Bauhaus, Appeasement, Fehdehandschuh

von Claus M. Wolfschlag -- Im konservativen / rechten Bereich existieren Tendenzen, in der Frage der Architektur eine "Appeasement"-Politik gegenüber dem Modernismus anzustreben. Dieses "Appeasement" geschieht ohne Not. Über die Motive kann nur gerätselt werden.

Ist es Kon­flikt­scheu? Ist es der Wunsch nach Anschluß­fä­hig­keit, der Wunsch, “auch mal modern” zu erschei­nen? Ist es der Abset­zungs­ver­such von der ohne­hin nur mar­gi­na­len kon­ser­va­ti­ven Architekturkritik?

In einem 2024 ver­öf­fent­lich­ten “Jungeuropa”-Podcast zeig­te ein Jörg Dit­tus viel Wohl­wol­len gegen­über den sogar klar als inter­na­tio­na­lis­tisch benann­ten Absich­ten der Bau­haus-Schü­ler. Der Bruch mit der euro­päi­schen Tra­di­ti­on scheint dem­nach kein Pro­blem zu sein ange­sichts der (behaup­te­ten) Zweck­mä­ßig­keit und sozia­len Kon­zep­ti­on der Bau­haus-Vil­len mit ihren bis­wei­len toten Grund­riß-Win­keln und Dienstmädchenzimmern.

Aus moder­nen Bau­ma­te­ria­li­en wird ein Deter­mi­nis­mus der ästhe­ti­schen Form her­ge­lei­tet. Gar­niert mit Pole­mik gegen Reli­gi­on und Feu­da­lis­mus kön­nen so rasch Begrün­dun­gen for­mu­liert wer­den, nach denen der Weg zum Bau­haus, zur Plat­te und der heu­ti­gen Schuh­schach­tel­ar­chi­tek­tur eigent­lich zwang­läu­fig, logisch und zu akzep­tie­ren ist.

“Nun sind sie halt da”, könn­te man mit den Wor­ten der eins­ti­gen Kanz­le­rin die wei­ßen Wür­fel unse­rer Neu­bau­ge­bie­te recht­fer­ti­gen. Bei You­tube brach ein Leser­kom­men­tar die­se Argu­men­ta­ti­ons­li­nie auf das Niveau lin­ker Moder­nis­ten herunter:

Echt, der Rech­te sitzt lie­ber im Dun­keln hin­ter But­zen­schei­ben als dass er durch gro­ße Fens­ter in die schö­ne Natur schaut und die Son­ne ins Wohn­zim­mer einlädt?

Der “Disneyland”-Rechte also hin­ter den bereits seit dem 18. Jahr­hun­dert nicht mehr gebräuch­li­chen “dunk­len” But­zen­schei­ben wird gegen “gro­ße Fens­ter”, “Natur” und “Son­ne” als angeb­li­che Merk­ma­le der moder­nis­ti­schen Archi­tek­tur geframed.

In der “Jun­gen Frei­heit” kri­ti­sier­te Thors­ten Hinz nun, daß sich die AfD in Sach­sen-Anhalt einen Kul­tur­kampf auf die Fah­nen geschrie­ben habe, der auch die Archi­tek­tur umfas­se. Er bemüh­te dabei die Selbst­recht­fer­ti­gung der Moder­nis­ten, daß der Bau­haus-Gedan­ke doch von “huma­nen” Bestre­bun­gen gelei­tet gewe­sen sei und heu­te zum “rei­chen kul­tu­rel­len Erbe” des Lan­des gehöre.

Der­lei “Appease­ment” ange­sichts einer fak­tisch 100-pro­zen­ti­gen Domi­nanz der moder­nis­ti­schen Bau­haus-Apo­lo­ge­ten in Feuil­le­ton, Lehr­an­stal­ten und Insti­tu­tio­nen erscheint bizarr, da es für Anhän­ger alter­na­ti­ver tra­di­tio­nel­ler Wege der Stadt­ge­stal­tung eigent­lich nichts mehr zu ver­lie­ren, son­dern nur etwas zu gewin­nen gibt. Eini­ge möch­ten aber in die­sem Seg­ment den Kul­tur­kampf offen­bar nicht füh­ren – dabei wird er von der Gegen­sei­te auch in die­sem Bereich seit lan­gem betrieben.

Man den­ke nur an die Wider­stän­de und wider­wär­ti­gen Anwür­fe, die fast jedem klei­nen Rekon­struk­ti­ons-Pro­jekt der letz­ten Jahr­zehn­te ent­ge­gen­hall­ten. Als Haupt-Kul­tur­kämp­fer haben sich in den letz­ten Jah­ren zwei Pro­fes­so­ren aus Stutt­gart und Kas­sel beson­ders her­vor­ge­tan, Ste­fan Trüby und Phil­ipp Oswalt, einst Lei­ter der Stif­tung Bau­haus Dessau.

Ihnen ste­hen die Tore der “Leit­me­di­en” sperr­an­gel­weit offen, so daß sie von Deutsch­land­funk bis FAZ ihre von “deut­scher Schuld” und “Anti­fa­schis­mus” gesät­tig­ten Anschul­di­gun­gen stän­dig neu ver­brei­ten kön­nen. In der zwei­ten Rei­he ste­hen dann die, die die Auf­ga­be gewählt haben, Oswalts und Trübys The­sen wie alte Sem­meln regel­mä­ßig neu auf­zu­ba­cken, um das kul­tur­kämp­fe­ri­sche Ofen­feu­er am Lodern zu halten.

Einer ist Mat­thi­as War­kus, Lehr­be­auf­trag­ter in Jena, Wei­mar und Hal­le an der Saa­le, der – exem­pla­risch her­aus­ge­grif­fen – unlängst in der links­li­be­ra­len “Zeit” zur Ehren­ret­tung moder­nis­ti­scher Archi­tek­tur und zum pflicht­schul­di­gen AfD-Bas­hing zur Feder griff. Dabei wird natür­lich der ästhe­ti­sche Geg­ner regel­mä­ßig ein­fach zum “Rechts­extre­men” erklärt.

Wie die­ser Kul­tur­kampf der zwei­ten Rei­he aus­sieht, soll anhand von ein paar The­sen und Kom­men­ta­ren kurz dar­ge­legt wer­den. Zitat Warkus:

Bei­de Gebäu­de haben gemein­sam, dass sie in den Nuller­jah­ren errich­tet wur­den und dass die AfD sie hasst. In ihrem »Regie­rungs­pro­gramm« für Sach­sen-Anhalt, beschlos­sen vom Par­tei­tag in Mag­de­burg am 11. April (iro­ni­scher­wei­se in der frisch sanier­ten Hypar­scha­le, einer Iko­ne der DDR-Moder­ne), ste­hen unter der Über­schrift »Schö­ner bau­en!« fol­gen­de Sät­ze: “Öffent­li­che Gebäu­de, die nach 1990 in Sach­sen-Anhalt errich­tet wur­den, sind oft von einer außer­or­dent­li­chen Häss­lich­keit. Für sehr viel Geld wer­den nichts­sa­gen­de Klöt­ze oder ande­re kalt wir­ken­de, tra­di­ti­ons­lo­se geo­me­tri­sche For­men in die Welt gesetzt.”

Hier fin­den wir klas­si­sche Mani­pu­la­ti­on durch Wort­wahl. Denn daß die AfD moder­nis­ti­sche Archi­tek­tur nicht kri­ti­siert, son­dern “has­se”, bedient das offi­zi­el­le Nar­ra­tiv von “Haß und Het­ze”, die immer von rechts, aber nie von links oder moder­nis­ti­scher Sei­te käme. Und selbst­ver­ständ­lich ist in der “Zeit” nicht zu lesen, daß das lin­ke Estab­lish­ment das Ber­li­ner Schloß, Rekon­struk­tio­nen oder tra­di­tio­nel­le Archi­tek­tur “has­sen” wür­de. Wei­ter Warkus:

Ansons­ten aber scheint das Pro­gramm klar über­trag­bar: Die öffent­li­che Hand soll nichts mehr bau­en, was nicht zumin­dest vage his­to­ris­tisch ist. Zudem hält die AfD fest: »Öffent­li­che Gebäu­de müs­sen von der Mehr­heit der Bevöl­ke­rung als schön emp­fun­den wer­den und müs­sen his­to­ri­sche Iden­ti­tät widerspiegeln.«

In die­sen bei­den For­de­run­gen steckt eine Unter­stel­lung, die man auch bei kon­ser­va­ti­ven bis radi­kal rech­ten Archi­tek­tur­theo­re­ti­kern wie etwa Léon Krier liest: Die brei­te Mas­se wol­le his­to­ris­ti­sche Gebäu­de, weil sie »moder­nis­ti­sche« Gebäu­de schlicht nicht schön fin­de. In Online­dis­kus­sio­nen begeg­net einem die­se The­se immer wie­der. Es gibt mitt­ler­wei­le orga­ni­sier­te Inter­es­sen­ver­ei­ni­gun­gen wie Stadt­bild Deutsch­land oder Archi­tek­tur-Rebel­li­on, die »tra­di­tio­nel­les und regio­nal­ty­pi­sches Bau­en« mit dem Argu­ment der Schön­heit einfordern.

Doch stimmt die Annah­me über­haupt? Ver­ei­ni­gun­gen wie Archi­tek­tur-Rebel­li­on gene­rie­ren mit ver­hält­nis­mä­ßig weni­gen Mit­glie­dern einen enor­men Social-Media-Lärm. Dass im kul­tu­rel­len Umfeld rech­ter Poli­tik Nischen­mei­nun­gen zur Posi­ti­on einer angeb­li­chen stil­len Mehr­heit erklärt wer­den, wäre nichts Neues.

Der Vor­wurf, die AfD wol­le fest­le­gen, wie die öffent­li­che Hand zu bau­en habe, blen­det natür­lich den Ist-Zustand aus. Denn es wird im Gegen­zug nicht erwähnt, wie vie­le staat­li­che oder kom­mu­na­le Gebäu­de denn in Deutsch­land in den letz­ten Jahr­zehn­ten gebaut wur­den, die “vage his­to­ris­tisch” waren und wie vie­le im Gegen­satz dazu, die moder­nis­tisch bzw. in einer Bau­haus-Tra­di­ti­on standen?

Oder fal­len Ihnen Rat­häu­ser, Uni­ver­si­täts- und Schul­ge­bäu­de der letz­ten Jahr­zehn­te auch nur im ange­nä­her­ten Stil des Klas­si­zis­mus, der Hei­mat­schutz­ar­chi­tek­tur oder Jugend­stils ein? Sieht man mal von weni­gen Rekon­struk­tio­nen ab, die in der Regel auf der Initia­ti­ve aus der Bür­ger­schaft beruh­ten, dürf­te bei einer Gra­phik das gan­ze Ungleich­ge­wicht erkenn­bar sein.

Doch die­ses Ungleich­ge­wicht stört den Autor offen­bar gar nicht. Die AfD-For­de­rung indes stellt ange­sichts die­ser ästhe­ti­schen Ein­sei­tig­keit in Wirk­lich­keit nur einen Ansatz zu einem klei­nen Kor­rek­tiv dar.

Um die The­se zu bele­gen, es stim­me womög­lich nicht, daß eine Mehr­heit tra­di­tio­nel­le Archi­tek­tur bevor­zu­ge, führt War­kus Online-Rang­lis­ten auf. Es geht um die am meis­ten foto­gra­fier­ten Häu­sern in einer angeb­lich “reprä­sen­ta­ti­ven” Foto-Stich­pro­be des ame­ri­ka­ni­sche Archi­tek­ten­ver­ban­des AIA, außer­dem um eine durch das Soft­ware­un­ter­neh­men Ado­be anhand ver­schie­de­ner Mas­sen­be­wer­tungs­da­ten aus dem Inter­net (Tri­p­Ad­vi­sor-Bewer­tun­gen, Insta­gram-Hash­tags, Tik­Tok-Suchen und Ähn­li­chem) auf­ge­stell­ten Lis­te der “20 foto­gens­ten Wahr­zei­chen Deutsch­lands”. Dar­un­ter befän­den sich auch eini­ge moder­nis­ti­sche Gebäu­de wie das Kanz­ler­amt in Berlin.

Die­se ober­fläch­li­che Foto­sich­tung eini­ger skulp­tu­ra­ler Iko­nen unter Igno­rie­rung aller städ­te­bau­li­chen Zusam­men­hän­ge ver­lei­tet War­kus letzt­lich zu der Annah­me, moder­nis­ti­sche Archi­tek­tur sei bei Bür­gern eben­so beliebt (wenn nicht sogar belieb­ter?) als tra­di­tio­nel­le Archi­tek­tur. Noch ein­mal Warkus:

Ich habe 2024 bei der Recher­che für einen Vor­trag eini­ge Hun­dert abwer­ten­de Leser­kom­men­ta­re zu Archi­tek­tur­be­richt­erstat­tung in deut­schen Zei­tun­gen gesich­tet und hat­te den Ein­druck, dass es durch­aus eine gemein­sa­me Stoß­rich­tung der meis­ten nega­ti­ven Ein­schät­zun­gen gab: Pro­ble­ma­tisch wur­den vor allem »Beton­klöt­ze« und das »Zubau­en« von Flä­che gese­hen; ein Bau­en, das mit repe­ti­ti­ven recht­wink­li­gen For­men den Raum maxi­mal aus­nutzt. »Tra­di­ti­on« oder gar »Iden­ti­tät« als Kri­te­ri­um fan­den sich aller­dings kaum bis gar nicht, eben­so wenig das Ein­for­dern von Rekonstruktionen.

Von ver­schie­de­nen gro­ßen Rekon­struk­ti­ons­pro­jek­ten ist bekannt, dass Spen­den­er­lö­se und Befra­gungs­er­geb­nis­se nicht dar­auf hin­deu­ten, dass die brei­te Bevöl­ke­rung sie enthu­si­as­tisch unter­stützt. Die ein­zi­ge Aus­nah­me ist der Wie­der­auf­bau der Dres­de­ner Frau­en­kir­che, der auch als ein­zi­ges sol­ches Pro­jekt aus einer brei­ten bür­ger­schaft­li­chen Initia­ti­ve her­vor­ge­gan­gen ist. Das Ber­li­ner Stadt­schloss bezie­hungs­wei­se Hum­boldt-Forum, die Neue Alt­stadt in Frank­furt am Main und die Pots­da­mer Gar­ni­son­kir­che als pro­fi­lier­tes­te Rekon­struk­ti­ons­vor­ha­ben ver­dan­ken ihre Ent­ste­hung maß­geb­lich Initia­ti­ven der poli­ti­schen Rech­ten. Archi­tek­tur­theo­re­ti­ker wie Phil­ipp Oswalt und Ste­phan Trüby haben in den letz­ten Jah­ren über­zeu­gend her­aus­ge­ar­bei­tet, wie dies geschieht: von der Eta­blie­rung frag­wür­di­ger Dis­kur­se um »Iden­ti­tät« und »Tra­di­ti­on« bis hin zu Groß­spen­den wie etwa jener des rech­ten Mil­lio­närs Ehr­hardt Böde­cker im Fall des Ber­li­ner Stadt­schlos­ses. Dies deu­tet mit dar­auf hin, dass der Archi­tek­tur­ge­schmack der »Mas­se« kei­nes­wegs not­wen­dig tra­di­tio­na­lis­tisch ist.

Hier sieht man dann, wel­che Stoß­rich­tung War­kus´ Kom­men­tar hat. Es ist das Wie­der­käu­en der The­sen Oswalts und Trübys, die – im Gegen­satz zu den “rech­ten” Rekon­struk­ti­ons­in­itia­ti­ven natür­lich nicht poli­tisch posi­tio­niert dar­ge­stellt wer­den. Sie hät­ten ihre The­sen “über­zeu­gend herausgearbeitet”.

War­kus kommt am Ende sei­ner Aus­füh­run­gen zum eigent­li­chen Anlie­gen, denn er bedient schließ­lich den im lin­ken Über­bau der­zeit viru­len­ten “Gegen-rechts”- Dis­kurs, indem er mit der gro­ben Keu­le gegen Trump, die “Völ­ki­schen”, die AfD und Roger Scrut­on ausholt.

In den “Zeit”-Leserkommentaren sieht man, daß das im ange­spro­che­nen Milieu Anklang fin­det, das sich in die Wagen­burg zur Ver­tei­di­gung des Beton-Bru­ta­lis­mus zurück­ge­zo­gen hat, um sich mit Atta­cken gegen die angeb­li­chen “Ent­ar­te­te Kunst”-Kampagnen der “Rech­ten” und die “Knall­tü­te­rei” der AfD gegen­sei­tig zu streicheln.

Die­ses Milieu hat Angst. Denn wer die hun­dert­pro­zen­ti­ge Macht hat, kann nur noch Macht ver­lie­ren. So wird bereits gegen 1 Pro­zent Ver­än­de­rung aus allen Roh­ren geschos­sen. Die Neue Rech­te kann sich also fra­gen, ob sie sich die­sem Milieu wirk­lich durch mög­lichst viel Ver­ständ­nis für das Bau­haus und “Appease­ment” andie­nen möch­te. Dann ist sie zufrie­den mit dem opti­schen Zustand unse­rer Städte.

So lan­ge die Haut­far­be der Pas­san­ten nur nicht wei­ter dun­kelt, kann dem­nach alles so wei­ter­lau­fen, wie es ist. Oder sie kann den schon lan­ge vor sie gewor­fe­nen Feh­de­hand­schuh auf­he­ben und nach neu­en ästhe­ti­schen Wegen suchen.

– –

Claus M. Wolf­schlag hat für die Rei­he Kapla­ken den Essay Lin­ke Räu­me. Bau und Poli­tik ver­faßt. Er ist in der 2. Auf­la­ge hier erhält­lich.

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Kommentare (8)

MarkusMagnus

12. Mai 2026 19:50

Ich finde das Bauhau in Dessau sieht aus wie eine JVA.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bauhausgeb%C3%A4ude_Dessau
So gesehen passt der Name schon ;)
Niemand muss so leben.

t.gygax

12. Mai 2026 20:03

Ein sehr guter Artikel! Ich habe 12 Jahre in einer Bauhaus-Blockarchitektur - Prinzip Wohnmaschine von Le Corbusier- gewohnt, da lassen sich schöne Studien bezüglich Wohnung und Sozialverhalten erstellen. Aber Spaß hat das nicht gemacht, " little boxes on the hillside" hieß es mal bei Malvina Reynolds.Heute ist das Viertel faktisch ein Ghetto, es verslumt,   leider.Bin nun nachhaltig froh über Garten, Haus und den Möglichkeiten, die Gartenarbeit bietet....es erdet einen geradezu elementar. 

Blue Angel

12. Mai 2026 21:04

Sehr guter Artikel, danke! Als Diener der Schönheit bin ich natürlich für den Fehdehandschuh und gegen die Beherrschung des öffentlichen Raums durch die austauschbare, universale Häßlichkeit. 
Was man zumindest dagegen tun kann ist ihre wirkmächtige Sichtbarkeit durch Überwachsung von Kletterpflanzen zu minimieren, bzw. (im Wachstumsverlauf) aufzuheben. Das kostet weniger als Abriß und Neubau und da es auch große ökologische Effekte hat wird es den Indoktrinierten recht schwer fallen, dagegen zu sein.

Laurenz

12. Mai 2026 21:49

@CMW ... auch mich wirkt der Artikel einen Hauch zu emotional. Warum soll man mit bildungsfernen Holzköpfen, wie Warkus, Oswalt, Trüby & Co. überhaupt Debatten führen? Da ist es einfacher dem eigenen Hund Steno beizubringen. Möchte überhaupt keine Pro- oder Kontra-Bauhaus-Stellungnahme abliefern. Als Dokument der Zeitgeschichte hätte ich den Palast der Republik stehen lassen. Das Bauhaus ist ein Stil, keine Kunst. Überhaupt ist die Debatte über Architektur aus der hier links geschilderten Sicht eine für Bekloppte. Denn am liebsten würde die Linke den versklavten Steuerzahler wieder in Plattenbauten einsperren, um selbst in die vom Bürgertum erwirtschafteten Domizile zu ziehen. Architektur ist vor allem eine Frage des Energie-Luxus/-Wirtschaftens & der verfügbaren Ressourcen. Wie manches Schloß, ist das Bauhaus, als energetisch günstiger Würfel, ein Baustil des kalten Nordens mit eine großen Fensterfront nach Süden. In Andalusien oder Kalifornien könnte man kaum die Stromkosten der Klimaanlage dafür bezahlen. Dort hat sich die Römische Villa durchgesetzt, außen ohne Fenster mit der Öffnung zum Atrium nach innen. Warum bauten die Römer/Ägypter & Co. aus Stein? Weil sie schon alles für Flottenbau & Thermen-Beheizung abgeholzt hatten. Bei uns wäre das Vieh in einem Steinbau im Winter erforen, deswegen das Langhaus aus Holz, Lehm & das Dach aus Reet. 

Laurenz

12. Mai 2026 21:52

@CMW (2) ... Wer Energie sparen will oder besser, muß, baut, wie im Mittelalter, kleinste Fenster oder keine Fenster. Die Wand, egal aus was gebaut, isoliert besser als jedes 4fach verglaste Fenster, egal in welcher Klima-/Wetterzone. Glasfronten, wie in Versailles oder im Weilburger Schloß sind verschwenderischer Luxus. Ab dem 15. Jahrhundert (Tudor-Ära) war Holz als Energieträger in England kaum noch bezahlbar, man heizte mit See-Kohle. Ich kann immer wieder nur empfehlen, durch die Altstadt von Limburg zu meinem Lieblings-Kirchenbauwerk zu spazieren. https://youtu.be/CsAMVZ4cdWo Die Diskrepanz zwischen Fachwerk-Häuschen & dem romanisch-gotischen Dom ist enorm & kommt wegen anderer Kamera-Perspektive, als das Auge, im Video nicht ganz so zur Geltung. Genauso beeindruckend ist der Sparziergang durch Weilburg, allerdings fehlt hier der Überblick durch die vielen Baustile (& auch Baukunst) Weilburgs. https://youtu.be/tlt2JRvzOvA Die linken kulturmarxistischen IQ80-Prols können damit eh nichts anfangen.

heinrichbrueck

12. Mai 2026 21:56

Wer eine längere Lebenszeit will, sollte dem Bauhaus aus dem Weg gehen. 
Gut:
https://www.youtube.com/watch?v=gohrf2uzhw0&t=10s 
Schlecht:
Gruselarchitektur: https://www.spiegel.de/reise/staedte/anting-german-town-chinas-deutsche-geisterstadt-a-783475.html 
Bauhaus ist funktionale Folter. 
Hundertwasser:
„In den sogenannten Elendsvierteln kann nur der Körper des Menschen zugrunde gehen, doch in der angeblich für den Menschen geplanten Architektur geht seine Seele zugrunde.“
„Der Architekt agiert wie ein Kriegsverbrecher. Er führt Befehle aus gegen sein Gewissen und baut Häuser, in denen die Seele des Menschen zugrunde geht.“

MarkusMagnus

12. Mai 2026 23:58

@ heinrichbrueck
Waren sie schonmal am Bahnhof von Uelzen?
Der Bahnhof dort wurde von Hundertwasser gestaltet.
 

ede

13. Mai 2026 01:37

Mit der Architektur ist es halt auch wie mit der Musik, nur noch Gewürge, Ödnis und aufdringlicher Anpassungsdrang.
Da darf man aber nicht die verschärfende Wirkung der städtebaulichen Planung übersehen. Je größer eine Baufläche, je schlimmer wirkt sich Einförmigkeit aus. Kleinteilige Minderschönheit ist viel verträglicher. 
Nichts gegen Hundertwasser, aber wenn ein Viertel nur aus hundert gleichen Hundertwassern besteht?
Und so ist es auch nicht ganz gerechtfertigt, dem Bauhaus nun auch den Sichtbetonstil der Bundeswaschmaschine, Marzahn und den Potsdamer Platz anzukreiden. 
Es gibt zu viel reinweißen Gleichschritt, es fehlt Farbe und Ornament, mithin Waldgängertum. Und natürlich Bäume, große Bäume mit viel Laub. Abgesehen davon, sind die Gehwege zu schmal.