Sogenannte Frauenpower. Wohin eigentlich?

Jedes Frühjahr häufen sich die feministischen Gedenktage. Der Rundfunk hat stets die entsprechenden Features und Klagelieder in petto. Wunderschön.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Ging los am 14. Febru­ar: „One bil­li­on rising “- Gedenk­tag gegen “Gewalt an Mäd­chen und Frau­en”. Ins Leben geru­fen hat die­ses wohl­fei­le Ding Eve Ens­ler, eine gebür­ti­ge New Yor­ke­rin. Erst (1998) hieß er V‑Day, V wie Vagi­na. Ens­ler war durch ihr Thea­ter­stück „Vagi­na-Mono­lo­ge“ berühmt gewor­den. Das Inners­te öff­nen, was sprä­che dage­gen? Ein­fach mal raus damit.

Heu­te wol­len die „Bil­li­on“ erweck­ten Frau­en „mit inne­rem Feu­er, flam­men­der Begeis­te­rung und Empa­thie tan­zend den Ursa­chen von patri­ar­cha­ler Gewalt ent­ge­gen­wir­ken“. Was logisch völ­lig begeis­ternd klingt. Es gibt ein (naja) bedrü­cken­des Video dazu.

Am 27.2. haben wir erneut den „Equal Pay Day“ (= Frau­en ver­die­nen weni­ger Koh­le; stets lang­at­mi­ge Dis­kus­sio­nen, war­um das wohl so ist, und ob berei­nigt und gemäß eige­ner Ent­schei­dung oder nicht; es ist qual­voll. Hier ein Video zu einer Sechs­fach­mut­ter, der es ein­fach, und zwar selbst­be­wußt, egal ist).

Dann wäre da am 29.2. der „nicht zufäl­lig nur alle vier Jah­re statt­fin­den­den“ Equal Care Day (bit­te­rer Unter­ton, weil Frau­en ein­fach mehr caren, natür­lich durch patri­ar­cha­len Zwang).

Am 8. März fei­ern wir fre­ne­tisch den Inter­na­tio­na­len Frau­en­tag. Als Trans-Ossi flasht mich die­ser Tag immer wie­der. Mei­ne Kin­der­gar­ten­kin­der bescher­ten mir dazu immer wie­der zahl­rei­che Geschen­ke (Bil­der, ande­re Kunst­wer­ke) mit Schrift der „Tan­te“: „Der lie­ben Mut­ti“. Oh bit­te…. Ich woll­te nie Nelken.

Letz­te­rer Tag ist seit län­ge­rer Zeit (Ber­lin) und seit kür­ze­rer (Meck­len­burg-Vor­pom­mern) auch in Deutsch­land ein gesetz­li­cher Fei­er­tag. Das ist klar ein wie­der­ge­bo­re­nes Relikt aus kom­mu­nis­ti­schen Zei­ten. Wo ist der 8. März welt­weit Fei­er­tag? Ja bit­te: in Chi­na (aber nur für Frau­en!), in Ruß­land, der Ukrai­ne (= hier­in ver­steht man sich also), in Bur­ki­na Faso, Eri­trea, Ango­la, Aser­bai­dschan, Nordkorea.

Alle heben aber Frau­en auf ein Podest, und sie tun das­sel­be nicht mit Män­nern. Es gibt in all die­sen Län­dern kei­ne Män­ner­ge­denk­ta­ge. Män­ner fal­len im Krieg, sie leis­ten Schwer- und Schmutz­ar­beit, an denen Frau­en (fast) gene­rell unbe­tei­ligt sind.

Als Frau bin ich gleich­sam auto­ma­tisch eher auf Sei­ten der Frau­en, aber die­ses Ungleich­ge­wicht muß doch auffallen?

Chris­ti Him­mel­fahrt = Vater­tag= Män­ner­tag zählt übri­gens nicht. Das ist eine unlau­te­re Umdeu­tung. Die­ser Fei­er­tag ist ers­tens nicht so gemeint (als Tag der Män­ner), zwei­tens gibt es min­des­tens 2088 Tex­te, in denen beklagt wird, daß „Him­mel­fahrt“ zum Jah­res­be­säuf­nis für Män­ner umde­kla­riert wurde.

Frau­en ist zum Frau­en­tag hin­ge­gen eini­ges erlaubt, nach dem Mot­to „ohl­a­la!“:

Man möge sich vor­stel­len, daß es einen „Män­ner­tag“ gäbe mit hei­ßen Girls und Strip­show. Wür­de die bie­de­re Tages­zei­tung ähn­lich berich­ten? Wohl kaum.

Mir sind all die­se früh­jähr­li­chen Frau­en­ge­denk­ta­ge völ­lig suspekt. Sie die­nen zu nichts ande­rem als Unfrie­den zu stif­ten zwi­schen den Geschlechtern.

Und es geht ja noch wei­ter. Wir haben (April) den Girls‘Day, wo Mäd­chen an „Män­ner­be­ru­fe“ her­an­ge­führt wer­den sol­len. Und Ende April den Les­bi­an Visi­bi­li­ty Day, der auf Stig­ma­ti­sie­rung und Mar­gi­na­li­sie­rung les­bi­scher Frau­en hin­wei­sen soll.

All dies wird sich im Staats­funk nie­der­schla­gen mit ein­dring­li­chen Repor­ta­gen, Fea­tures, Berich­ten. 18,36 €. Es muß enden.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (4)

RMH

26. Februar 2026 16:04

Zu dem Thema sollen sich doch bitte einmal die weiblichen Debattenteilnehmerinnen äußern, ob sie der gesamte staatlich, halbstaatlich, ngo oder Amtskirchen inszenierte "Equal", Empowerment- Firlefanz-Zinnober ganz konkret & praktisch einmal entlastet oder irgendwas bringt oder gebracht hat. In diesem Jahr haben die Berliner & Meck-Pommern nicht extra frei, da der Tag auf einen Sonntag fällt. Also dieser, im übrigen geschlechtsneutrale, benfit fällt schon mal weg. Bringen wird sicherlich vermutlich sowas konkretes wie Mutterschutz, Stillzeit & Elternzeit, aber was bringt der politische Erinnerungs- und Gedenk-Bohej?
PS: Interessant ist in diesem Zusammenhang immer wieder die Sprache . So wurde offenbar der Begriff care work zur Hälfte eingedeutscht und man spricht von Care Arbeit. Als ich den Begriff zum ersten Mal in einem Gespräch hörte, dachte ich mir zunächst, was will denn das Gegenüber? Müssen Frauen heute wirklich noch ständig Haus, Hof und Straße kehren? Bis ich gemerkt habe, dass es hier um denglisch geht und die Kehrwoche in Schwaben die Kehrwoche bleibt, aber dennoch keine Care Arbeit ist (Kopfklatsch).

Maiordomus

26. Februar 2026 16:36

So präzis Sie diese sog. Gedenktage beschreiben, vergessen Sie trotz Ihrer kritischen Einstellung die kalenderphänomenologische Bedeutung derselben Tage, besonders wenn sie sich häufen: Es handelt sich bei diesen Termin-Kaperungen, vgl. den lächerlichen "Vatertag", analog der spätantiken Ersetzung von Götterfesten zu Kult-Tagen des Sol invictus oder des Mithras, um nicht mehr und nicht weniger als eine neue Religion, so wie das mit den christlichen Heiligen- und Bibelfesten einst praktiziert und durchgesetzt wurde. Religionen besetzen den Kalender und interpretieren das Wetter, weswegen die wissenschaftliche Debatte über Veränderung unseres ethischen Verhaltens "dem Klima zuliebe" religionsphilologisch untersucht, auf jeden Fall mit untersucht werden muss. Von der sog. "Klima-Jugend" hält es wohl kaum jemand für nötig, in  Archiven des Alpenraumes über den Zusammenhang der Hexenprozesse mit meteorologischen Phänomenen Originalakten zu studieren oder ergebnisoffen Weinjahrgänge und Naturereignisse der letzten sagen wir mal 1 500 Jahre durchzugehen. Von den Meteorologen wissen es viele besser als der Mainstream. Sie wissen aber auch, dass der "Klimawandel" als Schlagwort ihren Beruf aufwertet. Darum halten sie sich vielfach an die "Konsens-Objektivität", was wie bei weiland Corona nicht mit Wissenschaft zu verwechseln ist.  

Le Chasseur

26. Februar 2026 17:03

"Es gibt in all diesen Ländern keine Männergedenktage. Männer fallen im Krieg, sie leisten Schwer- und Schmutzarbeit, an denen Frauen (fast) generell unbeteiligt sind."
Am 23. Februar wird in Russland den Verteidigern des Vaterlandes gedacht:
https://de.euronews.com/video/2022/02/23/moskau-wladimir-putin-grab-des-unbekannten-soldaten
 

Franz Bettinger

26. Februar 2026 17:14

Wenn ein Schiff wie die Mayflower (1620) bepackt mit 102 Pionieren vor Nordamerika kentert, und es heißt für die Rettungsboote „Kinder und Frauen zuerst!“, so ist das sinnvoll. Denn wenn 1 Frau & 70 Männer überlebten, hieße dies für die zukünftige Kolonie max. 14 Kinder nach 20 Jahren. Wenn 1 Mann und 70 Frauen überlebten, resultierten daraus nach 20 Jahrn aber rund 1000 Kinder. Voilà. Solche Regeln sind mMn aber nur in Pionierstagen sinnvoll oder in Zeiten, wo ein Volk am Ausstehen ist, (Krieg...). Unter rein moralischen Ges. Punkten sehe ich keine Gründe, Fraun & Kinder Männern vorzuziehen. Und leben tun sie auch noch 3 Jahre länger.