täter) abzugeben. 

Kriemhild

17. Februar 2026 13:15

Sich nicht beschmutzen zu lassen, indem man die Räume der Fäulnis betritt! Die innere Reinheit und naive Unschuld bewahren, um eines nahen Tages eine neue Welt zu erschaffen, die den Keim des Todes nicht schon in sich trägt! 

RMH

17. Februar 2026 13:18

Übrigens, bei der Theateraufführung hat die ehem. AfD-Abgeordente Joana Cotar auch eine beachtenswerte Rede gehalten, nicht so zugespitzt, nicht so markig wie die von Martenstein, aber ein sehr freiheitlich gehaltenes Plädoyer. Auch, für einen Blick jeweils über die eigene Bubble hinaus und für eine stete Selbstreflexion. Evtl. war die Rede etwas zu brav und intellektuell für die Erzeugung eines Wirbels, wie ihn die von Martenstein ausgelöst hat, und OmG, sie zitiert I. Kant.
Unabhängig von den einzelnen Reden: Der Titel des Theaterstücks sagt bereits viel:  "Prozess gegen Deutschland", will man also Deutschland verurteilen, verbieten oder wie soll man es sonst verstehen? Wenn man die AfD verbietet, verbietet man Deutschland, da der Prozess gegen Deutschland geführt wurde?  Eine bessere Werbung für die AfD geht kaum.

Andreas J

17. Februar 2026 13:24

Journalisten gehen gewöhnlich mit dem Meistbietenden. Ich fand es z.B. lustig, wie der damalige Chefredakteur des manager-magazins Steffen Klusmann 2018 auf einmal Chefredakteur des Spiegel wurde. Beide Redaktionen sind im selben Gebäude. Er ist dann also aus seinem Büro des wertkonservativen manager-magazins durch den Flur gegangen, zwei Stockwerke durchs Treppenhaus - und Schwupps - war er Chefredakteur eines linken bis linksextremen Wochenmagazins.
 

Liselotte

17. Februar 2026 13:37

@RMH (12:22): danke, sehe ich ähnlich.
@kriemhild: das wird nicht gehen, alles was lebt, stirbt auch mal.

Majestyk

17. Februar 2026 13:52

Ein Schauprozeß als Theaterinszenierung ist genau das, ein Schauprozeß als Theaterinszenierung. Jeder der teilnimmt, spielt eine ihm zugedachte Rolle. In vielen Foren sind genug Schreiber darauf hereingefallen und wünschen sich einen Martenstein gar als Bundespräsidenten. Ich bin froh, daß nach den ganzen Begriffsdiskussionen der letzten Zeit wenigstens SiN erkennt, daß eine solche Inszenierung nur den Eindruck erwecken soll, als lebe die Demokratie. Im Übrigen erachte ich Cicero, Weltwoche und Co. als Narrativerweiterung. Personen wie Martenstein, Sarrazin oder Maaßen betreiben das sowieso. Reden à la Martenstein können wahrscheinlich Dutzende der hiesigen Teilnehmer und zwar glaubhafter.
Endlich spricht es auch mal einer aus. Die AfD will in weiten Teilen vielleicht keine kontrollierte Opposition sein, läßt sich aber oft genug wie eine solche einhegen. Warum biedern sich bestimmte AfD-Politiker beständig in diesen Talkshows an? Selbst den Spitzenkräften fehlt oft die Fähigkeit Mechanismen zu hinterfragen. Man beschäftigt sich viel zu oft mit Symptomen als mit Ursachen. Vor allem, die AfD will das System ja renovieren und damit retten. Wenn ein Haus Termitenbefall hat, reicht es nicht neu zu tapezieren. Da muß alles geprüft werden, ob es sich zu erhalten lohnt. In vielerlei Hinsicht ist die AfD leider viel zu oft eher Sedativ als echte Systemopposition. So ein bißchen Pseudowiderstand à la Farage oder Meloni wird nicht reichen. Die größte Gefahr für die AfD ist nicht ein drohendes Parteiverbot, sondern Akzeptanz.

Valjean72

17. Februar 2026 13:59

Martensteins Rede wurde mir vorgestern weitergeleitet und ehrlich gesagt war ich sofort skeptisch. Was soll von einem Journalisten zu halten sein, der jahrzehntelang für die ZEIT (das woke Flaggschiff) schrieb und mittlerweile bei der BILD angeheuert hat?
 
Ich traue ihm ebenso wenig wie einem Ulf Poschard, der sich ebenfalls darum bemüht das liberal-konservative Gemüt zu umschmeicheln, das sich doch so sehr nach Verständnis und Streicheleinheiten sehnt.
 
Der dritte Spiessgesell im Bunde ist Julian Reichelt, der gerne, einer Agenda folgend, seinen Beitrag leisten will, die AFD auf CDU-Kompabilität zu schleifen.
 
 

Majestyk

17. Februar 2026 14:16

@ RMH:
"aber wenn einer mal was halbwegs korrekt sagt, dann akzeptiere ich das."
Kommt aber nicht allein darauf an, was jemand sagt, sondern warum. Nach der Logik können Sie auch Reichelt applaudieren oder Poschardt, manchmal sogar Wagenknecht. Merz oder Söder halten auch gerne markige Reden, blinken rechts und biegen links ab. Die Martensteins dieser Republik verdanken dem System alles. Gut, jetzt wird es einigen etwas zu bunt und im Alter simulieren die ein wenig Rückgrat. Glaubwürdig ist das nicht.
@ Mitleser2:
Eben. Kohl und Schmidt waren politische Gegner. Das System bedroht die Existenz der Nation. Am Rande des Abgrunds gibt es nichts mehr zu verhandeln, da findet sich auch kein Kompromiß, da kann man auch nicht mehr aufeinander zugehen. 
Warum Sie ausgerechnet mich als erklärtem EU Gegner, mit Kallas vergleichen, müssen Sie mir mal Beizeiten erklären. Auch wenn ich Putin kritisiere, war ich nie für Sanktionen. Bin auch nicht gegen russisches Gas, nur eben nicht als Alleinversorgung. Wenn die Russen mit Putin zufrieden sind, soll es mir recht sein. Ich falle nur nicht auf dessen Argumentation rein. Estland kostet dem deutschen Steuerzahler seit deren Beitritt nur Geld. Von mir aus könnte Rußland das Baltikum auch wiederhaben, wenn die meinen frech werden zu müssen. Ich habe es nicht vermißt als es noch nicht zur EU/NATO gehörte, auch keines der anderen osteuropäischen Länder. 
 

Rheinlaender

17. Februar 2026 14:29

Solche Spiele finden auf mehreren Ebenen statt, wobei die Grenzen zwischen kontrolliertem Widerstand und kluger Opposition ebenso fließend sein können wie die zwischen absichtlich gewährter Freilaufzone und dem Bereich des einsetzenden Kontrollverlusts.
Es gibt dabei mehrere denkbare Verläufe und Ausgänge. Einer besteht darin, dass ein starker, am Rand stehender Herausforderer des Status Quo das Geschehen immer weiter zuspitzt und dadurch die schwächeren Verteidiger unter Zugzwang setzt, wobei mit jeder Runde etwas stärker wird, bis er am Ende das ganze Spiel gewinnt. 
Es ist aber auch ein anderer Verlauf denkbar: Vom zuvor geschlossen agierenden Verteidiger des Status Quo spaltet sich ein starker Spieler ab. Er versucht, sich mit einem schwächeren Herausforderer zu verbünden, und fordert aus seiner überlegenen Position heraus einen Preis von jenen, die er ins Zentrum holt und am späteren Gewinn teilhaben lässt. Einige Personen aus dem Bereich der Herausforderer zahlen diesen Preis, der darin bestehen kann, diejenigen, die weiter außen stehen, zu opfern.
Erkenne die Lage!

Majestyk

17. Februar 2026 14:39

@ RMH:
Ich habe gestern mal in die Karnevalsumzüge reingeschaut und mich innerlich teilweise übergeben. Dieselbe Anbiederung wie ab 1933. Bestätigt mich in meiner Annahme, daß eben nicht bloß Eliten verantwortlich sind, sondern Unrechtssysteme durch den Opportunismus der Mehrheit gestützt werden. Von daher habe ich die Konzentration auf die Grünen auch immer für falsch gehalten. Die mögen die Kleriker des Zeitgeistes gewesen sein, aber die Grünen wären nichts ohne SPD und vor allem Union. Geissler, Süssmuth, Schäuble, Wulff, Koch, Merkel, Merz, Seehofer, Söder, Günther, Wüst, von der Leyen u. v. m. sind keine Ausreißer, so ist die Union, spätestens seit Kohl.
Irgendwann müssen Sie als Nichtmitglied mir mal erklären, warum Sie solche Angst vor einem Verbot der AfD haben. Ich würde mir wünschen, daß die Welt sieht, daß Deutschland eine Demokratur ist, also eben nur die Simulation von Rechtsstaat und Demokratie. Um es frei nach Frank Zappa zu sagen: "Let's tear down the curtains, so everyone can see the bricks on the back wall of the theater." Martenstein tritt nicht für Demokratie ein, er will nur den Vorhang erhalten.

Ekstroem

17. Februar 2026 14:45

@Valjean72 Ihr zweiter Satz ging mir auch durch den Kopf, als ich den Artikel las.Zustimmung zu Ihrem Kommentar. 

fw87

17. Februar 2026 14:45

Meines Erachtens hat Martenstein hier eine exzellente Rede gehalten. Ein sehr zentraler Punkt war für mich dabei: "Rechts" ist nicht etwas, das man im Namen von "Unserer Demokratie" vielleicht zähneknirschend und gnädig akzeptieren kann. "Rechts" ist vielmehr konstitutiv für die Demokratie. Ohne "Rechts" keine Demokratie. Martenstein legt das unter Bezugnahme auf die Französiche Revolution absolut schlüssig dar. Eine Rede mit einem guten Schuss Metapolitik, wenn man so will.
Angesichts der vermutlich mit Händen zu greifenden Hasswellen, die ihm entgegengeschlagen sein mögen, ist auch der Vortragsstil, die Ruhe und Sicherheit mit der das Gesagte vorgebracht wurde, positiv zu würdigen. Manche wollen der Rede jetzt schon einen Platz in den Geschichtsbüchern einräumen. Es würde mich freuen, wenn es so wäre. 

RMH

17. Februar 2026 14:49

"Nach der Logik können Sie auch Reichelt applaudieren oder Poschardt, manchmal sogar Wagenknecht. Merz oder Söder halten auch gerne markige Reden, blinken rechts und biegen links ab. Die Martensteins dieser Republik verdanken dem System alles. Gut, jetzt wird es einigen etwas zu bunt und im Alter simulieren die ein wenig Rückgrat. Glaubwürdig ist das nicht."
Ok, es muss jetzt also bei zutreffenden Argumenten auch noch Glaubwürdigkeit & "Haltung" dazukommen, ich wittere mithin, dass man Zutreffendes nur mit der richtigen Gesinnung ausprechen darf? Quasi das, was man der AfD vorwirft? Richtiges wird von der "falschen" Seite aus angesprochen?
Natürlich sagen Reichelt, Poschardt (seine Rants gegen Berlin stimmen einfach!), Wagenknecht (die im Verbund mit Ehemann Lafontaine übrigens mehr wirtschaftlichen Verstand hat, als halb Schnellroda, aber eben nur Linke Antworten auf gute Analysen hat) & sogar der Söder (Kritik an zu vielen Bundesländern teile ich) manchmal was richtiges. Dehsalb wähle ich sie aber noch lange nicht und teile ihre Gesamteinstellung. Ein Argument, ein Fakt, wird nicht dadurch falsch, wenn es ein Gegner ausspricht.

Karl

17. Februar 2026 14:57

In der Höhle der Monstren konträr zu ihren Überzeugungen zu reden, zeugt von großer Courage, denn Martenstein (M.) hat die Freilaufzone verlassen. Trotz aller Einwürfe, M. selbst sei ja ein Vertreter des Hauptstroms, war dies ein Auswärtsspiel vor größtenteils feindlichem Publikum. A. Schunke auf X dazu: „Die Eier musst du halt auch erstmal haben, um deinem Publikum, das es vollkommen anders sieht und sich so gerne in seiner Selbstgerechtigkeit suhlt, so den Spiegel vorzuhalten.“ 
Die Rede ist viral gegangen und hatte nur einige Tage nach ihrer Publikation schon weit über 1 Million Aufrufe (KI-Abfrage). Weshalb dies sauertöpfische Bekritteln: „Der Gewinn für rechte Standpunkte in Deutschland ist geringer, als viele sich erhoffen.“ „M. gelang bei seinem Wechsel zwischen den Verlagshäusern ein PR-Coup.“ „Er sollte die AfD verteidigen und gab sich mehr als 15 Minuten redlich Mühe.“ Das klingt wie: „M. war stets bemüht“. Aber Millionen feiern diese Rede!
Das erbärmliche Schauspiel im Thalia mit Kafkas „Prozess“ zu vergleichen, halte ich für völlig abwegig. Es war plattes Schmierentheater und ist nicht vergleichbar mit der Inszenierung eines großen Romans. Wer Augen hat zu schauen, hat das gesehen.
Die Gedanken M.s sind jetzt in der Welt. Sie müssen nicht als kostbarer Schatz vor der feindlichen Umgebung behütet werden, sondern müssen dorthin transportiert werden, wo sie jetzt sind: Draußen!

Laurenz

17. Februar 2026 15:00

Bei Tichys kam auch ein kurzer Abriß der Redaktion zum Thema Martenstein. https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/hamburg-thalia-theater-prozess-gegenrede/ Ich poste dazu meinen Kommentar auf Tichys, der mit Abstand die meisten Likes erhielt. ... Naja, die Amadeu-Antonio-Stiftung ist ja das gesellschaftlich personifizierte Gesicht des Silone-Faschismus. Es ist in meinen Augen ein Fehler, mit religiösen Eiferern zu debattieren, da die Silone-Faschisten, wie alle Gläubigen exklusiv die absolute Wahrheit gepachtet haben, was jede Debatte ad absurdum führt. Es gibt nur wir oder die.

Dr Stoermer

17. Februar 2026 15:10

Obwohl ich zustimme, dass Martenstein keine echte Entgegnung, sondern nur eine linksinterne, auf Systemstabilisierung abzielende Scheindebatte aufführte, ein Nullsummenspiel im eigenen Gehege, sehe ich den Vorgang positiver und halte es für richtig, dass B.v.S. sie lobend geteilt hat. Lob von unserer Seite ist das letzte, was sich irgendjemand dort im Gehege wünscht, auch nicht Martenstein. Ferner ist bereits der Versuch (ob als solcher durchschaut oder nicht), mittels falscher Spielchen die wankende Plattform, auf der man nur noch schlecht Stand hält, zu stabilisieren, nichts, was der Ursache abhilft. Denn B.v.S. wird ganz sicher nicht auf die Idee kommen, sich wegen ein paar angewärmter Worte zum Mitgären in die kaputte Kloake zu begeben, die uns dort aus alten, grauen, borniert-dümmlichen Besoldungsfratzen anstank. In dem Raum übte sich ein mit seiner Belegschaft zurückgelassenes Management der dritten und vierten Reihe in liturgischer Wiederholung der Kernbotschaften ihrer alten Arbeitsanweisungen. Nur, dass es jetzt niemanden mehr interessiert und an ihnen vorbei – ja wo ist die Herrschaft hin? – ihre Insolvenz bereits abgewickelt wird.  

Mitleser2

17. Februar 2026 15:17

@Majestyk: OT hier:
Da muss ein Mißverständnis sein. Natürlich vergleiche ich Sie nicht mit der unsäglichen Kallas. RMH schrieb, Russophobie sei ein russ. Propagandabegriff, und Sie haben ihm zugestimmt. Ich schrieb später nur: "Die Russophoben haben doch ganz andere Beweggründe als das System Putin". Der Meinung bin ich allerdings weiterhin. Aber wir brauchen das nicht weiter ausdehnen.

Franz Bettinger

17. Februar 2026 15:21

Wäre die rechte Welt fröhlicher, wenn es diese Show im Thalia Theater nicht gegeben hätte? Mitnichten! Es kommt nicht darauf an, was die Woken sich bei dieser 'Partei-vor-Gericht's-Show erhofften, sondern auf das Ergebnis. Dieses ist nicht der erwartbare Spruch der „Geschworenen“, es ist das Echo im Publikum. Wieder ist es nicht das Echo des Thalia-Theater-Puplikums, sondern das Echo im deutschen Volk, und dieses Echo ist großartig. Mit den Reden von Martenstein, Cotar, Petry & dem maskulinen Deutsch-Pakistani (der mit „Blullshit“ beleidigt wurde und dessen Namen ich vergaß) wurden die Kartell-Parteien bestens bloßgestellt. Wir bekamen eine große Bühne! Was wollen wir mehr?!  Auch hatte ich den Eindruck, dass das Publikum nach der Martenstein-Rede 50:50 gespalten war in Klatscher und Pöbeler. Der Titel "Prozess gegen Deutschland“ ist total daneben, verwirrend, und ein Schuss ins eigene linke Knie. Denn in der Tat: Wer der AfD den Prozess machen will, will Deutschland den Garaus machen! Mehr Selbst-Entlarvung geht nicht! 

Umlautkombinat

17. Februar 2026 15:43

Hurra, es wurde ein Haar in der Suppe gefunden!

Ich habe nur das transkript bei Wallasch gelesen. Auf dem Punkt, die Rede. Aber das reicht nicht. Hat ja keiner von den "dutzenden Teilnehmern hier" besser gesagt. Irrtum, der Martenstein hat eine goldene Perspektive. Ohne nur den Hauch dediziert rechter Positionen direkt an den Schmerzpunkten der Schicht angesetzt, die das Publikum abbildet. Kann hier niemand. Kann auch kein AfD-Politiker (und man komme mir nicht mit dem angeblich rhetorisch ueberbegabte Piepser Curio oder aehnlichen Beispielen). Das besser zu machen, dazu beduerfte es einer in der Gegenwart in Deutschland anscheinend oder scheinbar nicht existenten Form von Schwergewicht. Zur gelenkten Opposition sage ich mal nichts, diese Tiefversteherbeitraege kommen immer mit 100% Wahrscheinlichkeit, nur aendert und erklaert diese Art Gerede nichts. 

Laurenz

17. Februar 2026 15:50

@Majestyk @RMH ... Karnvalsvereine sind Vereine. Vereine sind in Deutschland meist unterfinanziert & von Zuwendungen der Öffentlichen Hand abhängig. Lebte 6 Jahre in der Mainzer Altstadt. Dort bekommen die Karnevals-Vereine meist in ehemaligen Festungsbauten & Kasematten riesige Flächen mit Unterhalt von der Stadt zu Verfügung gestellt. In einer breiteren Öffentlichkeit sind die Karnevals-Vereine, wie die Kirchen, also gezwungen das Herrschafts-Narrativ abzubilden. Wenn man oppositionelle Büttenreden hören will, muß man nach Kastell oder Kostheim in die Lokalitäten der Weinberge. Dasselbe gilt übrigens auch für den Breitensport.

RMH

17. Februar 2026 16:09

@Karl, bin inhaltlich bei Ihrem Beitrag #17. Februar 2026 14:57 aber die Inszenierung hat schon etwas "Kafkaeskes" an sich. Beim "Process" wurde der Protagonist, Josef K., grundlos festgenommen & durch die Mühlen gedreht, ohne je zu erfahren warum & am Ende abgestochen. Dabei kommt es zu grotesk Absurdem. Im Grunde genommen ist es bereits grotesk-absurd anzunehmen, die AfD käme überhaupt für ein Verbotsverfahrens in Frage. In diesem grundlosen Vorführen & Aufführen des Stücks liegt das vergleichbare. Leider hat es die Rechtswissenschaft auf Basis des sog. 2 Verbotsurteils gegen die NPD geschafft, eine Art Phantom-AfD zu zu konstruieren, die man, sobald sie die entsprechende Bedeutungsschwere im Sinne des 2. Verbotsurteils hat, verbieten kann. DAS ist in der Tat Kafkaesk! Gesteigert wird das Ganze, dass es am Ende ausgerechnet auch noch auf den EMRK ankommt. Bei jedem normalen Gericht in D würde ich weniger Gefahr für ein Verbot der AfD sehen, aber für Parteienverbote ist ja das politischste aller Gerichte zust., das BVerfG. Der hier vielgescholtene Dr. Krah hatte in vielen Punkten in seiner jurist. Einschätzung durchaus recht.

thoma

17. Februar 2026 16:09

Wir kommt man eigentlich darauf, dass die AFD nicht grundsätzlich systemkompatibel waere? Wo soll der Unterschied etwa zu Meloni sein? Die Gute ist auch eingemeindet worden.
Man ist für die Nato, Marktwirtschaft und Privatisierungen. Der einzige Knackpunkt besteht in der Zuwanderungsfrage. Man befürchtet un der Wirtschaft, dass die AFD tatsächlich die tore zumacht und massenhaft abschiebt, statt den amerikanischen oder russischen Weg zu gehen: man schiebt immer wieder als Show ab. Die Masse aber darf weiterhin kommen und schwarz und außerhalb jeglicher Sicherungssystems arbeiten. Bei Konflikten ruft der Chef die Polizei und spart sich den Lohn. Gleichzeitig verschlechtert man die Bedingungen für einheimischen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Ja, es kann natuerlich sein, dass da ein Verbot kommt, weil die Union selbst die Nische haben möchte. Aber eher glaube ich an den amerikanischen Weg. 

Carsten Lucke

17. Februar 2026 16:40

@ Karl
Sie haben vollkommen recht.
Irre ich mich, oder ist hier auch Neid im Spiel ?
Bekanntermaßen eine Todsünde - hier jedoch zumindest auch nicht ganz läßlich.
Martenstein war großartig.

RMH

17. Februar 2026 16:42

"Irgendwann müssen Sie als Nichtmitglied mir mal erklären, warum Sie solche Angst vor einem Verbot der AfD haben." @Majestyk: Angst ist ein zu großer Begriff. Ich sehe aber das in 13 Jahren Geschaffte als etwas an, was man nur schwer wieder in solch vergleichbar kurzer Zeit erreichen kann. & Sie wissen es genauso wie alle hier: Die Zeit läuft gegen D. Von daher haben ich Sorge, dass man ggf. zu leichtfertig etwas verspielen kann. Zudem: Es wird ja dann nicht nur die AfD verboten, einher wird gehen, dass man alle Meinungs- & Gesinnungsdelikte dann auch erweitert anwenden kann auf alle, die Sympathien mit der AfD & deren oder sonstigen, patr. Inhalte zeigen. Wenn AfD Inhalte offiziell den Stempel "verfassungswidrig" haben, fällt auch die Mauer gegen eine Verschärfung des polit. Strafrechts in D.
"Ich würde mir wünschen, daß die Welt sieht, daß Deutschland eine Demokratur ist, also eben nur die Simulation von Rechtsstaat und Demokratie." Grds gutes Argument, dem ich nur entgegnen kann, dass D der Welt schon immer egal war & nur beachtet wurde, wenn es zahlt. Solange weiter Gelder aus D wegfließen, wird so ein Parteiverbot das Ausland über ein paar krokodilstränenartige Protestnoten hinaus zu nichts bewegen. Aber für uns Inländer ist es eben ein harter Schlag s.o.

Lars Seemann

17. Februar 2026 16:51

Mit derselben Redlichkeit könnte darauf hingewiesen werden, daß sich immer wieder auch offizielle Vertreter der AfD ein ums andere mal im öffentlich-rechtlichen Schmierentheater vorführen lassen. Solange Weidel, Chrupalla und Konsorten bereitwillig noch jede Einladung in der falschen Hoffnung annehmen, in einer dieser Inszenierungen mit guten Argumenten und höflich-angepasstem Auftreten irgendwie punkten zu können, ist Martenstein und noch weniger dem applaudierenden Publikum von rechts ein Vorwurf zu machen. Um in der reinen Lehre zu bleiben, wäre die einzig richtige Antwort auf jedwede (!) Aufforderung, sich als rechter Clown in solche Vorführungen einbetten zu lassen, eine schroffe Absage. Verbundem mit dem Hinweis, daß man sich nicht am Diskurs beteiligen wird sondern sein Ende als Konsensform anstrebt. Was von Martensteins wohldurchdachter Provokation wirklich bleibt, ist weniger der Inhalt seiner Rede. Es sind die schmerzverzerrten Facialexpressionen des zu 100% linkslastigen Publikums, welches sich offensichtlich in die Lage gezwungen sah, einem rechtspolitischen Snuff-Video beizuwohnen.

Franz Bettinger

17. Februar 2026 17:30

Wäre die rechte Welt fröhlicher, wenn es diese Show im Thalia Theater nicht gegeben hätte? Mitnichten! Es kommt nicht darauf an, was die Woken sich bei dieser Partei-vor-Gericht-Show erhofften, sondern auf das Ergebnis. Das ist nicht der erwartbare Spruch der „Geschworenen“, es ist das Echo im Publikum. Wieder ist es nicht das Echo des Thalia-Theater-Puplikums, sondern das Echo im deutschen Volk, und dieses Echo ist großartig. Mit den Reden von Martenstein, Cotar, Petry und Clint Eastwood alias Feroz Khan wurden die Kartell-Parteien bestens bloßgestellt. Wir bekamen die große Bühne! Was wollen wir mehr?! Auch hatte ich den Eindruck, dass das Publikum nach der Martenstein-Rede 50:50 gespalten war in Klatscher und Pöbeler. Der Titel "Prozess gegen D“ ist total daneben, verwirrend, und ein Schuss ins eigene linke Knie. Denn in der Tat: Wer der AfD den Prozess machen will, will Deutschland den Garaus machen! @RMH sagte es: Mehr Selbst-Entlarvung geht nicht! 

Monika

17. Februar 2026 17:59

#Carsten Lucke 
Sie irren nicht. Ich dachte auch kurz, daß da Neid im Spiel ist. Man hätte diese Rede gerne selbst gehalten. Dann wäre es ein Freilauf gewesen.

Franz Bettinger

17. Februar 2026 18:13

Bin fast sicher, dass @Ellen Kositza im Nachhinein bedauert, ihre Teilnahme an der Thaila-Inszenierung abgesagt zu haben. (Die Info stammt von Feroz Khan: Ich hoffe sie stimmt.) Auch EK's Beitrag wäre Gold wert & Wasser auf unsere Mühlen gewesen.

Kositza: Nein, bedaure ich keineswegs. Das ist ein Mißverständnis. Ich hab gleich nach Einladung schon deshalb abgesagt, da ich seit langem fest einen Urlaub gebucht hatte. Der Urlaub wurde dann seitens des Veranstalters kurz "vor dem Theater" aufgrund von Katastrophenwetter abgesagt. Ich würde bei so einem Format nicht mitmachen, denn was auf dem Spiel steht (Deutschland), ist kein Spiel. Damit will ich diejenigen, die mitgespielt haben, aber nicht abwerten.

Majestyk

17. Februar 2026 18:15

@ Umlautkombinat:
"Ich habe nur das transkript bei Wallasch gelesen. Auf dem Punkt, die Rede. (...) Kann hier niemand. Kann auch kein AfD-Politiker"
Geschmäcker sind verschieden. Was ist wichtiger? Verpackung oder Intention?
Kommt sicher darauf an, wo man selber steht und hin will. Ihr Wallasch hat seinen Kommentarbereich übrigens meinetwegen abgeschaltet: Mit Meinungsfreiheit meint der nämlich seine und unterscheidet sich weder in Ton, noch Methode gegen Andersdenkende von Böhmermann und Co. Beweismittel vorhanden. Das ist es was ich meine, doppelte Standards sind keine und Worte muß man vorleben.
Man kann sich ja an der Martensteinrede erfreuen, deswegen braucht es aber nicht gleich den Bruderkuß. Höcke redet mehrmals im Jahr in gleicher Qualität, wenn nicht besser. Warum wohl hat man Höcke nicht reden lassen, der ja im Grunde Mitangeklagter ist? Selbst den Nichtrechten Krall würde man dort nie einladen. So neu war die Inszenierung übrigens nicht, siehe Wiener Prozesse.
 

Majestyk

17. Februar 2026 18:18

@ Lars Seemann:
In der Lage in der sich Deutschland (der offiziell Angeklagte) befindet, gibt es keinen Konsens. Entweder es gewinnen die Deutschlandabschaffer oder die anderen.

kikl

17. Februar 2026 18:27

Herr Martenstein gleich als kontrollierte Opposition einzuordnen, ist mir ehrlich gesagt fremd. Dass ein langjähriger Mitarbeiter bei der mittlerweile dunkelroten Zeit nach seinem Wechsel zur Bildzeitung ein derartiges Pladoyer hält, ist wohl einmalig. Wir sollten das feiern, weil es bezeugt, dass ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel stattfindet.

Karl

17. Februar 2026 18:28

@RMH 17. Februar 2026 16:09
Weshalb ich dies Possenspiel nicht für kafkaesk halte: es liegt alles offen zutage. Die Fronten sind klar. Jeder weiß, woran er ist. Nichts Undurchschaubares, nichts Sinnloses, keine Hilflosigkeit. Im „Prozess“ ist das Gegenteil der Fall. (Zum Thema Krah bin ich anderer Meinung, aber das ist hier irrelevant.)
@Carsten Lucke 17. Februar 2026 16:40
Ja, das war auch mein Eindruck: Es handelt sich um Neid! In die gleiche Kerbe fällt eine Bemerkung in einem der vorhergehenden Kommentare, dass viele der Mitkommentatoren hier es besser machen könnten. @Umlautkombinat hat darauf die richtige Antwort gegeben: „Kann hier niemand.“

Joerg

17. Februar 2026 18:40

Martenstein ist ja erst ans Nachdenken gekommen, nachdem ihn zwei migrantisvhe Jugendliche nachts aus Spaß geohrfeigt haben. Ihm, einem ausgewachsenen Mann, fiel nichts besseres ein als um Hilfe zu rufen.
Konservative Feigenblätter wie Martenstein, Jan Fleischhauer oder Julian Reichelt sind in der aktuellen Lage dennoch notwendig. Unser Land braucht jede Hilfe, die es kriegen kann. Sogar die von Wendehälsen und Waschlappen.

Maiordomus

17. Februar 2026 18:59

Wer die Rede von Martenstein, bloss weil sie im systemimmanenten Zusammenhang toleriert war, deswegen in ihrer Bedeutung schlecht macht,  ist mit gewissen rein feindbildorientierten Autoren  aus dem Exil des 3. Reiches vergleichbar, welche nicht realisieren konnten, wie wichtig damals in Deutschland tolerierte Kritik innnerhalb des Systems geworden ist,  bei den stärksten Autoren, welche nicht "innere Emigration", sondern innere Präsenz markierten. Zum Beispiel Will Erich Peuckert, der über Widerstandsrecht und Tyrannenmord im Mittelalter und in der Reformationszeit publizierte, zu schweigen von Jüngers "Marmorklippen", die er selber nicht mal als Widerstandsliteratur bezeichnete, lediglich Beschreibung von quasi überzeitlichen Konstellationen, wie sie auf die Gegenwart zutrafen, wobei der Autor dort mit der Figur des Oberförsters noch längst einen idealisierten Tyrannen zeichnete, so wie der reale Tyrann durchaus idealisiert wurde, insofern wurde er erst recht erkennbar gemacht. Für Martenstein gilt: Er hätte es unter diesen Bedingungen wohl kaum besser machen können, hoffentlich reut es ihn nicht noch, wie systemübergreifend gut er es eigentlich gemacht hat.   

Majestyk

17. Februar 2026 19:05

Warum geht diese Rede nicht viral? Warum finden sich zur einen Rede Links bei BILD etc., zur anderen Rede aber nicht?
 
 

Waldgaenger aus Schwaben

17. Februar 2026 19:40

Was von dieser Aufführung bleiben wird, ist Martensteins Rede. Ein AfD-Verbot ist  nur noch schwer vorstellbar. Diese Rede hat dazu einen nicht geringen Beitrag geleistet. Sie war eben nicht nur "preaching to the converted" sondern hat auch in CDU/CSU und FDP nahen Lager eine positive Resonanz erfahren. Und ja, Martenstein war mutig. Er hat nicht nur formal-(pseudo)-juristisch argumentiert, mit einem "Freispruch aufgrund eines Mangels an Beweisen" sondern den Versuch eines AfD-Verbots richtiherweiese als Versuch zur Abschaffung der Demokratie benannt.
Frage: Müsste am Tag des AfD-Verbots nicht auch die Verbreitung Martensteins Rede verboten werden? 
Die linke Presse schweigt über die Rede oder muss zu reinen ad-hominem-Angriffen übergehen, wie Heiko Werning in der taz ("Zottels Traum")