Bauhaus, Appeasement, Fehdehandschuh

von Claus M. Wolfschlag -- Im konservativen / rechten Bereich existieren Tendenzen, in der Frage der Architektur eine "Appeasement"-Politik gegenüber dem Modernismus anzustreben. Dieses "Appeasement" geschieht ohne Not. Über die Motive kann nur gerätselt werden.

Ist es Kon­flikt­scheu? Ist es der Wunsch nach Anschluß­fä­hig­keit, der Wunsch, “auch mal modern” zu erschei­nen? Ist es der Abset­zungs­ver­such von der ohne­hin nur mar­gi­na­len kon­ser­va­ti­ven Architekturkritik?

In einem 2024 ver­öf­fent­lich­ten “Jungeuropa”-Podcast zeig­te ein Jörg Dit­tus viel Wohl­wol­len gegen­über den sogar klar als inter­na­tio­na­lis­tisch benann­ten Absich­ten der Bau­haus-Schü­ler. Der Bruch mit der euro­päi­schen Tra­di­ti­on scheint dem­nach kein Pro­blem zu sein ange­sichts der (behaup­te­ten) Zweck­mä­ßig­keit und sozia­len Kon­zep­ti­on der Bau­haus-Vil­len mit ihren bis­wei­len toten Grund­riß-Win­keln und Dienstmädchenzimmern.

Aus moder­nen Bau­ma­te­ria­li­en wird ein Deter­mi­nis­mus der ästhe­ti­schen Form her­ge­lei­tet. Gar­niert mit Pole­mik gegen Reli­gi­on und Feu­da­lis­mus kön­nen so rasch Begrün­dun­gen for­mu­liert wer­den, nach denen der Weg zum Bau­haus, zur Plat­te und der heu­ti­gen Schuh­schach­tel­ar­chi­tek­tur eigent­lich zwang­läu­fig, logisch und zu akzep­tie­ren ist.

“Nun sind sie halt da”, könn­te man mit den Wor­ten der eins­ti­gen Kanz­le­rin die wei­ßen Wür­fel unse­rer Neu­bau­ge­bie­te recht­fer­ti­gen. Bei You­tube brach ein Leser­kom­men­tar die­se Argu­men­ta­ti­ons­li­nie auf das Niveau lin­ker Moder­nis­ten herunter:

Echt, der Rech­te sitzt lie­ber im Dun­keln hin­ter But­zen­schei­ben als dass er durch gro­ße Fens­ter in die schö­ne Natur schaut und die Son­ne ins Wohn­zim­mer einlädt?

Der “Disneyland”-Rechte also hin­ter den bereits seit dem 18. Jahr­hun­dert nicht mehr gebräuch­li­chen “dunk­len” But­zen­schei­ben wird gegen “gro­ße Fens­ter”, “Natur” und “Son­ne” als angeb­li­che Merk­ma­le der moder­nis­ti­schen Archi­tek­tur geframed.

In der “Jun­gen Frei­heit” kri­ti­sier­te Thors­ten Hinz nun, daß sich die AfD in Sach­sen-Anhalt einen Kul­tur­kampf auf die Fah­nen geschrie­ben habe, der auch die Archi­tek­tur umfas­se. Er bemüh­te dabei die Selbst­recht­fer­ti­gung der Moder­nis­ten, daß der Bau­haus-Gedan­ke doch von “huma­nen” Bestre­bun­gen gelei­tet gewe­sen sei und heu­te zum “rei­chen kul­tu­rel­len Erbe” des Lan­des gehöre.

Der­lei “Appease­ment” ange­sichts einer fak­tisch 100-pro­zen­ti­gen Domi­nanz der moder­nis­ti­schen Bau­haus-Apo­lo­ge­ten in Feuil­le­ton, Lehr­an­stal­ten und Insti­tu­tio­nen erscheint bizarr, da es für Anhän­ger alter­na­ti­ver tra­di­tio­nel­ler Wege der Stadt­ge­stal­tung eigent­lich nichts mehr zu ver­lie­ren, son­dern nur etwas zu gewin­nen gibt. Eini­ge möch­ten aber in die­sem Seg­ment den Kul­tur­kampf offen­bar nicht füh­ren – dabei wird er von der Gegen­sei­te auch in die­sem Bereich seit lan­gem betrieben.

Man den­ke nur an die Wider­stän­de und wider­wär­ti­gen Anwür­fe, die fast jedem klei­nen Rekon­struk­ti­ons-Pro­jekt der letz­ten Jahr­zehn­te ent­ge­gen­hall­ten. Als Haupt-Kul­tur­kämp­fer haben sich in den letz­ten Jah­ren zwei Pro­fes­so­ren aus Stutt­gart und Kas­sel beson­ders her­vor­ge­tan, Ste­fan Trüby und Phil­ipp Oswalt, einst Lei­ter der Stif­tung Bau­haus Dessau.

Ihnen ste­hen die Tore der “Leit­me­di­en” sperr­an­gel­weit offen, so daß sie von Deutsch­land­funk bis FAZ ihre von “deut­scher Schuld” und “Anti­fa­schis­mus” gesät­tig­ten Anschul­di­gun­gen stän­dig neu ver­brei­ten kön­nen. In der zwei­ten Rei­he ste­hen dann die, die die Auf­ga­be gewählt haben, Oswalts und Trübys The­sen wie alte Sem­meln regel­mä­ßig neu auf­zu­ba­cken, um das kul­tur­kämp­fe­ri­sche Ofen­feu­er am Lodern zu halten.

Einer ist Mat­thi­as War­kus, Lehr­be­auf­trag­ter in Jena, Wei­mar und Hal­le an der Saa­le, der – exem­pla­risch her­aus­ge­grif­fen – unlängst in der links­li­be­ra­len “Zeit” zur Ehren­ret­tung moder­nis­ti­scher Archi­tek­tur und zum pflicht­schul­di­gen AfD-Bas­hing zur Feder griff. Dabei wird natür­lich der ästhe­ti­sche Geg­ner regel­mä­ßig ein­fach zum “Rechts­extre­men” erklärt.

Wie die­ser Kul­tur­kampf der zwei­ten Rei­he aus­sieht, soll anhand von ein paar The­sen und Kom­men­ta­ren kurz dar­ge­legt wer­den. Zitat Warkus:

Bei­de Gebäu­de haben gemein­sam, dass sie in den Nuller­jah­ren errich­tet wur­den und dass die AfD sie hasst. In ihrem »Regie­rungs­pro­gramm« für Sach­sen-Anhalt, beschlos­sen vom Par­tei­tag in Mag­de­burg am 11. April (iro­ni­scher­wei­se in der frisch sanier­ten Hypar­scha­le, einer Iko­ne der DDR-Moder­ne), ste­hen unter der Über­schrift »Schö­ner bau­en!« fol­gen­de Sät­ze: “Öffent­li­che Gebäu­de, die nach 1990 in Sach­sen-Anhalt errich­tet wur­den, sind oft von einer außer­or­dent­li­chen Häss­lich­keit. Für sehr viel Geld wer­den nichts­sa­gen­de Klöt­ze oder ande­re kalt wir­ken­de, tra­di­ti­ons­lo­se geo­me­tri­sche For­men in die Welt gesetzt.”

Hier fin­den wir klas­si­sche Mani­pu­la­ti­on durch Wort­wahl. Denn daß die AfD moder­nis­ti­sche Archi­tek­tur nicht kri­ti­siert, son­dern “has­se”, bedient das offi­zi­el­le Nar­ra­tiv von “Haß und Het­ze”, die immer von rechts, aber nie von links oder moder­nis­ti­scher Sei­te käme. Und selbst­ver­ständ­lich ist in der “Zeit” nicht zu lesen, daß das lin­ke Estab­lish­ment das Ber­li­ner Schloß, Rekon­struk­tio­nen oder tra­di­tio­nel­le Archi­tek­tur “has­sen” wür­de. Wei­ter Warkus:

Ansons­ten aber scheint das Pro­gramm klar über­trag­bar: Die öffent­li­che Hand soll nichts mehr bau­en, was nicht zumin­dest vage his­to­ris­tisch ist. Zudem hält die AfD fest: »Öffent­li­che Gebäu­de müs­sen von der Mehr­heit der Bevöl­ke­rung als schön emp­fun­den wer­den und müs­sen his­to­ri­sche Iden­ti­tät widerspiegeln.«

In die­sen bei­den For­de­run­gen steckt eine Unter­stel­lung, die man auch bei kon­ser­va­ti­ven bis radi­kal rech­ten Archi­tek­tur­theo­re­ti­kern wie etwa Léon Krier liest: Die brei­te Mas­se wol­le his­to­ris­ti­sche Gebäu­de, weil sie »moder­nis­ti­sche« Gebäu­de schlicht nicht schön fin­de. In Online­dis­kus­sio­nen begeg­net einem die­se The­se immer wie­der. Es gibt mitt­ler­wei­le orga­ni­sier­te Inter­es­sen­ver­ei­ni­gun­gen wie Stadt­bild Deutsch­land oder Archi­tek­tur-Rebel­li­on, die »tra­di­tio­nel­les und regio­nal­ty­pi­sches Bau­en« mit dem Argu­ment der Schön­heit einfordern.

Doch stimmt die Annah­me über­haupt? Ver­ei­ni­gun­gen wie Archi­tek­tur-Rebel­li­on gene­rie­ren mit ver­hält­nis­mä­ßig weni­gen Mit­glie­dern einen enor­men Social-Media-Lärm. Dass im kul­tu­rel­len Umfeld rech­ter Poli­tik Nischen­mei­nun­gen zur Posi­ti­on einer angeb­li­chen stil­len Mehr­heit erklärt wer­den, wäre nichts Neues.

Der Vor­wurf, die AfD wol­le fest­le­gen, wie die öffent­li­che Hand zu bau­en habe, blen­det natür­lich den Ist-Zustand aus. Denn es wird im Gegen­zug nicht erwähnt, wie vie­le staat­li­che oder kom­mu­na­le Gebäu­de denn in Deutsch­land in den letz­ten Jahr­zehn­ten gebaut wur­den, die “vage his­to­ris­tisch” waren und wie vie­le im Gegen­satz dazu, die moder­nis­tisch bzw. in einer Bau­haus-Tra­di­ti­on standen?

Oder fal­len Ihnen Rat­häu­ser, Uni­ver­si­täts- und Schul­ge­bäu­de der letz­ten Jahr­zehn­te auch nur im ange­nä­her­ten Stil des Klas­si­zis­mus, der Hei­mat­schutz­ar­chi­tek­tur oder Jugend­stils ein? Sieht man mal von weni­gen Rekon­struk­tio­nen ab, die in der Regel auf der Initia­ti­ve aus der Bür­ger­schaft beruh­ten, dürf­te bei einer Gra­phik das gan­ze Ungleich­ge­wicht erkenn­bar sein.

Doch die­ses Ungleich­ge­wicht stört den Autor offen­bar gar nicht. Die AfD-For­de­rung indes stellt ange­sichts die­ser ästhe­ti­schen Ein­sei­tig­keit in Wirk­lich­keit nur einen Ansatz zu einem klei­nen Kor­rek­tiv dar.

Um die The­se zu bele­gen, es stim­me womög­lich nicht, daß eine Mehr­heit tra­di­tio­nel­le Archi­tek­tur bevor­zu­ge, führt War­kus Online-Rang­lis­ten auf. Es geht um die am meis­ten foto­gra­fier­ten Häu­sern in einer angeb­lich “reprä­sen­ta­ti­ven” Foto-Stich­pro­be des ame­ri­ka­ni­sche Archi­tek­ten­ver­ban­des AIA, außer­dem um eine durch das Soft­ware­un­ter­neh­men Ado­be anhand ver­schie­de­ner Mas­sen­be­wer­tungs­da­ten aus dem Inter­net (Tri­p­Ad­vi­sor-Bewer­tun­gen, Insta­gram-Hash­tags, Tik­Tok-Suchen und Ähn­li­chem) auf­ge­stell­ten Lis­te der “20 foto­gens­ten Wahr­zei­chen Deutsch­lands”. Dar­un­ter befän­den sich auch eini­ge moder­nis­ti­sche Gebäu­de wie das Kanz­ler­amt in Berlin.

Die­se ober­fläch­li­che Foto­sich­tung eini­ger skulp­tu­ra­ler Iko­nen unter Igno­rie­rung aller städ­te­bau­li­chen Zusam­men­hän­ge ver­lei­tet War­kus letzt­lich zu der Annah­me, moder­nis­ti­sche Archi­tek­tur sei bei Bür­gern eben­so beliebt (wenn nicht sogar belieb­ter?) als tra­di­tio­nel­le Archi­tek­tur. Noch ein­mal Warkus:

Ich habe 2024 bei der Recher­che für einen Vor­trag eini­ge Hun­dert abwer­ten­de Leser­kom­men­ta­re zu Archi­tek­tur­be­richt­erstat­tung in deut­schen Zei­tun­gen gesich­tet und hat­te den Ein­druck, dass es durch­aus eine gemein­sa­me Stoß­rich­tung der meis­ten nega­ti­ven Ein­schät­zun­gen gab: Pro­ble­ma­tisch wur­den vor allem »Beton­klöt­ze« und das »Zubau­en« von Flä­che gese­hen; ein Bau­en, das mit repe­ti­ti­ven recht­wink­li­gen For­men den Raum maxi­mal aus­nutzt. »Tra­di­ti­on« oder gar »Iden­ti­tät« als Kri­te­ri­um fan­den sich aller­dings kaum bis gar nicht, eben­so wenig das Ein­for­dern von Rekonstruktionen.

Von ver­schie­de­nen gro­ßen Rekon­struk­ti­ons­pro­jek­ten ist bekannt, dass Spen­den­er­lö­se und Befra­gungs­er­geb­nis­se nicht dar­auf hin­deu­ten, dass die brei­te Bevöl­ke­rung sie enthu­si­as­tisch unter­stützt. Die ein­zi­ge Aus­nah­me ist der Wie­der­auf­bau der Dres­de­ner Frau­en­kir­che, der auch als ein­zi­ges sol­ches Pro­jekt aus einer brei­ten bür­ger­schaft­li­chen Initia­ti­ve her­vor­ge­gan­gen ist. Das Ber­li­ner Stadt­schloss bezie­hungs­wei­se Hum­boldt-Forum, die Neue Alt­stadt in Frank­furt am Main und die Pots­da­mer Gar­ni­son­kir­che als pro­fi­lier­tes­te Rekon­struk­ti­ons­vor­ha­ben ver­dan­ken ihre Ent­ste­hung maß­geb­lich Initia­ti­ven der poli­ti­schen Rech­ten. Archi­tek­tur­theo­re­ti­ker wie Phil­ipp Oswalt und Ste­phan Trüby haben in den letz­ten Jah­ren über­zeu­gend her­aus­ge­ar­bei­tet, wie dies geschieht: von der Eta­blie­rung frag­wür­di­ger Dis­kur­se um »Iden­ti­tät« und »Tra­di­ti­on« bis hin zu Groß­spen­den wie etwa jener des rech­ten Mil­lio­närs Ehr­hardt Böde­cker im Fall des Ber­li­ner Stadt­schlos­ses. Dies deu­tet mit dar­auf hin, dass der Archi­tek­tur­ge­schmack der »Mas­se« kei­nes­wegs not­wen­dig tra­di­tio­na­lis­tisch ist.

Hier sieht man dann, wel­che Stoß­rich­tung War­kus´ Kom­men­tar hat. Es ist das Wie­der­käu­en der The­sen Oswalts und Trübys, die – im Gegen­satz zu den “rech­ten” Rekon­struk­ti­ons­in­itia­ti­ven natür­lich nicht poli­tisch posi­tio­niert dar­ge­stellt wer­den. Sie hät­ten ihre The­sen “über­zeu­gend herausgearbeitet”.

War­kus kommt am Ende sei­ner Aus­füh­run­gen zum eigent­li­chen Anlie­gen, denn er bedient schließ­lich den im lin­ken Über­bau der­zeit viru­len­ten “Gegen-rechts”- Dis­kurs, indem er mit der gro­ben Keu­le gegen Trump, die “Völ­ki­schen”, die AfD und Roger Scrut­on ausholt.

In den “Zeit”-Leserkommentaren sieht man, daß das im ange­spro­che­nen Milieu Anklang fin­det, das sich in die Wagen­burg zur Ver­tei­di­gung des Beton-Bru­ta­lis­mus zurück­ge­zo­gen hat, um sich mit Atta­cken gegen die angeb­li­chen “Ent­ar­te­te Kunst”-Kampagnen der “Rech­ten” und die “Knall­tü­te­rei” der AfD gegen­sei­tig zu streicheln.

Die­ses Milieu hat Angst. Denn wer die hun­dert­pro­zen­ti­ge Macht hat, kann nur noch Macht ver­lie­ren. So wird bereits gegen 1 Pro­zent Ver­än­de­rung aus allen Roh­ren geschos­sen. Die Neue Rech­te kann sich also fra­gen, ob sie sich die­sem Milieu wirk­lich durch mög­lichst viel Ver­ständ­nis für das Bau­haus und “Appease­ment” andie­nen möch­te. Dann ist sie zufrie­den mit dem opti­schen Zustand unse­rer Städte.

So lan­ge die Haut­far­be der Pas­san­ten nur nicht wei­ter dun­kelt, kann dem­nach alles so wei­ter­lau­fen, wie es ist. Oder sie kann den schon lan­ge vor sie gewor­fe­nen Feh­de­hand­schuh auf­he­ben und nach neu­en ästhe­ti­schen Wegen suchen.

– –

Claus M. Wolf­schlag hat für die Rei­he Kapla­ken den Essay Lin­ke Räu­me. Bau und Poli­tik ver­faßt. Er ist in der 2. Auf­la­ge hier erhält­lich.

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Sezession
DE58 8005 3762 1894 1405 98
NOLADE21HAL

Kommentare (71)

MarkusMagnus

12. Mai 2026 19:50

Ich finde das Bauhau in Dessau sieht aus wie eine JVA.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bauhausgeb%C3%A4ude_Dessau
So gesehen passt der Name schon ;)
Niemand muss so leben.

t.gygax

12. Mai 2026 20:03

Ein sehr guter Artikel! Ich habe 12 Jahre in einer Bauhaus-Blockarchitektur - Prinzip Wohnmaschine von Le Corbusier- gewohnt, da lassen sich schöne Studien bezüglich Wohnung und Sozialverhalten erstellen. Aber Spaß hat das nicht gemacht, " little boxes on the hillside" hieß es mal bei Malvina Reynolds.Heute ist das Viertel faktisch ein Ghetto, es verslumt,   leider.Bin nun nachhaltig froh über Garten, Haus und den Möglichkeiten, die Gartenarbeit bietet....es erdet einen geradezu elementar. 

Blue Angel

12. Mai 2026 21:04

Sehr guter Artikel, danke! Als Diener der Schönheit bin ich natürlich für den Fehdehandschuh und gegen die Beherrschung des öffentlichen Raums durch die austauschbare, universale Häßlichkeit. 
Was man zumindest dagegen tun kann ist ihre wirkmächtige Sichtbarkeit durch Überwachsung von Kletterpflanzen zu minimieren, bzw. (im Wachstumsverlauf) aufzuheben. Das kostet weniger als Abriß und Neubau und da es auch große ökologische Effekte hat wird es den Indoktrinierten recht schwer fallen, dagegen zu sein.

Laurenz

12. Mai 2026 21:49

@CMW ... auch mich wirkt der Artikel einen Hauch zu emotional. Warum soll man mit bildungsfernen Holzköpfen, wie Warkus, Oswalt, Trüby & Co. überhaupt Debatten führen? Da ist es einfacher dem eigenen Hund Steno beizubringen. Möchte überhaupt keine Pro- oder Kontra-Bauhaus-Stellungnahme abliefern. Als Dokument der Zeitgeschichte hätte ich den Palast der Republik stehen lassen. Das Bauhaus ist ein Stil, keine Kunst. Überhaupt ist die Debatte über Architektur aus der hier links geschilderten Sicht eine für Bekloppte. Denn am liebsten würde die Linke den versklavten Steuerzahler wieder in Plattenbauten einsperren, um selbst in die vom Bürgertum erwirtschafteten Domizile zu ziehen. Architektur ist vor allem eine Frage des Energie-Luxus/-Wirtschaftens & der verfügbaren Ressourcen. Wie manches Schloß, ist das Bauhaus, als energetisch günstiger Würfel, ein Baustil des kalten Nordens mit eine großen Fensterfront nach Süden. In Andalusien oder Kalifornien könnte man kaum die Stromkosten der Klimaanlage dafür bezahlen. Dort hat sich die Römische Villa durchgesetzt, außen ohne Fenster mit der Öffnung zum Atrium nach innen. Warum bauten die Römer/Ägypter & Co. aus Stein? Weil sie schon alles für Flottenbau & Thermen-Beheizung abgeholzt hatten. Bei uns wäre das Vieh in einem Steinbau im Winter erforen, deswegen das Langhaus aus Holz, Lehm & das Dach aus Reet. 

Laurenz

12. Mai 2026 21:52

@CMW (2) ... Wer Energie sparen will oder besser, muß, baut, wie im Mittelalter, kleinste Fenster oder keine Fenster. Die Wand, egal aus was gebaut, isoliert besser als jedes 4fach verglaste Fenster, egal in welcher Klima-/Wetterzone. Glasfronten, wie in Versailles oder im Weilburger Schloß sind verschwenderischer Luxus. Ab dem 15. Jahrhundert (Tudor-Ära) war Holz als Energieträger in England kaum noch bezahlbar, man heizte mit See-Kohle. Ich kann immer wieder nur empfehlen, durch die Altstadt von Limburg zu meinem Lieblings-Kirchenbauwerk zu spazieren. https://youtu.be/CsAMVZ4cdWo Die Diskrepanz zwischen Fachwerk-Häuschen & dem romanisch-gotischen Dom ist enorm & kommt wegen anderer Kamera-Perspektive, als das Auge, im Video nicht ganz so zur Geltung. Genauso beeindruckend ist der Sparziergang durch Weilburg, allerdings fehlt hier der Überblick durch die vielen Baustile (& auch Baukunst) Weilburgs. https://youtu.be/tlt2JRvzOvA Die linken kulturmarxistischen IQ80-Prols können damit eh nichts anfangen.

heinrichbrueck

12. Mai 2026 21:56

Wer eine längere Lebenszeit will, sollte dem Bauhaus aus dem Weg gehen. 
Gut:
https://www.youtube.com/watch?v=gohrf2uzhw0&t=10s 
Schlecht:
Gruselarchitektur: https://www.spiegel.de/reise/staedte/anting-german-town-chinas-deutsche-geisterstadt-a-783475.html 
Bauhaus ist funktionale Folter. 
Hundertwasser:
„In den sogenannten Elendsvierteln kann nur der Körper des Menschen zugrunde gehen, doch in der angeblich für den Menschen geplanten Architektur geht seine Seele zugrunde.“
„Der Architekt agiert wie ein Kriegsverbrecher. Er führt Befehle aus gegen sein Gewissen und baut Häuser, in denen die Seele des Menschen zugrunde geht.“

MarkusMagnus

12. Mai 2026 23:58

@ heinrichbrueck
Waren sie schonmal am Bahnhof von Uelzen?
Der Bahnhof dort wurde von Hundertwasser gestaltet.
 

ede

13. Mai 2026 01:37

Mit der Architektur ist es halt auch wie mit der Musik, nur noch Gewürge, Ödnis und aufdringlicher Anpassungsdrang.
Da darf man aber nicht die verschärfende Wirkung der städtebaulichen Planung übersehen. Je größer eine Baufläche, je schlimmer wirkt sich Einförmigkeit aus. Kleinteilige Minderschönheit ist viel verträglicher. 
Nichts gegen Hundertwasser, aber wenn ein Viertel nur aus hundert gleichen Hundertwassern besteht?
Und so ist es auch nicht ganz gerechtfertigt, dem Bauhaus nun auch den Sichtbetonstil der Bundeswaschmaschine, Marzahn und den Potsdamer Platz anzukreiden. 
Es gibt zu viel reinweißen Gleichschritt, es fehlt Farbe und Ornament, mithin Waldgängertum. Und natürlich Bäume, große Bäume mit viel Laub. Abgesehen davon, sind die Gehwege zu schmal. 
 

Linker Mitleser

13. Mai 2026 09:10

Dem Bauhaus den deprimierenden Würfelhusten der Jetztzeit anzulasten, ist ungefähr so intelligent, als ob man Schickel für das Elend der Berliner Mietskasernen verantwortlich macht. Darüber hinaus ist es generell nicht so schlau, Architektur mit einer politischen Haltung identifiziern zu wollen. Dafür ist Architektur aufgrund ihrer Dauerhaftigkeit viel zu geduldig. Schinkels Neues Museum, beispielsweise, wurde bereits mit autoritärer Machtarchitektur und mit demokrtischer Partizipativarchitektur identifiziert. Kann beides gut begründet werden. Auf der anderen Seite, kann jedes Gebäude jederzeit als Folteranlage umgenutzt werden, egal ob es sich beim Bau um einen Kollhoff, Krier oder einen Libeskind oder Eisenman handelt. Architektur-Kritik sollte sich deshalb besser darauf beschränken, einen Bau nach den immanenten Kriterien der Diszplin (Venustas, Utilitas, Firmitas) im historischen Kontext seiner Entstehung zu beurteilen. Wie das geht, kann man gut bei Vittorio Magnago Lampugnani lernen. Und für die Moderne-Hasser sei ein Besuch in Terragni’s Casa del Popolo in Como dringend empfohlen, auch wenn es, wie ich glaube, nicht helfen wird. 

RMH

13. Mai 2026 09:20

Dem Autor ist für sein Engagement für die neue Altstadt in FFM ausdrücklich zu danken!
Teil 1:
In Bezug auf den Artikel möchte ich anmerken, dass Kulturkämpfe immer den Nachteil haben, schwarz-weiß zu denken & zu handeln, so wie jeder Kampf in Freund & Feind unterscheidet. Damit wird man weder dem sog. "Bauhaus" noch dem absolut berechtigten Anliegen nach Rekonstruktion & Schönheit der Baustile gerecht. Differenzierung klärt auf & hilft dem Verständnis. So ist es bspw. eine platte Vereinfachung bzw. Geschichtslüge, erst das sog. "Bauhaus" habe für "modernes" Wohnen & die Möglichkeit, Städte zu Großstädten werden zu lassen, gesorgt. "Modernes" Bauen setzte schon deutlich vor dem Bauhaus ein, wie man bspw. an der Berliner Stadtentwicklung mit ihrer sog. Blockrandbebauung aber auch bei anderen sog. Gründerzeitvierteln feststellen kann. Mithin, das Fachwerk-Zeitalter war in D schon lange vor dem Bauhaus vorbei.  

RMH

13. Mai 2026 09:21

Teil 2
Aus "rechter", deutscher Sicht beginnt der "Kulturkampf" aber ganz woanders. Wenn das Bauhaus den von Sullivan geprägten Grundsatz "form follows function" begierig aufgriff, erfolgte damit ein Stoß gegen die deutsche & insbesondere die Weimarer Klassik. Schiller stellt den Menschen in seinen Briefen "Über die ästhetische Erziehung des Menschen" gerade als Wesen dar, welches über die Funktion hinaus seine Werkzeuge, Dinge, Gerätschaften verziert, verschönert und gestaltet und das der Menschen eben zur "Schönheit" drängt. H. Brücks Hinweis auf Hundertwasser und dem zugrunde gehen der Seele spiegelt das wieder. 

Maiordomus

13. Mai 2026 09:59

@ Hundertwasserbahnhof von Uelzen ist auch deswegen Augenweide, weil er auf phantasievolle Weise ein Bauwerk aus der Gründerzeit einerseits restauriert und andererseits erneuernd ergänzt, mit Elementen, die man heute Buntheit nennt, nicht zu verwechseln mit den grünen Vorstellungen von kulturhistorisch "bunter" Demografie. Es sei aber auch nichg vergessen, dass "gotisch" als Stilbezeichnung ursprünglich ein Schimpfwort war. Was @Laurenz über die wachsende Bedeutung des Steinbaus in der Antike ausführt, ist nicht nur historisch gesunder Menschenverstand, sondern hundertprozenig zutreffend, nicht zu unterschätzen röm. Villenbau incl. Heizsystem, war bedeutender Zivilisationsschritt, wiewohl die Menschen in der Millionenstadt Rom zur Zeit Christ teilweise erbärmliche Wohnverhältnisse hatten, von tollen Errungenschaften profitierte die Herrscherkaste. @Le Corbusier. Die Chartre d'Athène war natürlich marxistisch-marxistische Kulturrevolution, aber das Haus des 18Jährigen für seine Eltern in La Chaux de Fonds ist hochwohnlicher genialer Jugendstil, und die visionär konzipierte Kapelle in Ronchamps ist nicht gleich mit einer modernen Halleluja-Garage zu verwechseln.   

KlausD.

13. Mai 2026 10:10

Das Bauhaus als historische und museale Institution direkt anzugreifen, halte ich für kontraproduktiv. Das Unesco Weltkulturerbe ist weltweit bekannt, Tourismus und Gewerbe profitieren davon. Im übrigen hat der damalige Oberbürgermeister Fritz Hesse nicht umsonst das Bauhaus nach Dessau geholt, galt es doch schnell und billig Wohnraum zu schaffen, was mit der Reihenhaussiedlung in Dessau Törten (jede technisch modern ausgestattete Wohnung mit Stall und Garten zur Selbstversorgung zu einem günstigen Preis) sowie mit den Laubenganghäusern (die alle heute noch bewohnt werden) in der knappen Zeit von 1925 bis 1932 im gewissen Umfang auch gelang.
Im Gegensatz dazu allerdings ist das gegenwärtige modernistische Bauen von oberirdischen Bunkern mit Fenstern als Schießscharten als menschenfeindlich scharf zu verurteilen.

FlorianFornoff

13. Mai 2026 10:39

Guter Beitrag. Sitze selbst in einem Stadtrat und kann nur bestätigen, das Muster greift nicht nur in der Architektur sondern genauso in der politischen Praxis. Selbe Mechanik, anderes Feld.
Auffällig auch dass Trüby, Oswalt und ihre Multiplikatoren wie Warkus gerade so laut schießen obwohl sie faktisch die ganze Diskursdominanz halten. Erklärt sich aber von selbst: Wer hundert Prozent hat kann nur noch verlieren. Schon ein Prozent Verschiebung wäre irreversibel und genau deshalb die Hysterie. Das ist Eingeständnis der Schwäche, nicht der Stärke. Sollte uns ermutigen statt einschüchtern.
Den Fehdehandschuh hat die Gegenseite längst geworfen. Wir müssen ihn nur noch aufnehmen.

RMH

13. Mai 2026 10:54

Es ist richtig, dass die polit. Alternativen sich auch solch elementaren Dingen wie Bauen, Gestaltung & Design annehmen. Eigentlich kann darüber fast mehr "kulturelle Hegemonie" erzeugt werden, als über bedrucktes Papier oder in die Weiten des Weltnetz getragene Inhalte. Bauen ist immer auch Zeichen des Wohlstandes einer Kultur oder zumindest des Aufwands & der Zeit, die sie dafür bereit ist, einzubringen. Bei der aktuellen baulichen Gestaltung fallen mir, als Laien, 3 große Punkte ein, die zu diskutieren sind:
- Die Rationalisierung der Bauplanung durch CAD-Programme & die entsprechende, stetige Perpetualisierung der dort hinterlegten Entwürfe führt zu einer schärferen Vereinheitlichung der Bauten, als jeder Stil, jede Mode es vermag. Wie knackt man die Macht der Musterentwürfe & schafft Freiraum, für mehr künstlerische Gestaltung? Ist natürlich eine Preisfrage ...
- Die "energetischen" Vorgaben erzwingen ebenfalls entsprechende (Einheits-) Umsetzungen. Auch dies führt wiederum zur "Preisfrage"
- Die ungebrochene Migration erzeugt trotz "Demografie" zu einer verschärften Wohnungslage in Städten, welche die häßliche "Verdichtung" der Bebauung & die Wiederkehr des Baus mit vorgef. Elementen (vormals "Plattenbau"), der stand. Entwürfe begünstigt. Insofern ist ein Migrationsstop auch für das Ziel, dass wieder schöner & kreativer gebaut wird, erforderlich.

Karl Otto

13. Mai 2026 10:56

Der Name von Roger Scruton wir im text zwar kurz erwähnt, aber ich möchte auf seine Ästhetik der Architektur hinweisen: https://theimaginativeconservative.org/2023/01/roger-scruton-aesthetics-architecture-christopher-morrissey.html
Scruton setzt sich ausführlich mit Le Courbosier, Bauhaus usw. auseinander, auf höchstem Niveau.

Maiordomus

13. Mai 2026 11:24

Klaus. D. Der Ideologisierung des Bauhauses, die zwar dieser Schule immanent war, ist wie gegen Le Corbusier am ehesten realistisch die Historisierung dieser Richtungen entgegenzusetzen, was die gegenwärtige Tendenz der Musealisierung der Kultur, siehe die kulturkritischen Aufsätze von Lübbe zu diesem Thema, längst bevorzugt. Wer heutige moderne Kunst und Architektur kritisiert, sollte nicht von den damaligen zum Teil hochkreativen Revolutionären ausgehen, wiewohl deren Ideologie tatsächlich brutalen Kulturkampf forderte, welcher sich bei le Corbusier nicht, wie versehentlich von mir geschrieben, "marxistisch-marxistisch" gerierte sondern auf seine Weise "marxistisch-maoistisch", dh. ähnlich destruktiv gemeint wie bei der chin. Kulturrevolution. So verlangte die Chartre d'Athènes den Abbruch der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Innenstädte zugunsten des Neubaus von Glaspalästen und dergleichen. Indem die künstlerische Moderne als tatsächliche Umwertung alller Werte zum Kulturdogma erhoben wurde und an Stelle der teilweise kreativen Revolutionäre Dogmen eines bürokratischer Kulturmarxismus Mainstream wurden, entstand, was oben beklagt wird. Diese Debatte wurde vor 70 und mehr Jahren unter dem kulturkonservativen Schlagwort "Verlust der Mitte" geführt, von Seldmaier, vgl. auch das Buch gegen Le Corbusier "Mord an Apollo" von Alexander v. Senger, damals erschienen beim rechten Thomas-Verlag in Zürich.   

ChristianB

13. Mai 2026 11:27

Guter Artikel, vielen Dank dafür. "Die logische Folge von Wohnen in Bauhaus ist Alkoholismus" , zu hören beim großartigen Dr. E Michael Jones, hier: https://www.bitchute.com/video/DqBEllMjKCkG

Le Chasseur

13. Mai 2026 12:07

@heinrichbrueck
"Gruselarchitektur: https://www.spiegel.de/reise/staedte/anting-german-town-chinas-deutsche-geisterstadt-a-783475.html"
So gruselig finde ich die Architektur gar nicht. Mit Farbe und viel Grün außenrum lässt sich schon vieles ausgleichen.
So etwas empfinde ich als gruselig: https://tv.orf.at/250324kudo102~_v-epg__large__16__9_-5412e775eb65789c908def5fa9fdf24a7b895a8f.jpg

Laurenz

13. Mai 2026 12:44

@FlorianFornoff ... man kann jetzt nicht gerade behaupten, die Großmarkthalle & das Mouson-Gebäude Frankfurts seien schön. https://youtu.be/KXU1l9rhcSc & https://vimeo.com/126587716 Aber dieser industrielle Beton-Backstein-Baustil steht zu Recht unter Denkmalschutz als Dokument einer Ära in der Architektur. Mir gefällt am besten der Baustil aus dem 19. Jahrhundert, sichtbar beim Weilburger Bootstunnel & anderer Lahn-Schleusen aus den 1840ern. https://youtu.be/9W1zcMf8f0M oder dem Lahnbahn-Tunneleingang aus 1862. https://youtu.be/K2OT96ZW8hk Aber diese quasi fugenlose Quader-Bauweise ist natürlich extrem teuer, aber eben auch dauerhaft nachhaltig. Man muß sich das durch die Erschaffung eines Mehrwerts leisten können. Bei Krisen-Bauten, wie den Plattenbauten der DDR oder den trostlosen Mietskasernen Hannovers ist das bauliche Kind längst in den Brunnen gefallen.

Hesperiolus

13. Mai 2026 14:30

Es gibt kein „richtiges Bauen im falschen“ - manichäisch dies vorhersehbar dennoch -  dazu Schultze-Naumburg, den frühen, kaum den spät  ideologisch verengten, mit einer seelenwachen Blickevidenz in den Kulturarbeiten, anzuführen erübrigt sich wie auch (hier längst und überbesprochen) Heidegger oder Dieter Wieland. Tektomachien von Kochen- vs. Weissenhof. „Bauhaus“, „habermas-ähnlich mal- à - propos  republik-ikonisiert“, synchron und diachron tatsächlich heterogen, fasch und antifasch, wie epigonal verstaltet, adressiert falsch, was als CIAM, als Bauwirtschaftsfunktionalismus, Investorenarchitektur, Platte wie suburbane und auch leider subrurale Toskanawürfeleien (AfD-Wähler Cluster?) zu hassen (durchaus) wäre. Corbusiers Ville radieuse-s Hirn gehörte zwangspsychatrisiert! - Tati`s Playtime. Zu hassen in seiner anti-humanen, maßstablich niederdrückenden Entmenschlichung als System-Architektur. Parametrisch post-human erst recht! --Nebenbei Limburg vs. Bellevue Sanierungskosten; wer schreit? - (Eule:) Jeden Abend um acht in der Tagesschau Seh ich meine Fresse, und denk mir. "Wow!

Kositza: Ich verstehe nie, was Sie schreiben. Aber gut.

Le Chasseur

13. Mai 2026 16:00

@Maiordomus
"So verlangte die Chartre d'Athènes den Abbruch der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Innenstädte zugunsten des Neubaus von Glaspalästen und dergleichen."
Gut, aber das hatte man ja in gewisser Weise schon Mitte des 19. Jahrhunderts bei der Umgestaltung von Paris durch Haussmann.

Majestyk

13. Mai 2026 17:26

Bauhaus ist und macht häßlich. Wo schlendert man denn gerne in einer fremden Stadt und setzt sich ins Café? Im Jugendstilviertel oder bei den Legobauten? 
Darüber hinaus ist leben im Beton ungesund und mal so gar nicht nachhaltig. Wäre der Mensch ein Huhn, die Batteriehaltung wäre längst verboten.

Carsten Lucke

13. Mai 2026 17:41

@ Le Chasseur 12:07
Ihr Gruselbild ist ja beeindruckend - trotzdem wohnte ich lieber dort, als in einem Hundertwasser-Haus (oder gar gegenüber) !
Wer in einem Hundertwasser-Haus wohnen möchte, hat die Kontrolle über seine Jogging-Hose verloren.
 

Zauberer von Oz

13. Mai 2026 20:24

Als Student bin ich, ziemlich alkoholisiert, nachts, weinend durch die Kasseler Innenstadt gelaufen. Wenn man 50 Baustile sehen möchte, freut man sich. Erst im Vorderen Westen ließen die Tränen nach...

Volksdeutscher

13. Mai 2026 20:39

1) Es ist vollkommen überflüssig, mit Linken über ästhetische Fragen zu diskutieren, erstens, weil sie darin Banausen sind und zweitens, weil ihrerseits eh kein Bedarf an ehrlichem, ernstzunehmendem Austausch vorhanden ist. Obwohl es um künstlerisch-ästhetische Fragen geht, moralisiert die Linke ständig und hat dem Publikum außer Demagogie und Dogmatik nichts zu bieten. Linke Kritik lebt davon, daß Konservative sie ernstnehmen. Das ist ein grober Fehler. Claus M. Wolfschlag möchte ich deshalb, wenn auch ungebetenerweise, empfehlen, in der Argumentation zwei Arten von Gedankengängen aufzubauen: 1. eine pamphletenhafte Polemik zu den Linken hin, sprich, alles, was ihre "Ästheten" über sich und ihr Tun behaupten, polemisch zu karrikieren und in sein Gegenteil zu verkehren. 2. eine informative Sachlichkeit zum interessierten Publikum hin, in einem wohlwollenden und verständnisvollen Ton.

Volksdeutscher

13. Mai 2026 20:44

2) Mit Linken diskutiert man nicht, sie selbst wollen auch nicht, daß man mit ihnen diskutiere. Sie haben dem Publikum überdies nichts mitzuteilen, sie wollen, wie in der Politik so auch in der Kunst/Ästhetik, lediglich verletzen, ärgern, Anstoß erregen, um so die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Zwar kann das Publikum mit linker Demagogie nichts anfangen, mangelt es ihm gleichzeitig an Wissen und Erkenntnissen aufgrund jahrzehntelanger künstlerisch-ästhetischer Vernachlässigung, um mitzuhalten. Also schweigt es lieber. Es wäre in diesem Sinne die Aufgabe des konservativen Kritikers, darauf sein Augenmerk zu richten und entgegenkommend Abhilfe zu verschaffen. Er sollte nicht zur linken Minderheit von Banausen reden (wollen), sondern die künstlerisch und ästhetisch interessierte Mehrheit namens Publikum bilden und auf seine Seite ziehen.

heinrichbrueck

13. Mai 2026 21:06

@ MarkusMagnus 
Uelzen nicht. Waldspirale in Darmstadt. War ganz lustig. Das Viertel ist nicht so besonders. Aldi nebendran.
Grüne Zitadelle von Hundertwasser: https://www.youtube.com/watch?v=BacDh9_Z344 (die zerbrochenen Fliesen nerven) Das Fensterrecht zeigt den Bewohner. 
Perfektion und Schönheit kosten auch mehr Geld. 
Das gehobene Bürgertum wohnte in Riehmers Hofgärten (Yorck- / Großbeeren- / Hagelberger Straße). Der Wiener Architekt Adolf Loos wollte eine ornamentlose Fassade. "Leute, die sich selbst, ihre Kleider, ihre Wohnungen oder ihre Häuser und Vorgärten schmückten, seien „Verbrecher“, „Degenerierte“ beziehungsweise „Hanswurste“. Loos argumentierte, dass Funktionalität und Abwesenheit von Ornamenten im Sinne menschlicher Kraftersparnis ein Zeichen hoher Kulturentwicklung seien. Es würden noch ganze Volkswirtschaften zugrunde gehen, wenn die Welt nicht bald damit aufhöre, ihre ganze Kraft an Nippes und Tinnef zu verschwenden.
Das sogenannte Looshaus steht in Wien am Michaelerplatz gegenüber der Hofburg und wurde aufgrund seiner fehlenden Fenstergesimse auch „Haus ohne Augenbraue“ genannt." https://www.berliner-mieterverein.de/magazin/online/mm0609/060926.htm 

heinrichbrueck

13. Mai 2026 21:14

@ Le Chasseur 
Teuer: https://www.immobilienscout24.de/expose/166004412?referrer=HYBRID_VIEW_LISTING&searchId=471d406e-758a-37db-a147-b0a8cf2e7b85&searchType=district#/ Aber nicht besonders schön. Lichte Höhe paßt, könnte auch höher sein; Deckengemälde fehlen.
Besser als Gruselplattenbau mit falschen Nachbarn. Es gab Zeiten, da wohnten so manche Deutsche gerne in der Platte (Gemeinschaft und so), aber diese Zeiten sind vorbei. 

anatol broder

13. Mai 2026 21:19

vor etwa zwei jahren fragte bosselmann: «sind wirklich wir weltkulturerbe?»
darunter kommentierte @ klaus kunde: «heutzutage dominiert die von mir so genannte „strichcodearchitektur“, kenntlich an stereotypen einheitsfronten.»
seitdem verwende ich seinen begriff auch.

Marcus AC Severus

13. Mai 2026 22:00

Schönheit liegt im Auge des Betrachters. 
Neues Material wird in Zukunft ganz andere Bauten ermöglichen. Große waagrecht schwebende Gebäudeflügel mit einem nur kleinen Fundament. Wie viel Platz darunter plötzlich nutzbar wäre für Parks und sonstige Dinge.
Außerdem: Kopfsteinpflaster und E-Roller? Altbauten und Fahrstühle? 
Was ist wenn in 20 Jahren autonome Roboter Häuser hochziehen? Wie teuer wird bauen dann noch? Warum soll dann irgendwann nicht jeder auf 100qm+ leben? Wie wird dann gebaut werden, wenn nicht in die Höhe? 
Der künftige Stil wird eher durch den technischen Fortschritt beeinflusst werden. Die linken Trotzbauten des letzten Jahrhunderts verschwinden dann auch irgendwann.
 

Karl

13. Mai 2026 22:09

Zu diesem Thema passt folgendes Zitat des Architekten Norbert Borrmann:
„Alles frühe Bauen des Menschen war aus dem Boden bzw. der Eigenheit der Landschaft erwachsen. Holz, Stein, Schilf oder Lehm bildeten die Materialien seiner Bauten. Noch bis in das 19. Jahrh. hinein war fast alles Bauen auf unserem Globus von diesen Faktoren geprägt. Die Architektur war statisch, zeitlos, erdverwachsen. Jede zerklüftete Burg, jeder alte Bauernhof, jedes stolze Bürgerhaus künden davon. Mit dem Aufkommen von Industrialismus und Moderne trat ein radikaler Bruch ein: Das Bauen wandelte sich von einer Raumkunst zu einer „Zeitkunst“. Die Chronokratie brachte der Architektur das Laufen bei. Architektur ist nicht mehr gekennzeichnet durch Region und Tradition, sondern durch wechselnde Moden, neue Materialien, High-Tech. Überlässt man diese Entwicklung sich selbst, wird sie zur Zerstörung jeglicher Heimat und jeglicher Vielfalt führen.“ 
Aus: N. Borrmann, Warum Rechts? Regin Verlag, Kiel 2011 Anmerkung 38, S. 246 
Ebenso darin: „Unausgesprochene Aufgabe dieser Architektur ist es, den Raum in seiner organisch gewachsenen Vielfalt zu zerstören und Heimat zu vernichten.“ a.a.O. S. 211
Außerdem möchte ich auf sein Buch zu diesem Thema hinweisen:
Norbert Borrmann: Architektur und Ideologie im 20. Jahrhundert. Ares Verlag, Graz, 2009

anatol broder

13. Mai 2026 22:22

@ linker mitleser 9:10
die vorderseite der casa del fascio besteht gedanklich aus (5 + 2) × 4 = 28 quadraten. man muss kein moderne-hasser sein, um die ödnis der quadrate festzustellen.
ja, karohemden sind auch öde.

Boreas

13. Mai 2026 23:29

Es geht bei der Diskussion "Bauhaus - Irrweg der Moderne?" weder um eine Ablehnung in Bausch und Bogen noch um eine götzengleiche, unkritische Anbetung sondern um eine kritische Würdigung. Als alter Dessauer fühle ich mich hier in besonderem Maße berufen, zur Sache zu sprechen. Das Bauhaus war von seiner Anlage her eine Kunstgewerbeschule, mit Schwerpunkt auf Möbel, Gebrauchsgegenständen aber auch Stoffe und Photographie. Nach dem Willen des Direktors Gropius sollte diese in der Architektur als höchster Kunstform gipfeln. Andere Direktoren wie Mayer und v.d.Rohe wollten das auf Siedlungsbauten und Städteplanung ausdehnen und den "neuen Menschen" an diese Reißbrettplanungen anpassen. Das mußte fehlschlagen und Widerstand hervorrufen. Von den 314 Reihenhäusern, die Gropius für die Siedlung Törten in Dessau bauen ließ bestand kein einziges den Praxistest, alle wurden um- und ausgebaut, um den Wohnwert zu steigern. Das Lehrgebäude, die Meisterhäuser und das Arbeitsamt überdauerten als Solitärbauten die Zeitenläufe und sind Touristenmagnete, die es zu verwerten gilt. Als man vor 10 Jahren beschloß, ein Bauhaus-Museum ins Stadtzentrum von Dessau zu setzen, wurde ein Architektur-Wettbewerb ausgeschrieben, der mannigfaltige Vorschläge brachte. Entschieden hat man sich dann für einen gläsernen Quader in Autohausanmutung, der im Volksmund "Schneewittchensarg" genannt wird.

Rheinlaender

13. Mai 2026 23:39

In der Rechten gab es doch immer schon sowohl Traditionalismus als auch bis zum äußersten gesteigerte Modernität, manchmal sogar in faszinierender Verbindung. Zur rechten Architektur gehören im Übrigen auch Bauten wie das "Casa del Fascio". Die Wohnmaschinen des 21. Jahrhunderts werden davon abgesehen nicht mehr in Europa geplant, sondern in Saudi-Arabien.

Olmo

14. Mai 2026 08:42

Ein schönes Beispiel für m.E. gelungene sozialistische ArchitekFehdehandschuhtur ist die Finnensiedlung in Köln Höhenhaus, auch bei Linken beliebt ;) Überhaupt hat man bei dem Thema Architektur einen Anknüpfungspunkt zu Grünwählern— wenn man den denn wollte.
 

anatol broder

14. Mai 2026 12:04

@ boreas 23:29
«das bauhaus war von seiner anlage her eine kunstgewerbeschule, mit schwerpunkt auf möbel, gebrauchsgegenständen aber auch stoffe und photographie. nach dem willen des direktors gropius sollte diese in der architektur als höchster kunstform gipfeln.»
gropius dachte wie ein junge, der gerade hämmern gelernt hat.

Ein gebuertiger Hesse

14. Mai 2026 14:12

Bauhaus: Die Grundgedanken der Gründer waren sehr andere als die Verwertung dieser Gedanken, aber mit gänzlich anderen Zielen, ihrer Nachfolger. Gilt für praktisch alle Avant-Garden des 20. Jhs.

Majestyk

14. Mai 2026 15:50

@ Volksdeutscher:
"Mit Linken diskutiert man nicht, sie selbst wollen auch nicht, daß man mit ihnen diskutiere."
Zumindest nicht unter fairen Bedingungen. Wenn Linke diskutieren ist das immer pseudo. Am Ende kommen nicht greifbare moralische Wertungen und wie Kinder ändern Linke gerne die Spielregeln, sobald sie verlieren. 
Diskutieren kann man über Nebensächlichkeiten wie Fußball. Wo es um die Wurscht geht, da gibt es keinen Kompromiß. Dieses ganze debattieren und Kompromisse suchen hat das Land doch in die Fäkalien geritten. Wo es um Existenzgrundlagen und den eigenen Lebensraum geht, da gibt es keine Kompromisse und daher auch keinen Diskussionsbedarf, sondern um Kontrolle der Deutungshoheit. Man diskutiert ja auch nicht auf dem Schlachtfeld. Entweder man gewinnt oder wird unterworfen. Nur der Sieger bekommt die Ballkönigin.
 

Volksdeutscher

14. Mai 2026 18:08

@Majestyk - "unter fairen Bedingungen"... Wer definiert, wann eine Bedingung fair ist? Genau das hatte ich im Sinne, als ich den Linken die fehlende Bereitschaft zu ernst und ehrlich gemeinten Diskussionen attestierte. Die Linke akzeptiert keine Fairness. Wenn man Fairness mit Anstand oder Anständigkeit übersetzt, dann kann es nur bedeuten, daß die Linke, vielleicht mit Ausnahme der bürgerlichen Linken, keinen Anstand und keine Anständigkeit kennt, es sei denn ihre Gegner zu täuschen. Ihre ästhetische wie politische Geschichte ist von diesem Mißstand durchrungen. Jemanden "links liegen lassen" ist ein weiser Spruch, den man im Umgang mit Linken, wenn auch nicht auf alle Fälle anwenden, aber in allen Fällen erwägen und abwägen sollte. Es ist gesund, den Linken zu mißtrauen sowohl aus Instinkt als auch aus Erfahrung.

Volksdeutscher

14. Mai 2026 20:33

1) @Boreas - "Als alter Dessauer fühle ich mich hier in besonderem Maße berufen, zur Sache zu sprechen."
Ich möchte Ihren Lokalpatriotismus nicht verletzen, aber ob man Dessauer ist oder nicht, spielt bei der kritischen Betrachtung des Bauhauses keine Rolle, da genannter Umstand Wahrheit und Erkenntnis nicht ersetzen kann. Die pseudo-ästhetischen Ergebnisse des Bauhauses sind zudem nicht zu verteidigen. Das innovatorische Ansinnen des Bauhauses speiste aus einem moralischen Impuls, der in Kunst und Ästhetik nichts verloren hat. Wo die Linke die Subjekte Kunst und Ästhetik anfaßt, da bleibt kein Stein auf Stein, sie sind Materialisten im übelsten Sinn des Wortes, für die die Nützlichkeit der Dinge obersten Wert hat: Form folgt der Funktion, d.h. das Aussehen folgt der Nützlichkeit. Was sich dem entzieht oder gar widerspricht, muß mindestens in Frage gestellt, wenn nicht gleich bekämpft werden. Die Linke stellt ästhetische Mittel in den Dienst der Moral, das ist seit eh und je nichts anderes als Propaganda. Autonomie von künstlerisch-ästhetischen Mitteln ist für die Linke inakzeptabel. Die ästhetische Erscheinung von Hervorbringungen des Bauhauses kann man gut mit ihrem eigenen Anspruch (mehr Sein als Schein) karrikieren: Man wünschte ihnen, mehr zu scheinen als was sie sind...

Blue Angel

14. Mai 2026 21:01

@Marcus AC Severus bzgl. "Baumaterialien der Zukunft": In Japan ist eine Baukrise ausgebrochen weil aufgrund des globalistischen Kriegs gegen den Iran schon jetzt viele Materialien fehlen. Die Baumaterialien der Zukunft werden wahrscheinlich wieder die früher üblichen sein und Glück hat, wer in einer Gegend mit Lehmboden und Schilfgürteln wohnt, 
Bzgl "Raum für Parks unter schwebenden Gebäuden": Da erkennt man den Theoretiker^^ - Pflanzen gedeihen nicht ohne Licht und Sonne!
 
@Karl: "Unausgesprochene Aufgabe dieser Architektur ist es, den Raum in seiner organisch gewachsenen Vielfalt zu zerstören und Heimat zu vernichten" -  Danke für dieses sehr zutreffende Zitat.

Volksdeutscher

14. Mai 2026 21:01

2) Die Linke kann die Autonomie von Kunst und Ästhetik nicht akzeptieren. Daran erkennt man Gesinnungskunst seit jeher, die immer eine minderwertige Kunst bleibt, gleich in welcher Gattung sich äußert. Für sie müssen Kunst und Ästhetik immer eine Moral verkünden, d.h. eine Botschaft enthalten, um der revolutionären Sache des Fortschritts dienlich zu sein: "Evolution ist Revolution" - ein alter Spruch der 68-er Linken. Der Motor des "Fortschritts" ist freilich der Komparativ - wahrer, größer, schneller. Dieses Scheinargument ist indes verdächtig relativ. Im Stile des Pilatus werfe man ihnen die rhetorische Frage vor die Füße: "Was ist Fortschritt?" Linker Fortschritt kann sogar sich selbst von links überholen durch den noch fortschrittlicheren Fortschritt... Rechte können da schon von zu Hause aus nicht mithalten. Linker Kunst und Ästhetik haftet irgendwie immer ein übler Beigeschmack des Propagandistischen an, wenn sie nicht gleich von vorneherein pure Propaganda darstellen. Linke sind Utilitaristen und Environmentalisten zugleich, was in Anbetracht ihrer gesellschaftlichen Ansprüche einen Widerspruch evoziert. Dieser besteht darin, daß die Beschaffenheit ihrer bescheidenen ästhetischen Hervorbringungen das Lebensumfeld gerade jener zerstören, für die sie ursprünglich (d.h. im Sinne ihrer Ideologie) gedacht worden waren, nützlich zu sein, nämlich die der Arbeiterschaft: Die beanspruchte Nützlichkeit ihrer Hervorbringungen gehen mit ihrer Wirkung auf die Umgebung nicht synchron.

Plus Ultra

15. Mai 2026 08:08

Dass Architekturdebatten in Deutschland "von 'deutscher Schuld' und 'Antifaschismus' gesättigten Anschuldigungen" geprägt sind, wie Wolfschlag anführt, sagt eigentlich schon alles. Offensichtlich ist man sich bewusst darüber, dass man auf dem Feld der Ästhetik sowieso auf verlorenem Posten steht, und mit einer breiten Zustimmung in der Bevölkerung auch nicht gerechnet werden kann. Interessant, dass es darüber anscheinend auch keine validen Erhebungen gibt, und man auf Online-Ranglisten von am meisten fotografierten Häuser u.ä. zurückgreifen muss. Dabei ist es fast schon selbstevident, daß historische Architektur und organisch gewachsen städtische Strukturen für die überwältigende Mehrheit attraktiver erscheinen. Man muß ja nur danach schauen, wo sich überall auf der Welt die Touristen tummeln... und wo nicht. Wahrscheinlich erfordert es ein gehöriges Maß ideologischer Verblendung und akademischer "Verkopfung", um sich dieses "normale", jedenfalls absolut gängige ästhetische Empfinden abzutrainiern. Der Verweis auf "historische Schuld" ist wiederum entlarvend: offensichtlich soll der öffentliche Raum gar nicht in einer Weise gestaltet werden, die bei der Bevölkerung eine positive Identifikation ermöglicht. Architektur als Spielfeld des Schuldkults gleichsam zur "Bestrafung" der Deutschen bzw. Weißen, wenn wir den Westen als Ganzes in den Blick nehmen? Jedenfalls als weiteres Vehikel zur Auslöschung nationaler und regionaler Identitäten auf dem Weg zum globalen Einheitsmenschen.

RMH

15. Mai 2026 08:50

"In Japan ist eine Baukrise ausgebrochen weil aufgrund des globalistischen Kriegs gegen den Iran schon jetzt viele Materialien fehlen."
Da würde mich einmal eine Quelle interessieren. Bei den fehlenden Baumaterialien kann es sich eigentlich nur um sog. Dämm- und Verbundmaterialien handeln, die oft Öl- und Gas-basiert sind. Alles andere hat keinen Nahostbezug bzw hat Japan hier auch eigene Quellen.
Und damit via "Dämmung" die Brücke zum Bauhaus-Stil geschlagen wird: In der Urfassung dürften die Bauhaus-Entwürfe doch allesamt "energetisch" falsches Bauen für die falsche Klimazone sein, oder was sagen diejenigen hier dazu, die mehr Baukenntnnisse haben als ich?
Insgesamt schade, dass auch bei dem Thema der große, ideologische Krieg herrscht. Ich gestehe, manches, was das Bauhaus gemacht hat, gefällt mir, wobei das sich eher auf Möbel und Gebrauchsgegenstände bezieht, als auf die Gebäude. Die Gebäude sind nur als einzelne, freistehende für wenige Parteien ansehbar. Die Ideen für die Massen, welche das Bauhaus und seine Schüler, hatten, überzeugen mich nicht, siehe bspw. Gropius-Stadt in Berlin (fairerweise sollte man hier erwähnen, dass sich Gropius davon selber distanziert haben soll).

Valjean72

15. Mai 2026 10:37

Vielen Dank für diesen Artikel. Tatsächlich erachte ich das Feld der Architektur, genauer gesagt das Raum- und Stadtbild unserer inneren Städte (aber auch der Wohnbezirke) als ein elementares Feld der politischen (sowie der geistig-spirituellen) Auseinandersetzung mit unseren erklärten Gegnern, sowie mit unseren Wurzeln umd damit mit uns selbst.
 
Es ist nicht verwunderlich, dass jene, die die Projekte der Zeit vorangetrieben haben: Masseneinwanderung, Klimawahn, Gender Studies etc. pp. idR die grössten Gegner klassisch-traditioneller Bauweisen und Stadtbildreparatur der geschundenen Zentren deutscher Grossstädte sind. Sie wissen insgeheim dass dies ein wichtiger Teil zur schrittweisen Heilung unseres traumatisert gehaltenen Volkes ist.
 
Der Geist, der gezielt zur Zerstörung der historisch gewachsenen deutschen Innenstädte führte, stellt sich - wenig überraschend - vehement gegen eine historisch anmutende Stadtbildreparatur. 

Maiordomus

15. Mai 2026 15:58

@Rheinländer. Den italienischen Faschismus, sollte man, eingedenk Mussolinis Lebenslauf, links einordnen, so im kollektivistischen Stil und Lebensstil, da ist aber ehrlich gesagt die Meloni rechter als der eigentliche Faschismus, ähnlich wie rechte Christdemokraten neigt sie unterdessen zum Katholisieren. Dies nimmt man ihr eher ab als Berlusconi, der von Machiavelli den moralfreien Umfang mit Religion übernommen hatte, sich nie von religiösen Vorurteilen vernebeln oder in seinem Wollen und Gelüsten irgendwie hemmen lassen! Mussolini agierte insofern katholisch, als er mit Lateranabkommen 1929, also dem Frieden mit dem Papst, einem historisch gefährlichen Gegner, unbeschadet von einzelnen gegenseitigen Kritikastereien, einen Modus vivendi fand, eine Wohltat für Italien bis heute, sehen wir von den langen Querelen, etwa die Ehe-Scheidung betreffend, mal ab. Dazu gab es in Sizilien das Rezept "Scheidung auf italienisch", ebenso makaber wie unterhaltsam, ein berühmter, ja epochaler Film. Aber etwas Katholizismus gehört zu Italien, siehe "Roma" von Fellini. Der Katholizismus wurde, filmgeschichtlich gesehen, erfunden, damit Fellini und andere sich optisch und anthropologisch entfalten konnten.  Eine Hochkultur!   

Majestyk

15. Mai 2026 16:20

@ RMH:
"Insgesamt schade, dass auch bei dem Thema der große, ideologische Krieg herrscht."
Stimmt. Die Max Bill Uhr ist auch schön schlicht. 
Differenziert diskutieren kann man nur von Angesicht zu Angesicht. Virtuell fehlt alles, was eine echte zwischenmenschliche Kommunikation ausmacht. Außerdem ist gerade nicht die Zeit für Differenzierungen, sondern eher die Zeit wo man Argumente scharf schleift. Man diskutiert ja gerade nicht darüber, ob es diesmal zum Urlaub ans Meer geht oder in die Berge. Der virtuelle Diskussionsraum ist ja auch weniger geselliger Stammtisch als vielmehr politischer Schützengraben.

ofeliaa

15. Mai 2026 16:21

Leute bitte, ich LIEBE moderne Architektur & Bauhaus! Ich hasse Altbauten, vor allem natürlich die Häuser, die in den 60ern bis 80ern gebaut wurden. Leider sind das die meisten Wohnungen, die ich bekommen kann. Mein Traum ist ein modernes Haus, das ich mit Pop-Art und Bauhaus, sowie Ikea & Jysk einrichten kann. Ich fahre deswegen auch so unglaublich gerne in die Niederlande und nach Dänemark und Schweden (moderne Architektur! - Vor allem in den Niederlanden) und hielt es deswegen in der Schweiz kaum aus, denn dort ist jedes Haus von außen grau oder braun! Jeder Brunnen, jeder Marktplatz, alles sieht in der Schweiz gleich aus und alles ist grau in grau. Es ist so schlimm! Bunte Häuser sind wunderschön und Neubauten kann man so gut sauber und steril halten und ich liebe das, ich brauche das. Klare Flächen, Fliesen, gut zu putzen! Glänzt schön!

Kositza: Häuser, die in "den 60er bis 80ern gebaut" wurden, sind per definitionem (und logisch) Neubauten.

tearjerker

15. Mai 2026 18:39

Es geht um Budgets. Bei den Grossaufträgen für grossräumigen Bau und Flächen-Planung stehen öffentliche Auftraggeber im Zentrum. Seit fast 80 Jahren wurden die heutigen Strukturen etabliert und Diskussionen wie zum Schlossbau in Berlin zeigten, dass die Nutzniesser dieser Strukturen ihre Interessen bedroht sehen. Das gemeine Publikum assoziiert sich immer noch lieber mit den Repräsentationsbauten der Gründerzeit, wobei in meinem Umfeld auch deren Kritiker dann eher die Altbau-oder Neubau-Wohnung mit 3 Meter+ Deckenhöhe der klimagerechten Neubauwohnung mit zu kleinen Fenstern vorziehen. Kunst am öffentlichen Bau wird teils als festgelegter prozentualer Anteil am Gesamtbudget des Baus quotiert (Beispiel Duisburg). Da kommen schnell Millionenbeträge zusammen, die von einem ganz eigenen Filz vereinnahmt werden, der neue Entwicklungen persönlich nimmt. Die Zeiten eines Ernst May, der nach dem Krieg in Frankfurt und Hamburg seine in den 30ger Jahren in der UdSSR geprägte Ideologie zur Anwendung brachte sind glücklicherweise vorbei.

Olmo

15. Mai 2026 19:15

@ofeliaa ich teile Ihre Sympathie für die Niederlande, und die Niederländer haben die Moderne irgendwie besser verarbeitet als der Rest der Welt, doch Amsterdam ist eindeutig schöner als Rotterdam, warum wohl?  

Volksdeutscher

15. Mai 2026 19:15

1) @ofeliaa - Niemand will Ihnen Ihre Begeisterung für das Bauhaus ausreden, also nehmen Sie bitte die Ablehnung derer nicht persönlich, die diese monströse linke Phantasielosigkeit beim Namen nennen. Niemand behauptet überdies, Sie seien an seiner Entstehung schuld. Es ist aber so, daß die linke ästhetische Unzulänglichkeit schon zu viel Übel in der Welt angerichtet hat, mit der abgerechnet und die beseitigt werden muß. Nach dem Bauhaus kam noch, wie Sie wohl wissen werden, den New Brutalism. Ja, was will man den Flegeln noch durchgehen lassen? Schon aus dem Grunde, weil die demagogische Linke, die sich in beinahe allen gesellschaftlichen Sphären eingenistet hat wie die Läuse im Filz, zur Einsicht vollkommen unfäig ist und Dialog und Kritik nicht zuläßt. Dies ist der einzige Grund, warum manche Rechte sich wie Kammermeister gebärden. Und das ist gut so!

Volksdeutscher

15. Mai 2026 19:20

2) Es waren übrigens nicht rechte oder konservative Autoren, die diesen Streit vom Zaun brachen. Nichts desto trotz muß nicht nur die politisch-moralische, sondern auch die ästhetische Sphäre zurückerobert und besetzt werden, denn der neue, kommende Staat bedarf einer neuen (rechten) Ästhetik und eines neuen Stils in Politik und Rhetorik. Dieser Staat mit seinen Einrichtungen bedarf einer ästhetischen Repräsentation in der Weise, wie der Geist sich durch die Materie repräsentiert. Die Repräsentation ist notwendig, um dem neuen Staat ein Gesicht zu geben und den Menschen von der Macht seiner Macht zu künden. Am überzeugendsten und machtvollsten kann diesen Zweck die Architektur erfüllen, weil sie den gemeinschaftlichen Raum unübersehbar dominiert. Die repräsentative Architektur ist nämlich das Phänomen, das die zwei Eigenschaften des Staates als Institution und als Territorium in einem verkörpert. Die Moderne im Großen und Ganzen ist in ihrer Formvielfalt und Formsprache zu ärmlich, um diesen Zweck glaubhaft und glaubwürdig zu erfüllen.

Valjean72

15. Mai 2026 20:39

@ofeliaa: "Ich hasse Altbauten, vor allem natürlich die Häuser, die in den 60ern bis 80ern gebaut wurden."
---
Wenn wir im historischen Bezug von historischen Bauten sprechen, dann meinen wir gemeinhin Bauten, die vor dem 1. WK erichtet worden sind.
 
Andere gehen sogar noch weiter zurück, vor die Zeit des Historismus (vor 1860).
 
Ich lebe in der Westschweiz, arbeite in Bern und kann ihr Pauschalurteil über die Schweiz nicht bestätigen. Klar, in der Region Bern wurden viele historische Gebäude mit grünlich-grauem Berner Sandstein errichtet, dennoch ist die Altstadt (UNESCO-Weltkulturerbe) pittoresk.
 
Aber gut, wenn Ihr ausschlaggebendes Kriterium die Sterilhaltung der verwendeten Materialen ist, dann sind Sie bei der Moderne gewiss gut aufgehoben.
 
 

Wuwwerboezer

16. Mai 2026 09:20

Ernst May war ein kleiner Fisch, der grosse Übeltäter war Hilberseimer. Sein, räusper, hmmm..., "Stil" hat sich vor allem im ganzen Ostblock gegen Stalins Zuckerbäckerstil = Art-Deco-Abwandlung durchgesetzt.
ofeliaas Humor gefällt mir!

RMH

16. Mai 2026 11:25

Evtl. sollte man die Auseinandersetzung mit dem linken Modernisten auch einmal auf einem Feld führen, welches dem aktuellen Mainstream des Klima-Wandels (völlig unabhängig davon, ob man diese These nun teilt oder nicht) & dem ganz grundsätzlich notwendigen Punkt des Energiesparens Rechnung trägt. Die rationale Quaderbauweise mit Flachdach benötigt erheblichen Aufwand zur Dämmung, Abdichtung etc. & wenn man es sauber machen will, ist dann nicht mehr viel mit den großen, lichtdurchfluteten Fensterfronten, Übereckfenstern etc. - Oder es wird extrem teuer durch entsprechend teure Verglasung. Das Bauen soll aber doch wieder "billiger" werden, damit die Mieten nicht weiter explodieren. Außerdem frage ich mich, wie die großen Schuhkartons bspw. mit Wärmepumpen zu versorgen sein sollen. Die Einzelhäuser bekommen dann ja jetzt eine Art Hahnenkamm aufs Dach durch die PV Anlagen, die in unseren Breiten aufgestellt am meisten Wirkungsgrad haben. Man merkt, da gibt es viele Punkte, die ein gänzlich anderes Bauen erfordern würden, als der CAD-hinterlegte Rechtwinkel-Entwurf ("Strichcode-Architektur") es hergibt. Gibt es hier im Kommentariat jemanden, der echte Praxis-Efahrungen in Bezug auf das Bauen hat?

FraAimerich

16. Mai 2026 11:31

@Maiordomus  -  Bemerkenswert Ihr Hinweis auf den ehemaligen Neutempler Alexander v. Senger, der in "Mord an Apoll" radikal gegen die Massenkultur gefeuert und gegen die Verwandlung des Menschen in ein Wesen gestemmt hat, das willfährig nurmehr der Erzeugung und dem Verbrauch von Konsumprodukten und Industriegütern dient.
Sengers Wahlspruch soll die bekannte Mahnung aus dem "Cherubinischen Wandersmann" gewesen sein:
Kreuch doch heraus, mein Mensch, du steckst in einem Tier!Wo du darinnen bleibst, kommst du bei Gott nicht für.

Monika

16. Mai 2026 16:51

Ich habe mein ganzes Leben nur in alten Häusern gelebt. Mein Elternhaus wurde 1898 gebaut, dann konnte ich durch einen glücklichen Zufall mal 5 Jahre in einer Jugendstilvilla wohnen. In modernen Häusern fühle ich mich seltsam verloren. In der Schweiz gibt es traumhafte Jugendstilvillen. War kürzlich in dem neueröffneten Museum Mattwill in Baden. Zauberhaft. https://ihre-region-online.ch/2026/04/29/mit-neuem-glanz-zu-alter-groesse/
Alles mit Beton macht mich depressiv.

Volksdeutscher

16. Mai 2026 21:03

@RMH - "Gibt es hier im Kommentariat jemanden, der echte Praxis-Efahrungen in Bezug auf das Bauen hat?"
Es geht hier nicht um Erörterung von Wissen, wie man ein Haus baut, sondern um Kritik an linker "Ästhetik" in der Architektur. Dazu braucht niemand zu wissen, wie ein Haus gebaut wird, bzw. gebaut werden muß, damit es stehen bleibt. Nur Ihr ästhetischer Geschmack und Ihre Kritikfähigkeit sind gefragt und nicht das Fachwissen von Autoritäten, denen man sich schlauerweise anschließt. Apropo, Praxiserfahrung ist im Deutschen ein Wort.

Umlautkombinat

16. Mai 2026 21:12

Dann kommen Sie mal in meine Gegend, @Monika. Der Frau Dagen koennen Sie dabei auch gleich einen Besuch abstatten.
 
 
Zum Bauhaus noch: Es gibt natuerlich auch andere Ansaetze zu nichtunikatem Wohnungsbau.

Monika

17. Mai 2026 06:36

@Umlautkombinat
In der Gegend war ich schon. Und den Besuch habe ich auch abgestattet.
 Sehr, sehr schön dort. 

Olmo

17. Mai 2026 08:11

Form follows function.
 
Ein Mäander, ein Fries, ein Ornament oder Wasserspeier hat eine Funktion: sie schützen  das Gebäude und machen es schöner. Doch wenn es weder Gott , Geister noch Schönheit gibt, ist für soetwas kein Platz und man landet beim Plattenbau, wo wir wieder bei Roger Scruton wären. Die moderne Architektur ist vor allem Ausdruck von Gottlosigkeit.

RMH

17. Mai 2026 09:28

@Volksdeutscher, danke für die Belehrung, ich tippe weiter ohne Rechtschreibprogramm, die gefundenen Rechtschreibfehler schenke ich Ihnen daher gerne. Sie haben meinen letzten Beitrag mal wieder nicht verstanden, hier geht es darum, die Debattenstrategie dahin zu erweitern, auch einmal unideologisch und ohne ästhetische Glaubensfragen das aktuelle Bauen zu hinterfragen und dessen Absurdität aufzuzeigen (wenn man etwas erreichen will, sind mehrere Angriffspunkte meist besser als nur einer). Zu Thema Ästhetik, Seele etc. habe ich übrigens in meinem Beitrag #13. Mai 2026 09:21 in wenigen Zeilen bereits das Wesentliche von dem zusammengefasst, wozu Sie jetzt im Empörungsmodus gleich mehrere Beiträge gebraucht haben. 

Volksdeutscher

17. Mai 2026 23:25

Haben Sie vielen Dank für den Tipp, ich habe Ihren Beitrag bereits gelesen. Sie haben mich leider mißverstanden, mir ging es um etwas Anderes, folgerichtig argumentierte ich in eine andere Richtung, selbst wenn ich teils dieselben Begriffe benuzte wie Sie. Aber sei es darum. Ich denke, das, was Sie geschrieben haben, ist tendenziell richtig, aber ergänzungsbedürftig. Auch Ihr Hinweis auf mehre Angriffspunkte kommt meinem Anliegen entgegen, das Phänomen von einer anderen Seite aufzurollen (siehe meine Beiträge) als Sie. Ich denke, man wird überdies nicht ohne Ideologie und ästhetische Glaubensfragen ästhetischen Phänomenen beikommen, da sie von vorne herein ideologisch oder philosophisch (Empirismus versus Rationalismus) unterbaut sind. Reine Ästhetik oder wie man es auch immer bezeichnen will, wird es nicht geben, weil es reine Erkenntnis eben nicht gibt. Daß man sich wünscht, es sollte das geben, gehört auf ein anderes Blatt.

RMH

18. Mai 2026 08:23

@Volksdeutscher, danke für Ihren Beitrag und die Erläuterungen. Es ist richtig, dass man 2 Weichenstellungen, bei aller Differenziertheit, die dazwischen möglich ist und auch existiert, einmal mehr aufs neue erkennen kann. Auf der einen Seite ein Menschenbild, welches den Menschen hin zum "Schönen" bringen will (Schiller, Goehte etc.) und auf der anderen Seite das, welches ihn zum Zweckmäßigen, Effizienten hin haben will. Dazwischen liegt ein Spannungsfeld, denn auch der "Schönste" benötigt ein gerüttelt Maß an Effizienz und ein nur Effizienter wird meist irgendwann ausgebrannt sein. Wo ist der "goldene Schnitt" zwischen beidem? Darüber kann man lange nachdenken. Aus meiner Sicht schließt sich beides nur dann aus, wenn man jeden der beiden Punkte extrem und ideal für sich alleine betrachtet.

Laurenz

18. Mai 2026 09:54

@Volksdeutscher ... linke Gesellschaften schöpfen sukzessive immer weniger Werte & leben immer mehr von der Substanz. Auch verlorene Kriege sind ein Resultat (häufig informell) linksextremer Politik. Die Baustile in Deutschland seit 3k Jahren haben viel mit Ressourcen zu tun. Man hätte statt eines Elbflorenz auch Schulen bauen & mehr Kanonen gießen können. August der Starke sollte besser August der völlig Verblödete genannt werden. Anders als die protestantischen Fürsten, gab es unter August kein Volksschulkonzept, ein Problem, daß sich über das Zentrum durch die ganze Katholische Geschichte bis heute zieht. Die Sächsische Armee war ständig unterfinanziert. Es wäre für die Sachsen besser gewesen, wenn man hätte August früh verunfallen lassen.

MarkusMagnus

18. Mai 2026 10:00

"Gibt es hier im Kommentariat jemanden, der echte Praxis-Efahrungen in Bezug auf das Bauen hat?"
@RMH
Hier.
"Alles mit Beton macht mich depressiv"
@Monika
Vor ein paar Tagen gab es eine Feier zum Jubiläum des Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Auch ein hässlicher Bau mit viel Sichtbeton. Furchtbar.

Volksdeutscher

18. Mai 2026 13:08

@Laurenz - Baustile und überhaupt der Umstand, daß gebaut wird, haben mit vielen verschiedenen Faktoren zu tun, mitunter mit materiellen, aber nicht nur. Lebensumstände und Lebensweise eines Volkes und das Klima, unter dem es lebt, sind dabei allesamt bestimmende Faktoren. Warum bauten die nomadischen Völker keine Häuser? Warum bauten die Japaner insgesamt anders als die Europäer? Warum bauten die Germanen, ob in Skandinavien oder auf dem europäischen Festland anders als die Römer? Wenn ich Sie richtig verstanden habe, haben Sie behauptet, daß die Italiener deshalb so viel in Stein gebaut hätten, weil sie früh ihre Wälder abgeholzt hätten. Aber die Griechen bauten ebenfalls in Stein und sogar noch schönere Bauten als die Römer. Im mediterranen Süden gab es nie viele Wälder, Bäume brauchen zum Wachsen indes Wasser, im Süden gibt es jedoch viel weniger Niederschlag im Vergleich zum Norden. Ob es nun viele Wälder gab oder nicht: Man kann nicht aus solchen Umständen erklären, woher bestimmte Völker eine dermaßen außergewöhnliche Begabung fürs Bauen haben wie die Italiener und die Griechen. Beim Bauen geht es zunächst einmal nicht um Stil, sondern um das Wissen von Material und Statik. All die Jahrtausende stellten Griechen und Italiener ihre Begabung und schier unerschöpfliche architektonische Phantasie unter Beweis. Das ist aus der Materie und ihrem Vorhandensein oder Nichtvorhandensein nicht erklärbar.

Hesperiolus

18. Mai 2026 14:49

Buchstäblich irresponsibel, dennoch @ Man hätte statt eines Elbflorenz auch Schulen bauen & mehr Kanonen gießen können. August der Starke sollte besser August der völlig Verblödete genannt werden. - Das darf nicht eines HIER - wie ultracrepidarianesk auch immer - Kommentierenden Ernst sein? Mit derartigen Phrasen diskreditieren Sie vollends sämtliche, zuweilen sogar anregende und geistreich provozierende Beiträge Ihrerseits. - Intrikat jedoch; ohne Königgrätz hätte es vielleicht noch vollprächtig dastehen können, das Elbflorenz. 

MarkusMagnus

18. Mai 2026 15:58

Die Römer und Griechen sind die Schöpfer der Zivilisation Europas.
Ihre Bauten faszinieren mich immer noch. Schade das die meisten antiken Weltwunder nicht mehr stehen.
Das Colloseum ist heute noch als Halbruine beeindruckend und moderne Fussballstadien sind ihm nachempfunden.

Majestyk

18. Mai 2026 17:03

@ Volksdeutscher:
Als die Germanen lebten war Deutschland überwiegend bewaldet. Von Beginn bis Ende des Mittelalters verlor das Gebiet fast zwei Drittel seiner Waldfläche. Wo die Population steigt muß der Wald weichen. 
Kreta als Beispiel war einst ebenfalls stark bewaldet. Minoer, Römer, Venezier und Osmanen haben diese abgeholzt u.a. für den Schiffbau. Ähnliches gilt für Sizilien. Andere Beispiele findet man in Nordeuropa. Island war zu Zeiten der Wikinger auch zu 40 Porzent bewaldet. Da war es eher die Beweidung, die den Wäldern den Garaus machte. Wo Wälder verschwinden reduziert sich übrigens auch der Niederschlag. Nach meinem Kenntnisstand hat Laurenz recht. 

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.