Dorow kommt aus dem beschaulichen Landkreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein. Ein junger Typ wie er könnte auch einfach nur studieren, doomscrollen und samstags im „Cheyenne Club“ in Rendsburg abhängen.
Aber er engagiert sich offenbar für dieses Land, wird politisch aktiv und scheut sich nicht, Verantwortung zu übernehmen. Er wird Beisitzer im Vorstand der schleswig-holsteinischen AfD und Beisitzer im Vorstand ihrer neuen nationalen Jugendorganisation „Generation Deutschland“ (GD).
Während andere schon Schwitzehändchen bekommen, wenn sie an der Uni etwas vortragen müssen, kämpfte sich Kevin am 29. November 2025 in Sakko und Krawatte durch den Terror-Mob der Antifa zur Gründungsversammlung der GD, stellte sich vor die Mitglieder sowie die versammelte Meute von Journalisten und sprach über das, was ihn bewegt. Chapeau.
In seiner Rede erklärte der junge Mann sein Verständnis der Organisation. Er setzte sich dafür ein, daß dieser Teil der Partei einen jugendlichen Handlungsspielraum abseits des konventionellen Politikgeschäfts haben sollte. Eigentlich logisch – sonst bräuchte man ja keine Jugendorganisation. Dorow nutzt dabei eine kurze Formulierung über die Jugend, die ihm nun nachträglich zur Last gelegt wird.
Den Satz, um den es geht, hätten irgendwann auch mal Nationalsozialisten gesagt, behaupten manche. Andere widersprechen: Das Zitat sei viel älter und sogar Leitspruch einer Vereinigung gewesen, unter deren Mitgliedern Sophie Scholl und Graf von Stauffenberg waren.
Ein Streit um des Kaisers Bart – inszeniert und aufgestachelt von den Protagonisten „UnsererDemokratie“ und den angeschlossenen Medien. Kevin Dorow hat alles hinterher nochmal freundlich eingeordnet. Die AfD könnte sich gemütlich mit einer Tüte Popcorn zurücklehnen und abwarten. Stattdessen tut sie was? Sie will offenbar ein Parteiausschlußverfahren gegen einen 27-Jährigen auf den Weg bringen. Warum?
Die AfD steht bei ungefähr 25 Prozent. Wenn sich etwas vorwärts bewegt, dann meist im Osten. National wirkt der Auftritt der Marke selten strategisch koordiniert. Man profitiert vor allem von externen Ereignissen und stolpert gelegentlich über die eigenen Füße. Man hofft auf Mandate und Machtbeteiligung, wird aber nur in einer Ecke der Demokratie-Manege kulant geduldet.
Die Partei habe den marginalen Wert einer DKP, erklärt uns Deutschlands meistgelesener Kolumnist Harald Martenstein in der BILD. Das schmerzt. Was muß also getan werden, um die Reputationslücke zur CDU zu schließen? Alles abstoßen, ausschließen, neutralisieren, was kleben, kleckern, reiben könnte? Müssen wir zurückstecken, damit das Parteienkartell uns über die Brandmauer hilft?
Sogar manch erfahrenen Mitstreiter im Vorfeld verläßt der Mut. Man brauche eine „Neuvermessung“ der Kosten-Nutzen-Abwägung und eine „Projekthygiene“ zwischen Leuten innerhalb und außerhalb der Partei, kann man derzeit lesen. Was akademisch klingt, entspricht nicht immer der Lebenserfahrung. Zu viel Desinfektion schwächt die Resilienz. Das Ergebnis kann eine Autoimmunreaktion sein, bei der körpereigene Zellen sogar als fremd eingestuft und angegriffen werden. Wir erleben das gerade live im Bundesvorstand der AfD.
Eine große Notwehr-Bewegung zur Rettung Deutschlands darf wild und manchmal auch unberechenbar sein. Das Erfolgskriterium ist nicht ausschließlich Harmonie, sondern Dynamik, Immuntraining, manchmal sogar Zumutung – gerade wenn junge Leute an Bord sein sollen. Aus Sicht von Verhaltensökonomen sind die alten Modelle ohnehin überbewertet, die hervorheben, wie rational ein „homo oeconomicus“ handelt. Entscheidungen, auch Wahlentscheidungen, sind vielmehr getrieben durch Unbewusstes: limbische Motivatoren, Normen, Kontext.
Nobelpreisträger Richard Thaler zeigt in seinen Studien und Büchern (u. a. Misbehaving, 2019), wie der Mensch dasselbe Ereignis gleichzeitig in getrennte mentale Konten sortiert. Wir sind keine „Econs“ mit Excel-Tabelle im Hirn, sondern ambivalente „Humans“, schreibt Thaler.
Für CDU-Wähler wäre eine Entscheidung zugunsten einer wahren, klaren, unbestechlichen AfD in die beiden Kopf-Konten „emotionaler Gewinn“ und „Umsetzungsgefahr“ separiert. Mit dieser psychologischen Trennung kann radikale Wahrheit zum Wesen der AfD werden.
Experimente der Entscheidungstheorie zeigen, daß Wähler Authentizität sehr hoch gewichten – sogar dann, wenn sie mit gelegentlichen Fehlern oder materiellen Einbußen verbunden ist. Menschen fordern eben nicht nur Nutzen; sie reagieren auf Integrität als Wert. Viele Wähler wollen maximalen Druck, rechnen insgeheim aber mit nachträglicher Zähmung im laufenden Regierungsprozeß.
Man könnte diese Strategie „ironische Radikalität“ nennen. Wobei die Ironie – also die eingeschränkte Ernsthaftigkeit – im Wesen des Bürgers liegt. Es gibt einen Weg zu Wahlerfolgen ohne Anpassung.
Wahrheit, Klarheit und ein Mangel an Versöhnung gegenüber dem dekadenten System können Markenkern einer erfolgreichen AfD sein. Stattdessen bemüht sich die Partei – wie bei Sanktionen gegen Kevin Dorow – zu oft darum, eine Kulisse belangloser Normalität zu erhalten, gemäß dem Slogan „Deutschland. Aber normal“.
Das reicht nicht mehr. Wer das kaputte System grundsätzlich hinterfragt, muss radikal neue Perspektiven anbieten: andere Arten, sich zu organisieren, zu sprechen, zu entscheiden, zu heilen, zu erziehen, Geld zu verdienen und auszugeben, Freunde und Feinde unserer Gesellschaft zu kategorisieren. Dazu kann Remigration in großem Maßstab gehören. Der vollständige staatliche Verzicht auf die Lohnsteuer könnte dazugehören, die Halbierung der absurden Staatsquote, oder der Austritt aus supranationalen Organisationen des Global-Governance-Regimes. Das wäre weit weg von „normal“, oder?
Will man diese neue Qualität radikaler Wahrheit in einer gelenkten Demokratie umsetzen, grenzt das an massenhaften zivilen Ungehorsam. Je mehr Personen sich aus freier Entscheidung zur Klartext-AfD bekennen und unbequeme Standpunkte aussprechen, publizieren oder zumindest in Betracht ziehen, desto enger werden die Möglichkeiten des Systems, den Ungehorsam gewaltfrei zu unterdrücken.
Eine AfD, die solche Dynamik durch oberste Gremien bremst und sich in den Streit um Petitessen drängen läßt, hat versagt. Vorschlag:
- Eine neue Klartext-AfD hätte qualitativ hochwertige Propaganda- und PR-Auftritte – gerade bei vermeintlichen Krisen, auf die sie sich (mittlerweile im Wochenrhythmus) einläßt.
- Sie würde dauerhaft ein Team eigener „Fact-Checker“ beschäftigen – eine spezialisierte Truppe, die Quellen recherchiert, Belege gut sortiert, populär aufbereitet und mit regelmäßigen Updates auf einem frei zugänglichen digitalen Hub abseits der Social-Media-Hektik präsentiert.
- Die Klartextpartei AfD würde es schwieriger machen, Tatsachen von Seiten des Systems zu manipulieren und Personen aus den eigenen Reihen zu beschädigen.
Statt sich einen Streit um den Redebeitrag eines engagierten 27-jährigen Nachwuchspolitikers aufdrängen zu lassen, kann die AfD nur mit Mut und Autonomie gewinnen. Der französische Philosoph Michel Foucault dozierte in den berühmten letzten Vorlesungen der 1980er Jahre („Le courage de la vérité“) über den Begriff der parrhesia, altgriechisch für das Aussprechen belegbarer Wahrheiten trotz erkennbarer Risiken. Parrhesia wird für Foucault zum Ausgangspunkt, anders regiert werden zu wollen, die Machtverhältnisse zu verschieben. Glaubwürdigkeit wird gewonnen, indem man wahrspricht, obwohl es etwas „kostet“.
Wenn eine Partei immer wieder eigene Leute opfert, führt sie keinen Kampf gegen das System, sondern gegen das eigene Immunsystem. Sanktionen gegen Menschen wie Kevin Dorow sind Symptom einer Krankmeldung.

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Der Begriff Parrhesia ist nicht einfach allgemein "Alt Griechisch". Es ist einer der fundamentalen Glaubenssätze der Kyniker, dessen Gründer Antisthenes instrumental dafür war, dass die Ankläger des Sokrates nach ihrer Trangession das bekommen haben, was sie verdienten: Exekution und Exil.
Im Zusammenhang mit dem Text, ja die AfD ist auch nur ein aus angenommen zukünftigen Steuereinnahmen und öffentlichen Ponzi Anleihen finanzierter Verein, wie der gesamte (Partei)politische Affenzirkus, samt Beamtenschaft und subventionierten "Privaten", die ihre Pfoten im Honigtopf der Zukunft haben und hatten. Diese Trangession gehört aufs selbe bestraft. Die Fehler nach '45 und '90 dürfen nicht wiederholt werden. Ein paradigmatischer Wandel zweiten Grades ist sinnlos und dient nur der fortführung der Machtverhältnisse des mittleren Managements und der kleinen Mitläufer, das ist zu unterbinden mit allen Mitteln, allen voran in einer epistemischen Umgebung in welcher Gramscis "Top-Down one-to-many" Propaganda Methodologie schon lange tot ist.