Die Akte Potsdam wird geschlossen

Die Akte ist geschlossen. Nachdem „Correctiv“ in Berlin gerichtlich abgekanzelt wurde, hat nun die Staatsanwaltschaft Potsdam ihre Ermittlungen zur sogenannten „Geheimkonferenz“ im November 2023 in der Villa Adlon eingestellt.

Weder Hochverrat noch Volksverhetzung liegen vor. Es gibt keine strafrechtlichen Konsequenzen. Auch jetzt noch reagieren einige Linke im Netz darauf mit Empörung. Doch die liberalkonservative Mitte folgt ihnen diesmal nicht. „Nie wieder ist jetzt“ zieht nicht mehr.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

All das war infor­mier­ten Beob­ach­tern natür­lich bereits klar. Doch die öffent­li­che Auf­merk­sam­keit ist trä­ge und die Mit­te zurück­hal­tend. Die ein­deu­ti­gen Schlag­zei­len zur Ein­stel­lung der Ermitt­lun­gen und der Sieg der AfD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Ger­rit Huy in Ber­lin sind jetzt der Anlaß, um die Kam­pa­gne auch im öffent­li­chen Bewußt­sein zu beerdigen.

Fakt ist: Das Land­ge­richt hat der Cor­rec­tiv GmbH unter­sagt, die Behaup­tung eines „Mas­ter­plans zur Aus­wei­sung von deut­schen Staats­bür­gern“ wei­ter­zu­ver­brei­ten, und die Staats­an­walt­schaft hat ihre Ermitt­lun­gen ohne jeg­li­ches Ergeb­nis ein­ge­stellt. Auch der letz­te Ret­tungs­ver­such von Cor­rec­tiv, die Kam­pa­gne durch ein erneu­tes Thea­ter­stück und die Auf­füh­rung bizar­rer Kron­zeu­gen zu ret­ten, scheiterte.

Unver­hoh­le­ner Ärger schien in der Bericht­erstat­tung von Blät­tern wie WELT, Ber­li­ner Zei­tung und NZZ in den letz­ten Mona­ten durch. Man fühlt sich zu Recht miß­braucht. Die Sub­stanz­lo­sig­keit der lin­ken Ver­schwö­rungs­theo­rie über die „Pro­to­kol­le der Wei­sen von Pots­dam“ konn­te auch mit der bes­ten Insze­nie­rung nicht dau­er­haft über­deckt werden.

Daß die „Nie wieder“-Kampagne so kläg­lich in sich zusam­men­ge­bro­chen ist, folgt einem wie­der­keh­ren­den Mus­ter. Von „Black Lives Mat­ter“ bis zu „Fri­days for Future“ erweist sich lin­kes Mar­ke­ting und Cam­paig­ning als rea­li­täts­fern, hys­te­risch und über­grif­fig. Mit mora­li­schem Bom­bast wer­den Tat­sa­chen ver­dreht, auf­ge­bla­sen und nar­ra­ti­visch über­la­den. Wer dann nicht mit­zieht, wenn die lin­ke Zivil­ge­sell­schaft zum Auf­bruch bläst, wird dazu als „Leug­ner“, „Schwurb­ler“ und „Extre­mist“ bezeichnet.

Am Ende stol­pern die­se mil­lio­nen­schwe­ren Schein­rie­sen stets in das “Fak­ten­loch”. Der Grün­dungs­my­thos gibt nichts mehr her. Man kann auch mit der größ­ten Pro­pa­gan­da­macht nicht frei über die Wirk­lich­keit ver­fü­gen. Das zeigt sich erneut am Bei­spiel von Cor­rec­tiv – und ist ermutigend.

Lin­ke Empö­rungs­kam­pa­gnen wir­ken nur in der Anfangs­pha­se stark. Oppor­tu­nis­ti­sche und mut­lo­se Gemü­ter las­sen sich davon beein­dru­cken und geben nach. In einer kri­ti­schen Pha­se stand auch die AfD knapp davor, sich den Begriff Remi­gra­ti­on, sogar in einer eigen­stän­di­gen Defi­ni­ti­on, gänz­lich ver­bie­ten zu lassen.

Doch im Sturm die Stel­lung zu hal­ten, zahlt sich aus. Denn der Rück­schlag, der auf die­se Lügen­kam­pa­gnen folgt, ist unüber­seh­bar. Von Black Lives Mat­ter über Fri­days for Future bis zu Pots­dam fügt der Rück­stoß­ef­fekt der lin­ken Hege­mo­nie gro­ßen Scha­den zu.

Zie­hen wir, mehr als zwei Jah­re nach Pots­dam, ein meta­po­li­ti­sches Fazit, so hat die­se Kam­pa­gne unse­rem Lager eher genützt. Die AfD steht bei bis zu 29 %, und das, ohne ihre Posi­tio­nen ver­scho­ben und ihre Idea­le ver­wäs­sert zu haben. Sie hat wie­der eine idea­lis­ti­sche und dyna­mi­sche Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on, die sich inter­na­tio­nal ver­netzt. Auch die Brand­mau­er brö­ckelt unaufhaltsam.

Erneut zeigt sich: Nicht Ent­ge­gen­kom­men, Unter­wer­fung und Selbst­ver­harm­lo­sung, son­dern der Auf­bau poli­ti­scher Gestal­tungs­macht ist der Schlüs­sel zum Erfolg. Remi­gra­ti­on ist dazu ein inter­na­tio­nal aner­kann­ter Begriff gewor­den. Der „Remi­gra­ti­on Sum­mit“ hat sich zu einer der wich­tigs­ten patrio­ti­schen Kon­fe­ren­zen West­eu­ro­pas ent­wi­ckelt, die Spit­zen­po­li­ti­ker aus aller Welt vereint.

Auch mir per­sön­lich hat die lin­ke Kam­pa­gne nicht gescha­det. Getreu mei­ner Maxi­me „immer in Bewe­gung blei­ben“ nutz­te ich die Dämo­ni­sie­rung als Treib­stoff für deutsch­land­wei­te Lese­rei­sen und Ent­lar­vungs­ak­tio­nen. Mein Buch, das neben Deutsch mitt­ler­wei­le auf Ita­lie­nisch, Spa­nisch, Por­tu­gie­sisch und Eng­lisch ver­füg­bar ist, wur­de zum Ama­zon-Best­sel­ler. Und auch das Insti­tut für Remi­gra­ti­on, eine neue Denk­fa­brik, die am 1. Juni ihre Akti­vi­tä­ten auf­nahm, wür­de ohne Pots­dam wahr­schein­lich nicht in die­ser Form existieren.

Auch hier blei­ben wir der Maxi­me treu: Der nächs­te Schritt ist eine euro­pa­wei­te Bür­ger­initia­ti­ve “Save Euro­pe Act”, die neben siche­ren Gren­zen und Remi­gra­ti­on den Erhalt der eth­no­kul­tu­rel­len Kon­ti­nui­tät der euro­päi­schen Völ­ker for­dert. Die Kam­pa­gnen­sei­te erreich­te in nur einer Woche mehr als 300.000 Unterschriften.

An die­ser Stel­le dür­fen aber die vie­len Men­schen, die in ihrem beruf­li­chen und fami­liä­ren Umfeld durch Pots­dam schwe­ren Scha­den erlit­ten haben, nicht ver­ges­sen wer­den. Dem lin­ken Kam­pa­gnen­ap­pa­rat ist es voll­kom­men egal, wenn sie Ruf­mord bege­hen, Unter­neh­men zer­stö­ren und sozia­le Ver­wer­fun­gen aus­lö­sen. Bei aller Freu­de über die­sen nar­ra­ti­ven Sieg dür­fen wir die Schul­di­gen nicht so leicht aus ihrer Ver­ant­wor­tung entlassen.

Wäh­rend die einen meta­po­li­tisch vor­pre­schen und Remi­gra­ti­on in die Mit­te der Gesell­schaft tra­gen, müs­sen ande­re die­se Kam­pa­gne akri­bisch auf­ar­bei­ten und die Schul­di­gen, wo es mög­lich ist, vor Gericht brin­gen. Vor allem Ulrich Vos­ger­au leis­tet hier bereits groß­ar­ti­ge Arbeit.

Die­se rück­sichts­lo­se und ver­lo­ge­ne Art der Kam­pag­nis­ie­rung muß end­lich Kon­se­quen­zen haben: wie­der und wie­der Lügen in den Raum zu stel­len, natio­na­le Hys­te­rien aus­zu­lö­sen, gewal­ti­gen Scha­den anzu­rich­ten und dann ein­fach unge­rührt wei­ter­zu­ma­chen: Das darf sich nicht mehr loh­nen. Das nächs­te Pots­dam muß im Keim erstickt werden.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

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Kommentare (2)

Maiordomus

16. Juni 2026 11:26

Als gelegentlicher Kritiker von Ihnen, der in jungen Jahren vor Ihren Methoden keineswegs zurückschreckte, sie waren nie kriminell, kann ich Sie für die Hartnäckigkeit in dieser Auseinandersetzung nur beglückwünschen. Die Schikanen gegen Sie in der Schweiz habe ich immer als solche bezeichnet. Ich konstatiere überdies in Ihrem Argumentarium Jahr für Jahr Fortschritte, was Sie mir als altem Schulmeister nicht als Überheblichkeit von oben herab ankreiden sollen. Zu unserer Zeit kannten und respektierten wir Gramsci auch schon, bei freilich noch bedeutenderen Orientierungsdenkern, zu denen ich heute noch stehe, siehe meine Rückweisung an einen hiesigen Dauerschreiber, die Klassiker der Politik hätten heute keine gesellschaftspolitische Bedeutung mehr. Der von Ihnen verehrte Heidegger betraf meine "Diplomlektion" als Philosoph, bei immerhin über 40 Wortmeldungen von Abiturienten. Ich empfehle Ihnen gelegentlich ein meditatives Abwandern des einzigartigen Textes "Der Feldweg" in Messkirch, den eine Teilnehmerin meiner Kurse sogar von sich aus auswendig memorierte.   

Laurenz

16. Juni 2026 12:34

@MS ... Über welche linke Medienmacht sprechen wir noch? Der Relotius verkauft noch 629k jeder Ausgabe, Tendenz fallend. Das ist zwar nicht nichts, aber von einer Macht bleibt nicht mehr viel. Deswegen drehen ja viele Linke auch am Rad. Der Relotius kommt aber auch nicht auf die Idee, seine Inhalte den Lesern anzupassen. Man meint immer noch, die überschaubaren Trottel, die dafür Geld hinlegen, manipulieren zu müssen. Es sind die Alternativen Medien, welche diese kultur-marxistische Berichterstattung aufgreifen & zerlegen, wie im Grunde zu ungewollter Reichweite verhelfen. ... @Maiordomus ... Sie verstehen mich völlig falsch. Ich habe nichts gegen Philosophen, hatte selbst einige gelesen. Es gibt auch gute Werke, welche das wesentliche der bekannten Philosophen-Schar zusammenfassen. Im letzten EK-Artikel hatte ich Ihnen Poschardt verlinkt. Der sagt im Gespräch mit Rieck Selbst, daß heute kein Mandatsträger der Zensur-Parteien mehr irgendwas an literarischer Kultur gelesen hat. Deswegen zweifle ich nicht Ihre heißgeliebten Philosophen an, sondern deren staats- & geopolitischen Einfluß. Sie zitieren eben selten jemanden, wie Burnham, der eine konkrete geopolitische Prognose abließ, die, wie sich zeigt, extrem an der Realität orientiert war. Poschardt & Rieck hatten, im Gegensatz zu Ihnen, Burnham gewiß nicht gelesen.